Asperger und Narzissmus?

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    • Sonnenseele wrote:

      Ich behandele andere Menschen so, wie ich gerne behandelt werden möchte. Vielleicht ist dies ja nicht trotz meiner Mobbingerfahrungen in der Vergangenheit der Fall, sondern aufgrund dieser Erfahrungen.
      Das kann gut sein, aber ich denke nicht, dass diejenigen Autisten, die immer wieder "anecken", in Konflikte geraten, als narzisstisch wahrgenommen werden etc. andere Menschen unbedingt andere aufgrund ihrer eigenen Mobbing-Erfahrungen nicht so gut behandeln. Wie gut sich ein autistischer Mensch in Gruppenkontexten anpassen kann, kann ganz andere Gründe haben. Die Lautstärke der Stimme und die Intonation können da schon zu Schwierigkeiten führen. Oder Menschen, die mal offen und kommunikativ und mal zurückgezogen sind, können mehr Schwierigkeiten haben als die grundsätzlich Stillen.

      Dr. L84 wrote:

      Ja, mit Sicherheit. Der ideologische Überbau, der in seiner mir bekannten extremsten Form in einer Vorstellung des nächsten evolutionären Schrittes der Menschheit mündet, ist ja auch nicht nur von außen, also von Leuten wie Attwood vorgegeben. Wenn so jemand wie Du ihn beschreibst aber auf einen anderen so jemanden trifft und beide eine Diagnose bekommen, befruchtet sich das alles gegenseitig.
      Ja, natürlich. So Vorstellungen wie die, autistische Menschen wären die nächste Stufe der Evolution, könnten daher kommen. Allerdings bin ich ziemlich sicher, dass Attwood mit der "Entdeckung von Aspie" falsch verstanden wurde. Er verneint die grundsätzlichen Probleme, die autistische Menschen haben können, ja gar nicht, und den "Gott-Modus", in den manche Autisten gerade aus der Erfahrung von Ausgrenzung und Ablehnung heraus fallen, sieht er auch kritisch. Ihm ging es meinem Eindruck nach darum, zu zeigen, dass man autistische Eigenschaften auch anders und nicht pathologisierend darstellen kann.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Mein Vater war narzisstisch und extrem abwertend/gleichgültig gegenüber anderen Menschen, gleichzeitig hatte er aber auch etwas sozial sehr Unbeholfenes, konnte sich nicht in andere hineinversetzen, hatte oft unpassende Verhaltensweisen. Er ist ein Mensch, bei dem ich beide Störungen gesehen habe.

      Alle anderen Autisten, die ich kenne, sind aber überhaupt nicht narzisstisch. Höchstens etwas selbstbezogen, fangen immer wieder mit ihren Spezialthemen an, aber das macht für mich noch lange keinen Narzissten aus.

      Bei mir überlege ich auch ständig, ob und was ich haben könnte. Manchmal bin ich auch überzeugt, narzisstisch zu sein oder zumindest Anteile von meinem Vater zu haben. Dann denke ich aber wiederum, dass ich überhaupt nicht narzisstisch bin. Beim Therapeuten ist es auch schwer, das genau klären zu lassen, da ich mich für narzisstische/andere abwertende Denk-/Verhaltensweisen schäme und sie nicht gern anspreche und der Therapeut das wahrscheinlich auch ungern so klar bei mir benennen würde.

      Generell finde ich es total schwer, genau einzuordnen, was für Störungen man alles hat und ob es nur eine einzige ist oder es mehrere sind, die ineinander greifen. Mein Therapeut spricht oft von „Anteilen“ von x, y, z, die ich habe. Aber das verwirrt mich nur noch mehr.
    • Nitram wrote:

      entschuldigt wenn ich gerade Kurtz vom Thema ankomme. Aber könnt ihr mir eventuell erklären was genau narzisstisch ist?
      Selbstverliebt, sich selber ganz gut finden und die anderen doof...
      War lange Zeit mein Überlebenskonzept. Für mich waren die anderen Idioten und Psychopaten. Hat mir geholfen eine lange Zeit ohne Soziophobien zu leben.
      Ich habe über die anderen gelacht anstatt sie als Bedrohung zu empfinden.
      Sie mein unten stehendes Motto :
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen
    • Elena wrote:

      Mein Vater war narzisstisch und extrem abwertend/gleichgültig gegenüber anderen Menschen, gleichzeitig hatte er aber auch etwas sozial sehr Unbeholfenes, konnte sich nicht in andere hineinversetzen, hatte oft unpassende Verhaltensweisen. Er ist ein Mensch, bei dem ich beide Störungen gesehen habe.

      Alle anderen Autisten, die ich kenne, sind aber überhaupt nicht narzisstisch. Höchstens etwas selbstbezogen, fangen immer wieder mit ihren Spezialthemen an, aber das macht für mich noch lange keinen Narzissten aus.

      Bei mir überlege ich auch ständig, ob und was ich haben könnte. Manchmal bin ich auch überzeugt, narzisstisch zu sein oder zumindest Anteile von meinem Vater zu haben. Dann denke ich aber wiederum, dass ich überhaupt nicht narzisstisch bin. Beim Therapeuten ist es auch schwer, das genau klären zu lassen, da ich mich für narzisstische/andere abwertende Denk-/Verhaltensweisen schäme und sie nicht gern anspreche und der Therapeut das wahrscheinlich auch ungern so klar bei mir benennen würde.

      Generell finde ich es total schwer, genau einzuordnen, was für Störungen man alles hat und ob es nur eine einzige ist oder es mehrere sind, die ineinander greifen. Mein Therapeut spricht oft von „Anteilen“ von x, y, z, die ich habe. Aber das verwirrt mich nur noch mehr.

      Eurich Wolkengrob wrote:

      @hundefreund
      Ich finde den Wartenwechsel, den Du im Beitrag Nr.15 vornimmst, sehr nützlich und gelungen.
      Da hast Du recht! :)


      Heute wieder eine Situation gehabt, die wieder meine Unsicherheit zeigt: Ich war auf Arbeit und es gibt da eine Musikanlage, die Musik für Kunden spielt. Ich wollte kurz vor Schluss mal meine Musik anmachen, aber ich habe nicht gemerkt, dass wir noch Kunden hatten. Es kam von meinem Mitarbeiter ein: „Neeeeiiiiiin!“. Da kommen wir zu einem Punkt, den ich an mir kritisiere: Ich werde unsicher und habe eine Lüge erzählt. Ich sagte, dass ich die Musik nicht wechseln wollte, was ich eigentlich machen wollte. Kurz: Dieses Unauthentische, bei so einer Situation. Ich merke es dann sofort, dass ich was falsches gesagt habe, sage dann der Person, dass ich es nicht so meine und sage dann die Wahrheit. Warum nicht gleich so?

      Dann kam die zweite Sache: Ich war irgendwie wütend. Ob ich nun auf meinem Mitarbeiter oder auf mich wütend war, weil ich gelogen habe - genau das frage ich mich?! Ich wollte nur noch Feierabend machen und habe mich schon abgemeldet. Es waren doch noch Kunden da und mir wurde gesagt, dass ich noch warten müsste. Solange habe ich den Müll rausgebracht. Ich war so voller Wut und erst draußen fragte ich mich, warum? Mein Mitarbeiter meinte es ja nicht böse! Wenn das nicht zum Ambiente passt, dann ist es halt so! Dennoch war ich wütend. Ich habe mich wieder ein bisschen gerafft, aber ich habe immer noch darüber gegrübelt! (Wieso ich wütend war? Was das ganze soll?)

      Ich war sehr unzufrieden mit mir und dann noch wieder unzufrieden, weil ich schon wieder so darüber jammer.


      Ich bin schon Gott sei Dank so weit, dass ich es erkenne, aber erst danach. Hat jemand Tipps?

      The post was edited 2 times, last by ThePort ().

