Wie weit müssen Aspies ihre Besonderheiten der Gesellschaft erklâren?

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    • Wie weit müssen Aspies ihre Besonderheiten der Gesellschaft erklâren?

      Hey, hatte heute ein Gespräch mit einem netten Pädagogen.

      Er meint, dass ich Menschen, meine Besonderheiten wie Blickkontakt, etc sehr gut erklären soll, da es nicht dem Verhalten der Allgemeinheit entspricht.

      Wenn meine Konzentration streikt, wenn ich bei der Gruppe in der Einrichtung war, setze ich mich irgendwann zur Seite, wo ich weniger reizüberlastet
      bin.

      Die meisten in der Einrichtung, wissen warum ich was tue, wobei sie es nicht verstehen.

      Letzte Woche als ich die Tür in der Einrichtung abschloss, kontrollierte ich mehrmals, ob die Tür zu ist, (Zwang) wo ich auch gleich wieder zur Rede gestellt wurde.

      Wie weit ist es unsere Pflicht, allen unsere Eigenheiten zu erklären.
      Von meiner Erfahrung weiss ich das das erklâren bei vielen keinen Sinn macht, da sie von mir trotzdem den Standard der Gesellschaft verlangen.
      Was denkt ihr, was sind eure Erfahrungen?

      Herzlichen Dank.
      Alles Gute.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:
    • Daniel1 wrote:

      Er meint, dass ich Menschen, meine Besonderheiten wie Blickkontakt, etc sehr gut erklären soll, da es nicht dem Verhalten der Allgemeinheit entspricht.
      Das ist seine Meinung, aber deine Entscheidung wem du deine Besonderheiten erklärst. Schließlich kann man ja auch nachfragen und / oder akzeptieren.
      Bist du oder der Pädagoge die Allgemeinheit? Nein.
      Wenn jeder sein Verhalten erklären müsste, weil es nicht dem der Allgemeinheit entspricht, dann wären alle nur am erklären.


      Daniel1 wrote:

      Wie weit ist es unsere Pflicht, allen unsere Eigenheiten zu erklären.
      Wieso allen?
      Jeder Mensch hat seine Eigenheiten, egal ob Aspie oder NT.
      Hat dir schon mal ein NT erklärt, warum er ist wie er ist?

      Es ist hilfreich seine Besonderheiten den Personen zu erklären, mit denen man regelmäßig zu tun hat.
    • Das Erklären wird zwar nicht bei allen Leuten helfen, aber ohne Erklären hat man erst gar keine Chance verstanden zu werden. Daher finde ich, dass der Pädagoge recht hat.
      Auch wenn es anstrengend ist.
      Also man hat zwei Möglichkeiten und insofern die freie Entscheidung, aber man muss mit den Konsequenzen leben.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Daniel1 wrote:

      Was denkt ihr, was sind eure Erfahrungen?
      Hallo,

      ich würde sagen, kommt drauf an in wie weit man verstanden werden (können) möchte. Ist natürlich keine Garantie, dass man dann immer von jedem Verständnis bekommt. Es gibt auch Menschen, die behaupten es wäre ihnen komplett egal was andere von ihnen halten. Kann man natürlich auch so machen, dann braucht man sich auch zu gar nichts erklären. Meine Meinung ist eher zwiegespalten.

      Zum Einen haben ja auch neurotypische Menschen Zwänge, Macken und Eigenarten die teilweise auffallen oder weniger kompatibel sind. Da erklärt auch nicht jeder jedem alle seine Eigenarten. Und ich denke zum Anderen, dass man sich auch zu viel zu allem rechtfertigen und erklären kann. Weshalb ich eine Mischung aus beidem gut finden würde, aber nur für mich selbst bezogen nicht verallgemeinert.

      Dass man zum Einen nicht jedes Verhalten von sich erklären muss, sondern manches eben einfach so ist. Wie oft du die Tür kontrollierst kann anderen doch eigentlich egal sein, ist deine Sache und dein Zwang. Wenn eine Situation mit einem anderen Mensch zutun hat und es für die Situation nachteilig sein könnte (zB beim Bewerbungsgespräch wirkt man fälschlich desinteressiert) würde ich erklären gut und hilfreich finden.

