Das AHA beim Outing oder "hatte ich mir schon vorher gedacht"

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Das AHA beim Outing oder "hatte ich mir schon vorher gedacht"

      Hi,

      Mich interessiert, wie das bei euch im privaten Rahmen war. Über die Probleme im Berufsleben habe ich hier einige Topics gelesen. Aber wie ist das im privaten Bereich?
      • benutzt ihr masking und wie schätzt ihr eure Fähigkeiten darin ein?
      • habt ihr euch "geoutet" vor/während/nach der Diagnose?
      • Als ihr Menschen vom Autismus erzählt habt, die euch vorher kannten, wie waren die Reaktionen?
      • gab es Erstaunen oder war für alle klar, dass das passt?
      • fühlt ihr euch wohl, so wie ihr den Autismus öffentlich macht oder eben nicht thematisiert?
      • plant ihr, euren Autismus zu besprechen oder ist euch das zu persönlich?


      Ich hatte mich bewusst sehr lange gegen eine Diagnose gestellt. Wollte mich nicht einmal intensiv mit dem Thema beschäftigen, da ich dachte, ich brauche das nicht. Totale Selbstüberschätzung bei mir. Dachte, ich bin so toll im kontrollierten Masking, dass ich das ich-sein auf Zeiten mit mir reduzieren kann. Klappte aber nicht (mehr).

      Ich hatte bei zwei Psychologen, die auf Autismus spezialisiert sind, eine Begutachtung (inkl der üblichen Tests) und beides mal das gleiche Ergebnis: "wir raten dringend zur Einleitung einer weiterführenden autismusspezifischen S3-Leitlinien-Diagnostik...." Habe Ende des Jahres die Termine.

      Habe das nur der Kernfamilie und drei Menschen, denen ich vertraue und die ich für klug und rational halte, mitgeteilt Und nun das für mich Irritierende:

      Person 1 - hat beruflich auch mit Asperger zu tun: "Jo, hatte ich mir schon vorher gedacht"
      Person 2 - "wundert mich nicht, du mit deinen Zahlen und Tabellen"
      Person 3 kennt mich aus der Kindheit - "wenn ich an früher denke, weißt du, dass wir uns nie angesehen haben, wenn wir uns unterhalten haben? Du hast dich nie zu mir gedreht und ins Gesicht gesehen. Wenn ich an früher denke, dann hast du immer schräg zu mir gestanden"

      Nun bin ich irritiert. Ich dachte, dass ich perfekt maske "immer"und nun "oute" ich mich bei drei Menschen, die ich mag und alle drei haben nicht für eine Sekunde Überraschung oder Verwunderung gezeigt. Es gab ein paar Fragen über den Umgang mit mir und ob ich ihnen gegenüber offener sein möchte/kann. Das wars.

      Was ist mir euch?
    • Shino Me wrote:

      Aber wie ist das im privaten Bereich?


      benutzt ihr masking und wie schätzt ihr eure Fähigkeiten darin ein?

      habt ihr euch "geoutet" vor/während/nach der Diagnose?

      Als ihr Menschen vom Autismus erzählt habt, die euch vorher kannten, wie waren die Reaktionen?

      gab es Erstaunen oder war für alle klar, dass das passt?

      fühlt ihr euch wohl, so wie ihr den Autismus öffentlich macht oder eben nicht thematisiert?

      plant ihr, euren Autismus zu besprechen oder ist euch das zu persönlich?
      Ich glaube, ich bin so ziemlich gut in der Maskerade, merke aber die Anstrengung dahinter. (Ich habe auch die Atemschutzmasken nach Gewöhnung eher positiv aufgenommen. Und das ist jetzt kein Wortspiel mit den Masken. Ich habe oft den Gedanken, dass es doch ganz nett ist, sich ein wenig hinter der Maske verstecken zu können. Es vermindert die Anstrengung. Das kann aber auch nur Einbildung sein.)

      Ich habe mich schon mit dem Verdacht geoutet, als ich relativ sicher war. Es sind aber ein paar Monate Buch- und Internetlektüre vergangen, bis es soweit war. Meine Familie und enge Freunde habe ich eher in meine Überlegungen einbezogen. Offiziell habe ich es dann mit meinem Comicbuch gemacht. Bis zu einer Diagnose wird noch viel Zeit vergehen. Mir ist aber vorher schon wichtig, dass mein Umfeld Bescheid weiß und eine Erklärung für so manche Merkwürdigkeit bekommt.

      Es gab dann verschiedene Reaktionen: Zustimmung, Skepsis, Neugier, Kenntnisnahme und zuletzt auch: "Du kokettierst doch damit." (im Kollegenkreis).

      Mit Ausnahme der letzten Reaktion bin ich ganz zufrieden. Im Ganzen denke ich, war es der richtige Schritt.

      Ich bin grundsätzlich mitteilsam und spreche darüber. Gedanken, die ich interessant finde, kann ich nicht für mich behalten. Und in den zurückliegenden Monaten war in meinem Leben für mich nichts interessanter als meine Selbsterkenntnis bezüglich Autismus.
      "Lebe im Verborgenen!"
      (Epikur)

      The post was edited 1 time, last by Andreas ().

