„Asperger“ als Begriff noch verwendbar?

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    • „Asperger“ als Begriff noch verwendbar?

      Ich bin extrem genervt von den massiven Anfeindungen, die vielen Aspies in den sozialen Netzwerken entgegen schwappen, wenn sie den Begriff „Asperger“ oder
      „Aspie“ verwenden.
      Ich habe einen ganzen Stapel wissenschaftlicher Analysen gelesen, die sich mit Hans Asperger und dessen Leben in der Nazi-Zeit beschäftigen.
      Trotzdem steht in meiner Diagnose Asperger-Sydrom und von inhaltlichen Aspekt des Begriffs, finde in ihn zutreffender als der alleinige Begriff „Jemand im Autismus-Spektrum“.

      Wie seht ihr das? Darf man noch Asperger-Autist sagen und geht das garnicht mehr?

      The post was edited 1 time, last by DanDuran ().

    • Meiner Meinung nach darf man das sagen.
      Steht ja auch im ICD 10.

      Diverse Entdecker hatten eine schwierige Geschichte oder auch sehr umstrittene Ansichten. Dennoch bleiben die Entdeckungen nach ihnen benannt.

      Die Geschichtsaufarbeitung im Buch Geniale Störung fand ich angenehm zu lesen und gut verständlich, falls du das noch nicht kennst.

      (Mal abgesehen davon, dass im Erwachsenen Alter ein HFA nicht wirklich von AS unterschieden werden kann, wenn die Sprache funktioniert und davon, dass auch Asperger schon ein Spektrum sah und nicht nur hochfunktionale Kinder behandelte)

      The post was edited 1 time, last by MangoMambo ().

    • @Asmus Ich persönlich möchte mich und meine „Leidensgenossen“ weiterhin als Asperger-Autisten bezeichnen dürfen und sehe keine Notwendigkeit den Begriff streichen.

      Im Gegenteil. Mir ist die Aggression und der aggressive Ton in den sozialen Netzwerken, der aufkommt, wenn Personen den Begriff „Asperger“ verwenden, sehr unangenehm.
    • Ich habe mit dem Begriff Asperger auch kein Problem. Keiner der Kritiker fragt, wie viele Kinder Hans Asperger gerettet hat. Zudem dürften, allerdings nur eine Vermutung, viele der Kritiker des Begriffes Asperger Fötenmorde, meist als Abtreibung oder Schwangerschaftsabbruch verharmlost, befürworten und sich weigern, Filmdokus, in denen gezeigt wird, wie kleine werdende Menschen im Mutterleib zerstückelt, abgesogen und zerfetzt, regelrecht ausgebrannt und dergleichen mehr werden, auch nur zur Kenntnis zu nehmen...
    • Dürfen darfst Du viel. Der Begriff ist halt überholt, aber nicht wegen der Nazi-Sachen sondern weil die Kategorisierung nicht haltbar war.

      DanDuran wrote:

      @Asmus Ich persönlich möchte mich und meine „Leidensgenossen“ weiterhin als Asperger-Autisten bezeichnen dürfen und sehe keine Notwendigkeit den Begriff streichen.
      Ersteres ist okay. Ich sehe wiederum für mich keinen Grund, am Begriff Asperger festzuhalten und möchte nicht, dass Du mich so nennst.
    • Der Begriff Asperger wird sicher in der Alltagssprache noch lange erhalten bleiben, und das ist auch in Ordnung für mich.

      Dem stimme ich zu:

      BerndBarthel wrote:

      Keiner der Kritiker fragt, wie viele Kinder Hans Asperger gerettet hat.
      Ich glaube nämlich auch, dass er insgesamt mehr FÜR seine Patienten getan hat als gegen sie. Es waren düstere und schwierige Zeiten, da braucht keiner, der erst viel später geboren wurde, leichtfertig darüber urteilen.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • @Shenya - Die Geschichte wird sich wohl nie vollständig rekonstruieren lassen. Im Grunde sehe ich das ganz ähnlich.

      Mich stört der Eifer dieser politisch korrekten Bilderstürmer. Da werden Kinderbücher umgeschrieben, Statuen umgeworfen, Straßen umbenannt und Sprache verkompliziert. Und man meint, die Welt werde dadurch besser. Das wird sie nicht. Es gibt nur mehr Streit und Unbehagen, vorauseilendes Duckmäusertum und Selbstzensur.

      Was Menschen in der Vergangenheit geleistet haben, spielt für solche Leute keine Rolle mehr, sobald sie irgendeinen Makel entdecken. Theoretisch müsste man auch Karl Marx oder Martin Luther aus der Geschichte tilgen, wenn man sich manche Äußerungen mal genauer ansieht und im Kontext der heutigen Moral bewertet. Das wird dann in Diskussionen aber schnell relativiert und man merkt die Widersprüche nicht mehr.

      Dass der Begriff Asperger-Syndrom aus der Diagnostik verschwindet, weil die Katagorien nicht mehr haltbar sind, ist natürlich etwas anderes. Das ist wissenschaftlich absolut nachvollziehbar.
      "Lebe im Verborgenen!"
      (Epikur)

      The post was edited 2 times, last by Andreas ().

