Zunehmende Häufigkeit und Gesellschaft

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    • Zunehmende Häufigkeit und Gesellschaft

      Hallo,

      vorhin habe ich folgende Aussagen gelesen:

      autismus-verstehen.de wrote:

      Man geht aber inzwischen davon aus, dass ca. 1 - 1,5 % der Bevölkerung im Autismus-Spektrum sind.
      Auf internationaler Ebene liegen die durchschnittlichen Angaben teilweise deutlich höher.
      Insgesamt steigt die Häufigkeit.
      Nach wie vor ist von einer großen Dunkelziffer auszugehen, vor allem in Bezug auf das Asperger-Syndrom.

      Wenn man jetzt 1,5% von 83 Millionen nimmt, sind das ja nicht gerade wenige Menschen im Spektrum.

      adhs-deutschland.de wrote:

      ADS/ADHS
      in Deutschland ca. 5 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren betroffen,
      Bei etwa 60% der Betroffenen bleiben wesentliche Symptome der ADHS auch im Erwachsenenalter bestehen

      Es hat ja nicht jeder Autismus+ADHS, somit kommen da auch noch einige Prozent von Menschen mit ADHS dazu in der Gesellschaft.

      Dann kommen noch Hochbegabte dazu, und Hochsensible und Menschen, usw.

      spektrum.de wrote:

      Etwa 20 Prozent der Bevölkerung halten sich Umfragen von Aron und anderen Forschern zufolge für "ziemlich" oder "extrem sensibel".

      e-fellows.net wrote:

      Definitionsgemäß sind zwei Prozent der Bevölkerung hochbegabt, haben also einen IQ von 130 und mehr.
      Unter 80 Millionen Deutschen gibt es also 1,6 Millionen Hochbegabte.

      Worauf ich hinaus möchte ist mein Gedanke, dass es in der Gesellschaft ja scheinbar nicht gerade wenige Menschen gibt die von der "Norm" abweichen und evtl. auch besondere Bedürfnisse haben. Und wenn es dann noch heißt, dass die Häufigkeit zunehmen würde (bei ASS, bei anderen weiß ich es nicht) ist mein Gedanke, ob es dann nicht mal Zeit wäre sich gesellschaftlich viel mehr an diese große Menge "Besonderer" Menschen anzupassen?

      Oder muss der gesamte Anteil betreffender Menschen erst noch größer werden, bevor solche Änderungen passieren könnten?

      Wenn ich das richtig gerechnet habe
      1,2 Mio Autisten
      2,4 Mio ADHS Erwachsene (die 5% und davon nochmal 60%)
      16,6 Mio Hochsensibel
      1,6 Mio Hochbegabt (aus dem Text übernommen)
      = 21,8 Millionen Menschen

      Das ist fast 1/4 der Bevölkerung von Deutschland.

      Noch ist neurotypisch die Mehrheit, aber wenn solche "Besonderheiten" zunehmen, genetisch weiter gegeben werden, wird das ja irgendwann die Mehrheit sein.
    • Zwischenmensch wrote:

      Worauf ich hinaus möchte ist mein Gedanke, dass es in der Gesellschaft ja scheinbar nicht gerade wenige Menschen gibt die von der "Norm" abweichen und evtl. auch besondere Bedürfnisse haben. Und wenn es dann noch heißt, dass die Häufigkeit zunehmen würde (bei ASS, bei anderen weiß ich es nicht) ist mein Gedanke, ob es dann nicht mal Zeit wäre sich gesellschaftlich viel mehr an diese große Menge "Besonderer" Menschen anzupassen?
      Gerade unter Autisten wird häufig betont, dass jeder Autist speziell ist und es nicht den Autisten gibt. Das sehen wir ja auch hier im Forum, die einen fanden den Lockdown ziemlich gut, da sie dadurch viel weniger Stress hatten, die anderen fanden ihn nicht so toll, weil dadurch ihre routinen gestört wurden etc. Die Bedürfnisse unter Autisten sind also auch sehr verschieden und gerne mal gegensätzlich. Dementsprechend kann es sogar passieren, dass wenn es insgesamt mehr werden es für manche sogar schlechter wird, wenn sie andere Bedürfnisse haben als der andere Teil.

      Und da sind wir dann noch nicht bei ADHSlern, die noch mal ganz andere Bedürfnisse haben, wo man auch sagen kann die beißen sich oft mit denen von Autisten. Und dann noch die Hochbegabten, wo es eben über die Intelligenz läuft und denen die NTs eher zu langsam sind, während einigen Autisten eh eh schon alles zu schnell läuft.