      • benutzt ihr masking und wie schätzt ihr eure Fähigkeiten darin ein?
      Ich denke, dass ich ganz gut darin bin, wenn ich mich anstrenge. Ich habe früher aktiv Mimiken vorm Spiegel geübt, da es auch hieß, ich solle nicht immer so böse gucken. Daraufhin habe ich mir immer ein leichtes Lächeln angewöhnt und es kam, wieso ich immer so grinsen würde (und ich wurde auch von manchen Männern angesprochen, die das wohl als Aufforderung gesehen haben x( ). Da das beides im Moment nicht mehr so ist, denke ich, dass ich es ganz gut im Griff habe.

      Allerdings stelle ich wohl häufiger ungewöhnliche Fragen oder verstehe Dinge nicht, was auffällt (z.B. beim Sport). Wenn ich einen langen und anstrengenden Tag hatte, hatte ich es aber auch schon, dass ich nur noch unter großer Anstrengung sprechen und Mimik verwenden kann. Das merkt dann schon jeder in meiner Umgebung.
      • habt ihr euch "geoutet" vor/während/nach der Diagnose?
      Ich habe vor meiner Diagnose zwei ehemaligen Klassenkameradinnen (nicht sehr eng befreunden, so ein bisschen) gegenüber meinen Verdacht geäußert. Da hieß es sofort: "Nein, das hast du nicht!"
      Sie wollen nicht einmal wissen, wie ich auf die Idee gekommen bin. Seitdem bin ich vorsichtiger geworden, wem gegenüber ich das sage.
      In meinem Auslandssemester habe ich das ganz offen jedem gesagt. Es war ja nur ein halbes Jahr und ich konnte es einfach mal testen. Das war super! Ich habe auf einmal Erklärungen bekommen für verschiedenes Verhalten und Unterstützung von neuen Freunden, das war richtig toll!
      Meine engste Familie weiß es (mein Vater z.B. nicht), meine Mutter hat mich auch unterstützt, als ich den Verdacht geäußert habe und hat mit mir nach einem Arzt gesucht und ist auch mitgekommen.
      Zwei enge Freundinnen wissen es auch und eine ehemalige Freundin, die sogar zur Diagnostik einmal mitkam, allersings ganz plötzlich (unabhängig von der Diagnose) ganz seltsam wurde und mit der ich seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr habe.
      In meinem Sport weiß es niemand. Ich möchte nicht, dass ich sonst an allen potentiellen "Verwefungen" etc. sofort schuld bin, weil ich ja die bin, die anders ist.
      • Als ihr Menschen vom Autismus erzählt habt, die euch vorher kannten, wie waren die Reaktionen?

      • gab es Erstaunen oder war für alle klar, dass das passt?
      Interessanterweise hatte ich das gar nicht so oft. Ich habe mit meiner Mutter darüber gesprochen, dass ich es vermute, als eine Freundschaft ganz plötzlich und für mich bis heute nicht nachvollziehbar von einem Tag auf den anderen auseinandergebrochen ist und ich einfach nicht mehr konnte/wollte. Davor war das Thema eher, ob es vielleicht eine Hochbegabung ist (was ich immer noch testen lassen möchte), weil Hochbegabte ja auch oft etwas sonderlich sind, wenn sie sich mit ihren Mitmenschen nicht richtig unterhalten können.
      Ich habe immer schon gesagt, dass mir Zwischenmenschliches schwerfällt und man mich bitte darauf ansprechen soll, wenn ich etwas sage, dass verletzend oder unangemessen ist, da ich das normalerweise nicht so meine. Offensichtlich wird sowas von vielen aber nur mit Diagnose akzeptiert :nerved:
      Meine Oma hat es von meiner Mutter erfahren, genauso wie mein Bruder. Das war irgendwie nie Thema, da sie mich ja kennen und sich zwischen uns nichts geändert hat.
      Eine der beiden Freundinnen, die es wissen, kenne ich aus meinem Auslandssemester und die andere kenne ich seit Ende 2019 und habe es ihr auch recht früh gesagt. Die kannten mich nicht "vorher".
      • fühlt ihr euch wohl, so wie ihr den Autismus öffentlich macht oder eben nicht thematisiert?
      Ich fühle mich wohl, wenn ich es unter Kontrolle habe, wer davon weiß und wer nicht. Ich möchte nicht, dass manche Leute das als Grund nehmen könnten, auf mich herabzuschauen, immer mir die Schuld an allem zu geben oder was auch immer zu tun. Es benötigt schon Vertrauen, dass ich das sage. So wirke ich zwar oft auf andere etwas unsozial (ich ziehe mich oft aus Gruppenverabredungen raus und man weiß, dass ich mich selten mit Leuten treffe und kaum raus gehe, wenn es nicht für die Arbeit (Homeoffice) oder feste Trainingstermine ist), aber dann ist das eben so. Ich bin ja trotzdem nett zu den Menschen.
      • plant ihr, euren Autismus zu besprechen oder ist euch das zu persönlich?
      Mit wem besprechen? Ich denke, wenn ich vielleicht mal einen Freund habe, dass ich das mit ihm schon ansprechen werde. Ansonsten eigentlich nicht. Ich werde es vielleicht ein paar Kollegen irgendwann mal erzählen, da ich mich dort sehr wohl fühle, alle sehr nett sind und es schon schade sein wird, wenn ich nach dem Studium dort nicht mehr arbeiten werde.
      Lustigerweise hat es einer fast alleine mal herausbekommen (und mir einen großen Schock verursacht), als er meinte: "Manchmal bist du schon ein sozialer Autist" (eine etwas seltsame Formulierung, aber er meint es gut :d )
    • Shino Me wrote:

      Sonnenseele wrote:

      Ich denke, in meinem Fall ist es so, dass ich im Laufe der Jahre "Social Skills" erlernt habe, also eigentlich kein "Masking" ist, da Vieles bei mir unbewusst abläuft.
      Kannst du mir den Unterscheid erklären? Danke

      Bei mir ist es ähnlich. Ich denke mal, "Masking" setzt man bewusst ein und könnte es auch willentlich wieder abstellen.

      Nach einer Zeit wird das Masking bzw. erlernte Verhalten zur Routine, die unterbewusst bzw. automatisch abläuft. Ist bei mir so mit lächeln bei der Begrüßung, Mimik anpassen entsprechend des Themas, usw. Das wieder abzustellen wäre gar nicht mal so einfach.
    • Unter dem Begriff "Masking" versteh ich so etwas wie "sich verstellen". Ich verstelle mich aber nicht, allein bloß weil ich die für mich funktionierenden Methoden zum Verstehen des Sozialverhaltens um mich herum, die ich mir im Laufe meines Lebens angeeignet habe, benutze. Verstellen ist für mich, wenn jemand z. B. Sachen macht, nur um irgendwo dazuzugehören, also klassisches Mitläufertum unter Selbstaufgabe und dieses Verhalten ist von der neurologischen Konstitution erstmal völlig unabhängig.
    • Shino Me wrote:

      Sonnenseele wrote:

      Ich denke, in meinem Fall ist es so, dass ich im Laufe der Jahre "Social Skills" erlernt habe, also eigentlich kein "Masking" ist, da Vieles bei mir unbewusst abläuft.
      Kannst du mir den Unterscheid erklären? Danke
      Ich dachte ziemlich lang irrtümlicherweise, ich würde "maskieren" und wunderte mich, weshalb es bei vielen Autisten hohe Konzentration erfordert. Den Unterschied zwischen "Masking" und dem Anwenden von "Social Skills" sehe ich darin, dass Ersteres bewusst und Zweiteres unbewusst abläuft. Ich kann z.B. ohne kognitiven Aufwand soziale Umgangsformen anwenden. Im Laufe der Jahre hat sich bei mir sozusagen ein Automatismus entwickelt.

      The post was edited 1 time, last by Sonnenseele ().

    • In Masking bin ich nicht sonderlich gut bei mir ist der Autismus sehr auffallend. Viele Verwandten haben sich das schon gedacht dass ich Autismus habe aber uns nie was dazu gesagt aber wiederum für manche Einschränkungen durch den Autismus haben sie kein Verständnis weil sie trotzdem nicht so viel darüber wissen. Auch alle meine Freunde wissen über Autismus Bescheid aber die akzeptieren mich zum Glück so wie ich bin.
    • Sonnenseele wrote:

      Shino Me wrote:

      Sonnenseele wrote:

      Ich denke, in meinem Fall ist es so, dass ich im Laufe der Jahre "Social Skills" erlernt habe, also eigentlich kein "Masking" ist, da Vieles bei mir unbewusst abläuft.
      Kannst du mir den Unterscheid erklären? Danke
      Ich dachte ziemlich lang irrtümlicherweise, ich würde "maskieren" und wunderte mich, weshalb es bei vielen Autisten hohe Konzentration erfordert. Den Unterschied zwischen "Masking" und dem Anwenden von "Social Skills" sehe ich darin, dass Ersteres bewusst und Zweiteres unbewusst abläuft. Ich kann z.B. ohne kognitiven Aufwand soziale Umgangsformen anwenden. Im Laufe der Jahre hat sich bei mir sozusagen ein Automatismus entwickelt.
      Ich kann auch relativ gut eine soziale Fassade herstellen. Soziale Umgangsformen erfordern bei mir keinen kognitiven Aufwand (glaube ich. Was genau wäre in dem Fall kognitiver Aufwand?). Es ist aber sehr sehr anstrengend. Danach bin ich fertig und wenn es soziale Treffen mehrere Tage am Stück oder abends nach der Arbeit sind, funktioniert es manchmal auch nicht mehr mit der Fassade (was fast nie vorkommt, da ich meine Grenzen kenne und mich daher auf solche Sachen nur im äußersten Notfall einlasse).