    • DanDuran wrote:

      Mir ist die Aggression und der aggressive Ton in den sozialen Netzwerken, der aufkommt, wenn Personen den Begriff „Asperger“ verwenden, sehr unangenehm.
      Ich befürchte das es diesen Ton generell und allgemein in den sozialen Netzwerken gibt, ich habe den in diesem Bezug erlebt und auch in jemand anderen Bezug wo ich mich in anderen Foren, auf Facebook und anderen communities wie ebay oder gutefrage.net so rumgetrieben habe. Ich bin deswegen nicht mehr dort unterwegs eben genau wegen diesem Ton.
      Ich sehe auch keinen grund den Begriff deswegen abzuschaffen oder sich anfeinden lassen zu müssen.
      Wenn sie mit dem begriff ein Problem haben ist es ihr eigenes Problem in ihren Köpfen.
      Ich wusste vorher garnicht das man Asperger Syndrom auf einmal Autismusspektrumstörung nennt, und es wurde mir regelrecht ins gesicht gebrüllt als ich auf deviantart einen Bericht über meine Diagnose und meine Symptome schrieb.
      Ich erklärte das es in Deutschland nicht so gehandhabt wird und ich deswegen in meinem Diagnoseschreiben noch den alten Bericht habe.
      Das haben sie dann auch so respektiert aber ich wurde gleich von mehreren gleichzeitig regelrecht angemotzt das man das ja garnicht mehr Asperger Syndron nennt (was im englisch sprachigen Raum ja auch stimmt).

      Von dem Grund der hinter der Änderung steckt, ist für mich die Änderung der Begriffe auch erklärlich und verständlich.
      Ich habe nichts gegen die Änderung. Ich mag nur dieses ellenlange Wort nicht besonders, kein Wunder das Leute es abkürzen wenn sie es schreiben wollen XD
      Wenn ich aus irgendeinem Grund angeben muss oder sagen muss was ich habe, sage ich das ich Autist bin. Es ist dadurch schon vorgekommen das Leute sich darüber wunderten weil sie keinen nicht ansprechbaren schaukelnden Invaliden vor sich haben sondern jemand der doch reden kann. Dann muss ich denen erklären das Autismus sehr vielfältig ist und diese extremen Ausfälle bei mir auch vorkommen, jedoch eher selten je nach Lebensumstand und Situation.


      Andreas wrote:

      Theoretisch müsste man auch Karl Marx oder Martin Luther aus der Geschichte tilgen
      Ja das stimmt. In NRW stehen überall Huldigungen von Bismark und Kaiser Willhelm herum, und beide sind ziemlich derbe Kriegsführer gewesen, sind so weit ich weiß für den 1. Weltkrieg verantwortlich, genau wie Hitler für den 2. Weltkrieg. Nur weil die beiden keine KZ Lager und Massenmorde an Minderheiten durchgeführt haben sind sie scheinbar für Deutschland ehrenhaft und dürfen weiter überall herumstehen.
      Ich finde das irgendwie doppelmoralisch. Ich will nicht sagen das sie genauso bösartig waren wie Hitler aber als Vorbild würde ich sie auch nicht bezeichnen wollen.
      Da sind mir die anderen Adligen die damals gegen die Kriege waren lieber.
      Ich schweife aber vom eigentlichen Thema ab.
    • @RegenbogenWusli haben sie und zwar in Afrika. Böse Menschen.

      Ich habe bei solchen Diskussionen immer das Gefühl, dass jede Generation das Rad neu erfinden will ( RW ).

      Und die ICD- Scheiße wird von Psychiater und anderen Ärzteverbänden in den USA erstellt. Die Pharmaindustrie mischt auch noch mit.
      Das Leben ist zu komplex um eine festgelegte Meinung zu haben.
    • der Sinn der Aurismus-gruppierungen war es ja, sinnvolle Untergruppen von Autisten zu erschaffen. Aber mittlerweile sind ja viele Hochfunktionale Autisren keine Asperger Autisten. Ich selber zähle auch zu den "atypischen Autisten", weil man mich nicht den Asperger zuschreiben kann.

      Daher nervt mich diese Gruppierung doch sehr. Wenn ich irgendwo angebe, dass ich Autist bin, werde ich immer gefragt, ob ich Asperger bin, denn das ist das einzige was bekannt ist. Dann geht immer das große erklären los. Daher würde ich mir persönlich wünschen, dass es diese Untergruppe nicht mehr gäbe. Von allen Hochfunktionalen Autisten die ich kenne, sind nur 50% der Asperger-Gruppierung zuzuschreiben. Und viele von ihnen auch nur deshalb, weil sie zu einer Zeit diagnostiziert wurden, als es nur 3 Autismusgruppen gab.

      Ich finde daher den Begriff irreführen, da er einen Unterschied suggeriert, der nicht existiert.

