Präventive Behandlung - Autismus lässt sich in vielen Fällen verhindern

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    • Das ist so lange überholt, das Thema Kühlschrankmütter stammt noch aus uralten Zeiten.
      Ein Grund für den Verdacht, dass die Eltern aufgrund von Distanziertheit etc. schuld wären, war damals auch, dass die Eltern oft selbst autistische Züge haben, da Autismus nun mal nach derzeitiger wissenschaftlicher Meinung wohl erblich ist.

      Autismus ist meiner Meinung nach sehr wahrscheinlich keine psychische Erkrankung, sondern eine angeborene, erbliche neurologische Entwicklungsstörung. Und dementsprechend ist Autismus auch nicht durch eine Bindungsstörung verursacht.
    • MangoMambo wrote:

      Autismus ist meiner Meinung nach sehr wahrscheinlich keine psychische Erkrankung, sondern eine angeborene, erbliche neurologische Entwicklungsstörung. Und dementsprechend ist Autismus auch nicht durch eine Bindungsstörung verursacht.
      Ja. Dazu passt, dass es oft Aspekte/ Komorbiditäten gibt, die sich nicht so einfach mit "psychischen Gründen" erklären lassen, wie etwa Dyspraxie oder Autoimmunerkrankungen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
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    • MangoMambo wrote:

      Das ist so lange überholt, das Thema Kühlschrankmütter stammt noch aus uralten Zeiten.
      Ein Grund für den Verdacht, dass die Eltern aufgrund von Distanziertheit etc. schuld wären, war damals auch, dass die Eltern oft selbst autistische Züge haben, da Autismus nun mal nach derzeitiger wissenschaftlicher Meinung wohl erblich ist.
      Worauf bezieht sich das?
      Die Seite ist irgendwie nicht erreichbar, aber hier habe ich einen Teil(eigentlich aber nur von Seite 2) kopiert und die Studie verlinkt.
      autismus-board.de/t78f15933-Pr…n-Faellen-verhindern.html

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    • @Backnetmaster: auf den Artikel. Die Eltern-Kind-Paarungen der Experimentalgruppe bekamen ein bestimmtes Interaktionstraining, das den Ausbruch Autismus verhindern soll. Damit wird die Ursache quasi wieder auf eine falsche Interaktion zwischen Eltern und Kind geschoben.
      Ich schreibe in der Regel vom mobilen Endgerät aus - merkwürdige Wortkonstrukte sind ggf. der Autokorrektur geschuldet
    • Dort steht aber doch:
      Die Autoren demonstrieren sehr gründlich, dass wir wirksame Interventionen anbieten können, noch bevor Autismus diagnostiziert werden kann.« Schon seit Längerem sei bekannt, dass bei dieser neurologischen Entwicklungsstörung so früh wie möglich eingegriffen werden müsse, um Entwicklungsdefizite zu minimieren.

      Bisherige Interventionen, die bei den Kindern ansetzen, hätten keinen Erfolg gezeigt, ergänzt Dr. Sanna Stroth von der Spezialambulanz für Autismus-Spektrum-Störungen, Philipps Universität Marburg. »Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung mangelt es oft an sozialer Aufmerksamkeit und sozialer Motivation und für Eltern ist es dann nicht leicht, mit ihren Kindern im spielerischen Austausch zu bleiben und das kindliche Verhalten richtig zu interpretieren und zu verstehen.« Die australische Untersuchung setze bei den Eltern an und versuche, diese in ihrem Interaktionsverhalten zu unterstützen. Dadurch würden für die Kinder Interaktionsmöglichkeiten und damit einhergehende Lernmöglichkeiten geschafft, in denen sie ihre sozial kommunikativen Fertigkeiten entwickeln können.

      Dr. Ronnie Gundelfinger von der Universität Zürich ist überzeugt, dass neben iBASIS-VIPP auch andere Methoden, die die Interaktion zwischen Eltern und Kind fördern, positive Resultate erzielen können. Er hält es für wichtig, nicht auf eine gesicherte Diagnose zu warten, bevor man Behandlungen beginnt. »High-Risk-Kinder und Kinder mit autistischen Symptomen sollten so früh wie möglich erfasst und behandelt werden.« Es seien aber nicht bei allen Kindern, bei denen später eine ASS diagnostiziert wird, so früh schon Anzeichen erkennbar. An besseren Früherkennungsverfahren wie Eye Tracking werde gearbeitet. »Es darf aber kein Argument gegen die Intervention sein, dass man eventuell nicht alle Kinder mit zukünftiger Diagnose erfasst«, so Gundelfinger.

      Also der Ansatzpunkt sind die Eltern oder die Interaktion, aber es geht nicht um Schuld, sondern darum erste Anzeichen wahrzunehmen und darauf zu reagieren.
      im Vergleich zur Kontrollgruppe war das in dieser Studie erfolgreich, das bedeutet ja nicht dass die Eltern schuld sind, sondern dass die ersten Symptome bereits behandelt werden müssen oder sollten, und das sehr erfolgreich ist.
      Der Verdacht war ja bereits zu Beginn der Studie vorhanden.

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    • MangoMambo wrote:

      Austismus lässt sich aber nicht durch mehr soziale Aufmerksamkeit der Eltern verhindern @Backnetmaster und genau darauf beziehe ich mich.
      Ich denke doch, also vielleicht nicht verhindern, jedoch abmildern. Wenn die Eltern von Anfang an beispielsweise Unterstützung und Rücksicht geben könne bzw haben.
      Denn die Eltern wissen ja nicht dass mit dem Kind etwas anders ist.
      Es geht ja , zumindest meiner Meinung nach, nicht darum dass irgendein Verhalten der Eltern Autismus auslöst ,
      sondern das spezielles Verhalten oder eben Training eventuell Autismus abmildern kann, sogar bevor es eben vollständig offensichtlich ist.
      Das halte ich vielleicht schon für möglich, den umgekehrten Zusammenhang , so wie du ihn zuerst hergestellt hast kann ich nicht direkt nachvollziehen,
      verstehe aber den Hintergrund.

      research.bmh.manchester.ac.uk/ibasis/ibasisaustralia/
      das ist das Training um das es geht.

      Es geht also darum den Eltern zu helfen die Kommunikation von Kindern mit Entwicklungsstörungen im Alter von 9-14 Monaten besser zu verstehen.

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    • MangoMambo wrote:

      Und dementsprechend ist Autismus auch nicht durch eine Bindungsstörung verursacht.
      Stimmt. Es gibt allerdings eine Bindungsstörung, die vom Verhalten her ein autistisches Symptom sein kann.

      Backnetmaster wrote:

      eben Training eventuell Autismus abmildern kann
      Wie willst du es messbar machen, dass der Autismus dann gemildert ist?
      Trainings gibt es doch schon, die Autismustherapie.
      Das hat dann allerdings nichts mehr mit Prävention zu tun.
    • Also dass irgendeine Intervention den "Ausbruch" von Autismus verhindern könnte, widerspricht jeder aktuellen Erkenntnis. Autismus bricht ja nicht irgendwann wegen irgendwas aus, sondern man geht davon aus, dass man damit schon geboren wird. Dann kann man allenfalls helfen, dass das Kind besser zurechtkommt, aber neurologische Andersartigkeiten, eine andersartige Reizverarbeitung kann man nicht wegmachen durch ein Elterntraining.
      Damit kann man allenfalls andere Störungen wie Bindungsstörungen vielleicht noch verhindern oder "reparieren", wenn es früh genug ansetzt.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Leonora wrote:

      Dazu passt, dass es oft Aspekte/ Komorbiditäten gibt, die sich nicht so einfach mit "psychischen Gründen" erklären lassen, wie etwa Dyspraxie oder Autoimmunerkrankungen.
      Autoimmunerkrankungen als Komorbidität von Autismus? Das höre ich heute zum ersten Mal. Gibt's dafür Quellen?
      - Allein unter Menschen -
    • Design, Setting, and ParticipantsThis 2-site, single rater–blinded randomized clinical trial of a preemptive intervention vs usual care was conducted at 2 Australian research centers (Perth, Melbourne). Community sampling was used to recruit 104 infants aged 9 to 14 months showing early behaviors associated with later ASD, as measured by the Social Attention and Communication Surveillance–Revised. Recruitment occurred from June 9, 2016, to March 30, 2018. Final follow-up data were collected on April 15, 2020.

      InterventionsInfants were randomized on a 1:1 ratio to receive either a preemptive intervention plus usual care or usual care only over a 5-month period. The preemptive intervention group received a 10-session social communication intervention, iBASIS–Video Interaction to Promote Positive Parenting (iBASIS-VIPP). Usual care comprised services delivered by community clinicians.

      Main Outcomes and MeasuresInfants were assessed at baseline (approximate age, 12 months), treatment end point (approximate age, 18 months), age 2 years, and age 3 years. Primary outcome was the combined blinded measure of ASD behavior severity (the Autism Observation Scale for Infants and the Autism Diagnostic Observation Schedule, second edition) across the 4 assessment points. Secondary outcomes were an independent blinded clinical ASD diagnosis at age 3 years and measures of child development. Analyses were preregistered and comprised 1-tailed tests with an α level of .05.

      Results Of 171 infants assessed for eligibility, 104 were randomized; 50 infants (mean [SD] chronological age, 12.40 [1.93] months; 38 boys [76.0%]) received the iBASIS-VIPP preemptive intervention plus usual care (1 infant was excluded after randomization), and 53 infants (mean [SD] age, 12.38 [2.02] months; 32 boys [60.4%]) received usual care only. A total of 89 participants (45 in the iBASIS-VIPP group and 44 in the usual care group) were reassessed at age 3 years. The iBASIS-VIPP intervention led to a reduction in ASD symptom severity (area between curves, −5.53; 95% CI, −∞ to −0.28; P = .04). Reduced odds of ASD classification at age 3 years was found in the iBASIS-VIPP group (3 of 45 participants [6.7%]) vs the usual care group (9 of 44 participants [20.5%]; odds ratio, 0.18; 95% CI, 0-0.68; P = .02). Number needed to treat to reduce ASD classification was 7.2 participants. Improvements in caregiver responsiveness and language outcomes were also observed in the iBASIS-VIPP group.
      Conclusions and Relevance Receipt of a preemptive intervention for ASD from age 9 months among a sample of infants showing early signs of ASD led to reduced ASD symptom severity across early childhood and reduced the odds of an ASD diagnosis at age 3 years.

      "Ausbruch" bezieht sich darauf ob die Diagnose dann später gestellt wurde oder nicht, so verstehe ich es zumindest, also den Cutoff.
      Man darf nicht vergessen dass das ja aufbereitet wurde für diesen Artikel.

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    • Backnetmaster wrote:

      Die Seite ist irgendwie nicht erreichbar
      Es scheint, dass der Fehler in den irreführenden Äußerungen erkannt wurde und der Artikel unter neuem Titel mit leicht verändertem Text einsehbar ist:

      "Frühe Intervention verringert Ausprägung von Autismus"
      "Wenn Kinder mit Anzeichen einer Autismus-Spektrum-Störung schon im Kleinkindalter präventiv behandelt werden, verringert das die Wahrscheinlichkeit einer Diagnose im Alter von drei Jahren. Das zeigt eine australische Studie."

      So ergibt es mehr Sinn, eine Verringerung der Ausprägung (mitunter bis unterhalb der Diagnoseschwelle).
      “If knowledge can create problems, it is not through ignorance that we can solve them.”
      ― Isaac Asimov
    • Dressur, Gehirnwäsche, Kühlschrankmütter durch die Hintertür.
      Alles nicht mein Ding...
      Für mich war es gut die ersten Jahre meines Lebens alleine gewesen zu sein.
      War für mich die schönste Zeit, ein eigener Sandkasten hinter dem Haus.
      Selbst meine Mutter war mir zu hektisch.
      Im Kindergarten war ich nur kurze Zeit...
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen

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    • ABA für Intellektuelle?

      Shenya wrote:

      Also dass irgendeine Intervention den "Ausbruch" von Autismus verhindern könnte, widerspricht jeder aktuellen Erkenntnis
      Konsens in der Forschung ist, das Autismus angeboren ist. Autistisches Verhalten, kann hingegen erworben werden. Da muss aber sehr viel in der Kindheit schief laufen (RW). Wie @Turtle schon schrieb, wird die Diagnose nicht verschwinden, sondern allenfalls die Ausprägung. Wobei ich denke, dass diese Form der Therapie dazu führt, dass es zu einem überangepassten Verhalten von Seiten der Patienten kommt. Irgendwann wird es dann zu einem großen Knall kommen. Mein Sohn ist sehr an sozialer Interaktion mit Gleichaltrigen interessiert, kann dieses aber nur bedingt und wohl dosiert. Zur Zeit übt er Small Talk und ist laut Aussage meiner Exfrau inzwischen diesbezüglich wesentlich besser als ich. Den Small Talk übt er mit seinen Mitschülern. Trotz dessen ist und bleibt er im Spektrum, mit all den Problemen, die sich daraus ergeben.
      Das Leben ist zu komplex, um eine festgelegte Meinung zu haben.
    • Backnetmaster wrote:

      Es geht ja , zumindest meiner Meinung nach, nicht darum dass irgendein Verhalten der Eltern Autismus auslöst ,
      sondern das spezielles Verhalten oder eben Training eventuell Autismus abmildern kann, sogar bevor es eben vollständig offensichtlich ist.
      Viel Autismus- kompatibler Kontext/direkte Umgebung können schon helfen, davon bin ich überzeugt.
      Das aber heißt gerade nicht, dass das Kind/die Person dann keine autistische Person mehr ist.

      Es bedeutet nur, dass das Leben für den oder die Autistin etwas angenehmer verläuft, wenn man auf die speziellen Bedürfnisse mehr eingeht und sie möglichst erreichbar macht. - Siehe auch @Backs Beitrag ("Trotz dessen ist und bleibt er im Spektrum,...")


      Außerdem ist der ursprüngliche Titel wirklich irreführend. - Siehe @Turtles Beitrag.-
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")
    • Capricorn wrote:

      Viel Autismus- kompatibler Kontext/direkte Umgebung können schon helfen, davon bin ich überzeugt.
      Das aber heißt gerade nicht, dass das Kind/die Person dann keine autistische Person mehr ist.

      Es bedeutet nur, dass das Leben für den oder die Autistin etwas angenehmer verläuft, wenn man auf die speziellen Bedürfnisse mehr eingeht und sie möglichst erreichbar macht.
      Das denke ich auch. Das ist sicher wesentlich besser als das, was sonst oft unter "Elterntraining" verstanden wird und oft in Richtung ABA geht. Das hier implizierte Versprechen, dass durch dieses Training der "Ausbruch" von Autismus verhindert werden kann, ist aber irreführend und gefährlich. Die Kinder sind durch gute Behandlung vielleicht offener und weniger gestresst als andere Kinder mit ähnlichem Profil. Deshalb können sie trotzdem eine autistische Persönlichkeitsstruktur haben. Drei Jahre ist meiner Ansicht nach auch zu jung, um das sicher auszuschließen. Außerdem kommt hier tatsächlich die "Kühlschrankmutter" durch die Hintertür. Denn ob ein Kind autistisch wird oder nicht, scheint dieser Interpretation nach ja doch an den Eltern zu liegen .....
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