Eure Erfahrungen mit Masking

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    • Sonnenseele wrote:

      Mir ist bewusst, dass Autisten sowas im Durchschnitt schwerer fällt als Nichtautisten, unmöglich ist es aber keineswegs.
      Da stimme ich dir zu. Zuhören kann ich ganz gut, obwohl ich des öfteren schon den Eindruck hatte, dass ich bei manchen Themen der falsche Ansprechpartner war.
      Das mit dem aufbauen hat hier und da auch geklappt, allerdings anders als man es wohl erwartet hatte. Ich kann das eher mehr so über die rationale Ebene.
      Kompromisse vorschlagen und eingehen kann ich erstaunlich gut. Wobei mir gerade auffällt, dass es wohl der Tatsache geschuldet ist, dass ich nicht wirklich ein Freund von Konflikten bin, auch wenn ich evtl. kommunikativ häufiger welche auslöse.
    • Ich habe gelernt mich anzupassen. Weitgehendst. Aber ich kann Masking nicht ein und ausschalten. Auf der Arbeit strenge ich mich sicherlich ( noch) mehr an als bei Freunden.

      Würde die Maske gerne ab und an wieder komplett ablegen. Kann man das lernen?
      Manchmal habe ich das Gefühl, das einige positive Aspekte weggefallen sind.
      Oder anders gesagt, früher bin ich in einer Arbeit versunken und habe nichts mehr mitbekommen.
      Dadurch war ich aber sehr gründlich. Heute passieren eher Flüchtigkeitsfehler,weil ich versuche "meine Fühler auszustrecken" damit ich von der Umwelt noch etwas mitbekomme.
    • emjay2812 wrote:

      Würde die Maske gerne ab und an wieder komplett ablegen. Kann man das lernen?
      Ja kann man. Achte in Situationen bewusst darauf, ob und wann du Masking einsetzt, um NT's ähnlicher zu sein.
      Wenn du die Situationen erkannt hast, überlege dir, warum du maskierst und was du damit speziell erreichen willst. (Also nicht das NT ähnlich sein, sondern mit welchem Ziel du es einsetzt)
      Der nächste Schritt ist, bewusst auf das Masking in diesen Situationen zu verzichten, also einfach du selbst zu sein, so wie du es sonst bist.


      emjay2812 wrote:

      Oder anders gesagt, früher bin ich in einer Arbeit versunken und habe nichts mehr mitbekommen.
      Dadurch war ich aber sehr gründlich. Heute passieren eher Flüchtigkeitsfehler,weil ich versuche "meine Fühler auszustrecken" damit ich von der Umwelt noch etwas mitbekomme.
      Wenn du in der Arbeit versunken bist und um dich rum quasi ausgeschaltet ist, dann bist du im Hyperfokus. Anders ausgedrückt: Du bist voll und ganz im Flow. In dem versunken was dir Spass macht und voll dabei.
      Das ist nichts verwerfliches. Ganz im Gegenteil.

      Ich kann dir nur raten, lass das mit den Fühlern ausstrecken sein. Wenn jemand etwas von dir will, wird die Person dich schon ansprechen bzw. sich bemerkbar machen.
    • Hallo an die Runde,

      Ich merke mit 49 Jahren, daß es immer schwerer wird, weitestgehend angepaßt durch das Leben zu gehen (RW). Problematisch ist nicht die eine oder andere Situation; problematisch ist einfach die Menge der Anpassungsleistung und mein kleiner und träger werdendes Akku (es lädt nicht mehr so schnell wie vor Jahren). Daher verzichte ich soweit wie möglich auf das Maskieren und nehme auch Nachteil in Kauf.

      Komischerweise sind die Rückmeldungen überhaupt nicht schlecht. Ich werde wegen meiner (autistisch schärferen) Eindrücken und meiner neutralen Direktheit wohl geschätzt.

