Neuroleptika

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    • kim wrote:

      @miraculix

      ich wollte dich damit nicht kritisieren. Ich kann mir vorstellen, dass du dich damals sehr krank gefühlt hast und Hilfe wolltest. Eine Depression kann ja auch zwanghaftes Gedankengrübeln verursachen und Hypochondrie hervorrufen oder verstärken. Aber wer weiß, vielleicht hattest du auch einen schizophrenen Schub, ein Autist ist ja nicht dagegen immun, schizophren zu werden.

      Letztendlich lässt sich das Geschehene nicht rückgängig machen und du kannst jetzt nur vorwärts schauen. Ich wünsche dir dafür alles Gute.
      Mittlerer Weile bin ich jetzt 62 Jahre alt und sehe auch gern zurück in die Vergangenheit. Im Lichte der Asperger-Diagnose sehe ich vieles klarer. In ca. 4 Jahren ist Haloperidol dann weg.
    • Der eigentlich Diagnose-Fehler war auch am 26.10.1981 sondern im Dezember 1982, als ich meinem alten Psychiater erzählte, ich würde immer versagen (weil ich meine Jobs immer hingeschmissen hatte unter anderem), hat er mir dann Orap verschrieben, weil bei Orap im Beipackzettel stand: Gegen psychische Versagenszustände.

      Von Januar 1982 bis Dezember 1982 habe ich nämlich keine Psychopharmaka eingenommen und bin in Hamburg auch klargekommen.
    • Du warst damals ja auch in dem Alter, wo vor allem bei Männern überwiegend Schizophrenie ausbricht. Die Symptome, die du beschreibst deuten aber nicht in erster Linie auf Schizophrenie hin, hast du denn jemals Stimmen gehört oder Halluzinationen oder Verfolgungswahn gehabt? Versagensangst ist auch nichts typisches für diese Krankheit, das würde ich auch eher einer Depression zuordnen.

      Das mit dem Zurückblicken aufgrund der Autismus-Diagnose kenne ich auch. Bei mir lief auch erstmal ein Film ab, als der Verdacht bei mir aufkam. Viel merkwürdiges in meinem Leben konnte ich mir plötzlich gut erklären. Mit 41 gehörte ich auch deutlich zu den Spätdiagnostizierten, aber du hast nochmal locker 20 Jahre mehr aufzuarbeiten.
      Glaub nicht alles, was du denkst.

      The post was edited 2 times, last by kim ().

    • Das passiert zum Teil heute immer noch. Es gibt auch andere Krankheiten, die Schizophrenie "maskieren" können. Du hast Recht, wenn man erst mal die Diagnose hat und sei auch nur als Verdacht, schauen viele Ärzte immer noch nicht mehr so genau. Es sind halt alte Gewohnheiten. Aber gut, dass dein Arzt dich immer unterstützt hat, damals wusste man es ja wirklich noch nicht besser.

      miraculix wrote:

      Und die anderen Ärzte (auch die Rentengutachter) haben immer von den Medikamenten auf die Krankheit geschlossen. Nach dem Motto: wer so etwas nimmt, der muss ja schizophren sein. Das sagte auch einmal eine Psychiaterin, das sei der Fehler der Ärzte, dass sie von den Medikamenten auf die Krankheit schlössen. Und weil ich das schon lange wusste, dass andere Ärzte noch wesentlich schlimmer sind, als mein alter Psychiater, bin ich auch so lange bei ihm geblieben. Weil ich ja lange Zeit auch selbst dachte, ich sei schizophren. Auf das Asperger-Syndrom bin ich erst im Sommer 2012 gekommen
    • Shino Me wrote:

      Es kommt mir vor, als ob Dinge, sobald sie schriftlich fixiert sind so eine Art grundsätzlicher "Fürimmerwahrheit" werden. Dabei sind doch grade psy Störungen in Bewegung. Und wenn ein Arzt, ein starkes Mittel verabreicht, sollte er dann nicht sicher stellen, dass der Patient das braucht?
      Sollen bestimmt. Aber die meisten Menschen sind froh, wenn sie nicht unnötig denken müssen. Wenn man zu einem Arzt bereits mit einer (Verdachts)Diagnose eines anderen Arztes kommt, wird diese in der Regel beibehalten.
    • kim wrote:

      Du warst damals ja auch in dem Alter, wo vor allem bei Männern überwiegend Schizophrenie ausbricht. Die Symptome, die du beschreibst deuten aber nicht in erster Linie auf Schizophrenie hin, hast du denn jemals Stimmen gehört oder Halluzinationen oder Verfolgungswahn gehabt? Versagensangst ist auch nichts typisches für diese Krankheit, das würde ich auch eher einer Depression zuordnen.

