Asperger Schwerbehinderung?

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    • Asperger Schwerbehinderung?

      Schon des öfteren habe ich hier im Forum gelesen, dass Autismus als Schwerbehinderung bezeichnet wird.
      Nun gibt es unter Autisten natürlich verschiedene Schweregrade, aber gleich mit so einem schweren Geschütz als Schwerbehinderung aufzufahren (RW), finde ich ein bisschen übertrieben.
      Asperger-Autisten, für die dieses Forum ja an erster Stelle gedacht ist (nehme ich mal an) als Schwerbehinderte zu sehen, hinterlässt bei mir eine Gänsehaut.

      Ich habe inzwischen verschiedene Therapeuten gehabt, aber alle sträuben sich, dass Wort Behinderung in den Mund zu nehmen, ganz zu schweigen von Schwerbehinderung. Gleich der erste Therapeut nach meiner Diagnose erklärte mir, er sehe Autismus nicht als ein Behinderung sondern als ein Anderssein, ein Andersdenken.

      Wie seht Ihr das? Seht Ihr Euch als Behinderte, als Schwerbehinderte, als Andersseiende oder gar als etwas Besonderes?
    • Das wurde hier schon oft diskutiert und ja, ich HASSE es geradezu wenn meine Einschränkungen mit „ist man halt anders“ abgetan werden. Ich habe schon länger einen unbefristeten Schwerbehindertenausweis und bin sehr froh darum.
      Wer nur ein bisschen eingeschränkt ist und sonst keine Probleme hat kann sich ja gerne nur „bisschen anders“ fühlen, soll dann aber die in Ruhe lassen die eben teils MASSIVE Probleme mit der Bewältigung des Alltags und der Integration in die Gesellschaft haben.
      Una est catena quae nos alligatos tenet, amor vitae
    • Geisterfahrerin wrote:

      Schon des öfteren habe ich hier im Forum gelesen, dass Autismus als Schwerbehinderung bezeichnet wird.
      Ich kenne das im Zusammenhang mit dem Schwerbehindertenausweis. Da heißt das eben so.
      Und viele wollen ja so einen Ausweis, dann muss man das in Kauf nehmen, dass es so heißt.
      Theoretisch bedeutet es ja auch, dass wenn jemand nicht so schwer behindert in diesem Sinn ist, dann bekommt er auch keinen Schwerbehindertenausweis bewilligt. Das ist dann, wenn der Grad der Behinderung nicht hoch genug ist.

      Ansonsten kenne und verwende ich eher den Begriff Behinderung ohne "schwer", das ist die Alltagssprache.
      Ich zähle mich als behindert, weil die Teilhabe eingeschränkt ist, weil ich z.B. keine intimen Beziehungen haben kann und somit nie eine Familie gründen konnte, und auch weil ich nicht Vollzeit arbeiten kann und Unterstützung im Alltag brauche. Ich habe zwei von diesen drei Dingen zwar zeitweise auch allein/vollständig machen können, aber habe es nicht durchgehalten.

      Mit der Bezeichnung "Anderssein" ist mir im Alltag nicht geholfen. Das ist vielleicht was für ein Gespräch mit Kollegen oder oberflächlichen Freunden, da kann man das so nennen, wenn man nicht so in die Tiefe gehen will.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Geisterfahrerin wrote:

      Wie seht Ihr das? Seht Ihr Euch als Behinderte, als Schwerbehinderte, als Andersseiende oder gar als etwas Besonderes?
      Aufgrund der Schwere meiner Einschränkungen finde ich diese Begriffe wie Behindert und Schwerbehindert für mich zutreffend, ja. Weils eben so ist.

      Geisterfahrerin wrote:

      sobald jemand mal etwas sagt, was einem nicht in den Kram passt
      Du meinst so wie wenn jemand Autismus als Schwerbehinderung bezeichnet...

      Verstehe dein Problem nicht Geisterfahrerin, jeder kann sich bezeichnen wie man es für sich am passensten findet. Wenn dir "ein Bisschen anders" reicht ist das doch okay. Und wenn ein Asperger Autist so stark eingeschränkt ist, dass dem-/derjenigen "ein Bisschen anders" nicht ausreicht um die Stärker seiner Einschränkungen zu beschreiben, dann lass den Leuten das. Ja es gibt auch unter Aspergern schwerer eingeschränkte, na und?
    • Danke @Shenya, für deine Stellungsnahme.
      Ich glaube, es ist vor allem auch das Wort Schwerbehindertenausweis, worüber ich falle. Ich sehe dann in Gedanken alte Menschen mit Krücken. Bei uns in NL bekommt man in so einem Fall eine Arbeitsungschicktheitserklärung mit einem bestimmten Prozentsatz, der auch 100 % sein kann.