      Abstellen kann ich es aber tatsächlich nicht. Wenn ich versuche es abzustellen (was meistens nicht geht, aber wenn doch mal dann:), geht es in Richtung Mutismus bzw. mir ist es dann kaum mehr möglich, Dinge wie Blickkontakt, mich ohne extreme Auffälligkeiten zu unterhalten und Mimik aufrechtzuerhalten. Da fühle ich mich vielleicht weniger ausgelaugt, aber leider ist es irgendwie keine Lösung, da ich ja dann erst für andere auffällig bin (sonst angeblich nicht so sehr), und das ist mir dann leider sehr peinlich, denn dann heißt es immer: Sag doch auch mal was, Schau mich an, Wie guckst du denn etc. und das erinnert mich auch extrem an früher (Schule), und das war eine schreckliche Zeit, da wurde so was immer zu mir gesagt, was mich sehr unglücklich gemacht hatte.

      Würdet ihr das jetzt als Masking bezeichnen oder nicht? Oder vielleicht so wie hier beschrieben (dass man es anfangs noch hätte abstellen können, jetzt aber nicht mehr?):

      haary wrote:

      Bei mir ist es ähnlich. Ich denke mal, "Masking" setzt man bewusst ein und könnte es auch willentlich wieder abstellen.

      Nach einer Zeit wird das Masking bzw. erlernte Verhalten zur Routine, die unterbewusst bzw. automatisch abläuft. Ist bei mir so mit lächeln bei der Begrüßung, Mimik anpassen entsprechend des Themas, usw. Das wieder abzustellen wäre gar nicht mal so einfach.
      Zur Ausgangsfrage kann ich leider nicht viel sagen, da ich keine offizielle Diagnose habe. Rede trotzdem mit meinen Eltern drüber, denen muss ich da aber nicht viel erklären, da sie sich mit solchen psychischen Sachen ganz gut auskennen. Meine Mutter kannte Asperger sogar schon, also bevor ich es kannte, aber sie meint, es trifft eher nicht komplett auf mich zu, aber in Teilen.

      The post was edited 1 time, last by Lachatte ().

    • Aldana wrote:

      Unter dem Begriff "Masking" versteh ich so etwas wie "sich verstellen". Ich verstelle mich aber nicht, allein bloß weil ich die für mich funktionierenden Methoden zum Verstehen des Sozialverhaltens um mich herum, die ich mir im Laufe meines Lebens angeeignet habe, benutze. Verstellen ist für mich, wenn jemand z. B. Sachen macht, nur um irgendwo dazuzugehören, also klassisches Mitläufertum unter Selbstaufgabe und dieses Verhalten ist von der neurologischen Konstitution erstmal völlig unabhängig.
      Für mich klingt es, als sei dir ist der kognitive Energieaufwand, den manche Autisten betreiben müssen, um sich ihrer Umwelt auch nur etwas anpassen zu können, nicht bewusst.

      Setzt du diese erworbenen Fähigkeiten intuitiv oder mit kognitivem Aufwand ein? Kannst du sie richtig einsetzen? Kannst du sie in der Situation situationsangemessen einsetzen? Du schreibst hier im Forum so viel über dein scheinbar selbstverständliches Verstehen sozialer Interaktion, dass sich bei mir zwei mögliche Erklärungen ergeben:
      a) herzlichen Glückwunsch, du hast auf diesem Gebiet wirklich wenig Probleme (wäre ernsthaft wünschenswert)
      b) du hast dich so intensiv damit auseinander gesetzt, dass du dir ein eigenes Erklärungssystem geschaffen hast, das dich schützt, aber eventuell nichts mit dem Erleben anderer Personen (vor allem NTs) gemein hat.

      Masking ist für mich nicht Mitläufertum und definitiv nicht unabhängig von der neurologischen Konstitution. Masking erfordert bei mir aktive "Rechenleistung" meines Gehirns. Ich habe keinen intuitiven Zugang zu sozialer Interaktion, in der ich mich selbst befinde. Denn genau dieser intuitive Zugang zu sozialer Interaktion fällt sehr vielen Autisten aufgrund von Problemen im Lesen von Mimik und mangelnder ToM sehr schwer. Deshalb muss das alles bewusst vom Gehirn gesteuert werden. Wenn man im Laufe seines Lebens immer wieder lernt, dass das "wahre Ich" Probleme auslöst und Zurückweisung erfährt, dann ist das ein Schutzmechanismus, um irgendwie durch den Tag zu kommen. Den kann ich persönlich auch nicht immer abstellen, selbst wenn ich weiß, dass ich in der Situation auch ohne Masking geschützt bin (zB habe ich auch beim Treffen der SHG vom ATZ extrem gemaskt, weil ich so aufgeregt war und es für mich eine unberechenbare neue Situation war). Masking nach 35 Jahren fallen zu lassen, erfordert Übung!


