Asperger Schwerbehinderung?

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    • Les wrote:

      Ich muss auch sagen, dass ein SBA ohne Merkzeichen tatsächlich gar nicht so viele Vorteile bringt, wenn man es mit der Hürde vergleicht ihn überhaupt zu bekommen. Okay, Steuervorteile, wenn man aber alleine ist und nicht arbeiten kann bringt einem das auch nichts. In manchen Bereichen vergünstigten Eintritt, und WENN man arbeitet besseren Kündigungsschutz. Wenn ich diese zu Dinge damit vergleiche, dass ich normal funktionieren würde, dann würde ich allemal lieber normal funktionieren als diese geringen Vorteile zu haben. Es ist keinesfalls so, dass ein SBA einem das Leben massiv erleichtert finde ich.
      wenn man aber arbeitet, hat man mehr Urlaubstagen, die man zur Regeneration und für Arzttermine nutzen kann. Weiterhin kann man unter bestimmten Bedingungen früher in Rente gehen. Das ist für Arbeitnehmer tatsächlich sehr akktraktiv.

      Bei psychischen Behinderungen tun sich die Versorgungsämter jedoch tendenziell schwerer, die Einschränkungen anzuerkennen, als bei körperlichen. Auch wenn die Konsequenzen, die weitere psychische Behinderung zur Folge haben, mitunter tendenziell schlimmer sind als die einer körperlichen Behinderung. ZB gilt man laut Internet bei Verlust eines Armes am Unterarm oder Verlust einer Hand als schwerbehindert. Keine Frage, das wünsche ich niemandem. Aber mit entsprechenden Hilfsmitteln kann man damit viele Jobs machen, ein entsprend ausgerüstetes Auto fahren (war als Kind in einer Fahrgemeinschaft, in der einer der Fahrenden kontergangeschädigt war), normale Beziehungen führen, seine Freizeit ziemlich großzügig gestalten etc. Da sieht das Helfersystem ein konkretes Problem und es kann Unterstützung geschaffen werden. Sofern keine andere Grunderkrankung zugrunde rliegt, ist die Wahrscheinlichkeit auch nicht erhöht, aufgrund des Verlusts eines Armes auch den anderen zu verlieren.

      Ein psychisch behinderter ist aber aufgrund seiner Behinderung gefährdet, noch weiter behindert zu werden. Gerade, wenn diese gesellschaftlich keine Beachtung findet.
      Ich schreibe in der Regel vom mobilen Endgerät aus - merkwürdige Wortkonstrukte sind ggf. der Autokorrektur geschuldet
    • Lachatte wrote:

      (leider kann ich es hier nicht reinkopieren, weil ich dann auf eine der vorderen Seiten zurückklicken müsste, und dann wäre mein Text hier weg Gibt es da eine Möglichkeit?
      In der Regel wird der Text zwischengespeichert. Du kannst ihn aber auch komplett markieren, strg + c drücken um sicherzugehen, zur anderen Seite, dort dann das Zitat "abholen" und den Text mit str + v wieder einfügen.
    • Shenya wrote:

      Mit der Bezeichnung "Anderssein" ist mir im Alltag nicht geholfen.
      Klar, man kann immer "anders" sein, aber mit diesem und jenem "anders" wirst du eben be-hindert.
      Anders sein und behindert werden sind halt nicht ein und dasselbe.

      Shenya wrote:

      Ich kenne das im Zusammenhang mit dem Schwerbehindertenausweis. Da heißt das eben so.
      Und viele wollen ja so einen Ausweis, dann muss man das in Kauf nehmen, dass es so heißt.
      Das sehe ich genauso.
      Es ist aktuell eben die Bezeichnung für diese - ich sag mal - Vorgänge. Eine Behinderung ist eine rechtlich definierte Einschränkung von mindestens 6 Monaten Dauer. Und eine Schwerbehinderung ist eine Behinderung im "Wert" eines Behinderungsgrads von 50 oder mehr.
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")
    • Geisterfahrerin wrote:

      Ich glaube, es ist vor allem auch das Wort Schwerbehindertenausweis, worüber ich falle. Ich sehe dann in Gedanken alte Menschen mit Krücken.
      Das ist für mich auch so das erste Bild in meinem Kopf wenn ich an Schwerbehindertenausweis denke und bei vielen anderen Menschen ist es auch so. Der Mensch im Rollstuhl, oder ein alter gebrechlicher Mensch, oder jemand mit Blindenstock, schlechtes Gehör, es fehlt sonst wie ein Körperteil oder eben eine geistige Behinderung bei der die Intelligenz gemindert ist oder die Person nicht fähig ist einfachsten Dingen folgen zu können. Das Wort "schwerbehindert" klingt da einfach so brutal. Wenn man etwas nicht gleich sieht dann ist es nicht so einfach das auch so einzustufen wie etwas was sehr offensichtlich ist. Da muss der Alltag schon extrem eingeschränkt sein um so etwas wie einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen. Es gibt ja manche die haben zwar Schwierigkeiten aber die werden durch den Schwerbehindertenausweis trotzdem nicht verschwinden und dann welche, die halt wirklich überhaupt nicht mehr durch den Alltag kommen.