      Freundliche Grüße

      infla
    • Mir ist nicht so richtig klar, was eigentlich Masking bedeutet. Wo ist der Unterschied zu anderen Arten von Anpassung an das Umfeld? Oder ist es nur ein anderer Begriff für das Selbe?

      Ich habe bis vor wenigen Jahren sehr versucht, mich anzupassen und möglichst nicht aufzufallen. (Ok, optisch war es das Gegenteil, ich hatte immer auffällige Frisuren oder Kleidung.) In der Schule, der Uni, auf der Arbeit, im privaten Umfeld. Funktioniert hat es kaum, früher oder später war ich in fast jeder Gruppe der Außenseiter.
      Heute versuche ich, mich nicht mehr so darauf zu fixieren, denn es führte doch nur zu Frust in der Vergangenheit. Zum Glück habe ich nun ein paar Freund_innen, in deren Gegenwart ich mich nicht so sehr verstellen muss. Vielleicht müsste ich mich überhaupt nicht verstellen bei ihnen, aber es ist sehr schwer, damit aufzuhören und es macht mir Angst, da ich dennoch befürchte, dann nicht mehr gemocht zu werden.
      Pronomen: "er" oder nur Name statt Pronomen
    • Schnuppi2 wrote:

      Mir ist nicht so richtig klar, was eigentlich Masking bedeutet. Wo ist der Unterschied zu anderen Arten von Anpassung an das Umfeld? Oder ist es nur ein anderer Begriff für das Selbe?
      Da wirst du hier unterschiedliche Ansichten dazu finden. Nach meinem Verständnis ist Masking das bloße Nachahmen von Verhaltensweisen um nicht aufzufallen/dazuzugehören unter Aufgabe/Ignoranz der eignen Persönlichkeit/Bedürfnisse. Im Gegensatz dazu steht echte Kompensation, die darauf aufbaut, sich anzulernen, was Verhaltensweisen bedeuten, und dann ausgehend von der eignen Persönlichkeit zu entscheiden, ob so ein Verhalten zu einem selbst passt und es nur in diesem Fall zu übernehmen.
    • Aldana wrote:

      Schnuppi2 wrote:

      Mir ist nicht so richtig klar, was eigentlich Masking bedeutet. Wo ist der Unterschied zu anderen Arten von Anpassung an das Umfeld? Oder ist es nur ein anderer Begriff für das Selbe?
      Da wirst du hier unterschiedliche Ansichten dazu finden. Nach meinem Verständnis ist Masking das bloße Nachahmen von Verhaltensweisen um nicht aufzufallen/dazuzugehören unter Aufgabe/Ignoranz der eignen Persönlichkeit/Bedürfnisse. Im Gegensatz dazu steht echte Kompensation, die darauf aufbaut, sich anzulernen, was Verhaltensweisen bedeuten, und dann ausgehend von der eignen Persönlichkeit zu entscheiden, ob so ein Verhalten zu einem selbst passt und es nur in diesem Fall zu übernehmen.

      Beim Masking hast du Recht und stimme dir voll und ganz zu. Kompensation hat nichts mit dem erlernen von Bedeutungen unterschiedlicher Verhaltensweise zu tun. Wenn dem so wäre, dann braucht man nichts kompensieren.
      Kompensieren bedeutet ausgleichen, also mit den Stärken werden die Defizite ausgeglichen.

      Beispiel:

      Aufrichtig, direkt und ehrlich sorgen dafür, dass dein Gegenüber weis woran es bei dir ist, es kann sich sicher sein und gleicht die Schwäche des Elefanten im Porzelanladen (RW), wenn man mal wieder direkt gerade aus und ehrlich Klartext redet, statt etwas zu umschreiben, weil es "bekömlicher" ist.