      Das mit dem Zurückblicken aufgrund der Autismus-Diagnose kenne ich auch. Bei mir lief auch erstmal ein Film ab, als der Verdacht bei mir aufkam. Viel merkwürdiges in meinem Leben konnte ich mir plötzlich gut erklären. Mit 41 gehörte ich auch deutlich zu den Spätdiagnostizierten, aber du hast nochmal locker 20 Jahre mehr aufzuarbeiten.
      Nein, ich habe nie Stimmen gehört oder Halluzinationen gehabt. Regelrechten Verfolgungswahn hatte ich auch nie. Aber ich habe ich unter dem Neuroleptika verändert. Früher war ich ängstlicher als heute. Und ich meinte immer, dass die anderen mir etwas wollten. Deswegen bin ich im Sommer 2014 auch Mitglied bei den Psychiatrie-Erfahrenen geworden. Denn die betrachten die Ärzte als ihre Feinde. 2017 bin da wieder ausgetreten, weil ich die Ärzte nicht mehr als Feinde ansehe.
      Der Fehler meines alten Psychiaters war und ist, dass er von einem momentanen Zustand (wie damals im Dezember 1982 auch) auf das ganze Leben schließt. Diese Diagnose-Methode war und ist Müll.
    • Am 20.7.2021 habe ich Haloperidol heruntergesetzt auf 4,8mg am Tag. Seitdem sind nicht nur mein rechts Bein und der linke kleine Finger taub, sondern auch noch der linke Fuß.

      Am 20.8.2021 setze ich Haloperidol dann herunter auf 4,7mg.
    • Die Diagnose "Schizophrenie" klemmt einem am Bein, bis man tot umfällt... selbst wenn es in meiner Bekanntschaft klar war, dass da etwas nicht stimmt.

      Aber ich als "Obrigkeitshöriger Mensch" (ich glaube an das System, und an die Kompetenz der Ärzte, weil ... weil dieses Weltbild halt Sicherheit gibt?!) habe die Ärzte regelrecht verteidigt.

      In der Klinik, wenn andere über Stimmen hören geredet haben ("... aber wenn Gott mit einem redet?" Antwort Arzt: "man muss ja zwischen gewollten und ungewollten Stimmen unterscheiden"), habe ich das als eine philosophische Diskussion angesehen.

      Ich habe vor allem Quetiapin in sehr hohen Dosen eingenommen (laut Befund 2010 über 1600mg/Tag und gleichzeitig ab und zu die Augen offen gehabt, :sarcasm: um eine Informatik-Ausbildung durchzudrücken).

      Mensch mit einer Psychose, der sagt, er hätte in Wirklichkeit keine Psychose?
      -> paranoide Psychose :sarcasm:

      Mensch, bei dem die Psychose-Medikamente nicht so wirken, wie der Arzt das sich wünscht?
      -> therapieresistente Psychose :sarcasm:

      Dann kam ein Arzt, der hat mal meine Familiengeschichte angeschaut: viele bipolare Menschen, also war ich jetzt (gut begründet!!) bipolar. Er hat mir dann nach 1 Jahr so viel Lamotrigin verordnet, dass ich nicht mehr richtig sprechen und gerade gehen konnte. Neurologen haben den Kopf über die 550mg/Tag geschüttelt.

      Urteil: sich stetig verschlechternde bipolare Störung mit Aussicht auf Heimunterbringung. (Nein kein Sarkasmus!)

      2019 war man in einer Klinik dann der Ansicht, dass es kein bipolar sein könne.... mit 3 Stimmungsstabilisierern in hohen Dosen immer noch instabil?

      Jetzt ADHS, und daran habe ich fast 20 Jahre geglaubt, aber der Kontakt mit "anderen" betroffenen hat gezeigt: nicht ich! Und die ADHS-Meds haben wenig geholfen und eher Manien auslöst.

      Also, könne Psychiater, wenn mehr und mehr Medikamente nicht helfen, dann ist der Patient schuld (Therapie resistent...), nicht die Medikation und nicht die Diagnose des :prof: Arztes... :sarcasm: :irony: ?
    • Surprised wrote:

      Krasse Geschichte, @quaddle. Was glaubst du woher die Symptome kamen und was es ist? Und wie geht es dir inzwischen?
      1. Mein Grundzustand ist das Tagträumen (daraus folgen scheinbare und tatsächliche Kontentrationsprobleme)
      2. mit ca. 15 Jahren entwickelte ich ein Verständnis dafür, dass ich anders bin - in meiner einzigen wirklichen Welt, der Schule.
      3. Ich war so unkonzentriert, dass ich die Schule aufgegeben hatte, weil ich nicht pünktlich dort sein konnte (Mechanismus: früher aufstehen, um pünktlich in der Schule zu sein, bedeutet: mehr Zeit haben; mehr Zeit bedeutet mehr Zeit zum Tagträumen; bedeutet, je früher ich aufgestanden bin, desto später bin ich in die Schule gekommen.)
      4. das Tagträumen ist also das Übel meines Lebens, ich muss das Tagträumen bekämpfen (erst positive Methoden wie Meditation, autogenes Training, Tai Chi) (dann selbstverletzende Methoden wie Selbstbeschimpfung, Selbsterniedrigung, also alle möglichen Formen der psychischen Erniedrigung; bis hin zu öffentlichen körperlichen Bestrafungen wie sich im Klassenzimmer selbst ohrfeigen, weil der Lehrer auf einen klitzekleinen Fehler hingewiesen hat)
      5. Ehekrieg der Eltern
      6. Endlich bin ich nicht mehr am Tagträumen. In meinem Kopf ist einfach nur Stille. Ich bin glücklich.
      7. Langsam schleicht sich das ein, was Ärzte als eine akustische Halluzination interpretieren: der ominöse Ohrwurm (wer kennt das nicht? (Klischee) "Beim Frühstück ein Lied gehört, und den ganzen Tag die Melodie im Kopf"?)
      8. Der Ohrwurm wird so persistent, dass ich mit ihm einschlafe und mit dem selben aufwache. Ich kann nicht mehr richtig schlafen
      9. ... Ich ziehe mich zurück, ich gehe gar nicht mehr zur Schule, ich schaue die Ärzte beim Reden nicht an, meine Gedanken schweifen dauernd ab, ....
      10. ...
      11. Ich gehe die Straße entlang, ich bin am Tagträumen. Jetzt fällt es mir auf: ich bin zum ersten Mal seit (wenigen) Jahren wieder am Tagträumen! Und ich habe immer seltener Ohrwürmer? Tagtraum und Ohrwurm sind Gegenspieler, nein, sie sind die Ergänzung!
      12. Der Ohrwurm war so exakt, dass jedes Knacken und Rauschen, welches in der kaputten MP3-Datei war, in meinem Ohrwurm war. Es war keine Hallutionation (ich habe auch nie die Stimmen in den Liedern gehabt/verstanden), es war eine Erinnerung! Ich habe ein Sequenzgedächtnis! Ich kann mir lange Zahlen merken (nicht super lange), ich kann mir die ersten 20+ Takte der Mondscheinsonate etc merken und spielen.
      13. ...
      14. Ich merke erst 2021 - da ich jetzt fast keine und dann gar keine ADHS-Medikamente mehr nehme - dass das Tagträumen ein ganz normaler und wünschenswerter Zustand ist. Er ist der Zugang zu meiner Seele (Entry plug :irony: ).
      Mein bewusstes Leben ab ca. 15 Jahren war ein Kampf gegen meine Natur, mein eigentliches sein. (Die ersten 15 Jahre waren das auch, aber da war der Kampf einfach nicht so bewusst.) Ich habe mich in all den Jahren gegeiselt und mir Gewalt angetan, weil meine Welt mir keinen solchen Raum zum reflektieren gegeben hat?

      Außerdem merke ich seither, dass ich, obwohl ich besonders früher sprachlich hoch begabt war, überhaupt nicht in Worten denke, sondern "über Bilder nachdenke". Denken ist mehr der Prozess, Bilder in Worte zu übersetzen (Danke an meine Tochter, die mir beim Kinderarzt die Inspiration gegeben hat).

      Ich habe vieles in der Auflistung ausgelassen und stark vereinfacht, aber wie es zu der Diagnose Psychose gekommen ist, und warum diese sich so lange gehalten hat, ist wahrscheinlich ersichtlich. Die Diagnose Bipolar kommt sicherlich daher, dass ich a) sehr extatisch über Dinge (aber auch Personen) werden kann und b) diese Extase auch als Treibstoff verwende, um zeitweise aus meine Tagtraumwelt auszubrechen - sozusagen die Fluchtgeschwindigkeit (Escape Velocity), die notwendig ist, um in einen Erdorbit zu kommen(??), so brauche ich eine Boosterraktete gefüllt mit Begeisterung, um meine Tagtraumwelt für eine Weile zu verlassen. Und diese Begeisterung zu erzeugen, bringe ich mich in Manie-ähnliche Zustände. Und wenn ich dann zur Oberfläche zurückkehre? Ich habe das früher als "Abstürzen" (Depression) angesehen, habe wieder versucht, in den Orbit zu gelangen. Ich war ausgebrannt (Schule, Ausbildung, Leben allgemein).

      Ich habe noch nie etwas mit Temple Grandin gesehen (über schon), aber heute Nacht sind mir die Schuppen von den Augen gefallen: sie erzählt so viele Sachen, die ich in meiner Kindheit (glücklicherweise) durch z.B. meine Mutter mitgemacht habe (Förderung!), und sie beschreibt viele Probleme und Eigenschaften, die mit dem "Nicht in Worten denken" zu tun haben.

      The Autistic Brain: Thinking Across the Spectrum | Dr. Temple Grandin | Talks at Google

      Surprised wrote:

      Und wie geht es dir inzwischen?
      Kacke, aber ich habe ein gutes Bild, mit dem ich mir selbst meine Probleme beschreiben kann.

      Ich habe eine gute Selbsthilfegruppe, die mir immer wieder auf die eine oder andere Weise geholfen hat.

      Ich kämpfe mit meinem Biorhythmus bzw. meiner Affinität für die Nacht (es ist so leise!).

      Ich kämpfe mit Scheidung, Wohnungskündigung und Angst um das Wohl meines Kindes.

      Aber ich habe trotzdem irgendeine Perspektive. Zumindest, wenn ich meinen Biorhythmus zu meinen Gunsten einsetze... so hatte ich "aus Versehen" gestern 14 Stunden geschlafen, und habe jetzt sehr produktiv die ekligsten Aufgaben (Anwalt und Gericht) gemacht, als auch Haushalt und anderes.

      Nicht mehr gegen sich kämpfen, seine Stärken einsetzen...

      The post was edited 3 times, last by quaddle ().

    • Also für mich klingt Schizophrenie als Diagnose bei der Schilderung nicht unpassend.

      Maladaptives Tagträumen wird häufig durch ein Trauma in der Kindheit ausgelöst. Es tritt auch häufig zusammen mit ungewöhnlich viel Fantasie, mit ADHS oder Zwangsstörungen auf.

      Einen besonderen Zusammenhang mit Autismus scheint es nicht zu geben, soweit ich weiß.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Shenya wrote:

      Also für mich klingt Schizophrenie als Diagnose bei der Schilderung nicht unpassend.

      Maladaptives Tagträumen wird häufig durch ein Trauma in der Kindheit ausgelöst. Es tritt auch häufig zusammen mit ungewöhnlich viel Fantasie, mit ADHS oder Zwangsstörungen auf.

      Einen besonderen Zusammenhang mit Autismus scheint es nicht zu geben, soweit ich weiß.
      Ich glaube - aber weiß es nicht sicher - dass die Symptome einer Psychose "nicht funktionial sind", wie mein Erleben. Also, sie sind vielmehr halbwegs zufällige Erscheinungen, die sich nicht kontrollieren und steuern lassen. Dieses Tagträumen lässt sich tatsächlich kaum steuern, aber der Ohrwurm lässt sich in meinem Erleben klar abgrenzen, eine Funktion zuordnen, als auch wiederherstellen - und abtrainieren (es gab später nochmals eine Phase, in der ich so eine Denkstörung wie den Ohrwurm antrainiert hatte, nur dass ich das willentlich gemacht habe, weil ich dachte, es jetzt beherrschen zu können.
      Ich nehme aufgrund der Diagnose Bipolar immer noch 600mg Quetiapin Retard (Stimmungsstabilisierer). Nach ca. 15 Jahren Quetiapin und über 20 Jahren Neuroleptika wird kein Arzt daran etwas groß ändern wollen - und ich aktuell auch nicht.

      Das Tagträumen kann ich bis ins Alter von 4 Jahren zurückverfolgen. Ich habe mir die Trauma-Frage schon gestellt, stehe aber ohne Antwort da.

      Ich habe oben geschrieben, dass ADHS eine falsche Diagnose ist. Die Aussage stimmt nicht ganz, aber ich unterscheide mich sehr von den meisten ADHS'lern, die ich kenne. Selbst mein ehemaliger, auf ADHS spezialisierter Verhaltenstherapeut meinte, es sei für ihn schwierig gewesen, das ADHS bei mir zu erkennen. Auch er hat mir die erneute Diagnostik für Autismus ans Herz gelegt.

      Mit Zwangsstörung kann ich in diesem Zusammenhang nichts sagen.

      Dem Zusammenhang mit Autismus kann ich nichts direkt hinzuügen, auch in meiner Selbsthilfegruppe ist das Tagträumen nirgends so ausgeprägt ... Denken in Bildern wird sowohl mit Kreativität als auch ADHS in Verbindung gebracht... aber vereinzelt auch mit Autismus, siehe Temple Grandin.

      Das Tagträumen als Funktion würde ich so beschreiben:
      1. jemand stellt mir eine Frage, z.B. wie erinnere ich mich an meine Grundschulzeit?
      2. mein Unterbewusstsein erzeugt ein Bild, welches "verdeckt" ist ("Fog of War" im Computerspiel)
      3. Das Tagträumen beginnt hier: Bewusstsein "betrachtet" das Bild, welches wie ein Wimmelbild ist, erkennt Details, später Zusammenhänge, im Laufe der Zeit derer immer mehr. Tagträumen kann immer passieren, meistens, wenn ich an nichts denken muss
      4. ich finde immer mehr und immer bessere Worte, um das Bild zu beschreiben.
      5. dadurch kann ich auf Fragen - zum ausdrücklichen Leid meiner Gesprächspartner - nicht direkt antworten: weil ich erst das Bild untersuchen muss, weil ich erst die passenden Worte finden muss.
      6. In den aktiven Tagträumen bearbeite ich mögliche Situationen - oder bereits dagewesene Situationen - und suche nach neuen Formulierungen, Bedeutungen, um das Bild besser zu beschreiben
      7. Sprache ist ein Werkzeug, um Bilder umzuwandeln in ... oft soziale Interaktion.
      8. Wenn ich ein solches Bild im aktiven und passiven Tagtraum öfter beschrieben habe, kann ich Fragen dazu mit geringeren Verzögerungen beantworten.
      9. Oft verstehe ich das vor allem gesprochene Wort erst Stunden, Tage, in Ausnahmefällen manchmal sogar Jahre später (z.B. "XXX war eine Metapher für mich. Sie war unter Umständen in mich verliebt" nach ca. 16 Jahren). Das ist kacke, weil viele soziale Situationen erfordern, dass man sofort auf das Gegenüber reagiert. ("Ja, wenn Sie dem Arzt noch eine Frage stellen müssen, dann tun Sie das beim nächsten Termin in 3 Monaten".)
      10. wenn jemand mit mir spricht, muss ich diese Worte wiederum in viele kleine Bilder umwandeln, welches mein Bewusstsein auf der "Leinwand" anordnet, um Zusammenhänge, Wiederholungen etc. zu entdecken.
      11. je genauer diese Bildschnipsel - oder ihre Anordnung - sind, desto eher findet mein Unterbewusstsein eine Repräsentation = es versteht, erzeugt wieder ein Bild, das ich wieder interpretieren muss.


      Ich kann schlecht sagen, dass ich als Kleinkind und Kind schon so war. Das liegt nebst dem zeitlichen Abstand daran, dass ich in dem Alter wenig Bedürfnis hatte, über meine Performance der sozialen Funktionen nachzudenken... und daran, dass soziale Konstrukte schwer oder gar nicht in bildliche Erinnerungen gefasst werden können.

      Ich habe dieses Modell erst in den letzten 6 Monaten entwickelt, und das so gut wie immer im Tagträumen.

      Die Stärke hiervon ist, auf bildliche Erinnerungen mit vielen Details zugreifen zu können, die sehr lange zurück liegen - auch Gefühlen oder Empfindungen, die damals passiert sind. Ich kann komplexe Zusammenhänge erkennen - auch wenn es manchmal lange dauert. Ich kann Ideen haben, deren Bedeutung ich erst viel später wahrnehme. So kann ich manchmal - aber nicht oft - Schulaufsätze schreiben, ohne anfangs einen Schimmer zu haben, was 90 Minuten später rauskommen wird. Auch technische Probleme lassen sich oft lösen - als würde man auf ein Labyrinth blicken und sofort wissen, wie es von A nach B geht.

