Autismusfreundliche Arztpraxis

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Ich fände es praktisch, wenn man eine Wartenummer bekäme, die auf einem Monitor angezeigt wird und man diesen auch vor der Tür der Praxis ablesen könnte. Bei mehreren Behandlungszimmern könnte dazu direkt die Raumnummer angegeben werden.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Wilwarin wrote:

      Was muss gegeben sein? Was sind klare No-Gos?
      Ich finde, da gibt es mehrere Aspekte. Auf räumlicher Ebene wäre es hilfreich, wenn das Wartezimmer nicht so eng und voll ist. In manchen größeren Praxen gibt es mehrere Wartebereiche, und man wird gezielt in einzelne verwiesen, um von dort aufgerufen zu werden. Das finde ich entspannter.

      Terminabsprache per Email oder Onlineformular wäre auch sehr gut. Besonders übel ist es, wenn zwar ein solches Formular existiert, man aber irgendwann dahinter kommt, dass es gar nicht bearbeitet wird, zumindest nicht, wenn das Anliegen etwas komplizierter ist (im konkreten Fall wollte ich einen Termin bei einem bestimmten Arzt in einer Gemeinschaftpraxis, aber er hatte die Praxis inzwischen verlassen und ich wusste das noch nicht). Verlässliche Termine ohne zu lange Wartezeiten wären organisatorisch außerdem sehr positiv.

      Was die menschliche Ebene angeht: freundliches, ruhiges Personal, das auch dann noch freundlich bleibt, wenn man mal etwas nicht verstanden hat oder noch präzisierend nachfragt. Auch der Arzt oder die Ärztin selber sollte ruhig und freundlich sein und einem Zeit zum Ausreden lassen. Keine negativ wertenden Kommentare oder Blicke, etwa auch nicht darüber, dass man spät mit etwas kommt. Zum Arzt zu gehen ist für viele autistische Menschen eine große Überwindung, nicht zuletzt, weil sie oft schlechte Erfahrungen gemacht haben. Eigenverdacht auf einzelne Themen ernst nehmen, gegebenenfalls erklären, warum es das aus fachlicher Ebene nicht sein kann bzw. es nicht genauer untersucht werden muss.

      Vielleicht am wichtigsten: auf das hören, was der Patient sagt, dafür Zeit lassen. Und sich wirklich anhand dieser Aussagen ein Urteil bilden. Wenn jemand sagt, es gehe ihm oder ihr gut, aber man merkt, dass es dem Menschen eigentlich schlecht gehen muss, dann muss man das sicher in den meisten Fällen hinnehmen. Umgekehrt jedoch, wenn ein Mensch Beschwerden schildert, die ihm nach außen nicht anzusehen sind, halte ich es für grundfalsch, in erster Linie gar der Außenwirkung zu urteilen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Wilwarin wrote:

      Welche körperlichen Erkrankungen sind denn gehäuft mit Autismus assoziiert?
      Einige.

      Im Folgenden ein paar Sachen zum Nachlesen möglicher assoziierter Diagnosen:
      ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3164023/ - Medical conditions in autism spectrum disorders

      cambridge.org/core/journals/de…4390CAD620FFEAE7F2C99C3EB - Mitochondrial dysfunction in autism spectrum disorders: a population-based study

      pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28270747/ - Metabolic Dysfunction Underlying Autism Spectrum Disorder and Potential Treatment Approaches

      nature.com/articles/mp2010136 - Mitochondrial dysfunction in autism spectrum disorders: a systematic review and meta-analysis

      ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7711487/ - The Relationship between Autism and Ehlers-Danlos Syndromes/Hypermobility Spectrum Disorders


      jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2683952 - Association of Food Allergy and Other Allergic Conditions With Autism Spectrum Disorder in Children

      pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31124277/ - Epilepsy and Autism Severity: A Study of 6,975 Children

      https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-018l_S3_Autismus-Spektrum-Stoerungen_ASS-Diagnostik_2016-05_abgelaufen.pdf wrote:

      Aus der Quellleitlinie NICE-Kinder (Diagnostik) ergaben sich für Autismus-Spektrum-Störungen folgende Prävalenzangaben (Konfidenzintervall 95%):

      mentale und Verhaltensstörungen
       45% Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätstörung (ADHS) (24 - 67)
       27% Angst (10 - 49)
       23% oppositionelle Verhaltensstörung (6 - 47)
       19% Tic-Störungen (2 - 47)
       12% Tourette-Syndrom (2 - 28)
       8% Zwangsstörung (2 - 17)
       9% Depression (3 - 19)
       3% Störung des Sozialverhaltens (0 - 9)

      Neuronale Entwicklungsstörungen
       65% Intelligenzminderungen (38 - 87)

      medizinisch-neurologische Störungen
       62% gastrointestinale Probleme (keine Angabe)
       61% Schlafprobleme (31 - 88)
       25% motorische Probleme (0 - 75)
       15% Epilepsie (7 - 26)
       8% Hörbeeinträchtigungen (1- 20)
       6% Sehbehinderungen (0 - 21)
       5% Krampfanfälle (2 - 69)
       5% zerebrale Lähmung (1 - 13)

      Die klassischwerweise genannten körperlich assoziierten Erkrankungen zu ASS wären:

      Koordinationsstörung/Dyspraxie
      Tic-Störungen
      Allergien und Unverträglichkeiten
      Magen-Darm Probleme
      Epilepsie
      Nährstoffmängel
      Störungen des Immunsystems und Autoimmunerkrankungen
      Mitochondrielle Probleme

      ggf. auch Ehlers Danlos Syndrom/Hypermobilität (siehe auch Link zum Thema oben)

      Hier wird sicher mit der Zeit über die Forschung immer klarer werden, wo deutlichere Zusammenhänge bestehen und bestätigt werden und in welchen dieser Bereiche ggf. sich das nicht bestätigt.

      Zusätzlich sollte man noch wissen, dass es auch monogenetischen/sekundären Autismus gibt, welcher häufig mit mehr körperlichen Begleitproblemen, welche auf die monogenetische Veränderung zurückzuführen sind einhergeht. z.B. beim Cohen Syndrom oder beim Rett Syndrom oder beim Fragilen X Syndrom.

      The post was edited 1 time, last by MangoMambo ().

    • Oh, einiges davon hatte ich schonmal gehört, auch, dass dabei autistisches Verhalten auftritt. Irgendwie hatte ich die umgedrehte Assoziation, dass diese Dinge bei Autisten häufiger vorkommen nicht XD. Danke für die ganzen Links, werde mich da in den nächsten Tagen mal durchklicken.


      Ein Punkt, der auch öfter genannt wurde, ist "Zeit haben"/ "Zeit zum Ausreden lassen". Mit Blick auf die Realität des ärztlichen Alltags sehe ich da ein Problem, vor Allem, wenn man den Punkt "wenig Wartezeit" mit einrechnet. Ich habe beides schon erlebt, aber nie gleichzeitig. Der Arzt, bei dem man nicht warten muss, hat für jeden Patienten 10 Minuten (incl Begrüßung und Verabschiedung) und hält sich dran. Da kann selbst der NT bei Problemen, die über "hab Schnupfen, brauch AU" hinaus gehn, nicht ausreden.
      Bei einem Arzt, der sich Zeit nimmt und auch mal 20 Minuten oder länger zuhört und erklärt und präzisiert, wartet der nächste halt länger.

