Wie redet ihr bei grossen Stress/bricht sich bei euch Wortschatz zusammen? Erscheint ihr bei Stress autistischer?

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    • Wie redet ihr bei grossen Stress/bricht sich bei euch Wortschatz zusammen? Erscheint ihr bei Stress autistischer?

      Hey, wie reden ihr wenn ihr gestresst seid?
      Kennt ihr es, wenn ihr dann Worte,Sätze abhakt, nicht richtig aussprecht, bei euch irgendwie der Wortschatz zusammenbricht?
      Wenn ja,wie würdet ihr es bezeichnen?
      Ich habe irgend wo mal gelesen,dass neurotypische Menschen sich bei Stress noch neurotypischen Verhalten, Autisten bei Stress noch autistischer..
      Wie kennt ihr es von euch, was ist eure Erfahrung!
      Was habt ihr bei euch und andere Autisten beobachtet?

      Herzlichen Dank.
      Alles Gute.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:
    • Daniel1 wrote:

      Hey, wie reden ihr wenn ihr gestresst seid?
      Monotoner und/oder in einer viel zu hohen Geschwindigkeit.

      Daniel1 wrote:

      Kennt ihr es, wenn ihr dann Worte,Sätze abhakt, nicht richtig aussprecht, bei euch irgendwie der Wortschatz zusammenbricht?
      Ja, teilweise. Es kann dann auch passieren, dass ich mitten im Satz wie in ein Freeze verfalle und erstmal nicht weiß, wie der Satz fortzusetzen ist.

      Ich denke schon, dass ich unter (großem) Stress autistischer wirke, weil ich dann oft nicht mehr kompensieren kann.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Daniel1 wrote:

      Hey, wie reden ihr wenn ihr gestresst seid?
      Da habe ich noch nie weiter drüber nachgedacht. Vermutlich spreche ich dann eher schneller.

      Daniel1 wrote:

      Kennt ihr es, wenn ihr dann Worte,Sätze abhakt, nicht richtig aussprecht, bei euch irgendwie der Wortschatz zusammenbricht?
      Wenn ja,wie würdet ihr es bezeichnen?
      Ja, wenn ich sehr aufgeregt/gestresst bin, dann komme ich schnell ins Stocken und ich muss auch immer wieder nach Worten 'suchen' oder sie dann umschreiben. Das Stresst dann zusätzlich und es kommt gelegentlich vor, dass ich einfach keine Gedanken mehr 'zu fassen' bekomme. Dann muss ich erstmal kurz inne halten. Im Streit kann es dann vorkommen, dass ich einfach nur noch reglos verharre und mich bei nächster Gelegenheit zurück ziehe. Sehr unangenehm, wenn das mit 'Außenstehenden' (Vermieter) passiert.

      Daniel1 wrote:

      Ich habe irgend wo mal gelesen,dass neurotypische Menschen sich bei Stress noch neurotypischen Verhalten, Autisten bei Stress noch autistischer..
      Achso? Ich habe irgendwo mal gehört, dass gestresste Neurotypische auch autistische Symptome zeigen.

      Daniel1 wrote:

      Wie kennt ihr es von euch, was ist eure Erfahrung!
      Was habt ihr bei euch und andere Autisten beobachtet?
      Ich werde unter Stress auf jeden Fall reizempfindlicher, neige dann zu 'kreisenden' Gedanken und kann mich deutlich schlechter überwinden mit jemandem zu sprechen oder allgemein mitzuteilen.
    • Oft weiß ich zwar was ich sagen will, aber beim Sprechen bricht dann der Satzbau zusammen. (RW) Dann versuche ich das irgendwie zu retten, was dann nicht selten schief geht und noch schlimmer wird. Wortfindungsstörungen gehören auch dazu. Es kommt aber auch schon mal vor, dass ich nicht mehr weiß was ich eigentlich sagen wollte. Also die Möglichkeit, dass ich mich in der Kommunikation zum Idioten mache ist ziemlich hoch. :m(:
      Weiß jetzt nicht ob NTs da so einen Autopiloten haben oder das irgendwie anders funktioniert, aber bei mir ist es auch mit dem Autopilot (Masking) auch nicht unbedingt besser. Gerade wenn ich maskiere und dann noch Stress dazu kommt, werde ich immer unsicherer, was man dann auch an meiner Kommunikation merkt. Teilweise wurde mir in solchen Situationen das Lügen unterstellt, obwohl ich lediglich meine Kommunikation nicht Griff hatte. (RW)
    • Daniel1 wrote:

      Ich habe irgend wo mal gelesen,dass neurotypische Menschen sich bei Stress noch neurotypischen Verhalten, Autisten bei Stress noch autistischer..
      Prof. Tebartz van Elst sagte mal in einem Vortrag: bei Stress ist ein Autist autistischer, jemand mit einer Depression depressiver, und jemand mit ADHS hyperaktiver als sonst.
      Ob der Neurotypische auch neurotypischer ist, bezweifle ich aber. Er wird wohl eher auch die eine oder andere psychische Auffälligkeit zeigen.
      Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll. (Georg Christoph Lichtenberg)
      Veränderungen führen deutlich öfter zu Einsichten, als dass Einsichten zu Veränderungen führen. (Milton H. Erickson)
      Morgen werde ich mich ändern, gestern wollte ich es heute schon. (Christine Busta)
    • platzhalter wrote:

      Weiß jetzt nicht ob NTs da so einen Autopiloten haben oder das irgendwie anders funktioniert
      Also wenn sie einen haben, dann ist der Autopilot einiger Nicht-Autisten auf jeden Fall betrunken. Denn ich habe auch schon so einige ziemlich dürftige Kommunikationsversuche von Nicht-Autisten unter Stress erlebt.


      Tuvok wrote:

      Ob der Neurotypische auch neurotypischer ist, bezweifle ich aber.
      Ich habe mich gefragt, wie denn das überhaupt aussähe, neurotypischer zu sein. Spricht dann einer nur noch Floskeln oder Redewendungen? Oder lächelt und sozialgrunzt immer zu? Das wiederum wäre dann ja aber schon wieder auch nicht mehr typisch, sondern auffällig. Also dürfte man einem "Neurotypischen" dann ja eher gar keinen Stress anmerken. Das bezweifle ich jedoch auch.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)

      The post was edited 1 time, last by Kayt ().

    • Dazu kommt ja noch, dass ich in Aufregung und Stress selbst bei schriftlichen Sachen meine eigenen Fehler nicht sehe. Das realisiere ich dann immer erst viel später wenn es dann zu spät ist. :? Leider habe ich auch niemanden der mich bei solchen banalen Sachen unterstützt. Gerade weil man bei der Kommunikation meistens nur einen Versuch hat und da hilft dann meistens auch die Erklärung nichts das man Autist ist. In solchen Situationen bin ich oft sehr wütend auf mich. :x Weil es mir soviel im Leben verbaut (RW)
    • Bei Stress atme ich irgendwie abgehackt, oberflächlicher, sodass ich beim Reden außer Atem komme und nach Luft schnappe. Dazu kommt dann noch, dass mir vieles nicht mehr einfällt, ob nun Wörter oder Argumente. Hinterher, viel später fällt mir dann ein, was ich eigentlich sagen wollte.
      Glaub nicht alles, was du denkst.
    • Ich bin meistens komplett perplex, bekomme meine Gedanken nicht richtig zu fassen, starre auf einen Punkt und versuche im Kopf zu formulieren was ich sagen will, was nicht funktioniert. Bin dann oft nicht so richtig ansprechbar in dem Moment. Meistens fange ich aus Überforderung an zu weinen. Das überfordert wiederum mein Gegenüber, den meine Reaktion oft noch wütender/aggressiver etc. macht. Wenn ich überhaupt was rauskriege, dann abgehakt, finde nicht die richtigen Worte, breche wieder ab usw.
      Ich kann einfach nicht richtig reagieren. Muss dann erstmal aus der Situation raus, runterkommen, meine Gedanken ordnen und dann kann ich ein Gespräche darüber führen. Das kann aber auch mal zwei Wochen dauern, bis ich soweit bin.
      "The universe is under no obligation to make sense to you" :prof: Neil DeGrasse Tyson
    • Daniel1 wrote:

      Ich habe irgend wo mal gelesen,dass neurotypische Menschen sich bei Stress noch neurotypischen Verhalten, Autisten bei Stress noch autistischer..
      Ich konnte früher unter Stress kaum noch was sagen, aber das habe ich mittlerweile gut gelernt, damit umzugehen. Es hat aber nach wie vor seine Grenzen.

      Man kann das alles lernen, aber das ist ein langsamer und mühevoller Prozess und kann viele Jahre dauern, evt ein Leben lang. Mir war und ist es das wert.

