Glücklich und zufrieden trotz sozialer Isolation möglich?

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    • Glücklich und zufrieden trotz sozialer Isolation möglich?

      Hi,

      man sagt ja, der Mensch ist ein soziales Lebewesen und braucht Kontakte. Was aber, wenn es diese nicht gibt? Kann man trotzdem einigermaßen glücklich und zufrieden sein?
      Ich denke manchmal daran, wie es sein wird, wenn meine Eltern tot sind und meine Brüder ihre eigenen Familien haben ... ob ich mich nicht total verloren fühlen werde, weil
      ich niemanden habe? Also, ein paar Bekannte schon und ab und an gehe ich auch mal zu Spieletreffs oder so, wo ich halt auch unter Leuten bin, doch das ist nicht das Gleiche.
      Es ist ja nicht persönlich.
      Es gibt auch ohne soziale Kontakte Dinge, die mir riesig Spaß machen, zB meine Tiere, Tieren zu helfen, zu schreiben und zu lesen ...
      Aber wenn ich nicht mal meine Eltern habe, wird die Einsamkeit bestimmt extrem sein. Man ist ja als Mensch eigentlich nicht dazu gemacht.

      In einer Woche habe ich einen Termin in einer psychologischen Beratungsstelle, das ist keine Therapie, sondern einfach eine Beratung bei Schwierigkeiten und dort werde
      ich darüber sprechen. Doch denke ich nicht, dass mir das viel hilft. Bisher haben mir Therapien in diesem Aspekt auch nichts gebracht. Vielleicht, weil es ein Problem ist, mit dem
      Therapeuten eher selten konfrontiert sind? Die meisten Menschen haben ja irgendwen.

      Früher hatte ich auch meistens eine gute Freundschaft. Aber die letzte konnte ich leider nicht weiterführen, weil die Beziehung nach und nach belastender wurde
      (womöglich ist er narzisstisch).

      Neue Leute kennenzulernen ist auch schwierig, weil man sich meistens zum Essen trifft und ich habe eine Lebensmittelallergie und kann im Restaurant kaum etwas essen wegen
      den Zusätzen und so. Da fallen die meisten Gelegenheiten schon raus. Außerdem ist es ab einem bestimmten Alter eh schwierig, Freundschaften zu knüpfen.

      Habt ihr auch solche Gedanken oder geht es hier niemandem so ähnlich?
    • Hey,

      meine Mutter und mein Bruder sind bereits tot und der Rest meiner Familie wohnt auch weiter entfernt. Ich habe zum Glück ein paar Freunde und auch zwei sehr sehr gute darunter. Diese sind jedoch 15 und 20 Jahre älter als ich und die meisten anderen wohnen weiter von mir weg. Deshalb mache ich mir auch hin und wieder sorgen darüber, ob ich später einmal ganz alleine sein werde.

      Ich habe auch Interessen, denen ich gern allein nachgehe und ich bin auch gerne alleine. Ungewollt allein zu sein, würde ich jedoch als Einsamkeit betrachten und einsam möchte ich nicht werden.

      Zwar möchte ich gern irgendwann mal Katzen haben, aber einen menschlichen Freund können sie auch nicht ersetzen. Wenn alle Stricke reißen (RW) dann hoffe ich zumindest noch Kontakte über das Forum finden/halten zu können.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • @Fidoline Ich habe auch diese Angst, und ich kann es mir nicht vorstellen, "glücklich und zufrieden" sein zu können, wenn niemand mehr da ist, mit dem ich einander nahe stehe. Allerdings ist glücklich und zufrieden sein eh etwas, dass ich nicht dauerhaft erlebe. Ich neige zur Melancholie. Deshalb wäre auch in dem Szenario, um das es geht, ein dauerhaftes glücklich und zufrieden sein wohl bei mir nicht drin.

      Hingegen ein Mensch mit eher optimistischem und lebensfrohem Naturell passt sich wahrscheinlich leichter an und gewöhnt sich dann an dieses Allein-Stehen in der Welt.
    • Für mich impliziert der Begriff soziale Isolation einen Zustand, den man selbst nicht für sich möchte und was einem nicht gut tut. Ich würde es auch als Einsamkeit bezeichnen. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob man dann tatsächlich glücklich werden kann? Das ist mein spontanter Gedanke dazu, damit will ich dir keine Angst machen. Ich kenne dich und dein Bedürfnis nach Allein sein und deine Gestaltung der Kontakte ja nicht.
      Aber ich glaube, wenn man wirklich vom Zustand des Allein-seins in den der Einsamkeit gerät, wird es schwierig.

      Warum sollten deine Brüder dich ausschließen, weil sie eigene Familien gründen?

      Auch wenn du bei deiner bisherigen Therapie da noch nicht weitergekommen zu sein scheinst, glaube ich schon, dass das Thema Einsamkeit in nicht wenigen Therapien Thema ist. Denn man kann auch unter Menschen einsam sein.

      Suchst du denn eigentlich nach Freunden oder nach einer Beziehung? Du schreibst du hast Bekannte und gehst ab und zu auf Spieletreffs. Aber das scheint für dein Anliegen nicht ausreichend zu sein, wenn ich das richtig verstehe? Und kennenlernen ist für dich schwierig, weil man essen geht. Das klingt für mich, als suchst du eher nach einem Partner?
    • regenbogenschwarz wrote:

      Für mich impliziert der Begriff soziale Isolation einen Zustand, den man selbst nicht für sich möchte und was einem nicht gut tut.
      Das ist aber dann deine Interpretation, wie du ja auch schreibst. An sich sagt die Formulierung nichts dergleichen aus. Isolation kann selbstgewählt sein oder unfreiwillig.

      Ich denke auch, dass Einsamkeit ein großes Thema in Therapien ist, sie gilt doch heutzutage als Volkskrankheit Nummer eins oder so.

      @Fidoline Wenn du jemanden kennenlernst, der mit dir essen gehen will, dann wird dieselbe Person bestimmt auch bereit sein, etwas anderes mit dir zu unternehmen als Essen gehen - man kann ja auch Kaffee oder Tee trinken gehen. Also daran sollte es nicht scheitern.

      Zur sozialen Isolation, in der man zufrieden sein könnte, möchte ich noch sagen, ich denke, das funktioniert eher, wenn man wirklich isoliert leben kann, also ohne anderen Menschen überhaupt zu begegnen, denn ansonsten wird man immer wieder mit dem konfrontiert, wie es eigentlich sein sollte und fühlt sich durch diesen Kontrast immer wieder einsam.

      The post was edited 2 times, last by Lefty ().

    • regenbogenschwarz wrote:

      Warum sollten deine Brüder dich ausschließen, weil sie eigene Familien gründen?
      Ich wäre dann halt das fünte Rad am Wagen. Zudem haben die meisten Menschen, die (arbeiten) und Familie haben, kaum Zeit für andere Kontakte.

      regenbogenschwarz wrote:

      Denn man kann auch unter Menschen einsam sein.
      Wobei ich finde, dass es nicht das Gleiche ist. Also, ob ich mich einsam fühle oder keine Kontakte habe.

      regenbogenschwarz wrote:

      Suchst du denn eigentlich nach Freunden oder nach einer Beziehung? Du schreibst du hast Bekannte und gehst ab und zu auf Spieletreffs. Aber das scheint für dein Anliegen nicht ausreichend zu sein, wenn ich das richtig verstehe? Und kennenlernen ist für dich schwierig, weil man essen geht. Das klingt für mich, als suchst du eher nach einem Partner?
      Wie kann man nach Freunden suchen? Das entwickelt sich doch zufällig. Bei den Spieletreffs ist es halt nicht wie mit einer Freundschaft.
      Eine Partnerschaft stelle ich mir eher schwierig vor. Weil ich halt doch viel Zeit für mich brauche. (Das kann auch für eine Freundschaft schwierig sein). Und weil ich sehr speziell bin.
      Manchmal sehne ich mich schon nach einem, aber wie gesagt, ich halte es nicht für realistisch, dass das funktioniert und ich "genüge".

      Lefty wrote:

      Isolation kann selbstgewählt sein oder unfreiwillig.
      Das sehe ich auch so. Eigentlich ist soziale Isolation erst mal neutral, nämlich = Abwesenheit von Kontakten. Die meisten Menschen leiden halt darunter - vielleicht auch alle mehr oder weniger?
      Ich würde sagen, dass ich mich verglichen mit früher weniger einsam fühle, obwohl ich wie gesagt so gut wie nie jemanden privat treffe (außer der Kernfamilie). Aber vielleicht habe ich mich einfach dran gewöhnt und da es mir allgemein besser geht, akzeptiere
      ich den Zustand halt meistens.

      Kayt wrote:

      Ich habe zum Glück ein paar Freunde und auch zwei sehr sehr gute darunter.
      Kann es aber sein, dass man, wenn man mehrere Freundschaften pflegt, sich eher sagen kann, dass man später ja wieder welche kennenlernen kann? Dass man zumindest ein bisschen weiß, wie das mit den Kontakten funktioniert?
      Wenn man damit eher starke Probleme hat, ist das ja nichts, was man einfach so ablegen kann.

      Lefty wrote:

      @Fidoline Wenn du jemanden kennenlernst, der mit dir essen gehen will, dann wird dieselbe Person bestimmt auch bereit sein, etwas anderes mit dir zu unternehmen als Essen gehen - man kann ja auch Kaffee oder Tee trinken gehen. Also daran sollte es nicht scheitern.
      Ich meinte nicht eine einzelne Person, sondern dass es oft Treffen gibt, wo man andere kennenlernen könnte, die aber in Restaurants stattfinden und wo jeder auch was isst (z.B. alle Autismustreffen in der Nähe, die Treffen von Mensa eV, wo ich Mitglied bin ...).
    • Glücklich und zufrieden trotz sozialer Isolation möglich?

      Ich würde sagen Ja und Nein.

      JA, wenn ich das so möchte, weil ich mich dazu entschieden habe und es mir dann besser geht.

      Nein, wenn ich in diese Isolation gezwungen werde. ( Ausgrenzung ) wie z.B. G2 Regeln
      "Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit" (Erich Kästner)

      The post was edited 2 times, last by Asmus ().

    • Fidoline wrote:

      Kann es aber sein, dass man, wenn man mehrere Freundschaften pflegt, sich eher sagen kann, dass man später ja wieder welche kennenlernen kann? Dass man zumindest ein bisschen weiß, wie das mit den Kontakten funktioniert?
      Wenn man damit eher starke Probleme hat, ist das ja nichts, was man einfach so ablegen kann.
      Das weiß ich nicht genau. Das kann bestimmt so sein, für mich ist es aber eher nicht so. Es waren schon eher "glückliche Zufälle" und vor allem meine zwei besten Freunde sind für mich auch schon "sehr besonders", da ich mich so gut mit ihnen verstehe, bzw sie auch mich so gut verstehen können. Der eine ist ein Psychologe und der andere steht selbst mit mindestens einem Fuß im Spektrum. Diese Freunde sind auch beide kinderlos.

      Aus einer Kollegin meiner letzten Arbeitsstelle wurde auch eine Freundin. Mit ihr habe ich auch drei Jahre intensiver zusammengearbeitet und sie hat durch ihre eigene Hypersensibilität viel Verständnis und braucht selbst viel Ruhe. Diese Freundin ist noch kinderlos, weil sber vielleicht mit ihrem Partner wegziehen und eine Familie gründen.

      Sonst habe ich noch eine Grundschulfreundin mit Familie, die ich alle zwei Jahre mal sehe und eine Freundin aus der Oberstufe, die ich ungefähr genauso oft sehe. (Das sind meine beiden Freundschaften, die die Schulzeit überdauert haben).

      In der Uni hatte ich einen guten Freund, aber den habe ich vor etwa sieben bis acht Jahren zuletzt persönlich gesehen.

      Die anderen Kontakte, die ich manchmal habe, haben sich entweder durch die bestehenden Freundschaften (also Freunde von Freunden) oder durchs Internet ergeben, wobei ich die Personen auch nur ein- oder zweimal jährlich sehe.

      Insgesamt finde ich es schon schwierig, dauerhafte und gute Freundschaften aufzubauen, allein schon, weil ich mit den meisten Menschen nicht auf einer tieferen Ebene kompatibel bin. Dazu kommt noch, dass ich mich meistens mit (zum Teil wesentlich) älteren Menschen besser verstehe, was das Problem mit Freundschaften im Alter nicht löst. Dennoch hoffe ich, in den nächsten 10 oder 20 Jahren schon noch ein oder zwei neue Freundschaften schließen zu können, denn ich finde es zwar schwierig, aber nicht unmöglich und gerade das Internet finde ich da grundsätzlich sehr gut geeignet, um überhaupt in Kontakt zu anderen zu kommen.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Tut mir leid, ich bin gerade etwas überfordert mit dem Einfügen einzelnder Zitate.

      @Lefty: Ja, meine Interpretation des Begriffs und die, die ich in all den therapeutischen Umgebungen kennengelernt habe, in irgendeiner Weise. Aber du hast Recht, es ist erst einmal ein neutraler Begriff. Und es gibt sicher auch Menschen, die das bewusst tun. Ich persönlich habe in den Psychiatrien sehr viele Menschen getroffen, die sich das nicht ausgesucht haben. Daher vielleicht auch meine Färbung des Begriffs.

      @Fidoline:
      Ich meinte mit "Man kann unter Menschen auch einsam sein", dass nur weil man jemanden hat das nicht gleichbedeutend damit ist, dass man sich wohl fühlt, auch wenn es nach außen hin vielleicht erst einmal so aussieht. Natürlich besteht ein Unterschied zwischen einsam und keine Kontakte. Da hat auch jeder ein anderes Bedürfnis. Es gibt Menschen, die würden sich mit meiner Kontaktgestaltung vermutlich einsam fühlen. Ich nicht. Aber umgeben von Menschen zu sein (Kontakte haben) bedeutet nicht im Umkehrschluss nicht einsam zu sein. Manches ist auch Gewohnheit.

      Freunde suchen: Du schreibst davon, dass dir im Alter was fehlen könnte (für mich klingt das nach "ich suche nach etwas, dass die Lücke füllen kann") und in deiner Antwort schreibst du selbst "sehnst". Für mich ist da nicht viel Unterschied. Schreib dem Wort nicht zu viel Aktivität zu, ich bin ganz bei dir, dass sich sowas entwickelt. Aber irgendwie muss man irgendwo anfangen. Aber wie man das anstellt, weiß ich auch nicht.

      Freundschaften und späteres neues kennenlernen von Menschen: Für mich kann ich sagen ... ich weiß es nicht. Meine beste Freundin habe ich in der 6. Klasse kennengelernt. Wie, weiß ich nicht mehr. Den anderen Freund habe ich in der Psychiatrie kennen gelernt (auch nicht unbedingt der beste Ort zum Freunde suchen oder ein Ort, wo ich unbedingt hingehen möchte :d ). Ich weiß also nicht, wie es um meine eigenen Fähigkeiten bestellt ist, später neue Freundschaften zu knüpfen.
      Ich habe schon Bekannte, die ich im Rahmen der Freizeitaktivitäten treffe, aber darüber hinaus privat noch nie getroffen habe. Ich selbst habe dahingehend noch nie etwas initiiert, wurde aber von den anderen auch noch nie gefragt.
    • Fidoline wrote:

      Kann es aber sein, dass man, wenn man mehrere Freundschaften pflegt,
      sich eher sagen kann, dass man später ja wieder welche kennenlernen kann? Dass man zumindest ein bisschen weiß, wie das mit den Kontakten funktioniert?
      Nicht zwingend. Über die paar Freunde, die ich seit Jahren habe bin ich sehr froh und ich wüsste nicht wie ich noch mal solche Menschen finden sollte. Die stammen ja auch noch aus meiner Schulzeit (auch wenn ich mit denen nicht in einer Klasse war und nur mit einem auch auf der gleichen Schule). Es muss ja dann auch die Möglichkeiten geben, Leute zu finden und in der Jugend lernt man wohl noch mehr Leute kennen wenn man nicht gerade einen Job hat bei dem man viele Leute kennenlernt.


      Lefty wrote:


      Hingegen ein Mensch mit eher optimistischem und lebensfrohem Naturell passt sich wahrscheinlich leichter an und gewöhnt sich dann an dieses Allein-Stehen in der Welt.
      Ja, oder es sind Menschen, die an sich schon sehr kommunikativ sind - die lernen leichter andere Menschen kennen. Es gibt auch Menschen, die wenn sie in eine neue Stadt ziehen und Familie und Freunde hinter sich lassen schnell wieder neue Menschen finden. Ich wäre wahrscheinlich total verloren bei einem Umzug und hätte überhaupt keinen Halt mehr wenn ich irgendwo bin und es gibt niemanden, den ich treffen kann und was unternehmen und der ein offenes Ohr für mich hätte.
    • Interessant, darüber habe ich auch schon öfters nachgedacht. Bis jetzt und in der Gegenwart bin ich gern allein und fühle mich nicht einsam, aber ich habe mich schon gefragt, ob ich mich später, wenn meine Eltern mal sterben, mal einsam und damit dann eben doch negativ fühlen werde.

      Da ich darüber aber schon länger nachdenke, in der Gegenwart aber eben keine Probleme mit dem Alleinsein habe, eher im Gegenteil, habe ich für mich beschlossen, dass es nun mal so ist bzw. ich nun mal so bin, und mich jetzt nicht gegen meinen Willen dazu zwingen werde, mehr Kontakte zu pflegen, nur, weil ich vielleicht in x Jahren mal Probleme kriegen könnte. Denn dann hätte ich die Probleme ja stattdessen jetzt - es sei denn, Kontakte ohne Stress wären möglich, aber das das eben nicht möglich ist, ist ja nun mal eben ein Teil von dem, was wahrscheinlich Autismus eben ausmacht.

      Zu Geschwistern kann ich sagen: Die haben bei mir schon Familie, ausgegrenzt oder wenig eingeladen werde ich von ihnen zwar nicht, aber ich finde es viel anstrengender, mich jedes Mal eben mit ihrer ganzen oder halben Familie treffen zu müssen als nur mit ihnen allein. Was dazu führt, dass ich von mir aus eher weniger mit ihnen zu tun habe als früher, aber sie schließen mich wie gesagt nicht aus.

      Ich habe übrigens auch schon mit einer Beratung und einer Therapeutin u.a. darüber geredet. Sie versuchten mir Tipps zu geben, aber es kam bei mir so rüber, als würden sie nicht verstehen, dass ich wirklich gern lieber allein verreise als zu zweit / mit Gruppen, oder dass ich wirklich kein Interesse an der Party am Wochenende hatte. Es hieß dann "Aber Partys können doch interessant sein / zu zweit reisen ist doch schön! Immer allein sein wollen gibts eigentlich gar nicht, oder höchstens ganz selten."
      In der Zeit dieser Therapie habe ich mich übrigens noch weniger gern und seltener mit Bekannten getroffen als sonst...

      Durch ein Hobby / Verein lockere Kontakte zu anderen mit gleichen Interessen zu haben, ist glaube ich ein guter Mittelweg. Man muss nur schauen, wie man es richtig dosiert, also je nach Verein wollen ja manche ihre halbe Freizeit plus privaten Tratsch dort einbringen. Wenn man echte Freundschaften sucht, ist das ja sogar gut. Wenn man da aber nicht mitmachen will, wirkt man schnell wieder eigenbrötlerisch oder arrogant, aber es gibt auch coole Hobbys/Vereine.
    • Ich habe das Thema heute erst mit meiner neuen Therapeutin besprochen.
      Einsamkeit ist bei mir auch ganz groß und momentan eigentlich das größte Thema obwohl ich sogar recht viele Freunde habe (auch enge, im lockdown habe ich jeden Tag jemanden getroffen und mich trotzdem einsam gefühlt weil ich eben alleine wohne und ich dann wieder in die leere Wohnung zurück musste oder derjenige nach Hause ist wenn er bei mir war ). Aber es ist tatsächlich so dass im Erwachsenenalter Freunde eben nicht reichen (weil niemand regelmäßig Zeit hat), weil der soziale Alltag in Partnerschaft und Familie gelebt wird.
      Also braucht man für engen regelmäßigen sozialen Kontakt entweder eine emotional enge WG oder einen Partner.
      Una est catena quae nos alligatos tenet, amor vitae
    • Zebra wrote:

      Also braucht man für engen regelmäßigen sozialen Kontakt entweder eine emotional enge WG oder einen Partner.
      WG wäre für mich grauenvoll und eine Partnerschaft ist halt in der Regel zu eng. Ich muss auch nicht ständig jemanden sehen. Aber zwischen ständig und nie ist halt noch viel Platz.

      Am besten wäre es eigentlich, wenn ich vor meinen Eltern sterben würde ... aber das passiert nicht so oft.
    • Fidoline wrote:

      Am besten wäre es eigentlich, wenn ich vor meinen Eltern sterben würde ... aber das passiert nicht so oft.
      Was für deine Eltern sicherlich sehr schrecklich wäre. Meine Oma ist über den Tod meiner Mutter bisher nicht hinweggekommen und ich weiß nicht, ob mein Vater den Tod meines Bruders überwunden hat.

      Hattest du eigentlich mal versucht, über OkC Menschen für Freundschaften zu finden? Diese Option bietet die Seite ja auch.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • @Fidoline
      Ich hatte nie viele Kontakte, gerade mal zwei Freundinnen, aber das war irgendwann alles weggebrochen. Meinen Job hatte ich auch verloren und so bin ich in eine totale, soziale Isolation geraten. So habe ich fast vier Jahre verbracht und obwohl ich sehr gut lange alleine sein kann, tat mir diese Isolation nicht gut. Ich habe dann begonnen zu Aspietreffen zu gehen und auch wenn dadurch noch keine engen Freundschaften entstanden sind, so geht es mir damit schon ein bisschen besser. Ich brauche nicht viele Menschen um zufrieden zu sein, aber ganz ohne andere Personen geht es nicht ohne depressiv zu werden.

      Zum Essengehen fällt mir nich ein, dass du das Restaurant auch fragen könntest, ob du dein eigenes Essen mitbringen darfst, aufgrund deiner Allergien und du dich nicht ausgeschlossen fühlen möchtest. Habe in einem anderen Zusammenhang schon mal gesehen, dass das akzeptiert wurde.
      Glaub nicht alles, was du denkst.
    • Ich denke durchaus, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. wir haben einfach zu viele soziale Bedürfnisse. Ich kann sehr glücklich sein in sozialer isolation. Ich kann Wochen oder Monate verbringen, ohne mit Freunden oder Familie zu reden. Mein Sozialbedürfniss ist viel geringer als dass anderer Menschen. Trotzdem ist es aber vorhanden, und irgendwann steigt auch mein soziales Bedürfniss auf ein Niveau, wo es mich bedrückt.

      Ich kenne aber Menschen, die müssen jeden Tag mit jemanden reden, oder wenigstens einmal die Woche etwas mit Freunden machen. Das wäre mir zu viel. Aber einmal im Monat habe ich auch das Bedürfnis, mit Freunden etwas zu machen. Oder wenigstens online mit anderen zu reden (wie hier zum beispiel) oder online mit anderen zu spielen.
    • Wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke, dann hatte ich kaum soziale Kontakte, die über aneinander vorbeigehen oder das gezwungene Zusammensein in der Schule hinausgingen - außer, wenn ich gemobbt wurde. In dieser Zeit konnten mir die anderen Kinder geschlossen gestohlen bleiben (RW), weil ich durchweg negative Erfahrungen mit ihnen machte.

      Das änderte sich erst in der Mittel- und Oberstufe, als die Leistungsanforderungen härter wurden und einige der "Macker" früher als ich nicht mehr mithalten konnten. Erst als ich dann langsam einen kleinen Bekanntenkreis aufbaute, in dem ich auch halbwegs akzeptiert war, begann ich auch nach und nach, soziale Kontakte zu vermissen - vorher hatte ich keinen Begriff davon, was das überhaupt ist.

      Fidoline wrote:

      der Mensch ist ein soziales Lebewesen und braucht Kontakte. Was aber, wenn es diese nicht gibt? Kann man trotzdem einigermaßen glücklich und zufrieden sein
      Ich vermute, wer andere Menschen als prinzipiell bedrohlich einstuft, kann mit einer dauerhaften sozialen Isolation subjektiv "einigermaßen glücklich und zufrieden sein", weil sie ihn entlastet. Es fehlt dann aber ein Stück des Lebenerfahrens, das man unter anderen Umständen hätte.

