Empathievermögen

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    • Tuvok wrote:

      freebirth_one wrote:

      er kommt in Gruppen gut klar, und er kann sich gut in andere hinenversetzen. In Beiderlei Art.
      Was meinst du in diesem Zusammenhang mit "beiderlei Art"?
      Mist. Er hat gutes Einfühlungsvermögen bederlei Art. Sprich nicht nur das Mitfühlen, sondern auch das Hineinversetzen/Wissen, warum jemand diese Gefühle hat.


      Tuvok wrote:


      Wer nervt dich? Die Kinder oder die Leute, die sie süß finden?D
      Die Kinder. Die Leute verstehe ich dann meist nicht/kann ich nicht nachvollziehen. Und meine Bekannte hat das gleiche Proboem mit den Kindern.
      Natürlich flirten Autisten. Sie kriegen es nur nicht mit.
      Asperger Syndrome bei TVTropes (englisch)
    • freebirth_one wrote:

      Er hat gutes Einfühlungsvermögen bederlei Art. Sprich nicht nur das Mitfühlen, sondern auch das Hineinversetzen/Wissen, warum jemand diese Gefühle hat.
      Und du traust dir zu, das einschätzen zu können, wie gut das Hineinversetzen/Wissen, warum jemand diese Gefühle hat, bei ihm ausgeprägt ist? Das finde ich erstaunlich, weil ich es noch nicht einmal selbst einschätzen kann, wie gut oder schlecht das bei mir selbst ausgepägt ist.
      Dass Kinder mehrheitlich als "süß" empfunden werden und nicht als "Nervensägen", dürfte in der Evolution begründet sein. Die Menschheit wäre längst ausgestorben, wenn dieser Beschützerinstinkt für die Nachkommen nicht irgendwie in den Genen codiert wäre.
      Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anderswerden, wenn es besser werden soll. (Georg Christoph Lichtenberg)
      Veränderungen führen deutlich öfter zu Einsichten, als dass Einsichten zu Veränderungen führen. (Milton H. Erickson)
      Morgen werde ich mich ändern, gestern wollte ich es heute schon. (Christine Busta)
    • Ich empfinde es als seltsam, dass bei Kindern nicht genauso differenziert wird wie bei Erwachsenen. Ich finde manche Kinder "süß", aber die meisten empfinde ich als "asozial" und nervig.
      Das Leben ist zu komplex um eine festgelegte Meinung zu haben.
    • Zum Thema Trauer/Konsolidieren: das konnte ich früher nicht wirklich nachempfinden oder mir vorstellen, wie es Trauerenden geht. Meist habe ich geschwiegen, da ich nicht wusste, wie ich mit der Situation umgehen soll.
      Seit mein Vater aber vor ein paar Jahren gestorben ist, kann ich nachvollziehen, wie es auch für andere ist, wenn deren Eltern sterben. Bei anderen Beziehungen zu dem Toten wird's schon wieder schwieriger.
      Aber der Tod meines Vaters hat mich auch gelehrt, dass super viele NT's überhaupt nicht auf Trauernde eingehen können. Nachbarn haben uns damals aufgezählt, wer denn noch gerade alles gestorben ist (interessiert einem selber in dem Moment nicht die Bohne (RW)). Oder auch einfach Schweigen/Ignorieren.
      Meine persönliche Erfahrung ist aber: als Trauernde will man einfach nicht alleine sein, nicht angeschwiegen/ignoriert werden. Das macht es noch schlimmer. Und es geht tatsächlich nicht um den Toten, sondern um einen selbst. Um den eigenen Verlust. Sprüche wie: "jetzt muss er nicht mehr leiden" bringen keinen Trost.
      Bestes Beispiel von meiner Freundin damals (die 1 Jahr zuvor ihren Vater verloren hatte): sie hatte mir über 2 Wochen jeden Tag eine Nachricht geschickt. Nur eine kleine Aufmerksamkeit, dass sie da ist und an mich denkt. Ich musste überhaupt nicht antworten. Es hatte mir sehr geholfen, mich weniger alleine zu fühlen. Und seit dem mache ich es so ähnlich bei anderen Trauernden.
    • Kai wrote:

      wenn jemand stirbt den ich Liebe, der mir viel bedeutet würde ich Trauern.
      Vielleicht auf meine eigene Art, aber es würde mich nicht kalt lassen.
      aber ich gebe dir recht , wenn ich zb irgendwo lese das zb ein Kind getötet wurde, dann weiss ich zwar das das schlimm ist,
      ich würde aber nicht Trauern. Es ist für mich eher eine Abstrakte Meldung, ich kenne die Leute ja garnicht.
      Das finde ich interessant.