      Daniel1 wrote:

      Letzte Woche als ich die Tür in der Einrichtung abschloss, kontrollierte ich mehrmals, ob die Tür zu ist, (Zwang) wo ich auch gleich wieder zur Rede gestellt wurde.

      Manchmal liegts auch am Gegenüber, wenn jemand ein Problem damit hat, das irgendwas seine eigenen Bedürfnisse stört. Ist dann aber nicht dein Problem sondern von der Person, bei der das was auslöst.

      Falls es dich interessiert, frag doch mal die Person was ihr Problem dabei ist wenn du die Tür mehrmals kontrollierst.
    • Erkärungen gibts von mir nur an Menschen, die vor etwas erwarten oder von denen ich etwas erwarte.
      Und das auch nur so weit, wie es nötig ist.

      Wenn ich in einer Gruppe wie in Deiner Einrichtung gerade irgendwas mitmache und mich dann absondern will, dann würde ich nur sagen: "Ich brauche jetzt ein wenig Ruhe, macht ohne mich weiter". Fertig. Je weniger Verständnis von den Anderen zu erwarten ist, desto kürzer fallen die Erklärungen aus.
      Wirklich ausführlich würde ich nur bei engen Freunden erklären oder bei Psychologen, die mir helfen sollen und daher jedes Detail brauchen.

      Bei der Tür gäbe es für mich gar nichts zu erklären. Doppelt geprüft ist besser als nur zumachen und hoffen, dass sie zu bleibt.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Daniel1 wrote:

      Hey, hatte heute ein Gespräch mit einem netten Pädagogen.

      Er meint, dass ich Menschen, meine Besonderheiten wie Blickkontakt, etc sehr gut erklären soll, da es nicht dem Verhalten der Allgemeinheit entspricht.

      Also da bin ich komplett anderer Meinung. Wenn du das Verhalten von dir immer gleich erklärst, dann längst du doch erst recht die Aufmerksamkeit der anderen alle darauf.


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      Wenn meine Konzentration streikt, wenn ich bei der Gruppe in der Einrichtung war, setze ich mich irgendwann zur Seite, wo ich weniger reizüberlastet
      bin.

      Da muss ich denn anderen recht geben, wenn es dir zufiel wird, geh einfach und sage du kannst nicht mehr. Wenn die anderen dafür kein Verständnis haben, ist es eben deren Problem.


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      Die meisten in der Einrichtung, wissen warum ich was tue, wobei sie es nicht verstehen.

      Letzte Woche als ich die Tür in der Einrichtung abschloss, kontrollierte ich mehrmals, ob die Tür zu ist, (Zwang) wo ich auch gleich wieder zur Rede gestellt wurde.

      Wie weit ist es unsere Pflicht, allen unsere Eigenheiten zu erklären.
      Von meiner Erfahrung weiss ich das das erklâren bei vielen keinen Sinn macht, da sie von mir trotzdem den Standard der Gesellschaft verlangen.
      Was denkt ihr, was sind eure Erfahrungen?

      Herzlichen Dank.
      Alles Gute.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:
      Also erlich gesagt, meiner Meinung nach bist doch da absolut fehl am Platz. Ich habe auch das Gefühl das du dich dort sehr unwohl fühlst. Wenn ich dir einen gutgemeinten Rat geben darf, verschwinde da einfach.
    • Einfach verschwinden geht nicht, man muss erstmal wissen, wo man hinkann. Aber ich würde mal nachfragen, ob nicht auch betreutes Einzelwohnen gehen würde. Dafür brauchst du dann eben eine eigene Wohnung, dort würde ein Betreuer regelmäßig vorbeikommen, mit dir Dinge erledigen oder reden, und ansonsten hättest du deine Ruhe. Und wenn du Kontakt willst, kannst du ab und zu in diese Tagesstruktur gehen, aber es ist keine Pflicht, dort jeden Tag hinzugehen. Man kann auch feste Tage vereinbaren, z.B. 2x in der Woche. Es lässt sich über alles reden, aber man muss tatsächlich sich über seine Bedürfnisse klar werden und diese dann auch aussprechen.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Shenya wrote:

      Einfach verschwinden geht nicht, man muss erstmal wissen, wo man hinkann. Aber ich würde mal nachfragen, ob nicht auch betreutes Einzelwohnen gehen würde. Dafür brauchst du dann eben eine eigene Wohnung, dort würde ein Betreuer regelmäßig vorbeikommen, mit dir Dinge erledigen oder reden, und ansonsten hättest du deine Ruhe. Und wenn du Kontakt willst, kannst du ab und zu in diese Tagesstruktur gehen, aber es ist keine Pflicht, dort jeden Tag hinzugehen. Man kann auch feste Tage vereinbaren, z.B. 2x in der Woche. Es lässt sich über alles reden, aber man muss tatsächlich sich über seine Bedürfnisse klar werden und diese dann auch aussprechen.
      Ach so, sorry ich hatte das so verstanden das er sich einmal oder öfter mit anderen in einer Gruppe trifft um diverse "Probleme" zu diskutieren und dann gehen alle wider zu sich nach Hause. :m(:
      Aber anscheinend seid ihr da eine Art Wohngemeinschaft.
    • Daniel1 wrote:

      Hey, hatte heute ein Gespräch mit einem netten Pädagogen.

      Er meint, dass ich Menschen, meine Besonderheiten wie Blickkontakt, etc sehr gut erklären soll, da es nicht dem Verhalten der Allgemeinheit entspricht.
      Ich denke, es ist sinnvoll den Umfang von Erklärungen der Situation und dem Gegenüber anzupassen. Da Ihr zusammen wohnt ist ein geringes Maß an Kommunikation erforderlich um deine eigenen Bedürfnisse zu vermitteln.
      Wenn Erklärungen tatsächlich angenommen und nachvollzogen werden, sodass ein echter Dialog entsteht, kannst du auch mehr erzählen.
      Sehr schwierig wird es, wenn Personen jede gegebene Erklärung umdenken und verdrehen, sodass das eigene Selbstbild nicht mit dem Bild der Gruppe übereinstimmt. Besonders schwierig empfinde ich dabei Argumente, die außerhalb meiner eigenen Wahrnehmung liegen.
      Meine Therapeutin hat mir vermittelt, dass jeder Mensch für die eigene Wahrnehmung und dessen Einordnung verantwortlich ist. Es besteht also keinerlei Pflicht für lange Erklärungen.
    • Das rät auch Lipinski in ihrem Selbsthilfebuch. Ich finde den Ansatz pragmatisch und er funktioniert. Wichtig, wenn Konflikte oder Nachteile drohen und nützlich für die eigene psychische Gesundheit, um sich abzugrenzen. Eine generelle Pflicht sich zu erklären sehe ich darin nicht. Allerdings habe ich auch nur sporadisch wirkliche Probleme im Alltag, aber das mit der eigenen Gesundheit wiegt schon schwer, das habe ich viel zu lange falsch gemacht. Man muss sich kennen, muss wissen wo die persönlichen Hindernisse liegen, und einfordern, dass die eigenen Grenzen respektiert werden.

      Bei neuen Bekannten sage ich z.B., dass ich introvertiert sei und deswegen nur Treffen zu zweit wünsche. Wenn sie das zu komisch finden, entfernen sie sich halt. Und zu Partys wird man dann auch nicht eingeladen. Früher habe ich sowas einfach über mich ergehen lassen, weil es alle machen und ich dachte, ich muss. Oder ich erkläre, dass mich der Verkehr in der Stadt zu sehr stresst und ich deswegen nicht mit dem Auto kommen kann. Oder dass es meine Art zu arbeiten ist, Aufgabenlisten zu führen und ich deshalb schwer mit spontanen Anforderungen umgehen kann. Wenn ich Situationen verlassen muss, erkläre ich das mit Unwohlsein, das reicht. Ob das jetzt ein Zusammenbruch ist oder Kopfweh oder Durchfall, geht ja wohl niemanden etwas an.

