Diskriminierung dünner Menschen

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    • Das ist ein interessantes Thema.
      Ich kenne es nur aus meinem Umfeld, dass dünnere Männer als "Lauch", "Steckn" oder "Strich in der Landschaft" bezeichnet werden. In dem Zusammenhang wird ihnen dann geraten mehr zu essen und / oder ins Fitness-Studio zu gehen, um Muskelmasse auf zu bauen. Einige in meinem Bekanntenkreis haben einen schnellen Stoffwechsel. Sie können so viel und deftig essen wie sie wollen, sie nehmen nicht zu. Daher finde ich solche Beleidigungen mit schnell hinterher geworfenen "Ernährungs- und Fitness-Tips" immer total daneben (RW).

      Ich denke, solche "Anfeindungen" entstehen durch ein falsches Männerbild, das diese Männer in ihrem Leben vermittelt bekommen haben.

      Bild des Mannes:
      - Groß;
      - Breit gebaut, bis muskulös;
      - Bärtig;
      - Stark;
      - Intelligent und beruflich strebsam;
      - Zeigt seine Schwächen nicht;

      Da passt dann vielleicht ein dünnerer Mann, der zwischen 1,60 - 1,75 m groß ist, nicht ins "Raster" und wird gemobbt. Was ich persönlich schon einmal sehr schwach finde. Wenn ich mich unbedingt mit wem "messen" muss, dann suche ich mir doch wohl einen "ebenbürtigen Mann" und "hacke" (RW) nicht auf den "kleineren" herum. Das ist für mich schon mal eine sehr große Charakterschwäche. Solche Personen tun mir dann ehrlich gesagt immer schon Leid, dass sie es nötig haben, sich messen zu müssen, um sich wertig fühlen zu können. Eigentlich sollte man sich doch wohl selbst genug "Motivator" und "Bewunderer" sein, was müssen diese Punkte von außen an sie heran getragen werden?
    • Tristan wrote:

      In dem Zusammenhang wird ihnen dann geraten mehr zu essen und / oder ins Fitness-Studio zu gehen, um Muskelmasse auf zu bauen.
      Es ist ja nicht so, dass ich genau das seit über 10 Jahren mache. Aber außer ständigem Völlegefühl und Muskelkater kommt da nicht viel bei raus.
      Die Muskelmasse schwankt laut meiner Waage minimal vor sich hin, wird aber nicht mehr.
      Altersbedingt verteilt sich das Fett inzwischen etwas schlechter über den Körper, das wars auch schon.

      Meine Mutter hat mal erzählt, als Kind war ich ziemlich rundlich. Dann hat Jemand ihr den "guten" Rat gegeben, mich nicht so viel zu füttern. Tja, das Ergebnis war dann das genaue Gegenteil. Dabei sind in unserer Familie alle schlank und groß - da war genetisch überhaupt kein Anlass, sowas anzunehmen.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Hallo Garfield,

      danke dir für deine Schilderungen. Ich denke, dass man Fitness / Sport nur für sich betreiben sollte. Nie, um anderen "nach zu ahmen" oder "gefallen zu wollen". Vorbilder kann man natürlich zur Motivationssteigerung haben - das will ich niemandem versagen. Wenn ein Dritter z.B. mein "Fitness" gut findet und wir darüber eine Bindung schaffen, ist das natürlich schön, aber ich möchte nicht "bewundert" oder sonst etwas werden. Ich möchte dann mit der Person einen Austausch betreiben und ggf. gemeinsam trainieren oder irgendwie eine Freundschaft aufbauen (was schwer ist).

      Mit meinen Kumpels gehe ich ab und an joggen oder spazieren. Ich baue eben Muskelmasse auf und werde fit, sie werden fit, nehmen weder ab noch großartig zu. Stört mich nicht, stört sie nicht. Dafür haben wir Spaß.

      Dumme Sprüche anderer kontern oder ignorieren sie. Ich hätte jetzt leider kein Beispiel für einen guten Konter. Das Einzige, was sie ab und an nervt, ist wenn sie beim Shoppen nicht in alle Kleidungsmodelle hinein passen oder das Geschäft ihre Größe nicht anbietet (XS und Hosengröße 29).
    • Tristan wrote:

      Ich denke, dass man Fitness / Sport nur für sich betreiben sollte. Nie, um anderen "nach zu ahmen" oder "gefallen zu wollen".
      Das auf jeden Fall.
      Wenn mein Orthopäde mir dazu rät, weil die zu schwachen Muskeln zu erhöhtem Gelenkverschleiß führen, dann macht ich das eben. Ich kann mir dann wenigstens sagen, ganz ohne Sport wäre es noch schlimmer.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Shenya wrote:

      Ich glaube, das könnte ein Problem mit deiner Wahrnehmung sein, d.h. du interpretierst Blicke und Bemerkungen auf diese Weise. In Wirklichkeit bist du mit niedrigem Gewicht immer der Held und wirst bewundert. Jeder glaubt, dass du gesund lebst und nicht dumm und faul bist oder den ganzen Tag Hamburger frisst.
      Je dünner, desto besser oder? Und wo siehst du persönlich die Grenze? Ist ein BMI von 12 auch noch super? (Ist natürlich nicht mein BMI!)

      Genauso wie hier ausgeführt wurde, dass Männer muskulös sein sollen, wünschen sich die meisten Männer wohl eher keine zu dünne Partnerin (ich habe mal gelesen, dass es so 4-5% sind). Wobei es natürlich auch auf das Aussehen insgesamt ankommt. Das liegt ja nur zu einem Teil am Gewicht.

      Bei meiner Schwester, die ein paar Kilos über 25 liegt, habe ich noch nicht mitbekommen, dass ihr erzählt wird, sie sei zu dick... . Und die meisten Menschen finden einen BMI in dem Bereich ja auch okay. Wer damit Probleme hat und dann ganz fett wird, kann nicht seine Umwelt dafür verantwortlich machen.
    • Tristan wrote:

      Ich denke, solche "Anfeindungen" entstehen durch ein falsches Männerbild, das diese Männer in ihrem Leben vermittelt bekommen haben.

      Bild des Mannes:
      - Groß;
      - Breit gebaut, bis muskulös;
      - Bärtig;
      - Stark;
      - Intelligent und beruflich strebsam;
      - Zeigt seine Schwächen nicht;
      Das sieht aber halt auch nicht jeder so! Ich finde Männer, die ihre Schwächen zeigen super, riesig gefällt mir nicht, ich mag es schlank und Bärte brauche ich nicht.
    • Fidoline wrote:

      Und wo siehst du persönlich die Grenze?
      Bei mir wäre eine Grenze, wenn die Knochen rausschauen und jemand deutlich nach Magersucht aussieht. Aber ich bin relativ tolerant. Ich kenne eine Person, bei der tatsächlich ein bisschen die Knochen rausschauen, aber ich habe trotzdem noch nie etwas zu ihr gesagt, und ich denke, sie ist auch gesund und hat eben einen guten Stoffwechsel. Es muss also schon extrem sein. Wo die Grenze bei anderen Menschen ist, weiß ich nicht. Aber wenn jemand sagt "du musst mehr essen", dann ist das halt so ein Spruch, eher ein bisschen humorvoll, und ich würde keine schlechte Absicht unterstellen in den meisten Fällen. Ausnahme gibt es natürlich auch, wo sich jemand wirklich blöd verhält.

      PS: natürlich könnten sich die Leute diesen Spruch auch sparen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es nervt, wenn man das immer wieder gesagt bekommt. Denn man ist ja (in der Regel) nicht absichtlich dünn, sondern es ist halt so.
      Ich würde noch unterscheiden, von wem es kommt und in welchem Tonfall, um es einzusortieren.
      Vermutlich müssen sich auch besonders große Leute immer wieder Sprüche über ihre Körpergröße anhören. Aber gerade die Tatsache, dass man sich das traut, zeigt, dass nichts Negatives darin gesehen wird.
      Alles wird galaktisch gut.

      The post was edited 1 time, last by Shenya ().

    • Fidoline wrote:

      Das sieht aber halt auch nicht jeder so! Ich finde Männer, die ihre Schwächen zeigen super, riesig gefällt mir nicht, ich mag es schlank und Bärte brauche ich nicht.
      ich hatte Partner, die sehr attraktiv waren, gut gebaut und von vielen bewundert wurden. Nur kam es so wie es oft kommt, die haben ständig fremd geflirtet..
    • Leonora wrote:

      Wenn immer die Rede davon ist, wie viele Menschen übergewichtig seien, sind damit normalerweise größtenteils nicht die mit wirklich starkem Übergewicht, Adipositas per magna, gemeint, sondern auch Menschen mit einem BMI von über 25, die weit davon entfernt sind, dick zu sein. Viele, die höchstens ein bisschen mollig sind, werden ermutigt, abzunehmen - und diäten sich erst dadurch dank Jojo-Effekt ins wirkliche Übergewicht, bis sie richtig dick und essgestört sind. Würden sie mit dem "etwas höheren Gewicht" akzeptiert und in Ruhe gelassen, ließe sich richtig starkes Übergewicht bei vielen vermeiden.
      Das wird irgendwann auch mal wissenschaftlich aufgearbeitet, denke ich. Vermutlich zeigt sich dann, dass einige Übergewichtige "iatrogen", das heißt durch ärztliche Intervention, so richtig viel zugelegt haben.

      Meinen Eltern hat man vor einigen Jahren Fruchtzucker zum Süßen aufgequatscht - das war damals das Nonplusultra.

      Heute weiß die Ernährungswissenschaft, dass gerade Fruchtzucker das Körpergewicht ungünstig beeinflusst (fördert Insulinresistenz).

      Davon mal ab, es gehört sich schlicht und ergreifend nicht, Menschen nach dem Gewicht zu beurteilen.

