Partielle Sprachprobleme

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    • Partielle Sprachprobleme

      Hi,

      "eigentlich" rede ich sehr leise und gleichmäßig. Habe mir - ich maske - angewöhnt, sehr belebt zu sprechen. War hartes Training. Inklusive Mimik und Gestik. Eigentlich wollte ich weniger masken und mehr ich sein. Das führt dazu, dass ich dann langsamer und weniger betont rede. Ich merke dann, wie sich die Muskeln in meinem Gesicht entspannen, wenn ich aufhöre, so zu lächeln. Dieses mehr ich sein, war erstaunlich angenehm. Auch wenn ich unsicher bin, wenn ich nicht neurotypisch agiere.

      Das nur als Info und nun zu meinem Problem:
      Habe zur Zeit eine massive Stresssituaton, die mir zusetzt. In diesem Kontext und nur in diesem Kontext, habe ich massive Sprachprobleme. Ich verhaspel mich, stotter, vergesse Silben. Mich überrollt diese klar abgegrenzte Sprachproblematik. Wusste bisher noch nicht einmal, dass es sowas gibt. Und schon gar nicht, dass es mir passieren könnte, wo ich doch so trainiert bin. Bei allem, was mit diesem speziellen Stresssbereich zu tun hat, kommt es zu dem Problem. Habe grade mit einer Freundin telefoniert und wir haben über den Stresssauslöser gesprochen und ich war nicht in der Lage "normal" zu sprechen. Das ist echt gruselig. Bim Einkaufen (da maske ich), selbst beim Arzt (da maske ich nicht) war nix. Und kaum texte ich zu dem Problem und die Freundin ruft mich an, um mit mir darüber zu sprechen, schon ging es los. Meine innere Anspannung war so stark durch das Thema, dass ich mich trotz Tangle im Raum bewegen musste.

      Nachdem wir aufgelegt hatten, brauchte ich noch einge Zeit und konnte dann wieder normal sprechen. Kann massiver Stress auf das Sprechvermögen wirken?

      Hat sowas schon mal jemand von euch gehabt?
    • Ja, so etwas Ähnliches habe ich auch schon gehabt. Ich beginne dann, am ganzen Körper zu zittern und mein Kiefer krampft und erschwert das Sprechen. Also schon ein bisschen anders, aber im Prinzip kenne ich das auch.

      Was ich eher habe, ist, dass ich keine sinnvollen Sätze herausbekomme (zumindest kommt es mir so vor), das fühlt sich aber nicht so körperlich an, sondern ich verhaspel mich und schaffe es nicht, das rüberzubringen, was ich eigentlich mlchte. Meinst du sowas mit den Sprachproblemen?

      Allerdings habe ich keine Ahnung, was man dagegen machten könnte.
    • @Rubixxy
      so ähnlich. Wenn ich NT maske, dann spreche ich sehr aufgeregt. Wenn ich ich bin, sehr leise und ruhig, immer durchdacht. Körperlich bin ich ruhig.

      In der speziellen Stresssituation bin aufgeregt, muss mich bewegen. Dann ist mein Sprechen.... wie soll ich es erklären? Ich komme mir vor, wie ein zerfranztes altes Buch. Ich spreche unsauber, stotter und lasse teilweise Silben weg. Ober halte an, weil ich merke, dass mir die Silbe fehlt.