      Ich vermute einerseits, dass diese Grenze jeder Mensch irgendwo hat oder aufbaut, ab der es "abstrakt" wird, ansonsten müsste man das in einem anderen Land verhungernde Kind ebenso retten wollen wie ein eigenes.

      Ich habe mich kürzlich auf eine Tätigkeit beworben, die allgemein als "psychisch belastend" gilt.
      Eine Bekannte, Mutter eines Aspie-Sohns (!) sagte "Das ist perfekt, ihr habe ja nicht diese Empathie, für Euch ist das ein ganz normaler Job mit Fakten.".

      Ich fühle mich dadurch gekränkt.

      Es geht um ein Thema, bei dem Menschen etwas Schlimmes angetan wird, etwas, was moralisch falsch ist, und wovon jeder ethisch denkende Mensch weiß, dass es verboten werden muss.

      Ich würde nicht sagen, das ist ein beliebiger Job. Als würde man sagen "Na ja, die haben wohl Pech, aber es ist mir emotional völlig gleichgültig. Ich mache hier meinen Job genau so als würde ich Brötchen verkaufen.".

      Wenn ich weiß, dass etwas falsch und schrecklich ist, nach moralischen Maßstäben, dann bin ich nicht gleichgültig!

      @freebirth_one
      'Ein Asperger hat eine sehr gut ausgeprägte emotionale Empathie, also Mitempfinden. Er fühlt alles mit, was die Personen in seiner Umgebung als Emotionen aussenden, was sehr belastend sein kann. Größeren Gruppen kann das für den Aspi dann auch schon mal so viel werden, das die Empathie sich komplett abschaltet'

      Ich glaube, das habe ich nicht. Wurde mir jedenfalls vorgeworfen.
      Ich warne Leute, z.B. bei Bewerbungen, da jetzt immer.
      Wenn ich arbeite oder gedanklich mit einer Sache beschäftigt bin, bekomme ich nicht mit, ob "Spannung in der Luft" liegt. Oder "Stress herrscht".
      Oder "Streit droht".
      Bei einer einzelnen Person, die ich gut kennen, kann ich wenn ich mit ihr allein bin merken, dass die Stimme anders ist.
      Die Person könnte... müde sein? Erkältet? Traurig? Früher habe ich immer gedacht, ich müsse das erraten (weil ich Familie habe, die erwarten, dass ich das erkenne.)
      Nun lerne ich, dass man auch fragen kann "Ist etwas mit Dir?".

      Mich in Leute hineinzudenken finde ich hingegen in Standardsituationen einfacher:
      Es gibt sehr viel Material dazu.
      Fernsehserien (je deutlicher gespielt, desto besser), Bücher, Beobachtung im Leben.
      Wenn jemand verlassen wird, betrogen oder bestohlen kann er/sie wütend sein, traurig oder beides in Folge (Tränen? Schimpfworte "Der A..."?).
      Wenn jemand krank wird... etc.

      Ich weiß kriege das in Echtzeit nur oft nicht mit, oder mir fällt nicht ein, was da nochmal die angemessene Reaktion war, oder ich trage sie falsch (zu spät, zu oft, ungeschickt) vor.
      In Mails dagegen gelte ich als sehr empathisch (da kann ich in Ruhe nachdenken, was ich auch sehr gerne tue, wenn die Person oder das Anliegen mir wichtig sind).
      Ich finde es nur anstrengend, habe es mir aber ein Leben lang antrainiert.
    • Epidiokontas wrote:

      Ein hochinteressanter Thread. Lest ihr auch immer alle Beiträge und seid dann verwirrt, was ihr wem wie antworten wollt und habt Angst vor redundanten Doppelungen, welche als mangelndes Interesse oder mangelhafte Aufmerksamkeit ausgelegt werden könnten?
      Ja! :nod:

      Mir geht's so wie einigen anderes hier: Ich fühle schon mit anderen mit, kann aber oft nicht nachvollziehen, warum sie sich jetzt in der Situation so fühlen. Ich würde mich in der gleichen Situation anders fühlen. An der Stelle habe ich dann eine gedankliche Sperre und ich hänge mich (RW) am unterschiedlichen Erleben auf. Intuitiv läuft das nix, ich versuche es dann (entweder alleine oder mit anderen zusammen) aufzudröseln. In der Situation habe ich dann natürlich keine "angemessene Reaktion" parat, sondern nur ein "Okay?" oder "Hä?". Stelle mir dann immer vor, dass wie in einem Comic eigentlich die Fragezeichen über meinem Kopf schweben.