      Kürzlich hat mir jemand ungefragt in der Öffentlichkeit gesagt, dass es mein Sohn aber schwer haben wird, wenn er immer so ist. Da tue ich einfach so als hätte ich nichts gehört. Wenn ich eine Tür abschließe, mehrfach kontrolliere und darauf angesprochen werde, fällt das in die gleiche Kategorie. Darf ignoriert werden, so ein Kommentar. Die sollen sich um ihre eigene Sachen kümmern.
    • Ich formuliere auch eher meine Bedürfnisse, ohne sie zu erklären. "Ich mach heute Abend nicht so lang, ich möchte mich noch ausruhen." Je nach Kontakt denk ich mir dann aus, dass der Tag besonders anstrengend war oder ich am nächsten Tag was großes habe oder so. Wenn ich mich bei einem Treffen zurückziehe guck ich auch, in welchem Kontext man steht. Gute Freunde kennen mich, da ist es okay, wenn ich ein paar Minuten weg bin. Bei "offizielleren" Sachen geh ich manchmal einfach länger zur Toilette oder sag, dass ich was erledigen muss und leg mich dann kurz aufs Bett. Immer so, wie es gerade geht. So viel, dass die Leute nicht beleidigt sind aber auch nicht, dass ich sie überfordere. Also so hoffe ich zumindest, ob das dann klappt, keine Ahnung.
    • Von wem wirst du denn da zur Rede gestellt? Wieso musst du dich so oft vor anderen Menschen rechtfertigen? Bist du der einzige, der nicht der NT-Norm entspricht? Wie sehr erklären dir die anderen ihr Verhalten?

      Wenn ich auf mein Verhalten angesprochen werde oder einen goldenen Moment (RW) habe, in dem ich tatsächlich einmal von selbst Irritationen meines Umfelds wahrnehme, dann sage ich "das ist okay, das gehört bei mir zum Konzept". Denn: ich bin nicht defizitär, ich muss mich nicht für mein So-Sein rechtfertigen. Die anderen sind, wie sie sind. Ich bin, wie ich bin.

      Wenn jemand Interesse hat und freundlich nach dem Warum fragt, dann erkläre ich. Dann kann es aber sein, dass derjenige das ganze Info-Dumping-Paket inklusive Aufklärung zu zentraler Kohärenz, exekutiver Problematiken und ToM abbekommt. Ich werde nicht häufig zweimal von der selben Person gefragt....
      Ich schreibe in der Regel vom mobilen Endgerät aus - merkwürdige Wortkonstrukte sind ggf. der Autokorrektur geschuldet

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    • Daniel1 wrote:

      Wie weit ist es unsere Pflicht, allen unsere Eigenheiten zu erklären.Von meiner Erfahrung weiss ich das das erklâren bei vielen keinen Sinn macht, da sie von mir trotzdem den Standard der Gesellschaft verlangen.
      Was denkt ihr, was sind eure Erfahrungen?
      Na ja, Pflicht .... aber meistens ist es einfacher, sich zu erklären, bevor das Gegenüber auf andere Gedanken kommt. "Entschuldigung, wenn ich den Augenkontakt nicht halte, aber das würde mich von meiner Antwort ablenken". "Sie wissen schon: überraschende Akte, Planänderung ... da musste ich erstmal meinen 5-minute-tantrum schmeißen. Bin jetzt wieder professionell. Sie kriegen das Ergebnis in 20 Minuten". "Sorry, es geht mir heute beschissen .. die Welt im Allgemeinen und Kabul im Besonderen ... Flashbacks". "Entschuldigung ... aber um Sheldon zu zitieren ... that's my spot ..." "Heute ist wieder einer von diesen Tagen .. Baby steps ...". undsoweiter undsoweiter.

      aber ich hab es natürlich einfacher, da ich meinen Wert in der bürgerlichen Gesellschaft mit bedrucktem Papier nachweisen kann.
    • Lars77 wrote:

      aber ich hab es natürlich einfacher, da ich meinen Wert in der bürgerlichen Gesellschaft mit bedrucktem Papier nachweisen kann.
      Wie meinst du das?

      Zum Thema: Angeblich soll es schon reichen, wenn man eine allgemeine Erklärung (ohne Mehrwert) gibt: Ich kontrolliere die Tür nochmal, damit ich sicher bin, dass sie zu ist. (Ohne Verweis auf Zwänge oder Autismus oder ... ) Ich hab persönlich aber noch nicht genug Daten sammeln können, um das zu bestätigen oder widerlegen. ;)