      Weiteres Beispiel:

      Du kompensierst den Wasserverlust deines Körpers, in dem du Wasser trinkst und das Defizit ausgleichst.
    • Es gibt zwei Paper zu dem Thema und auch einen Test CAT-Q. Auf der Seite kann man den Test machen und ganz unten sind auch die Papers verlinkt. Fand ich ganz interessant.
      embrace-autism.com/cat-q/

      CAT-Q wrote:

      The CAT-Q measures camouflaging in general, as well as three subcategories:
      • Compensation — Strategies used to actively compensate for difficulties in social situations.
        • Examples: copying body language and facial expressions, learning social cues from movies and books (see Autism & movie talk).
      • Masking — Strategies used to hide autistic characteristics or portray a non-autistic persona.
        • Examples: adjusting face and body to appear confident and/or relaxed, forcing eye contact.
      • Assimilation — Strategies used to try to fit in with others in social situations.
        • Examples: Putting on an act, avoiding or forcing interactions with others.

    • Aldana wrote:

      Aber ganz allgemein und nicht so eingeschränkt wie von dir dargestellt.
      Wenn du mir jetzt noch mitteilst, wo ich etwas eingeschränkt dargestellt habe, dann kann ich dir folgen.

      Ganz allgemein und ohne Einschränkung: Deine Definition von Kompensation ist eher die Selbstreflexion.
    • Aldana wrote:

      Schnuppi2 wrote:

      Mir ist nicht so richtig klar, was eigentlich Masking bedeutet. Wo ist der Unterschied zu anderen Arten von Anpassung an das Umfeld? Oder ist es nur ein anderer Begriff für das Selbe?
      Da wirst du hier unterschiedliche Ansichten dazu finden. Nach meinem Verständnis ist Masking das bloße Nachahmen von Verhaltensweisen um nicht aufzufallen/dazuzugehören unter Aufgabe/Ignoranz der eignen Persönlichkeit/Bedürfnisse. Im Gegensatz dazu steht echte Kompensation, die darauf aufbaut, sich anzulernen, was Verhaltensweisen bedeuten, und dann ausgehend von der eignen Persönlichkeit zu entscheiden, ob so ein Verhalten zu einem selbst passt und es nur in diesem Fall zu übernehmen.

      Kompensation bedeuten in erster Linie immer einen Mehraufwand an Energie und Leistung, um etwas, das nicht so läuft wie es sollte, mit anderen Mitteln auszugleichen (vor allem im medizinischen Gebrauch aber eben auch psychologisch).

      Für Autisten bedeutet das eben mehr Energieverbrauch und eine erhöhte kognitive Leistung, um Verhaltensweisen zu zeigen, die weniger auffällig sind und um sozial angepasster zu erscheinen.
      Das ist je nach Intelligenz mehr oder weniger möglich. Und natürlich auch von dem Umfeld in dem man sich bewegt und von dem was man damit erreichen will abhängig.

      Ich denke, wie du sagst, Masking hiesse quasi zu schauspielern, in eine Rolle zu schlüpfen, z.B. die des smalltalkendes Bürokollegen, der immer lächelt und die Leute beim Sprechen auch anschaut.
      Kompensation dann eher, dass ich beispielsweise in einem Moment, wo alles zu viel wird, nicht zu schreien anfange und Sachen zerschlage, sondern es kompensiere durch tiefes Atmen, aus der Situation herausgehen, auf anderes unauffälliges Stimming umschalte oder wenn nötig, den Mitmenschen sage, dass ich jetzt gehen muss.
      Das würde ich darunter verstehen.

      Masking wäre in diesen Fällen ungesund, da es meiner Persönlichkeit widerspricht, Kompensation dagegen eine erlernte Strategie zur besseren Bewältigung diverser Herausforderungen des Alltags.

      Anstrengend sind beide und kosten auf Dauer Lebensenergie, aber ich denke, Masking ein wenig mehr.

      Wenn ich weniger maskieren müsste, würde ich weniger kompensieren müssen.

      The post was edited 1 time, last by Lilja ().

