Lieber Arbeitslos/Arbeitsunfähig als Job der einen langsam kaputt macht?

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    • Lieber Arbeitslos/Arbeitsunfähig als Job der einen langsam kaputt macht?

      Ich hatte hier vor einiger Zeit einen Thread zu meiner Umschulung im Büro eröffnet, in dem ich meine Erfahrungen der 2 Jahre vielleicht nochmal detaillierter niederschreiben werde.

      Aber erstmal würde ich mich über ehrliche Meinungen und Gedankengänge von euch freuen.

      Und zwar habe ich meinen Praxisteil in einem Betrieb gemacht, wo nach dem Vorstellungsgespräch alles ganz gut klang. Ich legte offen alle Karten auf den Tisch, was meinen Asperger und meine Defizite anbelangt. Aber auch, wo charakterlich und beruflich meine Stärken liegen. Am Ende hieß es, die brauchen einen "Aktenwühler" der gut in MS Office ist und den Sachbearbeitern zuarbeitet. Klang prima für mich.

      Davon ist in der Praxis allerdings nichts zu merken gewesen. Stattdessen das einzige Gebiet, das ich für mich komplett ausgeschlossen habe. Sekretariat bzw. Frontdesk. Viel mit Leuten zu tun haben und diplomatisch sein müssen. Ständig klingelt das Telefon oder Leute wollen spontan was von einem. Ständig irgendwelche akustischen Reize und die Sekretärin, mit der ich zusammen arbeite, ist eine typische "Klischeetippse". Ich bin natürlich professionell freundlich, aber ich kommt mit ihr gar nicht zurecht und wir geraten öfter mal aneinander. Was für sie gar nicht schlimm ist, aber mich extrem belastet. Ich vermute mal, kleine Zickerein gehören dann zum Büroalltag dazu? Auch bei sowas bin ich leider ziemlich empfindlich.

      Auch ansonsten wird wenig (oder eher gar keine) Rücksicht auf meinen Asperger genommen. An die Schule habe ich mich gewendet. Keine Hilfe, ich soll froh sein, in Coronazeiten überhaupt einen Arbeitsplatz gefunden zu haben. Also habe ich jetzt das Jahr durchgezogen. Nun endet die Umschulung bald und das Unternehmen möchte mich mit einer großzügigen Förderung für die nächsten Jahre übernehmen. Von allen Seiten (Arbeitgeber, Schule, Arbeitsamt) bekomme ich Druck, das Angebot anzunehmen. Weil es im Büro überall so ist und es keine Plätze im Back Office oder der Buchhaltung gibt. Nur im für mich hektischen und belastenden Getümmel. Wenn es mir nicht passt, soll ich mich neben der Arbeit selbstständig bewerben. Nur habe ich dafür leider keine Kraft. Ich komme nach Hause, falle ins Bett und schlafe bis zu 12 Stunden. Wenn mich meine Eltern nicht in Haushaltsdingen unterstützen würden, hätte ich während dieses Jahres echt Probleme bekommen. Selbst wenn ich am Wochenende Bewerbungen schreiben würde, ich Vorstellungsgespräche wären für mich in meinem aktuellen Zustand undenkbar.

      Nun war der Druck zu viel für mich und habe habe bereits zugesagt, dort anzufangen. Obwohl ich deutlich vermittelt habe, dass das im Burnout endet, wenn das so weiter geht. Das bestätigt aber alle nur darin, dass ich es woanders auch nie schaffen würde und ich mal dankbar sein soll, dort anzufangen.


      Nehmen wir mal an, die erzählen mir alle die Wahrheit und ich werde nie eine ruhige Stelle im Büro finden, wo man Rücksicht auf mich nimmt. Ich habe über Weihnachten Zeit zum reflektieren gehabt und frage mich, ob ich nicht einfach kapitulieren sollte. Mich von meinem Arzt krank schreiben, bis ich gekündigt werde, und dann entweder so lange arbeitslos sein, bis ich was passendes finde. Oder halt den Sozialhilfe-Stempel aufgedrückt bekommen. Versteht mich nicht falsch, ich WILL arbeiten. Aber ich kann im Front Office einfach nicht arbeiten. Zu viel Umgebungsreize, zu viel spontanes agieren, zu viel "Casual Umgang" mit zu vielen Menschen.

      Nun könnte ich noch soviel schreiben, die Gedanken rasen gerade. Es lief einiges falsch in dem Unternehmen und ich bin ehrlich gesagt geschockt, wie gewisse Stellen mir eher Druck machen, als mir zu helfen. Für die bin ich wirklich nur eine Nummer. Die Schule will ihre Übernahmequoten hoch halten und das Arbeitsamt will mich aus der Statistik raus haben. Mein Arbeitgeber eine billige Arbeitskraft, für die sie kaum Gehalt zahlen müssen. Ich stelle mich auch nicht komplett dämlich an. Man ist schon halbwegs zufrieden mit mir, aber es kostet mich all meine Kraft des Tages, das jeden Tag durchzustehen. Als Perfektionist bekomme ich das leider nicht aus mir raus, trotz allem auch in diesem für mich ungeeigneten Gebiet die beste Leistung zu bringen.

      The post was edited 1 time, last by Randomaspie ().

    • Ist immer schwierig, einem anderen zu raten.

      Aber , wenn ich das lese, bekomme ich ein ungutes Gefühl. Er kommt mir vor, als ob niemand sieht, was in dir vorgeht und wie stark dich die Situation belastet und welche Kraft dich die Arbeit kostet. IMO treibt man dich so in die Erwerbsminderung!

      Mein dringender Rat wäre: Such dir "Verbündete" und Unterstützer:
      Gibt es in deiner Gegend professionelle Angebote, die sich mit Asperger auskennen? Ich habe sehr intensiv suchen müssen, bis ich Menschen gefunden habe, die meine Empfindungen und meine Möglichkeiten nachvollziehen können. Und nun bremsen die mich, wenn ich wieder in diesen "ich muss mich nur zusammenreißen, dann kann ich den Druck noch Widerstand leisten"-Modus komme.

