Mir fehlen die Worte.

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    • Aldana wrote:

      Ganz genau.
      Entweder hatte der andere auch große Kommunikationsschwierigkeiten oder war nicht wirklich an deiner Antwort interessiert.
      Nein, das stimmt leider nicht, vielmehr hat diese Person versucht mich aus der Reserve zu locken. Ich habe Jahre gebraucht um das zu verstehen. Aus der heutigen Perspektive würde ich mein damaliges Verhalten als schwer gestört bezeichnen. Es ist eher glücklichen Umständen zu verdanken, dass ich von meinem Umfeld heute anscheinend als mehr oder weniger "normal" wahrgenommen werde, was auch immer das heißen mag. Dennoch wurde ich vor kurzem wieder wegen meiner leisen Sprechweise bloßgestellt. Äußerlich kann ich damit gut umgehen. Am liebsten wäre ich explodiert... da investiert man Zeit, Geld und Mühe um sich den Erwartungen der "normalen" Menschen anzupassen und bekommt es derartig gedankt. Ich werde nie mein Gegenüber wie ein Jan Böhmermann in Grund und Boden quatschen können, aber sollte nicht auch der Versuch, sich anzupassen, honoriert werden? Und das nicht nur aus Mitleid für den misslungenen Versuch.

      Capricorn wrote:

      Denn was heißt "Schwächen"?

      Es ist ja eher die allgemeine Art, das Leben und die Umwelt wahrzunehmen und zu empfinden, was man empfindet und einordnet und wie man reagiert....
      Das ist, wie es ist, und muss nicht unbedingt eine Schwäche sein.
      Nicht zu kommunizieren ist eine Schwäche. Am Tag 2-3 Sätze zu sprechen (wie es bei mir früher üblich war) ist nicht normal, auch wenn es ein weites Feld ist, was denn eigentlich normal ist. Man kann natürlich alles irgendwie schön reden, man sei besonders etc. etc. Nein! ich arbeite täglich daran mich zu ändern und es macht mich wütend wenn sich Menschen über mich lustig machen. Dies sind gerade diejenigen, die meinen sich nicht fortbilden oder weiterentwickeln zu müssen. DAS sehe ich als echte Charakterschwäche!
    • ragemachine wrote:

      es macht mich wütend wenn sich Menschen über mich lustig machen. Dies sind gerade diejenigen, die meinen sich nicht fortbilden oder weiterentwickeln zu müssen. DAS sehe ich als echte Charakterschwäche!
      Ja, bestimmt ist das auch so, aber trotzdem heißt es nicht, dass du für dich alle Definitionen anderer übernehmen musst.

      Das meinte ich mit "Was heißt denn Schwäche?"
      Wenn du dein "Defizit" als solches erkennst und daran arbeitest, ist es eine besondere charakterliche Stärke, dies zu tun.

      "Stärke" oder "Schwäche" werden ja erst im Verhältnis zu etwas, was wir "normal" oder "Durchschnitt" nennen, festgelegt. Wie du selbst schreibst:

      ragemachine wrote:

      ....auch wenn es ein weites Feld ist, was denn eigentlich normal ist.
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")
    • Was ist denn Dein Ziel? Locker flüssig mitquatschen können? Das kriege ich nur hin, wenn es ein Standardgespräch ist, das ich im Kopf schon oft geprobt habe oder wenn es um Berufliches geht. Ich weiß auch nicht, wie viel man da trainieren kann - letztlich müsste man in der Lage sein, extrem schnell auf die sich wandelnde Gesprächssituation einzugehen und dann noch die im Hirn wabernden Gedanken in Turbotempo in formulierte Sätze zu verwandeln. Ich finde es realistischer, gleich zu sagen, dass ich nicht so fix mit dem Reden bin, und mir von netten Leuten eine Messengeradresse zu besorgen. Dann bin ich bei Treffen eher sehr ruhig und unterhalte mich dann später per Messenger richtig. Wer das nicht akzeptiert, ist den Aufwand auch sonst nicht wert. Ich spare mir dabei eine Menge Quälerei und Selbstvorwürfe.
    • ragemachine wrote:

      Frage: "Wohin möchtest du einmal reisen?"
      Ich: "nach Ägypten"

      -- Ende des Gesprächs --

      Nein, ich war nicht mies gelaunt, das war lange meine "normale" Art zu kommunizieren.
      Auf diese offene Frage hätte es unendlich viele Antwortmöglichkeiten gegeben, zB dass ich die Pyramiden unheimlich faszinierend finde oder mich für alte Kulturen, Schrift oder sonstwas interessiere. Jedenfalls könnte ich nach einer solchen Frage heute immerhin eine ganze Menge reden - zwar nicht stundenlang, aber immerhin. Was die eigentliche Intention einer solchen Frage war geht mir erst heute - nach Jahren - nach und nach auf und ich frage mich ernsthaft wie ich früher so derartig dumm sein konnte.
      Eine Präzise Frage, auf die du präzise geantwortet hast. die Faszination von Pyramiden oder das Interesse an alten Kulturen wäre die Antwort auf die Frage "Warum nach Ägypten?" gewesen.