    • molle66 wrote:

      Nitram wrote:

      entschuldigt wenn ich gerade Kurtz vom Thema ankomme. Aber könnt ihr mir eventuell erklären was genau narzisstisch ist?
      Selbstverliebt, sich selber ganz gut finden und die anderen doof...War lange Zeit mein Überlebenskonzept. Für mich waren die anderen Idioten und Psychopaten. Hat mir geholfen eine lange Zeit ohne Soziophobien zu leben.
      Ich habe über die anderen gelacht anstatt sie als Bedrohung zu empfinden.
      Sie mein unten stehendes Motto :
      Es WAR lange Zeit dein Überlebenskonzept, schreibst du. Darf ich fragen, wie es dann weiterging? Also jetzt ist es nicht mehr so? Und kamen die sozialen Phobien dann wieder?
    • Lachatte wrote:

      molle66 wrote:

      Nitram wrote:

      entschuldigt wenn ich gerade Kurtz vom Thema ankomme. Aber könnt ihr mir eventuell erklären was genau narzisstisch ist?
      Selbstverliebt, sich selber ganz gut finden und die anderen doof...War lange Zeit mein Überlebenskonzept. Für mich waren die anderen Idioten und Psychopaten. Hat mir geholfen eine lange Zeit ohne Soziophobien zu leben.Ich habe über die anderen gelacht anstatt sie als Bedrohung zu empfinden.
      Sie mein unten stehendes Motto :
      Es WAR lange Zeit dein Überlebenskonzept, schreibst du. Darf ich fragen, wie es dann weiterging? Also jetzt ist es nicht mehr so? Und kamen die sozialen Phobien dann wieder?
      Ja, leider.
      Ich glaube, dass meine Fähigkeit zu kompensieren nachgelassen hat.
      Gehe auch nicht mehr arbeiten, das war überhaupt das Hauptproblem.
      Wurde auch auf der Arbeit extrem ausgenutzt.
      Egal, es ist vorbei...
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen
    • @ThePort: Kann es sein, dass du dich in der Situation mit der Musik als allererstes für deinen Fehler geschämt hast oder auf dich sauer warst, und das Vertuschenwollen erst der zweite Schritt war?

      Auf eigene Fehler extrem zu reagieren, ist soweit ich weiß recht typisch für Aspergerautisten. Man kann aber daran arbeiten, sich selbst mehr Fehler zuzugestehen. Damit würdest du dein Folgeverhalten, das dich stört, vielleicht besser "an der Wurzel packen" können, indem du eine neue Fehlerkultur für dich selbst schaffst.

      Ich neige auch dazu, auf eigene Fehler sehr stark zu reagieren. Wenn ich das merke, visualisiere ich mir zum Beispiel die Redewendung "don't beat yourself up", die meines Erachtens ganz gut darstellt, wie ungesund es sein kann, zu streng mit sich selbst zu sein.
      “If knowledge can create problems, it is not through ignorance that we can solve them.”
      ― Isaac Asimov

      The post was edited 1 time, last by Turtle ().

    • Turtle wrote:

      @ThePort: Kann es sein, dass du dich in der Situation mit der Musik als allererstes für deinen Fehler geschämt hast oder auf dich sauer warst, und das Vertuschenwollen erst der zweite Schritt war?

      Auf eigene Fehler extrem zu reagieren, ist soweit ich weiß recht typisch für Aspergerautisten. Man kann aber daran arbeiten, sich selbst mehr Fehler zuzugestehen. Damit würdest du dein Folgeverhalten, das dich stört, vielleicht besser "an der Wurzel packen" können, indem du eine neue Fehlerkultur für dich selbst schaffst.

      Ich neige auch dazu, auf eigene Fehler sehr stark zu reagieren. Wenn ich das merke, visualisiere ich mir zum Beispiel die Redewendung "don't beat yourself up", die meines Erachtens ganz gut darstellt, wie ungesund es sein kann, zu streng mit sich selbst zu sein.
      Hallo Turtle!