      The post was edited 1 time, last by Zodd ().

    • Zwischenmensch wrote:

      Hallo,
      Wenn ich das richtig gerechnet habe
      1,2 Mio Autisten
      2,4 Mio ADHS Erwachsene (die 5% und davon nochmal 60%)
      16,6 Mio Hochsensibel
      1,6 Mio Hochbegabt (aus dem Text übernommen)
      = 21,8 Millionen Menschen

      Das gilt so nur, wenn niemand in zwei oder mehr Kategorien fällt. Da es aber Überschneidungen gibt - und die auch nicht extrem selten sind - liegt die Zahl niedriger.
    • Zwischenmensch wrote:

      Worauf ich hinaus möchte ist mein Gedanke, dass es in der Gesellschaft ja scheinbar nicht gerade wenige Menschen gibt die von der "Norm" abweichen und evtl. auch besondere Bedürfnisse haben. Und wenn es dann noch heißt, dass die Häufigkeit zunehmen würde (bei ASS, bei anderen weiß ich es nicht) ist mein Gedanke, ob es dann nicht mal Zeit wäre sich gesellschaftlich viel mehr an diese große Menge "Besonderer" Menschen anzupassen?
      Ich bin dafür.
      Ich bin aber nicht optimistisch, ich halte es für sehr schwierig.
      Es könnte sich manches ändern, aber ich glaube das ist ein sehr langer und fließender Prozess.

      Es gibt unter Autisten, es ist ja ein Spektrum, bereits deutliche Unterschiede, eine Einigung kann hier bereits sehr schwer bis unmöglich sein.
      Dann gibt es die Diagnose AD(H)S, einerseits manchmal eine weitere Diagnose bei AS, anderseits eine Diagnose, wo es in der Boardgeschichte öfters ordentlich krachte.
      Eine weitere große Gruppe dürften Persönlichkeitsstörungen sein, aber auch Unikate und unterschiedliche Kulturen.
      "NT" sind quasi alle Menschen ohne psychiatrische Auffälligkeiten und bei (laut Psychiatrie) jedem zweiten oder dritten Bürger mit Auffälligkeit könnte die Mehrheit längst geknackt sein.
      Diese Restwelt "NT" stellt aber wiederum auch keine einheitliche Gruppe da und auch dort wären entsprechende Bedürfnisse ernst zu nehmen.

      Also eine recht bunte Gesellschaft.
      Jetzt kann jeder einzelne seine Bedürfnisse einfordern.
      Jede Gruppe kann ihre Bedürfnisse einfordern.
      Aber das alles dann zu einem Ganzen zusammenzufügen, miteinander sychnronisieren, sehr schwierig.

      Wenn man hier fragen würde "Was wollen Sie eigentlich? Welche Vorstellungen haben Sie?", dann könnten Unterschiede oder mögliche Probleme bereits Gestalt bekommen.


      Zwischenmensch wrote:

      Noch ist neurotypisch die Mehrheit, aber wenn solche "Besonderheiten" zunehmen, genetisch weiter gegeben werden, wird das ja irgendwann die Mehrheit sein.
      Dann ist "neurotypisch" irgendwann nicht mehr die Mehrheit...
      ... ABER die neue Mehrheit wäre keine "neue Neurotypie", keine Einheit, sondern ein Mix aus ICD-Diagnosen etc. zwischen Minderheiten und Mehrheiten.
      Bei 5 Prozent Autismus gibt es auch 95 Prozent Nichtautismus, bei 25 Prozent Autismus immer noch 75 Prozent Nichtautismus.
      Da bleibt es wohl die nächsten Jahrzehnte bei einer unautistischen Mehrheit.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Ich denke ehr das wenn es stetig mehr werden die Gesellschaft sich automatisch ändern wird, es ist allerdings ein schleichender Prozess auch die NTs ändern sich b.z.w. das Normal ändert sich, allerdings was ich bedenklich finde ist das die heutige Gesellschaft in festen Vorgaben steckt die selbst die NTs nicht mehr erfüllen können und das wird nicht mehr lange so weitergehen können, da es kaum noch jemand schaft, nicht ohne Grund steigt die zahl der Psychischen Erkrankungen stätig.
    • Zwischenmensch wrote:

      Wenn ich das richtig gerechnet habe
      1,2 Mio Autisten
      2,4 Mio ADHS Erwachsene (die 5% und davon nochmal 60%)
      16,6 Mio Hochsensibel
      1,6 Mio Hochbegabt (aus dem Text übernommen)
      = 21,8 Millionen Menschen
      Ich finde aber, dass das keine vergleichebare Gruppe ist. Hochbegabt (und ich denke auch hochsensibel) bin ich auch, aber Autismus sehe ich noch einmal als etwas ganz anderes an. Hochbegabte haben es auch ein bisschen schwer, zB Menschen auf einem ähnlichen Niveau zu treffen. Aber mein Autismus ist eine viel umfänglichere Störung.
    • Ich bin ziemlich sicher, dass der Anteil der diagnostizierten Autisten in der Favela von Caracas bei nahezu Null liegt. Die Anzahl dieser Diagnosen korreliert wahrscheinlich stark mit dem Wohlstand eines Landes. Bei steigendem Wohlstand steigt die Zahl der Diagnosen.

      Dann haben sich auch die Kriterien für eine Diagnose im Laufe der Zeit geändert. Autismus war bis vor nicht allzu langer Zeit nur der Kanner-Autismus. AD(H)S kannte niemand, als ich in der Grundschule war. An Hochsensibilität kann ich mich auch nicht erinnern. Hochbegabung war in den Nuller Jahren schwer in Mode, Lehrer hatten plötzlich ganz viele Besuche von Eltern mit hochbegabten Kindern.

      Auf der anderen Seite (man korrigiere mich) ist die Hysterie von der Bildfläche verschwunden, die Freud so eingehend untersucht hat. Die Neurasthenie war zwar so etwas ähnliches wie heute ein Burnout, wurde aber der allgemeinen Beschleunigung in allen Lebensbereichen zugeschrieben und nicht der Überlastung mit Aufgaben eines einzelnen. Da waren es die schnellen Fahrten mit der Dampflok im Vergleich zur Kutsche, die einen so nervös machten.

      Dass die Anzahl der besonderen Menschen steigt, und dies auf Grundlage des aktuellen ICD-Katalogs (bzw. allgemein aktuell diskutierten Symptombildern) festzustellen, halte ich für etwas gewagt.

      Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass man in Ländern, die es sich leisten können, differenzierter auf die speziellen Bedürfnisse ihrer Bevölkerung eingehen sollte. Gerade in Deutschland ist das Korsett ja eng.

      The post was edited 1 time, last by Liamina ().

    • Ich finde, es ist keine Frage von Prozentsätzen, dass Minderheiten besser wahrgenommen werden. Homosexuelle Menschen beispielsweise mussten ja nicht zu einer Mehrheit werden, damit die Gesellschaft ihre Bedürfnisse anerkennt, sie nicht mehr nur in einer Nische irgendwie toleriert. Es ist die Frage einer gesamtgesellschaftlichen ethischen Haltung, sich dahin fortzuentwickeln, dass alle Menschen - übrigens auch ohne das Etikett "Minderheit" oder "Behinderung" - sich gleichermaßen in der Gesellschaft entfalten können.
      "Hast Du aber Deinen Dämon gefunden, dann bist Du nicht mehr allein auf der Welt." (Oskar Panizza, Der Illusionismus und die Rettung der Persönlichkeit.)
    • Zwischenmensch wrote:

      Noch ist neurotypisch die Mehrheit, aber wenn solche "Besonderheiten" zunehmen, genetisch weiter gegeben werden, wird das ja irgendwann die Mehrheit sein.
      Bei den Autisten und ADHSlern, bei denen das wirklich genetisch ist, also eine organische Hirnstörung, ist die Frage ob sie überhaupt Partner finden und Kinder bekommen. Vorallem bei Autisten. Die pflanzen sich also eher wenig fort.


      Hyperakusis wrote:

      Ich bin dafür.
      Ich bin aber nicht optimistisch, ich halte es für sehr schwierig.
      Es könnte sich manches ändern, aber ich glaube das ist ein sehr langer und fließender Prozess.

      Es gibt unter Autisten, es ist ja ein Spektrum, bereits deutliche Unterschiede, eine Einigung kann hier bereits sehr schwer bis unmöglich sein.
      Dann gibt es die Diagnose AD(H)S, einerseits manchmal eine weitere Diagnose bei AS, anderseits eine Diagnose, wo es in der Boardgeschichte öfters ordentlich krachte.
      Eine weitere große Gruppe dürften Persönlichkeitsstörungen sein, aber auch Unikate und unterschiedliche Kulturen.
      "NT" sind quasi alle Menschen ohne psychiatrische Auffälligkeiten und bei (laut Psychiatrie) jedem zweiten oder dritten Bürger mit Auffälligkeit könnte die Mehrheit längst geknackt sein.
      Diese Restwelt "NT" stellt aber wiederum auch keine einheitliche Gruppe da und auch dort wären entsprechende Bedürfnisse ernst zu nehmen.