      Ich frage mich, warum dich deshalb für dumm hälst. Du hast auf die Frage geantwortet, nach dem warum ist ja nicht gefragt worden.

      Trotz deines Hinweises mit der Intention kann ich dir nicht folgen.
      Die Frage zielt auf das Ziel der nächsten Reise ab, die du logischerweise mit dem Ziel beantwortet hast. Das ist doch die Intention des Fragestellers oder nicht?


      ragemachine wrote:

      Aber dennoch, zurück zur eigentlichen Frage: ein derartig niedriger EQ muss doch eigentlich auffallen, oder? Es gibt doch sicher Screeninginstrumente (Fragebögen etc.) um eine solche Störung frühzeitig zu erkennen.
      Meiner Meinung nach hat das erwähnen von Interessen, die darlegen, wieso deine Antwort Ägypten ist, nicht wirklich was mit Empathie zu tun. Oder ist ein Bedarf an Einfühlung oder Mitfühlung notwendig, um die gestellte Frage zu beantworten?

      Es gibt Screeningbögen, die den EQ ermitteln.
    • ragemachine wrote:

      Nein! ich arbeite täglich daran mich zu ändern und es macht mich wütend wenn sich Menschen über mich lustig machen.
      Du arbeitest nicht daran dich zu ändern, sondern weiter zu entwickeln. Damit ist zwangsläufig eine Änderung mit verbunden, aber mit dem Zweck des Fortschritts und nicht nur des einfachen austauschen des Verhaltens.
      Da sich dein Umfeld darüber lustig macht, wollen sie nicht mit ziehen. Also ist das Umfeld nicht das richtige, weil es dich nicht dabei unterstützt, sondern sich lustig darüber macht.
      Verabschiede dich aus dem Umfeld und baue dir ein wertschätzendes Umfeld auf.
    • ragemachine wrote:

      Es ist eher glücklichen Umständen zu verdanken, dass ich von meinem Umfeld heute anscheinend als mehr oder weniger "normal" wahrgenommen werde, was auch immer das heißen mag. Dennoch wurde ich vor kurzem wieder wegen meiner leisen Sprechweise bloßgestellt. Äußerlich kann ich damit gut umgehen. Am liebsten wäre ich explodiert... da investiert man Zeit, Geld und Mühe um sich den Erwartungen der "normalen" Menschen anzupassen und bekommt es derartig gedankt. Ich werde nie mein Gegenüber wie ein Jan Böhmermann in Grund und Boden quatschen können, aber sollte nicht auch der Versuch, sich anzupassen, honoriert werden? Und das nicht nur aus Mitleid für den misslungenen Versuch.
      Ich kann dich insofern trösten, dass es schon mein ganzes Leben so läuft, am schlimmsten in Schule und Ausbildung, wo Mitschüler und Lehrer das liebend gern kommentieren und immer sagen: "Du musst mehr reden!!!" Früher sagte ich darauf oft ca.: "Ich tue ja mein Bestes", da ich mich auch wirklich sehr anstrengte und wollte, dass die anderen wenigstens wissen, dass ich mich sehr bemühe. Aber ich werde nie so viel und eloquent reden können, dass ich nicht mehr auffalle. Das ist eins der wenigen Dinge, die ich geschafft habe zu akzeptieren, dass ich eben halt so bin. Natürlich bleibt mir dadurch viel verwehrt bzgl. Kontakten, Arbeit oä, aber das ist insofern wieder gut so, da ich damit eh nicht zurecht käme.

      Es kann aber sein, dass das für Männer schwerer ist. Als Frau wird man je nach Umfeld als "schüchtern-nett-verlegen" angesehen und evtl. eher akzeptiert. Wobei ich mir da auch nicht sicher bin, da ich sehr viele Frauen kenne, die einen großen "Kaffeeklatsch-Bekanntenkreis" unterhalten, mit dem sie Tag und Nacht quatschen, plus bei Frauen eben diese gesellschaftlich-gastfreundliche Seite als Norm angesehen wird, während Männer gern mal als "awkward" im Hobbykeller oder am PC rumtüfteln dürfen, ohne gleich als gestört zu gelten...

      Es ist auf jeden Fall so oder so ein großes Glück, wenn man Menschen kennt, die einen auch in leise bzw. gerade deshalb mögen. Das zieht einen dann wieder hoch.
    • Lachatte wrote:

      Als Frau wird man je nach Umfeld als "schüchtern-nett-verlegen" angesehen und evtl. eher akzeptiert.
      Wenn man nicht viel redet bzw. nicht zu jedem Thema etwas sagen kann, muss das nicht unbedingt schüchtern sein. Redest du generell wenig oder in vertrauter Umgebung mehr?

      Ist so und akzeptiert.