      Wenn man nicht therapeutisch mit Unter- oder Übergewichtigen zu tun hat, gehört sich nicht mal die Frage nach dem Gewicht und den Essgewohnheiten. Und auch dann kann man es so oder so angehen.
      Ich würde zum Beispiel einen sehr dünnen Menschen fragen: "Fühlen Sie sich mit Ihrem Gewicht wohl?", und wenn dieser Mensch die Frage bejaht, ist der Drops gelutscht (Rw), denn dann gibt es keinen therapeutischen Auftrag, weiter auf Gewicht und Essgewohnheiten herumzureiten (Rw).
      If you're happy and you know it clap your hands.....(three times!)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Capricorn wrote:

      Das wird irgendwann auch mal wissenschaftlich aufgearbeitet, denke ich. Vermutlich zeigt sich dann, dass einige Übergewichtige "iatrogen", das heißt durch ärztliche Intervention, so richtig viel zugelegt haben.
      Dazu sollte es in der Tat mehr Studien geben, und es wäre auch wichtig, das Thema allgemein bekannter zu machen. Solange ein Mensch nicht im deutlichen Untergewicht ist, glauben viele Menschen noch immer, dass Abnehmen in jedem Fall git und zugleich einfach zu verwirklichen wäre.

      Capricorn wrote:

      Meinen Eltern hat man vor einigen Jahren Fruchtzucker zum Süßen aufgequatscht - das war damals das Nonplusultra.

      Heute weiß die Ernährungswissenschaft, dass gerade Fruchtzucker das Körpergewicht ungünstig beeinflusst (fördert Insulinresistenz).
      Ja, da gibt es immer neue Moden. Auch Low Carb und Low Fat wechseln sich ja so alle paar Jahre ab.

      Capricorn wrote:

      Wenn man nicht therapeutisch mit Unter- oder Übergewichtigen zu tun hat, gehört sich nicht mal die Frage nach dem Gewicht und den Essgewohnheiten. Und auch dann kann man es so oder so angehen.
      Ich würde zum Beispiel einen sehr dünnen Menschen fragen: "Fühlen Sie sich mit Ihrem Gewicht wohl?", und wenn dieser Mensch die Frage bejaht, ist der Drops gelutscht (Rw), denn dann gibt es keinen therapeutischen Auftrag, weiter auf Gewicht und Essgewohnheiten herumzureiten (Rw).
      Das sehe ich genauso. Zugleich sollten bei Ärzte gesundheitliche Beschwerden bei übergewichtigen Menschen genauso ernst nehmen wie bei normalgewichtigen und nicht pauschal "Abnehmen" als Therapie vorschlagen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Garfield wrote:

      Shenya wrote:

      Vermutlich müssen sich auch besonders große Leute immer wieder Sprüche über ihre Körpergröße anhören.
      Korrekt. Aber ausschließlich Positive. :)
      Kommt auf die Größe an. Ich kenne jemanden, der 210cm groß ist. Der arme Mann muss sich tagaus tagein so dämliche Sprüche wie "Wie ist denn die Luft da oben?" anhören. Das ist zwar in der Regel kumpelhaft-witzig gemeint. Aber der Mann findet das schon lange nicht mehr witzig sondern einfach nur noch nervig.
    • Capricorn wrote:

      Heute weiß die Ernährungswissenschaft, dass gerade Fruchtzucker das Körpergewicht ungünstig beeinflusst (fördert Insulinresistenz).
      Und es fördert die Entwicklung einer Fettleber und ggf. später weitere gesundheitliche Konsequenzen. Das ist leider noch weithin unbekannt.

      Etwas OT, aber ich nutze mal die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass dies auch beim ständigen Konsum von Softdrinks passieren kann.

      Heutzutage sind wegen eines hohen Softdrinkkonsums immer mehr Jugendliche davon betroffen, was sich früher Altersdiabetes nannte. Die meisten dieser betroffenen jungen Menschen sind Typ 2b Diabetiker. Das heißt, sie haben sich nicht nur eine Insulinresistenz (und Fettleber) angefuttert und/oder angetrunken, sondern sind auch stark übergewichtig.
      Und dann gibt es noch den Diabetes Typ 2a. Das sind definitionsgemäß schlanke Menschen mit dieser ernährungsbedingten Stoffwechselstörung.
      Denen sieht man ihre Stoffwechselkrankheit nicht an, weil sie (noch) schlank sind.
    • Ich würde mich jetzt nicht als dünn bezeichnen, aber ich habe 30kg abgenommen und habe jetzt "Normalgewicht" (doofes Wort!). Als ich mehr wog, wurde ich ständig diskriminiert, und auch jetzt, nach meiner Abnahme, werde ich ständig angesprochen und gefragt, ob ich krank bin. Ich habe tatsächlich "schwere" Knochen, so sieht man an mir Schlüsselbeine, Rippen, Hüftknochen, etc. sehr gut, auch wenn ich kein Untergewicht habe. Ich habe auch stark ausgeprägte Wangenknochen, so habe ich halt ein eingefallenes Gesicht. Bin froh, dass ich einen Mundschutz tragen muss, so fällt das nicht ganz so stark auf.
      Zusammengefasst: man kann es anderen nie recht machen und daher sollte man nicht auf die Kommentare hören.