Wie fühlt ihr Euch in reizintensiven Umgebungen?

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    • Wie fühlt ihr Euch in reizintensiven Umgebungen?

      Mich würde das Mal interessieren. Grundsätzlich kann ich mit Reizen nicht so gut umgehen, aber in Umgebungen mit enorm vielen Reizen (Kirmes, die Einkaufsmeilen auf Malle, ...) fühle ich mich ungewöhnlich wohl. So als wenn ich vor lauter Reizen nicht mehr filtern müsste und ein Gefühl von ein bisschen High-sein entsteht.
      Wie ist das bei Euch?
      Nicht jeder Antifaschist ist ein aufrechter Demokrat, aber jeder aufrechte Demokrat ist auch ein Antifaschist.
    • Wenn viele Leute um mich herum reden, finde ich es sehr schwer, meinen Gesprächspartner zu verstehen. Außerdem werde ich sehr schnell müde bei zu vielen Reizen (vor allem bei Lärm). Ich kann auch Kopfschmerzen von zu vielen Reizen bekommen oder die Geräusche hallen noch stundenlang in meinen Ohren nach. Ich erschrecke mich anscheinend auch extrem und übermäßig oft bei plötzlich eintretenden lauten Geräuschen, da die Leute um mich herum bei meinem plötzlichen Zusammenzucken entweder lachen oder fragen, ob es mir gut ginge, obwohl ich mich einfach nur erschrocken habe. Und ich frage mich dann immer, ob die Leute das nicht auch total laut fanden, aber die zucken nie zusammen so wie ich.
    • Kann ich nicht pauschal beantworten. Ich glaube es gibt soetwas wie einen allgemeinen Reizpegel. D.h. wenn man im "Alltagstrott" ist, kann der schon relativ hoch sein und dann Situationen, wie Du sie beschreibst, das Fass zum Überlaufen bringen (RW (@Taron funktioniert der Filter?)). Als ich neulich mehrere Wochen unfallbedingt fast nur zuhause im Bett lag, war danach draußen eine ganz neue Welt. Eine Welt, in der ich nicht - wie noch ein paar Wochen zuvor - dringend Kopfhörer brauchte, um den Straßenlärm beim Rausgehen aus dem Haus zu ertragen.
      Warum soviele Autos.
      Warum soviele Hunde.
      Brumm, brumm, kläff, kläff, wau, wau, wau!
    • LeuChris wrote:

      Grundsätzlich kann ich mit Reizen nicht so gut umgehen, aber in Umgebungen mit enorm vielen Reizen (Kirmes, die Einkaufsmeilen auf Malle, ...) fühle ich mich ungewöhnlich wohl. So als wenn ich vor lauter Reizen nicht mehr filtern müsste und ein Gefühl von ein bisschen High-sein entsteht.
      Wie ist das bei Euch?
      Benebelt, zugedröhnt (wortwörtlich), aber nicht auf eine gute Art. Nach kurzer Zeit verabschieden sich nach und nach kognitive Funktionen, allen voran die Kommunikationsfähigkeit.
      “If knowledge can create problems, it is not through ignorance that we can solve them.”
      ― Isaac Asimov
    • Zwischenmensch wrote:

      ich werde da sehr schnell müde.
      +1

      Ant wrote:

      finde ich es sehr schwer, meinen Gesprächspartner zu verstehen.
      +1

      Aus beidem resultiert dass ich auf Ansprache nicht mehr reagiere weil ich erst zeitverzögert wahrnehme, dass ich angesprochen wurde. Wenn überhaupt antworte ich nicht Verbal sondern mit Gesten denn je lauter es wird desto weniger laut spreche ich, das würde sich sonst zum Lärm hinzuaddieren.


      LeuChris wrote:

      ein Gefühl von ein bisschen High-sein entsteht.
      +0.05

      Das kenne ich auch; passiert aber nur wenn ich mich dabei ganz sicher fühle weil ich z.B. am Rand sitze. In der Menge brauche ich meine Konzentration zum Ausweichen der Menschen und bin daher völlig gestreßt.


