S3 Leitlinie zur Therapie von ASS neu

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    • @Watzlawick bei der Beschreibung scheint vermutlich meine negative Meinung durch aber für mich bedeutet Humanismus dass das höchste moralische Gut an dem sich orientiert wird ein abstraktes Ideal des "Menschen an sich" ist welches sich hauptsächlich aus der Idee Vernunft ergibt, Vernunft schon fast synonym zu Menschlichkeit verwendet wird. Die Idee Mensch steht meiner Ansicht nach bei Humanisten über dem Wohlergehen tatsächlicher existenter Menschen (und anderer Lebewesen). Das würde natürlich niemand so direkt sagen, für sie ist Vernunft die Essenz aller Menschen und im Sinne der Idee Vernunft zu handeln ist deshalb für sie gleichbedeutend zu im Sinne aller tatsächlich existenten Menschen zu handeln. Aus meiner Sicht ist das hochgradig essentialistisch und benachteiligt jeden der nicht der Mehrheit zufolge intuitiv in die Kategorie vernünftig fällt wobei Vernunft eben kein objektiver Begriff ist sondern durch den "Common Sense" Anteil stark von der jeweiligen Kultur geprägt. Zudem wird die Bedeutung von Vernunft für Persönlichkeit generell überbewertet weil der Menschlichkeitsbegriff vor allem im vermeintlichen Gegensatz zum Tierreich definiert wurde. Humanismus schafft meiner Meinung nach keine Toleranz sondern rationalisiert lediglich Intoleranz und ist trotz der guten Absicht im Grunde auch wieder nur ein Instrument den sittlichen Ansichten derjenigen die sowieso schon über Normen bestimmen eine höhere Legitimation und damit ein zusätzliches Machtinstrument zu geben. Für mich ist wirkliche Toleranz nicht mit einem starken Essentialismus vereinbar und das gilt eben auch für eine zu starke Idee was den "Menschen an sich" ausmacht.
    • Lou wrote:

      Halte den Atem an, wenn ich mich motorisch auf die Aufgaben konzentriere..
      Interessant. Ich schiebe ne Krise, wenn ich bewusst und zu spürbar (weil es immer ein wenig spürbar ist) atme. Mittlerweile habe ich für mich für sportliche Aktivitäten einen Weg gefunden damit umzugehen, aber bei Meditationsversuchen kriege ich richtig Panik, weil man da nicht nur bewusst atmet sondern sich auch noch total darauf konzentriert. Meinen Atem anhalten hat etwa die gleiche Auswirkung.
    • @Sisyphus Ich definiere Humanismus für mich anders. Ich kann deine Sichtweise gut verstehen, wenn man den humanistischen Ansatz so wie in unserer Kultur vorgegeben begreift. Ich bin der festen Überzeugung das man sich die humanistische Sicht auf die Menschen erarbeiten muss. Mein Humanismus entstammt meiner permanenten Selbstreflexion. Hat nichts mit meditieren zu tun. Wenn ich die menschliche Existenz auf das essenzielle reduziere, bleibt nicht viel außer einer humanistischen Sicht. Das die meisten Menschen unreflektiert sind und nur vorgekauten Mist (RW) sich als ihre Weltsicht zu eigen machen ist zwar traurig, aber wer bin ich der darüber zu urteilen hat. Im Alltag halten die meisten Menschen mich übrigens für ziemlich unhöflich (moderat ausgedrückt).
      Das Leben ist zu komplex um eine festgelegte Meinung zu haben.
    • Ich habe leider momentan nicht die Zeit alle über 500 Seiten !!! zu lesen. Dennoch finde ich den Grundton nach dem Überfliegen zum Teil sehr pathologisierend und es passt so gar nicht zu den Ansichten von manchen, die daran beteiligt sind.
      Ich habe das Gefühl, dass es einen Rückschritt zu der Situation der Anfang 2000-er Jahre ist, als man noch die Ansicht hatte, die Autisten müssten alles nur lernen, um nicht aufzufallen. Es steht dort natürlich anders formuliert, aber von der inklusiven Aufbruchstimmung und der Empowerment-Bewegung aus dem Jahren 2009/2010 scheint man weit entfernt zu sein.
    • Marty123 wrote:

      Ich habe das Gefühl, dass es einen Rückschritt zu der Situation der Anfang 2000-er Jahre ist, als man noch die Ansicht hatte, die Autisten müssten alles nur lernen, um nicht aufzufallen. Es steht dort natürlich anders formuliert, aber von der inklusiven Aufbruchstimmung und der Empowerment-Bewegung aus dem Jahren 2009/2010 scheint man weit entfernt zu sein.
      Ich bezweifle, dass die Fachwelt jemals Autismus als Lifestyle angesehen hat.
      Im Vergleich mit irgendwelchen "Autisten" aus den Sozialen Medien mag das natürlich wie ein Rückschritt aussehen. Diese sind aber kein Maßstab.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Das als "Lifestyle" anzusehen finde ich auch albern, folge aber auch keinen YouTubern zum Thema Autismus, verkaufen das viele so? Was ich hingegen wichtig finde ist auch von fachlicher Seite aus Präferenzen zu tolerieren die nicht der Mehrheit entsprechen solange sie niemandem schaden.

      Mein jetziger Psychiater macht mir da keine Probleme und ist sehr verständnisvoll, ich möchte das also nicht generell auf bestimmte Berufsstände schieben aber ich hatte auch schon Therapeuten die scheinbar vehement überzeugt waren dass man nur glücklich sein kann wenn man jede Woche in nen Sportverein und am Wochenende in die Disco geht. Ich möchte schlicht dass man Therapie als Dienstleistung auf Augenhöhe ansieht und sich grundsätzlich von dem Konzept Compliance verabschiedet. Einige sind da schon ziemlich progressiv aber mein Psychiater meinte auch bis ein solches Patientenverständnis mal bei allen ankommt die in dem Feld arbeiten wird es vermutlich noch Jahrzehnte dauern und ich finde es nicht ausreichend dass man wenn man eine respektvolle Behandlung will aufs Glück angewiesen ist.

      Wie gesagt ich weiß nicht wie Leute das heute so in sozialen Medien umsetzen, da ich niemanden folge der darüber mehr gesprochen hätte als mal nebenbei zu erwähnen dass er Asperger hat aber ich finde das Thema nur aus einer pathologisierenden Fachperspektive zu sehen einfach ein unvollständiges Bild vermittelt und es gar nicht schlecht ist das Thema auch aus einer "ungebildeten" subjektiven Perspektive Betroffener zu beleuchten und unter anderem darauf aufbauend auch aus einer eher sozialen/gesellschaftlichen Perspektive.
    • Sisyphus wrote:


      Ich möchte schlicht dass man Therapie als Dienstleistung auf Augenhöhe ansieht und sich grundsätzlich von dem Konzept Compliance verabschiedet.
      als 'Therapeut*in' hat man ein teilweise einschlägiges Hochschulstudium und eine mehrjährige definitiv einschlägige Weiterbildung absolviert, ich sehe es nicht direkt, wie man hier von außerhalb eine allgemeine „Augenhöhe“ erreichen kann.
      eine Dienstleistung würde ich nebenbei gesagt ua gekennzeichnet dadurch sehen, dass der*die Dienstleistende gerade unter Augenhöhe ist; 'dienen' deutet darauf hin
    • Unwissend wrote:

      Lou wrote:

      Halte den Atem an, wenn ich mich motorisch auf die Aufgaben konzentriere..
      Interessant. Ich schiebe ne Krise, wenn ich bewusst und zu spürbar (weil es immer ein wenig spürbar ist) atme. Mittlerweile habe ich für mich für sportliche Aktivitäten einen Weg gefunden damit umzugehen, aber bei Meditationsversuchen kriege ich richtig Panik, weil man da nicht nur bewusst atmet sondern sich auch noch total darauf konzentriert. Meinen Atem anhalten hat etwa die gleiche Auswirkung.
      Ja, Atemübungen sind bei mir auch merkwürdig. Als ob das autonome Atmen sich in bewusstes Atmen umwandelt und dann im bewussten Handlungsprogramm verbleibt. Als ob die Hirnleitbahnen bzw. Verknüpfungen so umprogrammiert werden.
      Ich habe von einem autistischen Jungen gelesen, der erstickt, wenn er nicht bewusst atmet. Ist irgendwie interessant in dem Kontext?
      Ich bekomme keine Panik, aber es fühlt sich für mich komisch an und ich versuche sozusagen die Funktion Atmung wieder aus dem Bewusstsein loszulassen.

      Ich kenne mittlerweile verschiedene Anleitungen zu Atemübungen und versuche nur noch sanft zu lenken oder ganz ohne Beeinflussung und nur mit Wahrnehmung der Körperbewegung diese Übungen zu machen. Beim Yoga versuche ich in einer Harmonie zu bleiben und gleichzeitig mich ein wenig in Richtung tiefe und ruhige (aber der Anstrengung angepasst langsame) Atmung zu fordern.
      Da hab ich früher als Ausdauersportler schonmal interessante Erfahrungen gemacht mit dem gleichem Rhythmus, den der Yogalehrer vorgegeben hat. Das war für mich viel zu schnell, sodass ich Sauerstoff unterversorgt wurde (Bohr-Effekt).
    • Pechblende wrote:

      Sisyphus wrote:

      Ich möchte schlicht dass man Therapie als Dienstleistung auf Augenhöhe ansieht und sich grundsätzlich von dem Konzept Compliance verabschiedet.
      als 'Therapeut*in' hat man ein teilweise einschlägiges Hochschulstudium und eine mehrjährige definitiv einschlägige Weiterbildung absolviert, ich sehe es nicht direkt, wie man hier von außerhalb eine allgemeine „Augenhöhe“ erreichen kann.eine Dienstleistung würde ich nebenbei gesagt ua gekennzeichnet dadurch sehen, dass der*die Dienstleistende gerade unter Augenhöhe ist; 'dienen' deutet darauf hin
      Ärzte müssen ja regelmäßig Fortbildungen besuchen, ich vermute mal Therapeuten auch. Allerdings hab ich Mal in einer Reportage gesehen, dass diese ärztliche Fortbildungen häufig getarnte Verkaufsveranstaltungen der Pharmaindustrie sind. Bei den Fortbildungen der Therapeuten könnte es anders aussehen. Hier ließe sich vielleicht was machen. Ich weiß, dass meine Therapeutin letztes Jahr an einer online Fortbildung zu Autismus teilgenommen hat. Näheres weiß ich dazu nicht.
    • Pechblende wrote:

      als 'Therapeut*in' hat man ein teilweise einschlägiges Hochschulstudium und eine mehrjährige definitiv einschlägige Weiterbildung absolviert, ich sehe es nicht direkt, wie man hier von außerhalb eine allgemeine „Augenhöhe“ erreichen kann.
      Ja da hab ich mich unklar ausgedrückt, ich meine mit Augenhöhe nicht dass beide einen ähnlichen Wissensstand haben, eher dass wirklich ein gleichberechtigt empfundenes Gespräch, also ein mit dem Patienten sprechen statt zu ihm zu sprechen stattfindet falls das so klarer wird was ich meine. Auch in einer grundsätzlich asymmetrischen Beziehung kann und sollte man sich um Augenhöhe bemühen.


      Pechblende wrote:

      eine Dienstleistung würde ich nebenbei gesagt ua gekennzeichnet dadurch sehen, dass der*die Dienstleistende gerade unter Augenhöhe ist; 'dienen' deutet darauf hin
      Interessante Interpretation des Wortes, habe ich so noch nicht drüber nachgedacht. Wenn man Augenhöhe, wie du das vorher getan hast, an Wissen und Fähigkeit misst würde für mich aber gegen diese Interpretation sprechen dass auch beispielsweise ein Elektriker Fähigkeiten hat die ich nicht habe, also in dieser Hinsicht nicht unter mir steht, ich mach seine Arbeit ja nicht nur nicht selbst weil mir meine Zeit zu kostbar ist.

      Ich meinte mit Dienstleistung eher dass jemand etwas in meinem Auftrag tut und damit allein mir als Subjekt Verantwortung und Leistung schuldig ist und keinem anderen Arzt, der Krankenkasse (in der Praxis etwas schwierig da die schließlich bezahlt) oder vermeintlich höheren Idee die mich im Zweifelsfall zum Objekt machen, sprich entmündigen könnte. Das schließt für mich auch ein dass der klar geäußerte Wille immer über Annahmen eines natürlichen Willens steht, auch über angenommener Selbstgefährdung.

      Mag Leute abschrecken weil das so wirtschaftlich klingt aber ich werde bei Dingen die die Persönlichkeit betreffen lieber als Kunde denn als Patient gesehen, selbst wenn jemand anderes für mich zahlt, vermutlich weil der Begriff ein wenig mehr Abstand und Souveränität suggeriert, was ich persönlich brauche um mich sicher und ernstgenommen zu fühlen da ich etwas schlechte Erfahrungen mit der Psychiatrie gemacht und bei anderen beobachtet habe. Anderen ist das vielleicht nicht so wichtig und ich widerspreche natürlich auch niemanden der von mir als Patient spricht, ich persönlich tue es nur eher ungern und würde es mir in einer idealen Welt anders wünschen.

      Ich bin aber auch stark der Meinung dass man psychische Krankheiten (obwohl Asperger ja nicht mal da wirklich reinfällt) eben nicht eins zu eins wie körperliche Erkrankungen betrachten sollte, obwohl viele diese Gleichsetzung als Fortschritt betrachten. Es war vermutlich auch ein Fortschritt aber eben meines Empfindens nach nicht die Endhaltestelle wo wir gesellschaftlich hin wollen.

      The post was edited 1 time, last by Sisyphus ().

    • Illi wrote:

      Die neue Leitlinie zur Therapie von ASS ist vor Kurzem erschienen. awmf.org/leitlinien/detail/ll/028-047.html
      Ich habe angefangen, sie zu lesen und mir ist schlecht geworden. Kann mir vielleicht jemand erklären, warum sie so formuliert ist?

      Als Merkmale von Autisten werden zum Beispiel "Einschränkungen der sozialen Perzeption, sozialen Motivation und sozialen Kognition" beschrieben, die Zielsymptome der Therapie sein sollen.
      Mir wird bei dieser Formulierung nicht schlecht, ch finde sie ziemlich ziemlich neutral gehalten.

      Illi wrote:

      Hier liegt eine Außenperspektive vor.
      Ich kann mich dieser Perspektive aber von innen anschließen.
      Ohne Einschränkungen der sozialen Perzeption und Kognition hätte ich die Diagnose AS wohl gar nicht bekommen.
      Wenn ich etwas nicht kann, was die meisten anderen können, dann darf man das Einschränkung nennen.
      Aber die Diagnose ist eine Momentaufnahme: sie sagt nur aus, dass ich das zum Zeitpunkt der Diagnose nicht konnte, aber nicht, dass ich es grundsätzlich nicht lernen kann.
      Deswegen ist es für mich ein legitimes Therapieziel, wenn ich mich bei sozialen Perzeption und Kognition verbessern möchte.

      Illi wrote:

      Vielleicht will der Autist gar keine soziale Perzeption erlangen, weil sie ihn perzeptiv überlasten würde?
      Ja, vielleicht ist das bei einigen Autisten so. Aber denjenigen, die keine soziale Perzeption wollen, werden dann zurecht auch Einschränkungen der sozialen Motivation attestiert. Mit deiner eigenen Aussage bestätigst du also letztlich genau die Aussage, die du so vehement zurückweist.

      Illi wrote:

      Vielleicht kann er sie auch nie erlangen.
      Ja, vielleicht. Aber wissen kann man es erst, wenn man ausprobiert hat, die soziale Perzeption zu verbessern, und keinen Erfolg damit gehabt hat.

      Illi wrote:

      Hat keiner der beteiligten Experten bemerkt, dass stereotypes Verhalten zur Stressreduktion dient? Somit einen Sinn hat? Ebenso Sonderinteressen!
      Doch, alle. Es gibt in Deutschland für den Erwachsenenbereich mindestens drei manualisierte, wissenschaftlich überprüfte Konzepte für Gruppentherapien, die den Empfehlungen der S3-Leitlinie entsprechen, und alle berücksichtigen das.
      Aber ich kenne -auch ohne an einer solchen Therapie teilgenommen habe, deutlich bessere Methoden zur Stressreduktion, als mich in stereotypes Verhalten oder Spezialinteressen hineinzusteigern oder in Panik zu geraten, wenn ich bei irgendwelchen vermeintlich notwendigen Routinen gestört werde.

      kim wrote:

      Shino Me wrote:

      Wenn ich lese, dass man autistischen Kindern ihr Stimming oder Lieblingsessen vorenthalten soll, bis sie NT-gerechtes Verhalten zeigen, dann möcht möchte ich sehr unhöfliche Dinge sagen. Man zwingt Menschen dazu sich anders als ihre Persönlichkeit ist zu verhalten.
      Das klingt doch sehr nach ABA leider.
      Steht aber so gar nicht in der S3-Leitlinie.
      Man muss schon sehr voreingenommen, um hinter den Empfehlungen für erwachsene Autisten den ABA-Teufel in Menschengestalt zu vermuten.

      Ich bin froh, dass es solche Angebote gibt und bin gerne bereit, mich darauf einzulassen.
      Wer dazu nicht bereit ist, soll es eben lassen.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • Gerade in meinen Mails entdeckt:

      "Virtuelles Mittwochs-Kolloquium am 9. Juni 2021

      Herzliche Einladung der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters unter der Leitung von Frau Prof. Dr. med. Dipl.-Theol. Christine M. Freitag und der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. med. Andreas Reif.

      Termin: 9. Juni 2021 um 17.00 Uhr

      Referentin: Prof. Dr. med. Dipl.-Theol. Christine M. Freitag Direktorin der Klinik der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- u. Jugendalters; Uniklinikum Frankfurt

      Thema: AWMF-S3-Leitlinien Autismus-Spektrum-Störung: Teil II Therapie

      Anmeldung: Per Mail an die Absender-Mailadresse (kjp-Veranstaltungen@kgu.de) Angaben: Name / Vorname / Funktion / EFN-Nummer (sofern vorhanden)"
      Surprised by the joy of life.
    • Lou wrote:

      Surprised wrote:

      Hm. Manches wirkt auf mich ein bißchen strange.

      Z.B. Empfehlung 18 umfasst ein eigenes Unterkapitel zur Tanztherapie bei Erwachsenen. Frage: Hat hier schonmal jemand eine autismusspezifische Tanztherapie gemacht? Oder hat an der Leitlinie vielleicht eher ein*e begeisterte*r Tänzer*in mitgearbeitet, so dass die Tanztherapie verhältnismäßig viel Raum erhält?
      Mal probiert. Halte den Atem an, wenn ich mich motorisch auf die Aufgaben konzentriere.. Das ist bestimmt ungesund..
      Ich sag einfach mal kurz was zur Tanztherapie, weil ich selbst gerade ein paar Erfahrung damit gemacht habe (hab aber keine Autismus Diagnose) (Edit: okay, ist doch nicht so kurz geworden)
      Ich wollte nicht, weil ich nicht tanze. Finde ich blöd, mir stand noch nie danach mich zu Musik zu bewegen. Ich sollte es aber ausprobieren. War in der Gruppe.
      Wir haben viele Sachen gemacht, aber nicht getanzt. Mal mit Bällen an der Wand gearbeitet, mal mit einem Igelball im Sitzen, Mal zu zweit über verschiedene Materialien Verbindung/Kontakt zueinander gehabt, Mal versucht mit wenig Körperspannung durch den Raum zu gehen oder stocksteif und dabei zu beobachten was die Atmung macht z.b., Mal haben wir einen Gymnastikball je nach persönlichem Belieben von Person zu Person gestupst/geworfen/sachte getreten. hätte einer von uns ne Idee gehabt, wäre das aufgegriffen worden
      Es geht eher darum, Körper und Psyche wieder miteinander zu "verbinden", weil man zumindest bei psychischen Erkrankungen davon ausgeht, dass es krankheitsbedingt etwas entkoppelt ist.

      Und der Begriff Tanztherapie ist ziemlich irreführend, meiner Meinung nach. Aber Bewegungstherapie oder so ist für den Sportbereich reserviert und ursprünglich ist diese Therapieform wohl von Tänzerinnen entwickelt worden, daher der Name.


      Und jetzt halte ich wieder die Klappe, weil ich zum eigentlichen Thema nicht wirklich was beitragen kann.

      The post was edited 1 time, last by regenbogenschwarz ().

    • [...]

      Monsterzitat entfernt. Bitte richtig zitieren.
      Die Moderation.



      Vielleicht gilt für dich, dass du autistisches Verhalten ablehnst, und abtrainieren möchtest. Das ist aber respektlos gegenüber Autisten. Autistisches Verhalten ist sinnvoll und hat positive Komponenten. Mir geht es vor allem um Kinder, die sich nicht gegen eine Therapie entscheiden können und dann in ihrem Erwachsenenleben viele Jahre brauchen, um das Maskieren wieder abzulegen und aus dem Burnout wieder herauszukommen.

      The post was edited 2 times, last by Sternschnuppe ().

    • Capricorn wrote:

      Tanztherapie ist, soweit ich das mitbekommen habe, was ziemlich anderes als Tanzen.

      regenbogenschwarz wrote:

      Ich sag einfach mal kurz was zur Tanztherapie, weil ich selbst gerade ein paar Erfahrung damit gemacht habe (......)


      Ich wollte nicht, weil ich nicht tanze. - Ich sollte es aber ausprobieren. War in der Gruppe.
      Wir haben viele Sachen gemacht, aber nicht getanzt.


      Mal mit Bällen an der Wand gearbeitet, mal mit einem Igelball im Sitzen, Mal zu zweit über verschiedene Materialien Verbindung/Kontakt zueinander gehabt, Mal versucht mit wenig Körperspannung durch den Raum zu gehen oder stocksteif und dabei zu beobachten was die Atmung macht z.b., Mal haben wir einen Gymnastikball je nach persönlichem Belieben von Person zu Person gestupst/geworfen/sachte getreten. hätte einer von uns ne Idee gehabt, wäre das aufgegriffen worden.
      Es geht eher darum, Körper und Psyche wieder miteinander zu "verbinden", weil man zumindest bei psychischen Erkrankungen davon ausgeht, dass es krankheitsbedingt etwas entkoppelt ist.
      Klingt doch ganz gut. M.M. n.!
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")
    • Illi wrote:

      Vielleicht gilt für dich, dass du autistisches Verhalten ablehnst, und abtrainieren möchtest. Das ist aber respektlos gegenüber Autisten.
      1. Nein. Ich lehne autistisches Verhalten weder ab noch möchte ich es um jeden Preis abtrainieren.
      2. Ich erhebe auch keine Forderungen an andere, ihr eigenes autistisches Verhalten abzulehnen und um jeden Preis abzutrainieren.
      3. Es steht dir nicht zu, darüber zu spekulieren, ob ich autistisches Verhalten ablehne und wie weit ich es abtrainieren möchte.
      4. Es ist respektlos mir gegenüber, wenn du mir das Recht absprichst, Entscheidungen in Bezug auf mein eigenes autistisches Verhalten selbst zu treffen.

      Illi wrote:

      Autistisches Verhalten ist sinnvoll und hat positive Komponenten.
      Das gilt allenfalls für einen Teil des autistischen Verhaltens. Herauszufinden, welches autistische Verhalten sinnvoll ist und positive Komponenten hat, ist gerade Aufgabe von Therapie.

      Wenn du dein gesamtes autistisches Verhalten toll findest, dann werde ich dir das nicht ausreden. Bleib meinetwegen dabei und werde mit deiner Einstellung glücklich.

      Aber bevor du anderen

      Illi wrote:

      eine Außenperspektive
      vorwirfst bedenke bitte, dass du den Autismus jeder anderen Person außer dir selbst auch nur aus der Außenperspektive beurteilen kannst.

      Illi wrote:

      Mir geht es vor allem um Kinder, die sich nicht gegen eine Therapie entscheiden können und dann in ihrem Erwachsenenleben viele Jahre brauchen, um das Maskieren wieder abzulegen und aus dem Burnout wieder herauszukommen.
      Ich bin froh, dass ich nicht in der Situation bin, darüber entscheiden zu müssen, ob und wenn ja welche Therapie ein autistisches Kind bekommen soll.

      Den pauschalen Vorwurf, die gesamte S3-Leitlinie würde nur auf das Antrainieren von Maskierung abzielen, weise ich aber entschieden zurück.

      Die manualisierten, wissenschaftlich überprüften Gruppentherapien, die ausdrücklich für jugendliche und erwachsene Autisten empfohlen werden, zielen nicht darauf ab, soziale Perzeption, Motivation und Kognition vorzutäuschen, sondern sie tatsächlich zu vermitteln. Und ich bin offen dafür, das zu lernen, auch wenn du das für dich selbst und auch gleich noch für alle, die nicht für sich selbst sprechen können, noch so vehement ablehnst.

      Da könntest du genau so gut gegen Fremdsprachenunterricht in weiterführenden Schulen eintreten. Natürlich gibt es immer Schüler, die dadurch überfordert und frustriert werden. Aber es gibt eben immer andere, die genau dadurch bestmöglich gefordert und gefördert werden.


      Und genau so ist es auch mit Autismustherapie. Es gibt ganz bestimmt nicht eine allein richtige Methode, die man jedem überstülpen kann. Aber es gibt Autisten, die in sozialer Perzeption und sozialer Kognition deutliches Verbesserungspotenzial haben, und deshalb von entsprechenden Lernangeboten profitieren können. Und ich gehe bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, dass ich zu letzteren gehöre.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • Ich bin froh darüber, dass ich in in manchen Situationen in meinem Umfeld einige wenige Menschen vertrauensvoll um Rat fragen kann, um für den Fall meines evtl. unpassenden Verhaltens negative Konsequenzen oder Ärger vermeiden zu können.

      Das hat mir immer mal wieder geholfen, es ist meiner Meinung nach ja auch eine Form von Coaching, Verhaltensweisen durch Rat und Tips von außen zu modifizieren, um es als Autistin im sozialen Kontext etwas einfacher zu haben. Letztlich sind meine Probleme der Bewältigung von aus Fehlverhalten resultierenden Problemen und Konflikten meines Eindrucks nach wesentlich größer.

      Wenn es also autismusspezifische, wissenschaftlich anerkannte und geprüfte Therapieformen gibt, die in einem solchen Zusammenhang Unterstützung vermitteln, so halte ich das für eine gute Sache, von der ich als Autistin profitieren kann.
      So, wie ich das verstanden habe, geht es es ja meiner Meinung nach in manchen solcher Therapien nicht um die Veränderung des Seins, sondern um mäßige Modifikation der Interpretation von sozialen Situationen, der Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie daraus resultierender bewusster Verhaltensänderung- oder Anpassung.
    • Tuvok wrote:

      Aber es gibt Autisten, die in sozialer Perzeption und sozialer Kognition deutliches Verbesserungspotenzial haben, und deshalb von entsprechenden Lernangeboten profitieren können.