      Dass dir mit der Bezeichnung "Andersein" im Alltag nicht geholfen ist, verstehe ich schon. Ich würde das im Gespräch mit anderen auch nicht so bezeichnen. Den meisten verschweige ich sowieso meinen Autismus.

      Trotzdem sehe ich mich selbt nicht als behindert, sondern eben anders. Und mit diesem Andersein muss ich lernen umzugehen. Seit der Diagnose sage ich zu mir: es hilft dir nichts dich behindert oder gestört (Entwicklungstörung) zu sehen, damit kommst du nur noch tiefer in die Scheisse. Darum versuche ich, meine eigene Gebrauchsanleitung zu finden und mich so viel wie möglich meine Grenzen zu erkennen.
    • Geisterfahrerin wrote:

      ... und ich hasse es, wenn jemand gleich zu schreien anfängt, sobald jemand mal etwas sagt, was einem nicht in den Kram passt (RW).
      Sei froh wenn du keine Probleme hast. Dann ist ja alles gut. Aber generell Behinderung nur mit körperlichen Symptomen gleichzusetzen ist schon etwas eingeschränkt vom Denken her.
      Und der Weg von „ist ja keine Behinderung“ zu „Stell dich nicht so an man muss nur wollen“ ist leider nunmal sehr kurz. Wehret den Anfängen sag ich da nur.
      Una est catena quae nos alligatos tenet, amor vitae

      The post was edited 1 time, last by Zebra ().

    • LostOnEarth wrote:


      Geisterfahrerin wrote:

      sobald jemand mal etwas sagt, was einem nicht in den Kram passt
      Du meinst so wie wenn jemand Autismus als Schwerbehinderung bezeichnet...
      Verstehe dein Problem nicht Geisterfahrerin, jeder kann sich bezeichnen wie man es für sich am passensten findet. Wenn dir "ein Bisschen anders" reicht ist das doch okay. Und wenn ein Asperger Autist so stark eingeschränkt ist, dass dem-/derjenigen "ein Bisschen anders" nicht ausreicht um die Stärker seiner Einschränkungen zu beschreiben, dann lass den Leuten das. Ja es gibt auch unter Aspergern schwerer icheingeschränkte, na und?
      Ich habe nirgendwo gesagt, dass ich jemanden es nicht lasse, sich behindert sehen zu wollen. Es war eine allgemeine Frage wie die Mitforumisten sich hier sehen.

      Ausserdem hast du obiges Zitat von mir aus dem Verband gerückt, indem du den ersten Teil weggelassen hast.
      Mich hat der schreiende Ton von Zebra etwas irritiert.
    • Zebra wrote:

      Sei froh wenn du keine Probleme hast. Dann ist ja alles gut. Aber generell Behinderung nur mit körperlichen Symptomen gleichzusetzen ist schon etwas eingeschränkt vom Denken her
      Wenn du Streit suchst, suche bitte irgendwo anders.
      Deine Bemerkungen sind etwas unter der Gürtellinie.
      Ich habe nirgendwo behauptet, dass ich generell Behinderung mit korperlichen Symptomen gleichsetze, was du da in meine gefühlte Interpretation eines Schwerbehindertenausweises hineininterpretierst, finde ich nicht okay.

      The post was edited 2 times, last by Geisterfahrerin ().

    • Ich denke, dass der Begriff Behinderung doch einfach nur transportiert, dass man gewisse Unfähigkeiten hat und/oder auf Hilfe angewiesen ist. Und Autismus/Asperger kann so wirken, dass das zustande kommt, muss es aber nicht. Das ist eine Einzelfallbetrachtung.