      Genau das ist ja meine Frage: Warum war ich so wütend? Wegen dem Fehler oder der Person? Ich war dann sozusagen bockig und wollte nur weg. Später habe ich mich ja wie geschrieben eingekriegt, aber trotzdem habe ich darüber noch richtig gegrübelt.

      Ich glaube ich war einfach sauer, dass ich angemeckert wurde. Deswegen auch immer dieses Lügen und Manipulieren. Bloß nicht dem Selbstwert schaden. Sowas ist mir zwar "klar", aber ob ich nun wegen mir oder der Person, die mich angemeckert hat, böse war, das frage ich mich. Wenn ich dann sauer bin, lasse ich das alles natürlich auch an meine Mitmenschen aus, was ich Gott sei Dank gestern nicht gemacht habe. (Ich wollte dann eben weg und habe mich dann beruhigt, weil ich die Situation erkannt habe.)

      Das regt mich eben an mir auf.
    • Turtle wrote:

      @ThePort: Kann es sein, dass du dich in der Situation mit der Musik als allererstes für deinen Fehler geschämt hast oder auf dich sauer warst, und das Vertuschenwollen erst der zweite Schritt war?

      Auf eigene Fehler extrem zu reagieren, ist soweit ich weiß recht typisch für Aspergerautisten. Man kann aber daran arbeiten, sich selbst mehr Fehler zuzugestehen. Damit würdest du dein Folgeverhalten, das dich stört, vielleicht besser "an der Wurzel packen" können, indem du eine neue Fehlerkultur für dich selbst schaffst.

      Ich neige auch dazu, auf eigene Fehler sehr stark zu reagieren. Wenn ich das merke, visualisiere ich mir zum Beispiel die Redewendung "don't beat yourself up", die meines Erachtens ganz gut darstellt, wie ungesund es sein kann, zu streng mit sich selbst zu sein.
      Das Problem dabei ist aber nicht, dass ich einfach nur wütend bin, sondern dass ich das auf meine Mitmenschen ablasse. Das ist das, was ich nicht toll finde.
    • ThePort wrote:

      Wenn ich dann sauer bin, lasse ich das alles natürlich auch an meine Mitmenschen aus, was ich Gott sei Dank gestern nicht gemacht habe. (Ich wollte dann eben weg und habe mich dann beruhigt, weil ich die Situation erkannt habe.)

      Das regt mich eben an mir auf.

      ThePort wrote:

      Das Problem dabei ist aber nicht, dass ich einfach nur wütend bin, sondern dass ich das auf meine Mitmenschen ablasse. Das ist das, was ich nicht toll finde.
      Ok. Dann hast du gestern doch eigentlich schon gut reagiert, indem du die Situation verlassen hast, um dich draußen abzuregen, oder? Du scheinst doch schon auf einem guten Weg zu sein. Ich denke, man sollte auch die Fortschritte würdigen, die man gemacht hat, auch wenn nicht alles optimal gelaufen ist. Beim nächsten Mal kommst du deiner Idealvorstellung von deinem Verhalten wahrscheinlich noch näher.
      “If knowledge can create problems, it is not through ignorance that we can solve them.”
      ― Isaac Asimov
    • Turtle wrote:

      ThePort wrote:

      Wenn ich dann sauer bin, lasse ich das alles natürlich auch an meine Mitmenschen aus, was ich Gott sei Dank gestern nicht gemacht habe. (Ich wollte dann eben weg und habe mich dann beruhigt, weil ich die Situation erkannt habe.)

      Das regt mich eben an mir auf.

      ThePort wrote:

      Das Problem dabei ist aber nicht, dass ich einfach nur wütend bin, sondern dass ich das auf meine Mitmenschen ablasse. Das ist das, was ich nicht toll finde.
      Ok. Dann hast du gestern doch eigentlich schon gut reagiert, indem du die Situation verlassen hast, um dich draußen abzuregen, oder? Du scheinst doch schon auf einem guten Weg zu sein. Ich denke, man sollte auch die Fortschritte würdigen, die man gemacht hat, auch wenn nicht alles optimal gelaufen ist. Beim nächsten Mal kommst du deiner Idealvorstellung von deinem Verhalten wahrscheinlich noch näher.
      Da hast Du recht!

