Tatsachen akzeptieren

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    • Tatsachen akzeptieren

      Hallo an alle,

      nachdem sich meine Gedanken in letzter Zeit immer mehr überschlagen und ich von meinen Emotionen total überfordert bin, versuche ich schon seit einer Weile eine Lösung zu finden damit es „aufhört“. Ich bin jetzt auf das Thema Akzeptanz gestoßen. Man soll lernen zu akzeptieren was man nicht ändern kann und damit dann glücklich werden.
      Hat jemand damit irgendwelche Erfahrungen gemacht? Wie soll das funktionieren? Ich sehe absolut gar nicht ein Dinge zu akzeptieren, ich will sie ändern. Aber ich weiß dass das nicht geht. Ich will es aber trotzdem. Ich glaube ich werde eher wahnsinnig als dass mir möglich ist etwas zu akzeptieren was man nicht ändern kann. Glaube wenn ich Tatsachen akzeptieren, dann verschwindet auch meine Hoffnung darauf dass irgendwann alles besser wird (was ich mir schon seit ca 25 Jahren versuche einzureden).
      Ist Akzeptanz nicht das Ende, wenn man erstmal aufhört zu Kämpfen?
      Würde gerne eure Gedanken dazu wissen. Ich kann weder so weiter machen, noch alles akzeptieren. Also eigentlich sehe ich keine Lösung, außer hoffen und in meine eigene Welt abdriften.

      LG

      ADD83

      P.S.: Wer es genauer braucht, ich meine damit ne Menge Dinge, sich selbst, andere Menschen, wie das Leben läuft, Wünsche und Ziele die niemals umsetzbar sein werden, etc.
      Wenn du sie mit Wissen nicht überzeugen kannst, verwirre sie mit Schwachsinn.
    • Meiner Erfahrung nach ist Akzeptanz nichts, was man trainieren/lernen kann, sondern ein Prozess bezogen auf jeden individuellen Aspekt. Wenn ich etwas, so wie es ist, akzeptieren kann, dann denke ich nicht mehr darüber nach, wie man es verändern könnte oder hätte verändern können, sondern dann habe ich in gewisser Weise "meinen Frieden" damit gemacht.

      Ich denke nicht, dass es sich lohnt, gegen Dinge zu "kämpfen", die sich nicht ändern lassen, denn dann fehlt die Kraft die Änderungen anzugehen, die doch möglich sind. Was sich grundsätzlich nicht ändern lässt (mal als plakatives Beispiel der Tod) kann nur akzeptiert werden oder eben "wahnsinnig" machen, wie du es nennst. Was grundsätzlich änderbar ist, sollte - meines Erachtens - auf seine Wahrscheinlichkeit zur erfolgreichen Änderung überprüft werden. Je wahrscheinlicher es ist, dass ich etwas ändern kann, desto sinnvoller ist es, mehr Energie in die Änderung zu stecken (natürlich vorausgesetzt, dass die Änderung an sich mir wichtig ist.)

      Die Frage, was nun konkret zu akzeptieren und was nicht ist, kann sich wohl zu einem gewissen Grad nur jeder selbst beantworten.

      Edit: Manchmal gibt es natürlich auch Dinge, bei denen die Aussicht auf Veränderung nur gering ist, aber die Veränderung einen solchen Impact hätte, dass wiederum ein größerer Energieaufwand gerechtfertigt ist.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)

      The post was edited 2 times, last by Kayt: Satzbau ().

    • da gab es mal "die Kunst glücklich zu sein" mit Schopenhauer. Oder irgendwas von Cioran. Und natürlich den alten Spruch von der Kraft, die Dinge zu ändern, die sich ändern lassen, der Gelassenheit, die Dinge zu ertragen, die sich nicht ändern lassen, und der Klugheit, zwischen den beiden zu unterscheiden... . Und erstaunlich viele Dinge, von denen der Konservative meint, sie fallen in die zweite Klasse "es ist so!", fallen bei genauerem Hinsehen in die erste "aber es muss nicht so sein!". Liegt aber natürlich an Dir, das jedes Mal aufs Neue zu beweisen... pick your battles carefully.

