Neuro-atypisch als alternativ-Diagnose

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    • Pechblende wrote:

      ps erinnert mich irgendwie an die Ersetzung von 'Depression' durch 'Burnout'
      Bei Depressionen begegnet einem ja oft letztlich doch der Vorwurf, dass man sich einfach nur ein bisschen mehr zusammenreißen müsste, also eigentlich die eigene Faulheit an allem schuld ist. Beim Burnout schwingt mit, dass man sich eher zu viel angestrengt hat oder die Anforderungen einfach zu hoch waren.

      Bei solchen rein kosmetischen Umbenennungen tritt letztlich aber ja immer die Euphemismus-Tretmühle inkraft. Wenn man an den zugundeliegenden Missständen nichts ändert oder keine stärkere Aufklärung über die Ursachen betreibt, nimmt der neue Begriff mit der Zeit einfach die Bedeutung vom alten an.

      Beim Autismus habe ich aber aktuell eigentlich eher das Gefühl, dass der Begriff immer mehr in die Umgangssprache vordringt und dann für ein einfach nur etwas schrulliges Verhalten verwendet wird. Mittlerweile sagen Leute ja auch oft, dass sie einen depressiven Tag hatten oder eine Situation schizophren ist. Dann bräuchte man "neuro-atypisch" letztlich gar nicht, weil "autistisch" von vielen ohnehin schon in diesem unscharfen Sinne verwendet wird.

      Insgesamt ist es aber grundsätzlich schwer, vom Gegenüber ein angemessenes Verhalten einzufordern. Man möchte zwar Rücksicht für die eigenen Defizite, will aber auch nicht immer wie ein rohes Ei behandelt werden. Wahrscheinlich kann ein einzelner Begriff das einfach nie bewirken. Man muss da schon etwas mehr in die Tiefe gehen und dann ist die genaue Wortwahl auch nicht mehr so wichtig.
    • Sehr spannende Diskussion!

      Fidoline wrote:


      Dr. L84 wrote:

      Ich denke mir halt, wenn ich mit neuro-atypisch anfange, muss ich richtig viel erklären. Wenn ich dann dabei auch nicht genauer werden möchte (habe ich vielleicht Parkinson?), lautet die Botschaft bloß "ich bin nicht normal". Ich weiß nicht, warum das mitgeteilt werden soll und was das nutzen soll.
      In welche Situation muss man denn sagen, dass man nicht normal ist? Entweder man ist so weit im Spektrum, dass es eh offensichtlich ist oder es fällt nicht so extrem auf. Bei engeren Kontakten erzähle ich von der Diagnose, aber anderen muss ich doch nichts sagen.Ich gehe doch nicht irgendwo hin und sage "Hi, ich bin nicht normal". Davon abgesehen, dass "normal" immer so definiert wird, dass es die Mehrheit betrifft. Ich finde allerdings, dass die Mehrheit sich in vielen Dingen nicht normal verhält.
      Es sind vielleicht nicht gerade die Worte, mit denen ich mich vorstelle, aber inzwischen versuche ich ziemlich früh daraufhinzuweisen, dass ich "nicht normal" bin. Ich mag auf den ersten Blick nicht auffallen, in den letzten Jahren hatte ich aber etliche sehr unschöne Erlebnisse. Da war ich mit einer Situation völlig überfordert und sollte trotzdem noch detailliert erklären, warum das so war. Versuche ich nun dadurch zu verhindern, dass ich eben vorher drauf hinweise.

      Leider konnten die Menschen vielfach mit "Autist" oder "Asperger-Syndrom" oder gar neuro-divers nichts anfangen bzw. stellen sich jemand mit Frühkindlichen Autismus nach Lehrbuch vor. Dann kommen so tolle Aussagen wie: "Sie konnten mich doch gerade anschauen, also haben Sie das nicht." Dann wird über den Begriff oder die Diagnose diskutiert und nicht über die eigentliche Sache, um die es gehen sollte.

      Ich fände es klasse einen (neutralen) Begriff für den Alltag zu haben, der rüberbringt, dass ich anders als die Mehrheit der Menschen um mich herum bin, ohne falsche Vorstellungen zu wecken. "Autist" ist das momentan noch nicht, vielleicht wird er es jetzt mit der Zusammenführung der verschiedenen Autismus-Arten.

      Als Diagnose braucht es ein "neuro-atypisch" wohl nicht, da schließe ich mich den anderen an.
    • Schwarze Katze wrote:

      Es sind vielleicht nicht gerade die Worte, mit denen ich mich vorstelle, aber inzwischen versuche ich ziemlich früh daraufhinzuweisen, dass ich "nicht normal" bin. Ich mag auf den ersten Blick nicht auffallen, in den letzten Jahren hatte ich aber etliche sehr unschöne Erlebnisse. Da war ich mit einer Situation völlig überfordert und sollte trotzdem noch detailliert erklären, warum das so war. Versuche ich nun dadurch zu verhindern, dass ich eben vorher drauf hinweise.
      Was für Situationen waren das denn bzw. mit welchen Personen?
      Leider wurde das bisher ja in dem Thread nicht beantwortet, um welche konkreten Situationen es geht. Bei mir ist es halt entweder so, dass ich gar nichts vom ASS erzähle oder den engeren Kontakten die Wahrheit.
    • Fidoline wrote:

      Schwarze Katze wrote:

      Es sind vielleicht nicht gerade die Worte, mit denen ich mich vorstelle, aber inzwischen versuche ich ziemlich früh daraufhinzuweisen, dass ich "nicht normal" bin. Ich mag auf den ersten Blick nicht auffallen, in den letzten Jahren hatte ich aber etliche sehr unschöne Erlebnisse. Da war ich mit einer Situation völlig überfordert und sollte trotzdem noch detailliert erklären, warum das so war. Versuche ich nun dadurch zu verhindern, dass ich eben vorher drauf hinweise.
      Was für Situationen waren das denn bzw. mit welchen Personen?Leider wurde das bisher ja in dem Thread nicht beantwortet, um welche konkreten Situationen es geht. Bei mir ist es halt entweder so, dass ich gar nichts vom ASS erzähle oder den engeren Kontakten die Wahrheit.
      Ich weiß nicht, ob die Beispiele da so erhellend sind. Gemeinsam ist ihnen, dass da immer ein Mensch ist, der absolut nicht kapiert oder kapieren will. Wenn ich etwas nicht kann oder mir etwas Schmerzen oder Stress bereitet, dann ist das so. Ich möchte, dass das respektiert wird und dann nicht nach Hintergründen und Ausnahmen gesucht wird.

      Beispiel:
      Ich hab ein Problem mit Telefonieren. Alleine der Gedanke verursacht Stress. Es braucht extreme Überwindung und anschließend ist der Tag für mich dann meist gelaufen. Funktioniert also nur, wenn ich anrufe. Erschwerend kommt hinzu, dass ich Probleme habe meinen Gesprächspartner zu verstehen, wenn es nicht absolut ruhig ist. Am schlimmsten lenkt mich dabei Sprache ab. Säße ich z.B. in einem Cafe und versuchte zu telefonieren, könnte ich die Gespräche um mich herum nicht ausblenden, ich würde scheibchenweise von jedem Sprecher um mich und am Telefon was mitbekommen, müsste das aber dann richtig zuordnen und die Lücken selbst ausfüllen. Es erinnert mich an ein Radio, bei dem jemand ständig von einem Sender zum nächsten wechselt.
      Leider muss man in Deutschland ständig überall anrufen oder Anrufe annehmen. Ich muss den Kampf also mit Behörden, Arztpraxismitarbeitern, meinem Vermieter, Bekannten und potentiellen Arbeitgebern regelmäßig ausfechten.
      Und selbst, wenn ich das so detailliert wie oben erkläre, kommt es oft nicht an. Von einer neuen Bekannten habe ich vor einer Woche Abstand genommen, weil sie drauf bestand mich anzurufen. Ich hatte ihr meine Telefonnummer mit der Bedingung gegeben, dass sie es nicht tut, und sie nach den ersten beiden Malen auch noch mal dran erinnert. Es gab ein drittes. Weil es doch so einfach und praktisch ist.
      Für mich wäre es einfach und praktisch, wenn ich so ein Thema mit "Das ist einer der Punkte, wo ich eben unnormal bin." erledigt wäre.

      Weitere Beispiele:
      - direktes Gespräch führen, während in der Umgebung noch andere Leute sprechen oder es sehr laut ist.
      - meine Dinge an der Arbeit so lassen, wie ich sie hingelegt habe.
      - sich nicht an mich (von hinten) anschleichen. Meistens bekomme ich dank Hypervigilität mit, was hinter mir los ist, aber wenn ich tatsächlich mal voll fokussiert bin, erschreckt mich das. In Kombination mit Maschinen, an denen man sich verletzen kann, sehr ungut.
      - Wenn ich frage, wie etwas gemacht werden soll, brauche ich eine konkrete Antwort. Wobei "Egal." auch funktioniert, wenn es tatsächlich egal ist. Muss ich halt bloß wissen. Mir fallen meist mehrere Möglichkeiten ein und ich kann einfach so schlecht hellsehen, was davon jetzt gewünscht ist. :irony: "Passende Farbe" ist halt etwas anderes als "Farbe X wird immer in diesem Fall genommen".

      Das sind alles Sachen, da muss mein Gegenüber nicht wissen, warum es so ist oder warum mich das jetzt ganz konkret überfordert. Manchmal kann ich das auch nicht vorhersehen und vorher drauf hinweisen.
    • Das mit dem Telefonieren habe ich auch, aber ich verstehe trotzdem den Zusammenhang nicht mit dem Erzählen einer Diagnose. Außerdem gibt es mittlerweile immer mehr Möglichkeiten, Mails zu schreiben. Ich habe bei allen Ärzten, die ich in letzter Zeit besucht habe, den Termin per Mail ausgemacht bzw. über das Online.Buchungssytem.

      Schwarze Katze wrote:

      Das ist einer der Punkte, wo ich eben unnormal bin." erledigt wäre.
      Das kannst du doch sagen. Ich persönlich finde ASS besser als "unnormal". Aber wenn du lieber unnormal bist, sage es doch so. Es wird wahrscheinlich am Verhalten der Bekannten nichts ändern. Ich denke sogar, dass man am ehesten durch eine richtige Diagnose Rücksicht erfährt. Wenn die Leute sich dann nicht selbst darüber informieren, kann man ihnen ein Buch in die Hand drücken.

      Außerdem musst du ja auch nicht dran gehen, wenn dich jemand einfach anruft. Bei meinem ehemaligen besten Freund habe ich nie abgenommen, da er immer so lange gequatscht hat. Ich habe mit ihm telefoniert, wenn es mir passte und ihn dann angerufen. Er hat es über die Jahre immer wieder versucht. Aber ich habe es einfach ignoriert. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, war das auch wieder ein Punkt, wo er meine Bedürnisse nicht respektiert hat. Aber gut, das ist natürlich ein anderes Thema.
    • Fidoline wrote:

      Das mit dem Telefonieren habe ich auch, aber ich verstehe trotzdem den Zusammenhang nicht mit dem Erzählen einer Diagnose. Außerdem gibt es mittlerweile immer mehr Möglichkeiten, Mails zu schreiben. Ich habe bei allen Ärzten, die ich in letzter Zeit besucht habe, den Termin per Mail ausgemacht bzw. über das Online.Buchungssytem.

      Schwarze Katze wrote:

      Das ist einer der Punkte, wo ich eben unnormal bin." erledigt wäre.
      Das kannst du doch sagen. Ich persönlich finde ASS besser als "unnormal". Aber wenn du lieber unnormal bist, sage es doch so. Es wird wahrscheinlich am Verhalten der Bekannten nichts ändern. Ich denke sogar, dass man am ehesten durch eine richtige Diagnose Rücksicht erfährt. Wenn die Leute sich dann nicht selbst darüber informieren, kann man ihnen ein Buch in die Hand drücken.
      Außerdem musst du ja auch nicht dran gehen, wenn dich jemand einfach anruft. Bei meinem ehemaligen besten Freund habe ich nie abgenommen, da er immer so lange gequatscht hat. Ich habe mit ihm telefoniert, wenn es mir passte und ihn dann angerufen. Er hat es über die Jahre immer wieder versucht. Aber ich habe es einfach ignoriert. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, war das auch wieder ein Punkt, wo er meine Bedürnisse nicht respektiert hat. Aber gut, das ist natürlich ein anderes Thema.
      Nur geht's nicht um die Wortwahl, mir geht's um die Akzeptanz. Und die ist halt nicht da.

    • Schwarze Katze wrote:

      Nur geht's nicht um die Wortwahl, mir geht's um die Akzeptanz. Und die ist halt nicht da.
      Eben. Wer grundlegende Bedürfnisse seiner Mitmenschen nicht anerkennen will, dem ist es egal unter welchem Dachbegriff man sich zu erklären versucht.

      Wenn du sagst, dass du A und B brauchst und Probleme mit C und D hast und es das Gegenüber aber nicht akzeptiert, dann ist es irrelevant, wie man das Phänomen nennt. Im Alltag ist vermutlich sogar am nützlichsten konkrete Einschränkungen/Abneigungen oder Hypo-/Hypersensitivitäten situationsbezogen zu nennen., wie mit dem Telefonieren.

      Kontakt mit mir gegenüber verständnislosen Leuten, versuche ich auf minimal zu halten.

      Ich merke von mir, dass ich schnell in eine Rechtfertigungsposition rutschte (RW), dabei muß ich mich vor den meisten Menschen gar nicht rechtfertigen.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Kayt wrote:

      dann ist es irrelevant, wie man das Phänomen nennt
      Ich denke, eine richtige Diagnose wiegt schon etwas schwerer und macht mehr Eindruck, als persönliche Beschreibungen von einzelnen Schwierigkeiten. Von daher ist es aus meiner Sicht nicht egal, wie man es nennt. Eine Person muss schon besonders ignorant sein, wenn sie auf eine gestellte Diagnose keine Rücksicht nimmt, selbst nachdem man ihr ggf. erklärt hat, was diese Diagnose bedeutet und welche Schwierigkeiten sie regelhaft mit sich bringt.
      Die Diagnose ist eine schlüssige Begründung für die Schwierigkeiten, während wenn man die Schwierigkeiten alleine nennt, ohne eine Begründung zu liefern, dann suchen die Leute Begründungen, und die können dann auch in Richtung Faulheit, Unwille, Schüchternheit, Phobie oder etwas anderes unzutreffendes gehen.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Shenya wrote:

      Ich denke, eine richtige Diagnose wiegt schon etwas schwerer und macht mehr Eindruck, als persönliche Beschreibungen von einzelnen Schwierigkeiten. Von daher ist es aus meiner Sicht nicht egal, wie man es nennt.
      Okay, ich habe mich nicht genau genug ausgedrückt. Es gibt viele Kontexte, in denen es mit Sicherheit nicht egal ist, vor allem wenn es um rechtliche Aspekte wie Behindertenrecht o. ä. geht.

      Worauf ich hinaus wollte (RW) ist, dass meiner Ansicht nach die Haltung eines Menschen, der (abweichende) Bedürfnisse anderer Personen nicht akzeptiert, das Problem ist und nicht der Begriff.

      Shenya wrote:

      Eine Person muss schon besonders ignorant sein, wenn sie auf eine gestellte Diagnose keine Rücksicht nimmt, selbst nachdem man ihr ggf. erklärt hat, was diese Diagnose bedeutet und welche Schwierigkeiten sie regelhaft mit sich bringt.
      Das sehe ich auch so. Aber ich finde, dass eine Person grundsätzlich ignorant/grenzverletzend ist, wenn sie persönliche Bedürfnisse nicht akzeptiert, unabhängig von einer/welcher Diagnose. Das sind meistens Leute, die meinen die Deutungshoheit über das Empfinden anderer zu haben.

      Shenya wrote:

      Die Diagnose ist eine schlüssige Begründung für die Schwierigkeiten, während wenn man die Schwierigkeiten alleine nennt, ohne eine Begründung zu liefern, dann suchen die Leute Begründungen, und die können dann auch in Richtung Faulheit, Unwille, Schüchternheit, Phobie oder etwas anderes unzutreffendes gehen.
      Allerdings ist eine Diagnose ja keine Bedingung um begründete Schwierigkeiten zu haben. Wenn jemand z. B. sagt, dass es ihm schwerfällt, zu telefonieren, weil er a) Probleme hat zu erkennen, wann er mit dem Sprechen dran ist und b) Schwierigkeiten mit spontanen Gesprächen hat und der Interaktionspartner das aber nicht anerkennt, dann ist fraglich, ob der Interaktionspartner überhaupt an respektvoller Interaktion interessiert ist.

      Theoretisch wären wohl die meisten Menschen in der Lage, bei dem Betroffenen genauer nachzufragen, wenn etwas unschlüssig für sie erscheint oder sie etwas nicht richtig verstanden haben. Wer aber natürlich lieber die eigenen confirmation biases (Faulheit, Unwille etc.) füttert (RW), ist überhaupt selten offen für das, was wirklich im Gegenüber vor sich geht. Da hilft es wohl nur, solche Personen möglichst weit entfernt von seinem Privatleben zu halten.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Eine Diagnose kann zwar mehr Akzeptanz bringen, eine schwammige Diagnose wie neuro-atypisch oder unnormal aber wohl kaum. Allerdings ist eine Diagnose ja auch kein Freibrief. Ich muss mich auch als Autist - im Rahmen meiner Möglichkeiten - anstrengen, wenn ich iin Kommunikation mit anderen trete.
    • Schwarze Katze wrote:

      Leider muss man in Deutschland ständig überall anrufen oder Anrufe annehmen. Ich muss den Kampf also mit Behörden, Arztpraxismitarbeitern, meinem Vermieter, Bekannten und potentiellen Arbeitgebern regelmäßig ausfechten.
      Ja okay, aber inwiefern wäre Dir dann geholfen zu sagen, dass Du unnormal bist? Dem Vermieter würde ich soetwas sicher nicht sagen. Allerdings hat der in meinem Falle auch selber keine Lust auf Anrufe, sondern nimmt Meldungen bevorzugt online auf. D.h. man wird in der endlosen Telefon-Warteschleife darauf hingewiesen, dass online alles viel einfacher ist.

      Meinst Du, dass eine Behörde Dir eine Sondermöglichkeit einrichtet wenn Du sagst, dass Du unnormal bist? Aber auch da mache ich die Erfahrung, dass immer mehr online gemacht wird. Ist ja für alle Seiten bequemer, nur dauert's bis es überall umgesetzt wird. Ich glaube, das ginge nicht schneller wenn ich sagen würde, dass ich eine Sonderbehandlung brauche.

      Ob man bei einem potentiellen Arbeitgeber damit punkten kann, weiß ich auch nicht. Kommt aber natürlich auch auf die Arbeit an, wenn etwas sofort geklärt werden muss ("Mitarbeiter X fällt heute krankheitsbedingt aus, können Sie einspringen?") ist eine Mail halt nicht praktikabel.

      Ist das tatsächlich geschehen, dass Du jemandem gesagt hast, dass Du schreckhaft bist und er darauf bitte Rücksicht nehmen soll wenn Du an Maschinen arbeitest, an denen Du Dich verletzen kannst und er das nicht akzeptiert hat?
    • Fidoline wrote:

      Eine Diagnose kann zwar mehr Akzeptanz bringen, eine schwammige Diagnose wie neuro-atypisch oder unnormal aber wohl kaum. Allerdings ist eine Diagnose ja auch kein Freibrief. Ich muss mich auch als Autist - im Rahmen meiner Möglichkeiten - anstrengen, wenn ich iin Kommunikation mit anderen trete.
      Das sehe ich wie Du. Ich kann zwar verstehen, wenn gewissen Kommunikationswege Schwierigkeiten bereiten, aber man muss das auch immer aus beiden Perspektiven betrachten. Vielleicht fällt der anderen Person ja grad jeder andere Weg als das direkte Telefonat schwer oder ist für diese Person organisatorisch nicht gut umsetzbar.

      Da muss man - im Rahmen seiner Möglichkeiten - kompromissfähig sein oder gegebenenfalls alternative Strategien nutzen, um seine Anliegen vorzubringen. Ich kann z.B. viele Dinge, die mich betreffen, im persönlichen Gespräch auch nicht spontan ausdrücken. Daher reiche ich sie je nach Situation entweder vorher schriftlich ein (Behörde) oder bringe sie mir schriftlich mit (Arzttermine) oder habe sie als Schriftstück vor mir liegen, wenn ich diese Informationen telefonisch durchgeben muss. Ob das auf mein Gegenüber statisch und hölzern wirkt, ist mir dabei übrigens völlig egal. Ich sehe das als den Kompromiss zwischen dem Bedarf die Information zu übermitteln, dem Bedarf des Gegenübers, diese Information in verständlicher Form zu erhalten und meinen Einschränkungen bei der mündlichen Informationsweitergabe.
      Diagnose ADHS: 1996 ; Diagnose ASS/HFA: 02/2020