Zuviel Denken?

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    • Zuviel Denken?

      Mir wurde neulich gesagt, dass ich zuviel denke.
      Allein bei dieser Aussage raste mein Gedankenkarussel.

      Es stimmt ja auch, ich denke über alles nach, selbst wenn ich nur Musik höre, singe ich gedanklich mit.

      Das ist wie ein Drang, den ich nicht stoppen kann aber es hat nichts mit Depressionen zu tun.

      Mir wurde aber auch mal gesagt, wenn man überhaupt nicht mehr denkt, ist man tot.


      Und nun sitze ich hier und ja, denke darüber nach.

      Habt ihr das auch? Und schafft man es tatsächlich mal nicht zu denken, ohne dabei tot zu sein?


      LG
    • Lilian wrote:

      Mir wurde neulich gesagt, dass ich zuviel denke.
      Das wurde mir auch schon mal vor 20 Jahren gesagt. Vielleicht hat derjenige es aber auch so gemeint, dass du zu vieles auseinanderdenkst und (fast) jedes Detail hinterfragst. War zumindest bei mir so. Ich denke auch (fast) ständig über Dinge nach, aber das wissen die anderen, mit denen ich gerade zu tun habe nicht. Dabei gibt es bei mir auch Situationen wo ich an nichts denke. Beim Autofahren/Zugfahren kann ich einfach aus dem Fenster gucken und alles auf mich wirken lassen.
    • Lilian wrote:

      Mir wurde neulich gesagt, dass ich zuviel denke.
      Allein bei dieser Aussage raste mein Gedankenkarussel.

      Habt ihr das auch? Und schafft man es tatsächlich mal nicht zu denken, ohne dabei tot zu sein?
      Tja.... Ich schaffe manchmal einen Flowzustand im Sinne von "nicht denken, machen". Da bin "ich" natürlich nicht mehr anwesend bei. aber natürlich auch nicht tot, denn nach der üblichen Definition ist "Tod" was irreversibles, und das aufgehen des "ich" im "machen" ist ja durchaus reversibel.

      und wieviel Denken ist "zu viel"? Ist es erst "zu viel", wenn Du die Bedingungen Deines Denkens durchdenkst, oder ist es schon "zu viel", wenn Du Dein "machen" überprüfst? "Zu viel" Kritik oder "zu viel" verschwednete Denkleistung? Oder ist es eher ein spielerisch- kreatives Aneinanderreihen von Begriffen und Konzepten?
    • platzhalter wrote:

      Lilian wrote:

      Mir wurde neulich gesagt, dass ich zuviel denke.
      Das wurde mir auch schon mal vor 20 Jahren gesagt. Vielleicht hat derjenige es aber auch so gemeint, dass du zu vieles auseinanderdenkst und (fast) jedes Detail hinterfragst. War zumindest bei mir so. Ich denke auch (fast) ständig über Dinge nach, aber das wissen die anderen, mit denen ich gerade zu tun habe nicht. Dabei gibt es bei mir auch Situationen wo ich an nichts denke. Beim Autofahren/Zugfahren kann ich einfach aus dem Fenster gucken und alles auf mich wirken lassen.
      Das ist ein guter Aspekt, so habe ich das noch nicht gesehen.

      Ja, auseinanderdenken und sich dann verlieren und nicht mehr die Lösung finden oder das Ganze nicht mehr greifen können.

      Beim Autofahren oder Bus/Bahnfahren mach ich das auch aber dann schweife ich ab und denke über die Bäume oder Blätter nach :nerved:
    • Lilian wrote:

      Beim Autofahren oder Bus/Bahnfahren mach ich das auch aber dann schweife ich ab und denke über die Bäume oder Blätter nach :nerved:
      Und? Kommt was patentierbares bzw. veröffentlichungswürdiges bei raus? Steve Jobs war angeblich auch so einer, der hat bei allem, was er gesehen hat, sofort patentierbare Verbesserungen gesehen.
    • Lars77 wrote:

      Lilian wrote:

      Mir wurde neulich gesagt, dass ich zuviel denke.
      Allein bei dieser Aussage raste mein Gedankenkarussel.

