Was haltet ihr von Autism Awareness?

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    • Ein T-Shirt mit autismusbezogenem Text ist eine überwiegend passive Art, um vielleicht vereinzelt Leute zu erreichen. Aber warum nicht? Jeder macht halt so viel wie er kann und möchte. Ich mache auf jeden Fall wesentlich weniger und denke, dass es Menschen geben muss, die Autismus oder andere Neurodiversitäten oder Krankheiten bekannter machen.
      Glaub nicht alles, was du denkst.
    • @Imhotep Ich finde es auch wichtig Aufklärung zu betreiben. Ich kann mich aber auch nicht dran erinnern, dass hier im Forum bisher User einen allgemeinen Unmut mit Aufklärung über Autismus kundtaten und wenn, dann sind sie sicherlich keine repräsentative Gruppe (zahlenmäßig).

      Imhotep wrote:

      Aber es scheint mir zumindest so, als seien unkovnentionellere Wege nicht wirklich erwünscht.
      Fair enough :) Auf mich hingegen wirkt diese T-Shirt-Aktion gar nicht besonders unkonventionell.

      Ich würde mir am meisten wünschen, dass Menschen als Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen akzeptiert und behandelt werden. Da geht es um ganz fundamentale Menschenwerte, deren Umsetzung und Einhaltung.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Imhotep wrote:

      Auch wenn ich eher nicht glaube, dass sich NTs große Mühe machen, T-Shirt-Aufdrucke zu erkennen oder gar zu lesen, habe ich die Hoffnung, dass es vielleicht der ein oder andere tut und danach mal Google bemüht.
      Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich mich in der Beschreibung sogenannter "NTs" wiederfinden kann. Es gibt diese Zeit, diese sogenannte Sommerzeit und viele Menschen tragen T-Shirts. Manche mit irgendwelchen Aufdrucken, Gebilden, Slogans, Buchstaben, weiß der Deiwel mit was. Aber es ist in der Regel nur ein Moment in einer Reihenschaltung von Momenten. Ich mache mir ganz oft keinerlei Mühe, weder zu erkennen noch zu lesen. Mich interessiert ganz Vieles überhaupt nicht. Daheim angekommen habe ich noch nie Google, DuckDuckGo & Co. genutzt, weil irgendein T-Shirt so special-snowflaked war, dass es in Erinnerung geblieben ist. Ich denke, dass es in der Hochzeit der T-Shirts auch ganz ganz viele Eindrücke gibt und da gehen einzelne Menschen mit ihren Shirts auch - zumindest bei mir - ziemlich unter. Der ICD-Katalog hat ja recht viele Kodierungen und die jeweils Betroffenen finden ihr Thema sicherlich sehr sehr wichtig und ich kann auch verstehen, wenn manche eben FÜR SICH selbst kämpfen. Aber ich kann schon auch verstehen, dass bei vielen Menschen ganz viele Themen bis dato keinerlei Rolle spielen und das Interesse closed to zero liegt. Mich interessiert Borderline & Co. auch nicht. Auch ganz ohne irgendwelche ICD-Codes interessieren mich ganz viele Menschen nicht.

      Manchmal wird unter Autisten dieses ASS-Spektrum als eine andere Normalität, als ein Anderssein oder so bezeichnet. Ich finde gerade dann ist es umso mehr so, dass Andersartigkeiten sich gegenüberstehen und eigentlich müsste sich jeder für jeden interessieren. Keine Einbahnstraßen.

      Zum "danach mal Google bemüht" würde ich noch sagen, dass ich eigentlich bis heute innerhalb autistischen Communitys keine Einigkeit feststellen kann. Es gibt Leute, die fühlen sich bei Formulierungen/Bezeichnungen wie "Störung", "betroffen von AS", "Behinderung" etc. bereits diskriminiert. Anderseits gibt es Leute, die in einigen Punkten eher das Gegenstück davon sind und betonen "Ja, es ist eine Behinderung!" und so weiter. Mal angenommen, dass irgendwelche DIN A "NTs" irgendwo das Wort "Autismus" wahrgenommen haben, dann liefern Google & Co. natürlich viele Suchergebnisse. Aber der Autist würde nicht wirklich jedes Suchergebnis unterschreiben. Von daher erwarte - zumindest ich - von sogenannten/sogedissten "NTs" eigentlich nichts. Die VAs oder die Leute, wo im engen Umfeld Autismus zum Thema wird, die brauchen selbst einiges an Zeit(investment) um zu durchschauen, um zu begreifen. Menschen, die damit überhaupt nichts zu tun haben, da ist es imfo völlig okay/normal, dass die sich dafür nicht interessieren.

