Gerne telefonieren ?!?!

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    • Gerne telefonieren ?!?!

      Hallo zusammen.
      Ich lese häufig , dass wir Probleme mit dem Telefonieren hätten.
      Bei mir ist das überhaupt nicht so…
      Was mich ein wenig zweifeln lässt.

      Meine Art zu telefonieren ist allerdings sehr interessant. Ich quatsche die Person am anderen Ende zu, meist über irgendein Special Interest … (derzeit erzähle ich jedem, der es hören oder nicht hören mag, über das Thema Autismus) - und das Gespräch endet häufig , ohne dass der andere großartig zu Wort kommen konnte - wofür ich mich dann meist entschuldige und derzeit auch trainiere , mein Gegenüber am Telefon nicht dauernd zu unterbrechen.

      Zuhören kann ich wohl auch, wenn es gefordert wird - aber in 80% der Fälle betreibe ich doch Infodumping- und sofern die Person, mit der ich telefoniere , ausschließlich Smalltalk liefert - höre ich eigentlich gar nicht mehr zu (was mir dann auch regelmäßig leid tut).
      Ich interessiere mich sehr für Lyrics - und lese dann am Telefon Songtexte vor - dass der Gesprächspartner am anderen Ende halb eingeschlafen ist , merke ich dann auch nicht :D

      Beim Telefonieren fallen Gestik, Mimik, Blickkontakt weg… evtl wäre das ein Grund, wieso ich es präferiere….?
      Des Weiteren gibt es hier weniger Gefahr für orthographische Fehler (was zB beim Chatten der Fall ist) - ich werde davon ein wenig nervös… irgendwie.

      Die Telefonate mit einem autistischen Freund aber zB finde ich überaus angenehm und oh Wunder - hier höre ich sogar anständig zu - weil er einfach für meinen Geschmack interessantes Wissen und Informationen hat und mein Spezialinteresse „Psychologie“ teilt und zu meiner konstanten Wortkotze etwas Konstruktives bis Intellektuelles beitragen kann.
      Er ist hingegen weitaus früher von Telefonaten erschöpft , wohingegen ich viel Energie dafür aufwenden kann.

      Stimmt jetzt was nicht mit mir ? :D Ich frage mich, ob es noch andere gibt , denen das Telefonieren auch nicht soo schwer fällt bzw. die ähnliche Erfahrungen machen.
    • zaph wrote:

      Juna1986 wrote:

      Ich lese häufig , dass wir Probleme mit dem Telefonieren hätten.
      Wer ist "wir"?

      Da dies ein Aspie Forum ist, denke ich alle von dieser Störung betroffenen.
      Ganz im Ernst, so ausgeprägt ist das bei mir auch nicht. Früher habe ich auch schon mal eine Stunde telefoniert. Wenn ich das Gespräch steuern kann ist alles für mich okay.
      Lieber ist mir natürlich ich rufe ohne Zwang an, und werde vor allem nicht angerufen.
      Call Center Mitarbeiter zu beleidigen, macht mir auch Spaß, wenn es angebracht ist.
      Ich mag es übrigens auch, nicht zu gestikulieren, und verziehe keine Miene beim Quatschen.
      Warum diese blöden NT s beim Gespräch auf der Straße vor sichtbaren Emotionen explodieren, vermutlich fehlt ihnen die Resonanz des Gesprächspartners...
      Zum Stottern komme ich nur bei den informationslosen Abschiedsflosken, die sind fast so schlimm wie Smalltalk.
      Tschüss und auflegen!
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen
    • Juna1986 wrote:

      Stimmt jetzt was nicht mit mir ? :d Ich frage mich, ob es noch andere gibt , denen das Telefonieren auch nicht soo schwer fällt bzw. die ähnliche Erfahrungen machen.
      Ich texte die Leute halt nicht so zu und bemerke es auch, wenn ich andere totquatsche bzw. will darauf Rücksicht nehmen. Also ich mag telefonieren nicht.
    • Doch ab und zu telefoniere ich sehr gerne. Am liebsten jedoch mit mir vertauten Menschen. Aber genau wie du quatsche ich den am anderen Ende meißt zu. Mein Schwager und meine Schwester kennen das jedoch schon von mir und reden dann einfach entschieden dazwischen, so das auch ich mal zum zuhören komme.
    • Das mit dem Vorwurf, den "Gesprächspartner" zu zu quatschen (nicht zu Wort kommen zu lassen) kenne ich, ich erkenne auch nicht immer, wann ich einsetzen muss beim Sprechen und rede dem anderen dann dazwischen (passiert mir aber auch im Live-Kontakt), aber eigentlich telefoniere ich auch gerne. Ich finde es auch praktischer, weil man schnell Informationen austauschen kann und schnell zu einem Ergebnis kommt. Zig Emails hin und her zu schreiben und auf eine Antwort warten zu müssen finde ich viel nerviger.
      diagn.
    • Ich mag es tatsächlich nicht besonders zu telefonieren und vermeide es wo es geht. Ich bevorzuge Email Kontakt und noch viel praktischer finde ich bei der Arbeit Teams zum Chatten. Ich rufe nur bei jemandem an, wenn es sich nicht anders vermeiden lässt. Ich habe leider einige Kollegen, die das genau anders herum sehen. Ich finde das Chatten besser, weil man nicht sofort darauf reagieren muss wie beim Telefon. Mann kann sich das Problem anschauen, in Ruhe überlegen und dann antworten.
      Glaub nicht alles, was du denkst.
    • Ich selbst telefoniere auch ausgesprochen ungern. Da spielt es keine Rolle, ob ich angerufen werde oder selbst wo anrufen soll. Für mich ist das eine echte Hürde, die sehr viel Vorbereitungszeit braucht. Was ich so schlimm finde, ist, dass man nicht weiß, was der Gesprächspartner wissen will. Dann stellt er womöglich Fragen, über die ich vorm Antworten gerne nachdenken möchte oder ich vergesse etwas zu fragen oder zu sagen oder muss antworten, obwohl ich mir unsicher bin, ob die gestellte Frage umfassend und richtig beantwortet ist. Das alles setzt mich sehr unter Stress.

      Was anderes ist es, wenn ich z.B. mit meinen Geschwistern oder einer Freundin telefoniere, das klappt erstaunlich gut. Nur mit Menschen, die ich nicht gut kenne oder gar mit Fremden telefonieren ist voll stressig.

      Aber wir haben es schon oft gehört: jeder Aspie ist anders. Gerne zu telefonieren ist sicher kein Ausschlusskriterium. :nod:
    • Nicht telefonieren zu müssen war sogar eines der obersten Kriterien bei meiner Berufswahl. Auch privat telefoniere ich nur im äußersten Notfall, wenn alle anderen Möglichkeiten nicht funktionieren. Zum Glück geht ja heutzutage nicht zuletzt durch die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie schon einiges mehr online, sogar über Messenger wie Whatsapp. Schriftlich kann ich mich einfach besser und deutlicher artikulieren, als am Telefon.
    • Ich mag es gar nicht spontan angerufen zu werden und wenn es nicht bei der Arbeit ist, gehe ich grundsätzlich nicht dran. Ich schaue dann wer es war, sammel mich und rufe zurück. Im Arbeitsumfeld bevorzuge ich es teilweise, die Leute anzurufen, um etwas zu klären. Vor allem, wenn es Leute sind, bei denem ich im Kontakt unsicher bin bzw. bei Leuten, die ich nicht kenne. Das hat den Hintergrund, dass es mir Angst macht, Dinge mit NT's schriftlich zu klären, da ich es sehr sehr schwer finde, schriftlich den richtigen Ton zu treffen (nicht zu unhöflich <--> nicht zu nachgiebig) und zusätzlich ein schriftlicher "Beweis" meiner potentiellen Unhöflichkeit entsteht. Am Telefon kann ich besser spontan durch freundliches Masking gegensteuern, wenn ich merke, dass ich zu direkt oder so war. Kostet dann zwar viel Kraft, hält so aber meine Ängste in Schach...
    • knarzbreze wrote:

      Am Telefon kann ich besser spontan durch freundliches Masking gegensteuern, wenn ich merke, dass ich zu direkt oder so war. Kostet dann zwar viel Kraft, hält so aber meine Ängste in Schach...
      Genau das kann ich am Telefon nicht, wenn ich spontan sein muss, bin ich einfach extrem unbeholfen. Schriftlich kann ich es mir vor dem Absenden aber noch mal durchlesen und überlegen, ob ich etwas anders formuliere oder irgendwelche Höflichkeitsfloskeln hinzufüge.
      Glaub nicht alles, was du denkst.
    • kim wrote:

      knarzbreze wrote:

      Am Telefon kann ich besser spontan durch freundliches Masking gegensteuern, wenn ich merke, dass ich zu direkt oder so war. Kostet dann zwar viel Kraft, hält so aber meine Ängste in Schach...
      Genau das kann ich am Telefon nicht, wenn ich spontan sein muss, bin ich einfach extrem unbeholfen. Schriftlich kann ich es mir vor dem Absenden aber noch mal durchlesen und überlegen, ob ich etwas anders formuliere oder irgendwelche Höflichkeitsfloskeln hinzufüge.
      Ja, in Telefonkonferenzen mit mehrere Menschen (danke Corona!), versage ich da auch häufig, vor allem wenn ich im Stress bin. Füher habe ich auch Mails schreiben bevorzugt, aber das Forumlieren kostet mich einfach sehr viel Kraft und Zeit und am Ende gebe ich doch die Kontrolle ab, weil ich das Gesicht des Emfängers bei Erhalt und die direkte Reaktion nicht mitbekomme. Ich bin beruflich so im Stress und muss zur Zeit so viel kommunizieren, dass ich es mir nicht leisten kann, pro Mail teilweise eine Stunde zu benötigen und dann im Anschluss noch rumzugrübeln, ob ich jetzt jemanden verärgert habe.

      EDIT: ja, ich habe vielleicht den falschen Job und sollte mir einen Wechsel überlegen :D
    • Mit mehreren gleichzeitig reden geht tatsächlich gar nicht.
      Wurde seitens Mitspielern beim Zocken zum Gespräch gebeten - 8 Leute - nein danke. Ich hab ne regelrechte Panikattacke bekommen ..

      also das ist bei mir auch so @Konferenzen.

      Danke bis hierhin für die Beiträge.
    • knarzbreze wrote:

      Füher habe ich auch Mails schreiben bevorzugt, aber das Forumlieren kostet mich einfach sehr viel Kraft und Zeit und am Ende gebe ich doch die Kontrolle ab, weil ich das Gesicht des Emfängers bei Erhalt und die direkte Reaktion nicht mitbekomme. Ich bin beruflich so im Stress und muss zur Zeit so viel kommunizieren, dass ich es mir nicht leisten kann, pro Mail teilweise eine Stunde zu benötigen und dann im Anschluss noch rumzugrübeln, ob ich jetzt jemanden verärgert habe.
      Ist bei mir haargenauso. Früher habe ich mich auf Arbeit um jedes Telefonat gedrückt und lieber Emails geschrieben, heute ist es genau anders herum, weil mich Emails schreiben wegen des fehlenden direkten Feedbacks und damit der größeren Gefahr unbemerkt missverstanden zu werden massiv stresst und zu endlosen Grübeleien veranlaßt.
    • Aldana wrote:

      knarzbreze wrote:

      Füher habe ich auch Mails schreiben bevorzugt, aber das Forumlieren kostet mich einfach sehr viel Kraft und Zeit und am Ende gebe ich doch die Kontrolle ab, weil ich das Gesicht des Emfängers bei Erhalt und die direkte Reaktion nicht mitbekomme. Ich bin beruflich so im Stress und muss zur Zeit so viel kommunizieren, dass ich es mir nicht leisten kann, pro Mail teilweise eine Stunde zu benötigen und dann im Anschluss noch rumzugrübeln, ob ich jetzt jemanden verärgert habe.
      Ist bei mir haargenauso. Früher habe ich mich auf Arbeit um jedes Telefonat gedrückt und lieber Emails geschrieben, heute ist es genau anders herum, weil mich Emails schreiben wegen des fehlenden direkten Feedbacks und damit der größeren Gefahr unbemerkt missverstanden zu werden massiv stresst und zu endlosen Grübeleien veranlaßt.
      Ich schreibe zwar tendenziell auch lieber E-Mails (schon weil die Leute sich dann selbst aussuchen können, wann sie die Mail lesen und ich sie nicht störe), habe aber die Erfahrung gemacht, dass bei der E-Mail-Flut heutzutage viele Mails entweder gar nicht oder erst sehr spät gelesen werden. Gut, bei ersten Fall weiß man es nicht, ob die Mails nicht gelesen werden, wenn keine Antwort kommt.
      Wenn man also ein möglichst zeitnahes, am besten direktes Feedback benötigt, dann kommt man ums Telefonieren nicht herum.
    • @Juna1986

      Ich glaube wir beiden hätten viel Spaß beim telefonieren. Mein Rekord liegt bei 10 Std. im Zeitfenster von 12 Std. ( man muss ja mal aufs Klo )

      Smaltalk am Telefon geht garnicht, ist es ein Sachthema und dann noch von Interesse ...