      Ich befürchte, dass es für viele Menschen einfach nicht nachzuvollziehen ist, was es hochfunktionalen Menschen wie uns an Kraft und Energie kostet. Es wird das Äußerliche gesehen und so lange geschoben und gezogen, bis man ins Stolpern kommt.

      Es gibt da draußen garantiert einen passenden Arbeitsplatz, der auf deine Belange Rücksicht nimmt. Nur wie finden? Von daher solltest du Unterstützung einfordern! Wie wäre es, wenn du eine Beratung suchst? Käme das für dich in Betracht?
    • Hallo,

      es tut mir leid, dass es dir nicht gut bzw. im Prinzip schlecht geht.

      Ich finde deine aktuelle Situation klingt gar nicht gut und dass es nicht sein kann, dass die auf Kosten deiner Gesundheit dich in diesen Job vermitteln. Es klingt so, als hättest du aktuell auch nicht mehr genug Kraft, dich nach einem anderen Job umzusehen. Ich weiß nicht, ob du eher ländlich oder in einer Großstadt wohnst, wie es also ausschaut hinsichtlich der Verfügbarkeit von Jobs. Und ich weiß auch nicht, ob du so mobil wärst, in einer anderen Stadt einen Job anzunehmen. Denn das du irgendwo etwas Besseres findest als deinen aktuellen Job würde ich schon mal annehmen.

      An deiner Stelle würde ich in einem ersten Schritt alle möglichen Hilfen aktivieren, die dich darin unterstützen, dass der aktuelle Job nicht geht. Und dass Jobcenter, Umschulungsanbieter usw. dich unterstützen, etwas anderes zu finden. Also Attest vom Arzt, Integrationsfachdienst ansprechen und was auch immer es sonst noch so für Stellen gibt, die dir helfen könnten. Evtl. auch sozialpsychiatrischer Dienst o.ä.

      Wenn da nichts geht, und ich finde du klingst ziemlich nach BurnOut, dann fände ich eine AU angemessen, auch gerade damit du Zeit und Lust hast nach etwas Passendem zu suchen.

      Alles Gute!
      Surprised by the joy of life.
    • Naja, als richtigen Verbündeten habe ich eigentlich meinen Rehaberater im Arbeitsamt. Der sollte sich für mich einsetzen. Ich habe auch von Leuten gehört, wo das funktioniert. Ich bekomme von meinem nur Vorwürfe und Druck.

      Zwar habe ich tatsächlich seit wenigen Jahren eine Autismusbegleitung und mein langjähriger Psychiater steht auch auf meiner Seite. Beide sind dagegen gewesen, dass ich nach der Umschulung überhaupt dort anfange. Ich dachte, damit hätte sich die Sache erledigt und das Arbeitsamt wird diesen Einschätzungen nachkommen. Leider kam da nur "Die meinen es bestimmt gut, haben aber gar keine Ahnung, wie es auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Wir schon und wir wollen, das Sie da anfangen".

      Mein Problem ist eben, sobald ich wieder arbeitslos bin, bin ich vom Arbeitsamt/Jobcenter abhängig. Mit denen kann ich es mir einfach nicht verscherzen. Auch wenn die mich so beschissen behandeln.
    • Wäre es für dich vorstellbar, zur Überbrückung, bis du etwas passendes findest in Teilzeit dort weiter zu arbeiten?
      Unter bestimmten Bedingungen hat man das Recht auf einen Teilzeitvertrag. gesetze-im-internet.de/tzbfg/__8.html
      Danach müsste der Betrieb mind. 15 Mitarbeiter haben und dann könntest du nach 6 Monaten eine Teilzeitbeschäftigung beantragen.
      Aber vielleicht wäre der Arbeitgeber auch bereit dir das von Anfang an anzubieten?

      The post was edited 1 time, last by Gluon ().

    • Randomaspie wrote:

      Naja, als richtigen Verbündeten habe ich eigentlich meinen Rehaberater im Arbeitsamt. Der sollte sich für mich einsetzen. Ich habe auch von Leuten gehört, wo das funktioniert. Ich bekomme von meinem nur Vorwürfe und Druck.

      Zwar habe ich tatsächlich seit wenigen Jahren eine Autismusbegleitung und mein langjähriger Psychiater steht auch auf meiner Seite. Beide sind dagegen gewesen, dass ich nach der Umschulung überhaupt dort anfange. Ich dachte, damit hätte sich die Sache erledigt und das Arbeitsamt wird diesen Einschätzungen nachkommen. Leider kam da nur "Die meinen es bestimmt gut, haben aber gar keine Ahnung, wie es auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Wir schon und wir wollen, das Sie da anfangen".

      Mein Problem ist eben, sobald ich wieder arbeitslos bin, bin ich vom Arbeitsamt/Jobcenter abhängig. Mit denen kann ich es mir einfach nicht verscherzen. Auch wenn die mich so beschissen behandeln.
      Ich hatte ein Problem mit der Rentenversicherung, wo jemand scheinbar Asperger für geistig sehr, wie soll ich sagen? Richtung stark lernbehindert einstufte. War erst geschockt, dass jemand meine geistigen Fähigkeiten so falsch einschätzt. Habe dann mit mehreren Menschen gesprochen (Psychologe, Berater etc) und dann ein weiteres Gespräch mit ihr gesucht.

      Es stellte sich dann heraus, dass diese Person einfach keine "moderne" Vorstellung von Asperger hatte. Wir konnten dann meine Fähigkeiten und Einschränkungen besprechen. Für mich war es gut, dass ich einen guten Unterstützerkreis habe, denn ich war verunsichert.

      Denke, dass neben solchen Dingen wie "dann ist er aus der Statistik raus", auch falsche Einschätzungen eine Rolle spielen. NT denkt, wenn ich ihn in die "richtige Richtung stupse", dann klappt das auch langfristig. Dass dir dadurch aber ein gesundheitlicher Schaden entsteht, ist für diese Personen nicht sichtbar.

      Auch dieses

      Randomaspie wrote:

      "Die meinen es bestimmt gut, haben aber gar keine Ahnung, wie es auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Wir schon und wir wollen, das Sie da anfangen".
      Hatte ich ähnlich! Mir wurde gesagt, dass die Beraterin viel mehr Ahnung hat, als alle Menschen, mit denen ich gesprochen habe.
      Da habe ich gefragt, wie viel Erfahrung haben Sie genau mit erwachsenen Asperger Autisten?

      Mein Rat wäre:
      1. Kontakt mit z.B. Diversicon aufnehmen. Gibt da online per Videocall eine kostenfreie Beratung. Dann fragen, ob der Berater bereit wäre ggf mit deinem Berater vom AA über ALLGEMEINE Asperger - Beruf Themen zu reden.

      2. Selbstbewusst sein zeigen, dass du als Asperger Autist weißt, was für dich gut ist, dass du die - wenn du unsicher bist - Hilfe von Fachleuten holst. Und dass es keinen Sinn macht, wenn du jetzt einen Job machst, der dich in wenigen Monaten neben der Kündigung in einen massiven Burnout bringt.
    • Randomaspie wrote:

      Zwar habe ich tatsächlich seit wenigen Jahren eine Autismusbegleitung und mein langjähriger Psychiater steht auch auf meiner Seite. Beide sind dagegen gewesen, dass ich nach der Umschulung überhaupt dort anfange. Ich dachte, damit hätte sich die Sache erledigt und das Arbeitsamt wird diesen Einschätzungen nachkommen. Leider kam da nur "Die meinen es bestimmt gut, haben aber gar keine Ahnung, wie es auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Wir schon und wir wollen, das Sie da anfangen".
      Die vom Arbeitsamt mögen Ahnung davon haben, wie es aktuell (!) auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Aber deine Autismusbegleitung und dein Psychiater kennen deine Belastbarkeit vermutlich ein wenig besser. Und du hattest im Vorfeld ja klare Vorstellungen davon, was nicht funktioniert im Büro. Und du hast es ein Jahr lang ausgetestet, ob es nicht doch geht, wenn ich dich richtig verstanden habe.
      Wenn du das Gefühl hast, die Arbeit im Sekretariat wird für dich im Burnout/Arbeitsunfähigkeit enden, dann würde ich auf deinen Bauch hören (RW).
      Wenn du den Job machst, scheint es letztlich nur eine Frage der Zeit sein, wann du wieder aufhörst/aufhören musst. Nur dass du dann nicht nur ohne Job bist, sondern auch ein Burnout hast.

      Du hast doch die Umschulung fertig gemacht. Es gibt Bürojobs, bei denen du keinen Kontakt zu Kunden hast. Vielleicht, das weiß ich nicht, gibt es jetzt gerade keinen solchen Job. Aber das verändert sich ja immer wieder. Du willst arbeiten, du hast die Fähigkeiten und du musst, genau wie jeder andere Mensch auch, nicht den ersten Job annehmen, der dir vor die Füße fällt (RW).

      Vielleicht sprichst du noch mal mit deinem Psychiater über die Sache? Er scheint sich ja gegenüber dem Arbeitsamt gegen die Annahme des Jobs geäußert zu haben. Vielleicht hat er eine Idee, was du jetzt tun kannst oder solltest, damit du heil aus der Sache raus kommst.
    • @Randomaspie
      Wie sieht es aus mit der Beantragung von Schwerbehinderung? Der Integrationsfachdienst könnte eventuell helfen und für dich sprechen, was du leisten kannst und was nicht.
      Ich bin gelernte Industriekauffrau und Front Office im Bereich Verkauf, Einkauf oder Teamassistenz ist für mich auch ungeeignet. Aber ich habe eine Weiterbildung als Finanzbuchhaltetrin gemacht und schon dreimal einen geeigneten Job in der Buchhaltung gefunden. Allerdings zuerst über Zeitarbeit. Inzwischen habe ich aber eine Festanstellung.

      Einen Job zu machen, der einen völlig fertig macht, ist eine schlechte Idee. Mich hat das schon schwer krank gemacht und anschließend war ich acht Jahre arbeitslos.
      Glaub nicht alles, was du denkst.

      The post was edited 2 times, last by kim ().

    • Hallo,

      es tut mir leid, dass es bei dir so läuft. Ich kann etwas aus meinem Lebenslauf teilen:

      Bei mir was es früher so, dass ich von der Agentur für Arbeit immer nur Stellen-"Angebote" bekommen habe, auf die ich mich nie selber beworben hätte. Damals hatte ich viel Druck, musste mich leider zumindest auf gewisse Stellen bewerben. Wenn die Stelle selber nicht wollte, habe ich mir beim Vorstellungsgespräch einfach keine Mühe gegeben. Und manche "Angebote" konnte ich ablehnen, da ich nicht mobil war. Wenn die Fahrzeit mit den Öffis zu lange dauert, gab es (vermutlich auch heute) keine Sanktionen.

      Aus Erfahrung weiß ich, dass sich manches leider erst bessert, wenn man Widerstand leistet. Allerdings nur soviel bzw in der Form, welche dir selber keine Möglichkeiten verbaut oder Konsequenzen bringt, welche du nicht tragen kannst.

      Hier ist noch, was ich machen würde, wäre ich in der von dir beschriebenen Situation:

      - Ansprechen, dass die tatsächlichen Tätigkeiten nicht die sind, welche vereinbart wurden. Als Kompromiss danach fragen, ob es Möglichkeiten gibt, weniger Sekretariat und/oder Frontdesk auszuüben. Ein weiter Kompromiss wäre ggf. Sekretariat aus einem Hinterzimmer (Einzelbüro).
      - Immer mal wieder ansprechen.