      Bei mir wars beispielsweise so, dass ich erst im Erwachsenenalter diagnostiziert wurde, und vorher dazu erzogen worden war, mindestens das gleiche wie alle Anderen zu leisten, ansich eher mehr. Das hat mir geholfen, ein gewisses Selbstbewusstsein aufzubauen, weil ich mit meiner Intelligenz etwas angefangen habe statt als "Behinderte" ständig mit Samthandschuhen angefasst zu werden. Es hat mir aber insofern geschadet, dass ich es zu weit getrieben habe und irgendwann gecrasht bin, jetzt halt im Burnout oder sowas stecke und neu leben lernen muss. Das ist sicherlich ursächlich in dem unerkannten Autismus, auch in meinem Trotz (Ich habe eine Haltung entwickelt, dass WENN ich schon zu lauter Dingen gezwungen werde die hammerhart für mich sind, ich es dann NOCH wesentlich besser mache als alle anderen :d ), in meiner Biografie, in meinem Wesen, in meiner Genetik... kurz: in mir.

      Wenn jetzt jemand mit Asperger Einzelkind ist und genau beobachtet wird, wo seine Stärken und Schwächen liegen, derjenige mit Geduld und Aufmerksamkeit unterstützt wird, seine Stärken entwickelt und einen passenden Job findet, aufgrund der sozialen Stellung meinetwegen Anerkennung erfährt, Selbstbewusstsein hat und dadurch ein Partner vielleicht über einige Eigenheiten hinweg sieht, weil sonst alles passt, dann ist derjenige vielleicht kaum behindert in seinem Leben und vermisst womöglich nichts. Das hängt eben stark von allen Faktoren ab, die einen Menschen so beeinflussen.

      Ich bin behindert, treibe viel Sport, bin intelligent und ziemlich selbstständig, und kein um Rücksicht bettelndes Wrack. Behindert bin ich trotzdem, weil ich zB sobald ich durch ein oder zwei anstrengende Tage gehen muss, eine Woche Isolation brauche. Das ist halt nicht normal und erschwert mir mein Leben ungemein, weil ich sehr gut planen muss, nichts spontan machen kann, oder nur sehr selten, und im Prinzip Entscheiden muss: Leben ODER Arbeiten, denn beides schaffe ich nicht.
    • Geisterfahrerin wrote:

      Ich glaube, es ist vor allem auch das Wort Schwerbehindertenausweis, worüber ich falle. Ich sehe dann in Gedanken alte Menschen mit Krücken.
      dann schreib halt sowas nicht. Wenn man solche Sachen raushaut, muss man auch mit Gegenwind rechnen.
      Deine Sichtweise ist halt in dem Fall nunmal wirklich nicht allgemeingültig. Im Gegenteil. Es gibt eine Menge Behinderungen die nichts mit körperlicher Offensichtlichkeit zu tun haben.
      Una est catena quae nos alligatos tenet, amor vitae

      The post was edited 1 time, last by Zebra ().

    • Ich denke, es gibt viele hier, die einfach sehr miese Erfahrungen gemacht haben mit allem, was in diese Kerbe schlägt.

      "Du wirkst aber gar nicht behindert" ist halt ein scheiß Satz. Und wenn man täglich kämpft, und sich alle erdenkliche Mühe gibt, andere Menschen vor der eigenen Behinderung (oder was auch immer, mir ist egal wie das heißt, nur Krankheit lehne ich ab) zu schützen, dann ist es schwer diese Diskussion immer wieder sachlich zu führen. Das hat viel mit Anerkennung von Bemühungen zu tun.
    • Geisterfahrerin wrote:

      Ich habe nirgendwo gesagt, dass ich jemanden es nicht lasse,

      Bei mir kam men diese Sätze "mit so einem schweren Geschütz als Schwerbehinderung aufzufahren (RW), finde ich ein bisschen übertrieben. Asperger-Autisten, für die dieses Forum ja an erster Stelle gedacht ist (nehme ich mal an) als Schwerbehinderte zu sehen, hinterlässt bei mir eine Gänsehaut" so rüber. Weil ich das als verallgemeinert geschrieben lese, also pauschal alle Asperger Autisten betreffend.

