Quietapin

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    • Hallo :)

      Ich war gestern bei einer Psychiaterin in München und sie hat mir Quietapin verschrieben - eventuell hilft das gegen meine ständige Reizüberflutung.
      Nimmt von euch jemand auch jemand dieses Medikament? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Hilft es euch?

      Liebe Grüße,
      akfscb8
    • Bei "quiet..." war ich auch amüsiert, das klingt wie "still". Aber wenn das Zeug dich so dröge im Kopf macht, ist es entweder zu hoch dosiert oder das falsche Mittel. Reizüberflutung ist scheiße, klar, aber man kann nicht jemanden zudröhnen und dann erwarten dass er noch - oder wieder - gesellschaftlich funktioniert. Also falls die Wirkung auch noch Minuten oder gar Stunden nach der Einnahme so heftig ist, solltest du besser nochmal mit deiner Ärztin reden.
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    • akfscb8 wrote:

      Das Zeug heißt natürlich "Quetiapin". Tut mir leid für den Schreibfehler, bin total müde und erschöpft von den Tabletten.

      Quetiapin wirkt bereits in geringen Dosen als potentes H1-Antihistaminikum. Ähnlich wie bei stark sedierenden trizyklischen Antidepressiva ist besonders in der Anfangszeit starke Sedierung (Müdigkeit) möglich, selbst wenn die Dosis sehr sehr gering ist. Das liegt daran, weil diese H1-Rezeptoren in diesen Dosen bereits blockiert werden. Es ist dann eigentlich kein Zeichen einer zu hohen Dosis. Eine weitere Erhöhung der Dosis würde den sedierenden Effekt nicht sonderlich verstärken, weil es nicht mehr zu blockieren gibt. Eine Dosisreduzierung würde, wenn diese reduzierte Dosis immer noch ausreichend ist die H1-Rezeptoren zu blockieren, auch nichts an der Sedierung ändern. Diese anfängliche Müdigkeit bei sedierenden Antidepressiva und Neuroleptika lässt zunehmend nach. Das je nach Präparat anfangs sehr ausgeprägt. Bei Problemen und Rückfragen würde ich das aber aus Sicherheitsgründen mit dem zuständigen Facharzt, der das Präparat verschrieben hat besprechen.

      BTW: Ich selbst habe keine Erfahrungen mit Quetiapin, aber ich kenne mich bisschen aus auf dem Gebiet der Psychopharmakologie, mir ist der Wirkmechanismus bekannt und ich habe Erfahrungen mit ähnlichen Präparaten.
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    • Danke Hyperakusis, das beruhigt mich jetzt etwas.

      Ich nehme die Tabletten mit 25mg und davon habe ich gestern abend gerade mal ein Viertel genommen. Mir tut auch jetzt noch alles weh, dabei ist es jetzt fast 24 Stunden her, dass ich das Medikament genommen habe. Ehrlich gesagt bin ich überrascht davon, dass ich von so einer Menge gleich so starke Beschwerden bekomme.

      Ich hatte nämlich richtig heftige Nebenwirkungen heute. Vormittags hatte ich leichtes Fieber und meine Muskeln haben sehr weh getan. Bin auch zweimal tagsüber ganz tief eingeschlafen innerhalb von Sekunden,
      und hatte dann so etwas wie Halluzinationen, die mir Angst gemacht haben. Ich war richtig benommen und wenn ich mich hingelegt habe, konnte ich mich kaum noch bewegen. Und meine Depressionen
      sind auch schlimmer geworden. Für mich ist es schrecklich ein Medikament nehmen zu müssen, das nicht vegan ist. Es geht es mir sehr schlecht deswegen und ich habe ganz starke Schuldgefühle. Ich dachte, ich komme psychisch damit zurecht, aber irgendwie tu ich das gar nicht. Meine Synästhesie war heute auch ganz unterdrückt und darunter leide ich auch extrem :(

      Meine Mutter hat wegen den Nebenwirkungen nochmal beim Psychiater angerufen. Er meinte, von so einer geringen Dosis könnte man gar nicht so heftige Nebenwirkungen haben. Er denkt, dass ich vielleicht eine Grippe bekomme... das Gefühl habe ich aber nicht. Am späten Nachmittag wurden die Beschwerden auch langsam besser.

