Habt ihr auch einen unbewußten Ausschalter?

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    • Habt ihr auch einen unbewußten Ausschalter?

      Die letzten Wochen waren sehr anstrengend für mich und sind es immer noch. Vorletzte Woche war ich sehr verzweifelt, weil ich in der Tagesklinik gegen Wände anrennen musste (RW) und für mich keinen Ausweg sah. Das ganze Wochenende ging es mir schlecht, mit Suizidgedanken und den ganzen scheiß, der halt bei einer Depression so hoch kommt. Am Montag war dann auf einmal ein Schalter umgelegt. Es war nicht mehr so, dass mein weiterer Behandlungsweg von der Klinik abhängig war. Ich habe die zweite Woche in der TK dann abgesessen (RW), bzw. habe mich die meiste Zeit mit irgendwelchen vorgeblichen Terminen dem Programm entzogen. Mittwochs war Visite, mit der Ansage, dass Freitag, die nicht existierende Behandlung beendet wäre (habe ich an anderer Stelle schon beschrieben). Was mich irritiert ist, dass es bei mir scheinbar, in sehr stressigen Situationen einen "Ausschalter" gibt, und ich das Thema zumindest auf einer emotionalen Seite für mich beiseite schieben kann. Mir geht es dadurch insofern besser, das ich nicht mehr so verzweifelt oder ähnliches bin. Mir erschließt sich schon der Hintergrund, dieses "Mechanismus", bin aber doch immer wieder erstaunt, wie das menschliche Hirn vor Überlastung schützt. Das ist bei mir nicht die erste Erfahrung dieser Art. Es passiert bei mir, wenn ich nicht aufhören kann, mich mit einem Thema zu beschäftigen, auf welches ich keinen Einfluss habe, oder welches mir nicht gut tut. Es muss nicht immer von Außen getigert sein, sondern kann auch aus mir selbst heraus entstehen. Hat da noch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

      PS.: Ein Aspekt dieses Problems ist, dass ich meine Grenzen nicht wahrnehme. Das hat letztendlich auch zu meiner derzeitigen Situation geführt. Zumindest zu einem großen Teil.
      PPS.: Es müsste Schutzschalter heißen.
      Das Leben ist zu komplex, um eine festgelegte Meinung zu haben.

      The post was edited 1 time, last by Back ().

    • Lieber Back,
      ich sage es ganz vorsichtig und bitte nicht falsch verstehen oder beleidigt sein falls ich mich irre: bist du sicher, dass du hier im richtigem Unterforum schreibst?
      Ich meine: führst du das Problem darauf zurück, dass du Angehöriger von jemandem im Autismus-Spektrum bist?
      Eventuell gibt es hier ein anderes Unterforum für Leute, die auf eine Diagnostik warten?..
    • @Hoppla Dein Einwand kann ich gut verstehen, aber ohne Diagnose sehe ich mich als Angehöriger, und war mir nicht sicher wo ich diesen Thread rein setzen sollte. Fand es auch etwas suboptimal. Dank @Eurich Wolkengrob ist er jetzt wohl doch im etwas geeigneteren Unterforum.
      Das Leben ist zu komplex, um eine festgelegte Meinung zu haben.
    • Back wrote:

      Was mich irritiert ist, dass es bei mir scheinbar, in sehr stressigen Situationen einen "Ausschalter" gibt, und ich das Thema zumindest auf einer emotionalen Seite für mich beiseite schieben kann. Mir geht es dadurch insofern besser, das ich nicht mehr so verzweifelt oder ähnliches bin. Mir erschließt sich schon der Hintergrund, dieses "Mechanismus", bin aber doch immer wieder erstaunt, wie das menschliche Hirn vor Überlastung schützt. Das ist bei mir nicht die erste Erfahrung dieser Art. Es passiert bei mir, wenn ich nicht aufhören kann, mich mit einem Thema zu beschäftigen, auf welches ich keinen Einfluss habe, oder welches mir nicht gut tut. Es muss nicht immer von Außen getigert sein, sondern kann auch aus mir selbst heraus entstehen. Hat da noch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
      Nun, ich hab drei Ausschalter. Einmal der "nicht mehr denken, machen" Schalter, der mich in Stressituationen schnell und präzise (wenn auch emotional distanziert) handeln lässt, dann die passive Dissoziierung, die mich in stressigen aber nicht bedrohlichen Situationen einfach vor mich hin starren lässt, und dann den unglaublichen Notaus, mit dem ich mir einen Schmerzreiz in den Kopf projiziere, um Schleifen zu durchbrechen ... . Manchmal ist schwache zentrale Kohärenz geradezu eine Supekraft :) .
    • Das was du da beschreibst, habe ich auch schon so erlebt. Ich war letztes Jahr zu einer psychosomatischen Reha und konnte diesen "Aus-/Schutzschalter" während einer Gruppentherapie miterleben. In einem Moment dachte ich, ich ertrinke in meinen Emotionen und im nächsten Augenblick war alles weg. Nicht nur kurzzeitig, sondern dieser "Schalter" funktionierte über eine Woche. Weder positive noch negative Gefühle kamen für die restliche Zeit auf, nur unglaubliche Erschöpfung als ich endlich wieder zu Hause war.
      Die Überforderung hatte sich bei mir zu dem Zeitpunkt auch schon über mehrere Wochen aufgebaut und ich war ähnlich hilflos, weil mich keiner verstand bzw ich die Hilfsangebote und Strategien für mich als nicht hilfreich empfand. (ging zu dem Zeitpunkt auch ausschließlich um Depressionen)

      The post was edited 1 time, last by Tyto ().

    • @Back Erlich gesagt habe ich noch gar nicht so genau darauf geachtet. Aber was die Tagesklinik angeht kann.Ich dir nur recht geben. Mein Sohn damals 9 Jahre wurde in der TK auch nur verarscht und unter drogen gesetzt.
      Also vor einer Tagesklinik kann ich nur jeden ernsthaft warnen!!!!
    • Das kann ich leider gar nicht, wünsche mir aber manchmal so einen Schalter zu haben. Bei mir ist immer alles gleichzeitig präsent, so viele Emotionen, und ich kann sie nicht abschalten.

      Teilweise bin ich in Gedanken und Emotionen wie in Endlosschleifen gefangen. Es kostet mich sehr viel Kraft und Abstand von der betreffenden Situation oder den Menschen um da wieder herauszukommen.
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • Ein Mal meine damalige Blockade zu meinem Firmengebäude zu gehen nach Zusammenbruch im Kundenservice. Ich wollte meinen Job nicht verlieren aus anderen Gründen, aber immer wenn ich bei den Wiedereingliederungsversuchen zum Gebäude hinlief, bekam ich plötzlich eine Art Druck, wie eine unsichtbare Wand, wo mir sofort automatisch wieder klar war, dass ich nicht mehr reingehe. War ich wieder ein paar Meter weiter weg, dachte ich mir wieder "Aber vielleicht, und ich kann das..". Und lief ich wieder näher kam wieder diese "Wand" und mein gedankliches "Nein, auf keinen Fall mehr". Als ich mich vor dem Zusammenbruch noch dort überlastet hatte, wurde mir regelmäßig stark schwindelig mit teilweise Herzstolpern. Am Tag meines Austritts-Entschlusses (binnen weniger Minuten) war mir so schwindelig geworden, dass ich mich auf die Notliege der Firma legte und sagte, dass ich die Arbeit endgültig nicht mehr schaffe, wobei ich mit denen noch nicht drüber gesprochen hatte.
      Und ein Mal in einer stressigen Zeit mit einer anderen Sache, bekam ich mal plötzlich starken Hinterkopf-Druck in einem Gespräch mit schlagartigem Schwindel. Wobei ich da auch ne Maske aufhatte und es heiß war. Aber die Person redete dabei ohne Punkt und Komma, wo ich folgen musste um zu antworten und die war mir auch noch fremd.