      Für mein Empfinden wäre der Thread vielleicht eher was für den Bereich Kontroverse.
    • Deinen Beitrag finde ich sehr interessant, @Les
      Ich bin auch erst im (späten) Erwachsenenalter diagnostiziert und kann sehr gut nachempfinden was du schreibst. Klar, wenn ich wie du nach zwei anstrengenden Tagen eine Woche Isolation brauche, bin ich auch behindert. Ich weigere mich trotzdem mir das Etikett "behindert" aufkleben zu lassen.
    • Gab ja auch schon Bestrebungen den Schwerbehindertenausweis in Teilhabe Ausweis umzubenennen. Ich drücke mich immer noch so ein bisschen davor das ganze in Angriff zu nehmen, weil ich ja immer noch das Glück habe dass meine Frau dafür sorgt dass ich nicht groß Probleme im Alltag habe und auch nicht arbeiten muss. Aber allein schon aus steuerlichen Gründen wäre es wahrscheinlich sinnvoll da ich ja definitiv Einschränkungen habe sonst könnte ich ja vollzeit arbeiten.
    • Also gleich vorweg: Ich sehe mich nicht als etwas Besonderes.

      Aber ich sehe mich als behindert, konkret sogar als schwerbehindert an. Asperger ist nicht einfach eine andere Art des Denkens oder der Wahrnehmung. Asperger ist ein vielschichtiges komplexes
      Störungsspektrum.

      In meinem Fall erschwert es mein Leben deutlich. Ich kann z.B. mit vielen sozialen Situationen nicht eigenständig und schon gar nicht spontan umgehen. Wenn ich die Möglichkeit habe, in der Situation ein Muster wiederzuerkennen und dann auf einen eingeübten Ablauf zurückgreifen kann, dann komme ich relativ gut klar. Allerdings gelingt es mir dann so gut wie nie diesen eingeübten Ablauf ohne fremde Hilfe und sehr viele Wiederholungen auf sich ändernde Situation anzupassen. Das führt zu einer deutlich Erschwernis in der sozialen Interaktion. Damit geht auch ein erheblicher sozialer Rückzug einher. Ich bin zwar verheiratet und habe auch wenige, dafür sehr enge Freunde. Ich liebe meine Ehefrau und mag diese Freunde sehr. Dennoch erschöpft mich das Aufrechterhalten des Kontakts sehr und regelmäßige Treffen wären für mich gar nicht machbar. Da kommt mir entgegen, dass meine Freunde allesamt weiter weg wohnen. Auch mit meiner Frau kann ich nicht so viel Nähe genießen, wie sie es gerne hätte und ich es mir wünschen würde, schlicht weil ich mit diesen sozialen Situationen nur begrenzt klarkomme und sie für mich oft anstrengend sind. Spontan sein gelingt mir auch im Verhältnis zu meiner Frau nur sehr selten.

      Ich bin sehr dankbar, dass meine Frau und meine Freunde dennoch zu mir halten und natürlich bin ich immer für sie da. Denn sie sind die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Dennoch merke ich sehr deutlich, wie sehr mir der Asperger-Autismus hier Grenzen beim gemeinsamen Erleben setzt.

      Auch beruflich ist Asperger für mich eine starke Beeinträchtigung. Ich verstehe das soziale Gefüge in meinem Unternehmen nicht und kann mich da auch nicht einbringen. Gleichzeitig wird das aber erwartet bzw. ist es nötig, um alle nötigen Informationen für die berufliche Tätigkeit zu erhalten. Dementsprechend bin ich von meinen Kollegen ziemlich abgeschnitten. Ich habe das Glück, dass ich eine Kollegin habe, die mir die wichtigsten Infos, die man über diese sozialen Kanäle erhält, mitteilt und ein anderer Kollege sich ab und an die Zeit nimmt, um mir die soziale Dynamik im Team zumindest soweit zu erklären, dass ich weiß, ob die Stimmung im Unternehmen grad gut oder schlecht ist.
      Dieses soziale Abgeschnittensein an der Arbeit hat auch zur Folge, dass meine Vorgesetzten meine fachlichen Leistungen nur beiläufig wahrnehmen und sich vor allem auf negative Aspekte wie Fehlzeiten konzentrieren, was bei anderen, sozial besser integrierten Kollegen nicht der Fall ist.