      Manchmal kann ich aber nicht raus oder mache es einfach nicht. Oh man. Das wird noch was! :d

      Gestern war wohl ein Glücksfall, dass ich rausgegangen bin, weil ich es ja musste.
    • molle66 wrote:

      Lachatte wrote:

      molle66 wrote:

      Selbstverliebt, sich selber ganz gut finden und die anderen doof...War lange Zeit mein Überlebenskonzept. Für mich waren die anderen Idioten und Psychopaten. Hat mir geholfen eine lange Zeit ohne Soziophobien zu leben.Ich habe über die anderen gelacht anstatt sie als Bedrohung zu empfinden.Sie mein unten stehendes Motto :
      Es WAR lange Zeit dein Überlebenskonzept, schreibst du. Darf ich fragen, wie es dann weiterging? Also jetzt ist es nicht mehr so? Und kamen die sozialen Phobien dann wieder?
      Ja, leider.Ich glaube, dass meine Fähigkeit zu kompensieren nachgelassen hat.
      Gehe auch nicht mehr arbeiten, das war überhaupt das Hauptproblem.
      Wurde auch auf der Arbeit extrem ausgenutzt.
      Egal, es ist vorbei...
      Also verstehe ich es dann richtig, dass du die zeitlichen Phase des "Narzissmus" positiver fandest als die Phasen der Sozialphobien? Also vielleicht nicht insgesamt total positiv, aber sozusagen das kleinere Übel?

      Ich kenne auch beides, und finde es schwer, damit umzugehen.
      Mit "Narzissmus" fühle ich mich zwar selbstsicherer / weniger ängstlich, aber mir fehlen dann irgendwie meine Emotionen, ich fühle mich dann irgendwie leerer und weniger "ganzheitlich"...schwer zu erklären. Weißt du vielleicht, was ich meine?

      Richtig arbeiten kann ich deshalb auch nicht, muss ich aber bald wieder (Studium ist bald zu Ende) und habe noch absolut null Ahnung, was ich deshalb machen soll und ob ob mir das je einer glauben wird :(

      Ich hoffe, du konntest es einigermaßen zufriedenstellend für dich regeln mit dem Nicht-mehr-Arbeiten-gehen.
    • Lachatte wrote:

      Mit "Narzissmus" fühle ich mich zwar selbstsicherer / weniger ängstlich, aber mir fehlen dann irgendwie meine Emotionen, ich fühle mich dann irgendwie leerer und weniger "ganzheitlich"...schwer zu erklären.
      Ich frage dennoch nach, wenn es okay ist. Ich scheine nicht so ganz zu verstehen, was du (und Molle66) für ein Konzept von Narzissmus hast/habt. Wie soll man denn den Narzissmus an- und abschalten können? Bewusst oder unbewusst? Ich kann mir das nicht richtig vorstellen. Ist es ein ständiges Switchen auf der Skala des eigenen Selbstwertes in Relation zu den Mitmenschen? (Im Sinne von: "Heute gebe mir eine 8 [auf einer Skala von 0-10 wobei 0 der geringste und 10 der höchste Wert ist] und bin deshalb allen anderen überlegen und wertiger?" vs "Heute denke ich, dass ich maximal eine 3 bin und allen anderen unterlegen und minderwertig?") Und wäre der Gegenspieler vom Narzissten überhaupt der Sozialphobiker oder mehr der Depressive? (Ich erwarte nicht auf alle Fragen eine Antwort, ich denke nur laut (RW).)