      Als Synästetiker habe ich die letzten Tage außerdem folgendes Problem beim Abendessen:
      Radio läuft; Spülmaschine läuft; Schwester redet in einer Tour. Zwar bin ich sicher und die Situation ist vorhersehbar, aber wegen der hohen Lautstärke kann ich den Geschmack nicht mehr sehen, denn die Geräusche sind zu hell und bunt; daherschmeckt es dann langweilig.
      Keine Panik!
    • Also bei mir ist es ähnlich, bin ich irgend wo, so ich im Allgemeinen Freude empfinde. So wie auf einer Kirmes kann ich solche Reize recht gut ertragen. Solange nicht zuviele Menschen um mich herum sind! Vielleicht auch weil ich ja weiß das ich ja in einiger Zeit wider zuhause bin und dort dann meine Ruhe genießen kann.
      Wenn jedoch diverse Reize ständig um mich herum sind, fühle ich mich auch ausserordentlich unwohl und ich könnte mir auch vorstellen das ich mit der Zeit erkranke.
    • Ich antworte als VA, aber gesichert ADS: solche Reizüberflutungen sind für mich schrecklich, jedoch passiert es manchmal, dass ich dann eine Grenze erreiche und anfange zu weinen und danach fühle ich mich irgendwie wie betäubt (ruhig gestellt) und plötzlich macht es mir nichts mehr aus. Dann läuft alles plötzlich ruhiger und langsamer um mich herum ab, obwohl sich ja gar nichts außen geändert hat.

      Dieses High-Gefühl kenne ich aber auch, wenn ich in guter Grundverfassung bin, kann es auch so sein in einer Umgebung, die viele von mir als positiv empfundene Reize hat.

      The post was edited 1 time, last by Lefty ().

    • Das hängt bei mir davon ab, welcher Art Reiz das ist.
      Ich mag Vergnügungsparks, Einkaufszentren und Festivals, wenn ich da für mich alleine bin/sein kann und einfach nur beobachten oder mein Ding machen und die Energie der anderen in mich aufnehmen kann.
      Mich stressen eher soziale Situationen wie Hochzeiten, grosse Geburtstagsfeiern oder generell mit vielen Leuten unterwegs zu sein, wo ich viel maskieren muss und auf diese Leute eingehen soll, Gespräche führen muss etc...
      Schlimmer wirds wenn ich nicht alle gut kenne. Dann klopft der Overload schnell an.
    • Auch VA: zu viele Reize nehme ich zwar als solche wahr und versuche, dem entgegenzuwirken (z.B. Sonnenbrille), aber solange ich nicht handeln muss, bringt es mich nicht aus der Fassung.

      Also wenn ich im Sommer in der Großstadt zusammen mit zig wuselnden Menschen eine große Straße am Hauptbahnhof überquere, dann brauche ich anschließend zum Ausgleich Ruhe, aber direkt störend finde ich es nicht. Wenn ich gleichzeitig unter Zeitdruck eine bestimmte Adresse finden muss, werde ich hektisch, nervös, schreie meine Begleitung an oder fange an zu heulen.
    • Lilja wrote:

      Das hängt bei mir davon ab, welcher Art Reiz das ist.
      Ich mag Vergnügungsparks, Einkaufszentren und Festivals, wenn ich da für mich alleine bin/sein kann und einfach nur beobachten oder mein Ding machen und die Energie der anderen in mich aufnehmen kann.
      Mich stressen eher soziale Situationen wie Hochzeiten, grosse Geburtstagsfeiern oder generell mit vielen Leuten unterwegs zu sein, wo ich viel maskieren muss und auf diese Leute eingehen soll, Gespräche führen muss etc...
      Schlimmer wirds wenn ich nicht alle gut kenne. Dann klopft der Overload schnell an.
      Ja also so soziale Großveranstaltungen ertrage ich auch nur besoffen :D Aber darum ging es ja in meiner Frage nicht. Gerade diese "Flaniermeilen" z.B. auf Mallorca. Da ist es einfach bunt, schrill, ein bisschen laut. Aber ich muss ja niemandem zuhören oder mich mit irgendwem unterhalten. Ich kann da einfach entspannt durch marschieren und mir alles anschauen. Vielleicht ist es die offensichtliche Anonymität oder das Verschwinden in der Masse. Hochzeitsfeiern und ähnliches finde ich auch eher anstrengend.
      Nicht jeder Antifaschist ist ein aufrechter Demokrat, aber jeder aufrechte Demokrat ist auch ein Antifaschist.
    • Aha, also da geht es mir wie euch. Diese Veränderungen, wie Hochzeiten oder ähnliche kann ich auch nur schwer ertragen. Man muss sich dabei einfach auf zuvieles gleichzeitig konzentrieren. Und alles mögliche strömt zugleich auf einen ein.
    • Größere Menschenmengen waren schon immer ein Problem für mich, aber als Kind konnte ich das Gewusel besser kompensieren und ich konnte mehr Reize ausblenden. Es gibt aber Reize, die ich mag, wie Lichter (kein Strobo oder hektische Lichtwechsel), bunte Farben und Muster. Ich erlebe knallige Farben z. B. sehr intensiv, aber diese Intensität finde ich super. Ich finde auch Achterbahnen & Co. toll.

