Angst vor der eigenen Courage

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Angst vor der eigenen Courage

      Manchmal entdeckte ich in mir den Mechanismus, dass sich in wenigen Sekunden mein Geist von "Oh ja, toll" zu "Nein, lieber doch nicht" umstellt. Ich frage mich deshalb, ob ich nicht Angst vor der eigenen Courage habe. Manchmal stellt sich heraus, dass das Abwägen länger dauert als die eigentlich geplante Tat. Für die Berufswelt wollte ich beispielsweise Stärken aufgrund des Autismus' zusammentragen. In dem Fall hatte ich den inneren Kritiker überstimmen können und es stellte sich heraus, dass die entstandene Mindmap in weniger als 5 Minuten fertig war.

      Ein Spezialfall von "Angst vor der eigenen Courage" sehe ich in sozialen Situationen. Vor einigen Wochen war ich beispielsweise in der Schlange vor einer Apotheke gestanden. Vor mir waren 2 Personen, die zum Corona-Test wollten. Ich wusste genau, dass sie dafür auf die Rückseite des Gebäudes müssten, also aktuell in der falschen Schlange anstanden, nur reichte der anfängliche Mut nicht bis zum Aussprechen des Gedankens.

      Kennt ihr solche Situationen? Wie könnte man sozusagen Training im Kopf betreiben, um sich mehr zuzutrauen?

      The post was edited 1 time, last by Gerit ().

    • Ich bin nicht sicher, ob ich dich verstehe... inwiefern hast du Angst vor deiner Courage? Für mich klingt es so, als würdest du in bestimmten Situationen gern auf eine bestimmte Art handeln, traust es dir aber nicht zu. Ist das richtig?
      Falls es das ist, was du meinst; ja das kenn ich auch. Bei einigen Sachen hat mir widerholte Konfrontation mit Situationen dieser Art geholfen. Das war anfangs sehr schwierig und teils beängstigend, hat aber auf Dauer dazu geführt, dass ich mir mehr zutraue. Wobei der Erfolg nicht immer konstant ist. Bei manchen Situationen/Handlungen bekomme ich manchmal doch wieder Angst/werde nervös, obwohl es vorher schon öfter gut funktioniert hat. Aber "dran bleiben" hilft mir allemal. (Nicht bei allen Sachen, manches schaffe ich vielleicht nie.)
      Beispiele für solche erfolgreich trainierten Situationen sind:

      -Vor Menschen reden
      -Leuten sagen, wenn ich ihr Verhalten nicht OK finde
      -"Hinter" den Ergebnissen meiner Arbeit "stehen"
      -Komplimente annehmen können
      ...
      Und auch so Situationen wie die von dir geschilderte, wo die Leute in eine andere Richtung gehen mussten. Noch vor ein paar Jahren hätte ich keine fremden Menschen einfach ansprechen können, heute ist es kein Problem mehr. Irgendwann wollte ich sowas unbedingt auch können und habe es probiert, immer wieder.
      Bei den sehr schwierigen Sachen hat mir mein Therapeut sehr geholfen, indem er Situationen mit mir vor- und nachbereitet hat.
      Pronomen: "er" oder nur Name statt Pronomen

      The post was edited 3 times, last by Schnuppi2 ().

    • Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob ich dich richtig verstanden habe?

      Du wünscht dir mehr Selbstvertrauen, vor allem in sozialen Situationen, um verschiedene Sachen zu tun, die dir spontan in den Sinn kommen und die du bisher dann doch verworfen hast?

      Vielleicht wäre dann ein Anfang erst einmal in bzw nach solchen Situationen zu überlegen, warum du dich entschieden hast, nicht zu handeln?
      Etwas hat dich bei dem Apothekenbeispiel ja abgehalten, die Personen anzusprechen. Was war das?