      Lachatte wrote:

      Im privaten Bereich wie Beziehungen, Freunde, Freizeitaktivitäten wüsste ich aber nicht, was es bringen könnte. Da wäre es ja nicht so, dass wenn man einen GdB hat, die Freunde akzeptieren "müssen", dass man nicht ständig mitgeht bei Unternehmungen/sich nicht ständig meldet. Oder, noch extremer: Man würde ja, wenn man wegen seinen Einschränkungen keine Beziehung oder Freunde hat, nicht jetzt wegen Nachteilsausgleich welche "zugeteilt" kriegen :d Und die Bekannten, die einen wegen der ganzen Sache komisch finden und über einen reden, werden sich dadurch auch nicht ändern.
      Gerade so im Alltag oder privat finde ich es auch nicht wirklich hilfreich. Also es wird mich jetzt keine Frau automatisch heiraten oder mehr Verständnis haben nur weil ich ihr einen Schwerbehindertenausweis zeige. Es wird immer Menschen geben, die einen trotzdem nicht akzeptieren werden auch wenn man eine Erklärung für etwas hat. So weit ist die Gesellschaft hier einfach nicht dass das die Mehrheit akzeptiert weil es eben auch etwas ist das 99 % der Menschen gar nicht betrifft. Es geschieht in den schlimmsten Fällen ja eher noch das Gegenteil. Der schriftliche Stempel mit schwerbehindert bewirkt dann, dass man erst recht gar nicht mehr ernst genommen wird weil man dann denkt, dass die Person eh manche Dinge gar nicht versteht und wenn die nur etwas "seltsam" ist sieht.


      Mandelkern wrote:

      wenn man aber arbeitet, hat man mehr Urlaubstagen, die man zur Regeneration und für Arzttermine nutzen kann. Weiterhin kann man unter bestimmten Bedingungen früher in Rente gehen. Das ist für Arbeitnehmer tatsächlich sehr akktraktiv.
      Sehe ich nicht zwingend als Vorteil. Also ich kriege z.B. nicht mal meine 30 Urlaubstage weg weil es meine Arbeit so gar nicht richtig ermöglicht bzw. ich immer jedes Jahr Resttage habe (Tag 25-30) , die ich gezwungenermaßen abbauen muss. Früher in Rente zu gehen ist für einen selber vorausblickend auf die geringen Renten, die man auch mit vollem Eintrittsalter der Rente hat auch keine positive Aussicht. Mit der normalen Rente werden viele schon nicht über die Runden kommen.
    • Wer ein Problem mit dem Wort "Schwerbehindert" ein Problem hat kann sich ja diese Hülle holen...
      de.wikipedia.org/wiki/Schwer-in-Ordnung-Ausweis
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Kayt wrote:

      Zumal ich bin recht sicher bin, dass ich nicht mehr als 30 erhalten würde.
      Mit 30 kannst du aber, wenn du arbeitest, Gleichstellung beantragen, das ist etwas unkomplizierter als in den Widerspruch zu gehen und auf der Arbeit bist du dann gleichgestellt denen die GdB50 bekommen. In der Hinsicht könnte ich das also lohnen.


      Mandelkern wrote:

      wenn man aber arbeitet, hat man mehr Urlaubstagen, die man zur Regeneration und für Arzttermine nutzen kann. Weiterhin kann man unter bestimmten Bedingungen früher in Rente gehen. Das ist für Arbeitnehmer tatsächlich sehr akktraktiv.
      Das stimmt, das kommt wohl auf den Zustand an. Ich muss grade um GdB 50 kämpfen und mach es über eine Anwältin, weil ich das selber nicht mehr kann. An Arbeiten ist momentan einfach gar nicht zu denken, aber irgendeine Hausärztin meint, es besser zu wissen als die 2 psychiatrischen Gutachter, deren Gutachten ich mit eingereicht habe. Im Prinzip habe ich einen heftigen Aufwand betrieben, um alles zu beschreiben und zu begründen etc, und als ich Akteneinsicht gefordert hatte, stand in den Akten als Begründung genau: "Öhm nee machen wir mal GdB30 draus". Mehr nicht. Das waren 2 Zeilen. Als Antwort auf 7 Seiten Text von mir und 2 psychiatrischen Gutachten, und diese 2 Zeilen vorgebracht von einer nicht auf dem Bereich qualifizierten Person.

      Aber ich glaube, genau dass was hier angesprochen wird ist die Ursache für solche Sachen. Dass Leute ein Bild davon haben, wie eine Behinderung aussieht und wie nicht. Ich, körperlich topfit, hochbegabt, selbstreflektierend udn mit hohem Willen, andere vor mir zu schützen (ich krabbele bei einem Meltdown lieber in einen Busch der von Hunden vollgepisst ist, als das Risiko einzugehen, "erwischt" zu werden und wenn dann jemand inadäquat reagiert (panisch wird, mich anfasst) demjenigen in die Fresse zu schlagen), bin nicht behindert, weil ich mich lieber verstecke und deshalb ja nicht NACHWEISEN kann dass ich Meltdowns hab. Also alles an Energie, was ich aufwende um meine Umwelt nicht zu belasten wird jetzt noch gegen mich verwendet. Genau wegen solcher Bilder wie sie hier teilweise sogar in den Köpfen einiger sind: Man muss Krüppel sein um behindert zu sein, ich "kann ja alles, es hat eben nur negatove Konsequenzen".

      Bitte meine womöglich sarkastische Wortwahl entschuldigen, ich möchte damit niemanden in diesem Thread angreifen oder bloßstellen und finde es ansich gut, dass diese Fragen diskutiert werden, ich möchte nur darauf hinweisen, was für Folgen das Bild, dass Autisten nicht schwerbehindert sind weil sie alles können, hat. Und dass diese Folgen Autisten womöglich stärker behindert machen als es nötig wäre.
    • Les wrote:

      [...] Genau wegen solcher Bilder wie sie hier teilweise sogar in den Köpfen einiger sind: Man muss Krüppel sein um behindert zu sein, ich "kann ja alles, es hat eben nur negatove Konsequenzen".
      .
      Bitte nicht schon wieder. Lies bitte den ganzen Thread durch ehe du schießt!
      Nicht böse sein, ich glaube inzwischen genügend erklärt zu haben, wie das gemeint war und wie es zu den Fehlinterpretationen gekommen ist.
    • Geisterfahrerin wrote:

      Bitte nicht schon wieder. Lies bitte den ganzen Thread durch ehe du schießt!
      Nicht böse sein, ich glaube inzwischen genügend erklärt zu haben, wie das gemeint war und wie es zu den Fehlinterpretationen gekommen ist.
      Hast du meinen letzten Absatz nicht gelesen?

      The post was edited 1 time, last by Les ().

    • Ich finde, schon. Ich habe darin deutlich gemacht, dass es mir nicht darum geht, gegen irgendjemanden zu schießen, mal abgesehen davon dass ich sehr wohl den ganzen Thread gelesen habe, sondern darum, dass es bei dieser tatsächlich faktisch verbreiteten Sichtweise (und das nicht nur aufgrund von Sprachbarrieren) zu Folgeproblemen kommt, die wie ein Teufelskreis wirken.

      In der Erklärung wie es gemeint war, steckte eben genau dieser Punkt auch drin.

      Aber auch die Begründung, warum es eben doch eine Schwerbehinderung sein kann, ist genügend zur Sprache gekommen denke ich. Mir ging es darum, zu betonen, dass das faktisch vorhandene Bild der Schwerbehinderung Probleme verursacht. Und zu beschreiben, wie diese konkret aussehen können. Und ein bisschen Selbstmitleid ist sicherlich auch mit drin :d
    • Les wrote:

      Genau wegen solcher Bilder wie sie hier teilweise sogar in den Köpfen einiger sind: Man muss Krüppel sein um behindert zu sein, ich "kann ja alles, es hat eben nur negatove Konsequenzen".

      Ich versuche es noch mal zu erklären. Der obige Satz hat mich gestört. Denn du verknüpfst hier ein beinahe wortwörtliches Zitat von mir ("ich kann ja alles, es hat... ") an das Bild das in den Köpfen einiger ist.

      Und im nächsten Absatz glaubst du das entschuldigen zu können mit "...ich möchte niemanden in diesem Thread angreifen..."