      Falls es nichts bringt:
      - Krank schreiben lassen und dir selber eine neue Stelle suchen.
      - Falls eine Stelle dir zusagt, ggf. erst in Teilzeit anfangen. Wenn die Umstände tatsächlich zu dir (und deinem Leistungsprofil) passen, kannst du immer immer noch mehr arbeiten.

      Ich habe damals irgendwann meine Gesundheit zu einer Priorität gemacht. Das hat mir gehofen, einigem Druck zu widerstehen. Ach ja, heute habe ich einen recht ruhigen Bürojob, wenig Zentrale/Tür/Telefon und meine Gesundheit macht mir kaum noch Probleme.
    • Es ist schwer, in dieser Situation zu raten. Aber wenn die Arbeit dich tatsächlich krank macht, macht es keinen Sinn, sie weiter zu betreiben. Meine Erfahrung ist auch die, dass man ein einmal entstandenes Bild (z.B. ständig krank ...) bei einem Arbeitgeber kaum mehr verändern kann, wenn es einmal besteht. Dann macht es tatsächlich Sinn m.E. aus der Situation rauszugehen. Nochmal genau zu überlegen, was möchtest, was ist möglich, was ist realistisch, wo suche ich eine neue Arbeit und dann nochmal die Hilfen neu zu organisieren. Meine Erfahrung ist aber auch die, dass ich immer einen Kompromiss machen musste zwischen was geht, was will ich und was überfordert mich nicht zu sehr (in der Zusammenarbeit) und was unterfordert mich nicht zu sehr intellektuell oder was kann ich machen und was lässt mir noch genügend Zeit, mich intellektuell in einem Interessensgebiet auszupowern, was auf der Arbeit wegen der Bedingungen und Umstände halt nicht geht.

      Und dass das Arbeitsamt dich aus der Statistik haben möchte und der Arbeitgeber eine billige Arbeitskraft verlangt, ist auch normal. Meine Erfahrung ist leider auch die, dass es keine wirkliche Hilfe gibt, da man zwischen unterschiedlichen Interessen aufgerieben wird. Ich denke, da hilft es erstmal selber genau zu überlegen, was möchtest du und vorallem was ist realistisch und erträglich bei all den Einschränkungen. Ich denke auf einen Kompromiss wird es hinauslaufen. Ich habe auch viel gelesen von "ich wechsle meinen Job mal eben schnell und mache in einer anderen Firma Karriere", das funktioniert in der Regel nur bei Menschen, die entweder viel Glück haben oder die entsprechende Kontakte haben oder die sich entsprechend gut darstellen können. Alles Dinge, die bei Menschen mit Einschränkungen so meist nicht vorhanden sind.

      Um noch etwas Motivierendes zu sagen, ich habe eine feste Arbeitsstelle, mit der ich zwar hadere, aber (bisher) wurden meine manchmal sehr harrschen Stressreaktionen toleriert. Ich mache meine Arbeit, bin unterfordert, bin auch benachteiligt, weil ich nicht wirklich weiterkomme in neue höherwertige Arbeit, aber mittlerweile habe ich mich darin eingelebt und betreibe neben der Arbeit mein Spezialinteresse, was bei einem anspruchsvollen Job so auch nicht möglich wäre.
      diagn.
    • Gluon wrote:

      Wäre es für dich vorstellbar, zur Überbrückung, bis du etwas passendes findest in Teilzeit dort weiter zu arbeiten?
      Unter bestimmten Bedingungen hat man das Recht auf einen Teilzeitvertrag. gesetze-im-internet.de/tzbfg/__8.html
      Danach müsste der Betrieb mind. 15 Mitarbeiter haben und dann könntest du nach 6 Monaten eine Teilzeitbeschäftigung beantragen.
      Aber vielleicht wäre der Arbeitgeber auch bereit dir das von Anfang an anzubieten?
      Ich bin schon von 8h auf 6h runter. Was aber in der Praxis so gut wie keine Erleichterung gebracht hat. Ich vermute daher, auch 4h würde nichts bringen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich dann nichtmal mehr einen finanziellen Anreiz hätte, dort zu arbeiten.

      Apropos finanzieller Anreiz. Ist es normal, dass der Arbeitgeber dir weniger zahlen will, weil du eine Umschulung statt einer vollen ausbildung gemacht hast? Die Prüfungen, der Lernstoff und der IHK-Abschluss sind doch der gleiche. Nur halt enger zusammengepresst.


      Photep67 wrote:

      Eine Büroumgebung ist für mich per se schon eine schlechte Umgebung für Autisten. Viellecht ist ja der Job als Zerspanungsmechaniker etwas für dich,
      da hast du nur deine Maschine, die du bedienst und hast wenig mit deinen Kollegen zu tun, so sind zumindest meine Erfahrungen im Job.

      Jetzt mache ich einmal eine Umschulung im Büro, dabei möchte ich dann auch bleiben. Außerdem ist ein technisches Arbeitsfeld so gar nichts für mich.

      Shino Me wrote:


      Mein Rat wäre:
      1. Kontakt mit z.B. Diversicon aufnehmen. Gibt da online per Videocall eine kostenfreie Beratung. Dann fragen, ob der Berater bereit wäre ggf mit deinem Berater vom AA über ALLGEMEINE Asperger - Beruf Themen zu reden.

      2. Selbstbewusst sein zeigen, dass du als Asperger Autist weißt, was für dich gut ist, dass du die - wenn du unsicher bist - Hilfe von Fachleuten holst. Und dass es keinen Sinn macht, wenn du jetzt einen Job machst, der dich in wenigen Monaten neben der Kündigung in einen massiven Burnout bringt.
      Das mit Diversicon merke ich mir mal, danke.