      Was unter Stress oder bei Bedrohung helfen kann, ist mein Leitsatz: ICH bin OBEN, immer und in jeder Situation. Ich bestimme, kontrolliere und habe die Macht.


      oneman
      Wo ich bin ist oben und wenn ich unten bin dann ist unten oben
    • bei wirklich extremer Belastung geht alles auf 0. Dumm bei Vorstellungsgesprächen oder vor dem Traualtar.
      Bei hohem Stresslevel steigt zuerst meine Sprachqualität, ich spreche monotoner, schneller und habe eine erhöhte Augenbewegungsgeschwindigkeit und meistens werde ich auch körperlich unruhig. Zappelphilipp nennt man es glaub ich so zum Verhleich und das passiert auch bei sehr intensiven Themen.
      Mich in solch einer Situation zu bremsen geht dann nur noch von außen. Im direkten Umfeld ist es das Handzeichen für Time out. Kommt das nach einer Wiederholung nicht an wird es schwierig und es braucht dann eine akustische Unterbrechung wie eine Klingel oder eine Türe die zugeknallt wird.

      Ist es eine plötzliche Störung von außen die mich im Sprechen unterbricht finde ich zuerst keine Worte mehr, stammle vor mich hin, versuche mich zu sortieren, was dauern kann. Auch hier kommt es auf die Geduld und Toleranz meines Umfeldes an.

      Auch Menschen ohne Autismus haben ihre Probleme in Gesprächen oder Gesprächen unter Stresseinwirkung. Scheinbar können sie sich besser tarnen, dies im Gespräch mit einbeziehen, es umschreiben, peinlich Berührt sein, rotes Gesicht bekommen, stottern usw. Also Mittel anwenden die ich weder erkennen noch interpretieren kann. Und sie beginnen auch öfter Aussagen zu tätigen die nicht stimmen, sich rauszureden, zu umschreiben, sich über das und sich selbst lustig machen, zu lügen. Auch etwas was ich nicht merke und erkenne. Irgendwie haben sie immer eine Ausrede parat.
      Redewendungen, Ironie usw. kommen auch häufiger vor und sind eine Falle für mich.

      Ich habe mir so ein Echo Gerät angeschafft und benötige es sehr oft zur Definition von Redewendungen, Floskeln oder Mehrbedeutung von Wörtern. Letzteres ist mein größtes sprachliches Hindernis in Gesprächen.
      Somit denke ich das auch NTˋs nicht ohne Defizite Gespräche führen.
      Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.
      (Erich Kästner)
    • Bei mir kommt es auf die Situationen an. In Paniksituationen, wo viele Menschen in Stress oder Panik verfallen, bin ich die Ruhe selbst (RW). Kein Sinn ist eingeschränkt und ich kann mich ganz normal bewegen und artikulieren.

      Die stärksten Stresssymptome habe ich, wenn es um Alltagssituationen mit anderen Menschen insbesondere mit Fremden geht.
      Mein Sehsinn ist dann sehr eingeschränkt, am besten schließe ich die Augen dann oder schaue nur noch auf einen Punkt. Auch kann ich mich dann nicht mehr konzentrieren, dass bedeutet für mich dann, dass ich Probleme habe Wörter zu finden oder Sätze zu bilden. Außerdem kann ich in Stresssituationen nicht lesen.
      Zusätzlich fange ich auch an monotoner und langsamer zu reden, zu stottern und verhaspele mich oft.

      Das mit dem Stottern habe ich auch schon oft bei NTs beobachtet, wobei es dort dann auch oft mit einer Lüge verbunden ist. Ich würde demnach nicht unbedingt sagen, dass neurotypische Menschen neurotypischer werden in Stresssituationen.
      "Etwas ist nicht recht, weil es Gesetz ist, sondern es muss Gesetz sein, weil es recht ist." Charles de Montesquieu
    • Es kommt sehr auf meine momentane Verfassung und die Art der Überforderung an. Oft kommt es vor dass ich bei Stress undeutlich spreche, sowohl was den Klang meiner Stimme als auch den inhaltlichen Zusammenhang des Gesagten betrifft und Sätze nicht zu ende spreche. In schlimmeren Fällen stottere ich (das ist ansonsten völlig untypisch für mich) oder ich kann manchmal sogar garnicht mehr sprechen. Ich wirke bei Stress insgesamt autistischer als sonst.
      Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand,
      denn jeder ist überzeugt dass er genug davon habe.
      René Descartes
    • Daniel1 wrote:

      Kennt ihr es, wenn ihr dann Worte, Sätze abhackt, nicht richtig aussprecht, bei euch irgendwie der Wortschatz zusammenbricht?
      Ja, das kenne ich. Wenn es ganz schlimm ist, bekomme ich gar kein Wort mehr heraus und sitze da wie betäubt.
      Außerdem wird mir innerlich sehr heiß, was sich vermutlich an äußerlich sehr sehr rotem Kopf auch zeigt, ich fange an zu schwitzen und wünsche mich an den Nordpol (RW), also ganz weit weg.
      Wenn ich aus der Situation nicht fliehen kann, kommen Tränen.

