Wie fühlt ihr Euch in reizintensiven Umgebungen?

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    • LeuChris wrote:



      Ich frage mich gerade, wie das in Kulturen ist, wo sich nicht so regelmäßig berauscht wird. Also vornehmlich in islamisch geprägten Ländern. Gibt es da auch so eine Vielzahl an Massenveranstaltungen oder nimmt man da von derartigen Veranstaltungen (Pilgerreisen mal außen vor gelassen - das ist ja auch so eine Art Rausch) eher Abstand?
      Naja da nimm doch nur mal so nen Orientalischen Markt oder ähnliches, da hast du mindestens einmal die Woche wenn du einkaufen willst auch das volle Programm. Ich hab schon oft von NTs gehört, dass die das mögen sich zB durch nen Weihnachtsmarktgedränge durchzuquetschen :m(:
      Wenn du sie mit Wissen nicht überzeugen kannst, verwirre sie mit Schwachsinn.
    • Gilt ein Krankenhaus auch? Ich musste gestern dort notgedrungen Stunden verbringen und wurde von einem Gebäude zum anderen geschickt, von einem Raum zum anderen. Es gab dort große Wartezonen und diese Umgebung hat mich schlicht wahnsinnig gemacht. Laufende Menschen, rufende Ärzte, surrende Lampen, klappernde Türen, Geräusche der wartenden Menschen, Geräusche durch die Fenster.

      Tatsächlich wurde ich mit fortschreitender Stunde immer stiller. Konzentrierte Kommunikation und Zuhören war schwer möglich. Ich hatte Kopfschmerzen und war nachher nur noch erschöpft.

      Ich bin heute noch fix und fertig und bekomme kaum etwas auf die Reihe (RW)

      Aber Kirmes, Weihnachtsmarkt und ähnliches ist fast noch schlimmer. Ein großer Park mit viel Abstand geht allerdings wenn ich denn Pause machen kann und es tagsüber ist. Ich stelle fest, das sowas abends mit Neonbeleuchtung etc noch schlimmer ist.

      The post was edited 2 times, last by NaNo2430 ().

    • Es kommt darauf an. Diskos waren mir schon immer zu laut und zu teuer. Bei Dorffesten stört mich die Lautstärke oder das Menschengedränge ab einem gewissen Alkoholpegel nicht mehr.

      Fachmessen finde ich unheimlich spannend, aber da gibt es kein Entrinnen. Weder kann man sich betäuben noch einfach nach Hause gehen. Pausen sind nur in lauter Umgebung möglich. Ich kann das schaffen, mich durch die Stände ablenken. Zumal es ja Themen sind, die mich interessieren oder mit meinen Hobbies zu tun haben.

      Danach bin ich einen Tag platt und muss regenerieren.
    • NaNo2430 wrote:

      Laufende Menschen, rufende Ärzte, surrende Lampen, klappernde Türen, Geräusche der wartenden Menschen, Geräusche durch die Fenster.
      Das erinnert mich an eine Situation anfang des Jahres: Ich nummeriere hier mal die größeren Fehler, die mir normalerweise nicht passieren.

      Zur Besprechung meiner Tics hatte ich einen Termin in der Bewegungssprechstunde am Uniklinikum Münster. Das ist ein Riiieeesiger Gebäudekomplex, allein das Hauptgebäude ist einfach unbeschreiblich groß. Ich ging also rein und musste die ganze Zeit aufpassen: Wo muss ich mir die Hände desinfizieren? Wo ist die Rezeption? Gleichzeitig große Mengen von Menschen, Ärzten und Ordnern mit bunten Warnwesten. Ich merkte also schon, dass ich durch diese Umgebung wohl voll verpeilt handeln würde und fragte den mir nächsten Ordner wo ich diesen [komische-corona-zutritt-Schein] zeigen müsse. Ich solle zu dem anderen Ordner mit der gelben Weste gehen.

      (1) Ich ging zu ihm und bekam etwa ein Dutzend vorwursvolle Blicke in den Rücken sowie einen von vorne, denn die Schlange davor hatte ich ausgeblendet. :m(:

      Jetzt ging der Marathon los. Von Rezeption zu Rezeption wurde ich geschickt. Rezeption EG schickte mich zu Rezeption 5. Ich ging also los und suchte die Treppe. Da ich suchend aussah sprach man mich an (zum Glück, ich hätte die jungen Damen nicht als dafür zuständig erkannt also von mir aus auch nicht gefragt). Sie zeigten auf die Treppe.

      (2) Ich bedankte mich und ging zielstrebig an der Treppe vorbei. :) 1)

      Die nächste Treppe sah ich und sie führte logischerweise auch nach Oben, aber eben in der Mitte und nicht im Westen. Ohne die vielen (sehr vielen!) Schilder zu lesen stellte ich mich an die nächste (und einzig sichtbare) Rezeption an und als ich an der Reihe war legte ich meine Zettel vor.