      Habt ihr das auch? Und schafft man es tatsächlich mal nicht zu denken, ohne dabei tot zu sein?
      Tja.... Ich schaffe manchmal einen Flowzustand im Sinne von "nicht denken, machen". Da bin "ich" natürlich nicht mehr anwesend bei. aber natürlich auch nicht tot, denn nach der üblichen Definition ist "Tod" was irreversibles, und das aufgehen des "ich" im "machen" ist ja durchaus reversibel.
      und wieviel Denken ist "zu viel"? Ist es erst "zu viel", wenn Du die Bedingungen Deines Denkens durchdenkst, oder ist es schon "zu viel", wenn Du Dein "machen" überprüfst? "Zu viel" Kritik oder "zu viel" verschwednete Denkleistung? Oder ist es eher ein spielerisch- kreatives Aneinanderreihen von Begriffen und Konzepten?
      Darüber muss ich weiter nachdenken.

      Soll heißen, Du spaltest Dich vom Hier und Jetzt ab und machst nur noch? Also funktionierst, ohne Dich oder die Situation zu hinterfragen?

      Wenn dem so ist, habe ich das irgendwie verlernt.

      Bei mir ist es ein unnütziges Denken, es erfreut mich weder, noch erscheint es mir sinnvoll im Sinne von Lernen.

      Oft macht es mir aber auch Angst, weil ich mir ausmale, was alles schlimmes passieren könnte.
    • Lars77 wrote:

      Lilian wrote:

      Beim Autofahren oder Bus/Bahnfahren mach ich das auch aber dann schweife ich ab und denke über die Bäume oder Blätter nach :nerved:
      Und? Kommt was patentierbares bzw. veröffentlichungswürdiges bei raus? Steve Jobs war angeblich auch so einer, der hat bei allem, was er gesehen hat, sofort patentierbare Verbesserungen gesehen.
      Nein, es ist eher die Struktur über die ich nachdenke.
      Die Blattadern oder die Rinde des Baumes, Fotosynthese...

      Aber ich bin Alles anderes als ein super Brain oder Greta und überlege mir wie man der Natur kann helfen oder was man verbessern könnte.
    • "Du denkst zu viel" ist einer meiner "Lieblingshasssprüche". Meistens geäußert von Personen, denen mehr denken - nach meiner Ansicht - nicht schaden würde.

      Depressionen habe ich auch nicht und ich finde nicht, dass ich zu viel denke. Ich denke gern. Ich finde auch nicht, dass anderen ein Urteil darüber zusteht, ob meine Denkquantität angemessen ist.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Lilian wrote:

      Darüber muss ich weiter nachdenken.
      Soll heißen, Du spaltest Dich vom Hier und Jetzt ab und machst nur noch? Also funktionierst, ohne Dich oder die Situation zu hinterfragen?

      Wenn dem so ist, habe ich das irgendwie verlernt.

      Ich finde mich auch immer mal wieder in Denk/Angst/Grübelfallen.

      Dass ich zu viel denke wurde mir früher öfter oft gesagt.


      Und ich suche das "einfach sein können", Lebensflow, Balance.

      Bei dem das Denken seinen ggfls. unterstützenden Platz hat. Vielleicht auch einfach geschieht.

      Das ist für mich dann ein Sein im " Hier und jetzt"

      Ein stetes Hin Zu, das stets auch Grenzen erfahren und ggfls. erweitern lässt

      :roll:

      :o

      The post was edited 1 time, last by ifi ().

    • Lilian wrote:

      Wenn man aber die einfachste Lösung nicht findet (obwohl sie offensichtlich ist), weil man sich im Denken verliert, ist das für mich schon irgendwie belastend.
      Ja, dann komme ich ggfls. sogar in einen Angstmodus.
      Der erst aufhören kann wenn ich loslassen kann was das Ergebnis meines Seins zu sein hat.
      Und zulasse auch Unangenehmes zu spüren.
    • ifi wrote:

      Lilian wrote:

      Wenn man aber die einfachste Lösung nicht findet (obwohl sie offensichtlich ist), weil man sich im Denken verliert, ist das für mich schon irgendwie belastend.
      Ja, dann komme ich ggfls. sogar in einen Angstmodus.Der erst aufhören kann wenn ich loslassen kann was das Ergebnis meines Seins zu sein hat.
      Und zulasse auch Unangenehmes zu spüren.
      Ja, Grenzen setzen und dennoch offen sein.
    • Lilian wrote:

      Darüber muss ich weiter nachdenken.
      Soll heißen, Du spaltest Dich vom Hier und Jetzt ab und machst nur noch? Also funktionierst, ohne Dich oder die Situation zu hinterfragen?
      Da ist kein ich. Da ist nur noch machen, aus langjäriger Erfahrung. Zum Auge rein, zur Hand raus. Dann bin ich doppelt so schnell wie mit Nachdenken. Nur ist dann auch niemand da, der merkt, dass die Konzentration nachlässt und die Fehler sich häufen. Das muss dann halt meine Sekretärin abfangen.

      Lilian wrote:

      Bei mir ist es ein unnütziges Denken, es erfreut mich weder, noch erscheint es mir sinnvoll im Sinne von Lernen.

      Oft macht es mir aber auch Angst, weil ich mir ausmale, was alles schlimmes passieren könnte.
      Ja, das ist lästig. Dagegen hilft mir meist auch nur, Backuppläne für Backuppläne zu haben. Und vielleicht mein Gaba.
    • Lilian wrote:

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      Mir wurde aber auch mal gesagt, wenn man überhaupt nicht mehr denkt, ist man tot.


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      Habt ihr das auch? Und schafft man es tatsächlich mal nicht zu denken, ohne dabei tot zu sein?


      LG
      Also zu eins kann ich dir absolut recht geben. Selbst im Schlaf denkt der Menschen noch, was sich in Träume äußerst.
      zu zwei, ja das habe ich auch öfter. Aber eine Zeit lang ohne zu denken, nein ich denke nicht das ich das schaffe.
      übrigens die Niederländer kennen etwas, das nennen sie. "rüsten" zu Deutsch - nichts tuen. Dabei machen sie es sich irgend wo bequem schließen ihre Augen und lassen einfach ihre Gedanken schweifen.
    • Lilian wrote:

      Mir wurde neulich gesagt, dass ich zuviel denke.
      Habt ihr das auch? Und schafft man es tatsächlich mal nicht zu denken, ohne dabei tot zu sein?
      Hallo,

      ich würde das danach beurteilen, ob ich es selbst auch als "zu viel" empfinde oder nicht. Ja, ich denke auch viel, und über alles mögliche, komme von einem Thema ins andere. Aber ich finde nicht, dass es zu viel ist, sondern ich mache das gerne. Genau so könnte ich ja auch anderen unterstellen, dass sie (im Vergleich zu mir) zu wenig denken würden. Ich mag mein "Gedankenkarussell" und mich belastet es nicht, von daher kann/sollte das anderen egal sein wie viel ich denke. :)

      Mich interessiert eben sehr vieles, würde ich mich für gar nichts interessieren wäre das für irgendwen wahrscheinlich genau so ein Grund, das zu bewerten. Und ich bin nunmal nicht so, wie es anderen recht wäre.
    • Kayt wrote:

      "Du denkst zu viel" ist einer meiner "Lieblingshasssprüche". Meistens geäußert von Personen, denen mehr denken - nach meiner Ansicht - nicht schaden würde.
      :thumbup:

      Lilian wrote:

      Das ist wie ein Drang, den ich nicht stoppen kann aber es hat nichts mit Depressionen zu tun.
      Zum einen kann man natürlich sein Bewusstsein nicht einfach an- und ausschalten. Das ist einfach da. Deshalb geht auch "das Denken mal eben stoppen" nicht. Du kannst aber sehr wohl steuern. Beispiel:

      Du liest in der Zeitung einen Artikel, in dem vom Renovieren von Wohnungen die Rede ist. Noch vor Ende der Lektüre verlierst du dich in Gedankenschleifen über Wandfarbe und Rauhfaser- oder Mustertapete und darüber, wer dir helfen könnte usw. Dass das passiert, kannst du nicht verhindern. Was du aber kannst, ist: In dem Moment, wo du merkst, dass du dich in einer solchen Gedankenschleife befindest, da kannst du stoppen und den Gegenstand deiner Träumereien loslassen. Die Vorstellung "ich lasse den Gedanken jetzt davonziehen wie eine Wolke am Himmel" hilft vielleicht dabei.

      Hast du mal Meditation probiert? Beim Meditieren lernst man, das anzunehmen, was das Bewusstsein einem so serviert, sich aber nicht hineinzuverbeißen. Und es schon gar nicht zu bewerten. Ein "Mist, jetzt denke ich wieder" ist kontraproduktiv.

      Und um auf Kayt zurückzukommen: Nachdenken ist nicht dasselbe wie dieses "sich in Tagträumereien verlieren". Nachdenken ist etwas Notwendiges, Schönes, Produktives.
      En perdant on y gagne quand-même / Et puis après tout, on n'as pas choisi.
    • Lilian wrote:

      schafft man es tatsächlich mal nicht zu denken, ohne dabei tot zu sein?
      Gar nicht denken geht wahrscheinlich nur, wenn du tot bist oder traumlos schläfst.

      Lilian wrote:

      Mir wurde neulich gesagt, dass ich zuviel denke

      Lars77 wrote:

      Ich schaffe manchmal einen Flowzustand im Sinne von "nicht denken, machen".
      Vielleicht ist mit der Aussage, dass "Lilian" zu viel denkt, auch einfach gemeint, dass sie zu selten in diesen Flowzustand kommt.
      Dieser Flow ist eigentlich ein ganz normaler Zustand, in den ein Durchschnittmensch einen großen Teil des Tages verbringt.

      Lars77 wrote:

      Da bin "ich" natürlich nicht mehr anwesend bei.
      Doch, du bist anwesend und würdest in diesem Zustand nichts tun, was deinen Grundüberzeugungen widerspricht.

      platzhalter wrote:

      Beim Autofahren/Zugfahren kann ich einfach aus dem Fenster gucken und alles auf mich wirken lassen.

      Lilian wrote:

      Beim Autofahren oder Bus/Bahnfahren mach ich das auch aber dann schweife ich ab und denke über die Bäume oder Blätter nach
      Aktives (!) Autofahren ist ein gutes Beispiel für einen solchen Flowzustand.

      Fast alles, was man dabei tut, hat man so lange geübt, dass man es tun kann, oder darüber nachzudenken. Jeder, der einen Führerschein hat, erinnert sich sicherlich daran, wie kompliziert ihm das am Anfang erschienen ist, an der richtigen Stelle zu kuppeln u.s.w.

      Wenn man da noch heute jedesmal bewusst drüber nachdenken müsste, wäre das Autofahren unheimlich anstregend. Aber das bewusste Nachdenken braucht man irgendwann nicht mehr, weil alles wichtige längst im Unterbewusstsein verankert ist. Sogar das Bremsen in einer Gefahrensituation würde man automatisch in diesem Flowzustand machen. Das ist offensichtlich viel besser, als wenn man an dieser Stelle erst lange und ausführlich über das Für und Wider eines Bremsmanövers philosophieren würde, denn in der Zeit, die man dafür braucht, könnte man bereits einen folgenschweren Unfall verursachen.

      Also ist der Flowzustand durchaus wünschenswert, und man kann in diesem Zustand einiges, was man im normalen Wachzustand nicht kann. Zum Beispiel Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Im Wachzustand habe ich durchaus die autismustypische Eigenschaft, mich manchmal in irgendwelchen eigentlich unbedeutenden Details zu verlieren. Im Flowzustand beim Autofahren können mich diese Details aber nicht ablenken.

      Vielleicht hängen viele der typischen autistischen Probleme damit zusammen, dass ein Autist eher selten in diesen Flow gelangt. Empathie, soziale Kommunikation und Interaktion funktionieren vielleicht auch in diesem Flow wesentlich besser.

      Lilian wrote:

      Soll heißen, Du spaltest Dich vom Hier und Jetzt ab und machst nur noch? Also funktionierst, ohne Dich oder die Situation zu hinterfragen?
      Das ist alles möglich, ja. Und es ist eine sehr interessante Erfahrung.
      Man kann sich auch selbst in diesen Zustand versetzen oder von einem anderen hineingeführt werden. Dann würde man es Trance oder Hypnose nennen.
      Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anderswerden, wenn es besser werden soll. (Georg Christoph Lichtenberg)
      Veränderungen führen deutlich öfter zu Einsichten, als dass Einsichten zu Veränderungen führen. (Milton H. Erickson)
      Morgen werde ich mich ändern, gestern wollte ich es heute schon. (Christine Busta)