      Eigentlich kann es eine wunderbare Gabe sein, aber halt nicht kompatibel mit gesellschaftlichen Zwängen, die meistens Zeitzwänge sind.

      Das ist ein nach modernen Maßstäben absolut unproduktives Denken, das in der Welt meistens keinen Ansatz findet. Heute wird - so wie Temple Grandin es auch gesagt hat - ein lineares Denken gefordert, das nachvollziehbar ist - zu Beginn des Denkprozesses bis hin zum Ende (Top-Down-Thinking).

      (ohje, über das habe ich aber noch nicht so oft taggeträumt... das muss ich ... mir noch besser ausmalen)
    • 3 Stimmungsstabilisierung in hohen Dosen? Bist du davon wieder runter?

      Für mich klingt das irgendwie nicht schizophren und Manie würde ich auch bezweifeln, wenn außer der Aufregung keine weiteren Manie Symptome vorhanden sind.

      Das schreibe ich, weil ich Autistin und bipolar sind. Aber meine manischen Phasen waren nicht nur euphorisch, sondern auch z.b. von Größenwahn, Kauf und Sexsucht geprägt. Und unbändige Energie bei sehr wenig Schlaf.
      Glaub nicht alles, was du denkst.
    • Backnetmaster wrote:

      Hier steht nämlich auch sowas ähnliches.

      Unter Tagträumen hatte ich das hier verstanden:
      vice.com/de/article/d3gpyw/wen…chischen-krankheit-werden
      focus.de/gesundheit/gesundlebe…cht-mehr_id_11447000.html
      Wobei Tagträumen an sich ganz normal und auch positiv ist, nur in der extremen Form ist es schädlich.


      Aber die Beschreibung in Beitrag 33 hört sich dann doch anders an.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • quaddle wrote:

      das Tagträumen ist also das Übel meines Lebens, ich muss das Tagträumen bekämpfen (erst positive Methoden wie Meditation, autogenes Training, Tai Chi) (dann selbstverletzende Methoden wie Selbstbeschimpfung, Selbsterniedrigung, also alle möglichen Formen der psychischen Erniedrigung; bis hin zu öffentlichen körperlichen Bestrafungen wie sich im Klassenzimmer selbst ohrfeigen, weil der Lehrer auf einen klitzekleinen Fehler hingewiesen hat)
      Es ist noch nicht als Krankheit akzeptiert, aber es gibt Menschen. die aufgrund ihrer Tagträume keinen geregelten Alltag hinbekommen.

      Ich selbst habe ja auch extrem viele und lebhafte Tagträume. Aber arbeiten und so geht. Überwiegend helfen sie mir eigentlich. Zwar könnten sie mit daran Schuld sein, dass ich zB kein Auto fahren kann. Doch ich schreibe Geschichten, die bei anderen gut
      ankommen und sie helfen mir in schwierigen Situationen oder vor der Reizüberflutung, zB wenn ich mich in der Stadt bewege.
    • miraculix wrote:

      Das beruht auf einer Fehldiagnose meines alten Psychiaters vom 26.10.1981. Damals hat er bei mir eine paranoide Schizophrenie festgestellt. Aufgrund dieser Diagnose wurde ich über Jahrzehnte mit starken Neuroleptika behandelt, 21 Jahre Orap, 13 Jahre Risperidon und Chlorprothixen.

      Seit 2017 nehme ich nun Haloperidol.

      Im Sommer 2019 wurde dann festgestellt, dass ich Asperger-Autist bin und zu Unrecht mit Neuroleptika behandelt wurde.
      Autsch. Aber wahrscheinlich ein Zeichen der Zeit. Wenn ich die Geschichten von PKD (ja, ich weiß, nicht unbedingt Fachliteratur, aber ein Spiegel ihrer Zeit, siehe auch [1]) von Martian Time Slip, 1964 bis The Transmigration of Timothy Archer, 1982 so ansehe, war es bis in die frühe 80er häufig, auch offensichtliche Asperger als schizophren zu diagnostizieren. Und dann wundern sie sich, dass die Neuroleptika nicht anspringen ... ich hatte mal ganz kurz Olanzapin. Kann ich nicht weiterempfehlen.

      [1] europepmc.org/article/med/18417316