      Gibt tatsächlich Untersuchungen zum Thema Empathie zwischen NTs und Autisten und Autisten untereinander, die dann zur Formulierung vom "Doppel-Empathie-Problem" geführt haben. Das ist also keine Einzelwahrnehmung. Ich behaupte da gerne, dass richtige Empathie sehr selten ist und die meisten halt nur Projektion können. :-p
    • Also ich habe mit der Wahrnehmung der Gefühle anderer Menschen allergrößte Schwierigkeiten. Stimmungen und Gefühle müssen mir von anderen auf der sachlichen Ebene erläutert werden, sonst neige ich dazu, emotionale Menschen als einseitig, ignorant und ungerecht zu empfinden. Erst, wenn mir jemand die Gefühle und Stimmungen von jemand anders erklärt hat, kann ich daran gehen, die jeweilige Person ein wenig zu verstehen, aber immer vom Verstand her, nicht emotional.
    • Mr. Winterbottom wrote:

      Sehr interessante Diskussion.

      Der "Berufsautist" Peter Schmidt (dr-peter-schmidt.de/) hat auch dazu einen interessanten Gedanken geäußert: Empathie ist keine Einbeinstraße (Redewendung).
      Das heißt, Empathie benötigt auch das Sich Öffnen des Gegenübers. Wenn das Gegenüber vorwirft, nicht empathisch zu sein, dann hat das einen Selbstanwendungsfehler, weil das Gegenüber in diesem Moment auch nicht empathisch ist.
      Wäre man nach Peter Schmidts "Theorie" auch "empathielos", wenn man z.B. keine Empathie für Serienmörder hat?
    • Ja, natürlich. Ein Serienmörder hat auch Probleme und viele leiden selbst darunter, wie sie sind. Da keine Empathie zu zeigen ist empathielos.

      Empathie hat nichts damit zu tun, die Aktionen einer Person gut zu finden oder logisch nachvollziehen zu können, sondern sich in ihre Gefühle hinein versetzen zu können - insbesondere wenn man selbst deutlich anders fühlt.
      Wird schon Am warten auf die Bestätigung meines Premium-Mitgleidschafts-Abos.
      Also warten...
      und warten...
      noch mehr warten...
      und noch mal warten...
    • Als außenstehende, nicht betroffene Person lässt sich sowas natürlich immer leicht sagen. Aber (fiktives Beispiel): Ich bezweifle, dass Peter Schmidt Empathie für den Mörder seiner ermordeten Familie hätte (zumindest, wenn der Mord noch ziemlich "frisch" wäre). Daher würde ich mich an seiner Stelle mit der "Selbstanwendungsfehler-Theorie" nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. (RW)

      Für mich ist das irgendwie ein "Totschlagargument", denn nach dieser "Theorie" wären so gut wie alle Menschen "empathielos".

      The post was edited 1 time, last by Sonnenseele ().

    • Mr. Winterbottom wrote:

      [...] man könne solche Menschen verurteilen oder verstehen. Aber nie beides zusammen.
      Das gilt mMn für so ziemlich alles im Leben, nicht nur für Serienmörder.

      Aber bei manchen Dingen (z. B. eben Serienmördern) ist es gesellschaftlich üblich, sich gar nicht erst an Empathie zu versuchen.
      Aus psychologischer Sicht, gemessen an der Norm, würde man daher bei jemandem, der einen Serienmörder verurteilt, wohl eher nicht von einem "Empathiedefizit" sprechen. Es wäre einfach normales "artgemäßes" Verhalten.

      Gemessen an dem, was theoretisch möglich wäre, wäre es u. U. ein ziemlich großer Empathiemangel.
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal
      "Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen - und der Dumme weiß alles besser." ~ Sokrates
    • Mr. Winterbottom wrote:

      Sonnenseele wrote:

      Wäre man nach Peter Schmidts "Theorie" auch "empathielos", wenn man z.B. keine Empathie für Serienmörder hat?
      Gute Frage. Der Autor Bernhard Schlink in "Der Vorleser" meinte, man könne solche Menschen verurteilen oder verstehen. Aber nie beides zusammen.
      Ist das so? Ich kann durchaus das Innenleben einer Person nachvollziehen, und zu dem Schluss kommen, dass dieses Innenleben, wenn auch konsistent, so inkompatibel mit der Gesellschaft ist, dass bei dieser Person Sicherheitsverwahrung angebracht ist. Ist das jetzt "verurteilen"? Irgendwie schon. Zwar nicht moralisch (wie geht das?), aber rechtlich. Und ist es "verstehen"? Sicher nicht empathisch (wie geht das?), aber funktional.