      Wie die meisten Eigenschaften, verstehe ich Narzissmus auch als ein Spektrum und denke, dass jeder irgendwo auf dieser Achse liegt (also von [fast] gar nicht bis extrem). Ich denke, dass eine Kombination aus neurologischen Abweichungen (womöglich erblich bedingt) und verschiedener Umweltfaktoren zur Ausprägung einer narzisstischen Störung führt. Ich denke auch, dass jemand sich weniger narzisstisch verhalten kann, wenn er sich seines Verhaltens gewahr ist und dieses ändern möchte, vermutlich in Abhängigkeit davon, wie stark die Ausprägung ist. Ändert sich dann aber auch wirklich die innere Haltung?
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Lachatte wrote:


      Ich hoffe, du konntest es einigermaßen zufriedenstellend für dich regeln mit dem Nicht-mehr-Arbeiten-gehen.
      Ja, bin seit Juni 2019 krankgeschrieben, mit dreieinhalb Monaten Unterbrechung.
      Werde vorübergehend Alg 1 beantragen und gleichzeitig Erwerbsminderungsrente.

      @Kayt

      Ja, immer der Situation angepasst.
      Gut ist, wenn man Verbündete hat, und auch andere ein bisschen manipulieren kann.
      Meine Partnerin sagt, dass ich mich im Urlaub in Ungarn besonders Macho-mäßig benommen habe.
      So oder so ist das wie alles anstrengende Schauspielerei, aber besser wie ein Burnout.
      Es gibt nur schwarz oder weiß...
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen
    • molle66 wrote:

      Ja, immer der Situation angepasst.
      Gut ist, wenn man Verbündete hat, und auch andere ein bisschen manipulieren kann.
      Meine Partnerin sagt, dass ich mich im Urlaub in Ungarn besonders Macho-mäßig benommen habe.
      So oder so ist das wie alles anstrengende Schauspielerei, aber besser wie ein Burnout.
      Es gibt nur schwarz oder weiß...
      Was genau macht denn die Schauspielerei aus? Wenn alles, was man tut ,eine Rolle zu spielen bedeutet, wie, wann und wodurch entledigt man sich dieser Rolle und was bleibt dann? Und wenn man die Rolle nie ablegt, ist man dann nicht auch die Rolle?

      Was genau bedeutet es für dich, den Narzissmus "abzulegen"? Wie verändert es deine Gedanken? Versuchst du dann gezielt niemanden zu manipulieren? Denn Manipulation ist ja entweder eine Technik, die man einigermaßen beherrscht (wenn auch nicht immer gleich gut) oder nicht und zum anderen kann man sie unbewusst anwenden oder auch ganz gezielt einsetzen. Aber auch wenn man ein guter Manipulator ist, kann man sich auch noch immer dagegen entscheiden, Menschen (gezielt und egoistisch motiviert) manipulieren zu wollen (nicht jeder/immer).

      Narzissten haben, nach Schematherapie-Konzepten, teilweise einen sehr schwankenden Selbstwert. Neben Phasen, in denen sie sich über alle erhaben fühlen und andere abwerten, können sie auch selbst Phasen durchlaufen, in denen das Selbst-Konstrukt gewaltig ins Schwanken gerät und sich sehr minderwertig fühlen. Das ist oft der einzige Zeitpunkt, an dem Narzissten dann einen Therapeuten aufsuchen. Narzissten sind sie aber in beiden Phasen.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • @Kayt

      So genau habe ich noch nicht darüber nachgedacht.
      Ich habe mich anderen gegenüber oft arrogant verhalten, weil ich mich für intelligenter gehalten habe. Ich habe also meine Defizite verleugnet und welche bei anderen gesucht. Schon in der Schule habe ich dafür gesorgt, dass Lehrer gegangen sind oder auch Mitschüler gemobbt bzw. andere dazu angestiftet. Darüber hinaus zu anderen Unfug . Auf Arbeit war es teilweise ähnlich. Dafür braucht man einige Verbündete, die hatte ich.
      Ob ich dann vieles aus dem Bauch heraus oder kognitiv gemacht habe, kann ich nicht sagen. Denke sowohl als auch. Ich habe mich jetzt aus dem Arbeitsleben zurückgezogen, wei mir das alles zu anstrengend und zu blöd ist.
      Ja ich kenne beide Phasen, aber Narzissmus ist sicher nicht mein Hauptproblem, ist nur eine Begleiterkrankung...
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen