Dachtet ihr früher auch ihr wärt normal und die anderen kamen euch komisch vor?

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    • Elementarteilchen wrote:

      Heute lebe ich ohne Identität ganz gut, fällt ebenfalls nicht auf.
      Das glaube ich nicht! Unauffällig leben bedeutet nicht keine Identität zu haben. Im Gegenteil... gerade im unscheinbaren liegt mehr Substanz als im Offensichtlichen.
      Dennoch wäre es manchmal ganz schön, wenn es auch anderen auffällt
      Das haben wir schon immer so gemacht. Das haben wir noch nie so gemacht. Da könnte ja jeder kommen.
    • Den Post hätte ich tatsächlich auch schreiben können..

      Ich habe mich insbesondere in der Schulzeit stark angepasst (auch dank des Erziehungsstils meiner Eltern), es hat sich jedoch immer stets falsch angefühlt, z.T. fühlte ich mich auch sehr unwohl. Ich habe auch ruhigere Partys (Diskos waren für mich das Grauen) besucht, weil es ja alle machten, ohne wirklich dabei gewesen zu sein. V.a. ab der Teenager Zeit wurde mein Gefühl des "anders sein" sehr stark, irgendwo haben sich zumindest Teile meiner Persönlichkeit nach der Grundschulzeit kaum weiterentwickelt. Ich habe damals mein "nicht klarkommen" und einfach alles mit meiner Diagnose "Depression" begründet. Allgemein war die Pubertät grausam für mich; in jener habe ich gelernt mit der Masse mitzuschwimmen, nicht aufzufallen und einfach alle Gefühle etc. zu unterdrücken.

      Deswegen war die Studienzeit für mich z.T. befreiend, da ich endlich nicht täglich sozialen Kontakten ausgesetzt war und meine Freizeit vermehrt allein verbrachte. Das einzige Problem: ich musste emotional unterentwickelt in einer Erwachsenenwelt klarkommen. Dies ist immer noch schwer, daran arbeite ich.

      Erst nach einem Breakdown nach kurzer Zeit der Berufstätigkeit und der Asperger-Diagnose, habe ich z.T. verstanden, dass ich tatsächlich nicht immer nur "depressiv" war in meiner Jugend. Irgendwo habe ich aber trotzdem noch das Bedürfnis "normal" zu sein..
    • Elementarteilchen wrote:

      Heute lebe ich ohne Identität ganz gut, fällt ebenfalls nicht auf.
      Was meinst du denn mit "ohne Identität" genau? Deine Identität steht auf dem Personalausweis, sie ist über die Luca-App feststellbar, über Steuerkarte, Zeugnisse usw. Und irgendwie kann man dich doch auch von anderen unterscheiden, wenn du Teil einer Gruppe bist: "Ah, Elementarteilchen ist auch da" sagen die anderen und erkennen dich an Größe, Stimme, Verhalten.
      "Hast Du aber Deinen Dämon gefunden, dann bist Du nicht mehr allein auf der Welt." (Oskar Panizza, Der Illusionismus und die Rettung der Persönlichkeit.)
    • Abendstern wrote:

      Also im Kindesalter hat meine Mutter den geplant, und ich hab gelegentlich ein Wörtchen mitgeredet.
      Bei anderen Kindergeburtstagen, wo ich eingeladen war, hatte ich allerdings den Eindruck, dass es dort ganz genauso ablief

      tinker wrote:

      Bei mir war das nur an meinen Geburtstagen so (laut Aussage meiner Mutter). An Geburtstage von anderen kann ich mich nicht mehr erinnern. Vielleicht war ich auch nicht eingeladen worden.
      Bei Kindergeburtstagen ist es doch aber eigentlich normal, dass die Mutter (OK oder Vater, aber in der Realität meist sicher die Mutter) den plant, und das Kind nur gelegentlich ein Wörtchen mitredet. In dem Alter schon alles vorwiegend allein planen habe ich bei Kindern noch nicht erlebt. Gerade heutzutage, wo ja immer massig Spiele, Schnitzeljagden oder sogar Ausflüge mit dabei sind.
      Habe auch ab Jugendalter kaum mehr gefeiert, mache an meinem Geburtstag immer extra nur, was ich will, wodurch die Tagesgestaltung dann für Außenstehende sogar besonders langweilig aussieht (man wird ja immer gefragt "Was machst du an deinem Geb./hast du an deinem Geb. gemacht?" - "Ähhhm, nichts" :d )
      Hätte ich ein Kind und "müsste" einen Kindergeburtstag organisieren, ich weiß nicht, wie das enden würde. Könnte nur hoffen, das Kind will gar keine Feier :d

      Rubixxy wrote:

      Ich habe auch lange gehört, wieso ich so böse gucke, dann habe ich mir ein Lächeln angewöhnt und ich wurde gefragt, was ich so grinsen würde... Man kann es den Leuten einfach nicht recht machen.
      Genau meine Erfahrung :nod: Besonders toll, wenn diese Kommentare von Lehrern vor der Klasse kommen :nerved:
    • @Elementarteilchen
      Mir geht oft durch den Kopf, was genau von mir erwartet wird. Keiner ist in der Lage das genau zu formulieren. Dabei würde es mir deutlich einfacher fallen, wären die Erwartungen klarer formuliert, darauf zu antworten...
      "Das kann ich machen... "
      "Das fällt mir schwer, aber wenn es dir wichtig ist, dann bekomme ich das hin..."

      und was mir besonders schwer fällt...
      "Das kann ich nicht leisten!"

      Im Umkerschluss frage ich mich, warum fühle ich mich gerade so, dass ich weinen könnte. Es gibt vieles was ich vermeindlich überinterpretiere. Halt um blos nicht anzuecken und auch weiterhin schön "normal" zu bleiben.
      Das "in sich hineinhören" ist überhaupt nicht mein Ding. Meistens hört das bei mir knapp über den Schultern auf.

      Was sind denn deine Bedürfnisse und wie weit lässt du diesen Raum zur Entfaltung?
      Das haben wir schon immer so gemacht. Das haben wir noch nie so gemacht. Da könnte ja jeder kommen.
    • @tinker, das mit dem Weinen kenne ich sehr gut, geht mir genauso.
      Ebenfalls fällt es mir schwer in mich hinein zu hören , zu wissen was ich wirklich will und was gut für mich ist. Da muss ich mich wirklich stark konzentrieren. Danach heißt es noch lange nicht dass ich auch die richtige Entscheidung für mich treffe. Hinterher fällt mir jedoch auf dass ich es aufgrund eines Gefühls hätte besser machen können.
      Es gibt Warnzeichen die ich oft nicht ernst nehme und Dinge zu meinem Nachteil mache um es anderen Recht zu machen. Ich arbeite mühsam daran.
      Warnzeichen sind: Zweifel, Augenzucken, Unwohlsein, Herzklopfen, Nervosität usw.
      Ich gerate in überfordernde Situationen dann kommt der Overload und dann der Meltdown.
    • Elementarteilchen wrote:

      @tinker, das mit dem Weinen kenne ich sehr gut, geht mir genauso.
      Ebenfalls fällt es mir schwer in mich hinein zu hören , zu wissen was ich wirklich will und was gut für mich ist. Da muss ich mich wirklich stark konzentrieren. Danach heißt es noch lange nicht dass ich auch die richtige Entscheidung für mich treffe. Hinterher fällt mir jedoch auf dass ich es aufgrund eines Gefühls hätte besser machen können.
      Es gibt Warnzeichen die ich oft nicht ernst nehme und Dinge zu meinem Nachteil mache um es anderen Recht zu machen. Ich arbeite mühsam daran.
      Warnzeichen sind: Zweifel, Augenzucken, Unwohlsein, Herzklopfen, Nervosität usw.
      Ich gerate in überfordernde Situationen dann kommt der Overload und dann der Meltdown.
      Das kommt mir sososo bekannt vor. Oft bin ich dann so erschöpft, das ich erstmal schlafen muss und nichts mehr machen kann. Außerdem habe ich einen Tinitus der bei Stress wahnsinnig laut ist und sich dann tagelang nicht mehr beruhigt.
    • Elementarteilchen wrote:

      ok ich versuche es zu erklären: ich fühle mich nicht wie eine Frau , Mutter , Deutsche, oder soetwas. Ich weiß nur " ich bin, sonst nichts.
      Ich bin nicht identifiziert
      Finde ich sehr interessant, so fühle ich mich auch oft, bzw eben gerade nicht. Also irgendwie heimatlos wenn ich da nach sowas suche, aber gleichzeitig auch frei von irgendwelchen großartigen Erwartungen an mich selbst. Wenn ich mich anpasse, dann nicht um so zu sein wie ich "bin" und mich fühle, sondern um keine unangenehmen Reaktionen zu bekommen.
      Das wie ich bin passt in keine eigene Schublade und ist daher ziemlich losgelöst von irgendwas Äußerem, orientiert sich an nichts. Habe lange versucht über Geschlechtsidentität ("non-binary", "transgender" oä.) eine Zugehörigkeit zu finden, aber fand mich nicht. Über sexuelle Orientierung ebenfalls nicht (ich weiß es nicht mal nach langen Jahren so genau, vermutlich irgendwas so zwischen homo-bi- und asexuell, aber jedenfalls nichts Identitätsstiftendes).
      Glaube über Hobbies oder meine verschwurbelte Neurodiversität (ich sage mal lieber nicht AS bis ich den Diagnosebericht gelesen habe) kann ich mich noch am ehesten identifizieren, aber auch oft eher auf einer Ebene von "nicht ganz so fremd sein", und im Endeffekt hilft es mir nicht so wirklich dabei, eine echte Identität zu fühlen. Ich denke darüber inzwischen kaum noch nach und das macht mich am glücklichsten, einfach zu leben. Ohne dieses ominöse Ich näher zu kennen.

      Zum Threadtitel.
      Ich dachte als Kind, die Anderen sind größtenteils irgendwie doof und oder komisch. Hab das dann später analysiert als "die hier im Norden sind doof und komisch" (aufgewachsen in Norddeutschland). Bin woanders hingezogen. Hab durch das Studium andere neurodiverse Menschen kennengelernt und mich das erste Mal endlich richtig zu Hause gefühlt. Hab dann später erkannt, dass es nicht am Bundesland liegt oder am Breitengrad, sondern schlicht an mir. Und dass das mit mir eben auch nicht an einer spezifischen Andersartigkeit liegt (sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität) sondern eher an einer grundlegend anderen Art zu denken.