Der 18. Juni ist Neurodiversity Pride Day

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    • Ich mag den Begriff Neurodiversität, habe nur das Gefühl dass dieser in der Praxis im Vergleich zu anderen Diversitätsbegriffen eher selten genutzt wird, zumindest mit dem deutschen Begriff findet man selbst über Google nicht viel.
    • Ich find das Konzept der Neurodiversität wissenschaftlich interessant und sinnvoll.

      Ideologien hingegen stehe ich skeptisch gegenüber und sämtliche "pride communities" sind mir suspekt. Genauso wenig wie ich mir mein Geschlecht, meine Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder Fußlänge aussuchen kann, kann ich es auch nicht bei meiner zugrundeliegenden Neurologie.

      Stolz, so meine ich, kann man vielleicht auf etwas sein, das man geleistet hat. Nicht aber auf seine Gene.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Ich stehe dem Begriff skeptisch bis ablehnend gegenüber, weil immer sehr unklar ist, was wer mit dem Begriff meint. In diesem Fall scheint gemeint zu sein, dass jeder neurodivers sei. Damit kann es ein neurotypisch meinem Verständnis nach nicht geben. Damit wäre ich noch am ehesten einverstanden.

      In humanity, there are no mistakes, only variations. Each brain, each person, adds something uniquely beautiful to our human collective. And this idea, the idea of neurodiversity, deserves a spotlight, and a day of celebration, for its our differences, our unlikeness to each other, that ups the vitality of society. We all have something unique and awesome to contribute, and on this day neurodivergent people and their allies celebrate!
      Ich halte das allerdings für einen wirren antiwissenschaftlichen Ansatz. Und je nach Fall auch für hochgradig zynisch.
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    • Dr. L84 wrote:



      In humanity, there are no mistakes, only variations. Each brain, each person, adds something uniquely beautiful to our human collective. And this idea, the idea of neurodiversity, deserves a spotlight, and a day of celebration, for its our differences, our unlikeness to each other, that ups the vitality of society. We all have something unique and awesome to contribute, and on this day neurodivergent people and their allies celebrate!
      Ich halte das allerdings für einen wirren antiwissenschaftlichen Ansatz. Und je nach Fall auch für hochgradig zynisch.
      es besteht halt die Gefahr der Marginalisierung unserer spezifischen Probleme, wenn man sagt, dass jeder ein bisschen anders im Kopf und sonst auch ist. Andererseits lässt es Offenheit für Abweichungen, unabhängig von der Diagnose, was ein sehr inklusiver Gedanke ist. Sehr schwierige "Gradwanderung".


      Das pride steht, glaube ich, nicht (nur) dafür, stolz auf seine Eigenschaften zu sein. Es gibt ja auch Gay pride etc und das lässt sich ja auch nicht ändern. Es geht wohl auch darum, sich mit seinen Eigenschaften stolz in einer normativen Gesellschaft zeigen zu können.
      Ich schreibe in der Regel vom mobilen Endgerät aus - merkwürdige Wortkonstrukte sind ggf. der Autokorrektur geschuldet
    • Mandelkern wrote:

      Andererseits lässt es Offenheit für Abweichungen, unabhängig von der Diagnose, was ein sehr inklusiver Gedanke ist.
      Ich bin mittlerweile auch dazu geneigt, das zu unterstützen. Ich bin voll und ganz für gesellschaftliche Akzeptanz von Autismus. Es ist andernfalls absehbar, dass mit Crispr&Co. in Bälde versucht werden wird, Menschen wie uns zu verhindern.

      Aber in der Wissenschaft hat solche Ideologie m.M.n. nichts zu suchen. Und ob ich jetzt z.B. Alzheimer oder Pädophilie feiern möchte, ... also persönlich kann ich mit dem Konzept nichts anfangen.

      Alles Gute zum Geburtstag.
    • Kayt wrote:

      Ich find das Konzept der Neurodiversität wissenschaftlich interessant und sinnvoll.

      Ideologien hingegen stehe ich skeptisch gegenüber und sämtliche "pride communities" sind mir suspekt. Genauso wenig wie ich mir mein Geschlecht, meine Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder Fußlänge aussuchen kann, kann ich es auch nicht bei meiner zugrundeliegenden Neurologie.

      Stolz, so meine ich, kann man vielleicht auf etwas sein, das man geleistet hat. Nicht aber auf seine Gene.
      Das sehe ich ganz genauso. Ich möchte nur einen Gedanken hinzufügen: Stolz sein können wir vielleicht auf das, was wir - trotz genetisch bedingter Schwierigkeiten - geleistet haben. Dafür braucht es aber keinen Feiertag.
      "Lebe im Verborgenen!"
      (Epikur)
    • Dr. L84 wrote:

      Aber in der Wissenschaft hat solche Ideologie m.M.n. nichts zu suchen. Und ob ich jetzt z.B. Alzheimer oder Pädophilie feiern möchte, ... also persönlich kann ich mit dem Konzept nichts anfangen.


      Alles Gute zum Geburtstag.
      Danke!

      Definiere Wissenschaft. Da gibt es ja so viele Bereiche, in denen dieses Verständnis bearbeitet werden könnte. Von Bildungswissenschaften, Soziologie, Psychologie über Neurologie hin zu molekular medizinischen Ansätzen usw. Es gibt ja nicht DIE Wissenschaft. Aber da geht es um ein Verständnis oder Konzept. Ideologie hat in keiner Wissenschaft was zu suchen, außer ggf als Untersuchungsgegenstand.
      Ich schreibe in der Regel vom mobilen Endgerät aus - merkwürdige Wortkonstrukte sind ggf. der Autokorrektur geschuldet
    • Mandelkern wrote:

      Definiere Wissenschaft.
      Nee.

      Ich definiere eine Definition von Neurodiversität wie sie hier gebraucht wird bloß als unwissenschaftlich, da sie das Ergebnis bereits vorwegnimmt. Parkinson kann demnach keine Krankheit sein, da es bloß eine Form der Neurovielfalt ist usw. Das ist nur Ideologie und ... ja, Du sagst es ja selbst.

      Mandelkern wrote:

      Ideologie hat in keiner Wissenschaft was zu suchen

      Wenn Leute z.B. an Medikamenten forschen wollen, die Leuten mit Parkinson, ADHS, Autismus oder was auch immer helfen könnten, dann sollen die Neurodiversitätsleute sich da heraushalten. Oder wenn sie auch überhaupt nur untersuchen wollen, was Autismus eigentlich ist. Im ND-Konzept ist das alles schon seit vielen Jahren endgültig beantwortet, da braucht keiner mehr zu forschen.
    • Dr. L84 wrote:

      Im ND-Konzept ist das alles schon seit vielen Jahren endgültig beantwortet, da braucht keiner mehr zu forschen.
      So einfach ist das nicht. Das Neurodiversitätskonzept zu befürworten, heißt doch nicht zwangsläufig, Forschung auszuschließen. Das ist mir zu resignativ. Wenn ich mich dafür einsetze, dass Rollstuhlfahrer besser integriert werden, dass es viel mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum gibt, dass Wohnungsbau wenigstens barrierearm sein muss, dass Kommunikation gelernt wird (mit dem Betroffenen reden und nicht mit dem, der schiebt), dann heißt das alles doch nicht, dass Forschung, was Prävention, medizinische Rehabilitation und solche für bessere E- und Sportrollstühle angeht, nicht mehr stattfinden muss.

      Kayt wrote:

      Stolz, so meine ich, kann man vielleicht auf etwas sein, das man geleistet hat. Nicht aber auf seine Gene.
      Ja. Wobei ich "stolz" sowieso nicht mag, weil es so was von Helden in der griechisch-römischen oder germanischen Mythologie hat: "der stolze Recke". Wenn bei mir etwas gut geklappt hat, dann freue ich mich darüber, Stolz brauch ich nicht dazu.

      Aber akzeptieren kann man seine Gene schon, im Sinn von "ich akzeptiere einen Zustand von mir und versuche darauf aufzubauen". Vielleicht meinen die Pride-Leute das ja einfach so?
      "Wir leben vermutlich zum ersten Mal. Wie soll da alles auf Anhieb klappen?"
      (Jürg Halter, Gemeinsame Sprache. Zürich, Dörlemann 2021)
    • FrankMatz wrote:

      Wenn bei mir etwas gut geklappt hat, dann freue ich mich darüber, Stolz brauch ich nicht dazu.
      Würde ich für mich auch so sagen. Oder ich bin nur nicht in der Lage das Gefühl "Stolz" korrekt zu identifizieren.


      FrankMatz wrote:

      Vielleicht meinen die Pride-Leute das ja einfach so?
      Hm, also eigentlich Acceptance-Leute? Für mein Verständnis von Sprache ergibt das nicht viel Sinn, aber wer weiß, was wer so denkt und meint.

      Neurodiversität heißt für mich, dass die Menschheit als Gesamtheit einen diversen Pool an neurologischen Typen hat, im Sinne von Mustern. Die meisten Menschen sind neurotypisch, im Sinne von: Ihre neuronale Entwicklung entspricht dem neurologischen Typus, der am häufigsten vertreten ist / ausgebildet wird. Hin und wieder kommt es zu Abweichungen in der neurologischen Entwicklung, neuro-a-typischen Entwicklungen. Hierunter fallen dann z. B. Autismus und ADHS (die ja nun auch als neurodevelopmental disorders klassifiziert werden), aber ich denke auch Borderline und vielleicht auch Schizophrenie sind Teil dessen. Neurotypische und Neuro-a-typische Gehirne sind Teil des neurologischen Spektrums. Es würde mich nicht wundern, wenn es einer Normalverteilung entspricht. Atypische Ausprägungen können dann am linken oder rechten Rand der Kurve liegen. Das ist für mich ein Konzept, dass sich durch Erkenntnisse aus dem Bereich Neurologie unterfüttern lässt.

      Das oben beschriebene hat für mich aber nichts mit einer ideologischen Sichtweise zu tun.

      Aber ich möchte hier niemandem diktieren, was er unter bestimmten Konzepten für sich persönlich versteht.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • FrankMatz wrote:

      Dr. L84 wrote:

      Im ND-Konzept ist das alles schon seit vielen Jahren endgültig beantwortet, da braucht keiner mehr zu forschen.
      So einfach ist das nicht. Das Neurodiversitätskonzept zu befürworten, heißt doch nicht zwangsläufig, Forschung auszuschließen.
      Gewissermaßen bedeutet es das schon. Keiner würde heute mehr im seriösen wissenschaftlichen Bereich nach Medikamenten gegen Homosexualität forschen.

      Wo Vielfalt anstelle von Krankheit trifft, braucht es nicht nur keine Behandlungsmöglichkeiten mehr, sondern werden sie sogar delegitimiert. Der teils sehr krasse Widerstand gegen Therapiekonzepte etc. kommt ja auch nicht von ganz ungefähr.

      Finde ich bei Autismus schon sehr schwierig, bei Inklusion von Schizophrenie, Parkinson etc. noch viel fragwürdiger. Heutzutage muss jeder gleich und gleichzeitig etwas besonderes sein, das bedeutet schon die eine oder andere Hürde in der Forschung.
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    • Kayt wrote:

      Stolz, so meine ich, kann man vielleicht auf etwas sein, das man geleistet hat. Nicht aber auf seine Gene.
      Die Menschen sind auch stolz auf eine hohe Intelligenz, und die haben sie sich auch nicht erarbeitet.
      (Ich verstehe aber grundsätzlich was du meinst, weil ich für den Pride-Kram auch nicht so zugänglich bin)
    • Dr. L84 wrote:

      Gewissermaßen bedeutet es das schon. Keiner würde heute mehr im seriösen wissenschaftlichen Bereich nach Medikamenten gegen Homosexualität forschen.
      Wo Vielfalt anstelle von Krankheit trifft, braucht es nicht nur keine Behandlungsmöglichkeiten mehr, sondern werden sie sogar delegitimiert.
      Damit ich dich richtig verstehe: Gegen Homosexualität brauchte es noch nie Behandlungsmöglichkeiten, und was früher unternommen wurde, um Homosexuelle "normal" zu machen, war wohl auch nicht gerade Gegenstand seriöser Forschung.
      "Wir leben vermutlich zum ersten Mal. Wie soll da alles auf Anhieb klappen?"
      (Jürg Halter, Gemeinsame Sprache. Zürich, Dörlemann 2021)
    • FrankMatz wrote:

      Damit ich dich richtig verstehe: Gegen Homosexualität brauchte es noch nie Behandlungsmöglichkeiten, und was früher unternommen wurde, um Homosexuelle "normal" zu machen, war wohl auch nicht gerade Gegenstand seriöser Forschung.
      Ja, da verstehen wir uns richtig. Heute gilt Homosexualität nicht mehr als Krankheit, sondern fällt unter Vielfalt. Behandlung ist damit nicht nur obsolet geworden, sondern auch ein gesellschaftliches Tabu.

      Wenn man Autismus ebenso entpathologisieren möchte, kann es da natürlich auch keine Forschung mehr in der Richtung geben, denn die Ergebnisse stehen bereits fest: es ist eine ganz normale Daseinsform unter Vielen. Derjenige, der in Umwelteinflüssen eine Erklärung für das immer häufiger auftretende Phänomen sucht, wird dann natürlich nicht frei forschen können.