      Aber hey! Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut wird, war es nicht das Ende (sagt jemand, der auf einem riesigen Haufen Schädel steht, und jeder davon ist meiner :) ).
    • ADD83 wrote:



      P.S.: Wer es genauer braucht, ich meine damit ne Menge Dinge, sich selbst, andere Menschen, wie das Leben läuft, Wünsche und Ziele die niemals umsetzbar sein werden, etc.
      Ich denke man sollte die Gesamtsituation hier in mehrere Einzelbereiche aufteilen.
      An sich selbst zu arbeiten sollte man niemals aufgeben, hier gibt es meiner Meinung nach noch die größte Aussicht auf Erfolg. Natürlich kommt es dabei schon sehr darauf an, was genau du an dir verändern möchtest, gewisse Dinge, wie z.B. die Augenfarbe o.ä. sind natürlich gegeben und nur schwer zu ändern. Andere Bereiche kann man mit einer entsprechenden Strategie und Durchhaltevermögen durchaus positiv beeinflussen.
      Was andere Menschen betrifft solltest du dir dagegen keine Hoffnung machen sie auf irgendeine Art und Weise ändern zu können. Jeder möchte ja wohl auch am liebsten so akzeptiert werden, wie er eben ist und nicht von anderen Menschen manipuliert werden um deren Vorstellungen zu entsprechen.
      Am Erreichen seiner Wünsche und Ziele, sofern sie nicht völlig unrealistisch sind, kann und sollte man auch gezielt arbeiten. Wenn dir das wie ein Kampf vorkommt und zu sehr an deinen Kräften zerrt, solltest du eventuell versuchen dir kleinere Zwischenziele zu setzen. Wenn du ein solches dann erreichst gibt dir das auch wieder Motivation für deinen weiteren Weg.
      Das ist jetzt natürlich alles sehr allgemein gehalten aber wenn man deine individuelle Situation nicht kennt ist es auch schwierig besser darauf zugeschnittene Vorschläge zu machen. Vielleicht hilft es dir ja trotzdem.
    • :roll: Habe gerade ein Deja Vu.

      Jedenfalls kann Akzeptanz unterschiedlich gemeint sein. Zum Beispiel auch so, dass erst Akzeptanz eine Änderung möglich macht.

      Beispiel aus dem Bilderbuch (RW): man kann sich nicht von seiner Alkoholsucht befreien wenn man nicht akzeptiert, dass man eine hat. Je nach Auslegung lässt sich dann auch nie ändern, dass man Alkoholiker ist, man könne nur ein trockener Alkoholiker sein. Okay. Also müsste man akzeptieren, dass man immer Alkoholiker sein wird. Aber "trocken zu sein" wäre ja dennoch eine große Änderung, die durch die Akzeptanz, dass sich niemals etwas ändern wird, gebahnt werden kann.

      Daher finde ich es schwierig, abstrakt über Akzeptanz zu sprechen.
      Warum soviele Autos.
      Warum soviele Hunde.
      Brumm, brumm, kläff, kläff, wau, wau, wau!
    • @ADD83 Du musst ja vielleicht nicht gleich alles akzeptieren. Ich würde mir eine bestimmte Sache raussuchen und damit anfangen. Und dann läuft das vielleicht ähnlich wie bei den 5 Phasen der Trauer: Leugnen/Wut/Verhandeln/Depression/Akzeptanz. Und dann vielleicht wieder eine Sache angehen, die man ändern könnte… Fokussierung auf eine Sache, all available energy to spare auf ein Ziel.
      Das sagt sich so einfach… ich glaube ich kenne dieses Gefühl auch ganz gut.
      Viel Glück.
    • Kayt wrote:

      Ich denke nicht, dass es sich lohnt, gegen Dinge zu "kämpfen", die sich nicht ändern lassen, denn dann fehlt die Kraft die Änderungen anzugehen, die doch möglich sind.
      Ich glaube grundsätzlich ist mir das schon klar, aber meine Gedanken drehen sich trotzdem immer wieder darum.

      Lars77 wrote:



      Aber hey! Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut wird, war es nicht das Ende (sagt jemand, der auf einem riesigen Haufen Schädel steht, und jeder davon ist meiner :) ).
      Hä?

