Schränkt der Autismus eure Ambitionen im Leben ein ?

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    • Schränkt der Autismus eure Ambitionen im Leben ein ?

      Meine Situation ist die vollgende:

      Ich, 22 bin seit kurzem aus dem Elternhaus ausgezogen, stehe seit einiger Zeit irendwie vor dem Nichts. Was ich damit meine, ist kein großes Ziel mehr im Leben zu haben.
      Eine Beziehung zu führen ist für mich sehr schwierig und wenn, dann nur distanziert was noch zur Folge hat, dass ich wohl nie Kinder oder mal ein Haus
      haben werde.
      Karriere zu machen z.B als Führungskraft, für so etwas bin ich auch nicht wirklich gemacht, dafür sind meine Kommunikationsschwächen zu groß und mein
      Auftritt bei Fremden zu unsicher. Dazu kommt noch, dass ich recht unflexibel bin, was Arbeit angeht und ich viele Strukturen im Beruf und im Alltag brauche (Aktuell bin ich in der Montage von Baugruppen beschäftigt, da ist Struktur aber trotzdem ist Abwechslung vorhanden).
      Ich habe Interesse bei der Bundeswehr, vor allem was Fahrzeuge auf Gleisketten betrifft, allerdings sehe hier wieder Probleme mit Kommunikationsschwäche und beim kreativen Denken, vor allem weil unter den Kameraden dort ja eher der rauere Ton herrscht.

      Meine Frage ist, ob es euch ähnlich ging, oder was sind eure Ambitionen ?
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    • Photep67 wrote:

      Meine Frage ist, ob es euch ähnlich ging, oder was sind eure Ambitionen ?
      Wenn ich ganz ehrlich bin: So richtig Ambitionen hatte ich nie. Ich habe Schule gemacht, dann Bundeswehr, dann Studium, dann den naheliegenden Job. In dem war ich nie schlecht, aber Karriere gemacht (also "Führungskraft", wie du schreibst) hab ich nie. Das hat mir nie gefehlt, ich hab mich nie danach gesehnt.

      Ich habe immer einen Schritt gemacht und dann gekuckt: Was passt jetzt am besten? Dabei hab ich instinktiv das vermieden, was mir Stress gemacht hätte.
      En perdant on y gagne quand-même / Et puis après tout, on n'as pas choisi.
    • Natürlich zählt auch Veranlagung. Ein Drachenlord wird durch niedrigen IQ wahrscheinlich auch nie in der Karriereleiter nach oben kommen.
      Wobei ich mich dabei beim IQ im Durchschnitt sehe mit Einschränkungen beim Lösungsdenken.
      Beispiel: Hier hast du ein Stück Stahl, baue daraus eine Vorrichtung, ich brauche erstmal überdurchschnittlich Lange um alle Lösungswege zu erfassen und dann zu entscheiden.
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      The post was edited 1 time, last by Photep67 ().

    • Photep67 wrote:

      Ein Drachenlord
      Wie meinst du das?


      ---------
      Ich denke, sehr viele Leute haben beruflich nicht besonders viele Ambitionen.
      Gibt es denn ein Spezialinteresse, ein Hobby, für das du "brennst"?


      Ich war ein ziemlich ehrgeiziger Mensch (in einem bestimmten Thema), war aber jetzt viele Jahre krank (oder bin es noch), und irgendwie litt da der Ehrgeiz. Vielleicht finde ich ihn wieder, vielleicht nicht, dann lebe ich eben so vor mich hin.
    • Photep67 wrote:

      Ich, 22 bin seit kurzem aus dem Elternhaus ausgezogen, stehe seit einiger Zeit irendwie vor dem Nichts. Was ich damit meine, ist kein großes Ziel mehr im Leben zu haben.
      In deinem Alter finde ich es nicht schlimm, wenn man nicht weiß, wo es langgehen soll. Das ging mir so und glaub mir, dass geht vielen so! Du bist schon mal selbstständiger als anderer, da du nicht mehr bei den Eltern wohnst. :thumbup:

      Photep67 wrote:

      , dass ich wohl nie Kinder oder mal ein Haus
      haben werde.
      Willst du Kinder oder denkst du, man bekommt halt welche?
      Braucht man ein Haus? Überleg dir mal, wie viel du da putzen musst! ;) Wobei ich zugeben muss, dass eine Eigentumswohnung fürs Alter einen gewissen Reiz hätte. Aber das halte ich aktuell noch nicht für realistisch und vielleicht auch nie.