      Interessant dazu wäre, wenn man das mit der online-Terminvergabe weiterdenkt, eine Selbsteinschätzung des Zeitbedarfs durch den Patienten. Oder zumindest eine Angabe der Punkte, um die es geht.
      Leider wird sprechende Medizin praktisch gar nicht von den Kassen bezahlt.
      Vom Arzt zu erwarten, dass er regelhaft umsonst arbeitet ist auch im Rahmen der Mischkalkulation nicht fair.
      Je nach Situation müsste man, gerade, wenn man tausend Themen über längere Zeit angesammelt hat, eher mehrere Termine machen (in jedem ein Thema besprechen, dann bald einen Folgetermin fürs nächste - so wird man auch von der Informationsflut weniger überfordert), oder ggf. Eine IGEL-option für vermehrten Gesprächsbedarf?
    • @Wilwarin Ich habe kein Problem damit zu warten, wenn das Warten an sich erträglich gestaltet wird. Zu Problemen kommt es, nach meiner Ansicht dann, wenn der Arzt zwar ein "Sich-Zeitnehmer" ist (was ich als sehr positiv sehe), aber die Termine in einem 10-Minuten-Takt vergeben werden. Das kann ja nicht funktionieren.

      Bei meinem Gynäkologen steht ein Aufsteller, auf dem um Verständnis für längere Wartezeiten gebeten wird, weil sich der Arzt für jeden Patienten die Zeit nimmt, die er benötigt. Ich wurde dort noch nie unterbrochen und der Arzt hat mich noch nie abgefertigt. Die Wartezeit ist zwar länger, aber das Wartezimmer habe ich trotzdem noch nie überfüllt erlebt. Dort geht alles ruhig und sehr kompetent war sich.

      Gestern war ich zum ersten Mal bei einer neuen Neurologin. Auch diese ließ mich alle meine Notizen vortragen.

      Wenn mir jemand vorschlagen würde, dass ich doch eine kostenverursachende Zusatzleistung als IGEL buchen sollte, um in der Lage zu sein, vorzutragen, warum ich zum Arzt gehe, würde ich mich, mal ganz direkt gesagt, ziemlich verarscht fühlen. Ich weiß, dass die bezahlten Zeiten für Ärzte echt bescheiden sind und würde mir wünschen, dass sich das Abrechnungssystem veränderte. Trotzdem finde ich, dass man als Patient die Möglichkeit haben muss, seine Symptomatik auch vortragen zu können. Ich frage mich, wie viele Folgetermine überhaupt erst nötig werden, weil Ärzte beim ersten Termin gar nicht richtig zuhören wollen/können. Das kann ja nicht im Sinne der Gesundheitsfürsorge sein.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Kayt wrote:

      Wenn mir jemand vorschlagen würde, dass ich doch eine kostenverursachende Zusatzleistung als IGEL buchen sollte, um in der Lage zu sein, vorzutragen, warum ich zum Arzt gehe, würde ich mich, mal ganz direkt gesagt, ziemlich verarscht fühlen. Ich weiß, dass die bezahlten Zeiten für Ärzte echt bescheiden sind und würde mir wünschen, dass sich das Abrechnungssystem veränderte. Trotzdem finde ich, dass man als Patient die Möglichkeit haben muss, seine Symptomatik auch vortragen zu können. Ich frage mich, wie viele Folgetermine überhaupt erst nötig werden, weil Ärzte beim ersten Termin gar nicht richtig zuhören wollen/können. Das kann ja nicht im Sinne der Gesundheitsfürsorge sein.

      So war das auch nicht gemeint. Ich dachte eher an Situationen, wo Gesprächsbedarf besteht, der nicht primär mit den Vorstellungsgrund in der Praxis in Zusammenhang steht.
      Einige Menschen sind ja bereit, viel Geld für privat bezahlte Berater, Psychologen/ Therapeuten oder Heilpraktiker auszugeben.
      Wenn man z.b. ein gutes Verhältnis zum Hausarzt hat, der einen gut kennt mit allen Problemen und Komorbiditäten, und man zusätzlich noch gerne mal ne Stunde mit einer Fachperson sprechen will, könnte man das per IGEL beim Hausarzt machen. Man spart sich, einen neuen Kontakt aufzubauen / erstmal jemand kompatibles zu finden, demjenigen dann erstmal alles zu erklären usw.

      Der Hausarzt indes könnte sich in voller Konzentration, ohne den Druck des vollen Wartezimmers auf einen einlassen.