      Also eine recht bunte Gesellschaft.
      Jetzt kann jeder einzelne seine Bedürfnisse einfordern.
      Jede Gruppe kann ihre Bedürfnisse einfordern.
      Aber das alles dann zu einem Ganzen zusammenzufügen, miteinander sychnronisieren, sehr schwierig.
      Ich denke, die Gesellschaft besteht bereits heute aus neurodiversen Individuen. Ich glaube nicht, dass es neurotypische Standardgehirne gibt. Jedes wird so seine Besonderheiten haben. Trotzdem hat sich eine gemeinsame Kultur und Regeln herausgebildet und jeder passt sich ein bisschen an (sofern er kann).
      Ich glaube eine Gesellschaft nur aus über-individuellen Einzelgängern ohne verbindenden sozialen Kitt (neurotypisch) wird es nicht geben. Es würde dann keine Sozialsysteme, Krankenkasse oder Nachbarschaftshilfe geben, oder nicht-staatliche Solidarität bei Katastrophen (siehe Flukatastrophe). Diese Einzelgänger würden aussterben. Denke also nicht, dass dieses Modell Zukunft hätte. Jeder braucht natürlich einen gewissen Freiraum, das ist klar. Aber es ist ja keine soziale Gruppe möglich, wenn jeder 100% des Tages zu 100% seine Bedürfnisse durchsetzen will?
    • Neoni wrote:

      Zwischenmensch wrote:

      Noch ist neurotypisch die Mehrheit, aber wenn solche "Besonderheiten" zunehmen, genetisch weiter gegeben werden, wird das ja irgendwann die Mehrheit sein.
      Bei den Autisten und ADHSlern, bei denen das wirklich genetisch ist, also eine organische Hirnstörung, ist die Frage ob sie überhaupt Partner finden und Kinder bekommen. Vorallem bei Autisten. Die pflanzen sich also eher wenig fort.

      Hyperakusis wrote:

      Ich bin dafür.
      Ich bin aber nicht optimistisch, ich halte es für sehr schwierig.
      Es könnte sich manches ändern, aber ich glaube das ist ein sehr langer und fließender Prozess.

      Es gibt unter Autisten, es ist ja ein Spektrum, bereits deutliche Unterschiede, eine Einigung kann hier bereits sehr schwer bis unmöglich sein.
      Dann gibt es die Diagnose AD(H)S, einerseits manchmal eine weitere Diagnose bei AS, anderseits eine Diagnose, wo es in der Boardgeschichte öfters ordentlich krachte.
      Eine weitere große Gruppe dürften Persönlichkeitsstörungen sein, aber auch Unikate und unterschiedliche Kulturen.
      "NT" sind quasi alle Menschen ohne psychiatrische Auffälligkeiten und bei (laut Psychiatrie) jedem zweiten oder dritten Bürger mit Auffälligkeit könnte die Mehrheit längst geknackt sein.
      Diese Restwelt "NT" stellt aber wiederum auch keine einheitliche Gruppe da und auch dort wären entsprechende Bedürfnisse ernst zu nehmen.

      Also eine recht bunte Gesellschaft.
      Jetzt kann jeder einzelne seine Bedürfnisse einfordern.
      Jede Gruppe kann ihre Bedürfnisse einfordern.
      Aber das alles dann zu einem Ganzen zusammenzufügen, miteinander sychnronisieren, sehr schwierig.
      Ich denke, die Gesellschaft besteht bereits heute aus neurodiversen Individuen. Ich glaube nicht, dass es neurotypische Standardgehirne gibt. Jedes wird so seine Besonderheiten haben. Trotzdem hat sich eine gemeinsame Kultur und Regeln herausgebildet und jeder passt sich ein bisschen an (sofern er kann).Ich glaube eine Gesellschaft nur aus über-individuellen Einzelgängern ohne verbindenden sozialen Kitt (neurotypisch) wird es nicht geben. Es würde dann keine Sozialsysteme, Krankenkasse oder Nachbarschaftshilfe geben, oder nicht-staatliche Solidarität bei Katastrophen (siehe Flukatastrophe). Diese Einzelgänger würden aussterben. Denke also nicht, dass dieses Modell Zukunft hätte. Jeder braucht natürlich einen gewissen Freiraum, das ist klar. Aber es ist ja keine soziale Gruppe möglich, wenn jeder 100% des Tages zu 100% seine Bedürfnisse durchsetzen will?
      bei Autisten findet da man Unterschiede im Bereich auf Handy glotzen oder