Emotionales interpretieren von Aussagen

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    • Emotionales interpretieren von Aussagen

      Hallo zusammen,

      kennt ihr das, dass ihr Aussagen anderer Leute euch gegenüber "emotional" interpretiert?
      Bei mir ist es leider oft so, dass ich in Aussagen etwas negatives hinein interpretiere, zB einen Vorwurf, Ablehnung, Abwertung... Oft stellt sich hinterher heraus, dass die Person es nicht so gemeint hat und es nur eine neutrale Aussage war, wie zB ein Hinweis, eine Information, Frage usw.
      Aber erstmal habe ich dann immer diesen Stress, diese Angst, bis es aufgeklärt ist. Wenn es überhaupt aufgeklärt wird. Manchmal erfahre ich nie, wie es gemeint war und grübel noch lange darüber, was sich auch nicht gut anfühlt und viel Energie verbraucht.

      Geht es euch auch (manchmal) so? Oder nehmt ihr Aussagen einfach so hin, ohne etwas hinein zu interpretieren? Oder kommt es auf bestimmte Umstände an?

      Ich freu mich auf eure Antworten.
      LG, Schnuppi
      Pronomen: "er" oder nur Name statt Pronomen
    • Schnuppi2 wrote:

      kennt ihr das, dass ihr Aussagen anderer Leute euch gegenüber "emotional" interpretiert?
      Nein. Was verstehst du unter emotional interpretieren?

      Schnuppi2 wrote:

      Bei mir ist es leider oft so, dass ich in Aussagen etwas negatives hinein interpretiere, zB einen Vorwurf, Ablehnung, Abwertung... Oft stellt sich hinterher heraus, dass die Person es nicht so gemeint hat und es nur eine neutrale Aussage war, wie zB ein Hinweis, eine Information, Frage usw.
      Interessant. Bei mir ist es eher genau umgekehrt, also das Gegenüber interpretiert irgendwas in eine Aussage und dann kommt etwas heraus, dass ich nicht gesagt habe.


      Schnuppi2 wrote:

      Geht es euch auch (manchmal) so? Oder nehmt ihr Aussagen einfach so hin, ohne etwas hinein zu interpretieren? Oder kommt es auf bestimmte Umstände an?
      Ich nehme Aussagen so wie es gesagt wurde und das hat nichts mit Umständen zu tun.
      Wie meinst du das mit bestimmten Umständen?

      The post was edited 1 time, last by Tux ().

    • Schnuppi2 wrote:

      kennt ihr das, dass ihr Aussagen anderer Leute euch gegenüber "emotional" interpretiert?
      Nein, eigentlich nicht, es sei denn, die Person zeigt dabei (besonders) starke Emotionen, wie z. B. Wut, aber auch das ist kein Garant dafür.


      Tux wrote:

      Bei mir ist es eher genau umgekehrt, also das Gegenüber interpretiert irgendwas in eine Aussage und dann kommt etwas heraus, dass ich nicht gesagt habe.
      Bei mir ist es auch eher so herum.

      Schnuppi2 wrote:

      Geht es euch auch (manchmal) so? Oder nehmt ihr Aussagen einfach so hin, ohne etwas hinein zu interpretieren? Oder kommt es auf bestimmte Umstände an?
      Generell nehme ich Aussagen auf Sachebene auf. Oft vergesse ich sogar, dass es noch anderen Ebenen gibt und habe oft genug versucht einen Konflikt auf der Sachebene zu lösen, obwohl er aus der Retroperspektive eindeutig von der anderen Person auf der Beziehungsebene angelegt war, was ich jedoch nicht verstand. Ich versuche jetzt daran zu denken, dass auf der Sachebene völlig absurde Aussagen, möglicherweise auf Aussagen auf der Beziehungsebene hindeuten.

      Dass ich Aussagen "emotional" interpretiere passiert eher selten, wenn es z. B. eine bestimmte Vorgeschichte mit einer Person gibt. Meistens muss der Inhalt einer Aussage schon recht explizit abwertend gegen mich sein, damit ich das auch so verstehe.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • @Schnuppi2 Mir gehts auch seit jeher eher andersrum: Ich kriege die Emotionen oft gar nicht mit, oder erst viel, auch sehr sehr sehr viel später, beim wiederholten Rekapitulieren der Situation, dämmert mir, dass da vielleicht was gewesen sein könnte. Umgekehrt wird in Dinge, die ich sage, immer jede Menge Emotion reininterpretiert, die ich weder empfinde, noch ausdrücken wollte. Ich verzweifele regelmäßig daran, dass es irgendwie unmöglich ist, einfach nur auf der Sachebene miteinander zu sprechen. Alerdings gibt es Menschen, deren Verhalten mir extrem unsympathisch ist, auf die reagiere ich innerlich sehr emotional und habe große Mühe, das zu verbergen (faktisch gelingt es mir eigentlich gar nicht, ich kann die Leute dann nur nach Möglichkeit komplett meiden). Allerdings kommt auch das sowohl bei unfreundlich agierenden als auch bei freundlich agierenden Personen vor (also, dass ich sie extrem unsympathisch finde).
    • Grubber wrote:

      Umgekehrt wird in Dinge, die ich sage, immer jede Menge Emotion reininterpretiert, die ich weder empfinde, noch ausdrücken wollte. Ich verzweifele regelmäßig daran, dass es irgendwie unmöglich ist, einfach nur auf der Sachebene miteinander zu sprechen.
      Du sprichst mir aus der Seele. Das wiederum führt dann regelmäßig zu Konflikten, keiner spricht es an und ich frag mich am Ende was passiert ist und kann es mir nicht erklären.
    • Jein. Grundsätzlich bekomme ich definitiv häufiger den Vorwurf, die emotionale Ebene einer Aussage zu ignorieren, als den Vorwurf, eine sachliche Information fälschlicherweise emotional zu interpretieren.

      Aber: aufgrund dieses Vorwurfs und einer langen Beziehung mit einem passiv-aggressiven (nun Ex)Mann, habe ich einen Argwohn entwickelt, dass in Aussagen ja emotionale Informationen stecken könnten. Wenn irgendwie eine uneindeutige Stimmung herrscht, neige ich deshalb tatsächlich mitunter dazu, neutrale Aussagen negativ emotional gegen mich gerichtet zu interpretieren.

      Aktuell arbeite ich da wieder an einem besseren Selbstwertgefühl. Denn ich glaube, das hängt damit zusammen. Schließlich habe ich es lang genug erzählt bekommen, da "falsch" zu sein. Wer mir ein Problem mit mir nicht in klaren Worten mitteilen möchte, kann es einfach für sich behalten. Ich kann keine Gedanken lesen. Die anderen sich da für sich selbst verantwortlich, das mitzuteilen, was ihnen wichtig erscheint. Wenn sie Informationen nicht formulieren können - nicht mein Problem. Ich bin nicht gut im Interpretieren, es ist gesünder für alle, wenn ich es garnicht erst versuche. Vor allem für mich.
      Ich schreibe in der Regel vom mobilen Endgerät aus - merkwürdige Wortkonstrukte sind ggf. der Autokorrektur geschuldet
    • Schnuppi2 wrote:

      kennt ihr das, dass ihr Aussagen anderer Leute euch gegenüber "emotional" interpretiert?
      Ja, mir geht das so! Das liegt aber auch daran, dass ich - trotz/wegen? des Autismus - extrem feinfühlig bin. Leider weiß ich oft aber nicht genau, welche Emotion die Person ausdrückt. Ich merke aber, dass es nicht sachlich gesagt wurde.
      Viele Menschen versuchen auch Emotionen zu verbergen, zB Neid oder so, aber mir fällt es auf.
    • Danke euch für eure Erfahrungen zum Thema. Sieht so aus, als würde ich eine sehr andere Wahrnehmung haben, als viele hier, in dieser Sache.
      Es könnte bei mir ähnlich sein, wie bei @Mandelkern. Dass sich diese Interpretationen aus schlechten Erfahrungen entwickelt haben. Ich hatte auch zwei Beziehungen, in denen meine Partner zum einen erwarteten, dass ich immer weiss, was in ihnen vorgeht. Und zum anderen selten mitteilten, wenn ihnen etwas nicht gefiel. Bis sie irgendwann ausrasteten und mir dann Vorwürfe machten, dass ich nicht auf ihre Bedürfnisse eingegangen sei.

      @Fidoline Das kommt mir bekannt vor. Dass ich manchmal generell merke, dass eine Emotion in einer Aussage ist, aber nicht sicher bin, welche genau.

      Insgesamt fallen mir sogenannte "negative" Emotionen schwerer... beim differenzieren und auch dahingehend, zu merken, ob sie nun eigentlich wirklich mitgeteilt werden oder ich sie mir nur einbilde. Kompliziert das alles...
      Pronomen: "er" oder nur Name statt Pronomen

      The post was edited 1 time, last by Schnuppi2 ().

