Wie findet man Freunde?

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    • Gerit wrote:

      @Imhotep:

      Ja, das Problem mit dem fehlenden Zugang zu Gefühlen habe ich auch, das nervt höllisch. Ich weiß dann, es ist was, aber ich weiß nicht, was es ist. Das dauert manchmal sehr lange, bis ich dann dahinterkomme.

      Im Forum hat eine Frau mal geschrieben: "Es ist manchmal, als ob ich Zug fahren würde, und die Gefühle kommen zu Fuß hinterher."

      Das fand ich eine recht treffende Beschreibung. Ich habe darüber auch schon mehrfach in Lehrbüchern gelesen, es scheint vielen Menschen mit Autismus so zu gehen.
      Ja, das habe ich auch. Es kommt auch verzögert. Hatte z.B. gestern Tränen in den Augen wegen einer Sache, die zwei Tage zuvor passiert ist, wo ich in dem Moment nicht wusste, wie es mir damit geht.
      Ich meinte mit meiner Frage aber eher diese Ausbrüche, wenn etwas nicht so klappt, wie man es will, also diese Wutausbrüche oder "Mini-Meltdowns". Hat das was mit Autismus zu tun?
    • Imhotep wrote:

      Sockenpuppe wrote:

      Und jede nicht passende Schraube oder ein platter Reifen kann, wenn mein Fokus dadurch unterbrochen wird,
      zu einem recht heftigen, kurzen Ausbruch meinerseits führen.
      Hat das was mit Autismus zu tun? Ist eine ehrlich gemeinte Frage. Ich bezeichne meine normale Stimmung als absolut baselined und habe erhebliche Schwierigkeiten meine Gefühle zu benennen, wenn es nicht extreme Trauer, extreme Wut oder extreme Freude ist. Alles dazwischen ist für mich wie ein Stück Seife, das mir immer aus der Hand rutscht, wenn ich versuche danach zu greifen. Aber wenn etwas nicht so klappt, wie ich das gerne hätte oder mir gedacht habe, dann fluche ich extrem rum und werde auch teilweise echt wütend. Wenn es ganz hart kommt, schmeiß ich die Sachen dann weg (Gott sei Dank passiert das nicht so häufig).
      Ich würde sagen: ja.
      Alles was ich anfange, ist in meinem Kopf bereits fertig durchgeplant. Mit Plan A, B, C, D und E.
      Mit unterschiedlichsten wenn-dann-Szenarien.
      Das kann natürlich nicht funktionieren.
      Und dann kann eben eine fehlende Schraube können qualitativ minderwertige Schrauben, bei denen der Antrieb nicht richtig greift, für mich eine absolute Katastrophe sein. Zum einen weil ich mich verrechnet, bzw. verplant habe.
      Zum Anderen weil es keinen meiner Alternativpläne matched und ich total verloren bin.
      Da hört dann leider das rationale Denken auf und ich habe eine Gehirnimplosion. So fühlt es sich zumindest an.

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    • Sockenpuppe wrote:

      Und dann kann eben eine fehlende Schraube können qualitativ minderwertige Schrauben, bei denen der Antrieb nicht richtig greift, für mich eine absolute Katastrophe sein. Zum einen weil ich mich verrechnet, bzw. verplant habe.
      Zum Anderen weil es keinen meiner Alternativpläne matched und ich total verloren bin.
      Da hört dann leider das rationale Denken auf und ich habe eine Gehirnimplosion. So fühlt es sich zumindest an.
      Genau dieses Szenario hatte ich tatsächlich mal, als ich einen Bürostuhl zusammenbauen wollte. Eine Schraube, die die Lehne mithalten sollte, griff nicht. Ich habe sicherlich 45 Minuten gebraucht, bis ich die mit Gewalt und immenser Anstrengung irgendwann drinhatte (und wahrscheinlich nie wieder rausbekomme). Ich bin ziemlich ausgerastet in diesen 45 Minuten. "Mal eben den Stuhl aufbauen" :roll:
      Ich wusste nur nie, dass das auch was mit Autismus zu tun haben kann. Aber macht natürlich Sinn, wenn ich normalerweise absolut ruhig bin und eher Schwierigkeiten habe, zu erkennen, wie ich mich eigentlich fühle.
    • Da ich nie einen Plan b habe,' bricht bei mir auch immer alles zusammen, wenn es nicht wie geplant läuft'.

      Eine Ärztin meinte immer, ich wäre egoistisch, es müsse immer nach meinem Kopf gehen.
      Sie wollte mich erziehen, wo ich dann komplett in die Überforderung geriet.
      Bin unflexibel, wenn dies jemand beachtet, drauf eingeht, mit mir vorsichtig nach Alternativen sucht, bin ich nicht egoistisch etc.
      Mir einfach was mitteilen, was auf einmal für mich anders sein wird ohne mit mir nach Lösungen zu suchen, überfordert mich und ' nimmt mir Sicherheit'.


      F.G. Daniel :thumbup: :thumbup:

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    • Daniel1 wrote:

      Bin unflexibel, wenn dies jemand beachtet, drauf eingeht, mit mir vorsichtig nach Alternativen sucht, bin ich nicht egoistisch etc.