      Imhotep wrote:

      Wenn es keiner zeigt oder darüber redet, wird es nie in den Köpfen ankommen.
      Es wird in Köpfen ankommen, aber bei ganz ganz vielen Menschen wird Autismus in etwa so interessant sein, wie für mich oder andere Borderline und die gesamte Vielfalt an Persönlichkeiten bzw. Menschen. Interessant finde ich, dass es einerseits einen gewissen Trend zur Vielfalt gibt, anderseits gibt es Tendenzen zur Null-Toleranz bei bestimmten Einstellungen, Verstimmungen etc., die ganz viele Menschen haben. Der Aspie oder der Autist wurde einst ja auch oft als eine Persönlichkeit beschrieben, die sagt, was sie denkt, die auch dann sagt, was sie denkt, wenn sie den Anschluss zur Gruppe bzw. zum Mainstream mit der Aussage vermaselt. Autisten sind im Hinblick auf ihr Umfeld imo oft auch nicht besonders objektiv/genau und es einige trauen "NT" auch nicht allzu viel zu. Das sind dann auch eher "alte Lieder", eher Ewiggestriges als "Progressiv-Rock". :roll:

      Imhotep wrote:

      Wie seht ihr das Thema?
      Ich habe da sicherlich einen ziemlich anderen Standpunkt als du. Aber ich möchte an dieser Stelle ausdrücken, dass es eben nur MEINE Sichtweise ist. Man hinterlässt sicherlich Spuren, aber ich möchte nun auch nicht jemanden verstimmen, der sich (vielleicht) gerade total gut/richtig fühlt, mit dem, was er/sie/es gerade tut. Eigentlich fühlt man sich in Momenten, wo extreme Unterschiede bewusst werden, schon auch manchmal an die Alltagswelt erinnert. Ich dachte recht früh schon, dass es eigentlich manchmal überall dieselbe f***ing Scheiße ist, dass eigentlich der Mensch allgemein oft eher das Problem ist und eben nicht speziell bestimmte "Neuro-Rassen". Wenn es ein gemeinsames SI gibt, dann kann die "neurologische Config" des anderen ziemlich egal sein, da sich eben fast alles um die Gemeinsamkeit zentriert. Wenn jemand Autist ist, sich aber für etwas interessiert, was ich persönlich sehr langweilig finde, dann nützt mir das Autiesein des anderen auch nicht so much.
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    • Imhotep wrote:

      Wie gesagt, ich habe die Hoffnung, dass sich ein paar Leute danach damit auseinandersetzen und so zumindest ein paar Leute vielleicht das veraltete Bild von Autismus über Bord werfen (RW). Das sind T-Shirts, die Sprüche und Darstellungen haben, die auf Neurodiversität oder speziell Autismus abzielen, z.B. "Celebrate Neurodiversity".
      Ich denke, dass das veraltete Bild langsam, aber es wurde allmählich ein bisschen aktualisiert. Ich finde, dass in der Gegenwart vielleicht Greta Thunberg zu den weltweit berühmtesten AS-Persönlichkeiten zählt. Ich erinnere mich sehr gut, dass in den Sternstunden ganz viele Leute Menschenmassen als schrecklich beschrieben haben. Ich könnte das heute nicht, erst recht in dem Alter von Greta damals, hätte ich das niemals gekonnt. Greta hat ganz viele Dinge gemeistert, die für mich ein Worst-Case-Szenario gewesen wären. Ich hätte fundamental ein großes Problem mit Presse und Berühmtheit.

      "Celebrate Neurodiversity" klingt positiv.
      Ich habe seit längerem den Eindruck, dass Neurodiversität ganz ganz schwer ist.
      Ich würde für dieses Forum grob/pauschal sagen, dass hier Neurodiversität (öfters) weder gelebt noch gemeistert wird.
      Eigentlich ist die Kontroverse nicht fern, wann immer Versicolor zur Herausforderung wird.