    • Marnie wrote:


      CAT-Q wrote:

      The CAT-Q measures camouflaging in general, as well as three subcategories:
      • Compensation — Strategies used to actively compensate for difficulties in social situations.
        • Examples: copying body language and facial expressions, learning social cues from movies and books (see Autism & movie talk).
      • Masking — Strategies used to hide autistic characteristics or portray a non-autistic persona.
        • Examples: adjusting face and body to appear confident and/or relaxed, forcing eye contact.
      • Assimilation — Strategies used to try to fit in with others in social situations.
        • Examples: Putting on an act, avoiding or forcing interactions with others.


      Was ist der Unterschied zwischen "copying body language and facial expressions", "adjusting face and body" und "putting on an act"?

      Das ist alles grob dasselbe, also Schauspielen.

      Zu der Anfangsfrage:
      Die meiste Zeit läuft es eher unbewußt, außer in Situationen wo ich beurteilt werde (Bewerbungsgespräch, Dates,...), wo ich viel Gehirnkapazität dafür benutze was mir dann anderswo fehlt.
      Umgekehrt erlaube ich mich in Anwesenheit von Vertraute Personen bewußt etwas weniger Beherrschteit.

      Erstaunlich, das ich offensichtlich gut genug maskiere, das 3 Psychologen nie an Autismus gedacht haben, wo ich in andere Situationen als nicht normal auffalle.
    • Vielleicht ist das das Problem, wenn man englische Wörter einfach übernimmt (masking), weil sie gerade modern sind.
      Ich vermute nämlich, dass Maskieren und Kompensieren das gleiche ist. Nur wird Kompensieren eher im deutschen Sprachraum benutzt und Maskieren/Masking eher im englischen, und letzteres ist neuer.

      Hier steht es auch als Synonym:
      liebertpub.com/doi/10.1089/aut.2020.0043

      "Autistic masking (also referred to in the literature as camouflaging,1 compensation,2 and most recently “adaptive morphing”3) is the conscious or unconscious suppression of natural responses and adoption of alternatives across a range of domains including social interaction, sensory experience, cognition, movement, and behavior."
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Shenya wrote:

      is the conscious or unconscious suppression of natural responses
      Und genau darin liegt der Unterschied zu anderen autistischen "Überlebensstrategien".
      Alle englischsprachigen Quellen, die ich bisher zu dem Thema gelesen oder gesehen hab, erläuterten/umschrieben/bebeispielten den Begriff "masking" ausschließlich mit Sachen, die man alle unter der Rubrik "sich selbstverleugnendes Schauspielverhalten" zusammenfassen kann und eben nicht mit anderen Kompensationmethoden, die keine Selbstaufgabe beinhalten. Aus dem Grund habe ich den auch ausschließlich für selbstverleugnende Schauspielerei übernommen.
      Vielleicht ist es sinnvoll Kompensation hier als Oberbegriff zu sehen und masking als eine Unterart davon, die sich von den anderen eben durch die Selbstverleugnung abgrenzt.

      The post was edited 1 time, last by Aldana ().

    • On-Off wrote:

      Was ist der Unterschied zwischen "copying body language and facial expressions", "adjusting face and body" und "putting on an act"?
      Das ist alles grob dasselbe, also Schauspielen.
      Jein. Also ich geb hier nur den Inhalt der Studien wieder.
      Wenn ich es richtig verstehe, dann geht manches davon "tiefer" und kostet mehr Energie und anderes ist mehr oberflächlich. Das eine dient dazu "wie NT" zu wirken (Compensation), anderes um bewusst autistisches Verhalten zu verstecken (Masking), z.B. Stimming.

      Ich bin leider generell nicht gut darin, Inhalte verständlich - auch schriftlich - wiederzugeben. In meinem Kopf macht alles Sinn, aber sobald ich es in Sprache "übersetze", geht viel verloren.
      Daher hier der Link zu drei Papern, die ich wirklich lesenwert finde. Sie fassen "Compenstation, Masking und Assimiliation" unter dem Oberbegriff Camouflaging zusammen.
      link.springer.com/article/10.1007/s10803-018-3792-6
      molecularautism.biomedcentral.…10.1186/s13229-019-0308-y
      thelancet.com/journals/lanpsy/…-0366(19)30224-X/fulltext