      Trotzdem macht es mir nichts aus, wenn sich Asperger gerne dieser Untergruppe zuordnen. Mich nervt es eben nur, wenn ich anderen erklären muss, wieso ich kein Asperger bin, und dass es eigentlich egal ist.
    • Andreas wrote:

      Und man meint, die Welt werde dadurch besser. Das wird sie nicht.
      Verschiedene Wörter mit der gleichen Bedeutung können schon unterschiedliche Assoziationen hervorrufen, persönliches Beispiel:
      Kot = Kot
      Scheiße = Fluchwort
      Exkrement = Robin Williams im Film "Der Club der Toten Dichter"
      Diese rufen dann unterschiedliche Gefühle hervor und haben dann auch Einfluss auf mein Denken und Handeln - unbewußt und (oft) minimal, aber steter Tropfen höhlt den Stein. (RW) Ich denke schon das andere Wörter durchaus die Welt verbessern können, die Diskussion darüber sollte auf jeden Fall zugelassen werden. Verboten werden die vorherigen Worte zudem nicht, es sind schon viele Wörter aus Sprachen verschwunden, aus den unterschiedlichsten Gründen.

      Andreas wrote:

      aus der Geschichte tilgen

      Es geht wohl vielmehr darum aus einer weiteren Perspektive auf diese Persönlichkeiten zu blicken, dies ist nicht immer einfach, auch hier sollte aber diskutiert werden. Ich hadere z.B. seit ein paar Monaten mit zwei Komponisten deren Musik ich bis dahin sehr gerne gehört habe, ich erfuhr das diese eventuell mit der nationalsozialistischen Diktatur sympathisierten. Ich habe noch nicht entschieden ob und wie ich mit deren Musik in Zukunft umgehen werde, ich möchte diese aber nicht aus der Geschichte tilgen, aus meinem Gedächtnis kann ich diese wohl eh nicht mehr löschen.
      Man mag den Eindruck haben nur durch ein Fenster zu blicken, es wird aber immer ein wenig von einem selbst reflektiert. Je dunkler es draußen ist, desto deutlicher wird das Spiegelbild. Wähle deine Worte weise, wenn diese die Welt dort draußen mehr und mehr verdunkeln, offenbaren sie mehr und mehr von deinem Spiegelbild.
    • Ich habe bisher noch keine negative Reaktion auf den Begriff Asperger bzw. Asperger-Autist sowie Aspie erlebt.

      Aber wenn mir jemand absprechen wollte, dass ich diese Begriffe verwenden darf, dann würde ich die betreffende Person ehrlich gesagt auslachen oder ignorieren, weil in meinen Augen sowas einfach nicht zielführend ist. Denn was sollte es bringen für einen etablierten, neutralen Begriff, einen neuen Begriff zu finden (rhetorische Frage :) )?

      Ich habe mich mit Hans Asperger nicht näher beschäftigt und habe das auch mangels Interesse nicht vor. Aber ich identifiziere mich ja nicht mit dem Entdecker einer Krankheit, egal welche es ist. Daher identifiziere ich mich bei der Verwendung des Begriffs Asperger-Syndrom auch nicht mit Hans Asperger.
    • Es gab viele Mitläufer, die um ihren Ruf und Job nicht zu gefährden einfach tolerierten was um sie herum geschah. Nicht jeder war Täter, nicht jeder böse.

      Mein Großvater wurde mit 14 Jahren eingezogen, und musste an der Heimatflag die "Front" (=Dorf) beschützen. Er war kein Nazi, kein Parteimitglied.
    • Der Name einer Person gibt sehr selten einen Hinweis darauf was dieser Begriff umschreibt, zudem haben neue Erkenntnisse zu einer veränderten Sichtweise auf die Eigenschaft Autismus geführt. Autismus-Spektrum-Störung finde ich dafür schon passend, es fehlen nur aussagekräftige Begriffe für die einzelnen Ausprägungen von Autismus. Das würde dann auch die Kommunikation mit Personen die keine/wenig Ahnung von dem Thema haben vereinfachen.
      Man mag den Eindruck haben nur durch ein Fenster zu blicken, es wird aber immer ein wenig von einem selbst reflektiert. Je dunkler es draußen ist, desto deutlicher wird das Spiegelbild. Wähle deine Worte weise, wenn diese die Welt dort draußen mehr und mehr verdunkeln, offenbaren sie mehr und mehr von deinem Spiegelbild.
    • Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten!

      Ich möchte Euch noch einen Fakt zur Nacht mitgeben, falls ihr es noch nicht wissen solltet:

      Wer glaubt, Asperger sei ein Begriff aus vergangenen Zeiten...

      Die Frau, die Asperger heisst und diagnostiziert: Maria Asperger-Felder (75), ist Kinder- und Jugendpsychiaterin in Zürich und spezialisiert auf Asperger- Autismus. Sie ist die Tochter von Hans Asperger.
      Und sie spricht geradezu liebevoll von Asperger-Autisten.

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      The post was edited 1 time, last by DanDuran ().