      Das mit dem selbstbewussten Auftreten habe ich probiert und wurde sozusagen direkt unfreundlich wieder an meinen Platz verwiesen. Ich muss auch mal meine Grenzen überschreiten und soll mir nicht immer die Rosinen herauspicken. So nach dem Motto. Als könnte ich meine Autismus-Defizite einfach ablegen, wenn ich den Arbeitsstress nur lange genug erdulde.

      regenbogenschwarz wrote:

      Vielleicht sprichst du noch mal mit deinem Psychiater über die Sache? Er scheint sich ja gegenüber dem Arbeitsamt gegen die Annahme des Jobs geäußert zu haben. Vielleicht hat er eine Idee, was du jetzt tun kannst oder solltest, damit du heil aus der Sache raus kommst
      "Heil" aus der Sache werde ich nicht mehr heraus kommen. Entweder Druck auf Arbeit oder Druck vom Arbeitsamt.

      Mein Psychiater ist leider charakterlich deutlich gefestigter als ich. Der hätte einfach gesagt, dass er da nicht anfängt und sich vom Arbeitsamt belabern lassen und Vorwürfe machen lassen, ohne es sich zu Herzen zu nehmen. Und danach wäre er so lange arbeitslos, bis er wieder was gefunden hat. Und wenn es ein Jahr dauert. Das war seine Empfehlung. Ich habe das leider nicht so durchgezogen und bin unter dem Druck des Arbeitsamtes zusammengebrochen.

      kim wrote:

      Wie sieht es aus mit der Beantragung von Schwerbehinderung? Der Integrationsfachdienst könnte eventuell helfen und für dich sprechen, was du leisten kannst und was nicht.
      Ich bin gelernte Industriekauffrau und Front Office im Bereich Verkauf, Einkauf oder Teamassistenz ist für mich auch ungeeignet. Aber ich habe eine Weiterbildung als Finanzbuchhaltetrin gemacht und schon dreimal einen geeigneten Job in der Buchhaltung gefunden. Allerdings zuerst über Zeitarbeit. Inzwischen habe ich aber eine Festanstellung.

      Einen Job zu machen, der einen völlig fertig macht, ist eine schlechte Idee. Mich hat das schon schwer krank gemacht und anschließend war ich acht Jahre arbeitslos.
      Einen GdB 50 und Pflegestufe 1 habe ich schon. Was mich auch wundert, der Arbeitgeber bekommt 75% Förderung für die Übernahme. Ich habe mich kundig gemacht, damit er die Förderung bekommt, muss er mir eigentlich einen für mich behindertengerechten Arbeitsplatz zur Verfügung stellen und eine passende Arbeitsumgebung einrichten. Das kontrolliert aber irgendwie niemand oder ich werde vor der Förderung befragt. Die bekommen das einfach und fertig.

      Abidan wrote:



      - Ansprechen, dass die tatsächlichen Tätigkeiten nicht die sind, welche vereinbart wurden. Als Kompromiss danach fragen, ob es Möglichkeiten gibt, weniger Sekretariat und/oder Frontdesk auszuüben. Ein weiter Kompromiss wäre ggf. Sekretariat aus einem Hinterzimmer (Einzelbüro).
      - Immer mal wieder ansprechen.

      Falls es nichts bringt:
      - Krank schreiben lassen und dir selber eine neue Stelle suchen.
      - Falls eine Stelle dir zusagt, ggf. erst in Teilzeit anfangen. Wenn die Umstände tatsächlich zu dir (und deinem Leistungsprofil) passen, kannst du immer immer noch mehr arbeiten.

      Ich habe damals irgendwann meine Gesundheit zu einer Priorität gemacht. Das hat mir gehofen, einigem Druck zu widerstehen. Ach ja, heute habe ich einen recht ruhigen Bürojob, wenig Zentrale/Tür/Telefon und meine Gesundheit macht mir kaum noch Probleme.
      Leider haben die nur diese eine Arbeitsstelle direkt im Front Desk Bereich. Einzelbüro war eigentlich fest vereinbart. Auch das ist eines dieser Dinge, von denen in der Praxis dann keine Rede mehr war und bei der das Arbeitsamt plötzlich meint "Man gewöhnt sich schon daran, stell dich mal nicht so an." Ich verstehe nicht, wieso vorher Dinge vereinbart wurden, die mir wichtig sind und dann darauf gekackt wird ohne dass es Konsequenzen gibt.

      Wenn ich krank geschrieben bin, darf ich dann überhaupt aktiv Vorstellungsgespräche wahrnehmen? Bzw. wie offen bist du damals bei potentiellen neuen Arbeitgebern mit deinen Umständen umgegangen?

      xyberlin wrote:


      Und dass das Arbeitsamt dich aus der Statistik haben möchte und der Arbeitgeber eine billige Arbeitskraft verlangt, ist auch normal. Meine Erfahrung ist leider auch die, dass es keine wirkliche Hilfe gibt, da man zwischen unterschiedlichen Interessen aufgerieben wird. Ich denke, da hilft es erstmal selber genau zu überlegen, was möchtest du und vorallem was ist realistisch und erträglich bei all den Einschränkungen. Ich denke auf einen Kompromiss wird es hinauslaufen. Ich habe auch viel gelesen von "ich wechsle meinen Job mal eben schnell und mache in einer anderen Firma Karriere", das funktioniert in der Regel nur bei Menschen, die entweder viel Glück haben oder die entsprechende Kontakte haben oder die sich entsprechend gut darstellen können. Alles Dinge, die bei Menschen mit Einschränkungen so meist nicht vorhanden sind.
      Ja, das merke ich gerade. Obwohl es vorher vom Arbeitsamt und der Schule hieß "Wir achten auf deine Defizite und finden gemeinsam etwas, das du auch dauerhaft packst" Das war wohl nur leeres Gerede, um mich ruhig zu halten.

