Asperger Schwerbehinderung?

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    • da_hooliii wrote:

      Ich habe meine Nische gefunden und kann dort mein Spezialinteresse mit einbringen.
      Traumhaft. Das klingt wirklich gut.

      Sowas suche ich grade. Ich hab zwar meine beiden Spezialinteressen in meinem Job, allerdings ist der gleichzeitig mit sehr guten kommunikativen Fähigkeiten verbunden und ich hab ständig einen jungen Menschen da, der meine volle Aufmerksamkeit braucht. Das hat mich letztlich dann doch gekillt, auch wenn ich den Job liebe.
    • Badener wrote:

      Ich bin jetzt definitiv und dauerhaft mit 70% Schwerbehindert.
      Woher weißt du, dass das dauerhaft ist?
      Der GdB kann sich (zumindest theoretisch) doch jederzeit ändern, sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung.
      Dauerhaft ist letztlich jede Behinderung, die behördlich als Schwerbehinderung anerkannt wird, denn eine Dauer von mindestens 6 Monaten ist Voraussetzung für die Anerkennung als Schwerbehinderung.
      Aber auch eine unbefristet ausgestellter SBA kann jederzeit widerrufen oder überprüft werden.
      Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anderswerden, wenn es besser werden soll. (Georg Christoph Lichtenberg)
      Veränderungen führen deutlich öfter zu Einsichten, als dass Einsichten zu Veränderungen führen. (Milton H. Erickson)
      Morgen werde ich mich ändern, gestern wollte ich es heute schon. (Christine Busta)
    • @Tuvok weil es so im Begleitschreiben steht. 70%, keine Überprüfung mehr, außer AZ verschlechtert sich. Selbst wenn eine Prüfung erfolgen sollte stellt das kein Problem dar den besser wird es nie mehr.
      Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.
      (Erich Kästner)
    • Badener wrote:

      weil es so im Begleitschreiben steht. 70%, keine Überprüfung mehr
      Es gibt im Sozialrecht keinen Bestandsschutz für Feststellungen des GdB, auch dann nicht, wenn sie unbefristet ausgestellt sind.
      "Unbefristed" bedeutet hier nur, dass (noch) keine Frist festgelegt wurde, innerhalb derer man damit rechnen muss, dass der GdB überprüft und ggf. neu festgesetzt wird.
      Ein Rechtsanspruch, dass die Behörde niemals auf die Idee kommt, den GdB plötzlich doch noch mal zu überprüfen, entsteht dadurch nicht.

      Badener wrote:

      Selbst wenn eine Prüfung erfolgen sollte stellt das kein Problem dar den besser wird es nie mehr.
      Das ist eine Einstellung, die ich nicht gerade als besonders positiv und optimistisch bezeichnen würde.
      Ich neige da eher zum positiven Denken (außer bei Corona-Tests :d ).

      Ich will hier keinem Angst machen: aber eine Verringerung des GdB bei einer etwaigen Überprüfung müsste sich nicht darauf stützen, dass sich etwas verbessert hat. Es würde auch genügen, dass sich die gesetzlichen Vorgaben verschlechtert haben oder ein neuer Sachbearbeiter zu einem anderen Ergebnis kommt.

      Umgekehrt bleibt aber auch ein befristeter SBA über das Ende der Frist hinaus gültig, bis rechtskräftig über eine Änderung entschieden ist.
      Man kann also zum Beispiel mit einem bis 31.12.2021 befristeten Schwerbehindertenausweis bei Vorliegen der Voraussetzungen zum 1.1.2022 vorzeitig in Rente gehen, wenn nicht vorher rechtskräftig der GdB unter 50 gesenkt wurde.
      Wenn die Behörde zum Beispiel im Dezember entscheiden würde, dass der GdB auf 40 gesenkt wird, könnte man einfach Widerspruch einlegen und trotzdem zum 1.1.2022 in Rente gehen. Es kommt nur darauf an, dass man am ersten Tag des Renteneintritts offiziell noch schwerbehindert ist, und das ist man auch mit dem eigentlich bis 31.12.2021 befristeten Ausweis solange, bis die Behörde rechtskräftig über den Widerspruch entschieden hat.
      Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anderswerden, wenn es besser werden soll. (Georg Christoph Lichtenberg)
      Veränderungen führen deutlich öfter zu Einsichten, als dass Einsichten zu Veränderungen führen. (Milton H. Erickson)
      Morgen werde ich mich ändern, gestern wollte ich es heute schon. (Christine Busta)
    • Tuvok wrote:

      .....oder ein neuer Sachbearbeiter zu einem anderen Ergebnis kommt.
      Sachbearbeiter sind keine Ärzte.
      Nur die Ärzte sollten wesentliche Änderungen (positive oder negative) bewerten.

      Der Bescheid ist dann wieder Sache der Sachbearbeitung.
      Aber medizinische Sachverhalte beurteilen im SGB IX nicht die SachbearbeiterInnen.
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")
    • @Tuvok: Im Verwaltungsrecht gibt es sehr wohl Bestandsschutz. Das Sozialrecht ist letztlich ein spezielles Verwaltungsrecht.

      Verbesserungen des Zustands einer Person müssen daher von der Behörde medizinisch begründet dargelegt werden, wenn es ein unbefristeter Bescheid ist.

      Natürlich gibt es Leute, bei denen Hoffnung auf Besserung besteht, beispielsweise Krebspatienten oder Epileptiker. Auch bei Asperger oder Depression gibt es durchaus die Möglichkeit, mit Therapie (Asperger und Depression) und Medikamenten (Depression) Besserung zu erreichen. Aber leider nicht immer und je nach Therapiestand steht auch irgendwann durchaus fest, dass keine (signifikanten) Besserungen (mehr) erzielt werden können.

      Hinsichtlich des von Dir vertretenen - und Dir ehrlich gegönnten - Optimismus fällt mir daher grad ein: Realisten sind pessismistische Optimisten :fun: .
    • Capricorn wrote:

      Sachbearbeiter sind keine Ärzte.
      Nur die Ärzte sollten wesentliche Änderungen (positive oder negative) bewerten.

      Anakin_1 wrote:

      Verbesserungen des Zustands einer Person müssen daher von der Behörde medizinisch begründet dargelegt werden, wenn es ein unbefristeter Bescheid ist.
      Ich bestreite beides nicht.
      Aber ich fürchte, es genügt zunächst einmal die Entscheidung eines Sachbearbeiters, um eine Überprüfung auch eines eigentlich unbefristeten Bescheides zu veranlassen.
      Ändern wird sich dann am Status dann natürlich erst etwas, wenn der ärztliche Dienst medizinisch begründet zu dem Ergebnis kommt, dass sich etwas verbessert hat.

      Anakin_1 wrote:

      Hinsichtlich des von Dir vertretenen - und Dir ehrlich gegönnten - Optimismus fällt mir daher grad ein: Realisten sind pessismistische Optimisten
      Ungeachtet der Tatsache, dass Autismus wohl zurecht als "nicht heilbar" gilt, gehe ich schon davon aus, dass Veränderungen in der Bewertung der damit verbundenen Einschränkungen durchaus denkbar sind.
      Ob ich meinen (unbefristeten) GdB heute noch so bekommen (und beantragen) würde, bezweifle ich.
      Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anderswerden, wenn es besser werden soll. (Georg Christoph Lichtenberg)
      Veränderungen führen deutlich öfter zu Einsichten, als dass Einsichten zu Veränderungen führen. (Milton H. Erickson)
      Morgen werde ich mich ändern, gestern wollte ich es heute schon. (Christine Busta)
    • @Badener hat ja noch andere Einschränkungen, wenn ich das richtig sehe. Ich schätze mal, je älter man ist, desto seltener finden irgendwelche Nachprüfungen statt, weil man dann, gerade bei körperlichen Einschränkungen, nicht mehr davon ausgeht, dass sich was bessert.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • ich hab mich erkundigt, war ja gut vorbereitet dank euch :thumbup: . Ich bekäme, egal wie zusammengesetzt, weiterhin 70%. 40% für Asperger und mindestens 30% für restliche Behinderung. Den Rest zu 100%, also noch 30% würde man sich, wie sagte die Frau am Telefon, aufheben. Warum hat sie mir nicht erklärt, trotz Nachfrage, doch da erkundige ich mich noch. . Da ich in EU Rente bin würden diese 30% wohl keine große Rolle mehr spielen. Nett :thumbdown: .

      Passiert es euch auch so oft das einer der ersten Fragen ist:“ haben Sie eine Betreuung?“ oder“ wäre es möglich das mit Ihrem Betreuer zu klären?“
      Wenn ich dann sage „ nein, kann ich durchaus allein“ oder „ Entschuldigung, mit dem können Die nicht sprechen da ich keinen habe“ ist es für einige Sekunden ruhig am anderen Ende. Unangenehm, sehr unangenehm. Ich mag es nicht zu telefonieren.

      Weiter gefragt. Da ich nicht vollkommen unselbständig und nicht auf kontinuierliche Begleitung und Betreuung angewiesen bin und noch manches allein machen kann gäbe es keine 100%. Ist das richtig?
      Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.
      (Erich Kästner)
    • @Badener Ich kenne natürlich deine Einschränkungen nicht und ich will mir auch hiermit nicht abmaßen, diese zu beurteilen. Du schreibst, dass du - natürlich mit Schwierigkeiten, sonst wäre es ja wohl keine Schwerbehinderung - allein noch manches machen kannst und nicht ständig Hilfe brauchst. Ja, ich denke schon, dass das ein Grund dafür ist, dass du keinen GdB von 100 erhälst.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)

      The post was edited 1 time, last by Kayt: Edit, weil ich nicht darauf geachtet habe, im öffentlichen Bereich zu sein. Sorry. ().

    • Geisterfahrerin wrote:

      An alle die über meine verkehrte Interpretation eines Schwerbehindertenausweises gestolptert sind und noch stolpern werden:
      Deutsch ist nicht meine Muttersprache, es kann also sein, dass meine Sichtweise dieses Wortes nicht der eines gebürtigen Deutschen entspricht.
      Nein, über das Wort stolpern auch Muttersprachler.
      Ich habe die Autismus-Diagnose noch einigermaßen verkraftet, aber was mich dann in ein schweres depressives Loch gerissen hat war das Schreiben vom Versorgungsamt mit den 80 Grad der Behinderung (und ab 50 ist es eine "Schwerbehinderung") und die Einstufung des Arbeitsamtes als erwerbsunfähig. Also die Tatsache dass die Gesellschaft mich als "schwerbehindert" einstuft. Denn ich selbst musste vorher ja knapp 30 Jahre mein Leben leben, ohne das zu wissen. Das dann schwarz auf weiß gedruckt zu sehen auf diesem Papier war schon ein Schock und hat Monate gebraucht um das zu verkraften und zu integrieren in mein Selbstbild, oder sogar Jahre.

      Tatsächlich ist es so, dass viele die einen Schwerbehindertenausweis bekommen, diese Gefühle erleben, denn zuvor hatten sie sich auch so eingeschätzt "habe Probleme, aber bin trotzdem irgwendwie ein normaler Mensch". Dass die Leute jetzt so reagieren in dem Thread (habe erst Seite 1 gelesen), das ist wohl deswegen, weil sich da mehrere Dinge mischen. Die haben aber nicht direkt mit dir zu tun. Sondern die Leute (inklusive du selbst) befinden sich auf unterschiedlichen Stufen der Verarbeitung und Selbsterkenntnis.

      Vor meiner Diagnose war es so, dass ich einerseits irgendwie mir wünschte, ich könnte behindert sein (und ein beschütztes Leben wie ein geistig behinderter führen), diesen Wunsch hatte ich tatsächlich von mir aus - gleichzeitig habe ich mich dafür geschämt. Auf der anderen Seite konnte ich mir solche Gedanken wie ich wäre behindert, schlicht nicht erlauben: ich musste mir einreden, ich könne natürlich alles wie andere auch oder sogar noch besser. Es war also ein seltsam zweigeteiltes Leben. Sehr seltsame psychische "Zusammenbrüche" erlebte ich, wenn ich zufällig manche Filme und Bücher las über geistig-psychisch Behinderte. Musste meine Gefühle dann sehr schnell verdrängen. Erklären konnte ich mir das nie. Erst Jahre nach der Diagnose.
      Also erst ist man vor der Diagnose und Erkenntnis so in dem Modus "Ich bin normal und ich kann alles!", danach ist man eine Weile in dem Modus "Ohjeh, ich kann ja gar nichts" und dann kommt man in so einen Modus da ist "Behinderung" oder "Schwerbehinderung" nur noch ein Wort auf einem Papier, und man ist halt einfach ein Mensch, der Mensch der man schon immer war.
    • Badener wrote:

      Ich bekäme, egal wie zusammengesetzt, weiterhin 70%. 40% für Asperger und mindestens 30% für restliche Behinderung.
      Jede Behinderung wird mit einem Einzel-GdB bewertet.
      Der Gesamt-GdB ist aber nicht die Summe der Einzel-GdBs.
      Ich habe zum Beispiel für Asperger einen Einzel-GdB von 50 und für Diabetes einen Einzel-GdB von 40 bekommen. Der Gesamt GdB ist aber bei mir 70. Faustregel: zum Einzel-GdB der schwersten Behinderung wird die Hälfte des Einzel-GdB der zweitschwersten addiert.
      Auch bei mehreren (relativ leichten?) Behinderungen zusätzlich zu AS erscheint eine Erhöhung des GdB von 40 auf 70 ersten Blick okay.
      Wenn du (wegen AS?) EU-Rente beziehst, fände ich den Einzel-GdB von 40 für AS zu niedrig angesetzt.

      Badener wrote:

      Passiert es euch auch so oft das einer der ersten Fragen ist:“ haben Sie eine Betreuung?“ oder“ wäre es möglich das mit Ihrem Betreuer zu klären?“
      Nein. Ich mache solche Sachen aber sowieso eher schriftlich als mündlich oder telefonisch.
      Es dürfte eher die Regel als die Ausnahme sein, dass man bei einem GdB von 70 keine Betreuung hat.
      Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anderswerden, wenn es besser werden soll. (Georg Christoph Lichtenberg)
      Veränderungen führen deutlich öfter zu Einsichten, als dass Einsichten zu Veränderungen führen. (Milton H. Erickson)
      Morgen werde ich mich ändern, gestern wollte ich es heute schon. (Christine Busta)
    • Hierzu fällt mir ein:

      Wir wollten unsere schwerbehinderte Tochter versichern, bei der Lebensversicherung, wie alle anderen Familienmitglieder.

      Da sah uns der Versicherungsvertreter etwas peinlich berührt an und meinte: "Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber Ihre Tochter hat bereits einen GdB von 90, da gibt es nichts mehr zu versichern !"

      Unsere Tochter war ja außer ihrer körperlichen Schwerbehinderung total gesund, natürlich hätte sie sich das Bein brechen können oder sonstwas ! Wir haben das nicht so ganz verstanden damals. :d
    • Neoni wrote:

      Ich habe die Autismus-Diagnose noch einigermaßen verkraftet, aber was mich dann in ein schweres depressives Loch gerissen hat war das Schreiben vom Versorgungsamt mit den 80 Grad der Behinderung (und ab 50 ist es eine "Schwerbehinderung") und die Einstufung des Arbeitsamtes als erwerbsunfähig. Also die Tatsache dass die Gesellschaft mich als "schwerbehindert" einstuft. Denn ich selbst musste vorher ja knapp 30 Jahre mein Leben leben, ohne das zu wissen.
      Das ist interessant. Es klingt so, als hättest du nicht mit der Einschätzung und einem Schwerbehindertenstatus/-ausweis gerechnet. Wie kam es denn dann dazu, dass du das Schreiben überhaupt gekriegt hast? Ich höre nämlich sonst immer, dass man sich dafür total aufreiben muss, also oft und aktiv zu den Behörden muss, um alles nachzuweisen (was natürlich verständlich ist, die wollen ja wissen um was es geht, aber es klingt oft sehr langwierig, wie ja allerdings immer bei Behördenkram).

      Neoni wrote:

      Vor meiner Diagnose war es so, dass ich einerseits irgendwie mir wünschte, ich könnte behindert sein (und ein beschütztes Leben wie ein geistig behinderter führen), diesen Wunsch hatte ich tatsächlich von mir aus - gleichzeitig habe ich mich dafür geschämt. Auf der anderen Seite konnte ich mir solche Gedanken wie ich wäre behindert, schlicht nicht erlauben: ich musste mir einreden, ich könne natürlich alles wie andere auch oder sogar noch besser. Es war also ein seltsam zweigeteiltes Leben.
      So geht es mir auch bei den meisten Dingen. Manchmal denke ich, ich bin ja schon massiv eingeschränkt und kann 1000 für andere selbstverständliche Dinge nicht machen. Andererseits bin ich das ja gewohnt, weil es einfach schon immer so war. Manches versuche ich mit massiver Anstrengung, z.B. um nicht allzusehr aufzufallen, oder wenn es um so was wie Job/Geld/Studium geht, das ich ja nun mal brauche, so lange ich nicht offiziell irgendwelche staatichen Leistungen kriege. Aber das sind kleine Bereiche wie Inseln, davor und danach brauche ich immer erstmal lange Erholung. Und wenn die Leute, die den jeweiligen "Inselbereich" sehen wüssten wie ich sonst so lebe/was alles nicht möglich ist, würden sie es kaum glauben.
    • Lachatte wrote:

      Das ist interessant. Es klingt so, als hättest du nicht mit der Einschätzung und einem Schwerbehindertenstatus/-ausweis gerechnet. Wie kam es denn dann dazu, dass du das Schreiben überhaupt gekriegt hast? Ich höre nämlich sonst immer, dass man sich dafür total aufreiben muss, also oft und aktiv zu den Behörden muss, um alles nachzuweisen (was natürlich verständlich ist, die wollen ja wissen um was es geht, aber es klingt oft sehr langwierig, wie ja allerdings immer bei Behördenkram).
      Ich weiß jetzt nicht, was du an meiner Schilderung nicht verstehst. Für mich ist es eben etwas ganz anderes gewesen von der psychischen Wirkung her, die Diagnose zu bekommen, und mündlich gesagt zu bekommen man sei schwer betroffen, als es dann gedruckt auf einem offiziellen Behördenpapier zu sehen. Vorher war es so "Ein Arzt sieht das so". Nachher war es so "Die Gesellschaft sieht das offiziell so". Die Lücke zwischen meinem Selbstbild, und dem Bild wie mich andere Menschen sehen, war eben davor ziemlich groß. Den selben Effekt berichten einige Betroffene, wenn sie die offizielle Diagnose erhalten schwarz auf weiß auf dem Papier. Es ist wohl irgendwie so ein psychologisches Phänomen: vorher weiß man es zwar, aber richtig REAL wird es dann erst, wenn man dann dieses Objekt (Schreiben) in der Hand hat wo es drauf steht.
      Ich habe den Antrag auf ärztliches Anraten gestellt. Und wir hatten schon damit gerechnet, dass er 50 ist, denn sonst hätte ich mir den Stress gar nicht gemacht. Ich bekam dann erst 30, und nach Widerspruch waren es plötzlich 70 (später dann 80 G, B).
      "also oft und aktiv zu den Behörden muss" nein, also zu der Behörde persönlich musste ich noch nicht. Selbst nachweisen musste ich auch nichts, sondern das machte der Arzt.

      Ich brauchte die Einstufung fürs Arbeitsamt. Später brauchte ich die Merkzeichen wegen Begleitung zu langen Arztfahren aufgrund der Kosten.
      Allgemein kann ich aber feststellen, dass die Leute anders sind, wenn sie den Schwerbehindertenausweis sehen. Das ist einfach was offizielles. (Der Unterschied ist wohl etwa so, wie zwischen einer Selbstdiagnose und einer ärztlichen Diagnose in der Wirkung).
    • Neoni wrote:

      Allgemein kann ich aber feststellen, dass die Leute anders sind, wenn sie den Schwerbehindertenausweis sehen. Das ist einfach was offizielles.
      Kann man den Nachweis "ungeschehen machen" irgendwann in der Zukunft, falls man das wollen sollte, oder ist man für immer gekennzeichnet? Als ich 26 war (was allerdings sehr lange her ist) bemerkte ich plötzlich und mit Erschrecken dass meine "psychiatrische Krankengeschichte", die ich ohne Bedenken und in naiver Unschuld angesammelt hatte, berufliche Nachteile haben könnte (ein Jobangebot in der psychiatrischen Krankenpflege wurde mir deswegen nachträglich entzogen).

      Zur Zeit werde ich als Asperger Autist seitens einer Spezialistin für Autismus psychotherapeutisch behandelt, was mir (wie bei dir der Schwerbehindertennachweis) das Gefühl gibt dass ich endgültig in der "Behindertenecke" angekommen bin. Aufgrund meines fortgeschrittenen Alters ist das weniger schlimm als es mit 20, 30 oder 40 gewesen wäre.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Kann man den Nachweis "ungeschehen machen" irgendwann in der Zukunft, falls man das wollen sollte, oder ist man für immer gekennzeichnet?
      Wahrscheinlich kann man das nicht rückgängig machen, das wird dann halt beim Versorgungsamt in den Akten sein. Aber ich weiß nicht, wer da überhaupt nachfragen könnte.

      Unbewohnte Insel wrote:

      Als ich 26 war (was allerdings sehr lange her ist) bemerkte ich plötzlich und mit Erschrecken dass meine "psychiatrische Krankengeschichte", die ich ohne Bedenken und in naiver Unschuld angesammelt hatte, berufliche Nachteile haben könnte (ein Jobangebot in der psychiatrischen Krankenpflege wurde mir deswegen nachträglich entzogen).
      Ich hatte vor der Autismus-Diagnose und dem Schwerbehindertenantrag bereits eine psychiatrische Krankengeschichte.
      Ich habe aber trotzdem einen Job am Flughafen bekommen, da wird man ja ziemlich durchleuchtet. Durfte (musste...) sogar im Transit arbeiten (noch höhere Sicherheitsvorkehrungen)

      Woher könnte die Stelle wo du gearbeitet hast, denn gewusst haben, dass du mal beim Psychiater warst? War das die selbe Psychiatrie, wo du vorher in Behandlung warst?
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Kann man den Nachweis "ungeschehen machen" irgendwann in der Zukunft, falls man das wollen sollte,
      Es wird immer unwahrscheinlicher werden. Papierakten verschwinden bzw. werden auch diese nun im Nachhinein digitalisiert werden. Die Daten sollen langfristig auch auf Tablet & Co. abgerufen werden können. Das Einzige, was einen schützen kann ist der naive Glaube daran, dass die Daten immer sicher gespeichert werden, es niemals eine Sicherheitslücke geben wird usw. usf.

      Im Prinzip kann man sich die Wahrscheinlichkeit auch ausrechnen, ich empfehle dazu den Vortrag "All Your Gesundheitsakten are belong to us" vom 35. CCC-Kongress.

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