Die Hausärztin und die Diagnose Asperger

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    • Die Hausärztin und die Diagnose Asperger

      Ich werde in nächster Zeit das erste Mal nach meiner Asperger-Diagnose zu meiner Hausärztin gehen und ich denke, ich sollte ihr davon erzählen.
      Wie viel Wissen darüber kann man bei Ärzten erwarten, wie ist die Akzeptanz?
      Gerade bei ihr fürchte ich, dass sie es als Modediagnose einstuft.

      Danke und LG
      Stella
      "Ich leide nicht am Asperger-Syndrom. Die anderen leiden." Vera F. Birkenbihl
    • Mein Hausärztin hat mich erst darauf gebracht an Asperger zu denken. Weil es bei meinen ganzen F-Diagnosen für sie keinen richtigen Nenner gab, der das alles erklären soll. Allerdings ist sie sowohl Allgemeinmedizinerin als auch Psychotherapeutin. Eine glückliche Kombination für mich.
    • RE: Die Hausärztin und die Diagnose Asperger

      StellaS wrote:

      Ich werde in nächster Zeit das erste Mal nach meiner Asperger-Diagnose zu meiner Hausärztin gehen und ich denke, ich sollte ihr davon erzählen.
      Wie viel Wissen darüber kann man bei Ärzten erwarten, wie ist die Akzeptanz?
      Gerade bei ihr fürchte ich, dass sie es als Modediagnose einstuft.
      Das sind zwei unterschiedliche Facetten.

      Ob sie den Begriff zuordnen kann, da gibt es mittlerweile immer groessere Chancen.
      Ob sie es als Modediagnose behandelt, das haengt vom jeweiligen Charakter ab.
      Da schlage ich gerne vor:
      bring ein paar Diagnosekriterien mit, die in Dir den Verdacht ausgeloest haben.
      Und ein paar Infos, die aktuell gelten.

      Diese laesst Du dann von Deiner Hausaerztin kommentieren.
      Wenn sie die ernst nimmt, dann wird sie es kaum als Modediagnose abtun.
      Wenn sie die nicht ernst nimmt, dann kannst Du das abhaken.


      Man liest sich ... Sascha
    • Ich hatte jahrelang keinen Hausarzt und war insgesamt medizinisch unterversorgt, eben wegen der Schwierigkeiten, die AS so mit sich bringen kann. Erst nach der Diagnose hatte ich mich überwunden, eine Hausärztin aufzusuchen. Ihr ist AS bekannt, was schon mal ganz angenehm ist. Da muss ich mich nicht ständig erklären. Die Sprechstundenhilfen wissen auch über mich Bescheid und ich bekomme nach Möglichkeit Randtermine oder man sagt mir Bescheid, wenn das Wartezimmer sehr voll ist, wann ich wieder kommen soll.
      Ich denke, es ist schon sehr wichtig, diese Diagnose mitzuteilen. Als Arzt sollte man schon wissen, dass man da jemanden vor sich hat, der eventuell seine Symptome nicht richtig wahrnehmen oder kommunizieren kann.
      Heute in mich gegangen - auch nichts los (Karl Valentin)
    • Meine Hausärztin war da ziemlich aufgeschlossen. Ich hatte ihr damals von meinem Verdacht erzählt, weil ich eine Überweisung für die Diagnostik in der Uniklinik brauchte. Sie hatte auf jeden Fall grundlegendes Wissen über das Asperger Syndrom, was ich sehr positiv fand und nahm sich viel Zeit, um mit mir darüber zu sprechen.
      Natürlich kann ich aber nur für meine Hausärztin sprechen. Ob deine Ärztin ganz anders auf die Diagnose reagiert, kann ich leider nicht einschätzen. Wenn sie eine gute und gewissenhafte Ärztin ist, sollte sie dich und die gestellte Diagnose aber ernst nehmen.
    • Ich bin in der gleichen Situation wie du, StellaS. Nur überlege ich noch, ob ich davon erzählen soll - ich frage mich, ob mir das rgendwelche Vorteile bringt. Denn wenn nicht, dann würde ich es lieber lassen und mir die ganzen Erklärungen und eventuellen Diskussionen sparen... Kann mir da jemand weiterhelfen?
      ~always a stranger in a crowd~