      Zu den Ausgangsfragen:

      Die Reaktionen auf mein Auting waren gemischt. Weil ich scheinbar recht gut Masken kann (mit entsprechendem Energieaufwand), kam besonders von Menschen, die mich noch nicht so lange kennen und die sich noch nicht mit Autismus auseinander gesetzt haben, großes Erstaunen. Menschen, die sich schon mit Autismus beschäftigt haben, reagierten eher "ach ja, bisschen speziell ist sie wirklich, jetzt erklärt sich das, passt zusammen". Menschen, die mich lange und gut kennen (und sich zuvor nicht mit Autismus auseinander gesetzt haben) haben entweder von sich aus den Verdacht auf Autismus geäußert und mich auf die Idee zur Diagnostik gebracht oder fragen jetzt ganz viel, weil sie mein vergangenes Verhalten immer besser einordnen können. Sprich: insgesamt wirkt die Diagnose auf mein Umfeld schlüssig.

      Ich gehe damit privat und beruflich ziemlich offen um, da ich kein Stigma darin sehe. Kollegen und Vorgesetzte wissen davon, Klienten erzähle ich es natürlich nicht. Das gehört da nicht hin. Ich rede und erkläre dann auch offen, was was bei mir auslöst. Zum einen, weil ich mich selbst noch kennen lerne, zum anderen weil ich erlebt habe, dass NTs oft keine Vorstellung davon haben, was für Autisten problematisch sein kann. Wie sollen sie es beachten können, wenn ich es nicht erkläre? Außerdem mag ich nicht irgendwie zickig oder herrisch rüber kommen, wenn ich unbedingt immer am liebsten nur auf diesem einen Stuhl sitzen möchte oder oder. Ich scherze da auch manchmal gern, wenn ich etwas für die anderen unverständliches mache und brauche, weil ich mich darin ja auch selbst beobachte und die anderen aus der Verantwortung für mein Wohlergehen nehmen möchte. Ich bin schließlich für mich selbst verantwortlich. Privat in der Familie sowieso. Gerade die Kinder verstehen sehr gut, dass ich besser "funktioniere" wenn es mir gut geht. Dann geht es ihnen auch besser, deshalb akzeptieren sie meine Schrulligkeiten aus purem Eigennutz.
      Ich schreibe in der Regel vom mobilen Endgerät aus - merkwürdige Wortkonstrukte sind ggf. der Autokorrektur geschuldet
    • haary wrote:

      Nach einer Zeit wird das Masking bzw. erlernte Verhalten zur Routine, die unterbewusst bzw. automatisch abläuft. Ist bei mir so mit lächeln bei der Begrüßung, Mimik anpassen entsprechend des Themas, usw. Das wieder abzustellen wäre gar nicht mal so einfach.

      Sonnenseele wrote:

      Den Unterschied zwischen "Masking" und dem Anwenden von "Social Skills" sehe ich darin, dass Ersteres bewusst und Zweiteres unbewusst abläuft. Ich kann z.B. ohne kognitiven Aufwand soziale Umgangsformen anwenden.
      Das klingt einleuchtend. Und ich muss mich wohl selbst korrigieren. Ich habe mir beispielsweise den Blickkontakt antrainiert. Das geschah jahrelang sehr bewusst. Heute ist es das noch punktuell der Fall, abhängig vom Gesprächspartner. Wenn mir jemand im Gespräch zum Beispiel eindringlich und länger in die Augen schaut als die meisten anderen, wird mir auch mein Blickkontaktverhalten wieder bewusster. Es irritiert mich, weil ein längerer Blickkontakt von der Regel abweicht, die ich mir durch Beobachtung anderer Menschen und durch Übung angeeignet hatte.

      Begrüßung, Lächeln, Handschlag und andere Abläufe sind automatisiert. Den Handschlag musste ich mir sogar bewusst wieder abgewöhnen. Beim Grüßen merke ich aber immer wieder Unklarheiten. Ich habe mir zum Beispiel angewöhnt die Leute in der Nachbarschaft zu grüßen. Als Mieter in einem Mehrparteienhaus war mir stets klar, wer zur Nachbarschaft gehört und wer nicht: nämlich alle, die im selben Haus wohnen. Seit wir ein in einer Einfamilienhaussiedlung leben, ist nicht mehr so klar, wer alles dazu gehört: die unmittelbaren Nachbarn ja, die zwei Häuser weiter teilweise auch. Aber darüber hinaus kommt Unsicherheit auf. Es wären ja sonst wirklich sehr wenige Menschen, die ich grüßen würde. Also grüße ich beim Spazierengehen zunächst mal alle, die mir begegnen. Und dann irritiert mich, wenn jemand nicht zurück grüßt. :m(:
      "Lebe im Verborgenen!"
      (Epikur)

      The post was edited 1 time, last by Andreas ().