      Heute nehme ich nochmal ein Viertel. Wenn ich morgen nochmal so heftige Beschwerden habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich das Medikament noch weiter einnehmen sollte.

      Lex wrote:

      Aber wenn das Zeug dich so dröge im Kopf macht, ist es entweder zu hoch dosiert oder das falsche Mittel.
      Ich glaube, die meisten Psychopharmaka haben so eine Wirkung. "Quietapin" wäre deswegen ein besserer Name dafür ;)

      Liebe Grüße,
      akfscb8
    • Die Frage ist halt wirklich ob es wirklich einsehbar ist sich selbst bzw. seinem Körper sowas anzutun, nur um besser in einem Reizüberflutung auslösenden Umfeld bestehen zu können, oder ob es nicht möglich ist das Umfeld zu wechseln oder abzuändern oder die Verweildauer dort zu reduzieren... Sowas wie bezahlte Arbeit verrichten oder studieren oder ähnliches kann man ja auch kaum noch, wenn man wegen eines Mittels kaum noch denken kann...
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    • akfscb8 wrote:

      Heute nehme ich nochmal ein Viertel. Wenn ich morgen nochmal so heftige Beschwerden habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich das Medikament noch weiter einnehmen sollte.

      Wenn ich mit einem Medikament, vor allem Psychopharmaka, nicht klarkomme, wenn (Neben)wirkungen für mich nicht hinnehmbar sind, dann setze ich es auch ab oder nehme Kontakt mit dem behandelnden Arzt auf. Ich denke, dass Psychopharmaka in der Anfangszeit u. U. sehr ausgeprägte Nebenwirkungen haben können (besonders Antidepressiva und Neuroleptika). Die Einstellung zur pharmazeutischen Droge dürfte auch eine Rolle spielen. Wenn ich einem Medikament positiv gegenüberstehe, dann werde ich mit (Neben)wirkungen besser umgehen können als wenn ich ängstlich, skeptisch bin und ich glaube "Teufelszeug" zu nehmen. Einerseits sollte man die Packungsbeilage lesen, anderseits können Warnhinweise und mögliche Nebenwirkungen Angst machen.
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    • Lex wrote:

      Sowas wie bezahlte Arbeit verrichten oder studieren oder ähnliches kann man ja auch kaum noch, wenn man wegen eines Mittels kaum noch denken kann.
      Bei mir geht es nur noch ums Überleben. Ich habe in den letzten Jahren so viel versucht um mit der Reizüberflutung besser umgehen zu können, aber nichts hat geholfen. Ein Medikament zu nehmen ist meine letzte Hoffnung. Wenn es mir hilft, würde ich auch einige Nebenwirkungen in Kauf nehmen.

      Leider habe ich aber so starke Nebenwirkungen, dass ich nicht weiß, ob ich es weiterhin einnehmen soll. Ich merke auch, wie ich langsam wieder eine Essstörung entwickle, weil ich so Angst vor einer Gewichtszunahme durch die Tabletten habe. Übrigens habe ich extra nicht in die Packungsbeilage geschaut, um mir nicht irgendwelche Nebenwirkungen "einzubilden".

      Liebe Grüße,
      akfscb8
    • Quetiapin ist ein Neuroleptikum, wird eingesetzt bei Schizophrenie, bipolarer Störung, therapieresistenter Depression oder Zwangsstörung, und bei Autismus wird es eingesetzt bei agressivem Verhalten und bei Reizüberflutung. Ich kenn jmd mit AS dem es sehr hilft gegen Reizüberflutung. (Jmd anderem hilft Risperidon, auch ein Neuroleptikum).

      Ich bekam es ursprünglich als Versuch gegen Reizüberflutung (wirkte bei mir nicht), nun gegen Depression. Dosierung höher als bei dir. Abends einnehmen dann ist Müdigkeit ja keine negative Wirkung mehr.
      Dachte auch ich nehm zu, hab aber abgenommen. Ob das davon kommt weiß ich nicht, denke aber mal nicht. Sonstige Nebenwirkungen nehme ich nicht wahr, da ich aber derzeit eine ganze Menge Antidepressiva kriege, weiß ich gar nicht mehr so genau, was von welchem kommt...

      Wenn du dich derart unwohl dabei fühlst würde ich mit dem Arzt sprechen und halt dann was anderes ausprobieren.

      Und was an Tabletten ist nicht vegan?

      The post was edited 1 time, last by Neoni ().