      Manchmal denke ich auch, dass es für mich persönlich so etwas wie eine Vorstellung von Normal/Gewohnheit gibt.
      Es gibt aber ganz ganz viele Menschen um mich herum, die davon abweichen, teils stark abweichen.
      Ich kann mich gesellschaftlich offen, sozial oder schön positionieren, aber manchmal denke ich schon, was wäre die Position "ehrlich"?
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    • Off-topic @Kayt:
      Und nochmal danke für die Links, sowohl den unterhaltsamen als auch den dicht mit interessanten Überlegungen gepackten (den ich erst noch verdauen muss (rw) - zum Transhumanismus habe ich noch zu wenig Hintergrund, um die letzten Abschnitte gut einordnen zu können).

      Die beiden Blogs scheinen sehr lesenswert zu sein und bisher kann ich viele Ansichten des Autors teilen. Zufällig wurde mir vor kurzem auch LessWrong empfohlen und was ich dort bisher gelesen habe, kam mir sehr vernünftig vor. Allerdings sind offenbar nicht alle Menschen im Umfeld der Rationalisten so reflektiert wie diese Autoren. Gerade im Tech-Umfeld scheint es einige Anhänger mit weniger sympathischen Ansichten zu geben. Und im Forum zum Blog dominieren auf dem ersten Blick komplett menschenverachtende und widerliche Ansichten.

      Die Community verlangt also eine sehr differenzierte Betrachtung, für die mir noch Informationen fehlen. Wenn ich einen besseren Überblick habe, diskutiere ich gerne an anderer Stelle darüber.


      Um wieder näher ans Thema zu kommen:

      Kayt wrote:

      nt^Hd wrote:

      Ein Aspekt, den ich mittlerweile tatsächlich mehr zelebriere und auch teilweise als Stärke wahrnehme, ist die "mitgelieferte" Nerdigkeit.
      Schönes Beispiel. Ein Diagnostiker würde in dieser von dir empfundenen "Nerdigkeit" vielleicht (ein beschränktes) Spezialinteresse sehen, dem beharrlich und intensiv nachgegangen wird, Defizite in der Kontaktaufnahme und wechselseitigen Kommunikation und das Bedürfnis, umfassend und ausschleifend über sein Wissen zu informieren, auch wenn es das Gegenüber nicht zu interessieren scheint. (Ob das so wie von mir beschrieben auf dich zutrifft, weiß ich natürlich nicht. Es wäre aber ein Beispiel wie die gleichen Eigenschaften und Symptome eines Individuums unterschiedlich beschrieben und bewertet werden könnten, je nach Perspektive (und natürlich auch der Ausprägung).
      Das passt so ganz gut, allerdings würde ich - ganz im Sinn der Neurodiversitätsbewegung ;) - wo es möglich ist eine positivere Beschreibung als die Diagnosekriterien wählen: Vorliebe für logisches Denken, Wissensdurst und Ausdauer bei der Beschäftigung mit Details. Die Defizite bei Kontaktaufnahme und Kommunikation sind aber genau das: Defizite. Daran gibt es nichts zu "zelebrieren". Mit ausreichend Raum für eine differenzierte Betrachtung machen natürlich auch fast alle Neurodiversitätsanhänger diese Unterscheidung, insbesondere auch bei den Einschränkungen von stärker betroffenen. Passt halt nur nicht mehr auf's Shirt. Aber ich wiederhole mich.
    • Die T-Shirts find ich ok, bis auf die Schleife. Die hat mich an die AIDS-Schleife erinnert und die direkt an den Spruch "Gib AIDS keine Chance". Wobei ich kurz davor hier etwas über AIDS las. Aber ich würde mich auch fragen, warum das in einer Schleife steht, außer es wäre beispielsweise eine Unendlichkeitsschleife.

      Ich denke auch, z. B. irgendwo in ner Schlange oder aufm Festival könnte sich so'n Shirtspruch doch bei jemanden einprägen oder wenn man mit auf n Foto gerät. Find ich ne nette Idee, ich würd's mich nicht trauen, wobei "Bewusstsein" ja nicht mal bedeuten muss, dass man selbst betroffen ist. Vielleicht denken die dann man ist Angehöriger oder Sozialarbeiter.
      Aber letztlich würde ich vermutlich zumindest die Schleife weglassen und vermutlich ein prägnanteres Design versuchen mit anderem Spruch. Im AIDS-Schleifen-Kontext im Totenkopf könnte man den Spruch auch als Warnung lesen :lol: Aber die Puzzles sind schon nicht schlecht, die regen zum Nachdenken an, sind schön bunt und ungewöhnlich in nem Totenkopf.