      Und ich denke auch, einen neuen Job werde ich nicht so einfach bekommen. Zum Beispiel habe ich durch diverse Aufenthalte in Kliniken und Einrichtungen ungefähr 10 Jahre eine große Lücke im Lebenslauf. Es war schon ein Kampf, bis man den Autismus überhaupt festgestellt hat und ich habe auf dem Weg einige andere Diagnosen gesammelt. Ehrlich gesagt bin ich froh, wenn ich überhaupt arbeiten kann und nicht komplett unfähig für den Arbeitsmarkt bin. Aber leider kann ich an meiner mangelnden Belastbarkeit und anderen Dingen wenig ändern.
    • @Randomaspie
      Mit deinem GdB 50 kannst du sofort zum Integrationsfachdienst gehen und dir von denen helfen lassen, deine Rechte für einen leidensgerechten Arbeitsplatz durchzusetzen. Der Fachdienst kostet dich nichts und die sind für sowas da. Es stimmt nicht, dass jeder Bürojob gleich ist und die Bedingungen für dich niemals besser sein können. Ich habe meinem Arbeitgeber nichts von meinem Autismus erzählt, aber habe trotzdem einen passenden Job.
      Glaub nicht alles, was du denkst.

      The post was edited 1 time, last by kim ().

    • Laß dich bitte umgehend krankschreiben! Du bist jetzt schon im Burnout.
      Und dann sieh zu, dass du so schnell wie möglich aus dieser scheiß Firma rauskommst. Ne komplett andere Stelle als die im Vorfeld abgesprochene zuzuteilen, ist unter aller Sau. Und deren Behauptung, es gäbe solche für dich geeignete Stellen nicht, ist ne glatte Lüge. Man nutzt dort deine Naivität und fehlende Kraft zur Gegenwehr gnadenlos aus. Bitte laß die das nicht weiter mit dir machen.
      Wenn du wieder Kraft gesammelt hast, versuch den Vermittler beim Arbeitsamt zu wechseln. Leg im Zweifel eine Beschwerde bei der nächsthöheren Stelle gegen den dir zugeteilten ein, weil er die internen Vorgaben, dass deine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu berücksichtigen sind, ignoriert. Verweise darauf, dass dich die aktuelle Tätigkeit arbeitsunfähig gemacht hat, weil sie für dich aufgrund deines Autismus ungeeignet ist.
    • Randomaspie wrote:

      Mein Psychiater ist leider charakterlich deutlich gefestigter als ich. Der hätte einfach gesagt, dass er da nicht anfängt und sich vom Arbeitsamt belabern lassen und Vorwürfe machen lassen, ohne es sich zu Herzen zu nehmen. Und danach wäre er so lange arbeitslos, bis er wieder was gefunden hat. Und wenn es ein Jahr dauert. Das war seine Empfehlung.
      Sprich dir das bitte als Mantra täglich vor, denn er hat damit zu 100% recht.

      Fang an dich zu wehren! Du hast nur ein Leben und das läßt du dir gerade komplett kaputt machen.
    • kim wrote:

      @Randomaspie
      Mit deinem GdB 50 kannst du sofort zum Integrationsfachdienst gehen und dir von denen helfen lassen, deine Rechte für einen leidensgerechten Arbeitsplatz durchzusetzen. Der Fachdienst kostet dich nichts und die sind für sowas da. Es stimmt nicht, dass jeder Bürojob gleich ist und die Bedingungen für dich niemals besser sein können. Ich habe meinem Arbeitgeber nichts von meinem Autismus erzählt, aber habe trotzdem einen passenden Job.
      Da gibt es keinen festen oder? Das ist einfach nur eine Sammelbezeichnung? Ich habe einen eV bei mir in der Nähe, mit dem ich telefoniert habe. Die meinten, in einem laufenden Arbeitsverhältnis dürfen die mich nicht unterstützen. Höchstens zur Arbeitsplatzsicherung beitragen, aber da sehen sie in meinem Fall keine Chance. Weil der Arbeitgeber deutlich gemacht hat, dass eine andere Stelle innerhalb des Betriebes für mich nicht möglich ist. Und eine Stelle im Sekretariat und Front Desk "autismusgerecht" zu gestalten, ist einfach unmöglich. Da muss man regelmäßig Telefonate annehmen, Besucher empfangen und hat nie seine Ruhe. Da ist ständig was los.

      Aldana wrote:

      Laß dich bitte umgehend krankschreiben! Du bist jetzt schon im Burnout.
      Und dann sieh zu, dass du so schnell wie möglich aus dieser scheiß Firma rauskommst. Ne komplett andere Stelle als die im Vorfeld abgesprochene zuzuteilen, ist unter aller Sau. Und deren Behauptung, es gäbe solche für dich geeignete Stellen nicht, ist ne glatte Lüge. Man nutzt dort deine Naivität und fehlende Kraft zur Gegenwehr gnadenlos aus. Bitte laß die das nicht weiter mit dir machen.
      Wenn du wieder Kraft gesammelt hast, versuch den Vermittler beim Arbeitsamt zu wechseln. Leg im Zweifel eine Beschwerde bei der nächsthöheren Stelle gegen den dir zugeteilten ein, weil er die internen Vorgaben, dass deine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu berücksichtigen sind, ignoriert. Verweise darauf, dass dich die aktuelle Tätigkeit arbeitsunfähig gemacht hat, weil sie für dich aufgrund deines Autismus ungeeignet ist.
      Ich muss die Umschulung schon fertig machen. Ist nur noch ein Monat. Und dann bekomme ich hoffentlich ein Ausbildungszeugnis vom Betrieb.