    • Lachatte wrote:

      Ich kann auch relativ gut eine soziale Fassade herstellen. Soziale Umgangsformen erfordern bei mir keinen kognitiven Aufwand (glaube ich. Was genau wäre in dem Fall kognitiver Aufwand?). Es ist aber sehr sehr anstrengend. Danach bin ich fertig und wenn es soziale Treffen mehrere Tage am Stück oder abends nach der Arbeit sind, funktioniert es manchmal auch nicht mehr mit der Fassade (was fast nie vorkommt, da ich meine Grenzen kenne und mich daher auf solche Sachen nur im äußersten Notfall einlasse).
      kognitver Aufwand ist, dass du in irgendeiner Form Energie darein gibst, was für NTs tendenziell intuitiv passiert. Dass du danach "ausgelaugt" bist, zeugt davon, dass du in diesen Situationen sehr angestrengt bist.

      Was du beschreibst, wenn du die Fassade aktiv fallen lässt, kenne ich auch. Dann starrt mein Blick irgendwo hin. Wenn ich sprechen kann, dann mit unglaublich eingeschränkter Stimmmodulation. Handelt es sich um ein für mich interessantes Thema, kann ich nicht aufhören zu sprechen, ist das Thema für mich nicht interessant, bin ich (wortwörtlich!) sehr einsilbig und bringe wenig mehr als "hmm" "ja" usw hervor.
      Ich schreibe in der Regel vom mobilen Endgerät aus - merkwürdige Wortkonstrukte sind ggf. der Autokorrektur geschuldet
    • Mandelkern wrote:

      kognitver Aufwand ist, dass du in irgendeiner Form Energie darein gibst, was für NTs tendenziell intuitiv passiert. Dass du danach "ausgelaugt" bist, zeugt davon, dass du in diesen Situationen sehr angestrengt bist.
      Ja in irgendeiner Form viel Energie, das passt auf jeden Fall... Interessanterweise kann ich mit diesem evtl. "Masking" insgesamt zwar viel unauffälliger agieren und sprechen, aber was ich in dieser Lage schlechter kann als aonst, ist: Mit-/Nach-denken während des Gesprächs, und Wahrnehmen des Außenrum, also wenn es in einer Art Unterrichtssituation z.B. heißt jetzt alle hierhin stellen, oder alle das und das bitte machen, kriege ich das dann oft nicht gleich mit. Aber ohne dieses Masking bzw wenn ich nur ruhig da sitze und nicht mit den anderen reden/interagieren muss, überhöre ich so etwas eher nicht (oder auch nicht öfter als andere). Ich dachte immer, vielleicht habe ich ja ADS...
    • An guten Tagen kann ich sehr "chatty" sein und anderen fällt wohl nicht auf, dass ich irgendwie anders bin. Diesen Zustand kann ich aber nicht lange aufrechterhalten und bin nach ein paar Stündchen total im Arsch.

      Da ich mich nie wieder verstecken möchte und gar dafür schämen, wie ich bin, würde ich meinen Autismus auch nicht mehr vor neuen Freunden verheimlichen!
      Ich gehe also mittlerweile total offen damit um, weil es mir lieber ist, dass die Menschen wissen, was mit mir los ist, als wenn sie sich selbst etwas viel "Schlimmeres" zusammenreimen.
      Denn bevor ich offen damit umging, sprachen z.B . Nachbarn sehr gemein über mich!
      Also oute ich mich vor meinen Lieblingsnachbarn (wir leben auf dem Land, da geht es sehr persönlich zu) und natürlich nun auch vor allen neuen Freunden.

      Nach meiner Diagnose hat keiner meiner Freunde mit Verwunderung reagiert. Alle fanden, dass die Diagnose alles erklärt.
      Auch die Nachbarn fanden es nicht verwunderlich.

      Natürlich gibt es noch Menschen, die verwundert reagieren, aber das nehme ich dann halt als Kompliment an meine Schauspielkunst :d
      Der Kinderarzt unseres Minis meinte neulich :"Na Sie können ja nicht stark betroffen sein, so wie Sie mit mir sprechen!" In solchen Situationen erkläre ich dann aber gern, dass mich diese soziale Interaktion gerade all meine Energie kostet und ich innerlich sehr angestrengt bin.
      Tjaja, so ist das....die Leute sehen eben nur das, was "offensichtlich" ist.
    • @Mandelkern
      Du vermischst nach meinem Verständnis die Begriffe "Kompensation" und "Maskierung". Für mich sind das aber zwei verschiedene Sachen, die man tunlichst trennen sollte. Unter Kompensation verstehe ich in diesem Kontext die Überbrückung von Defiziten, in dem man andere Methoden als die übliche benutzt, weil die übliche nicht verfügbar ist (fehlt ganz oder funktioniert nicht (richtig)). Im Falle eines Autisten wäre das z. B. das Verwenden kognitiver Methoden zum Erschließen sozialer Situationen anstelle des (üblichen) intuitiven Verständnisses. Das ist für mich vergleichbar zu einem Querschnittsgelähmten, der zur Fortbewegung einen Rollstuhl benutzt, weil er die übliche Variante Laufen nicht kann.