      Mir einfach was mitteilen, was auf einmal für mich anders sein wird ohne mit mir nach Lösungen zu suchen, überfordert mich und ' nimmt mir Sicherheit'.
      Andere schätzen dich in dem Moment als egoistisch ein, weil sie dich nicht kennen oder kennen wollen. Dieser Zustand ist ja nur temporär und situationsbedingt. Egoismus ist eine dauerhafte Charaktereigenschaft. Wenn man einen Ausweg/eine Lösung/einen Plan B (RW) hat, dann ist dieser Zustand ja vorbei. Es ist eher eine nach außen gerichtete Hilflosigkeit. Viele NTs sind ja darum bemüht ihre Hilflosigkeit zu verstecken. Da gibt es ja zu Hauf Möglichkeiten die dann eher in die Kategorie Egoismus passen, denn diese Strategien sind ja dann bewusst gewählt. Gewalt in Beziehungen ist zum Beispiel eine Hilflosigkeit/Unfähigkeit eine ordentliche Beziehung zu führen. Und dies hat dann gegenüber dem Partner System, weil er/sie ja nicht auf die Idee kommen soll den Fehler beim Partner und nicht sich selbst zu suchen. Das war ja auch bei dem Borderliner bei dir so. Er war wahrscheinlich Hilflosigkeit in der Kommunikation und hat deshalb (bewusst) Gewalt gegen dich angewendet. Ein Meltdown erzeugt nie bewusste Gewalt.
    • Ich sollte vielleicht noch anmerken, dass ich, trotz der sozialen Isolation, nicht jedem Kontakt, der vorgibt freundschaftlich zu handeln, hinterher renne. Zumindest habe ich keine "Freunde die mich umbringen" und wenn, dann sollte man das sicherlich vorher erkennen.. Aus eigener Erfahrung kann ich da sagen (und das Beispiel ist nicht ausgedacht), dass ich da ohne Freunde besser dran bin als mir so das Leben zu versauen und mich selbst zu belügen.

      The post was edited 1 time, last by Gerit ().

    • platzhalter wrote:

      Ich sollte vielleicht noch anmerken, dass ich, trotz der sozialen Isolation, nicht jedem Kontakt, der vorgibt freundschaftlich zu handeln, hinterher renne. Zumindest habe ich keine "Freunde die mich umbringen" und wenn, dann sollte man das sicherlich vorher erkennen..

      Habe es verstanden.
      Bin halt harmoniesüchtig, emotional abhângig und fühle mich einsam.

      Bin aber an meiner Thematik dran.

      Donnerstag erstmal ab in die Psychiatrie bei mir.

      Alles Gute.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:
    • @Daniel1 Das war jetzt keine direkte Kritik nur an dich. Ich habe selbst schon Erfahrungen gemacht bzw. kenne Leute bei denen es mit "Freundschaften" nicht so doll ist. Für mich gibt es klare Grenzen wo ich das alleine sein vorziehe.
      Ich hoffe, dass du bald Fortschritte machst. Jeder Mensch ist eigentlich bestrebt Harmonie zu haben. Die Definitionen oder eher das was der Mensch bereit ist zu ertragen, auch nur für die innere Harmonie (was das Thema sich selbst belügen betrifft), ist immer unterschiedlich.
    • Kraeutertee wrote:

      Hallo liebe Alle!

      Vielleicht ist die Frage doof, aber ich strauchel gerade sehr an der Problematik.
      Ich bin 29 und habe eigentlich gar keine Freunde.
      Zwar bin ich parteipolitisch aktiv, es sind aber entsprechend mehr Parteibekannte.

      So richtige Freunde, mit denen man sich regelmäßig trifft, denen man helfen kann, wenn es ihnen schlecht geht und umgekehrt,
      sowas habe ich nicht.

      Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass sowas vielleicht nur in Film und TV existiert und ich mir falsche Vorstellungen von der
      Thematik habe.
      Vorhergegangene Versuche sind alle gescheitert. Zum Teil am Autismus, zum Teil an komorbiden Erkrankungen (Depressionen, Angst, evtl. PTBS und ein ausgeheilter Alkoholmissbrauch).

      Jetzt sitze ich hier und merke doch immer mehr, dass ich mir eine kleine Gruppe, vielleicht 2-3 Freunde wünsche und weiß eigentlich gar nicht,
      wie das geht.
      Vor allem, da ich auch wirklich viele Probleme habe.

      Wie handhabt ihr das?
      Ich bin jetzt 63, und ich habe auch keine realen Freunde seit 40 Jahren. Nur die Leute im Internet, die zu mir halten.
    • Mein Problem ist, das ich immer zu viel erzähle, früher bei Einzelnen, jetzt bei Gruppen.

      Vor ein Paar Tagen bin ich aus einer WhatsApp-Gruppe rausgeflogen und das belastet mich immer noch. Ich habe nämlich über die Psychopharmaka gesprochen, mit denen mich die Ärzte mein Leben lang behandelt haben, obwohl ich gar nicht psychisch krank war und bin.