      (3) Hier sei aber die Gynäkologie, die seien für Ticstörungen nicht zuständig. (Blick nach Oben: in großer Schrift war 'Gynäkologie' zu lesen) :m(:

      Ich solle nach Westen gehen. Ich ging nach Westen und sah drei Aufnahmeschalter sowie einen Wartebereich. Auf dem Weg nach Westen sah ich die eigentlich gemeite Treppe :m(: 1) die ich hätte nehmen sollen. Da es früh am Morgen war war zunächst nur eine zum Empfang zuständige Person vorhanden und ich stellte mich an. Dann kam eine Zweite an einem der anderen Schalter und fragte, was sie für mich tun könne. Ich erklärte ich habe einen Termin und sie erklärte...

      (4) ...ich müsse eine Nummer ziehen. Das riesige Nummerndisplay und den Automaten hatte ich übersehen. :m(:

      Zum glück war der Wartebereich der Neurologie eher ruhig und die Neurologin hatte noch etwas zu tun sodass ich zusätlich im Behandlungsraum etwas Zeit hatte mich zu sammeln um wieder relativ sortierte Gedankengänge zu bekomen.

      --> Ich verhielt mich als hätte ich einen Tunnelblick und sei Analphabet; an lauten Ampeln ist es ähnlich, da verpasse ich des öfteren die Grünphase (und drücke deshalb auf den Blinden-Knopf, damit das Piepen mich erinnert). Man könnte vermuten, dass dies ein Schutzmechanismus ist; lästig ist es aber auch.

      emjay2812 wrote:

      Danach bin ich einen Tag platt und muss regenerieren.
      Oh ja, ich merte dann meißt erst hinterher so richtig wie schlimm es war. Den ganzen Rückweg über hatte ich eine heftige Derealisation, die den ganzen Tag zum ausklingen brauchte.
      Keine Panik!
    • LeuChris wrote:

      Wobei mich mal interessieren würde, ob es NTs gibt, die sich in Menschenmassen wirklich wohl fühlen. Ich glaube das ja nicht. Die überfüllten Orte, die ich in meinem Leben besucht habe, waren in der Regel immer Orte an denen auch überdurchschnittlich viel Alkohol konsumiert wurde. Kirmes, Fußballstadion, Festivals, Volksfeste - ja sogar auf den klassischen Urlaubsflaniermeilen werden die Leute einen überdurchschnittlichen Pegel haben. Gut möglich also, dass so ein Durchschnitts NT, dass nüchtern auch kaum erträgt :d
      Ich frage mich gerade, wie das in Kulturen ist, wo sich nicht so regelmäßig berauscht wird. Also vornehmlich in islamisch geprägten Ländern. Gibt es da auch so eine Vielzahl an Massenveranstaltungen oder nimmt man da von derartigen Veranstaltungen (Pilgerreisen mal außen vor gelassen - das ist ja auch so eine Art Rausch) eher Abstand?

      Na gerade die islamisch geprägten Länder feiern gern Hochzeiten in ganz grossem Stil mit 1000+ Leuten und viel Rummel und Geschrei und Gehupe etc...
      Ich denke, das hängt dsvon ab wie ein NT geprägt wird und aufwächst, ich denke auch nicht, dass sich NT's generell in Menschenmengen unwohl fühlen, hlchstens wenn es eng wird und kein durchkommen möglich ist, dann werden einige möglicherweise auch aggressiv, aber auf Konzerten und co. wäre mir nicht aufgefallen, dass sich meine Begleiter über die Massen aufgeregt hätten. Gehört dazu, nimmt man hin...
    • Arthur Dent wrote:

      Ich verhielt mich als hätte ich einen Tunnelblick und sei Analphabet
      Das ging mir auch schon so. ;)
      Vor allem das Ausblenden bestimmter Dinge ist schon manchmal erstaunlich.

      Arthur Dent wrote:

      Zwar bin ich sicher und die Situation ist vorhersehbar, aber wegen der hohen Lautstärke kann ich den Geschmack nicht mehr sehen, denn die Geräusche sind zu hell und bunt; daherschmeckt es dann langweilig.
      Bei mir geht oft der Geruchssinn verloren. Wenn ich abends aus dem Büro nach Hause komme, nehme ich irgendwelche Gerüche in meiner Wohnung nicht wahr. Am nächsten Morgen, wenn ich wieder erholt bin, rieche ich dann plötzlich, dass eine Stallreinigung der Meerschweinchen dringend anstehen würde oder dass der Müll vor sich hingammelt. Das hat aber am Abend davor bestimmt auch schon so gerochen.