    • Diese "argwöhnische Wachsamkeit", die @Mandelkern beschreibt, die kenne ich allerdings auch. Allerdings bin ich da stark auf einen ganz bestimmten Typus Mensch "programmiert", ein Typ Mensch, von dem ich mich inzwischen so fern wie möglich halte, weil gezielt zweideutig kommuniziert wird und mich das massiv stresst. Ich werte das als Machtspielchen, bei denen ich absolut nicht mithalten kann. Solche Leute finden manche sehr witzig und charmant und unterhaltsam, aber da ich nicht erkennen kann, was wie gemeint ist, fühlt es sich für mich einfach nur sch... und bedrohlich an.
    • Bei mir ist es wie bei einigen meiner Vorschreiber eher umgekehrt.

      Ständig wird in wörtliche Aussagen von irgendwas reininterpretiert. Das ärgert mich wirklich, aber ich versuche mich weniger darüber zu ärgern und mehr höflich daran zu erinnern, dass ich meine, was ich sage.

      Und das was ich interpretieren müsste bekomme ich gar nicht mit.

      Grade als Kind kam ich gar nicht auf die Idee bei den meisten Sachen, dass es böse gemeint sein könnte oder ein Vorwurf. Da wurden Leute dann sehr sauer weil sie dachten ich würde sie extra provozieren dabei hatte ich das gar nicht gemerkt. Besonders bei rhetorischen Fragen die ich beantwortete.
    • MangoMambo wrote:

      Grade als Kind kam ich gar nicht auf die Idee bei den meisten Sachen, dass es böse gemeint sein könnte oder ein Vorwurf. Da wurden Leute dann sehr sauer weil sie dachten ich würde sie extra provozieren dabei hatte ich das gar nicht gemerkt. Besonders bei rhetorischen Fragen die ich beantwortete.
      Oh ja. Mir wurde immer vorgeworfen, ich würde andere provozieren, und ich habe überhaupt nicht kapiert, was ich falsch gemacht habe :(
    • Tux wrote:

      Schnuppi2 wrote:

      Geht es euch auch (manchmal) so? Oder nehmt ihr Aussagen einfach so hin, ohne etwas hinein zu interpretieren? Oder kommt es auf bestimmte Umstände an?
      Ich nehme Aussagen so wie es gesagt wurde und das hat nichts mit Umständen zu tun.Wie meinst du das mit bestimmten Umständen?
      Zum Beispiel deine eigene Stimmung in dem Moment. Oder Vorerfahrungen mit der gleichen Person.
      Pronomen: "er" oder nur Name statt Pronomen
    • Ich interpretiere in gesprochene Aussagen selten etwas rein, außer die Aussage kommt von meiner Mutter :lol: Da ist’s meistens wirklich ein Vorwurf :prof:

      Ich hab das Problem eher bei geschriebenen Inhalten, da ich mich z.B. in Chats sehr auf die Nutzung von Smileys oder gifs verlasse. Sobald also jmd. ohne Smileys schreibt, denke ich direkt, dass ich etwas gemacht oder geschrieben haben muss, was falsch ankam oder unpassend war. :?
    • Anhand der Beschreibung kann ich nicht sagen, ob es bei mir zutrifft oder nicht. Möglicherweise trifft es zu, aber ich würde es vielleicht anders beschreiben.

      Grundsätzlich: ja, natürlich versuche ich, eventuell vorhandene Emotionen richtig zu deuten. Und nein, ich glaube nicht, dass mir das immer gelingt.


      Schnuppi2 wrote:

      Oft stellt sich hinterher heraus, dass die Person es nicht so gemeint hat und es nur eine neutrale Aussage war, wie zB ein Hinweis, eine Information, Frage usw.
      hier weiß ich nicht, wie Du das meinst, dass sich hinterher etwas herausstellt. Direkte Konfrontation mit demjenigen? Da würde ich grundsätzlich immer eine besänftigende Antwort erwarten. Nonverbale Dinge werden ja nicht verbalisiert, nur weil man sie anspricht. Daher wüsste ich nicht immer sicher, ob "sich herausstellt, dass es eine neutrale Aussage war" oder ob derjenige vielleicht nur beschämt ist, weil etwas direkt angesprochen wurde, was er gar nicht direkt aussprechen wollte, denn er hat ja die nonverbale Ebene gewählt.
    • Ich bin oft verunsichert, weil ich das Gefühl habe, es steht etwas zwischen den Zeilen, oder derjenige will mir durch indirektes Verhalten etwas mitteilen, das mir entgeht. Insofern unterstelle ich permanent, dass da noch etwas ist, aber ich nicht weiß, was.
    • In der zwischenmenschlichen Kommunikation muss man eigentlich ständig interpretieren. Jeder Mensch hat andere Erfahrungen und einen anderen Wortschatz. Viele Begriffe sind sehr relativ.

      Wenn zwei Leute über Hunde reden, denkt der eine vielleicht an einen Dackel, der andere aber an einen Bernhardiner. Für den einen ist es normal, in jedem zweiten Satz "verdammt" zu sagen, für den anderen wirkt das schon vulgär. Was man unter "viel", "wenig" oder "oft" versteht, ist auch von Person zu Person unterschiedlich und immer sehr von der Situation abhängig.

      Dazu kommt, dass in Aussagen ja auch durchaus eine emotionale Komponente stecken kann. Das ist eigentlich sogar eher die Regel als die Ausnahme.

      Wir wurde schon gesagt, dass ich zu sachlich und damit emotionslos wäre. Gerade, wenn ich unerwartet in eine Kommunikationssituation gerate, fällt mir häufig auch nicht viel ein, was ich sagen könnte. Wenn die Gegenseite sich mehr Euphorie oder Empörung erhofft hat, wird eine ganz neutrale Aussage manchmal aber auch schon als Parteinahme für die Gegenseite gedeutet.

      Ich tue mich aber auch schwer, wenn andere sich sehr knapp oder widersprüchlich ausdrücken. Vor allem in der schriftlichen Kommunikation kommt mir da von anderen oft zu wenig an Information, während ich da oft pedantisch rüberzukommen scheine. Da kehrt sich die Situation dann also oft um.

      Bei mir kommt also alles Mögliche vor.

      @Schnuppi2: Deutest du denn wirklich die Mehrzahl an Äußerungen von anderen negativ? Manchmal kommt das ja auch einfach vor. Gerade als Aspie kann es natürlich auch sein, dass man wirklich überdurchschnittlich oft aneckt oder Dinge von einem erwartet werden, die einen überfordern. Das wird ja oft fälschlich als Soziale Phobie oder Paranoia gedeutet.
    • Theta wrote:

      @Schnuppi2: Deutest du denn wirklich die Mehrzahl an Äußerungen von anderen negativ? Manchmal kommt das ja auch einfach vor. Gerade als Aspie kann es natürlich auch sein, dass man wirklich überdurchschnittlich oft aneckt oder Dinge von einem erwartet werden, die einen überfordern. Das wird ja oft fälschlich als Soziale Phobie oder Paranoia gedeutet.
      Nein, die Mehrzahl ist es bestimmt nicht. Ich muss zugeben, dass ich nicht mitzähle oder eine tägliche Liste aller an mich gerichteten Aussagen erstelle.;-)
      Es kommt mir vielleicht an manchen Tagen wie die Mehrzahl vor, weil (vermeintlich) negative Erlebnisse mir stärker im Gedächtnis bleiben als positive. Und ich sie leider oft stärker wahrnehme als positive. Diesen Mechanismus kenne ich gut von mir und versuche, daran zu arbeiten.

      Was du über die menschliche Kommunikation schreibst, finde ich nachvollziehbar. Man muss tatsächlich andauernd interpretieren und Wahrnehmung von Inhalten kann ebenfalls sehr unterschiedlich ausfallen.
      Pronomen: "er" oder nur Name statt Pronomen
    • Schnuppi2 wrote:

      Nein, die Mehrzahl ist es bestimmt nicht.
      Manchmal kommt es eben zu Missverständnissen. Oft kann man die im Gespräch wieder auflösen. Wenn mit bestimmten Menschen die Kommunikation aber immer schwierig ist, weil für einen selber immer etwas Negatives mitschwingt, das bei anderen aber nicht der Fall ist, würde ich den Kontakt mit den Miesepetern auf das Nötigste reduzieren.

      Erst wenn du selber ständig allen Menschen gegenüber misstrauisch wärst, solltest du das Problem bei dir suchen.
    • Ich habe herausgefunden, dass mein Partner manchmal einen genervten oder kalten Ausdruck in der Stimme hat, dies sich dann aber nicht auf mich bezieht, sondern weil er müde ist oder wegen irgendetwas anderem genervt. Es ist dann also so, dass ich keinen Zusammenhang herstellen kann, und dann kann es sein, dass ich den genervten Tonfall auf mich beziehe. Ich bin also nicht wirklich überempfindlich, sondern einfach nicht in der Lage, die Situation in Gänze zu durchschauen.
      Manchmal kann es auch sein, dass ich an einem Tag empfindlicher bin. Vielleicht höre ich dann wirklich einen genervten Tonfall, wo keiner ist.
      Manchmal hatte ich allerdings auch schon den Gedanken, dass da vielleicht tatsächlich ein genervter Tonfall war, und wenn ich nachfrage, streitet er es einfach ab, um seine Ruhe zu haben.
      Alles in allem habe ich mir angewöhnt, diesen Tonfall nicht so wichtig zu nehmen.