      Photep67 wrote:

      Meine Frage ist, ob es euch ähnlich ging, oder was sind eure Ambitionen ?
      Früher wie gesagt vielleicht schon. Heute habe ich Ambitionen, aber nicht die von dir aufgeführten. Ich möchte und werde Bücher veröffentlichen - und natürlich noch weitere schreiben.
      Zudem noch bis zum Lebensende Tiere aus dem Tierschutz aufnehmen.
      Außerdem schaue ich so nebenbei danach, ob sich wieder ein (Teilzeit)Job an einer Hochschule ergibt, aber das ist nicht Priorität A.
      Eine Beziehung werde ich vielleicht (wahrscheinlich?) noch einmal führen, sicher ist es nicht, weil ich nicht sicher bin, ob es das Beste für mich ist.
      Meine Gesundheit zu verbessern, ist auch eine Ambition.

      Ich bin aber auch fast doppelt so alt wie du. ;)

      Um also deine Frage zu beantworten: Ich weiß es nicht, da ich ohne Autismus nicht ich wäre und nicht wieß, welche Ambitionen das Nicht-Ich hätte. Gewisse Dinge sind durch den Autismus tatsächlich schwieriger, andere vielleicht aber sogar einfacher.
      Würde ich Bücher schreiben, wenn ich Kinder hätte und arbeiten würde (da ich vom Hausfrau-Sein nichts halte)?
      Niemand kann alles machen, besonders Frauen nicht, da sie sich um den Nachwuchs auch kümmern müssen. Männer müssen aber dafür oft das Geld ranschaffen und müssen dann bei ihren Hobbys vielleicht zu kurz treten.
      Vielleicht musst du dir halt die für dich passenden Ambitionen suchen und die können ganz anders aussehen als bei anderen Menschen. Und viele Menschen haben keine richtigen Ambitionen, denn Ambitionen hören sich nach Eigenarbeit an,
      und nicht danach, dass man einfach die Dinge macht, weil so ein normaler Lebenslauf so aussieht.

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    • Photep67 wrote:

      Meine Frage ist, ob es euch ähnlich ging, oder was sind eure Ambitionen ?
      Ich vermute es hängt davon ab was man für Ziele im Leben verfolgt.
      Den Traum von eigenen Haus und so weiter hatte ich als Jugendlicher auch mal, aber das war lange bevor mir klar war das ich irgendwie Schwierigkeiten habe mit anderen klarzukommen.
      Familie und Kinder wollte ich damals schon nicht, aber ich wollte früher mit meinen Freunden in diesem Haus leben.
      Ich wollte damals auch Designer für Autos oder Comic-zeichner werden.
      Als ich älter wurde, merkte ich das mir die Schule immer schwerer gefallen ist, weil auch Aufgaben wie frei sprechen und Vorträge halten für mich kaum möglich waren.
      Spontan auf die Fragen der Lehrer zu antworten hat in der Grundschule schon traumatische Erlebnisse bei mir ausgelöst, weil ich oft dann genötigt wurde irgendwie zu reagieren.
      Es brauchte auch mehrere jahre und eigenen Willen zu begreifen das ich in speziellen Fördereinrichtungen immer besser klarkam als in der "normalen Welt".
      darum bin ich nach sehr vielen jahren von Scheitern und Depressionen dann wieder in psychische Behandlung und später auch in Teilhabe am Arbeitsleben gekommen, und bin jetzt in der Behindertenwerkstatt. Hier kann ich als Künstler so malen und gestalten wie es mir passt.
      Das konnte ich vorher zuhause auch, habe aber nicht selbst geschafft genug Geld zu verdienen damit.
      Ich habe vorher auch versucht in verschiedenen Jobs fuß zu fassen, aber Abweichungen in Routinen und Plänen die vorher gemacht wurden, haben mir oft geschadet und mich manchmal durchdrehen lassen, was andere verstört hat.
      Außerdem haben mich andere auf der Arbeit oft nicht verstanden und fanden mich seltsam.
      In der Werkstatt bin ich nur einer von vielen die Defizite haben oder seltsam sind und werde von den anderen akzeptiert und bei vielen auch geschätzt. Das ist mir sehr viel mehr wert als in einer Firma der Boss zu werden der am meisten Geld scheffelt. Ich bin in meiner Gruppe wo ich arbeite auch schon sowas wie ein Anführer, weil mich die Leute für meinen Charakter und meine Fähigkeiten schätzen.
    • Ambitionen hatte ich schon einige, wobei viele auch unrealistisch waren, wie sich herausstellte. Reich und berühmt bin ich nicht geworden und das ist schon ok. :roll:
      Im Moment sind meine Ambitionen:

      zufriedener werden
      mit meinen Ängsten besser umgehen können
      eine geeignete Wohnung finden
      meine Freundschaften erhalten
      vielleicht eine Beziehung eingehen (die mal länger hält)
      eine Familie gründen
      mehr Dinge tun, die mir gut tun
      mittelfristig ein Wohnprojekt umsetzen
      meinen aktuellen Job halten
      mein Master-Studium abschließen

      Manches davon ist vielleicht realistischer als anderes.
      Ich brauche Ziele, um mein Leben als sinnvoll zu empfinden. Ohne ein Ziel fühle ich mich leer und elend.
      Pronomen: "er" oder nur Name statt Pronomen
    • Photep67 wrote:


      Meine Frage ist, ob es euch ähnlich ging, oder was sind eure Ambitionen ?
      Mir geht es genauso. Ich würde gerne mehr machen, mehr Verantwortung in meinem Bereich übernehmen, für den ich brenne, damit ich mehr bewegen/erreichen kann. Aber mir wird mit den Jahren immer mehr bewusst, dass ich das rein vom kommunikativen nicht kann, mich dafür nicht eigne und es auch nie so werde lernen können (was vorher meine Annahme war, im Sinne von "ich bin nicht normal, aber wenn ich hart dafür arbeite, dann werde ich das und dann kann ich das genauso wie die anderen"). Das ist verdammt frustrierend, da geht es gar nicht ums Geld.
    • Ich kann dich insofern beruhigen, dass mir schon mit 22 bewusst war, dass ich so "normale" Dinge wie Karriere oder Familie aufgrund meiner Einschränkungen kaum erreichen werde, oder wenn dann mit so viel Anstrengung, dass der Preis wohl zu hoch wäre. Mein Ziel war es schon ab der Schule, sogar ab Mittelstufe glaube ich, die alltäglichen Anforderungen zu "überstehen", ich hatte also schon lange eher "vermeidende" (was will ich versuchen zu verhindern) als "annähernde" Ziele (was will ich erreichen).
      Allerdings habe ich auch als Kinde/Jugendliche nie gedacht, dass ich mal ein Haus oder tolles Auto will. Ich habe als Kind echt komischerweise keine Ahnung gehabt, ich dachte, wenn man erwachsen ist hat man halt irgendeinen Job und heiratet irgendwen, ich dachte überhaupt nicht darüber nach welcher Job und was man dafür als Ausbilfung/Studium bräuchte. In der Grundschule dachte ich komischerweie echt, ich werde bestimmt mal berühmt, mit Geschichten schreiben oder malen, dabei wollte ich gar nicht berühmt sein und hoffte, dass es nicht wahr wird :m(:

      Also bei allen Dingen nach der Schule wie Praktika, Ausbildung, Studium etc. dachte ich immer: Bloß überstehen! Die Haltung war teilweise aber gar nicht so uneffektiv, da sie mich glaube ich auch vor Abbrüchen bewahrt hat. Da ich aus irgendeinem Grund denke, dass ich zum Aufgeben neige (halt wegen meinen Defiziten und einhergehenden Ängsten) sage ich mir immer: Bloß nichts abbrechen/aufgeben, was dann dazu führt, dass ich auch Dinge durchziehe, wo andere jetzt vielleicht in der Situation ein Abbrechen sinnvoller fänden.

      Also ich weiß nicht, ob ich überhaupt Ziele habe. Ich habe vor, mein Studium abzuschließen, aber das ist ja jetzt kein Lebensziel an sich. Bzgl. Arbeit / Karriere wäre mein Ziel, wenn man es so nennen kann, dass ich einen Job bekomme, den ich aushalte und den ich halten kann, und wo ivh so viel verdiene, dass man nicht zusätzlich noch Unterstützung braucht, und dass ich vielleicht ab und zu mal was schönes zum Anziehen kaufen oder mal in Urlaub kann, oder für Notzeiten einbisschen was ansparen kann.
      Ansonsten ist mir v.a. wichtig, meinen Hobbies nachzugehen, keinen Stress zu haben und schön entspannen zu können und dadurch weiterhin gut drauf zu sein und das Leben zu genießen :)
    • Großartige Ambitionen hatte ich eigentlich nie. Auch Wettkämpfe habe ich immer eher versucht zu vermeiden, ich mag mich nicht gern mit anderen Leuten messen. Die Karriereleiter hochzusteigen war ebenfalls nie mein Ziel, auch weil mir recht früh klar war, dass ich dafür nicht geeignet bin (keine Führungspersönlichkeit). Mir hat da auch nie was gefehlt und ich habe niemanden darum beneidet, der es höher hinaus geschafft hat. Ich war zufrieden, wenn ich in Ruhe vor mich hin arbeiten oder leben konnte und so wenig Stress oder Probleme hatte wie möglich. Genauso wenig war und bin ich bestrebt, ein eigenes Haus zu haben.

      Ich glaube, die Dinge, die ich geschafft habe, wie Abitur, Berufsausbildung usw., basierten vielleicht eher auf Pflichtgefühl oder einfach dem Wunsch nach normalem Verhalten/Leben. Und manches hat sich einfach ergeben. Hatte einen Freund, wir haben geheiratet und Kinder bekommen, aber ich kann nicht sagen, dass das immer schon ein angestrebtes Ziel war.

      Ob das Ganze allerdings konkret was mit Autismus zu tun hatte, weiß ich nicht. Ist vielleicht auch einfach nur eine Persönlichkeitseigenschaft.
      - Allein unter Menschen -