      Das passiert aber nur im Kontext mit diesem Stressproblem. Möchte da nicht ins Detail gehen, aber ich hatte einen Meltdown in einer Situation, wo ich das nicht für möglich hielt. Und in diesem Kontext tritt das Sprechproblem auf.
    • Ich weiß nicht, ob man es direkt vergleichen kann. Erzähle es trotzdem mal:

      In der 7. Klasse bin ich massiv gemobbt worden. Es war, als hätte ich einen Haufen von Fußballkommentatoren, die ständig alles, was ich tat oder sagte kommentierten. Oder kommentierten, wenn ich nichts machte/sagte. Zum nächsten Schuljahr konnte ich diese Klasse verlassen. In der neuen Klasse hat sich zunächst keiner für mich interessiert, allerdings fing dann ein Mädchen an gegen mich zu ätzen (RW). Ich weiß nicht, ob's daran lag, dass ich mich neben sie gesetzt hatte und sie lieber mehr Platz haben wollte. Vielleicht auch, weil ich den Klassenwechsel mit "Die waren doof zu mir", begründete und ihre beste Freundin in der Klasse war. Jedenfalls gab's zu Hause statt Verständnis Druck, als ich davon erzählt hab. Da hieß es, ich müsse halt in die alte Klasse zurück, wenn es in der neuen nicht klappe.

      Irgendwann fiel mir auf, dass ich stottere. Nicht extrem, aber es war da. Vorher hatte ich da keine Probleme mit. Hat sich schlußendlich wieder gegeben nach einem oder zwei Jahren.

      Schon vorher - und das ist bis heute so geblieben - hatte ich immer wieder Momente, wo ich keine Worte rausbekommen habe. Ich weiß, was ich sagen will, bekomme die aber nicht ausgesprochen. Ich kämpfe dann mit jeder Silbe. Das sind entweder Situationen, in denen ich überfordert bin, oder mich an diese Situation erinnere. Die Erinnerung ist dann so stark, dass ich es noch mal erlebe. Das bleibt dann auch so, bis ich tatsächlich mit dem Geschehenen abschließen kann und es mich nicht mehr "triggert".
    • Bislang habe ich meine "Sprachprobleme" darauf zurückgeführt, dass ich zu wenig lese und mein Vokabular dadurch ärmer geworden ist.
      Wobei ich mittlerweile auch wieder dabei bin, mir die tägliche Lektüre anzugewöhnen (und das bereue ich keineswegs! ;) ).

      Insbesondere auf Arbeit fallen mir nämlich teilweise keine passenden Wörter ein und die "ähms" und "öhms" können hier und da auftreten.
      Das ist mir vor meiner Chefin z. B. immer ein wenig peinlich, da es eher von Unbeholfenheit zeugt.

      Dass dies allerdings auch mit den autistischen Schwierigkeiten zusammenhängen könnte, wäre mir ehrlich gesagt gar nicht in den Sinn gekommen. :?
      Man lernt immer wieder Neues dazu... Vielleicht ist es aber auch eine Kombination aus beiden Faktoren.

      The post was edited 1 time, last by Mr. Spock ().

    • bei starkem Stress verliere ich auch meine Fähigkeit, vernünftig sprechen zu können. Das fängt mit Wortfindungsstörungen an, geht über bekloppte Satzstellungen und Wörter Überspringen bishin zum Nichtmehrsprechenkönnen.
      Mit kaputten Siebenmeilenstiefeln aus dem Burnout. Von wegen. Nix schnell. Grmpf! Doch, jetzt gehts vorwärts!!!

      Wenn man sowieso der Doofe ist, kann man alles ja auch so machen, dass es für einen selbst am angenehmsten ist.
    • Jetzt weiß ich nicht, ob es vergleichbar ist, mit dem, was hier thematisiert wird.
      Bei mir kommt es nicht selten zu Sprachblockaden. Ich will etwas sagen, öffne die Lippen, aber es kommt kein Ton heraus. Manchmal passiert dies auch mitten in einem Satz.
      Häufig ist es auch so, dass ich lange Sprechpausen brauche, um den für mich richtigen Begriff zu finden und Ersatzbegriffe die mir einfallen, sich nicht als Füllmaterial eignen, um die Pausen auszufüllen, weil sie nicht genau das aussagen, was ich zum Ausdruck bringen möchte und lasse es dann ganz.
      Bin aber eh eine stille Person.

      The post was edited 1 time, last by Amara ().

    • Shino Me wrote:

      Nachdem wir aufgelegt hatten, brauchte ich noch einge Zeit und konnte dann wieder normal sprechen. Kann massiver Stress auf das Sprechvermögen wirken?


      Hat sowas schon mal jemand von euch gehabt?
      Ja, definitiv. Kann deine Schilderung gut nachvollziehen. Und es gibt nur sehr wenige Fähigkeiten und Funktionen, die durch Stress nicht gestört werden können.
      Bei mir geht es beim Sprechen in zwei Richtungen: Wortfindungsstörungen, Verhaspeln, Sätze nicht richtig schließen können passiert mir auch. Umgekehrt kann es sein, dass ich unter massivem Stress präziser (umständlicher) und mit zahlreichen "Fremdwörtern" spreche, ohne es zu merken. Als System vermute ich, dass ich im privaten Kontext eher zur ersteren Variante neige und im Kontakt mit Autoritäten (Polizei, Prüfer) aber auch bei antisozialen Grenzverletzern wiederum "hochgestochener" spreche (was übrigens nicht gut ankommt aber entgegen zahlreicher Unterstellungen von mir in der Situation nicht gesteuert werden kann).

      Sehr interessant finde ich deine dichotome Darstellung in Bezug auf "NT-Maske" und "ich sein" und kann mich auch hier teilweise selbst gespiegelt sehen. Mein Hypothese dazu geht davon aus, dass wir tatsächlich im Laufe der Jahre 2 disjunkte [unverbundene] Modi im Gehirn ausgeprägt haben. Bildlich stelle ich mir das wie große, tief ausgespülte Flussbetten vor. Im NT-Masken-Modus wird das bereitgestellt, was wir in der Situation halt brauchen: Simulation von Mimik und Gestik sowie eine gute Anbindung an unser Sprachzentrum. Im Autisten-Modus, der sicherlich unbewusst mit Entspannung (vgl. Shino Me's treffende Aussage: "Ich merke dann, wie sich die Muskeln in meinem Gesicht entspannen (...).") assoziiert ist, steht uns vermutlich neuropsychologisch eher die Fähigkeit zur Hyperfokussierung (ich vermute hier eine Verwandtschaft zum sog. Flow-Erleben aber auch zu Trance) und zum analytischen Denken (i.s.v. Rationalisieren) zur Verfügung.
      Wenn an dieser Hypothese etwas dran ist, dann wäre eine Synthese zwischen beiden Modi vielleicht ein guter Ansatz und heraus käme eine Art "NT-Maske-light": beim Telefonieren brauchen wir weder Mimik noch Gestik aber die gute Anbindung zu unserem Sprachzentrum ist hilfreich. Umgekehrt wäre Hyperfokussierung vermutlich eher hinderlich beim "Plaudern" [ich mag alleine das Wort schon nicht, seufz], aber das analytische Denken in abgespeckter Form hilft uns sicher die Absichten und Bedürfnisse von unserer Gesprächspartnerin aber auch von uns in Einklang zu bringen.

      [ich wollte nur kurz antworten und nun steht hier wieder was von Hypothesen und Gehirn-Modi...]


      Shino Me wrote:

      Habe zur Zeit eine massive Stresssituaton, die mir zusetzt.
      Wünsche dir sehr, dass du dem Stress entfliehen kannst und/oder mit Entspannung den Druck reduzieren kannst!
      ~
      "But now old friends are acting strange
      They shake their heads, they say I've changed
      Well something's lost, but something's gained"
      ~

      (Joni Mitchell)
    • @Epidiokontas

      Das passt erschreckend gut zu mir! Vielen herzlichen Dank!