      Wenn ich ein wenig weniger gestresst bin als im Beispiel eben,- merk ich oft, dass ich sehr müde werde schlagartig nach dem ich mehrmals meine humane Müdigkeit ignoriert hab und mich dabei oft irgendwie leicht maltretiert (z. B. Haare raufen) habe, um die körperliche Anspannung wegen meiner Überaktivität abzuleiten. Die darauffolgende Müdigkeit ist sehr angenehm vom Entspannungsgefühl, aber ärgerlich darin, dass ich ihr nicht lange Stand halten kann. Irgendwann funktioniert das Denken dann nur noch so schwer, dass längere Pausen machen muss + sich meine Augen anfühlen, als gehen nur noch wenige Millimeter, bis ich automatisch einschlafe. Dann gehe ich immer ins Bett. Wobei ich mir ein Uhr eine Zeit lang als Grenze setzen konnte. Gerade ist es wieder stressiger, da wird es öfters wieder 2 Uhr am PC.

      Ansonsten weiß ich immer, wann ich am Einschlafen bin, wenn meine Gedanken über beispielsweise Psychologie plötzlich unlogisch in irgendeinem seltsamem Bild oder in seltsamen Gedankenworten abdriften, so dass der angefangene Satz keinen Sinn mehr ergibt, und ich merke, damit einhergehend das Träumen zu beginnen. Dann kann ich meine Gedanken entspannt loslassen (nur schrecke ich meist automatisch kurz nach dem Einschlafen noch mal hoch und ein wenig zu Beginn des Seltsamwerdens der Gedanken). Wenn auch ich mich dann manchmal ärgere, dass ich jetzt dem interessanten Gedanken nicht mehr nachgehen kann, es sei denn ich setze mich jetzt hin und schüttle meinen Kopf wach. Aber das ist so entspannend und oft auch interessant. Manchmal auch gruselig, aber dann erschreck ich mich automatisch daraus.

      Und manchmal, wenn ich blitzartig gefühlt voll nen guten Gedankengang meine zu haben, ist öfters dann von einer Sekunde auf die nächste der Gedanke samt einzelne Inhalts-Erinnerung weg und ich krieg den Gedanken einfach nicht mehr wieder zu dem Zeitpunkt. Obwohl ich normal ein sehr gutes Gedächtnis hab. Der Gedanke reißt aber nicht ab im Sinne von zwischendrin. Sondern in wenigen Sekundenbruchteilen ging mir was durch den Kopf, wo ich denke "Das ist ein super Gedanke" und im selben Moment ist er genauso schnell wieder verschwunden. Blitzgedanke wie von selbst aufgekommen. "Intutitiv" schreiben manche Seiten. Nur zum Verschwinden finde ich nichts.

      Wenn ich länger ganz hart überlastet bin, werde ich meist auch ziemlich verpeilt, - richtig unangenehm und kann das nur noch abstellen, wenn ich ne Pause einlege.

      Ansonsten gibt es noch Begriffe wie Dissoziation, Abspaltung, Gedankenabreißen, Gedankensperre / Blockade. Autopilot o. ä. Ein Flutopfer aus dem Ahrtal hatte letztens beschrieben, wie sein Gehirn plötzlich auf Automodus lief und einiges ausblendete, um funktionieren zu können.

      Auf Autopilot reagiere ich auch oft als Helfende in Notsituationen. Da sind dann meine Ängste ausgeschaltet.
    • Four wrote:

      ...

      Ansonsten weiß ich immer, wann ich am Einschlafen bin, wenn meine Gedanken über beispielsweise Psychologie plötzlich unlogisch in irgendeinem seltsamem Bild oder in seltsamen Gedankenworten abdriften, so dass der angefangene Satz keinen Sinn mehr ergibt, und ich merke, damit einhergehend das Träumen zu beginnen. Dann kann ich meine Gedanken entspannt loslassen (nur schrecke ich meist automatisch kurz nach dem Einschlafen noch mal hoch und ein wenig zu Beginn des Seltsamwerdens der Gedanken). Wenn auch ich mich dann manchmal ärgere, dass ich jetzt dem interessanten Gedanken nicht mehr nachgehen kann, es sei denn ich setze mich jetzt hin und schüttle meinen Kopf wach. Aber das ist so entspannend und oft auch interessant. Manchmal auch gruselig, aber dann erschreck ich mich automatisch daraus.

      Und manchmal, wenn ich blitzartig gefühlt voll nen guten Gedankengang meine zu haben, ist öfters dann von einer Sekunde auf die nächste der Gedanke samt einzelne Inhalts-Erinnerung weg und ich krieg den Gedanken einfach nicht mehr wieder zu dem Zeitpunkt. Obwohl ich normal ein sehr gutes Gedächtnis hab. Der Gedanke reißt aber nicht ab im Sinne von zwischendrin. Sondern in wenigen Sekundenbruchteilen ging mir was durch den Kopf, wo ich denke "Das ist ein super Gedanke" und im selben Moment ist er genauso schnell wieder verschwunden.


      ...

      Das ist ja interessant. Ich habe das vermehrt in den letzten Jahren an mir festgestellt und dachte, nur ich hätte solche seltsamen Gedankenrisse bzw. dachte ich da auch öfters, dass ich vielleicht nen zunehmenden Hirnschaden habe aus früheren Partyzeiten oder unbemerkten Durchblutungsstörungen oder ähnlichem.

      Irgendwie beruhigt und erschreckt mich deine Schilderung gerade *lach
    • Lilja wrote:

      Irgendwie beruhigt und erschreckt mich deine Schilderung gerade *lach
      Unberuhigender Weise war ich auch viel auf Partys und hatte vor ein paar Jahren in einem MRT Mal den Befund "Punktuelle Auffälligkeiten im Marklager", welche zu Durchblutungsstörungen führen können ^^

      Aber dieses Einschlafphänomen wird glaub ich auch als hypagnoge Halluzinationen bezeichnet, - und die können auch bei gesunden auftreten.
      Und bei beispielsweise Angiomen oder Cavernomen im Gehirn las ich, dass die sich auch wieder zurückbilden können, wenn auch nicht müssen. Über ggf. mögliche Rückbildungen von punktuellen Marklager-Auffälligkeiten finde ich spontan nichts, wobei die Entmarkungen auch diverse Ursachen haben können. Z. B. auch durch Migräne. Wobei ich das zu dem Zeitpunkt zumindest nicht mehr mit Schmerzen wenn hatte. Sondern wenn dann Migräne-Aura mit Schwindel und Derealisationsgefühlen. Ein paar Jahre zuvor hatte ich wohl auch starke Kopfschmerzen. Aber auch beispielsweise bei MS können die Entmarkungen auftreten. Wobei MS auch kein festes Gesicht hat (RW). Aber bei mir können beide Sachen (Einschlaf-Hallus, Marklager) genetisch bedingt sein.

      Nur gehen bei mir die hypnagogen Einschlaf-Halluzinationen heute schnell ins Träumen über. Früher als Teenager hatte ich ständig "richtige", bei offenen Augen, mit Sicht auf mein Zimmer. Heute habe ich das bei geschlossenen Augen, wobei sich schnell mehr Traumhintergrund mit einspielt und ich mich einschlafend fühle. Bei den früheren fühlte es sich an, wie als ob ich wach wäre. Wobei ich da auch noch Aufwach-Halluzinationen und Schlafparalysen hatte. Das ist bei mir wieder weggegangen.

      (Aber Gedankenabreißen im Sinne von "Abreißen" soll sein, dass ein Gedanke mittendrin nicht zu Ende gedacht werden kann, - ohne erkennbare äußere Einflüsse einfach inmitten seiner selbst plötzlich futsch ist. Das gehört zu den formalen Denkstörungen. Das kenne ich z. B. nicht. Wohl empfinde ich ADHS-mäßig, dass ich einen Gedanken mitten drin aufhöre zu denken, weil mir ein interessanter Nebengedanke kommt, und ich den anderen Gedanken dann bewusst bei Seite schiebe. Oder halt bei totaler Übermüdung, wenn ich den Gedanken dann nicht mehr halten kann, lasse ich ihn ziehen (RW))

      Das mit den gut empfundenen Blitzgedanken die schnell kommen und genauso wieder verschwinden und dann völlig weg sind beobachte ich aber noch nicht so lange bei mir.
    • ja, ich kenne das auch von mir...

      Irgendwie gut zu wissen, dass das andere Menschen auch haben, finde ich :)
      Was ich brauch' ist ein Pinguin mit Übergewicht, der für mich das Eis bricht, denn ich kann das nicht! ~Jennifer Rostock