      Maskierung ist für mich hingegen, wie schon geschrieben, etwas vorzugeben, was man nicht ist. Genauso wenig wie der Querschnittsgelähmte vorgibt Laufen zu können, nur weil er es mit Hilfe des Rollstuhls schafft von A nach B zu kommen, gibt der Autist nicht vor Jemand mit sozialer Intuition zu sein, nur weil er es mit Hilfe kognitiver Methoden schafft soziale Situationen zu bestehen.
      Maskierung ist für mich, wenn ich mich als Person mit meinem Charakter/Einstellungen/Interessen/Erscheinungsbild anders gebe, als ich von Natur aus bin. Und das machen eben auch NTs um z. B. als Teil einer Gruppe akzeptiert zu werden. Der Unterschied zum Autist ist bloß, dass der das wegen des fehlenden intuitiven Verständnisses von sozialen Situationen i. d. R. nicht einfach so kann, sondern dafür erst erfolgreich Kompensation anwenden muss. Maskieren ist dann erst der Schritt der nach der Kompensation kommen kann, aber nicht muss.

      Ich muss tagtäglich kognitiv kompensieren, weil mir (vermutlich) jegliche soziale Intuition fehlt. Darin bin ich im Laufe der Jahre denk ich ganz gut geworden, aber es kostet mich wegen des damit verbundenen Mehr an Hirnleistung unglaublich viel Energie. Im Ergebnis merk ich meine Beeinträchtigung vor allem an chronischer Erschöpfung (außer ich bin gezwungen mit Leuten umzugehen, die mit mir unverträglich sind, dann tauchen natürlich noch andere Probleme auf, die zumindest indirekt auf Autismus zurückzuführen sind).
      Gleichzeitig bin ich aber auch ein Mensch, der sehr viel Wert auf Authentizität legt, keinen Gruppenzugehörigskeitsdrang verspürt und keine Probleme damit hat anzuecken und genug Selbstbewußtsein hat, das durchzuziehen. Entsprechend entscheide ich mich in vielen Situation dagegen, etwas zu tun, was z. B. gesellschaftlich erwartet wird, weil es im Widerspruch zu meiner Persönlichkeit steht. Was gesellschaftlich erwartet wird, muss ich mir aber auch zuerst über kognitive Kompensation erschließen. Jemand, der maskiert, würde an der gleichen Stelle das gesellschaftliche Spielchen mitspielen, obwohl er es gar nicht mag (z. B. weil er Angst vorm Anecken hat).
      Vielleicht noch ein Praxisbeispiel dazu. Ich weiß, dass die Frage "Wie geht's dir?" i. d. R. eine Höflichkeitsfloskel ist und keine erstgemeinte Frage und eine entsprechende Höflichkeitsfloskel als Antwort erwartet wird. Dass das so ist, habe ich durch kognitives Erschließen gelernt. Ich habe für diese Erkenntnis also Kompensation anwenden müssen. Es geht mir aufgrund meiner Persönlichkeit aber gegen den Strich, diese Frage als Floskel zu verwenden, deswegen beantworte ich die immer ehrlich (in angepasstem Umfang je nach Bekanntschaftsgrad). Würde ich dennoch mit der erwarteten Höflichkeitsfloskel antworten, DANN würde ich maskieren, weil ich dann gegen mein Naturell agierte.
    • Ich bin noch vor der Diagnose. Bewusstes Masking nutze ich nicht (mehr) - ich habe meine Routinen gelernt und wende diese automatisch an.

      Aldana wrote:

      Vielleicht noch ein Praxisbeispiel dazu. Ich weiß, dass die Frage "Wie geht's dir?" i. d. R. eine Höflichkeitsfloskel ist und keine erstgemeinte Frage und eine entsprechende Höflichkeitsfloskel als Antwort erwartet wird. Dass das so ist, habe ich durch kognitives Erschließen gelernt. Ich habe für diese Erkenntnis also Kompensation anwenden müssen. Es geht mir aufgrund meiner Persönlichkeit aber gegen den Strich, diese Frage als Floskel zu verwenden, deswegen beantworte ich die immer ehrlich (in angepasstem Umfang je nach Bekanntschaftsgrad). Würde ich dennoch mit der erwarteten Höflichkeitsfloskel antworten, DANN würde ich maskieren, weil ich dann gegen mein Naturell agierte.

      Ganz genau so mache ich das auch. Wenn ich die Person nicht weiter kenne und keine Lust habe, mit ihr über meinen Gesundheitszustand oder meine Gemütslage zu reden antworte ich meist mir "es geht". Ansonsten antworte ich der Wahrheit entsprechend. Auch "fishing for compliments" funktioniert bei mir nicht, ich sage immer, wenn ich das neue Kleid oder die neue Frisur nicht schön finde.

      Ich habe beim neuen Job relativ früh gesagt, dass ich im autistischen Spektrum bin und welches meine Probleme in diesem Zusammenhang sind. Die Reaktion war eher zurückhaltend oder unsicher. Jedenfalls werde ich seitdem weitgehend ignoriert (man könnte auch sagen: in Ruhe gelassen).