      Ich konnte z. B. auf Festivals gehen, aber ich hielt mich eher am Rand von z. B. Tanzflächen auf und ich brauchte dort auch die Möglichkeit, mich zurückziehen zu können, also zwischendurch Stille und keine anderen Menschen.

      Bei Geräuschen hängt es sehr stark davon ab, um was für Geräusche es sich handelt. Ein paar Stunden zu lauter Musik, die ich mag (!) für mich alleine rumtanzen, finde ich gut. Straßenlärm oder Kindergeschrei finde ich (sehr) belastend. Wie gut es mit gelingt, Störgeräusche zu tolerieren, hängt davon ab, wie meine Gesamtkonstitution ist. Insgesamt ermüdet es mich aber schnell.

      Ein paar Jahre (in meinen späten 20ern) bin ich auch tanzen gegangen. Wenn ich mich in einem Club nur auf die Musik fokussieren konnte, dann tanzte ich ein paar Stunde und ging dann glücklich wieder. Ich habe jedoch immer wieder erlebt, dass ich mich vor körperlich übergriffigen Menschen in Sicherheit bringen musste oder solchen Sprüchen wie "Warum guckst du so ernst? Lächel doch mal!" ausgesetzt war. Dann fühlte ich mich gar nicht mehr wohl und wollte einfach nur noch weg. Wenn so etwas vorkam, dann war ich auch nicht mehr in der Lage die ganzen Reize auszublenden. Ein großes Problem in Clubs war für mich auch die Geruchsbelästigung. Am liebsten habe ich im Sommer draußen getanzt. Das ging ein paar Jahre, dann war der Spot aufgelöst und ich ging dann auch immer seltener aus, weil mir die Cluberfahrungen immer unangenehmer wurden.

      Schlimm ist es, wenn ich mich irgendwo, wo viele Reize sind, orientieren muss und dann noch Zeitdruck besteht. Bahnhöfe oder noch schlimmer Flughäfen können mich an den Rande eines Nervenzusammenbruchs bringen.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • LeuChris wrote:

      Gerade diese "Flaniermeilen" z.B. auf Mallorca. Da ist es einfach bunt, schrill, ein bisschen laut. Aber ich muss ja niemandem zuhören oder mich mit irgendwem unterhalten. Ich kann da einfach entspannt durch marschieren und mir alles anschauen. Vielleicht ist es die offensichtliche Anonymität oder das Verschwinden in der Masse. Hochzeitsfeiern und ähnliches finde ich auch eher anstrengend.
      Auch wenn ich ganz bestimmt nicht Mallorcas Flaniermeilen besuche, wie du differenziere ich bei Orten, die "einfach bunt, schrill, ein bisschen laut" sind, ob ich ich da nur der Betrachter bin oder ob ich da irgendeinen Auftrag erfüllen soll oder mit anderen da bin, die von mir erwarten, dass ich mich gruppenkonform verhalte. Deshalb stört es mich auch nicht, in meinem Stammcafé zu sitzen, vor dem Autos und drei Straßenbahnlinien vorbeifahren, ich kann mich trotzdem gut auf meine Zeitung oder aufs Handy konzentrieren. Mit jemanden ein Gespräch führen, ist hingegen in so einer Situation unangenehm.

      Der Gedanke von "Anonymität" und "Verschwinden in der Masse" macht für mich deshalb schon Sinn. Die Wirkung der Reizintensität ist deutlich davon abhängig, wie anonym oder eben sozial gefordert ich agiere.

      Kayt wrote:

      Schlimm ist es, wenn ich mich irgendwo, wo viele Reize sind, orientieren muss und dann noch Zeitdruck besteht. Bahnhöfe oder noch schlimmer Flughäfen können mich an den Rande eines Nervenzusammenbruchs bringen.
      Ich kriege keinen Nervenzusammenbruch, aber ich kann in der Kombination "viele Reize und Zeitdruck" den Überblick nicht behalten. Heißt, ich bekomme dann vielleicht eine wichtige Durchsage nicht mit, ich übersehe eine Anzeigentafel, laufe aufs falsche Gleis.
      "Hast Du aber Deinen Dämon gefunden, dann bist Du nicht mehr allein auf der Welt." (Oskar Panizza, Der Illusionismus und die Rettung der Persönlichkeit.)
    • Lilja wrote:

      Das hängt bei mir davon ab, welcher Art Reiz das ist.
      Ich mag Vergnügungsparks, Einkaufszentren und Festivals, wenn ich da für mich alleine bin/sein kann und einfach nur beobachten oder mein Ding machen und die Energie der anderen in mich aufnehmen kann.
      Mich stressen eher soziale Situationen wie Hochzeiten, grosse Geburtstagsfeiern oder generell mit vielen Leuten unterwegs zu sein, wo ich viel maskieren muss und auf diese Leute eingehen soll, Gespräche führen muss etc..
      Das ist bei mir ganz ähnlich. Ich mag z.B. "Mittelalter"-Festivals und liebe es, (allein) über das Festgelände zu streifen und die ganzen unterschiedlichen Eindrücke aufzunehmen, die Leute in ihren Kostümen zu betrachten, den Musikbands zuzuhören. Nur zu laut und zu voll darf es nicht sein, sonst wird es ungemütlich und wirklich anstrengend.
    • Wobei mich mal interessieren würde, ob es NTs gibt, die sich in Menschenmassen wirklich wohl fühlen. Ich glaube das ja nicht. Die überfüllten Orte, die ich in meinem Leben besucht habe, waren in der Regel immer Orte an denen auch überdurchschnittlich viel Alkohol konsumiert wurde. Kirmes, Fußballstadion, Festivals, Volksfeste - ja sogar auf den klassischen Urlaubsflaniermeilen werden die Leute einen überdurchschnittlichen Pegel haben. Gut möglich also, dass so ein Durchschnitts NT, dass nüchtern auch kaum erträgt :D
      Ich frage mich gerade, wie das in Kulturen ist, wo sich nicht so regelmäßig berauscht wird. Also vornehmlich in islamisch geprägten Ländern. Gibt es da auch so eine Vielzahl an Massenveranstaltungen oder nimmt man da von derartigen Veranstaltungen (Pilgerreisen mal außen vor gelassen - das ist ja auch so eine Art Rausch) eher Abstand?
      Nicht jeder Antifaschist ist ein aufrechter Demokrat, aber jeder aufrechte Demokrat ist auch ein Antifaschist.
    • Da habe ich noch gar nicht so drüber nachgedacht. Das gerade bei diversen Sportveranstaltungen viel Alkohol konsumiert wird. Aber selbst wenn, gehen NT's ja nicht schon blau dort bin. Ich denke einfach mal das der Mensch ein Gruppenwesen ist. Somit denke ich, fühlen sich NT's auch in sehr großen Menschen Massen wohl, wenn sie sich alle auf ein konkretes Angebot konzentrieren können. ( Fußball, Eishockey, Schulen usw )
    • Nitram wrote:

      Da habe ich noch gar nicht so drüber nachgedacht. Das gerade bei diversen Sportveranstaltungen viel Alkohol konsumiert wird. Aber selbst wenn, gehen NT's ja nicht schon blau dort bin. Ich denke einfach mal das der Mensch ein Gruppenwesen ist. Somit denke ich, fühlen sich NT's auch in sehr großen Menschen Massen wohl, wenn sie sich alle auf ein konkretes Angebot konzentrieren können. ( Fußball, Eishockey, Schulen usw )
      Naja, ich bin früher regelmäßig mit NTs ins Fußballstadion gegangen (1. Bundesliga) und wir waren immer alle schon voll, bevor wir ins Stadion sind und noch voller, als wir wieder raus sind und damit waren wir nicht die Ausnahme :)
      Nicht jeder Antifaschist ist ein aufrechter Demokrat, aber jeder aufrechte Demokrat ist auch ein Antifaschist.
    • Ich kann Tumult um mich rum geniessen, wenn ich weiss dass nichts von mir erwartet wird. Dann fühle ich mich wie in einer Blase, unbeteiligte Beobachterin. Sobald ich da aber irgendwie mit anderen interagieren muss, finde ich es extrem anstrengend.