      Wenn diejenigen, die das Geld dazu haben und auszugeben bereit sind, diese Möglichkeit hätten, wäre es im Rahmen der Mischkalkulation auch wieder eher entspannt möglich, sich als Arzt für Patienten, die das nicht zahlen können einfach so länger Zeit zu nehmen.
    • Kayt wrote:

      Ich fände es praktisch, wenn man eine Wartenummer bekäme, die auf einem Monitor angezeigt wird und man diesen auch vor der Tür der Praxis ablesen könnte. Bei mehreren Behandlungszimmern könnte dazu direkt die Raumnummer angegeben werden.
      Das fände ich auch sehr gut, ich mag es nicht namentlich aufgerufen zu werden. Online Terminvereinbarung ist für mich alternativlos, meine Hausärztin bietet diesen Service zwar eigentlich an, allerdings wird es häufig nicht bearbeitet, so dass erst nach 3-4 Anfragen wirklich ein Termin zustande kommt, was sich dann natürlich über Wochen und Monate hinzieht.

      Problematisch finde ich es auch immer, wenn ich am Empfang von der MFA gefragt werde "Was haben Sie denn?" und ich dann meine Beschwerden dort ausführlich schildern soll, während das gesamte Wartezimmer "die Ohren spitzt" (RW).
    • Henrik wrote:

      .
      Problematisch finde ich es auch immer, wenn ich am Empfang von der MFA gefragt werde "Was haben Sie denn?" und ich dann meine Beschwerden dort ausführlich schildern soll, während das gesamte Wartezimmer "die Ohren spitzt" (RW).

      Das finde ich auch schlimm. Der Hintergrund ist meist, dass die MFA so einschätzen kann, ob es besonders dringend ist und in wlechne Raum man muss (Sono, EKG usw..)
      Auch das ließe sich vereinfachen, durch die Option, bereits bei Terminvereinbarung (onlineformular) Angaben zu machen. Dann müssten diese nurnoch gut einsehbar aufploppen, wenn man tatsächlich ankommt.

      Viele dieser Ansätze sind wohl schwer zu realisieren, solange die Praxissoftware nicht darauf ausgerichtet ist. Meiner Erfahrung nach wird die meiste Praxissoftware scheinbar von und für technikunaffine DAUs programmiert.
      Und leider trifft diese Beschreibung auf viele Mitarbeiter des Gesundheitssystems auch zu. Und die, auf die es nicht zutrifft, sind irgendwann nurnoch frustriert.

      Wenn hier jemand mit Spezialinteresse im Informatikbereich noch ein Projekt sucht: Praxissoftware! Ich könnte auch Kontakt zu Betatestern und Kunden herstellen. Featurewunschlisten wären au schnell gemacht.
    • Wissen eure Ärzte alle, dass ihr Autisten seid und falls ja, wie haben sie es erfahren? In Anmeldebögen gibt es ja meistens keine Frage danach.
      Nur in der Schmerzpraxis, wo ich nun behandelt werde, wurde ich von der Ärztin nach einem Grad der Behinderung gefragt und sagte dann auch, warum ich einen habe.

      Allgemein habe ich noch keine Praxis kennengelernt, die annähernd meinen Bedürfnissen entspräche. Und auch noch keinen Arzt, der mir wirklich helfen konnte (außer meiner Tierärztin).
      Zweimal in der Woche bietet sie auch Sprechstunde mit Termin an, dann ist es sogar relativ autismusfreundlich ;) ).
    • MangoMambo wrote:

      Koordinationsstörung/Dyspraxie
      Tic-Störungen
      Allergien und Unverträglichkeiten
      Magen-Darm Probleme
      Epilepsie
      Nährstoffmängel
      Störungen des Immunsystems und Autoimmunerkrankungen
      Mitochondrielle Probleme
      Weiß man auch, wieso das so häufig vorkommt? Das würde mich sehr interessieren, da ich ja auch gravierende körperliche Beschwerden habe.
    • Fidoline wrote:

      Weiß man auch, wieso das so häufig vorkommt?
      In den genannten Links gibt es bereits einige Theorien, wenn du bestimmte Themen hast, zu denen du mehr wissen willst, kann ich gerne schauen, ob ich mir da was notiert habe.