    • Ich kann mir nur vorstellen, dass die Ärztin mit dem entsprechenden Wissen vielleicht einige Untersuchungen vermeidet, die für dich eventuell unangenehm sein könnten. Meine Ärztin versucht z.B. zu vermeiden, mir mit dem Holzstäbchen in den Rachen zu gucken, wenn ich Halsschmerzen habe. Sie hat alternativ ein Stäbchen aus Kunststoff, was nicht ganz so schlimm für mich ist und was speziell für mich zum Einsatz kommt. Vielleicht gibt es auch bei dir Untersuchungen, die im Zusammenhang mit Asperger sehr unangenehm für dich sind und die man eventuell umgehen könnte, wenn der Arzt/die Ärztin über AS Bescheid weiß.
      Sonst sehe ich erstmal keine großen Vorteile durch die Diagnosemitteilung.
    • Die Hausarztpraxis ist nun ein Ableger eines Zusammenschluss aus mehreren Praxen. Es gibt da einen Pool verschiedener Ärzte (der für mich auch nicht überschaubar ist). Da hatte ich Gelegenheit, zu sehen, wie auf die Diagnose Autismus (bzw noch zu Anfang der Verdacht der Psychologin und mir) reagiert wird. Zwei Ärzte waren sehr nett und ermutigten mich zur Diagnostik, fanden den Verdacht also plausibel. Die nächste (hatte da schon die Diagnose) war eine Katastrophe, ich konnte mich nicht richtig verständlich machen. Sie schickte mich einfach wieder heim, zu einer Krankschreibung musste ich sie gar überreden. Das war eine sehr schlechte Erfahrung und zwei Jahre ging ich deswegen nicht zum Arzt (was wirklich Gesundheitgefährdendes hatte ich eh nicht). Nun die vierte, die wunderte sich auch gar nicht, ich war wieder positiv überrascht. Ich bin froh wenn die das jetzt auf einer Überweisung sehen oder in ihrer Akte, es macht mich irgendwie verlegen darüber zu reden.

      The post was edited 1 time, last by Neoni ().

    • Als ich vor über acht Jahren eine Überweisung zur Diagnose brauchte, hat mein damaliger Hausarzt das Stichwort "Asperger-Syndrom" erst einmal in seinem Pschyrembel gesucht, weil er keine Ahnung hatte.
      Es ist schon faszinierend, was ein anerkanntes klinisches Wörterbuch so schreibt:
      "Autismus: Kontaktstörung mit Rückzug in die eigene Vorstellungs- und Gedankenwelt und Isolation von der Umwelt; Vorkommen z.B. bei Schizophrenie, Neurose oder bestehenden Persönlichkeitsstörungen. Vgl. Autismus, frühkindlicher; Asperger-Syndrom; Denken, autistisches." (Pschyrembel et al. 2014)
      Leider hatte er dann, nachdem er den Arztbrief mit der Diagnose erhielt, immer noch keine Zeit, um sich wenigstens grundlegendes Wissen über Autismus anzueignen.
      Das war dann letztendlich auch der Grund, warum ich mittlerweile einen anderen Hausarzt habe.
    • Locutus wrote:

      Also mein Hausarzt wuesste wahrscheinlich nicht mal, wie man Asperger schreibt :-p Ausser Krankschreiben ud Blutabnehmen macht der nicht viel :twisted:

      ist bei meinem auch so. Er ist sehr nett, aber viel mehr als die üblichen Sachen kennt und macht er nicht.
      Ich habe ihm trotzdem mal meinen Diagnosebericht dagelassen, habe aber nicht mit ihm darüber gesprochen, er hat es auch nie erwähnt, und es gab keinerlei Veränderungen. Das gleiche war bei meinem Rheumatologen, also Null Reaktion.
      Der einzige, wo ich manchmal den Eindruck habe, als hätte er sich schonmal damit beschäftigt, ist mein Zahnarzt. Aber angesprochen hat er es auch noch nicht.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Locutus wrote:

      Also mein Hausarzt wuesste wahrscheinlich nicht mal, wie man Asperger schreibt :-p Ausser Krankschreiben ud Blutabnehmen macht der nicht viel :twisted: Deshalb habe ich davon auch nichts erzaehlt und mich selbst darum gekuemmert...
      Also brauchtest du zur Diagnostik weder eine Überweisung noch hat der Arzt hinterher einen Diagnosebrief bekommen? Seltsam....
    • Newton wrote:

      Locutus wrote:

      Also mein Hausarzt wuesste wahrscheinlich nicht mal, wie man Asperger schreibt :-p Ausser Krankschreiben ud Blutabnehmen macht der nicht viel :twisted: Deshalb habe ich davon auch nichts erzaehlt und mich selbst darum gekuemmert...
      Also brauchtest du zur Diagnostik weder eine Überweisung noch hat der Arzt hinterher einen Diagnosebrief bekommen? Seltsam....

      Nicht seltsam, sondern Privatpatient 8-)

      The post was edited 1 time, last by Shenya: Zitat korrigiert ().

    • Danke für eure Antworten.

      Grundsätzlich ist meine Hausärztin schon sehr engagiert und interessiert, ich kann aber nicht abschätzen, wie sie auf Asperger-Autismus reagiert.

      Aber ich denke, es ist wichtig, dass ich es ihr sage und mir ein paar Punkte überlege, die für sie besonders relevant sind. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, ich bin relativ wenig schmerzempfindlich, kann das aber natürlich nicht sicher sagen, weil ich ja keinen Vergleich habe. Zum Beispiel hatte ich zwei Mal eine Blasenentzündung ohne Schmerzen zu haben, beide Male wurde sie zufällig entdeckt.

      Fallen euch noch andere Punkte ein?

      LG
      Stella
      "Ich leide nicht am Asperger-Syndrom. Die anderen leiden." Vera F. Birkenbihl

      The post was edited 1 time, last by StellaS ().

    • Ich habe zum Beispiel das Gefühl, ich bin relativ wenig schmerzempfindlich, kann das aber natürlich nicht sicher sagen, weil ich ja keinen Vergleich habe.

      StellaS wrote:

      Fallen euch noch andere Punkte ein?
      Ich habe auch eine verminderte Schmerzempfindung. Das ist manchmal ganz gut, wenn einem nicht vermeidbare Schmerzen nicht so zu schaffen machen. Aber ich habe insgesamt ein schlechtes Körpergefühl und merke es immer erst verspätet, wenn ich krank bin. Ich kann auch nur ganz schlecht meinen körperlichen Zustand beschreiben. Oder bei Untersuchungen die Frage "Tut das weh?", beantworte ich oft nicht, auch wenn es weh tut. Da ist dann manchmal einfach eine Sprachstarre. Wenn ich das vorher ahne, begleitet mich meine Freundin, sozusagen als Dolmetscher für die ungesagten Dinge.
      Heute in mich gegangen - auch nichts los (Karl Valentin)
    • Huckleberry wrote:

      Aber ich habe insgesamt ein schlechtes Körpergefühl und merke es immer erst verspätet, wenn ich krank bin. Ich kann auch nur ganz schlecht meinen körperlichen Zustand beschreiben.
      Ja, das trifft auch auf mich zu.

      LG
      Stella
      "Ich leide nicht am Asperger-Syndrom. Die anderen leiden." Vera F. Birkenbihl