      Oder hier nochmal die Beschreibung von embrace-ads (Hervorhebung durch mich):

      https://embrace-autism.com/autism-and-camouflaging/#Consequences_by_subtype wrote:

      Compensation
      Compensation is basically the acquisition and application of social skills through internalizing scripts. I would say this is nothing more than learning and using social skills. However, it’s compensating in that it’s an effort to internalize social rules that aren’t intuitive to us. Since it takes a deliberate effort to respond appropriately in social settings, it can be immensely exhausting to participate. Compensation probably doesn’t go directly at the expense of the self. Yet the draining nature of this process can still impact our mental health.
      ...


      Masking
      Masking is the active suppression of the telltale signs of anxiety and (other) autistic features in order to maintain the appearance of confidence and social prowess. If you look at the individual items of masking listed in the social camouflaging model, they don’t seem that insidious. For example, monitoring your face and body to appear interested in others is something presumably most people do. But what if your face looks naturally uninterested, so your neutral look often causes awkward situations or even ends up hurting people? What if your tendency to look away from other people’s eyes is perceived as you showing deception or a lack of confidence?
      ...

      Assimilation
      Assimilation is all about trying to fit in. This is masking on a much deeper level, as it’s no longer about covering up some proclivities, but about presenting as someone you are not, so as to avoid being excluded. In assimilation, you have to force yourself to engage socially, or avoid it altogether. To the extent you do force yourself to engage, you basically have to put up a performance. Some autistic women reported they consciously “cloned” themselves based on a popular girl in their class whilst at school, and would imitate their conversational style, intonation, movements, dress-style, interests, and other mannerisms, in minute detail.
      ...
      Einen Teil davon machen auch NTs. Irgendwo in den Studien ist auch beschrieben was und wie und welchen Unterschied es zu autistischem Camouflaging gibt. Konnte es eben aber gerade nicht finden.
    • Kompensation (wenn sie gelingt), sehe ich als positiv: Mit Situationen/Dingen besser klarkommen, auch wenn es über Umwege ist. Beim Masking ist das nicht so eindeutig positiv: Je besser es mir gelingt, desto höher die Chance, dass ich mich in eine Situation/Personenkonstellation reinmanövriert habe, die mich hinterher sozial überfordert.

      Da mein Autismus-Verdacht erst spät im Erwachsenenalter auftauchte, hatte ich mir schon jahrzehntelang alle möglichen Strategien angeeignet, die unter K. bzw. M. fallen --- und für mich war das "normal". Auch wenn mir bewusst war, dass die (meisten) anderen komischerweise alles Mögliche so ganz automatisch können, was ich mir erst mühsam erarbeiten muss(te) ...

      Ein Beispiel für das, was ich als KOMPENSATIONverstehe: Da ich, v.a. unter Stress, akustische Reize schlecht filtern kann, habe ich mir offenbar angewöhnt, auf der Arbeit, wenn es trubelig wird, unterstützend von den Lippen zu lesen. Das ist mir früher schon mal aufgefallen, aber so richtig deutlich wurde es erst im letzten Jahr, als die Mund-Nase-Bedeckung aufkam. Seitdem muss ich viel häufiger nachfragen und mich auch extrem auf mein Gegenüber konzentrieren, um meine Wahrnehmung nicht alle Nebengeräusche einfangen zu lassen. – Das Lippenlesen ist eine Kompensation, an der nichts Negatives ist. Das Gefühl ist befriedigend: habe alles verstanden.

      MASKING in vergleichbaren Situationen fühlt sich dagegen für mich oft ungut an: Ich habe NICHT alles verstanden, will aber nicht (schon wieder) nachfragen und (re)agiere dann nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip. Das klappt sehr oft, v.a. in stereotypen Situationen, erfordert aber ziemlich viel "Rechenleistung". --- Und das alles, um nicht als anders-funktionierend aufzufallen!! (Aber ich habe echt nicht immer die Zeit/Kapazität/Lust, Neurodiversität zu erklären ... Und ganz ähnlich macht es übrigens eine Freundin von mir, die von Geburt an schwerhörig ist: Sie antwortet auch oft aufs "Geratewohl", weil sie nicht ständig ihre Behinderung thematisieren will.)