    • Bei Tabletten werden häufig tierische Hilfs-/Zusatzstoffe verwendet, z.B. Gelatine. Es handelt sich dabei um die Einarbeitung des Wirkstoffs in eine Trägersubstanz. Nur sehr wenige Medikamente sind wirklich vegan, und diese sind Sonderfälle. Obwohl es möglich ist, werden Wirkstoffe in der Galenik nur selten vegan aufbereitet bzw. produziert, wahrscheinlich weil es billiger ist.
      "Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein."
      - Albert Einstein -
    • Danke für deinen Erfahrungsbericht, Neonie.

      In den Tabletten ist Laktose-Monohydrat enthalten, und soweit ich weiß ist das nicht vegan. Leider ist es wirklich so, dass viele Medikamente nicht vegan sind - vor allem Psychopharmaka. Natürlich habe ich mir auch gesagt, dass ich diese Tabletten einfach nehmen muss, egal ob sie vegan sind oder nicht. Aber ich komme damit psychisch überhaupt nicht zurecht.

      Liebe Grüße,
      akfscb8
    • Dann lass dir doch ein Neuroleptikum verschreiben, dass es in Tropfenform gibt und das diesen Inhaltsstoff nicht enthält. Es sollte doch Alternativen zu Quetiapin geben und Inhaltsstoffe/Zusatzstoffe kann man im Netz nachschauen.
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    • Ich hatte mal Melperon - Liquid bekommen; der Vorteil ist, dass man da nach Bedarf dosieren kann. Aber über die Zusatzstoffe weiß ich hier nichts. Der Geschmack war auch scheußlich. x(
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      - Albert Einstein -
    • Meine Erfahrungen mit Quetiapin waren ähnlich.
      Es heißt, dass es etwa eine Woche benötigt bis die extreme Müdigkeit nachlässt, aber die Zeit hatte ich nicht.
      Musste Vorlesungen besuchen, Pflichtübungen abgeben, einkaufen und essen... das ging alles nicht unter Quetiapin.
      Auch abends einnehmen brachte nichts, da ich nach einer Tablette etwa 20h schlicht durchschlafe und zu nichts anderem fähig bin.
      Wie gesagt, vielleicht wäre es besser geworden wenn ich die Woche durchgehalten hätte, aber der Psychiater hat dann auch davon abgeraten.
    • akfscb8 wrote:

      Natürlich habe ich mir auch gesagt, dass ich diese Tabletten einfach nehmen muss, egal ob sie vegan sind oder nicht. Aber ich komme damit psychisch überhaupt nicht zurecht.


      Vielleicht kannst Du den Konflikt nutzen, um Alternativen zum Quetiapin für Dich zu finden.

      Aber wenn Du an der Stelle gerade nicht ganz vegan bist, weil es gerade dann doch die beste Wahl bleibt, behältst Du Deine Ausrichtung imho. ja weiter.

      Ich habe mich auch schon viel mit "vegan" auseinandergesetzt.
      Ich denke, wenn man in der heutigen Zivilisation lebt, wird man wohl immer irgendetwas wissentlich oder unwissentlich unterstützen, das für Tiere nicht so optimal ist.
      Spätestens "Vegangegner" finden da immer was :lol: .

      Für mich ist es eine Ausrichtung, da wo es mir möglich ist und persönlich sinnvoll erscheint mache ich es, es tut mir selber gut merke ich da achtsam zu sein.

      Und ich denke, wenn Du merkst, daß die Medikamente Dir "mehr Pein als Hilfe" bereiten, wirst Du wohl auch alternative Wege finden.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy

      The post was edited 1 time, last by ifi ().

    • Ich hatte vor Jahren gegen "Reizüberflutung" mal Seroquel prolong verschrieben bekommen. Ich nahm sie nur einmal, weil ich mich am Tag nach der ersten Einnahme am Vorabend auf dem geistigen Stand eines Blumenkohls befand.
      Angesichts dieser Einschränkung der Lebensfähigkeit lehnte ich eine weitere Einnahme dankend ab.