      Tuvok wrote:

      Da könntest du genau so gut gegen Fremdsprachenunterricht in weiterführenden Schulen eintreten.
      Ich finde tatsächlich, dass man eine Fremdsprache nie so wie seine Muttersprache sprechen können wird. Es kommt auf dein Ziel an. Du kannst Verständigung erreichen, wirst aber auch sehr viele Missverständnisse produzieren, weil jede Sprache ihren Bedeutungskontext, die Semantik, hat. Wenn du dir aber über die kulturelle Differenz im Klaren bist und dich selbst in deiner Limitierung durch deine Herkunft erkennst, kommst du zu besserer Verständigung.
      Übertragen auf Autismus, heißt das, Autismus erklären, aber nicht "Normalität" im Sinne von sozialer Mehrheit, als Ziel haben.

      Tuvok wrote:

      Die manualisierten, wissenschaftlich überprüften Gruppentherapien, die ausdrücklich für jugendliche und erwachsene Autisten empfohlen werden, zielen nicht darauf ab, soziale Perzeption, Motivation und Kognition vorzutäuschen, sondern sie tatsächlich zu vermitteln.
      Autismus ist zu allererst ein anderer Aufbau der Synapsen im Gehirn. Autisten haben eine andere Sinneswahrnehmung als "Holisten". Das ist eine biologische Determinante wie etwa Körpergröße. Du kannst einem 1,70m großen Jungen noch so viel Basketball antrainieren, er wird kein erfolgreicher Basketballer werden. Ich finde es besser, weil ehrlicher, ihn über seine Determinante nur aufzuklären.

      Tuvok wrote:

      ch bin froh, dass ich nicht in der Situation bin, darüber entscheiden zu müssen, ob und wenn ja welche Therapie ein autistisches Kind bekommen soll.
      Diese Leitlinie werden aber bestimmt Eltern heranziehen als Empfehlung.

      Tuvok wrote:

      Es ist respektlos mir gegenüber, wenn du mir das Recht absprichst, Entscheidungen in Bezug auf mein eigenes autistisches Verhalten selbst zu treffen.
      Es geht hier nicht um dich oder mich, sondern um eine Leitlinie zur Behandlung von Autismus.


      Prof. Tebartz van Elst hat in einem Interview erzählt, dass er aufgrund der biografischen Informationen davon ausgeht, dass Albert Einstein frühkindlicher Autist war. (Er lernte erst mit 5 sprechen) Stell dir mal vor, du würdest die Familie Einstein treffen. Die Eltern wären vielleicht froh gewesen, wenn ihrem Sohn jemand sein nerviges Spezialinteresse Gravitation ausgetrieben hätte.

      Ich glaube, dass die Welt von der Unterschiedlichkeit der Charaktere profitiert. Ziele einer Therapie sollten Selbsterkenntnis, Selbstreflexion und Selbstbewusstsein sein.
    • New

      Illi wrote:

      Prof. Tebartz van Elst hat in einem Interview erzählt, dass er aufgrund der biografischen Informationen davon ausgeht, dass Albert Einstein frühkindlicher Autist war. (Er lernte erst mit 5 sprechen) Stell dir mal vor, du würdest die Familie Einstein treffen. Die Eltern wären vielleicht froh gewesen, wenn ihrem Sohn jemand sein nerviges Spezialinteresse Gravitation ausgetrieben hätte.
      Dies und das kann ja wirklich passiert sein, wer weiß.

      Ich glaube aber, Einstein hat sehr von seinem Elternhaus und dem darin gelebten Geist profitiert, sonst wäre ihm sein "Karriere" sicher nicht so geglückt.
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")