      Dr. Frye hat ein paar interessante Vorträge auf YouTube, falls du Englisch kannst, er forscht in dem Bereich, z.B. folgenden

      Bei manchen Themen z.B. Ehlers Danlos und Autismus vermutet man eine genetische Verbindung. Die bekannten Veränderungen für EDS sind auf Chromosom 7 zu finden und man weiß inzwischen, dass bestimmte Veränderungen auf dem Chromosom 7 auch mit Autismus zusammenhängen. Inwieweit sich das tatsächlich auswirkt und wie stark hier die Zusammenhänge sind muss noch erforscht werden. Schwieriges Thema, da bzgl. primärem Autismus viele Menschen auch gegen Genforschung für Ursachen sind, weil sie befürchten, dass damit eine Heilung von Autismus erzielt wird oder eine Früherkennung, die sie nicht wollen. Allerdings könnte Genforschung eben auch Informationen geben, wie Autismus mit solchen körperlichen Problemen zusammenhängt.

      Evtl. könnte es für dich interessant sein Mal eine humangenetische Praxis aufzusuchen, es gibt inzwischen die Möglichkeit viele, welche Autismus und körperliche Probleme in Verbindung bringen untersuchen zu können.

      Eine andere Vernetzung im Gehirn muss nicht nur Neurodivergenz bedeuten in Verhalten und Persönlichkeit, sondern kann z.B. auch die Entwicklung von Seh und Hörnerven betreffen. Zusätzlich gibt es ja die bekannte Reizverarbeitungsproblematik.
      Im Gehirn wird auch die Ausschüttung von Hormonen und Temperaturregulierung usw. gesteuert und wenn hier die Kommunikation im Gehirn nicht so läuft wie geplant kann dies auch zu Problemen im restlichen Körper führen. Oder wenn z.B. die Gehrinchemie verändert ist kommt es möglicherweise z.B. zu Tics oder auch Depressionen oder Psychosen usw.
    • Fidoline wrote:

      Wissen eure Ärzte alle, dass ihr Autisten seid und falls ja, wie haben sie es erfahren?
      Ja, durch mich. Meine Diagnostikern schrieb in den Bericht, dass meine behandelnden Ärzte darüber informiert werden sollten, zum einen wegen der teilweise andersartigen Wirkweise von Medikamenten, aber auch wegen eines veränderten Schmerzempfindens und auch der Kommunikation. So solle mehr Gewicht auf die Sachebene gelegt werden.

      Meinen bestehenden Ärzten habe ich es bei dem nächsten Besuch nach der Diagnose mitgeteilt mit Verweis auf eben diesen Passus im Bericht. Meinem neuen Hausarzt (bei dem ich nicht bleiben kann, weil die Praxis zu extrem unruhig und wirsch ist, dass ich schon auf dem Weg dorthin leichte Panik bekomme) und der neuen Neurologin gestern habe ich das so ziemlich als das erste mitgeteilt (zuerst habe ich "Hallo" gesagt und auch abgewartet, bis ich aufgefordert wurde mich zu setzen). Ich hatte auch meinen Diagnose-Bericht dabei, den ich zu den Akten gegeben habe.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Fidoline wrote:

      Wissen eure Ärzte alle, dass ihr Autisten seid und falls ja, wie haben sie es erfahren? In Anmeldebögen gibt es ja meistens keine Frage danach.
      Ja. Ich sage es immer beim ersten Termin. Habe ja auch eine Begleitperson dabei etc.
      Im Bogen schreibe ich es unter Weiteres/Besonderheiten oder unter wichtige Vorerkrankungen.
    • Hallo, das meiste was mir eingefallen wäre - und noch vieles mehr - wurde bereits gesagt.