      Ist das jetzt neurotypischer ?

      Die letzte solche extreme Situation war bei mir allerdings vor der Jahrtausendwende.

      Ich halte es daher für möglich, dass bei Dir @Daniel im Gegensatz zu mir der Unterschied sehr stark darin liegt, wie oft wir in solche Situationen kommen.
      Und das ist bei mir sehr sehr selten.
    • Stefunie wrote:

      Daniel1 wrote:

      Kennt ihr es, wenn ihr dann Worte, Sätze abhackt, nicht richtig aussprecht, bei euch irgendwie der Wortschatz zusammenbricht?
      Ja, das kenne ich. Wenn es ganz schlimm ist, bekomme ich gar kein Wort mehr heraus und sitze da wie betäubt.Außerdem wird mir innerlich sehr heiß, was sich vermutlich an äußerlich sehr sehr rotem Kopf auch zeigt, ich fange an zu schwitzen und wünsche mich an den Nordpol (RW), also ganz weit weg.
      Wenn ich aus der Situation nicht fliehen kann, kommen Tränen.

      Ist das jetzt neurotypischer ?

      Die letzte solche extreme Situation war bei mir allerdings vor der Jahrtausendwende.

      Ich halte es daher für möglich, dass bei Dir @Daniel im Gegensatz zu mir der Unterschied sehr stark darin liegt, wie oft wir in solche Situationen kommen.
      Und das ist bei mir sehr sehr selten.
      Hey liebe @Stefunie , kannst du mir sagen wie man dies nennt.

      Ich lese und lese und komme nicht dahinter.
      Ist es ein Teil der Reizüberforderung/Overload?
      Uber Shutdown muss ich seperatem Thread nachfragen wie es bei euch ist, da ich sehr viel drüber gelesen habe, es nicht verstehe.
      Bei mir bricht immer wieder das 'ganze System zusammen', wo ich auch Denkprobleme habe und Konzentration zu streiken scheint.
      Bei Shutdown steht in Berichten aber auch was mit abschalten, dass aber im anderen Thread, damit es übersichtlich bleibt.
      Ich kann nicht zuordnen was bei mir passiert und wie man es nennt, sorry.
      Ist es ein seperates Störungsbild, wie nennt man es?

      Alles Gute.
      Herzlichen Dank.
      Ganz liebe Grüsse,
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:

      The post was edited 1 time, last by Daniel1 ().

    • platzhalter wrote:

      Teilweise wurde mir in solchen Situationen das Lügen unterstellt, obwohl ich lediglich meine Kommunikation nicht Griff hatte. (RW)
      das kenne ich auch :-(


      kim wrote:

      Bei Stress atme ich irgendwie abgehackt, oberflächlicher, sodass ich beim Reden außer Atem komme und nach Luft schnappe. Dazu kommt dann noch, dass mir vieles nicht mehr einfällt, ob nun Wörter oder Argumente. Hinterher, viel später fällt mir dann ein, was ich eigentlich sagen wollte.
      geht mir genauso :-(
      Mit kaputten Siebenmeilenstiefeln aus dem Burnout. Von wegen. Nix schnell. Grmpf! Doch, jetzt gehts vorwärts!!! Update: Himmelherrgottnochmal, was dauert das lange :-(


      Wenn man sowieso der Doofe ist, kann man alles ja auch so machen, dass es für einen selbst am angenehmsten ist.
    • Daniel1 wrote:

      Hey, wie reden ihr wenn ihr gestresst seid?
      Du meinst: öffentlich reden, im Job z. B., vor Kunden, Publikum usw. Vielleicht monotoner, auf jeden Fall mit einem inneren Druck, durch den ich wie ein Roboter rede und selbst nicht mehr mitbekomme, wenn ich etwas Falsches sage. Die Menschen um mich herum nehme ich dann auch nicht mehr als Individuen wahr. Rückmeldung von anderen: Meine Gestik wird ausgeprägter, ich beginne mit den Händen rumzufuchteln.

      Bei privatem Stress, also Streit zuhause, werde ich schnell stumm.
      Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass das alles (trotzdem) megasuper werden wird. (aus: Philipp Gärtner, Olm)