      Wenn ich irgendwann noch mal Musik veröffentlichen sollte, wird bestimmt auch ein lustiger Autismus-Song dabei sein. Oder als Comedian sich mit Autismus selbst auf die Schippe nehmen und abwechselnd NT, für die, die sich das zutrauen. SEO, Videomarketing, Songs, Kabarett, Bilder, Radio (z. B. anrufen und live sprechen oder um ein Interview bitten) es gibt viele Möglichkeiten. Gute Malereien im Punkto Gesellschaftspräsentationen empfinde ich z. B. wie die von Paweł Kuczyński. Vielleicht fallen einem dazu Ideen ein. Wobei das eher nachdenkliche Leute ansprechen würde. Aber darunter gibt es bestimmt auch noch einige potentielle Autisten.
      Am besten wäre es, wenn mehr und mehr Stars sich outen würden, die Autisten sind. Aber ob die dann eher untergehen, oder das Outing wieder untergeht, als das Autismus akzeptiert oder bekannt, weiß ich nicht. Aber große Angst hätte ich nicht, oder, dass wir Autisten viel zu verlieren hätten, weil die Behinderten-Abtreibungsmedizin auch ohne höheren Bekanntheitsgrad weiterforscht. Das Thema Autismus ist auch m. E. viel zu negativ behaftet / noch mit zu vielen Berührungsängsten verbunden.

      Beim Marketing empfehle ich auf Gemeinsamkeiten zu zeigen, die einen verbinden, wo beide großartig drin sein können. Musik usw.

      Lustig wären z. B. auch Sprüche / Bilder / Videoreihen o. ä., wo z. B. ein bekannter Erfinder steht, der den Massenkonsum bedient und sagen "Dieser Erfinder verkauft dir dein ...". Oder "Ohne xy (Produkt) wäre alles doof. Ohne xy (Erfinder) wäre alles doof. Und ohne dich als Liebhaber sowieso". Und darunter im Kleintext "xy entwickelt deine ...". Irgendwie so ähnlich.

      Auf sehr ernste Sachen ohne netten Beigeschmack (nicht das Shirt) haben nicht viele Leute Bock oder keine Nerven und es setzt sie unter Druck. Das hören sich m. E. nur die an, die das sowieso schon hören wollen. Wie kann man etwas am besten verbindend vermitteln. Mit einer kleinen Prise Handlungsbitte unter ehrlicher Emotionalität, idealerweise mit Witz.

      Vielleicht mag ja jemand folgende Idee z. B. an Baumärkte weiterleiten mit oder ohne Ausfeilung oder auch anders (ich glaub ich sende die Idee denen gleich :lol: ): Ein Autist im Spot, der irgendwas imposantes oder lustiges ganz akkurat macht, vielleicht seinem Nachbarn danach hilft in witziger und verbindender Form. Wo der Nicht-Autist auch eine Gemeinsamkeit drin sieht. Oder wo der Autist die Mitarbeiter stresst mit peniblen Forderungen und dann denen auf irgend eine Art was passendes tolles zurückgibt.

      Oder ein Bauleiter, der etwas nervig wirkt, wie er ganz genau etwas entwerfen will, was danach zu einer geilen z. B. Badeoase wird oder Restaurant.

      Dann auch noch was von NTs aus, wie die etwas tolles erfinden und sich mit einem Autisten ergänzen oder auch mal Rollentausch. Usw.

      The post was edited 1 time, last by Four ().

    • Four wrote:

      Die T-Shirts find ich ok, bis auf die Schleife. Die hat mich an die AIDS-Schleife erinnert und die direkt an den Spruch "Gib AIDS keine Chance". Wobei ich kurz davor hier etwas über AIDS las. Aber ich würde mich auch fragen, warum das in einer Schleife steht, außer es wäre beispielsweise eine Unendlichkeitsschleife.
      Diese Schleifen gibt es als Kennzeichen für viele Sachen. Nur die Farbe ist der Unterschied.

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