      Gespräche führen ist nicht so wirklich meins. Wird häufig zu einem Frage Antwort "Spiel", bis mir die Fragen ausgehen. Also eher in die Richtung Verhör.
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      ragemachine wrote:

      Aber dennoch, zurück zur eigentlichen Frage: ein derartig niedriger EQ muss doch eigentlich auffallen, oder? Es gibt doch sicher Screeninginstrumente (Fragebögen etc.) um eine solche Störung frühzeitig zu erkennen.
      Bei mir wars so, dass meine Mutter auch dieselben Kommunikationsprobleme hatte wie ich (niedriger EQ wie du es ganz treffend formulierst), also fiel ihr das gar nicht auf.
      Und zu meinem autistischen Verhalten generell, der Abgekapselheit, da habe ich erfahren dass es wohl von der Schwiegermutter Vorwürfe gab, die Mutter wäre daran schuld, würde sich nicht richtig um mich kümmern (stimmte gar nicht, ich hatte eine sehr enge Bindung zu ihr, und sie verstand mich); nun vermute ich stark, man wollte auch deshalb dem Autismus-Verdacht nicht so gerne nachgehen. Denn das wäre zur damaligen Zeit ein Eingeständnis gewesen, dass die Schwiegermutter doch recht hat.
      Vielleicht gibt es in deiner Familie ähnliche Mechanismen. Vielleicht hatten sie Angst, man verdächtigt sie, sie würden dich schlagen oder misshandeln, weil du nicht sprichst? Irgendwie sowas?

      Früher waren die Erzieher im Kindergarten auch anders. Die haben auf ein Verhalten vom Kind noch korrigierend eingewirkt, sollten sie auch. Wenn das Kind nur still allein in der Ecke saß, haben sie es zum "auftauen" gebracht, haben es an andere Kinder herangeführt und ins Spiel eingeführt. Heute sollen sie Kinder nicht mehr leiten, sondern das Kind soll selbst entscheiden: wenn die Vierjährige also "entscheidet", sie möchte alleine in der Ecke sitzen, dann sitzt sie da, der Erzieher wird das nur beobachten und den Eltern empfehlen, mit dem Kind zum Psychiater zu gehen und Therapie zu machen.
      Im End-Ergebnis bedeutet diese Veränderung: früher hat man Kinder noch "therapiert" und gefördert soweit irgendwie möglich ohne medizinische Diagnose... heute gibt es halt erst eine Diagnose.

      Man hat dich ja zur Logopädie geschickt. Und was hast du da für eine Diagnose bekommen? Selektiver Mutismus?

      Ich habe zuhause gesprochen, mit fremden Erwachsenen allerdings nicht (auch Lehrern, Nachbarn), da bekam ich immer Tränen in den Augen vor Stress, bis ins Teenager-Alter. Dafür habe ich mich schrecklich geschämt. In der Schule habe ich kaum gesprochen, nur mit meiner einen Schulfreundin.
      Es hieß dann aber auch noch im Studium "Stille Wasser sind tief". Dummes Zeug quasseln (Smalltalk genannt) habe ich in den Jobs in der Gastronomie gelernt. Fühle mich dabei aber irgendwie surreal, fremd im eigenen Körper (wahrscheinlich voller Stress-Hormone).
      Grundsätzlich kennt man mich aber auch als schlagfertig. Ich kann schon Antworten spontan raushauen, wo dem anderen dann erstmal nichts mehr einfällt. Aber das auf humorvoller-freundschaftlicher Ebene, im Streit kann ich das nicht (real, nicht Forum meine ich).
      Aber vorallem als Kind hatte ich neben dem Autismus auch Ängste, auch soziale Ängste. Das hat sich im Laufe der Zeit gebessert. Ich hatte in der Psychiatrie eine Zeitlang eine rau in meinem Alter als Zimmernachbarin, die hatte Soziale Phobie. Da konnte ich das ganz gut mit mir vergleichen. Sie hatte halt wahnsinnige Angst aufzufallen und komisch rüber zu kommen... und das ist halt nicht so mein Problem, weswegen ich still bin.

      Zusätzlich zu den Kommunikationsproblemen kamen bei mir als Kind übrigens noch ganz stark die "Zwänge". Die Kommunikationsprobleme habe ich zwar als Problem wahrgenommen (dass ich nicht so "locker" wie die anderen Kinder bin), aber wirklich gestört kam ich mir deswegen gar nicht vor, nur still und schüchtern; gestört kam ich mir wegen den komischen Zwängen vor (wobei ich damals noch nichtmal das Wort Zwang kannte, ich dachte einfach nur ich bin verrückt, es war mir unerklärlich und ich hatte gar keine Worte dafür. Und ich dachte, es darf niemand wissen weil niemand darüer sprach). Absurderweise soll beim Autismus, die soziale Kommunikation das größte Problem sein, aber als Selbst-Betroffener merkt man das gar nicht unbedingt so... sondern da machen Zwänge, Ängste, Stress, Veränderungen, das größte Leid für einen selber. (Zumindest mein Empfinden)