      Seit ich mich mit (meinem) Autismus beschäftige, versuche ich auch gezielt, die vielen Masking-Situationen zu verändern:
      --- stabile Kompensations-Strategien zu finden, die kein Scheißgefühl hinterlassen,
      --- aufzuklären, wo es sich lohnt (weil die Leute ok sind und ich sie häufiger treffe),
      --- und es einfach auch aushalten, wenn mein Ich-Sein anderen nicht gefällt.

      Ich glaube, ich werde nie ganz frei von Masking sein. Ich habe es so lange betrieben und manchmal ist es auch durchaus praktisch, temporär "den NT zu geben" und alles läuft smooth. Ich muss nur aufpassen, dass ich das nicht wieder bis zur Erschöpfung betreibe. Es zu NUTZEN wäre gut, nicht, es zu MÜSSEN. Hab noch ein Stück Arbeit vor mir ...
    • Ich maske so weit ich weiß relativ viel. Ich kann es willentlich nicht viel beeinflussen, zumindest abstellen kann ich es nicht einfach so; anstellen dagegen schon.
      Für mich hat es meiner Erfahrung nach sowohl Nach- als auch Vorteile. Die Nachteile überwiegen auf lange Sicht und insgesamt. Aber kurzfristig könnte ich manche Situationen nicht durchstehen ohne Masking bzw. hätte eben kurzfristig extreme Probleme bis hin zu Freezing und Mutismus. Plus die anderen schon genannten Nachteile wie z.B. Jobs nicht bekommen, komisch wirken etc.

      In Vorstellungsgesprächen zu masken ist aber glaube ich normal (normal im Sinne von weit verbreitet, also ich glaube, das tun fast alle, egal ob Autist oder Nichtautist).
      Ich hatte interessanterweise schon öfter aber Angst, nachdem ich einen Job bekommen hatte, da ich dann dachte: Ja toll, sobald ich dann hier anfange, emrken ja alle nach und nach, die ist ja ganz anders als wie dachten (durchgehend im Job masken kann ich nicht, während wichtiger Arbeitsvorgänge mit Klienten schon, die daher auch oft gut/normal gelingen, aber eben leider nicht im Kontakt mit Kollegen, was für viele Leute scheinbar ein wichtiger Bestandteil des Arbeitstages ist).

      Wo ich leider fast immer maske, ist beim Babysitten. Ich habe es schon ohne probiert, da es besonders anstrengend ist (vielleicht weil Kinder an sich schon so anstrengend sind). Aber ohne Masking bin ich irgendwie nicht genug im "Aktiv-Modus" und die Kinder beschweren sich dann wirklich immer, es wäre langweilig, und fangen dann an sich zu streiten oder so was nerviges, wodurch ich im Endeffekt dann sogar wieder mehr zu tun habe. Wenn ich könnte, würde ich nie freiwillig babysitten. Ich finde Kinder zwar interessant, also Bücher oder Filme über Kinder / Pädagogik mag ich gern, und habe auch im Job mit Kindern zu tun, aber im Job ist das was anderes, da wende ich meine eben im Job erlernten Fähigkeiten an und alles hat einen geregelten zeitlichen Rahmen.
    • Onyx wrote:

      Ein Beispiel für das, was ich als KOMPENSATIONverstehe: Da ich, v.a. unter Stress, akustische Reize schlecht filtern kann, habe ich mir offenbar angewöhnt, auf der Arbeit, wenn es trubelig wird, unterstützend von den Lippen zu lesen.
      Genau so mache ich das auch. Hätte nicht gedacht, dass noch andere Leute sowas machen. XD
      Pronomen: "er" oder nur Name statt Pronomen