      Ein Beispiel von mir, weil ich das auch kenne.
      Ich mache eine Arbeitstherapie. Wir waren einige Leute, es war nicht viel los. Die Kollegen machten draußen Raucherpause. Ich habe drinnen irgendwas gemacht, ein Gast setzte sich draußen hin. Niemand von den Kollegen reagierte. Ich musste meine Arbeit unterbrechen und zum Gast gehen und die Bestellung aufnehmen. Ich war sauer. Ich hab mich aber nicht getraut, es den Kollegen zu sagen. Weil ich Angst davor hatte, dass die sich auch von einem höflichen Hinweis meinerseits angegriffen fühlen und sie sich alle gegen mich stellen und ich mich gegen mehrere verteidigen muss, womit ich nicht umgehen kann.
      Letztlich hab ich mit dem Therapeuten gesprochen, wir haben die Möglichkeiten besprochen und ich hab mich dann doch getraut (wäre es doof gelaufen, hätte ich ja den Therapeuten gehabt). Die Reaktion war ganz anders als befürchtet, ich habe eine positive Erfahrung gemacht und traue mich beim nächsten Mal vielleicht schon direkt allein.

      Als Idee: überlegen, warum man sich nicht traut. Überlegen, was man sagen will/was man machen will. Eine Strategie überlegen, was man tut, wenn es nicht gut laufen sollte (z.B. für oben "Ich habe denen einen netten Hinweis gegeben, wenn sie nicht wollen, dann ist das nicht mein Problem, ich bin nicht für sie verantwortlich"). Und dann sich überwinden und es tun.
    • Tux wrote:

      Du kannst das mit Persönlichkeitsentwicklung (Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, ...) verbessern.
      Ja, das ist wohl der Kern des Problems, an dem ich arbeiten möchte und werde.

      Schnuppi2 wrote:

      Ich bin nicht sicher, ob ich dich verstehe... inwiefern hast du Angst vor deiner Courage? Für mich klingt es so, als würdest du in bestimmten Situationen gern auf eine bestimmte Art handeln, traust es dir aber nicht zu. Ist das richtig?
      Also ich wollte mit "Angst vor der Courage" aufzeigen, dass ich nicht von vornherein Angst habe, sondern quasi schon den Mund bewege, aber keine Worte herauskommen. Also ich sehe mich quasi, die gewünschte Handlung zu tun, aber kurz vor der Ausführung unterbreche ich mich selbst, manchmal sage ich nur einen Halbsatz und höre auf zu reden.

      regenbogenschwarz wrote:

      Weil ich Angst davor hatte, dass die sich auch von einem höflichen Hinweis meinerseits angegriffen fühlen und sie sich alle gegen mich stellen und ich mich gegen mehrere verteidigen muss, womit ich nicht umgehen kann.
      Danke für das Beispiel. Ich sehe da einige Parallelen zu mir. Ich denke, die Angst vor Ablehnung spielt in jedem Fall mit hinein.
    • Mr. Winterbottom wrote:

      Danke für das Beispiel. Ich sehe da einige Parallelen zu mir. Ich denke, die Angst vor Ablehnung spielt in jedem Fall mit hinein.

      Ich denke, gerade Situationen mit Fremden eignen sich ganz gut zum Üben. Denn falls es doof laufen sollte, siehst du sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wieder. Das kann helfen, sich zu überwinden. Anders bei Menschen, denen man vermutlich häufiger noch mal über den Weg läuft.
      Mir geht es jedenfalls so.

      Vielleicht hilft es dir, wenn du dir klar machst, dass du den fremden Menschen ein Angebot machst/einen Hinweis gibst. Und wenn das nicht angenommen wird oder eine blöde Reaktion kommt, dann hat das nichts mit dir als Person zu tun. Vielleicht hat die Person einen ganz schlechten Tag, Stress mit dem Chef, dem Partner, der besten Freundin, das Haustier ist krank oder die Person macht sich einfach gar nicht so viele Gedanken über die
      Wortwahl wie du. Es hat nichts mit dir zu tun. Tief durchatmen und die Person stehen lassen.
    • regenbogenschwarz wrote:

      Ich denke, gerade Situationen mit Fremden eignen sich ganz gut zum Üben. Denn falls es doof laufen sollte, siehst du sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wieder. Das kann helfen, sich zu überwinden. Anders bei Menschen, denen man vermutlich häufiger noch mal über den Weg läuft.
      Mir geht es jedenfalls so.
      Danke für die Ausführungen :) . Ich denke auch, je mehr gute Erfahrungen passieren, desto mehr werden die negativen überschrieben, und die Angst damit geringer.
    • Diese Angst vor Ablehnung, wenn ich irgendetwas sagen möchte, kenne ich sehr gut. Besonders bei Menschen, die ich gut kenne und die ich nicht verletzen möchte. Und in bestimten Kontexten (Arbeit), wo bestimmtes von mir erwartet wird, da fällt mir das besonders schwer.
      Da sage ich lieber nix, bevor ich was falsch mache.
      Ich war früher fast komplett stumm, außer wenn man mich direkt angesprochen hat. Über die Jahre konnte ich das aber trainieren, ähnlich wie regenbogenschwarz

      regenbogenschwarz wrote:

      Ich denke, gerade Situationen mit Fremden eignen sich ganz gut zum Üben. Denn falls es doof laufen sollte, siehst du sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wieder. Das kann helfen, sich zu überwinden. Anders bei Menschen, denen man vermutlich häufiger noch mal über den Weg läuft.
      Mir geht es jedenfalls so.
      Begegnungen mit fremden Menschen fallen mir viel leichter. Da hat man nichts zu verlieren und man kann üben. Es besteht nicht die Gefahr, dass die andere Person einem etwas übelnimmt. Also doch, das schon, aber ich habe mit der Person ja nie wieder zu tun. Wenns schiefläuft, geht es mir danach zwar erstmal scheiße, muss aber keine Konsequenzen/Konfrontationen/Diskussionen fürchten.
      Inzwischen versuche ich die Situationen auch rationaler zu betrachten, versuche mir vorzustellen, wie ich denn reagieren würde, wenn ich diese Frage gestellt oder diesen Hinweis bekomme. So kann ich mir die Angst selber inzwischen meistens nehmen.
      Wie dein Beispiel... Was machst du wenn dir jemand sagt, du hast dich in der Schlange angestellt, wartest schon lange, dann sagt dir der hinter dir in der Schlange, du musst woanders hin und gar nicht hier warten? Ich würde mich freuen, bedanken und dann den richtigen Eingang nehmen. Mit dem Wissen traue ich mich dann auch, das zu sagen (meistens, bei weitem nicht immer :d ) .
    • zzis wrote:

      Inzwischen versuche ich die Situationen auch rationaler zu betrachten, versuche mir vorzustellen, wie ich denn reagieren würde, wenn ich diese Frage gestellt oder diesen Hinweis bekomme. So kann ich mir die Angst selber inzwischen meistens nehmen.
      Gelingt dir das in der Situation selbst oder erst im Nachgang als Reflexion? Ich kenne das bei mir, dass ich anscheinend länger überlege als andere beim Einordnen einer Situation und dann das Gegenüber zum Beispiel das Gesagte umformuliert oder einfachere Vokabeln verwendet.
    • Das kommt darauf an, wie viel Zeit ich habe. In einer Schlange, wo eh alle warten, habe ich genug Zeit zum Überlegen. In einem Gespräch gelingt mir das nicht oder nur sehr selten. Und wenn ich mir dann meine Worte zurechtgelegt habe, ist es meistens schon zu spät...
      Oft schaue ich dann aber offenbar auch so verständnislos, dass mein Gegenüber das Gesagte nochmal wiederholt. Das macht mich dann aber extra nervös, weil ich schneller sein muss mit denken, das funktioniert dann aber gar nicht. Muss dann meistens nochmal nachfragen, weil das neu gesagte anders war als das, was davor gesagt wurde und ich mir nicht sicher bin, ob das gleiche gemeint ist :m(: wirkt auf andere wahrscheinlich, als wär ich bescheuert. :roll:
    • Und ja, im Nachgang, bei der Reflexion der Situation wird mir dann klar, wie ich angemessen reagieren hätte können. Versuche mir das zu merken und bei nächsten Mal anzuwenden. Geht dann aber meistens trotzdem zu schnell für mich.