      Meine Frau glaubt es nicht.

      Meine Schwester glaubte es zuerst auch nicht. Dann habe ich mit ihr geredet, was Autismus überhaupt bedeutet und wie er sich äußert. Das Ergebnis war Erstaunen: "Also, diese Schwierigkeiten habe ich auch teilweise: Probleme mit Kontakten und sozialer Interaktion. Mit anderen Menschen reden usw.".
    • Bei mir ist es auch so, wie du beschreibst:

      Lachatte wrote:

      Ich kann auch relativ gut eine soziale Fassade herstellen. Soziale Umgangsformen erfordern bei mir keinen kognitiven Aufwand (glaube ich. Was genau wäre in dem Fall kognitiver Aufwand?). Es ist aber sehr sehr anstrengend.
      Im Gespräch muss ich vieles bewusst kontrollieren, was ich mache.

      Lachatte wrote:

      Interessanterweise kann ich mit diesem evtl. "Masking" insgesamt zwar viel unauffälliger agieren und sprechen, aber was ich in dieser Lage schlechter kann als aonst, ist: Mit-/Nach-denken während des Gesprächs, und Wahrnehmen des Außenrum
      Und ich kann schlechter mitdenken, was auch manchmal zu blöden Situationen führt.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Shino Me wrote:


      • Als ihr Menschen vom Autismus erzählt habt, die euch vorher kannten, wie waren die Reaktionen?
      • gab es Erstaunen oder war für alle klar, dass das passt?

      Unterschiedlich. Die meisten Menschen wollten nichts davon hören. Die anderen sind fast alle selbst im Spektrum oder haben auf andere Weise einen direkten Bezug dazu. In einem Fall wurde ich gefragt, ob ich Asperger hätte. Ich nickte und fragte zurück: "Du auch?" - "Ja." Damit war das Thema dann durch.
      Ich vermute, die Abwehrhaltung hat was mit mangelndem Wissen zu tun, sowohl über Autismus/Asperger-Syndrom als auch über den Menschen.

      haary wrote:


      Aldana wrote:

      Vielleicht noch ein Praxisbeispiel dazu. Ich weiß, dass die Frage "Wie geht's dir?" i. d. R. eine Höflichkeitsfloskel ist und keine erstgemeinte Frage und eine entsprechende Höflichkeitsfloskel als Antwort erwartet wird. Dass das so ist, habe ich durch kognitives Erschließen gelernt. Ich habe für diese Erkenntnis also Kompensation anwenden müssen. Es geht mir aufgrund meiner Persönlichkeit aber gegen den Strich, diese Frage als Floskel zu verwenden, deswegen beantworte ich die immer ehrlich (in angepasstem Umfang je nach Bekanntschaftsgrad). Würde ich dennoch mit der erwarteten Höflichkeitsfloskel antworten, DANN würde ich maskieren, weil ich dann gegen mein Naturell agierte.
      Ganz genau so mache ich das auch. Wenn ich die Person nicht weiter kenne und keine Lust habe, mit ihr über meinen Gesundheitszustand oder meine Gemütslage zu reden antworte ich meist mir "es geht". Ansonsten antworte ich der Wahrheit entsprechend. Auch "fishing for compliments" funktioniert bei mir nicht, ich sage immer, wenn ich das neue Kleid oder die neue Frisur nicht schön finde.

      Ich muss mich immer wieder dran erinnern, dass es Floskeln sind. Und es ist anstrengend, wenn ich nicht auf Anhieb einschätzen kann, ob das jetzt nicht doch eine ernst gemeinte Frage ist. Wenn es mir nicht gut geht, ist es deutlich schwerer "angemessen" zu lügen, das läuft dann nicht rund(RW), obwohl ich es ja einstudiert habe.

      @Aldana Die Erklärung zu Kompensation und Maskierung find ich klasse!
    • Mittlerweile bin ich eher vorsichtig geworden, was die Kommunikation meinens Verdacht auf ASS betrifft. Wenn ich diesen meinen (privaten) Freunden gegenüber erwähne, sind die Reaktionen eher ablehnend. Von "... wenn Du autistisch bist, dann bin ich der Kaiser von China" bis zu "...ist das eine Selbstdiagnose?". War alles dabei. Der ein oder andere "lockere" Kontakt ist gänzlich abgebrochen, aufgrund dessen, dass ich den Begriff "psychische Probleme" offen angesprochen habe.

      Vielleich bilde ich mir die Störung im Asperger-Spektrum nur ein. Oder vielleicht ist die Gesellschaft/Freunde auf diese Möglichkeit nicht vorbereitet bzw. informiert. Für mich und meinen Lebensweg macht der Verdacht am ehesten Sinn. Und ich habe mir so einiges an Möglichkeiten angesehen und erklären lassen.

      Letztendlich fasse ich mir in mein Gesicht, ziehe eine von den vielen Masken ab, und überlege mir wie wichtig/nötig diese ist, um weiterhin ein verträgliches (für mich und mein Umfeld) Leben zu führen.