      @Fidoline: Aus Deinem Eingangsbeitrag lese ich, daß Du mit Deinen Eltern ein gutes Einvernehmen hast und vermutlich auch früher hattest. Das ist wahrscheinlich schon "ein Schatz, von dem man ein Leben lang zehrt", bildlich gesprochen. Menschen, die auch diese Kontakte nie bekommen haben, werden vermutlich eher selten "einigermaßen glücklich und zufrieden sein". In dem Buch "Frühe Mutterentbehrung bei Mensch und Tier" von Emil Schmalohr wird das Verhalten von Heimkindern der Nachkriegszeit beschrieben, die von den Pflegerinnen quasi wie Sachen abgefertigt wurden. Etliche dieser Kinder saßen schließlich nur noch apathisch herum. Als Erwachsene wurden sie als auffällig gewalttätig und haßerfüllt beschrieben.
    • Das mit den fehlenden sozialen/persönlichen Kontakten, außerhalb der Familie, ist bei mir schon seit vielen Jahren so. Zu Teilen meiner Familie besteht kein Kontakt und zum anderen nur sporadisch. Lediglich mit meiner Mutter habe ich regelmäßig einen persönlichen/sozialen Kontakt im Reallife. Aber da spreche ich ja nicht über alles mögliche. Eigentlich habe ich mich ganz gut in meinem Alleinesein eingerichtet gehabt, d.h. ich komme mit mir selbst ganz gut zurecht. Es gibt natürlich Situationen wo ich den persönlichen Kontakt zu anderen doch vermisse und seitdem ich mich damit beschäftige wie der letzte Rest meines Lebens so ablaufen wird, kommt dann doch mehr und mehr die Einsamkeit durch. Das du ( @Fidoline) in eine Beratungsstelle gehst finde ich eine interessante Idee. Ich persönlich kann mir da aber keine Hilfestellung vorstellen, da die Menschen ja dort wahrscheinlich nicht im Spektrum sind und mit dem Widerspruch zwischen gerne allein und ungern einsam nicht kennen oder schwer nachvollziehen können. Für mich ist das gerade ein Prozess an dem ich schon seit über einem Jahr arbeite und ehrlich gesagt, habe ich noch keine großen Fortschritte gemacht. Wahrscheinlich, läuft es bei mir darauf hinaus, dass ich die emotionale Ebene irgendwie ausklammern muss. Ich weiß ja logisch, dass ich in großen Menschengruppen/Freundeskreise zuviel sozialen Stress habe und es mich überlastet. Keine Ahnung, aber wenn man etwas macht, was einem immer wehtut, dann wird auch ein NT damit aufhören. Bei denen sind es aber zumeist körperliche Schmerzen. Nur das es bei mir keine körperlichen Schmerzen sind, sondern mentale. Das ist ist so meine Art und wie ich mit dem Thema gerade beschäftigt bin. Würde mich echt interessieren was dir die Beratungshilfe für Vorschläge macht.
    • Kayt wrote:

      Was für deine Eltern sicherlich sehr schrecklich wäre
      Ja, aber andersherum halt auch, auch wenn es als natürlich angesehen wird.

      kim wrote:

      Zum Essengehen fällt mir nich ein, dass du das Restaurant auch fragen könntest, ob du dein eigenes Essen mitbringen darfst, aufgrund deiner Allergien und du dich nicht ausgeschlossen fühlen möchtest. Habe in einem anderen Zusammenhang schon mal gesehen, dass das akzeptiert wurde.
      Das möchte ich nicht. Vielleicht bin ich da komisch, aber ich muss Leute schon besser kennen, um mit ihnen darüber zu reden. Für viele wäre das nichts Privates, aber alles, was irgendwie mit Krankheit zu tun hat, ist für mich voll privat.
      Hinzu kommt, dass ich auch vegan lebe. Da wundern sich die Leute, was man noch isst und man muss lauter blöde Fragen beantworten.

      platzhalter wrote:

      da die Menschen ja dort wahrscheinlich nicht im Spektrum sind und mit dem Widerspruch zwischen gerne allein und ungern einsam nicht kennen oder schwer nachvollziehen können
      Im Spektrum ist die Frau bestimmt nicht, aber mal sehen, wie es wird. Wie gesagt, bisher habe ich diesbezüglich noch keine Hilfe von irgendjemandem bekommen. Ich glaube, das größte Problem ist für mich auch gar nicht, keine Menschen kennenlernen zu können
      (wobei es sich oft bei Männern leichter ergibt als bei Frauen).
      Doch wie du sagst: Es ist so ein Widerspruch: Einerseits möchte ich Kontakte, andererseits bin ich so oft mit Kontakten überfordert und brauche dann doch Zeit für mich und weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht.
    • Fidoline wrote:

      Es ist so ein Widerspruch: Einerseits möchte ich Kontakte, andererseits bin ich so oft mit Kontakten überfordert und brauche dann doch Zeit für mich und weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht.
      Stimmt, dazu kommt ja auch noch, dass es schwer fällt Kontakte zu halten. Oft gehen diese verloren, weil ich nicht die Erwartungen von anderen an die Kommunikation, in Qualität und Quantität, entspreche, weil es oft Missverständnisse gibt und weil ich es nicht auf die Reihe bekomme mich auf andere Leute oberflächlich einzulassen. Ich merke auch manchmal nicht, dass ich mich schon Wochen bei anderen Menschen gemeldet habe oder habe andere Sachen im Kopf habe und dann wenn ich dann versuche den. Kontakt aufzubauen, dann ist das meistens nicht erwünscht.