      Ganz allgemein gibt es 'den Autisten' oder 'die Autistin' sowieso nicht. Das gilt auch für Ausdrucksweise und Augenkontakt usw. Deswegen ist auch erstmal jedes Klischee hierüber falsch; zumal es ja ein 'Spektrum' an Autismen gibt.

      Ich möchte aber noch eine Sache hinzufügen, und ein paar andere präzisieren:

      1. Auch wenn es sich dem Begriff nach von selbst versteht, so fehlen mir unter dem Stichwort 'Reize' das Riechen und das Fühlen betreffs der Praxis. Der Geschmackssinn kann bei der Einnahme neuer Medikamente ein Thema sein und sollte ggf. vorher abgeklärt werden Die anderen beiden finde ich für die Praxisräumlichkeiten wichtiger.

      a) Keine Geruchsbelästigung. Das heißt, es zu akzeptieren, dass der Patient/die Patientin ggf. nur einer ärztlichen Fachlkraft vorstellig werden will, die nicht raucht, bestimmte (d.h. starke) Deodorants weglässt usw.
      Es könnte auch für andere Patient/inn/en gut sein, darauf zu achten, dass sich das Personal nicht irgendwie 'einstinkt'.
      Das heißt auch, auf stark riechende Desinfektionsmittel zu verzichten. Für mich sind alkoholische Mittel eher kein Problem, aber die Praxis sollte doch nicht danach riechen. Ganz übel finde ich Essig- und Chlor-Reiniger.
      Wasserstoffperoxid desinfiziert meines Wissens sehr geruchsarm.
      Und der Aschenbecher für die Raucher/innen sollte nicht unbedingt neben dem Haupteingang stehen.

      b) Manche Materialien fühlen sich 'fies' an. Ich erwähne das nur der Vollständigkeit halber, da ich mit Hinblick auf Arztpraxen jetzt nicht wüsste, wo das dort eine Rolle spielt.
      Aber das Aufhängen von gemeinsam benutzten Stoffhandtüchern, oder leere Papiertuch-Spender können aus anderen Gründen nervig sein.

      c) Platz gehört für mich auf jeden Fall dazu. Man sollte genug Platz haben, um sich irgendwo hinzusetzen, oder an anderen Menschen vorbeizukommen ohne sie zu berühren. Also zum Beispiel keine Stühle etc. an 'Engstellen' positionieren, woran sich viele [oder überhaupt irgendwelche] Leute 'vorbeizwängen'.
      Heißt in der Folge u.U. auch, dass wenn man jetzt Abstände zwischen den Sitzplätzen hat, um den amtlich verordneten 'Abstandsregeln' zu genügen, man damit rechnen sollte, dass das betreffende Wartezimmer auch bei Aufhebung dieser Regeln nicht voller werden wird.
      Auch Platz für mitgebrachte Taschen etc. in denen ein Befund oder Notizblock transportiert wird gehört für mich dazu. (Das ist nicht immer notwendig, aber angenehm, wenn es geht.)

      2. Ergänzung zum Thema Hören/Lärm: Das schließt beispielsweise auch mit ein, ob
      - der Fußboden knarrt
      - die Schuhsohlen beim Laufen auf Kunststoff-Fußböden quietschen (das kann man nicht für die anderen Patient/inn/en verhindern, aber beim Personal), auf Stein-/Fliesenböden klappern,
      - die Räumlichkeiten hallen,
      - die Praxis an einer Hauptverkehrsstraße oder nahe einem Industriegebiet liegt,
      - eine Tür oder die Fenster geöffnet werden und wann und weshalb,
      - mit Glas oder Metall 'rumgeklimpert' wird,
      und vieles mehr.