      Und das haben sie nicht vertragen.
    • miraculix wrote:

      Mein Problem ist, das ich immer zu viel erzähle, früher bei Einzelnen, jetzt bei Gruppen.
      Vielleicht auch zu früh zu Intimes?

      Gerade bei einer Gruppe kannst du -ob NT oder mit ASS- oft nicht unterscheiden, wie die Einzelnen so "drauf sind".
      Also würde ich z.B. deshalb an deiner Stelle lange warten, bevor ich mehr als Harmloses preisgebe.

      Ich würde bei der Freundschaftssuche erst eine Truppe auskucken, die etwas unternimmt, was ich auch gerne machen möchte. Dann würde ich dort beitreten. Und das niemals nimmer nie nicht über die sogenannten sozialen Medien.
      Und dann abwarten wie es sich entwickelt.

      Wenn die Gruppe nichts ist: wieder austreten. Es neu versuchen.

      Gemeinsame Aktionen verbinden, manchmal entstehen so privat engere Kontakte. Und man hat ein gemeinsames Thema.
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")
    • Capricorn wrote:

      miraculix wrote:

      Mein Problem ist, das ich immer zu viel erzähle, früher bei Einzelnen, jetzt bei Gruppen.
      Vielleicht auch zu früh zu Intimes?

      Nein, aber ich habe ich von meinem zweiten Spezialinteresse neben Computer erzählt, nämlich Börse. Da gab es schon Stunk. Und außerdem habe ich von den Medikamenten erzählt, die ich fast mein ganzes Leben lang einnehme. Ich schrieb, unter anderem, das Pimozid und Risperidon, die ich 34 Jahre lang eingenommen habe, meine Persönlichkeit (zum Negativen) hin verändert hätten. Und dass ich Haloperidol, das ich jetzt noch einnehme, jeden Monat um 0,1mg reduziere.
      Außerdem habe ich auf die Ärzte geschimpft die mir das Zeug verpasst hatten. Die haben meinen Autismus nämlich nicht erkannt, sondern ich selbst war das im Sommer 2012, als Risperidon nicht mehr so wirkte.
      Da antwortete dann einer, ich würde schon wieder gefährlichen Unsinn erzählen und ich wurde verwarnt. Das war vermutlich ein Arzt, der das schrieb. Nächsten Tag legte ich dann noch nach: Meine Mutter war zum Kardiologen, und hat wie Immer meinen Bruder mitgenommen, der auch mit zum Arzt reingeht, damit er keine "Experimente" mit ihr macht. Er sagt dann Versuchen wir mal was." Letztes Mal ist sie (sie ist schwer herzkrank) dann im Krankenhaus gelandet.
      Das war dann denen zu viel: ich wurde aus der Gruppe entfernt.
      Ich hätte aber gar nicht davon anfangen sollen, Börse und Pillen, das gehörte da überhaupt nicht, denn die hätten mir noch etwas helfen können.
    • @miraculix:
      Das war offenbar eine seltsame Gruppe:

      miraculix wrote:

      Das war dann denen zu viel: ich wurde aus der Gruppe entfernt.
      Sie hätten ja auch genauer nachfragen können. ("Erst fragen, dann schießen")


      Aber man muss gelegentlich (wie es so schön heißt) viele Frösche küssen, bis man eine hübsche Prinzessin darunter findet :fun: - sprich, es kann dauern, bis man sich irgendwo warm angenommen fühlt.

      Mit "Intimes" meinte ich übrigens nicht sexuelle Themen, sondern höchst persönliche Dinge - z. B. ob man schon mal Selbstmordgedanken hatte oder so was in der Art.
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")
    • Capricorn wrote:

      @miraculix:
      Das war offenbar eine seltsame Gruppe.
      Ja, ein bisschen merkwürdig war das schon. Sie vertraten da die Auffassung, an der Börse würde gespielt, gezockt.

      Worauf ich antwortete, beim Handeln an der Börse ginge es um Mathematik, um Wahrscheinlichkeitsrechnung. Das sieht man ja auch daran, dass bei großen Fonds usw. Maschinen das Geld verdienen, die programmiert worden sind, und zwar erfolgreich.
      Hier im Aspies-Forum ist nämlich jemand, der so etwas macht, der bei einem Fonds angestellt ist.

      Was mich noch mehr aufgebracht hat, war ihre Auffassung, dass man sich immer an die Anweisungen der Ärzte halten sollte. Wenn ich das immer gemacht hätte, wäre ich schon tot. Und meine Mutter auch.

      Es war ja auch eine Asexuellen-Gruppe. Am nächsten Dienstag setze ich Haloperidol nämlich herunter auf 4,4mg. Die genauen Angaben meiner Medikamente sollte ich ja auch nicht schreiben, sondern hoch und niedrig. Das hat mich schon aufgeregt.
    • @Gerit Das ist sie definitiv, fällt aber für mich aus der Kategorie raus, da sie u.a. auch die Mutter meines Sohnes ist, und außerdem viel mehr, als ich mir unter einem Freund vorstellen kann. Selbst wenn ich das Idealbild von Freundschaft nehme. :] :)
      Das Leben ist zu komplex um eine festgelegte Meinung zu haben.