      Sobald ich in der Festanstellung bin, sehe ich weiter. Das Arbeitamt redet mir halt ein, dass es nicht an denen sondern an mir liegt und ich mich mal zusammenreißen soll. Ich bin jetzt selbst schon unsicher, ob die Recht haben. Nachweisen kann ich denen aber eh nichts, bezüglich Beschwerde. Vieles wurde mündlich besprochen und nur in Notizen von mir schriftlich festgehalten. Man geht ja nicht davon aus, dass die Sache so abläuft.
    • Randomaspie wrote:

      Sobald ich in der Festanstellung bin, sehe ich weiter.
      Sorry, aber wenn du das so angehen willst, dann ist dir nicht mehr zu helfen. Viel Spaß beim weiter sehenden Auges in den Burnout und die dauerhafte Erwerbsunfähigkeit laufen. Beides wäre vermeidbar, wenn du endlich mal für dich einstehen würdest und dich wehrst. Anlaufstellen wurden dir genannt.
    • Randomaspie wrote:

      Nun endet die Umschulung bald und das Unternehmen möchte mich mit einer großzügigen Förderung für die nächsten Jahre übernehmen.
      Das könnte ein Vorteil sein. Damit bist Du im Grunde nur sehr schlecht zu kündigen, weil ggf. die Förderung zurückgezahlt werden müsste.
      Ein Bekannter von mir hatte mal so eine geförderte Stelle. Seine Firma hat ständig nicht abgesprochene und teils auch illegale Dinge von ihm verlangt (z.B. 40h arbeiten, aber nur 35h bezahlt bekommen). Er hat bei allem recherchiert und auch so ziemlich alles knallhart abgelehnt. Es gab zwar jedes Mal ein kurzes Donnerwetter vom direkten Vorgesetzten - aber sonst keinerlei Konsequenzen, wenn er auf zugesicherte Dinge bestand.
      Also ich würde Dir raten: arbeite so, wie es für Dich das Beste ist. Wenn zwischendurch Erholungspausen an der frischen Luft nötig sind - mach diese. Wenn es Dir zu schnell geht oder Du mit der Zeit nicht hinkommst - nimm Dir die Zeit. Wenn dadurch Arbeit liegen bleibt - nicht Dein Problem. Du hast Deine Einschränkungen klar kommuniziert, also sind sie bekannt und ich finde es dann nicht verwerflich, wenn man genau das macht, was vereinbart wurde.

      Ich hatte schon mehrmals die Situation, wo von mir nicht oder kaum erfüllbare Dinge verlangt wurden. Ich habe mir selbst da nie großen Stress gemacht, sondern das durchgezogen, was von meiner Seite ging. Beim nächsten Mal war es dann klar, wie es geht und langfristig haben meine Vorgesetzten das immer akzeptiert. Und wenn sie mich deswegen rausgeworfen hätten, wäre mir das ziemlich egal gewesen. Dann hätte ich die Zeit und Ruhe gefunden, nach einem anderen Job zu schauen. Mag sein, dass das in den Situationen, wo es den Firmen finanziell jeweils so schlecht ging, dass in diversen Kündigungswellen ich auch immer mit als Erster dabei war. Aber langfristig gesehen fand ich es gut, alle paar Jahre mal eine Neuorientierung zu wagen.
      Aktuell bin ich in einem Job, den ich mag und wo ich von der Firma auch geschätzt werde. Da mache ich dann auch freiwillig mehr als ich müsste, sofern es gelegentlich erforderlich ist. Quasi Pluspunkte für später sammeln. Aber das geht nur, wenn man psychisch stabil ist. Wenn nicht, muss ich konsequent darauf achten, mich nicht zu überfordern.

      Nervende direkte Kollegen gibt es immer und überall. Ich ignoriere diese weitgehend, insbesondere auf nicht fachlicher Ebene.

      Randomaspie wrote:

      Ich legte offen alle Karten auf den Tisch, was meinen Asperger und meine Defizite anbelangt.
      Dann würde ich auch weiterhin diese Karte ausspielen.
      Einzelbüro fordern, wie vereinbart.
      Klarstellen, dass nicht optimale Arbeitsbedingungen auch zu nicht optimalen Ergebnissen führen.
      Notfalls schriftlich und mit Unterstützung der schon von Anderen genannten Personen (Integrationsfachdienst etc.).
      Die bekommen Deine Arbeitskraft fast für umsonst, eben wegen Deinen Einschränkungen - also können sie nicht erwarten, dass Du voll einsatzfähig bist.

      Randomaspie wrote:

      Naja, als richtigen Verbündeten habe ich eigentlich meinen Rehaberater im Arbeitsamt. Der sollte sich für mich einsetzen. Ich habe auch von Leuten gehört, wo das funktioniert. Ich bekomme von meinem nur Vorwürfe und Druck.
      Dann mach dem halt auch Druck von seinem Vorgesetzten.

      Photep67 wrote:

      Eine Büroumgebung ist für mich per se schon eine schlechte Umgebung für Autisten.
      So pauschal stimmt das nicht. Ich würde eine ruhige Büroumgebung einem lauten Maschinenarbeitsplatz immer vorziehen.

      Randomaspie wrote:

      Ich bin schon von 8h auf 6h runter. Was aber in der Praxis so gut wie keine Erleichterung gebracht hat.
      Warum hat es keine Erleichterung gebracht?
      Erwarten die von Dir, dass Du die ursprünglich für 8h geplante Arbeit in 6h machst? Das geht natürlich überhaupt nicht.
      Mach die Arbeit in Deinem Tempo und wie Du es verkraftest und nach 6 Stunden ist Schluss. Personalplanung ist nicht Dein Job.
      Ich bin von 8 auf 7 Stunden runter und es gab Phasen, wo die Arbeit nur mit 8h zu erledigen war. Aber ich habe bewusst darauf verzichtet, mir die Überstunden auszahlen zu lassen, sondern sie auch konsequent bei jeder sich bietenden Gelegenheit wieder abgesetzt. Wenn ich entscheiden kann, ob ich je nach Tagesform 9 oder 6 oder nur 4 Stunden arbeite, dann klappt das für mich wesentlich besser als wenn es jeden Tag stur 6h wären.

