Plötzliche Veränderung des sozialen Klimas

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    • @Padeiro das wirft natürlich ein ganz anders Licht auf die Sache.
      In diesem Fall könnte es auch sein das die Kollegen dich für "langweilig" halten. Aber ich muß sagen das ich auch gerade wenn noch alles nur ist sehr sprachlos bin.

      PS. Ich wollte dich auf Seite 1 nicht angreifen. Legentlich einen Tip abgeben.
    • Ja, ich kenne das auch. Dass es so plötzich kommt nicht, bzw. wäre mir nicht aufgefallen, aber diese Änderung an sich ist mir wohl bekannt :|

      Wenn es plötzlich ist, kann es vielleicht sein, dass mehrere sich halt zu eben diesem Zeitpunkt mal ausführlicher üer dich unterhalten haben (was Lästern ja meist eh mit einschließt^^). Wenn da dann eine relativ einflussreiche/beliebte Person was Negatives sagt, kann es sein, dass andere, die bisher noch neutral oder hin-und-her-schwankend von dir dachten, ihre "Ankerpunkte" in Richtung negativ verschieben. Die z.B. bisher "nur" dachten, hm, die/der redet so wenig und monoton, ist aber vielleicht sonst ganz ok; aber dann sagt die einflussreiche Person z.B. "der redet ja so komisch und guckt mich ja nie gescheit an und überhaupt...". Die bisher neutraleren Personen denken dann nach und denken vielleicht, stimmt, der redet nicht nur so, sondern guckt auch so wenig. Das integrieren sie dann in ihr inneres Bild über dich. U.s.w.

      Das Ganze ist auch ein Grund, warum ich lieber Arbeitsplätze ohne dauerhafte, festen Beziehungen zu Kollegen oder Klienten mag. Z.B. an der Kasse, wenn da immer wieder andere Kunden kommen und eben wieder gehen, ist mir das viel lieber, als ständig wieder dieselben Klienten. Oder lieber wechselnde Teams, als ständig die gleichen Kollegen (am liebsten gleich allein arbeiten :) )

      Das ist wahrscheinlich schwer verständlich, da normalerweise davon ausgegegangen wird, dass introvertierte, ruhige Personen Beständigkeit bei Kollegen/Klienten mögen.

      Ich kenne es von "netten" Chefs so, dass sie aber gerade diese Beständigkeit ermöglichen wollen. Z.B. in der Uni haben wir Dozenten, die sagen "Wir lassen Sie extra alle Gruppenaufgaben mit ihrere bisherigen Gruppe machen und mischen Sie nicht immer neu, um Ihnen ein höheres Maß an Vertrauen zu ermöglichen."

      Ich mag es tatsächlich in Seminaren sehr gern, wenn man immer wieder neue Gruppen/Partner für Aufgaben hat. Eben weil die Anfänge immer gut verlaufen, und später in Teams immer diese Probleme kommen, wie sie hier im Thread beschrieben sind.
    • Lachatte wrote:

      Wenn es plötzlich ist, kann es vielleicht sein, dass mehrere sich halt zu eben diesem Zeitpunkt mal ausführlicher üer dich unterhalten haben (was Lästern ja meist eh mit einschließt^^). Wenn da dann eine relativ einflussreiche/beliebte Person was Negatives sagt, kann es sein, dass andere, die bisher noch neutral oder hin-und-her-schwankend von dir dachten, ihre "Ankerpunkte" in Richtung negativ verschieben. Die z.B. bisher "nur" dachten, hm, die/der redet so wenig und monoton, ist aber vielleicht sonst ganz ok; aber dann sagt die einflussreiche Person z.B. "der redet ja so komisch und guckt mich ja nie gescheit an und überhaupt...". Die bisher neutraleren Personen denken dann nach und denken vielleicht, stimmt, der redet nicht nur so, sondern guckt auch so wenig. Das integrieren sie dann in ihr inneres Bild über dich. U.s.w.
      Wenn die Kollegen untereinander sehr gut vernetzt sind, reicht eigentlich schon eine Kleinigkeit und die Stimmung kippt ziemlich schnell. Habe das in der Vergangenheit schon erlebt. Da geht es dann nicht mehr um die Sache sondern nur noch um Allianzen. Als neue Person bist du dann ganz schnell draußen.
    • Nicht abrupt, und in der Regel schon nach wenigen Wochen, aber das Phänomen kenne ich auch. Man kommt sich dann ausgegrenzt vor und wird von den Kollegen nicht mehr beachtet. Geht mir schon seit der Grundschule oder sogar im Kindergarten so.

      Das ständige "zusammenhocken" ist mir einfach zu anstrengend. These: NT-Menschen ziehen aus dem gemeinsamen Unterhaltungen, Treffen und Unternehmungen viel Energie und stärkt die soziale Bindung. Ich sage immer "Smalltalk ist das Homo-Sapiens-Äquivalent zur gegenseitigen Fellpflege der Primaten"

      Ich (wie wohl viele Autisten) ziehe keine Energie aus gemeinsamen sozialen Aktivitäten, sondern sie kosten mich Energie. Das kann ich daher nur kurze Zeit durchhalten. Da entsteht schnell der Eindruck, dass man sich absondert weil man die Kollegen nicht leiden kann oder sich für was besseres hält oder ähnliche Beweggründe.

      Ich fange nun eine neue Stelle an und habe daher eine von Anfang an offene Kommunikation beschlossen. Ich habe direkt beim 2. Vorstellungsgespräch gesagt, dass ich im Spektrum bin und werde es auch bei meinen zukünftigen Kollegen in den ersten Tagen zur Sprache bringen. Ob sie damit umgehen können weiß ich natürlich nicht, aber es ist besser, als wenn die Gerüchteküche hochkocht (RW).
    • Ich kenne das auch sehr gut, aus unterschiedlichen Lebensphasen und Kontexten. Meiner Einschätzung nach handelt es sich nicht um eine Fassade, sondern um eine generelle Offenheit, wenn man sich noch kaum kennt und die Gruppendynamik noch nicht konsolidiert ist. Ich kann bei kurzzeitigem bzw. anfänglichem Kontakt einigermaßen freundlich und kommunikativ erscheinen. Funktioniert nicht bei allen, es gibt Menschen, die auch bei ganz kurzen Kontakten richtig feindlich sind. Aber es klappt doch bei den meisten, daher sind Anfänge für mich oft vielversprechend.

      Bei längerfristigem Kontakt erlebe ich die scheinbar plötzliche Feindlichkeit aber auch. Oft ging dem jedoch eine Phase der Distanzierung voraus, in der ich mich fragte, ob ich mir einbilde, dass die anderen plötzlich kühler sind. Ich halte inzwischen mehrere Faktoren für ausschlaggebend. Unausgesprochen wird erwartet, dass der Kontakt mit der Zeit enger wird und man einen festen Platz in der Gruppendynamik einnimmt sowie die impliziten Regeln der Gruppe versteht. Erwartet wird außerdem ein konsistentes, verlässliches Kommunikationsverhalten. Je länger man mich kennt, desto wahrscheinlicher passiert es, dass ich in "Fettnäpfchen" trete, etwas Unpassendes sage, Leute versehentlich nicht grüße, mich ungeschickt anstelle usw. usf. Da kommt einfach immer mehr zusammen und irgendwann "kippt" die Situation. Meiner Erfahrung nach lässt sich da nur bedingt gegensteuern.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • haary wrote:

      Da entsteht schnell der Eindruck, dass man sich absondert weil man die Kollegen nicht leiden kann oder sich für was besseres hält oder ähnliche Beweggründe.
      Ich glaube auch, dass die Menschen oft den Eindruck gewinnen, man wolle selbst nicht so viel mit ihnen zu tun haben, und dass sie einem das dann übel nehmen.

      Leonora wrote:

      Unausgesprochen wird erwartet, dass der Kontakt mit der Zeit enger wird und man einen festen Platz in der Gruppendynamik einnimmt sowie die impliziten Regeln der Gruppe versteht. Erwartet wird außerdem ein konsistentes, verlässliches Kommunikationsverhalten.
      Und das auch.
      Helfen könnte tatsächlich ein offener Umgang mit der Diagnose in der Hoffnung, dass dann eher Verständnis entsteht und Verhaltensweisen nicht falsch verstanden werden. Bleibt aber sicher trotzdem schwierig.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Leonora wrote:

      Unausgesprochen wird erwartet, dass der Kontakt mit der Zeit enger wird und man einen festen Platz in der Gruppendynamik einnimmt sowie die impliziten Regeln der Gruppe versteht. Erwartet wird außerdem ein konsistentes, verlässliches Kommunikationsverhalten. Je länger man mich kennt, desto wahrscheinlicher passiert es, dass ich in "Fettnäpfchen" trete, etwas Unpassendes sage, Leute versehentlich nicht grüße, mich ungeschickt anstelle usw. usf. Da kommt einfach immer mehr zusammen und irgendwann "kippt" die Situation. Meiner Erfahrung nach lässt sich da nur bedingt gegensteuern.
      Wenn man irgendwo neu ist, wird einem zuerst eine gewisse Unsicherheit zugestanden, weil man sich nicht sofort alle neuen Gesichter, Namen und Abläufe merken kann. Es wird aber erwartet, dass das mit der Zeit besser wird. Als Aspie strengt man sich am Anfang vielleicht besonders an, kann das aber nicht auf Dauer auf diesem Niveau halten.

      Wahrscheinlich wird da der Unterschied zwischen dem von der Umgebung erwarteten Verhalten und dem von einem selbst gezeigten ab einem bestimmten Punkt zu groß.
    • Theta wrote:

      Wenn man irgendwo neu ist, wird einem zuerst eine gewisse Unsicherheit zugestanden, weil man sich nicht sofort alle neuen Gesichter, Namen und Abläufe merken kann. Es wird aber erwartet, dass das mit der Zeit besser wird. Als Aspie strengt man sich am Anfang vielleicht besonders an, kann das aber nicht auf Dauer auf diesem Niveau halten.

      Wahrscheinlich wird da der Unterschied zwischen dem von der Umgebung erwarteten Verhalten und dem von einem selbst gezeigten ab einem bestimmten Punkt zu groß.
      Das und ich würde noch zwei andere Dinge vermuten, dass erstens die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man sich einen Fehltritt (RW) leistet und das man sich selber irgendwann nach einer gewissen zeit wohler fühlt und offener wird bzw. weniger versucht zu kompensieren, dadurch dann aber aneckt.
    • Shenya wrote:

      Helfen könnte tatsächlich ein offener Umgang mit der Diagnose in der Hoffnung, dass dann eher Verständnis entsteht und Verhaltensweisen nicht falsch verstanden werden. Bleibt aber sicher trotzdem schwierig.
      Ja, das ist auch mein Eindruck. Ich denke inzwischen tatsächlich, es ist am besten, gleich offen damit umzugehen. Menschen und Umgebungen, die dafür kein Verständnis aufbringen, das nicht ernst nehmen etc., passen meistens vermutlich ohnehin nicht. Aber das ist eher ein Versuch, ob Offenheit in der Hinsicht wirklich zu echter Akzeptanz und Teilhabe führt, ist nicht unbedingt gesagt.

      Theta wrote:

      Wenn man irgendwo neu ist, wird einem zuerst eine gewisse Unsicherheit zugestanden, weil man sich nicht sofort alle neuen Gesichter, Namen und Abläufe merken kann. Es wird aber erwartet, dass das mit der Zeit besser wird. Als Aspie strengt man sich am Anfang vielleicht besonders an, kann das aber nicht auf Dauer auf diesem Niveau halten.

      Wahrscheinlich wird da der Unterschied zwischen dem von der Umgebung erwarteten Verhalten und dem von einem selbst gezeigten ab einem bestimmten Punkt zu groß.
      Das ist sicher ein wichtiger Aspekt. Bei sehr gut angepassten Autisten kann es sogar sein, dass sie durch Überkompensation anfänglich auf viele Menschen besonders freundlich und sozial interessiert wirken und dadurch erst recht Erwartungen schüren, die sie dann nicht erfüllen können. Vielleicht ist das ein Grund für das Ergebnis einer Studie, dass autistische Frauen im Vergleich zu autistischen Männern unauffälliger wirken, aber noch häufiger den Job wechseln.

      Zodd wrote:

      Das und ich würde noch zwei andere Dinge vermuten, dass erstens die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man sich einen Fehltritt (RW) leistet und das man sich selber irgendwann nach einer gewissen zeit wohler fühlt und offener wird bzw. weniger versucht zu kompensieren, dadurch dann aber aneckt.
      Klar, auch das. Meiner Erfahrung nach gibt es da zwei Varianten. Zum einen kann es vorkommen, dass man einen solchen "Fehltritt" und vielleicht auch die anfänglich noch diskrete Wut der anderen gar nicht bemerkt und dadurch rücksichtslos und dreist wirkt. Bemerkt man den "Fehltritt" hingegen und bemüht sich, ihn auszugleichen, kann das ungeschickt und "awkward" wirken, einen verunsichern und ebenso zu einer negativen Dynamik führen.

      Lachatte wrote:

      Wenn es plötzlich ist, kann es vielleicht sein, dass mehrere sich halt zu eben diesem Zeitpunkt mal ausführlicher üer dich unterhalten haben (was Lästern ja meist eh mit einschließt^^). Wenn da dann eine relativ einflussreiche/beliebte Person was Negatives sagt, kann es sein, dass andere, die bisher noch neutral oder hin-und-her-schwankend von dir dachten, ihre "Ankerpunkte" in Richtung negativ verschieben. Die z.B. bisher "nur" dachten, hm, die/der redet so wenig und monoton, ist aber vielleicht sonst ganz ok; aber dann sagt die einflussreiche Person z.B. "der redet ja so komisch und guckt mich ja nie gescheit an und überhaupt...". Die bisher neutraleren Personen denken dann nach und denken vielleicht, stimmt, der redet nicht nur so, sondern guckt auch so wenig. Das integrieren sie dann in ihr inneres Bild über dich. U.s.w.
      Ja, das denke ich auch. Daraus kann der Eindruck entstehen, die Stimmung sei plötzlich umgeschlagen, in Wahrheit war das doch ein schleichender Prozess.

      haary wrote:

      Ich fange nun eine neue Stelle an und habe daher eine von Anfang an offene Kommunikation beschlossen. Ich habe direkt beim 2. Vorstellungsgespräch gesagt, dass ich im Spektrum bin und werde es auch bei meinen zukünftigen Kollegen in den ersten Tagen zur Sprache bringen. Ob sie damit umgehen können weiß ich natürlich nicht, aber es ist besser, als wenn die Gerüchteküche hochkocht (RW).
      Sehe ich genauso und halte Offenheit inzwischen für die beste Strategie. Ich drücke die Daumen. :)
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    • Übrigens: ja, ich denke, ein offener Umgang mit der Diagnose kann eine Chance sein, solche negativen Dynamiken zu vermeiden. Vermutlich noch wichtiger ist es meiner Erfahrung nach jedoch, "friends in high places" zu besitzen. Eine entweder von der offiziellen Hierarchie her hochgestellte und dabei auch allgemein respektierte oder eine innerhalb der inoffiziellen Hierarchie besonders beliebte und einflussreiche Person zu haben, die einem wirklich gewogen ist und einen unterstützt. Für mich ist das, glaube ich, unverzichtbar, um in Gruppendynamiken welcher Art auch immer längerfristig zurecht zu kommen.
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