      Henrik wrote:

      Natürlich kommt es dabei schon sehr darauf an, was genau du an dir verändern möchtest, gewisse Dinge, wie z.B. die Augenfarbe o.ä. sind natürlich gegeben und nur schwer zu ändern. Andere Bereiche kann man mit einer entsprechenden Strategie und Durchhaltevermögen durchaus positiv beeinflussen.
      Was andere Menschen betrifft solltest du dir dagegen keine Hoffnung machen sie auf irgendeine Art und Weise ändern zu können.
      Das wäre tatsächlich ein gutes Beispiel. zB an mir selbst sowas wie Augenfarbe etc würde ich nicht ändern wollen. Ich bin damit zufrieden. Aber andere sind es nicht und ziehen mich damit runter. Ich kann es nicht akzeptieren dass andere Menschen mir meine eigenen Ziele und Gedanken schlechtreden wollen. Aber das tun sie ständig. Für mich sind kleine Fortschritte auch Fortschritte aber irgendwas passiert immer und machtes mir dann „kaputt“.

      Dr. L84 wrote:

      :roll: Habe gerade ein Deja Vu.
      Daher finde ich es schwierig, abstrakt über Akzeptanz zu sprechen.
      Das ist mir auch zu abstrakt :m(:

      Kugelfisch wrote:

      Und dann läuft das vielleicht ähnlich wie bei den 5 Phasen der Trauer: Leugnen/Wut/Verhandeln/Depression/Akzeptanz. Und dann vielleicht wieder eine Sache angehen, die man ändern könnte…
      Ich glaube ich fange nach der Depression wieder von vorne an.
      Wenn du sie mit Wissen nicht überzeugen kannst, verwirre sie mit Schwachsinn.
    • ADD83 wrote:

      Das wäre tatsächlich ein gutes Beispiel. zB an mir selbst sowas wie Augenfarbe etc würde ich nicht ändern wollen. Ich bin damit zufrieden. Aber andere sind es nicht und ziehen mich damit runter. Ich kann es nicht akzeptieren dass andere Menschen mir meine eigenen Ziele und Gedanken schlechtreden wollen. Aber das tun sie ständig. Für mich sind kleine Fortschritte auch Fortschritte aber irgendwas passiert immer und machtes mir dann „kaputt“.
      Dazu würde ich sagen: Akzeptieren, dass andere etwas anders wahrnehmen und bewerten, aber deren Ansicht braucht nicht deine zu werden. Darüber was andere denken hast du keine Kontrolle (zum Glück! Welche Verantwortung wäre damit verbunden!), aber das heißt noch lange nicht, dass du deine Ziele und Gedanken im gleichen Licht (RW) sehen musst, wie es die anderen tun. Du kannst an deinen Plänen festhalten. Warum haben andere die Macht, deine Fortschritte kaputt zu machen?
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • ADD83 wrote:

      ... Ich bin damit zufrieden. Aber andere sind es nicht und ziehen mich damit runter. Ich kann es nicht akzeptieren dass andere Menschen mir meine eigenen Ziele und Gedanken schlechtreden wollen. Aber das tun sie ständig. Für mich sind kleine Fortschritte auch Fortschritte aber irgendwas passiert immer und machtes mir dann „kaputt“...
      Das hört sich für mich eher so an, als hättest nicht du das Problem etwas zu akzeptieren, sondern Menschen in deinem Umfeld. Davon solltest du dich nicht so sehr beeinflussen lassen. Das sagt sich natürlich so einfach, ist aber erstmal schwer umzusetzen, wenn man z.B. von Kindheit an schon darauf ausgerichtet wird "was sollen die Leute denken?". Was andere Menschen denken sollte aber deren Problem sein.
      Anders sieht es natürlich aus, wenn du für bestimmte Dinge auf die du selbst keinen Einfluss hast, z.B. weil sie auf deinen Autismus bezogen sind, von diesen Menschen offen und womöglich noch öffentlich kritisiert wirst. In dem Fall solltest du dich wenn möglich vielleicht lieber nicht mehr soviel mit diesen Menschen abgeben.
    • Kayt wrote:

      Warum haben andere die Macht, deine Fortschritte kaputt zu machen?
      Weil sie es tun seit ich klein bin und ich unbewusst nicht davon loskomme dass es mich verletzt. Wenn es dann andere Menschen sind (die mir zB eigentlich wichtig sind), dann verbinde ich das ohne es zu wollen mit früher, denke ich.
      Wenn du sie mit Wissen nicht überzeugen kannst, verwirre sie mit Schwachsinn.
    • ADD83 wrote:

      Ist Akzeptanz nicht das Ende, wenn man erstmal aufhört zu Kämpfen?
      Ich sehe Akzeptanz eher als Anfang.
      Es gibt eine Situation und ich akzeptiere, dass sie so ist. Dann überlege ich, ob sie für mich schlecht ist. Und dann kann ich überlegen, ob und was ich ändern kann.
      Daraufhin wäge ich dann ab, ob mir der Aufwand und die Ressourcen das Ergebnis wert sind. Wenn nicht, kann ich entspannt sagen, dass es dann halt so ist. Ich habe es ja bereits akzeptiert. Und wenn wenn ich doch etwas ändern will, dann habe ich genug Kraft und Ressourcen, da ich nicht jeden Kampf kämpfe, sondern nur die wichtigen.
    • Henrik wrote:

      In dem Fall solltest du dich wenn möglich vielleicht lieber nicht mehr soviel mit diesen Menschen abgeben.
      Ja du hast recht aber da tu ich schon. Also meine Kontakte sind auf ein Miminum reduziert.

      Mal als Beispiel. Ich habe ein Ziel erreicht. Ich habe klar gemacht (wörtlich), dass es mir sehr wichtig war dieses Ziel zu erreichen. Ich schaffe es nicht im Moment der Zielerreichung meine Freude zu zeigen. Emotionen kommen erst Tage später, so dass ich sie nicht „direkt“ erleben kann. Stört mich selbst nicht so sehr, als dass ich es nicht akzeptieren könnte, ist halt so. Allerdings stört es mich, dass andere um mich trotz der wörtlichen Ansage und dem Wissen, dass ich das in dem Augenblick eben nicht zeigen kann (waren zuviele fremde Menschen anwesend) als „Pillepalle“ hinstellen, es ins Lächerliche ziehen und einfach respektlos reagieren, weil es für sie kein akzeptables Ziel gewesen wäre oder warum auch immer.

      Zweites Beispiel. Ich kann ein Ziel nicht erreichen, weil ich dafür mein Leben nicht „ausgelegt“ habe. Oder falsch ausgelegt habe ohne es zu wissen? Keine Ahnung. Es ist mir aber wichtiger als alle anderen Ziele. Aber egal was ich tun werde ich könnte es nie erreichen. Es geistert ständig in meinem Kopf herum und lässt mich nicht schlafen. Ich weiß ich muss es akzeptieren. Das werde ich aber definitiv nicht.
      Wenn du sie mit Wissen nicht überzeugen kannst, verwirre sie mit Schwachsinn.
    • ADD83 wrote:

      Weil sie es tun seit ich klein bin und ich unbewusst nicht davon loskomme dass es mich verletzt. Wenn es dann andere Menschen sind (die mir zB eigentlich wichtig sind), dann verbinde ich das ohne es zu wollen mit früher, denke ich.
      Ich denke, dass da nur kognitive Umstrukturierung längerfristig hilft und die ist natürlich nicht von jetzt auf gleich (RW) zu erreichen. Dazu zwei Tipps: einerseits negative Glaubenssätze identifizieren und durch neue, positive ersetzen und zweitens dir bewusst machen, was dir wichtig ist, welche Werte für dein Leben relevant sind und überprüfen inwiefern du gemäß deiner Werte lebst oder was du ändern müsstest, damit du es besser realisieren kannst. Dafür musst du aber Gedankenketten immer wieder überprüfen und hinterfragen und dich bewusst entscheiden, alte Gedanken durch neue zu ersetzen.

      "Neuron that fire together wire together and Neurons out of sync lose their link".


      Needle wrote:

      Es gibt eine Situation und ich akzeptiere, dass sie so ist. Dann überlege ich, ob sie für mich schlecht ist. Und dann kann ich überlegen, ob und was ich ändern kann.
      Fairer Punkt. Den Status Quo erst einmal als gegeben zu akzeptieren, bedeutet ja nicht, akzeptieren zu müssen, dass er auch so bleibt.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • ADD83 wrote:

      Ich kann ein Ziel nicht erreichen, weil ich dafür mein Leben nicht „ausgelegt“ habe. Oder falsch ausgelegt habe ohne es zu wissen?
      Sich Ziele zu setzen, die man nicht erreichen kann, haben ja auch was für sich. Man kann sich weiterhin als Opfer der äusseren Umstände definieren. Kenn ich auch von mir, zumindest in Teilbereichen. Akzeptanz ist bei mir meist mit Kämpfen verbunden, Wenn es zu belastend für mich wird, kann ich abschalten, was aber kein bewusster Vorgang ist.
      Das Leben ist zu komplex, um eine festgelegte Meinung zu haben.
    • ADD83 wrote:

      Hat jemand damit irgendwelche Erfahrungen gemacht? Wie soll das funktionieren?
      Hallo,

      ich habe mir angewöhnt eine Art Abfrage zu machen: Hat es (die Situation) was mit mir zu tun? Ja/Nein. Habe ich es (die Situation) verursacht? Ja/Nein. Kann ich es (die Situation) ändern? Ja/Nein. Mir hilft das dabei es mir wirklich bewusst zu machen, wenn ich etwas nicht ändern kann. Manchmal kann ich gar nichts für eine Situation und habe deshalb auch keinen Einfluss darauf, selbst wenn ich es gerne ändern würde.

      ADD83 wrote:

      Ist Akzeptanz nicht das Ende, wenn man erstmal aufhört zu Kämpfen?
      Das muss ja kein dauerhaftes aufhören sein. Vielleicht fühlt es sich für dich passender an, wenn du es eher als ein "Im Moment kann ich es nicht ändern" siehst. Aber die Sache selbst deshalb nicht für immer aufgibst, sondern nur so lange pausierst bis sich Möglichkeiten zur Änderung ergeben. Akzeptanz heißt für mich, dass es jetzt gerade so ist. Aber keiner kann in die Zukunft gucken was sein wird.

      ADD83 wrote:

      Ich kann es nicht akzeptieren dass andere Menschen mir meine eigenen Ziele und Gedanken schlechtreden wollen.
      Das wäre ein Beispiel für meine Abfrage. Akzeptieren könnte man hier, dass es ihr Problem und ihr Grund ist warum sie das machen. An anderen Menschen kannst du nichts ändern.

      ADD83 wrote:

      Ich habe klar gemacht (wörtlich), dass es mir sehr wichtig war dieses Ziel zu erreichen.
      Allerdings stört es mich, dass andere um mich trotz der wörtlichen Ansage und dem Wissen, dass ich das in dem Augenblick eben nicht zeigen kann
      Ich würde da sagen, du musst das auch nicht jedem mitteilen und niemandem irgendwas klar machen. Dass dir dieses Ziel wichtig war ist ja erst Mal deine persönliche Sache, das hast du für dich gemacht und nicht wegen anderen. Genau so wie es andere auch nichts angeht, was du in dem Moment zeigen kannst. Das ist deine Sache und ich würde das auch gar nicht so sehr erzählen. Freu dich über dein erreichtes Ziel selbst, das sollte doch reichen.

      ADD83 wrote:

      Ich kann ein Ziel nicht erreichen, weil ich dafür mein Leben nicht „ausgelegt“ habe. Oder falsch ausgelegt habe ohne es zu wissen? Keine Ahnung.
      Ich weiß ich muss es akzeptieren. Das werde ich aber definitiv nicht.
      Das "muss" das klingt für mich so sehr nach zu viel Druck machen. Vielleicht ist auch schon die Formulierung "Ziel" das Problem, weil das auch irgendwie so nach einem "müssen" klingt. Wunsch klingt für mich viel besser als Ziel, ein Wunsch ist etwas das man gerne hätte oder gerne erreichen würde. Was toll wäre wenn man es erreicht, so wie ein "ich hätte/würde gerne ... schaffen/erreichen/können" aber es fällt dann vielleicht leichter falls es nicht klappt.
    • @ADD83: Mit Deinem Eingangsbeitrag sprichst Du mir aus der Seele. Ich weigere mich auch energisch, etliche Dinge zu akzeptieren, die mich verärgern, die ich aber nicht ändern kann. Das betrifft nicht nur Dinge, die aus naturgesetzlichen Gründen nicht zu ändern sind (zum Beispiel Älterwerden/Sterben), sondern auch solche, die sich zwar an sich ändern könnten - von denen aber mein Umfeld will, daß sich diese Dinge eben nicht ändern.

      Und gerade im Fall "die anderen wollen nicht" brennen dann bei mir die Sicherungen durch (RW). Zum Beispiel, wenn ich im Beruf (IT) den Stand der Technik und dessen Vorteile kenne, aber darauf festgelegt werde, "wie wir es schon immer gemacht haben" (in einem Fall zum Beispiel statt Versionsverwaltung Zip-Archive mit Datum als Dateinamen). Ich hatte dieses Thema schon mehrfach und konfliktreich in der Therapie, wobei mir immerhin nicht direkt "glücklich werden" zugemutet wurde.