      Ich übernehme auf der Arbeit häufig die Eska-Kunden (Eskalation). Passt trotz Asperger, da es sich um einen begrenzten Bereich an sozialen Vorgängen (Schemata abgespeichert und diese werden abgerufen) handelt und ich bei den Kunden rechnen muss und nach Fehlern schaue.
      Also kein Kunststück, ich spiele ja ein NT Repertoire ab und darf meiner Lieblingsbeschäftigung ("irgendwas mit Zahlen") nachgehen. Und bei einem geringen EQ Wert spiegel ich auch die Emotionen nicht, sondern arbeite sachlich die notwendigen Schritte zur Fehlerbehebung ab. Fokussiere auf den Vorgang.

      Meine Kollegen sagen, dass ich bei diesen Kunden anfange langsamer und leiser zu reden, auf die Unterlagen starre und sie würden dadurch wissen, wann ich sauer werde, obwohl man mir das nicht ansieht. Bei Eska-Kunden muss ich so viel Energie auf das Lösen des Problems verwenden, dass ich "durchscheine" (RW) und ich den Sprachmodus meiner Persönlichkeit zeige.

      Heißt:
      NT-Shino benutzt adaptierte Mimik, Gestik, Augenkontakt von 1 bis 3 Sekunden und Sprachmelodie.
      Die richtige Shino verzichtet auf diese "unnützen" Gesprächsparameter (was soll ich Menschen ins Gesicht sehen, wenn ich da eh nix erkenne und in die Augen gucken, ist unangenehm) und spricht bedachter.

      Was du zur Fähigkeit zur Hyperfokussierung geschrieben hast:
      Wenn ich es auf der Arbeit schaffe, dass ich von den Umweltreizen nicht "überrollt" werde, dann kann ich mich beim Rechnen sehr stark konzentrieren. Bin des Öfteren von Kollegen angesprochen worden, dass sie dann das Gefühl haben, dass ich sie nicht mehr wahrnehme. :) denn wenn ich rechne, bin ich in das Thema vertieft. Befinde mich dann in einem angenehmen Zustand, während Arbeit sonst für mich starker Stress ist.

      Hieße das dann, dass diese Sprachstörung zeigt, dass ich durch den speziellen Stress nicht mehr fokussieren kann? Das ist wirklich sehr unangenehm.
    • Shino Me wrote:

      Wenn ich es auf der Arbeit schaffe, dass ich von den Umweltreizen nicht "überrollt" werde, dann kann ich mich beim Rechnen sehr stark konzentrieren. Bin des Öfteren von Kollegen angesprochen worden, dass sie dann das Gefühl haben, dass ich sie nicht mehr wahrnehme. :) denn wenn ich rechne, bin ich in das Thema vertieft. Befinde mich dann in einem angenehmen Zustand, während Arbeit sonst für mich starker Stress ist.
      Hieße das dann, dass diese Sprachstörung zeigt, dass ich durch den speziellen Stress nicht mehr fokussieren kann? Das ist wirklich sehr unangenehm.
      Mir ist noch eingefallen, dass, wenn ich merke, dass ich langsam in "Panik" verfalle mit irgendwas, es mir hilft, in Gedanken Nachkommastellen von Pi aufzuzählen (mindestens 50). Manchmal ist es dann, als seien alle Emotionen danach einfach weg. Das benutze ich, wenn ich abends nicht schlafen kann vor lauter Stress/Panik etc. Ob das in der konkreten Situation helfen kann, weiß ich nicht. Auch kleine Rechnungen (3/8, 3/7, Hauptsache ein paar Nachkommastellen) helfen. Dadurch muss ich mich stark konzentrieren (leider bei den Nachkommastellenstellen von Pi nicht mehr so gut), sodass die Emotionen erst auf Pause stehen und wenn ich es lange genug schaffe, die Konzentration auf die Zahlen zu lenken (20 bis 30 Sekunden mindestens), sind sie danach weg, auch wenn ich aktiv wieder an das denke, was mich so aufgewühlt hat.

      Wenn du Zahlen auch so gerne hast, könnte dir das ja vielleicht auch helfen :)