      Nach einer langdauernden Krise mit Schlafstörungen, die mich etwas zermürbt hatten, folgte ich einer erneuten Einnahmeempfehlung von Quetiapin dann doch.
      Empfohlene Dosis war 12,5mg (halbe 25er). Ergebnis am nächsten Tag: Blumenkohl, wenn auch fähig, mich einigermaßen fortzubewegen. Dennoch unschön quiet-gelegt.
      Also nochmal halbiert und somit auch auf ~6,25mg (diese kleinen Mistdinger lassen sich wirklich nicht gut teilen).
      Nehme ich abends, schlafe wunderprächtig, erhole mich. Tagsüber bin ich recht fit und ausgeruht, nur mit dem Sprechen und Tippen hapert es ein klein wenig. Aber weit entfernt von Gemüse.
      Kann sagen, dass es aktuell überraschend hilfreich für mich ist. Falls ich deswegen verblöde, merke ich nichts davon, und somit ist das ok für mich.
      Soweit ich mich meine erinnern zu können, wird der Wirkstoff durchaus auch mal in kleinen Dosen offlabel zum Schlafen aufgrund der Wirkung auf die Histaminrezeptoren verschrieben.

      Was die mögliche Minderung der Reizüberflutungsthematik betrifft...keine Ahnung. Ich glaube, ich höre einen Tick schlechter als sonst, was vielleicht auch eine Minderung von Reizen darstellen dürfte.
      Denke mal, einfach aufgrund des erstmals wirklich erholsamen Schlafes seit wasweißichwieviel Jahren kann ich den Anforderungen und Reizen des Alltags ganz simpel besser begegnen, mich auch koordinierter rechtzeitig Stressoren entziehen.
      Geordneter Rückzug sozusagen statt innerlichem Durchdrehen.

      Zugenommen habe ich davon (bedauerlicherweise) bisher nicht.
    • Ich belebe mal den Thread mit meiner Erfahrung. Mir hat man auch Quetiapin wegen der Reizüberflutung verschrieben. Ich habe das Zeug aber gar nicht vertragen. Schon nach einem Mal hatte ich Nebenwirkungen, die mich komplett aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Ich denke aber, dass ich da eine Ausnahme bin, da das Medikament ansonsten ja recht verträglich sein soll.

      Ich persönlich habe aber das Vertrauen in Neuroleptika vorerst verloren, auch wenn ich weiß, dass es wahrscheinlich ein Medikament gibt, das ich vertrage und mir hilft.
    • Ich nehme Quetiapin wegen meiner bipolaren Störung seit Jahren. Allerdings nur kleine Dosierungen abends. Erst 50 mg Seroquel Prolong, davon hatte ich aber einen starken Überhang morgens und musste 12-14 Stunden schlafen. Daher bin ich erst auf 25mg und dann auf 12,5 mg runter. Ich schlafe entspannt durch so ca. 8-10 Stunden, es geht aber auch weniger Schlaf, wenn ich morgens früh raus muss, was zurzeit der Fall ist. Ich denke durch den guten Schlaf bin ich auch tagsüber widerstandsfähiger gegenüber starken Reizen. Ich könnte das Medi allerdings nicht tagsüber nehmen, weil es mich total lähmt, körperlich und im Kopf. Wenn dir die Nebenwirkungen zu stark sind, musst du das Medi entweder auch abends nehmen oder ein anderes Neuroleptikum ausprobieren, es gibt auch welche, die nicht müde machen. Eventuell auf Tropfen umzusteigen ist auch ein guter Vorschlag, weil die sich noch viel besser dosieren lassen. Das passende Medi zu finden, kann leider ewtas Zeit in Anspruch nehmen und braucht Geduld. Viel Glück!
      Ist da wer?
    • Vor Jahren bekam ich Seroquel in einer Reha als zusätzliches Antidepressivum verschrieben, da Antidepressiva allein bei mir keine große Wirkung gezeigt hatten. Mit dem Seroquel wurde ich nun extrem schwermütig bis weinerlich, was die behandelnde Ärztin wie folgt kommentierte: "Das kann gar nicht sein. Das wirkt nämlich antidepressiv!" Ich habe es trotzdem nicht weiter genommen.

      Müde wurde ich von dem Zeug nicht, aber sedierende Antidepressiva und Neuroleptika zeigen bei mir ohnehin keine müde machende Wirkung. Irgendwie scheinen meine H1-Rezeptoren anders zu ticken.
      "Ich würde nie einem Club beitreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen" (Groucho Marx) “Sich zu akzeptieren als den, der man ist, ohne etwas anderes sein zu wollen - das ist Freiheit“ (Ramesh Balsekar)