Wunden eines Asperger-Autisten

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    • Pechblende wrote:

      andererseits gibts auch so einige (Ehe-)Paare, die sexlos sind, weil es sich im Lauf der Jahre eingeschlichen hat
      Ja, das stimmt schon. Ich denke aber, dass trotzdem der Großteil regelmäßig oder relativ regelmäßig Sex hat. Ich kann Daniels Frust schon verstehen und das es ihn voll belastet, wenn er den starken Wunsch nach einer Beziehung und körperlichen Nähe verspürt, es aber nicht hinhaut. Ich denke auch, dass man das nicht wirklich beurteilen kann, wenn man nicht selbst in der Situation steckt.
      Trotzdem würde ich empfehlen, mit dem Sexualtherapeuten erst mal zu versuchen, das Problem ohne chemische Kastration zu lösen.
    • Daniel1 wrote:

      Hey, brauchte eure Meinung.

      Gestern war ich das zweite mal beim Sexuslpädagogen
      wegen meiner andauernden Beziehungs/Sexlosigkeit, bzw, dass ich legal, Medis für chemische Kastration bekomme, da mich mein Sexualtrieb belastet. Obwohl er von meinen Asperger Diagnosen weiss, hat er mir schon beim ersten Gespräch angeboten, die Ursache, für meine
      Scham/Angst bei Frauen, Beziehungslosigkeit, Sexlosigkeit etc , zu ergründen.

      Er nennt es, ergruendung des Labyrinths meines Lebens, so dass alles, was negative Glaubenssätze in mir erzeugt haben könnte, auf allen Gebieten besprochen und notiert wird um die Ursache meiner Beziehungs/Sexprobleme zu finden.

      Da ich schon immer zwischenmenschlich mich sehr schwer tat und als Kleinkind schon gemobbt wurde, als ich damals nicht im Kindergarten der Ortschaft ging, sondert in Kindergarten für Menschen mit geistigen Themen in der nächsten Stadt und die zwischenmenschlicje Probleme mit dem Alter nicht weniger wurden, habe ich Angst, dass ich 'meine Büchse der Pandora' öffne, wenn ich alles negative, was sich in mir eingegraben habe, artikuliere und ausspreche.

      Gestern war im Gespräch mein Soannungslevel so gross, dass er es für nötig fand, mit mir 'ein Notfallkoffer' zu besprechen, welches ich bei zu starken Anspannungszustaende habe.
      Finde ihn herzlich und kompetent.

      Habe heute starke Spannungskopfschmerzen, Augen tun wie der Kopf, Gesicht,Nacken sind stark verspannt und ich würde heute am liebsten heulen, schreien und alles Zusammenschlagen und weiss nicht, ob es von 'öffnen der Büchse der Pandora' stammt oder was anderes ist, da ich oft emotional überfordert, angespannt bin, was körperlich meistens schmerzt. Was ich erwähnen muss, dass er meines Wissens auch traumatechnisch geschult ist.

      Habe Respekt davor, dass ich vieles negative 'Ausgrabe' und nicht mehr verdrängen kann, wenn ich alleine bin

      Was meint ihr?
      Herzlichen Dank.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:
      Prinzipiell halte ich den vorgeschlagenen Weg für richtig, im Gegensatz zur "chemischen Kastration"

      Ich habe allerdings auch selber feststellen müssen, dass es sein kann, dass tatsächlich dabei Sachen hochkommen können, die die Schwelle der Verkraftbarkeit überschritten. Mein persönlicher Eindruck ist, dass diese Erinnerung GANZ BEWUSST vom Gehirn geblockt wurde. Es ist nun fast 4 Jahre her, dass diese Erinnerung hochgekommen ist, und ich habe in dieser Zeit die härteste Krise meines Lebens erlebt, mit etwas, das ich als "Kollabieren des Gehirns" umschreiben möchte. Da funktionierten nur noch die Basisfunktionen, ich musste die Notbremse ziehen und den Versuch, meinen Wunsch zu verwirklichen, zunächst aufgeben. Ging nicht anders.