      Randomaspie wrote:

      Apropos finanzieller Anreiz. Ist es normal, dass der Arbeitgeber dir weniger zahlen will, weil du eine Umschulung statt einer vollen ausbildung gemacht hast? Die Prüfungen, der Lernstoff und der IHK-Abschluss sind doch der gleiche. Nur halt enger zusammengepresst.
      Am Anfang ja. Aber spätestens wenn man ein paar Jahre Berufserfahrung hat, zählt nur noch, was man macht und was man kann. Das muss man allerdings auch selber einfordern.
      Aber auch da könntest Du bei Deinem Integrationshelfer nachfragen oder selbst recherchieren, was Andere in diesem Beruf mit diesem Abschluss verdienen.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Randomaspie wrote:

      Da gibt es keinen festen oder? Das ist einfach nur eine Sammelbezeichnung? Ich habe einen eV bei mir in der Nähe, mit dem ich telefoniert habe.
      Das Integrationsamt ist eigentlich kein Verein sondern eine Behörde. Aber ich weiß natürlich nicht, wie der für dich zuständige Fachdienst aufgestellt ist.


      Randomaspie wrote:

      Die meinten, in einem laufenden Arbeitsverhältnis dürfen die mich nicht unterstützen. Höchstens zur Arbeitsplatzsicherung beitragen, aber da sehen sie in meinem Fall keine Chance. Weil der Arbeitgeber deutlich gemacht hat, dass eine andere Stelle innerhalb des Betriebes für mich nicht möglich ist. Und eine Stelle im Sekretariat und Front Desk "autismusgerecht" zu gestalten, ist einfach unmöglich. Da muss man regelmäßig Telefonate annehmen, Besucher empfangen und hat nie seine Ruhe. Da ist ständig was los.
      Als ich krank war, wurde mir empfohlen zum Integrationsamt zu gehen um meinen Arbeitsplatz zu sichern. Und ich bekam dort Hilfe. Was ist das für ein Schwachsinn zu sagen, in einem laufenden Arbeitsverhältnis dürfen die nicht unterstützen (falls das die richtige Stelle war, bei der du warst). Jeder kann von heute auf Morgen von einer Behinderung betroffen sein und muss eventuell etwas ändern, um den Arbeitsplatz zu sichern. Lt. deren Homepage machen sie "begleitende Hilfe im Arbeitsleben" => Integrationsamt Sachsen

      Dein AG stellt sich allerdings jetzt schon quer und sagt, sie können dir keinen passenden Arbeitsplatz anbieten, da würde ich dann gehen und mir was besseres suchen. Belogen haben sie dich auch, wenn sie dir ursprünglich was anderes versprochen hatten. Und sie akzeptieren nicht, dass du durch den Autismus gewisse Schwächen und Stärken hast. Ich finde das sind alles keine guten Voraussetzungen, um dort zu arbeiten. Ich an deiner Stelle würde wahrscheinlich kündigen, mit der Begründung, dass sie keinen leidensgerechten Arbeitsplatz anbieten können, aber die Sperre vom Arbeitsamt kannst du nicht überbrücken, richtig? Dann würde ich zeitnah die Krankschreibung wählen und mich dann woanders bewerben. Es ist sicher nicht ganz einfach, einen autismusgerechten Job zu finden, aber es ist möglich.
      Glaub nicht alles, was du denkst.

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    • Randomaspie wrote:

      Leider haben die nur diese eine Arbeitsstelle direkt im Front Desk Bereich. Einzelbüro war eigentlich fest vereinbart. Auch das ist eines dieser Dinge, von denen in der Praxis dann keine Rede mehr war und bei der das Arbeitsamt plötzlich meint "Man gewöhnt sich schon daran, stell dich mal nicht so an." Ich verstehe nicht, wieso vorher Dinge vereinbart wurden, die mir wichtig sind und dann darauf gekackt wird ohne dass es Konsequenzen gibt.
      Vielleicht ein Hoffen auf Naivität. Oder der/die "Kunde"/"Kundin" wird sich schon nicht wehren (können). Die beim Amt denken halt zuerst an sich, müssen ggf. irgendwelche Quoten erfüllen.


      Randomaspie wrote:

      Wenn ich krank geschrieben bin, darf ich dann überhaupt aktiv Vorstellungsgespräche wahrnehmen? Bzw. wie offen bist du damals bei potentiellen neuen Arbeitgebern mit deinen Umständen umgegangen?
      Mein aktueller Arbeitgeber weiß nichts konkretes zu meinem gesundheitlichen Hintergrund bzw. von meiner Diagnose. Ich muss alle Quartale wegen den Medikamenten zum Arzt. Der Abeitgeber weiß nur, dass ich nichts ansteckendes habe. Ich habe nie mehr dazu gesagt, als unbedingt notwendig. Ich habe keine Lust auf irgendwelche blöden Tipps von Nichtbetroffenen.

      Als das bei mir damals alles anfing, war ich zum Glück noch in der Ausbildung. Ich war lange krank geschrieben. Mein damaliger Ausbilder war ziemlich besorgt, hat mir aber keine Schwierigkeiten gemacht. Es gab dort ein gutes Betriebsklima.

      Das Arbeitsamt darf dich nicht belästigen während du krank bist. Dukannst dir ja Stellen raus suchen, dich bewerben und wenn die AU abgelaufen ist, dich durch deinen aktuellen Arbeitgeber für die Vorstellungsgespräche freistellen lassen.

      Meine erste Stelle nach der Ausbildung war schlimm. Da wurde mir an den Kopf geknallt, ich soll meine Probleme in den Griff bekommen. Mieser Betrieb. Schlimmes Kollegium. Ich habe danach besser auf mich aufgepasst. Trotzdem noch eine sehr lange Lernzeit. Ich bin erst jetzt, fast 10 Jahre weiter soweit, dass ich vieles nicht mehr mitmache.

      xyberlin wrote:

      Es ist schwer, in dieser Situation zu raten. Aber wenn die Arbeit dich tatsächlich krank macht, macht es keinen Sinn, sie weiter zu betreiben. Meine Erfahrung ist auch die, dass man ein einmal entstandenes Bild (z.B. ständig krank ...) bei einem Arbeitgeber kaum mehr verändern kann, wenn es einmal besteht. Dann macht es tatsächlich Sinn m.E. aus der Situation rauszugehen.
      Schon. Ich würde mir keine Mühe machen, wenn ich da nicht bleiben will.