      Verwundert es dich dann noch, dass ich mich angegriffen fühle? Du zitierst mich ja deutlich, also warum nicht einfach sagen, Geisterfahrerin findet das und das...?
      Ich will dich hier nicht belehren, ich will dir nur erklären wie sich das für mich anfühlt. Vergiss nicht, ich bin auch autistisch. :m(:

      Zurück zur Ausgangsfrage dieses Threads: Wie seht ihr euch, (schwer)behindet, eingeschränkt usw.
      Ich mag das Wort "behindert" nicht und sehe mich lieber als eingeschränkt. Wenn du dich lieber "behindert" siehst, kein Problem. Wahrscheinlich haben wir durch unseren Autismus mehr oder weniger die selben Probleme, gehen vielleicht anders damit um, vor allem aber benützen wir ein anderes Wort dafür, meinen aber dasselbe Problem.

      Hoffentlich habe ich es jetzt deutlich gemacht, was ich meine.
      Und jetzt erst mal eine Tasse Kaffee. ;)
    • Ah, verstehe. Ja, das war wohl etwas ZU unbedacht formuliert. Ich war nichtmal mehr sicher, ob das Zitat von dir stammt, es war für mich nur stellvertretend für eine Sichtweise, aber klar, jetzt verstehe ich warum du dich angegriffen gefühlt hast. Blöde Vermischung von spezifischer und unspezifischer Aussage, das stimmt.

      Für mich lieber Tee ;)
    • Ich bin jetzt definitiv und dauerhaft mit 70% Schwerbehindert. Aber bekomme kein B mit H. Somit fallen jetzt definitiv alle Hilfen und auch Aktivitäten bei denen ich Begleitung und Hilfe bräuchte weg. Auch ein G gab es nicht obwohl ich Sturzgefährdet bin. Stattdessen rät man mir zu einem Rollator oder wenn es gar nicht geht zu einem Rollstuhl. Ach ja, und wer schiebt den oder begleitet mich? Wer zahlt das Taxi denn wir haben keine Neigebusse.
      Im Psychosozialen Bereich bringt dieser Ausweis nicht viel, außer ein paar € weniger an Eintritt oder gegenüber der Steuer, das sind bei mir jedoch ganz wenige €.
      Berentet wurde ich auch ohne Ausweis doch etwas ist interessant, ich werde jetzt öfter etwas freundlicher behandelt.

      Ich will kein Öl ins Feuer gießen (RW) doch Behindert ist ein Wort für vielseitige Einschränkungen. Was ich innerlich daraus mache ist allein mein Denken. In gewisser Form fühle ich mich behindert und eingeschränkt was ich ja auch bin, aber nicht dumm oder unfähig. Ich werde behindert und manche Situation behindert mich. Wer eingeparkt wird erfährt eine Behinderung beim Eisteigen ins Auto oder beim Ausparken. Gehe ich positiv darauf zu komme ich vielleicht auf die Idee über den Kofferraum einzusteigen.
      Im Haushalt habe ich so einige Defizite, somit eine Behinderung, aber die Chance zu überlegen wie ich diese entweder verändern kann oder Hilfe hole.

      Behinderung ist aus meinem Denken heraus etwas was überwindbar ist und mit Unterstützung erleichtert werden kann sofern man den Mut hat nach Hilfe zu fragen, diese anzunehmen und das selbst dann wenn es halt nicht so erfolgt wie ich es gerne gemacht hätte.
      Ich dachte auch mal das ich alles kann, nur blöde Umstände mich daran hindern oder abhalten, oder andere es tun.
      Nein, ich selbst bin es und ich sehe auch meinen Asperger nicht als Behinderung solange ich ihn nicht als Feind sehe und das tue ich nicht. Ab und an nervt er mich wie auch andere von sich selbst genervt sind. Die Tochter einer Bekannten hat das Down- Syndrom, ist 11 und sagt ganz klar“ ich bin was besonderes mit Behinderung“ was sie nicht als schlimm empfindet. Sie sieht es eher so das Menschen die sie Bedauern oder als Unfähig behandeln selbst behindert sind und zwar ganz tief in sich drin statt glücklich zu sein weil…diese Liste wäre lang.

      Und somit akzeptiere ich jetzt auch meinen Ausweis ohne Buchstaben und mache das Beste draus.
      Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.
      (Erich Kästner)
    • Badener wrote:

      Stattdessen rät man mir zu einem Rollator oder wenn es gar nicht geht zu einem Rollstuhl. Ach ja, und wer schiebt den oder begleitet mich?
      Ich habe vor gefühlten 100 Jahren Zivildienst gemacht (Behindertenfahrdienst).
      Dabei habe ich sehr viele Rollifahrer kennengelernt, die sich alle ganz selbstständig mit ihrem Rollstuhl fortbewegen konnten.
      Einer meiner "Klienten" war nach einem Motorradunfall vom Hals abwärts gelähmt und steuerte seinen E-Rolli mit dem Mund.
      Warum würdest Du jemanden brauchen, der Dich schiebt?
    • @zaph es geht nicht um die Fortbewegung an sich im Rollstuhl. Da saß ich längere Zeit, sondern um Hilfestellung draußen. Ich erkenne z.B Erhöhungen wie am Bordstein nicht, kann Untergrundveränderungen nicht einschätzen hier z.b. hell zu dunkel. Oder Schwellen am Aufzug. Da stehe ich dann und es geht nichts mehr. Da ich Abstände nicht richtig erfassen / einschätzen kann fahre ich auch anderen an die Beine oder zu knapp an geparkten Autos vorbei. In der Großstadt ist vieles Rollifreundlicher als hier und zuletzt, ein Rollstuhlfahrer im Panikmodus ist auch nicht zu unterschätzen. Hier geht es also nicht um die Fortbewegung allein, sondern die zusätzlichen Hindernisse die zu überwinden sind.
      Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.
      (Erich Kästner)
    • @Les: das könnte meine Geschichte sein. In diesem Kampf befinde ich mich aktuell auch.

      @da_hooliii: dann bist du in diesem Bereich wohl nicht oder weniger angestrengt/behindert. Wenn du gesund bleibst und Probleme hast, deine Urlaubstage abzubauen - prima (wobei es für mich grundsätzlich immer nach Unterbesetzung und mangelhafter Arbeitsorganisation klingt, wenn der Arbeitsfluss durch den Urlaub von Mitarbeitern behindert wird. Es gehört zur Personalplanung, dies abzudecken). Ich benötige zum Beispiel wahnsinnig viel Regenerationszeit. Wenn ich arbeiten gehe, muss ich 10Stunden pro Tag einkalkulieren (und am Wochenende noch mehr), um halbwegs fit zu sein.
      Ich schreibe in der Regel vom mobilen Endgerät aus - merkwürdige Wortkonstrukte sind ggf. der Autokorrektur geschuldet
    • Les wrote:

      Mit 30 kannst du aber, wenn du arbeitest, Gleichstellung beantragen, das ist etwas unkomplizierter als in den Widerspruch zu gehen und auf der Arbeit bist du dann gleichgestellt denen die GdB50 bekommen. In der Hinsicht könnte ich das also lohnen.
      Theoretisch stimme ich dir zu. Praktisch bin ich jedoch als freiberufliche Honorarkraft tätig, was sich auch nicht in für mich absehbarer Zeit ändern wird.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Mandelkern wrote:


      @da_hooliii: dann bist du in diesem Bereich wohl nicht oder weniger angestrengt/behindert. Wenn du gesund bleibst und Probleme hast, deine Urlaubstage abzubauen - prima (wobei es für mich grundsätzlich immer nach Unterbesetzung und mangelhafter Arbeitsorganisation klingt, wenn der Arbeitsfluss durch den Urlaub von Mitarbeitern behindert wird. Es gehört zur Personalplanung, dies abzudecken). Ich benötige zum Beispiel wahnsinnig viel Regenerationszeit. Wenn ich arbeiten gehe, muss ich 10Stunden pro Tag einkalkulieren (und am Wochenende noch mehr), um halbwegs fit zu sein.
      Naja der Job ist so strukturiert, dass es jeden Tag was zu tun gibt - das ist nicht so, dass man Freitag geht und dann passiert über das Wochenende nichts und es geht Montag weiter. Es passiert immer was. Regenerationszeit habe ich trotzdem genug da es Tage gibt an denen ich früher Feierabend habe als an anderen Wochentagen. Ich denke mal, dass ich wahrscheinlich ziemlich überfordert wäre wenn ich einen Job machen müsste, der mir keinen Spass macht. Ich habe meine Nische gefunden und kann dort mein Spezialinteresse mit einbringen. Es gibt auch Autisten, die einen Job machen der ihnen überhaupt nicht gut tut und da ist die Ausgangslange wieder eine ganz andere - da bin ich doch froh, dass es so ist wie es ist. Andere Schwächen von mir geraten dadurch in den Hintergrund und dann fällt es auch nicht so auf, dass ich vielleicht etwas "seltsam" auf andere wirke weil ich ein riesiges Fachwissen mitbringe. In einem anderen Arbeitsumfeld würde ich wohl komplett untergehen.