      ADD83 wrote:

      Ist Akzeptanz nicht das Ende, wenn man erstmal aufhört zu Kämpfen?
      Ich mache mal die Nemesis zu @Needle und sage: Ja, das kann wenigstens in Einzelfällen sein.

      Vorsicht, kann triggern/depressiv machen:
      Display Spoiler
      Ich hatte mal in einer Sitzung auf die Geschichte Das alte Recht verwiesen (Ludwig Thoma: Die Bewohner eines Dorfes setzen ein gewohntes - rechtswidriges - Verhalten durch Zusammenrotten/Boykott gegen eine "Quertreiberin" durch). Nachdem ich die Geschichte zusammengefaßt wiedergegeben hatte, erklärte mein Therapeut nach langem Nachdenken: "Es gibt manchmal Fälle, in denen ich resignieren muß".
    • Was mir dazu noch eingefallen ist:

      Vielleicht kann man es auch als etwas gutes sehen, wenn es einem schwer fällt etwas zu akzeptieren. Das könnte bedeuten, dass man noch nicht so oft die Situation hatte das man etwas nicht geschafft hat, und es deswegen vielleicht nicht gewohnt ist etwas akzeptieren können zu müssen. Man könnte es auch so sehen, dass man vielleicht ein Mensch ist wo eben nicht so leicht aufgibt, und auch wenn es schwierig wird weiter dafür kämpfen möchte.

      Da gibt es keine Norm, wie lange man kämpfen sollte, oder wann man etwas akzeptieren sollte. Es gab Menschen, denen diagnostiziert wurde sie würden nie mehr laufen können. Sie haben es nicht akzeptiert und entgegen aller Prognosen konnten sie wieder laufen. Es gab Menschen wo gesagt wurde, sie würden nicht mehr aus dem Koma erwachen. Und Angehörige haben das nicht akzeptiert und gekämpft, und es hat funktioniert. Natürlich kann man das vielleicht nicht auf jede Situaton übernehmen, aber damit will ich sagen, dass keiner wissen kann ob man resignieren sollte oder ob man weiter kämpfen sollte und es Erfolg hat. Niemand weiß auch, wie lange es dauert bis das Kämpfen erfolgreich ist, oder ob es überhaupt erfolgreich sein wird.

      Was denke ich jeder kennt sind Zeiträume, in dem einem das Kämpfen sinnlos oder zu viel vorkommt. Ob man weiter kämpft oder aufgibt/akzeptiert kann einem keiner beantworten. Das kann nur jeder für sich und für jedes Thema individuell entscheiden. Manchmal kann sich vielleicht auch schon das dafür kämpfen lohnen, unabhängig vom Endergebnis.

      Es gibt auch diverse Zitate dazu:

      Vaclav Havel wrote:

      Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht. Sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

      Albert Einstein wrote:

      Gibt das was dir wichtig ist nicht auf, nur weil es nicht einfach ist.

      Unbekannt wrote:

      Scheitern ist nicht das Gegenteil von Erfolg, es ist ein Teil davon.

      Unbekannt wrote:

      Bevor du etwas aufgibst, denk nach warum du daran festgehalten hast.

      Hätten die Menschen immer alles akzeptiert, hätte vermutlich nichtmal jemand das Rad erfunden. Wir hätten keine Flugzeuge, keine Elektrizität, usw. Ich kann dir nicht sagen, wann es richtig ist was zu akzeptieren. Aber wenn man etwas nicht akzeptieren kann, heißt das vielleicht dass es etwas ist, das einem sehr wichtig ist. Und, dass man vielleicht auch gar nicht immer alles akzeptieren können muss.

      Mach was dich glücklich macht, was sich für dich richtig anfühlt. Ob es richtig war oder nicht, kann dir vorher eh keiner sagen.
    • Das finde ich gut, was @Zwischenmensch da schreibt.

      Ich glaube auch, Du kannst Dich hineinsteigern in das, was nicht geht. Du kannst aber sehr wohl auch beschließen, daß Du Dich um das kümmerst, was geht. Das ist eine Entscheidung, Du hast immer die Wahl, auch wenn es nicht so aussieht. Du entscheidest, welche Haltung Du zu den vorhandenen "Tatsachen" einnimmst.