      Später gelang es mir, die Erinnerung sachlich zu analysieren. In der Zwischenzeit hatte die AS-Diagnostik ein negatives Ergebnis geliefert, bei AQ und EQ waren die Werte über bzw. knapp unter Cut-Off, die Elternbefragung ergab jedoch keine speziellen Auffälligkeiten in der frühen Kindheit. Und ich selbst stellte dann 3 verschiedene Verknüpfungen hinsichtlich dieser konkreten Erinnerung fest, die für mich zu der logischen Schlussfolgerung führen: Erst kam im Alter von ca. 5 Jahren ein tiefgreifend traumatisches Ereignis, die Entwicklungsstörung ist nicht Traumaursache, sondern deren Folge.

      Schlussfolgerungen daraus wiederum:

      - Wenn meine (zweifellos vorhandene) tiefgreifende Entwicklungsstörung eben nicht schicksalhaft von Geburt an vorhanden war, sondern Folge menschlichen Versagens ist, dann bedeutet das auch, dass mein Leben anders hätte verlaufen können. Auch damit halbwegs klarzukommen, ist ein verdammt steiniger Weg.

      - Aus einem nicht gelösten Problem entstehen zwangsläufig weitere Probleme. Auch da habe ich bei mir so eine "Problemekette" erkennen können.

      Und dann sind da natürlich noch die "kleinen" Probleme am Wegesrand:

      - Auf den Diagnostikbereicht habe ich 18 Monate gewartet, und durfte dann feststellen, dass die Traumathematik (über die eine ganze Stunde lang gesprochen wurde) dort praktisch nicht vorkommt.

      - Als ich soweit war, allmählich Zusammenhänge zu erkennen und die Traumaerinnerung zu analysieren, war das Maximalkontingent an Psychotherapiestunden fast komplett aufgebraucht, Verlängerung nicht machbar. Ist halt scheiße, wenn schon fast 50 Stunden um sind, bevor der Druck auf das Unterbewusstsein zu groß wird...

      - Und mein Psychiater glaubt nicht daran, dass es sein kann, dass erst das Trauma und als dessen Folge dann die Entwicklungsstörung.


      Also muss ich den Kampf wohl alleine weiter führen. Toll! :irony:


      Das Thema Glaubenssätze will ich nach diesen vier Jahren "Bürgerkrieg im Kopf" dennoch wieder angehen. Bald. Demnächst. Oder Irgendwann...


      Denn ich halte das in der Tat für eine Auseinandersetzung mit sehr wichtigen Punkten.


      Aber das kann eben auch bedeuten, dass mehr zum Vorschein kommt, als einem lieb sein kann. Oder, wie bei mir, etwas noch tiefer gehendes...
      Nobody expects the spanish inquisition!
    • Fidoline wrote:

      Ich kann Daniels Frust schon verstehen und das es ihn voll belastet, wenn er den starken Wunsch nach einer Beziehung und körperlichen Nähe verspürt, es aber nicht hinhaut. Ich denke auch, dass man das nicht wirklich beurteilen kann, wenn man nicht selbst in der Situation steckt.Trotzdem würde ich empfehlen, mit dem Sexualtherapeuten erst mal zu versuchen, das Problem ohne chemische Kastration zu lösen.
      da stimme ich zu, ich wollte das auch überhaupt nicht bagatellisieren (rw). ungewollte Sexlosigkeit, egal ob in einer Partnerschaft oder mangels Partnerschaft bzw sonstiger Beziehungsform hat sicher das Potential für hohen Leidensdruck. es ist mir auch aus persönlicher Erfahrung bekannt und ich lebe zur Zeit auch mal wieder in einer solchen Phase; wobei es wenigstens etwas in den Hintergrund gedrängt ist durch den allgemeinen Lebensburnout bzw Depression und weil ich ziemlich orientierungslos bin, welche Nähe und oder Beziehungsform ich brauche und will und kann.
    • thelord wrote:

      - Als ich soweit war, allmählich Zusammenhänge zu erkennen und die Traumaerinnerung zu analysieren, war das Maximalkontingent an Psychotherapiestunden fast komplett aufgebraucht, Verlängerung nicht machbar. Ist halt scheiße, wenn schon fast 50 Stunden um sind, bevor der Druck auf das Unterbewusstsein zu groß wird...
      Ich hatte mit meiner Psychotherapeutin ein ähnliches Szenario. Hatte zuerst eine Therapie bewilligt bekommen, die Stunden gingen rum, es wurde neu beantragt, meine Therapeutin hat hier auch Trauma als Grund angegeben, aber die Krankenkasse wollte das nicht genehmigen, also habe ich nur einfache Sprechstunden mit ihr gehabt, einmal im Monat.
      Und das über viele Jahre seit 2015 bis heute.
      Vielleicht ist sowas bei dir auch möglich, mir hat es sehr geholfen, sie meinte auch das gerade dadurch das ich Asperger habe, hätte ich eh ein Anrecht auf psychologische Begleitung.
    • RegenbogenWusli wrote:

      thelord wrote:

      - Als ich soweit war, allmählich Zusammenhänge zu erkennen und die Traumaerinnerung zu analysieren, war das Maximalkontingent an Psychotherapiestunden fast komplett aufgebraucht, Verlängerung nicht machbar. Ist halt scheiße, wenn schon fast 50 Stunden um sind, bevor der Druck auf das Unterbewusstsein zu groß wird...
      Ich hatte mit meiner Psychotherapeutin ein ähnliches Szenario. Hatte zuerst eine Therapie bewilligt bekommen, die Stunden gingen rum, es wurde neu beantragt, meine Therapeutin hat hier auch Trauma als Grund angegeben, aber die Krankenkasse wollte das nicht genehmigen, also habe ich nur einfache Sprechstunden mit ihr gehabt, einmal im Monat.Und das über viele Jahre seit 2015 bis heute.
      Vielleicht ist sowas bei dir auch möglich, mir hat es sehr geholfen, sie meinte auch das gerade dadurch das ich Asperger habe, hätte ich eh ein Anrecht auf psychologische Begleitung.
      Wir hatten zwar noch einmal einen Antrag gestellt, den die Krankenkasse abgelehnt hat, aber die Therapeutin stand selbst nicht völlig dahinter. Eigentlich wollte sie auch nicht mehr.

      Ich habe gegen Ende des bewilligten Kontingents ja durchaus sehr unschöne Zusammenhänge erkannt, allerdings sicherlich noch nicht verarbeitet.

      Und erstmal muss ich nun meine Energie damit vergeuden, für die GdB-Einstufung das ganze Drama mal schriftlich zusammenzufassen.
      Nobody expects the spanish inquisition!
    • thelord wrote:

      aber die Therapeutin stand selbst nicht völlig dahinter. Eigentlich wollte sie auch nicht mehr.

      Ich habe gegen Ende des bewilligten Kontingents ja durchaus sehr unschöne Zusammenhänge erkannt, allerdings sicherlich noch nicht verarbeitet.

      Und erstmal muss ich nun meine Energie damit vergeuden, für die GdB-Einstufung das ganze Drama mal schriftlich zusammenzufassen.
      Vermutlich wäre ein neuer Therapeut dann besser.
      Ich hatte das Glück das es bei meiner Therapeutin gepasst hat. Sie war zwar im ersten Moment skeptisch was den Autismus anging aber nachdem das genauer gecheckt wurde, hatte sie da keine probleme mit das anzuerkennen und hat bei der Sache mit dem GdB auch geholfen, ich komme mit ihr sehr gut zurecht.
      Im Grunde hilft es ja auch einfach nur eine Fachperson zum reden zu haben um über diese erlebten Dinge zu diskutieren, was anderes habe ich mit dieser Therapeutin am ende ja auch nicht gemacht, aber ich kann auch sagen das es geholfen hat. Vorallem auch weil man da mit jemandem reden kann der professionell ist und nicht irgendwo jemand privates der von Psychhologie etc keine Ahnung hat.
    • Ich glaube, wenn du die Therapieform wechselst, also Verhaltenstherapie zu Tiefenpsychologische Therapie, dann gibt es auch wieder neue Stunden. Und einige Therapeuten wenden eh einen Mix aus den verschiedenen Therapien an, abrechnen dürfen sie aber nur eine.
      Das mit dem Vertrauen ist allerdings durchaus ein Problem. Ich selber kann erst jetzt ca. 1.5 Jahren so langsam richtig vertrauen.