      3. Ergänzung zum Thema Kommunikation:
      a) Wenn die Patientin oder der Patient etwas schildert, sollte das ernst genommen werden. Kein "das kann doch gar nicht sein" usw. oder "warum haben Sie denn nicht XYZ gemacht?" (Das ist zwar sowieso ein Unding, aber hier 'haut es besonders rein'!). Das gleiche gilt für die Begleitperson, die die Situation kennt, und ggf. ungefragt etwas ergänzt.

      b) Auf bildhafte Sprache verzichten. (Bzw. im Einzelfalle jeweils unterschiedlich darauf reagieren.)
      Man lernt zwar auch als Autist dazu. Aber man weiß als Außenstehende/r eben nicht, welche Redewendungen er (oder sie) kennt. Wenn man mit einer zu bildlichen Ausdrucksweise angesprochen wird, kann es sein, dass man zu lange auf der Frage 'herumkaut' ob das jetzt wörtlich oder im übertragenen Sinne gemeint war - was auch wieder Zeit kostet.
      Und dann auch bitte nicht darüber wundern, wenn das Gegenüber in einem Bereich gar keine Metaphern (u.Ä.) kennt, und in einem anderen sehr viele.

      4. Ergänzung zum Thema Diskretion: Es gibt u.U. Dinge, die der Arzt oder die Ärztin wissen sollte bzw. wissen muss, nicht aber die Sprechstundenhilfe.
      Die bereits geäußerte Idee, Die Autismus-Diagmose o.Ä. nur auf Anfrage auf einer Bescheinigung zu vermerken, finde ich sehr passend. Also danach vielleicht mal fragen, wenn es denn sinnvoll erscheint, dies einem Kollegen mitzuteilen.

      The post was edited 1 time, last by Kûzelîn: Tippfehler; inhaltliche Klarheit. ().

    • Leonora wrote:

      Zum Arzt zu gehen ist für viele autistische Menschen eine große Überwindung, nicht zuletzt, weil sie oft schlechte Erfahrungen gemacht haben. Eigenverdacht auf einzelne Themen ernst nehmen, gegebenenfalls erklären, warum es das aus fachlicher Ebene nicht sein kann bzw. es nicht genauer untersucht werden muss.
      Den Punkt möchte ich noch mal hervorheben. Auf der einen Seite soll man ja mit Problemen frühzeitig kommen, wenn man aber dann eine Sache bemerkt, die bedenklich findet und abgekanzelt wird ohne Erklärung, ist das kontraproduktiv.
      Hilfreich fände ich da beispielweise auch den Hinweis, dass eine bestimmte Untersuchung gemacht werden kann, dann aber nicht von der Kasse übernommen wird. Den kenne ich so nur von Zahnärzten, ansonsten heißt es eher: Brauchen Sie doch eh nicht!
    • Mein Hausarzt und mein Gyn wissen, dass ich Autistin bin. Ich habe bei beiden Praktika im Rahmen des Studiums gemacht und wir sind "auf du". Mit meinem Hausarzt habe ich bereits vor der Diagnose den Verdacht besprochen.

      Als ich dann den Arztbrief aus der Diagnoseambulanz hatte, hab ich den zum Hausarzt mitgebracht. Jetzt hilft er mir, einen Psychologen zu finden.
      Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, Fragen an ihn heranzutragen, da ich weiß, dass er sich wirklich Gedanken macht, alles nachschlägt und dranbleibt. Das macht er auch für andere Patienten, liegt also nicht nur daran, dass wir uns besser kennen.
      Wenn jemand mit einem Problem in seine Praxis kommt, wo andere Hausärzte einfach ne Überweisung ausdrucken und den Patienten wegschicken würden, dass er wochenlang auf den Facharzttermin wartet, klärt mein Hausarzt erstmal alles ab, was er selbst kann, auch, wenn es von den Kassen nicht oder nicht adäquat bezahlt wird.
      Unfairer Weise haben die, denen die Patienten relativ egal sind, ein viel entspannteres Leben und Arbeiten.
    • Kûzelîn wrote:



      a) Keine Geruchsbelästigung. Das heißt, es zu akzeptieren, dass der Patient/die Patientin ggf. nur einer ärztlichen Fachlkraft vorstellig werden will, die nicht raucht, bestimmte (d.h. starke) Deodorants weglässt usw.
      Es könnte auch für andere Patient/inn/en gut sein, darauf zu achten, dass sich das Personal nicht irgendwie 'einstinkt'.
      Das heißt auch, auf stark riechende Desinfektionsmittel zu verzichten. Für mich sind alkoholische Mittel eher kein Problem, aber die Praxis sollte doch nicht danach riechen. Ganz übel finde ich Essig- und Chlor-Reiniger.
      Wasserstoffperoxid desinfiziert meines Wissens sehr geruchsarm.
      Und der Aschenbecher für die Raucher/innen sollte nicht unbedingt neben dem Haupteingang stehen.

      b) Manche Materialien fühlen sich 'fies' an. Ich erwähne das nur der Vollständigkeit halber, da ich mit Hinblick auf Arztpraxen jetzt nicht wüsste, wo das dort eine Rolle spielt.
      Aber das Aufhängen von gemeinsam benutzten Stoffhandtüchern, oder leere Papiertuch-Spender können aus anderen Gründen nervig sein.

      ...


      2. Ergänzung zum Thema Hören/Lärm: Das schließt beispielsweise auch mit ein, ob
      - der Fußboden knarrt
      - die Schuhsohlen beim Laufen auf Kunststoff-Fußböden quietschen (das kann man nicht für die anderen Patient/inn/en verhindern, aber beim Personal), auf Stein-/Fliesenböden klappern,
      - die Räumlichkeiten hallen,
      - die Praxis an einer Hauptverkehrsstraße oder nahe einem Industriegebiet liegt,
      - eine Tür oder die Fenster geöffnet werden und wann und weshalb,
      - mit Glas oder Metall 'rumgeklimpert' wird,
      und vieles mehr.

      ...

      No hate Bro, aber das sind teilweise ganz schön krasse Ansprüche. Man sollte auch bedenken, dass der Großteil der Patienten einfach NTs sind und das auch Mediziner Menschen sind und nebenbei ein Privatleben haben. Eine Arztpraxis ist nun mal kein Holiday Resort. Ich gehe da auch nur sehr ungern hin, erst wenn bereits alle Hausmittel und rezeptfreien Medikamente versagt haben, aber wenn ich dort Hilfe bekomme bin ich im Gegenzug auch bereit alle diese Störfaktoren mal ein paar Minuten zu ertragen.
    • @Henrik würde ich eher als wunschvorstellung einordnen dieser Ansprüche. Aber im Kern hast du recht und wer sowas will der muss schon wirklich in einer autismusambulanz gehen aber da können sie dir mit alltäglichen Problemen nicht helfen. Gegen Geräusche kann man sich ohrstöpsel mitnehmen oder Musik auf die Ohren machen. Geruch lässt sich nun mal nicht ausblenden da muss man dann entscheiden was einem schwerer wiegt die eigene komfortzone oder die gesundheitlichen Probleme.
    • Henrik wrote:

      No hate Bro, aber das sind teilweise ganz schön krasse Ansprüche. Man sollte auch bedenken, dass der Großteil der Patienten einfach NTs sind und das auch Mediziner Menschen sind und nebenbei ein Privatleben haben. Eine Arztpraxis ist nun mal kein Holiday Resort. Ich gehe da auch nur sehr ungern hin, erst wenn bereits alle Hausmittel und rezeptfreien Medikamente versagt haben, aber wenn ich dort Hilfe bekomme bin ich im Gegenzug auch bereit alle diese Störfaktoren mal ein paar Minuten zu ertragen.

      Ich denke, es ist klar, dass nicht alles Wünsche umgesetzt werden können. Trotzdem ist es sinnvoll, viele Ideen zu sammeln. Am liebsten natürlich direkt mit konstruktiven Vorschlägen, wie es umsetzbar wäre.
      Es kommt ja durchaus vor, dass etwas gar nicht als Belastung wahrgenommen wird, das zu Ändern nichtmal stören würde.