      Ein weiterer Punkt, warum ich mich durch Asperger (und auch durch ADHS) als behindert ansehe, sind diverse chronische Folgeerkrankungen, die durch die mangelhafte Reizfilterung und -verarbeitung stressbedingt entstanden sind. Hierbei spielt auch eine große Rolle, dass ich bedingt durch das Asperger kaum in der Lage bin meine eigenen Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Damit verbunden ist auch, dass meine bewusste Stresswahrnehmung oft viel zu gering ausfällt, die unterbewusste Stresswahrnehmung hingegen sehr stark ist. Die Folge ist, dass ich sehr häufig stressüberlastet bin, ohne das rechtzeitig erkennen und gegensteuern zu können. Das hat bei mir zu mehreren chronischen Krankheiten geführt, die meine Ärzte und Therapeuten als direkte Folgeerkrankungen von Asperger und ADHS eingestuft haben.

      Begriffe wie Anders-Sein oder Anders-Denken mögen vielleicht für einige Betroffene hilfreich sein. Darüber maße ich mir hier kein Urteil an. Aber für mich sind solche Begriffe ein großes Problem, da sie genau die Wahrnehmung von Menschen mit Asperger und ADHS widerspiegeln, die ich bei vielen Menschen erlebt habe. Mit dieser Wahrnehmung ist dann meist die Haltung verbunden gewesen, dass alles doch gar nicht so schlimm sei und ich mich doch nur zusammenreißen müsse, dann würde es mir doch schon besser gehen. So als würde man zu einem Depressiven als sagen: Lächle doch mal, dann geht es auch (wieder) gut. Ich freue mich für jeden, den Asperger und/oder ADHS nicht so stark einschränken. Allerdings frage ich mich dann oft, wie diese Personen an die Diagnose gekommen sind (wertfrei gemeint), da sich für mich der Eindruck ergibt, dass in diesen Fällen der für die Diagnose erforderliche Leidensdruck fehlt.

      Für mich, der mit Mitte 30 in Teilerwerbsminderungsrente hat gehen müssen und nun mit Ende 30 nicht mehr weit von der Vollerwerbsminderungsrente entfernt ist, stellen solche Begrifflichkeiten kein realistisches Bild von Asperger und/oder ADHS dar. Das wird noch dadurch verstärkt, dass Anders-Sein oder Anders-Denken in meinen Augen völlig ausklammert, dass z.B. ich bedingt durch die Auswirkungen von Asperger und ADHS sowie deren Folgeerkrankungen sowohl auf eine ständige intensive medizinische Betreuung angewiesen bin, als auch auf eine Begleitung in Beruf und Alltag durch meine Ehefrau, Freunde und Ärzte, da ich nicht mehr in der Lage bin, mein Leben komplett eigenständig und selbstständig zu führen.

      Was ich dennoch trotz dieser Einschränkungen bin: Ein positiv denkender, optimistischer und glücklicher Mensch. Denn ich habe gelernt mit meinen Einschränkungen zu leben und lerne jeden Tag dazu. Ich habe oft den Eindruck, dass die Begriffe behindert oder schwerbehindert von Betroffenen abgelehnt werden, weil mit diesen Begriffen die Erwartung/Haltung verknüpft ist, dass die Betroffenen ausnahmslos niedergeschlagen, traurig sein und vom Wunsch nach einem nicht-behinderten Leben bestimmt sein müssen. Diese Haltung ist mir schon oft begegnet. Umso größer ist dann das Erstaunen gewesen, wenn das Gegenüber festgestellt hat, dass ich meine gesundheitliche Situation akzeptiert habe und ich dennoch wie auch jeder Nichtbehinderte davon bestimmt bin, das Beste aus jedem Tag zu machen und jeden Tag zu einem guten Tag zu machen.
    • An alle die über meine verkehrte Interpretation eines Schwerbehindertenausweises gestolptert sind und noch stolpern werden:
      Deutsch ist nicht meine Muttersprache, es kann also sein, dass meine Sichtweise dieses Wortes nicht der eines gebürtigen Deutschen entspricht.
    • Ich denke schon, dass ich in mancherlei Hinsicht behindert bin, aber nicht schwerbehindert. Ich habe (bislang) nicht versucht, eine Behinderung anerkannt zu bekommen, aber ich gehe stark davon aus, dass maximal ein GdB von 30 herauskäme.

      @Hanseat Das mit den steuerlichen Gründen verstehe ich nicht, wenn du gar nicht arbeitest. Du zahlst ja dann gar keine Einkommensteuer, auf die eine Schwerbehinderung angerechnet werden könnte.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • @Hanseat Ah! Danke für die Info.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)