      Ansonsten, was die Ausgangsfrage betrifft: ich merke einen Unterschied, wenn mich etwas interessiert, dann kann ich Trubel etwas besser aushalten, z.B. eine begrenzte Zeit auf einem Weihnachtsmarkt oder in einem Vergnügungspark. In anderen Situationen bin ich sehr empfindlich und halte Trubel nicht sehr lange aus, z.B. beim Einkaufen oder bei irgendwelchen Festivitäten. Ich werde dann aggressiv. Wenn ich zu lange ausgehalten habe, bin ich am nächsten Tag depressiv, ich würde am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben, und nichts macht mir Freude.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Arthur Dent wrote:

      [Quasi ganzer Text und das hier stellvertretend dafür] (...) Ich verhielt mich als hätte ich einen Tunnelblick und sei Analphabet; an lauten Ampeln ist es ähnlich (...)
      Das ist bemerkenswert. Das könnte ich erlebt und geschrieben haben. Beeindruckend.
      "There's joy in repetition
      There's joy in repetition
      There's joy in repetition
      There's joy in repetition"

      (Prince Rogers Nelson)
    • Ich fühle mich fast wie ein Pferd in voller Stadt, welches dadurch muss. Wie auf einem fremden Planeten, nur visuell bekannt. Und fast so wie dieses Mädchen

      Nur, dass ich nur dann in Panik gerate, wenn ich keinen Fluchtweg sehe, und so lange wie ich mich unter Stress befinde, den aushalte. Und nicht ganz so betrübt dabei dreinschaue. Eher wie ein aufgeregtes und kaputtes Pferd. Wie diese Ugly-Smileys fühle ich mich dann.

      Das Aushalten führt dann zur Derealisation, teilweise manchmal auch Depersonalisation. Und wenn der Stress dann nicht aufhört, kriege ich Schwindelattacken. Wenn die kommen, verlasse ich das Geschehen. Bislang nur auf der Arbeit und in der Schule aufgetreten. Zu Hause bin ich nach sowas müde und möchte direkt schlafen. Wenn ich das nicht mache, werde ich verbal gereizt. Und noch wortkarger.

      Ständig muss man sich an das Tempo der einzelnen Leute anpassen, ausweichen, gucken, wo Exkremente liegen, hört viele Stimmen durcheinander, verschiedene Gerüche und wird dann noch oft um Geld oder Unterschriften gebeten von diversen Leuten. Wenn man sich was ansehen will, muss man sich durch Trauben (RW) quetschen und wird dann direkt vom Verkäufer angequatscht. Das lasse ich komplett sein.
      In großen Getümmeln laufe ich eigentlich nur Pacour und flüchte schnell wieder raus.

      Was ich so Orten wohl abgewinnen kann, ist mich manchmal nicht so einsam zu fühlen. Das gibt mir dann eine Zeit lang ein erfrischend lebendiges Gefühl, und wenn ich den Tag dann noch entspannt ausklingen kann, fühl ich mich manchmal auch schön ausgelastet und ich hab was erlebt. Meist im Urlaub, denn dann muss ich ja nicht arbeiten am nächsten Tag und habe viel Bademöglichkeiten + Gemütlichkeit. Aber es dauert nicht lang, dann flitze ich aus Gemenge schnell wieder raus und meistens laufe ich ganz am Rand und bin voll konzentriert auf den Weg durch das Chaos durchzukommen. Ich möchte auch gar nicht entspannt gequetscht zwischen Fremden sein. Auch als Kind auf der Kirmes, fuhr ich zwar gerne seichte Karusselle. Aber lief öfters in kleine Ecken um eine kurze Energie-Pause einzulegen, wo ich anderen dann nicht mal antwortete, warum, weil mir das zu anstrengend war. Einfach nur "Ich muss hier kurz hin", die Fragen dazu ignoriert, mit "Warte kurz, ich bin gleich fertig" und dann konnt ich weiter gehen.
      Manchmal freu ich mich ne Mutprobe geschafft zu haben, bin aber auch gleichzeitig genervt von manch zufälliger Kommunikation, die dabei nebenbei auftrat. Z. B., wenn einen ein anderer Käufer nebendran anquatscht über das Produkt oder das Wetter oder so. Wäre das alleine, wäre es ja gelegentlich nett. Aber ich hatte dann was anderes geplant, was mich schon alle Energie kostetete und wenn dann noch was dazu kommt, ist halt schnell Overload.

      In Discos habe ich mir nen kleinen Grundpegel angetrunken. In Kneipen wo alles voll ist geh ich erst gar nicht rein. Ist eine Disco zu voll, setz ich mich in eine Ecke, und wird sie dann nicht bald leerer, gehe ich, weil das kein Sinn für mich ergibt nur gequetscht aneinander zu stehen und zu reden. Zum Tanzen braucht es Platz. Die verbale Redemenge handhabe ich ebenso wie Pferde. Und Kaufen tu ich halt auch nur wenig. Schlendern unter Menschen hasse ich. Ich muss da schnell laufen. Nur in der Natur schlendern mag ich, aber noch lieber liegen oder sportlich.
      Eisessen oder so mag ich auch nur im Sitzen. Es laufen ja permanent nah irgendwelche Leute an einem lang, husten, man muss ausweichen und auf den Boden gucken usw. Auch kriege ich dann vom Geschmack nichts mit.

      An hochfrequentierten Badeseen schwimme ich gern etwas abseits und dort mag ich die Geräuschekulisse dann leicht abgeschwächt. Wasserrauschen, quiekende Kinder, Vogelgezwitscher, mal ein Flugzeug oder einen Zug.

      Also manchmal brauch ich auch mal etwas Reize. Aber häufiger brauche ich Ruhe.