      Juna1986 wrote:

      Stimmt jetzt was nicht mit mir ? :d Ich frage mich, ob es noch andere gibt , denen das Telefonieren auch nicht soo schwer fällt bzw. die ähnliche Erfahrungen machen.
      nee, alles o.k. :d
      "Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit" (Erich Kästner)
    • Juna1986 wrote:

      Beim Telefonieren fallen Gestik, Mimik, Blickkontakt weg…
      Soweit die Theorie. Hilft aber nicht.
      Das Gegenüber sieht dann auch nicht, dass ich gerade verzweifelt alle möglichen Gedankengänge abwäge und um eine Entscheidung ringe. Und genau das ist für mich das Problem: Ich kann so schnell keine Entscheidungen treffen. Meist muss man das aber. Nur bei Telefonaten, wo das nicht vorkommt, habe ich wenig bis keine Probleme. Oder wo ich vor dem Telefonat alle mir einfallenden Gesprächsverläufe vorausbedenke und mir passende Entscheidungen zurechtlege.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Juna1986 wrote:

      Stimmt jetzt was nicht mit mir ? :d Ich frage mich, ob es noch andere gibt , denen das Telefonieren auch nicht soo schwer fällt bzw. die ähnliche Erfahrungen machen.
      Bei mir gibt es zwei Gebiete, bei denen ich gerne telefoniere:
      • Gespräche mit den besten Freunden, da für diese kein Small Talk nötig ist und man sich sehr gut kennt
      • Kurze Gespräche, bei denen ich genau weiß, was ich von wem möchte, zum Beispiel zu einer Bowling-Bahn: "Haben Sie heute trotz Feiertag geöffnet?"
      Bei anderen Gesprächen fällt es mir schwerer, weil...
      • ... ich nicht immer weiß, wer abhebt und ich manchmal den genannten Namen nicht verstehe
      • ... ich den Typ des Gegenübers nicht kenne, soll ich erst fragen: "Passt Ihnen das Gespräch gerade?" oder direkt zum Punkt kommen?

      The post was edited 1 time, last by Mr. Winterbottom ().

    • Juna1986 wrote:

      Was mich ein wenig zweifeln lässt.
      Hallo,

      du bist du und nicht andere. Wenn jemand anderes gerne Vanilleeis mag und du nicht, zweifelst du ja deswegen vermutlich auch nicht daran ein Mensch zu sein. Ich kenne das mit dem "sich vergleichen" und dann zweifeln wenn irgendwas untypisch erscheint. Aber das ist nicht zielführend, weil nicht bei allen Autisten alle Dinge exakt gleich sind. Es gibt verschiedene Abweichungen und Ausprägungen (=Spektrum).

      Dein Autismus-Eigenverdacht wird ja auf noch mehr begründet sein wie, ob du gerne telefonierst. Deswegen sollte gerne zu telefonieren nicht ausreichen, um nur deshalb zu zweifeln.
    • Also für mich ist telefonieren das schlimmste. Egal ob mit Freunden oder Ämtern. Ich werde total hibbelig, schwitze, habe Wortfindungsschwierigkeiten und muss auf und ab laufen um mich zu beruhigen. Für mich ist telefonieren mit extremen Stress verbunden. Und obwohl ich auf der Arbeit jeden Tag telefonieren musste, ist es auch nach 12 Jahren nicht besser geworden. Es ist also auch keine fehlende Übung.

      Aber das ist nur bei mir so extrem ausgeprägt, ich habe kaum Autisten kennen gelernt, die solche starken Probleme mit telefonieren haben, wie ich (besonders die neueren Generationen, die schon mit dem Handy aufwachsen).

      Ich denke, das zeigt sich bei jedem Autisten anders. Aber Autisten neigen sicherlich dazu, in einigen Sozialen Dingen außerordenliche Probleme zu haben (und für manche ist es eben das telefonieren).

      Auf der anderen Seite habe ich garkein Problem damit, vor vielen Menschen zu reden, egal ob 10 oder 200. Ich habe auch kein Problem damit, mit Leuten zu reden, wenn wir uns gegenüber sitzen. Es ist nur dieses verdammte Telefon ;)