Sozialen Beruf ausüben mit Asperger-Spektrum-Diagnose: Bitte um eure Erfahrungen und Rat

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Ihm ist wohl nicht klar, dass Asperger keine psychische Krankheit im herkömmlichen Sinne ist, also nichts, was man "wegtherapieren" kann?
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Wegtherapieren nicht, aber dass man Kompetenzen erlernt, um damit besser umgehen zu können. Und das kann mein Therapeut nicht. Die Diagnose steht ja auch noch offen.

      So oder so bleiben meine Schwierigkeiten erst einmal bestehen. Ob ich mich diese oder kommende Woche krankschreiben lasse, habe ich noch immer nicht entscheiden können.
      Mir steht auch noch ein Teil Resturlaub zu, der mir bis dato unbekannt ist. Vielleicht würde auch der ausreichen, und eine Krankschreibung unnötig machen.

      Heute bin ich jedenfalls immer noch müde und "neben der Kapp"(RW). Seit gestern habe ich teilweise "Ohrgeräusche" (surrendes Geräusch im Ohr). Hunger und Durst sind immer noch gemindert. Aber wegen der Hitze zwing ich mir Essen und Trinken rein.

      Derzeit ärgere ich mich über meine Unentschlossenheit über die Krankschreibung, den ungewissen Inhalt des Führungszeugnisses, die ungewisse Anzahl der Resturlaubstage. Vor den weiteren Arbeitswochen fürchte ich mich ehrlich gesagt. So viel Ungewisses auf einmal, ich habe das Gefühl, dass mein Kopf förmlich voller Gedanken explodiert.
    • Tristan wrote:

      Trennungsgrund wird drinnen stehen, dass es aus beiderseitiger Sicht beendet worden ist.
      Bei einem länger bestehenden Arbeitsverhältnis gilt so ein Satz als negativ, denn der steht für einen Aufhebungsvertrag und der wird oftmals auch zur Umgehung einer Kündigung geschlossen. Keine Ahnung, ob das bei einem so kurzen Arbeitsverhältnis weniger kritisch interpretiert wird.
      Ich hoffe du hast dich nicht auf eine Aufhebung eingelassen, die ist mit Nachteilen bei der AfA verbunden.

      Tristan wrote:

      aber ich will dann nicht als "Weichei" (RW) gelten.
      :m(:
      Sorry aber, was für ein Schwachsinn. Mit dieser Einstellung machst du dich außerdem grad selbst kaputt.

      Theta wrote:

      Tristan wrote:

      Dazu kommt, dass mein Hausarzt auch schon "die Nase voll hat" (RW), dass ich in Jahresabständen immer wegen meiner psychischen Verfassung krankgeschrieben werden muss.
      Wenn dein Arzt genervt ist, dass Leute mit ihren Krankheiten zu ihm kommen, hat er aber auch den falschen Beruf erwischt.
      Dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Ein Hausarzt hat auch psychische Beschwerden ernst zu nehmen und erst recht nicht als "Empfindlichkeit" abzustempeln. such dir einen neuen.

      Tristan wrote:

      Mir steht auch noch ein Teil Resturlaub zu, der mir bis dato unbekannt ist.
      Du wirst doch wohl wissen, wieviel Jahresurlaub dir in einem vollen Jahr zusteht, das steht schließlich im Arbeitsvertrag. Daraus errechnest du dir den anteiligen Urlaubsanspruch für die Dauer deiner Tätigkeit (pro vollen Monat 1/12 des Jahresurlaubs und ab ner 5 hinterm Komma wird aufgerundet) und ziehst die genommenen Urlaubstage ab und schon hast du deinen Urlaubsanspruch.
    • Hallo @Aldana

      nein, es war kein Aufhebungsvertrag. Ich wurde ganz normal gekündigt.

      Ja, ich mache mich derzeit wohl selbst kaputt. Wahrscheinlich bin ich einfach zu stolz, um zu zu geben, dass es mir schlecht geht. Ich denke, dass ich mir mit meinem Durchhaltevermögen (Kompensieren) einen Teil "Normalität" an meiner Person erhalten möchte. Beziehungsweise signalisieren möchte. Aber an sich weiß die Chefin ja um meine Persönlichkeitsstruktur und da ist ja für alle nichts "Normales" verknüpft. Die Angst, dass über meinen Krankenstand etwas im Arbeitszeugnis erwähnt wird, kommt noch hinzu.

      Meinen Urlaubsanspruch hatte ich errechnet, aber mir wurde gesagt, dass das die Personalabteilung alles fertig macht und uns dann mitteilt. Wenn es so ist, wie ich annehme, habe ich noch ca. 7 Tage zu arbeiten.
    • Tristan wrote:

      Wegtherapieren nicht, aber dass man Kompetenzen erlernt, um damit besser umgehen zu können.
      Kompensation ist nur bis zu einem gewissen Grad möglich, und zudem bringt es dich in den Burnout.

      Ein Rollstuhlfahrer kann es auch nur teilweise kompensieren, dass er nicht laufen kann, aber wird im Verhalten nie ganz so wirken wie die gehenden Kollegen...
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Hallo @Lex

      da hast du Recht. Ich bin der festen Überzeugung, dass es an meinem Stolz liegt. Und der bricht mich gerade (wieder). Zuzugeben, dass es mir schlecht geht, fiel mir schon immer schwer. Das habe ich jetzt reflektiert.

      Es sind jetzt ca. 7 Tage. In der nächsten Woche wird den Klienten gesagt, dass ich gehe. Eine Krankschreibung fühlt sich jetzt noch falscher an.

      Da die Einrichtung sehr familiäre Strukturen hat, wird offen gesprochen, warum man krank ist. Das ist bei jedem Kollegen oder Kollegin so.
      Und ich möchte nicht zugeben, dass mich die Gruppenarbeit und Arbeit im Team so stark belastet, dass ich krank bin. Ich habe es ja 3 Monate ausgehalten und in den letzten 7 Tagen "mach ich schlapp" (RW).

      Und da ist wieder mein Stolz und die Angst um das Arbeitszeugnis.

      Dazu kommt, dass meine Chefin schon sehr viel mit mir gesprochen hat und schon gesagt hat, dass sie nicht immer die Zeit hat, mit mir zu sprechen. Andere Kollegen haben auch Anliegen, oder sie hat ihrer Tätigkeit als Chefin nach zu gehen. Ungeachtet, dass sie selbst Gespräche mit mir eingefordert hatte.

      Ich drehe mich im Kreis.

      The post was edited 2 times, last by Tristan ().

    • Schön, dass meine sachlichen Feststellungen dich in deinen persönlichen Erkenntnissen weiterbringen.

      Man sollte allerdings möglichst schon vermeiden, dass die Klienten das Gefühl hätten sie seien Schuld daran, dass du gehst oder gar, dass sie dich krankgemacht hätten... *seufz*
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Tristan wrote:

      Da die Einrichtung sehr familiäre Strukturen hat, wird offen gesprochen, warum man krank ist. Das ist bei jedem Kollegen oder Kollegin so.
      du bist nichts mehr schuldig. Du hast das Recht, keinen Grund für deine Erkrankung angeben zu müssen. Es darf dich, soweit ich weiß, auch niemand danach fragen. Und ganz ehrlich? Familiäre Strukturen? Sche*ß drauf. Einrichtungen, die sich das auf die Fahne schreiben (RW), sind meiner Meinung nach die schlimmsten. "Familiäre Strukturen" ist meiner Erfahrung nach ein Euphemismus für "hier herrscht ganz besonders viel sozialer Druck!". Achte auf dich und deine Gesundheit.
      Ich schreibe in der Regel vom mobilen Endgerät aus - merkwürdige Wortkonstrukte sind ggf. der Autokorrektur geschuldet
    • Tristan wrote:

      Da die Einrichtung sehr familiäre Strukturen hat, wird offen gesprochen, warum man krank ist. Das ist bei jedem Kollegen oder Kollegin so.

      Mandelkern wrote:

      du bist nichts mehr schuldig. Du hast das Recht, keinen Grund für deine Erkrankung angeben zu müssen. Es darf dich, soweit ich weiß, auch niemand danach fragen. Und ganz ehrlich? Familiäre Strukturen? Sche*ß drauf. Einrichtungen, die sich das auf die Fahne schreiben (RW), sind meiner Meinung nach die schlimmsten. "Familiäre Strukturen" ist meiner Erfahrung nach ein Euphemismus für "hier herrscht ganz besonders viel sozialer Druck!". Achte auf dich und deine Gesundheit.
      Ich schließe mich Mandelkern an. Wenn du über deine "Krankheit" (Autismus ist ja keine) nicht sprechen möchtest, musst du es nicht. Ich hatte in einem anderen Thread ja auch mal erwähnt, dass ich meinem Chef nicht gesagt habe, was ich hatte. Bei uns sind wir auch alle per du und es ist eher locker. Aber deshalb muss ich ja niemandem intime Erkrankungen darlegen. Solange ich mit einer Person nicht auch privat zu tun habe, wahre ich lieber noch einen gewissen Abstand.
    • Hallo ihr Alle. Danke euch für eure Antworten.

      Tatsächlich geht es dort wirklich familiär und herzlich zu. Sozialer Druck kommt da wohl nur auf, wenn man von seiner Persönlichkeitsstruktur nicht sonderlich sozial eingestellt ist (meine mich) und versucht "normal sozial" zu sein (kompensieren). Wenn man mir nicht sachlich sagt, was gemeint ist, "stehe ich auf dem Schlauch" (RW). Und da muss halt auch mal auf eine Gegenfrage von mir geantwortet werden.
      Und das ist eben für eine Einrichtung, die mit ebendiesem Klientel arbeitet und daher funktionieren muss, schwierig.

      In diesem Setting merke ich meine Schwierigkeiten jedenfalls immens.

      Ursprünglich hätte ich dort eine andere Stelle antreten sollen. Dank Corona ging dies jedoch nicht, also wurde mir als "Entschädigung" die Stelle in einer HPT angeboten. Also als Versuch, ob mir das "taugt" (RW). Die Kollegin aus der ersten Stelle verweigerte sehr schnell die Arbeit mit mir. Dann kam ich in die zweite HPT und da fiel ihnen nach einiger Zeit eben einiges an mir auf (wie in Stelle No1). Daraufhin erklärte ich eben, dass bei mir AS "im Raum steht". Meine jetzige Chefin meinte daraufhin, dass dann ihre ganzen Beobachtungen und Vermutungen Sinn ergeben würden.

      Für sie war es kein Problem, solange meine "Eigenarten" nicht die Betriebsflüsse beeinträchtigt, oder der Betriebsfluss mich ausbrennt.
      Nach einer weiteren Zeit schilderte mir die Chefin eben, dass sie meine "Eigenarten" unterschätzt hat und auch die Kolleginnen sich schon über mich wundern (die wissen bis heute nichts von meinem AS-Verdacht). Das Arbeiten mit mir sei anstrengend. Wurde mir alles auch im Detail erklärt und ich sehe es fast 1:1 genau so.

      Meine Eigenarten beeinträchtigen den Betriebsfluss und ich brenne an ihm aus. Also ist die Kündigung gut wie sie ist. Ich hätte wahrscheinlich irgendwann selbst krankheitsbedingt gekündigt.

      Das sind meine Punkte, wie ich es erlebe:
      - Mit einer größeren Gruppe alleine zu sein löst Panik in mir aus;
      - Gespräche in einer Gruppe zu folgen, fällt mir schwer;
      - Eine Entscheidung für eine Gruppe zu treffen löst Panik in mir aus;
      - Eine Gruppenaktivität anzuleiten löst Panik in mir aus;
      - Im Mittelpunkt eines Geschehens stehen löst Panik in mir aus;
      - Smalltalk oder tiefgreifende Gespräche führen kann ich nicht;
      - Personen in die Augen schauen kann ich nur mit großer Konzentrationskraft. Dann kann ich aber dem Gespräch nicht folgen;
      - Ich denke sehr viel über mein Umfeld nach (analysiere Situationen) und wie ich darauf sozial reagieren soll;
      - Ich stehe oft im Raum und weiß nicht, was ich sozial betrachtet machen soll;
      - Mit mehreren Personen im Raum zu sein, vor allem wenn ich sie nicht kenne, bereitet mir große Panik;
      - Auf Personen zu zu gehen, fällt mir schwer;
      - Ich habe Panik vor Telefonaten;
      - Ich nehme Gesprochenes 1:1 wörtlich und frage daher oft nach, wenn mir etwas unklar ist (was eben für neurotypische Menschen banal ist).
      - Wenn ich nervös bin, was ich in der Arbeit eigentlich die ganze Zeit bin, nuschel ich, verspreche ich mich, oder rede leise (was mir nicht auffällt, aber andere nervt).


      Im 1:1 Kontakt mit Personen habe ich keine Probleme mich fachlich auszutauschen. Smalltalk fällt mir schwer. Auch in der Klientenarbeit 1:1 oder 1:3+ habe ich keine Probleme. Zum Beispiel reden, gemeinsam basteln oder spielen.

      The post was edited 4 times, last by Tristan ().

    • Tristan wrote:

      Im 1:1 Kontakt mit Personen habe ich keine Probleme mich fachlich auszutauschen. Smalltalk fällt mir schwer. Auch in der Klientenarbeit 1:1 oder 1:3 oder 1:4 habe ich keine Probleme. Zum Beispiel reden, gemeinsam basteln oder spielen.
      Das heißt 1:4 zählt bei dir nicht als Gruppe oder geht es da eher ums setting, also setting gruppe versus im spielkontext als einzelne personen wahrnehmen.
      Ich kann das nachvollziehen 1 zu 1 rede ich eher zu viel als zu wenig, je mehr Leute es werden desto schwieriger wird es für mich. Hängt dann natürlich auch davon ab, wie die Leute drauf sind. Optimal ist für mich in Gruppengesprächen, das sich nicht alleine da bin, also das es eine Person gibt die eindeutig meiner Seite zuzuordnen ist und optimalerweise ich der Fachmann bin und die Person mir vorgesetzt ist und dann die strategischen und politischen Entscheidungen trifft und auch wie man sich sozial zu verhalten hat quasi. Dann gibt es Jemanden an dem ich mich orientieren kann und ich kann mich voll auf meine fachliche Stärken konzentrieren, weswegen ich da dann auch überhaupt dabei bin und ich auch manchmal das Gefühl habe, dass die anderen mir dann auch den Bonus des Fachnerds geben.

      Dementsprechend war auch mein Tipp in Reihe 2 gemeint, da ist man dann ja auch nicht unbedingt der alleinige Entscheidungsträger, auchd a gibt es dann eben fachleute, bei denen das soziale und Entscheidungtreffen nicht so wichtig sind.
    • Hallo @Zodd

      Also die Gruppe besteht aus 9 Klienten auf 2 Pädagogen (einer davon ich). An anderen Tagen bin ich in einer Gruppe mit 7 Klienten also mit mir wieder 2 Pädagogen. Sonst 1 Pädagoge.

      Wenn ich beispielsweise mit allen Klienten eine Aktivität durchführen muss und die anderen 2 Kollegen nur begleiten oder dabei sitzen, bin ich aufgeschmissen. Weil: Ich bin im Mittelpunkt, ich muss vor einer Gruppe sprechen, ich muss anleiten, ich muss Entscheidungen treffen, für Ruhe und Ordnung sorgen. Dann kompensiere ich erst einmal das und dann noch "meinen neurotypischen Schein" (RW) vor meinen Kollegen.

      Wenn ich jetzt mit 4 Klienten etwas gemeinsam mache, ist es in Ordnung. Zum Beispiel spielen, basteln und sprechen. Da leite ich dann durch meine Moralvorstellungen an.

      Aber der essenzielle Gruppenkontext ist für mich pure Überforderung. Ich orientiere mich stark an meinen Kollegen und wenn die mal den Raum verlassen, wird mir schon ganz anders (RW). Das Bürokratische drumherum oder "Bespaßungsprogramme" strukturieren und planen stellt jetzt kein Problem für mich da.
    • Hallo @Sonnenseele

      du wirst dir wahrscheinlich an den Kopf fassen (RW), aber "nein" mir waren meine Schwierigkeiten nicht bewusst.
      Ich hatte wohl über mein Leben immer Freundeskreise, die so tolerant waren, dass mir nichts rückgemeldet wurde. Meine Eltern haben wohl viel unbewusst kompensiert oder meine Schwierigkeiten meinem Umfeld geschuldet, aber nicht mir.

      Bei Beendigungen von Partnerschaften wurden mir schon Dinge geschildert, aber da ist mir erst bei der letzten Beziehungsbeendigung ein Muster aufgefallen. Weil halt immer die selben Aussagen kamen und dann auch die Meinung, dass ich AS haben könnte (die letzte Partnerin ist im Behindertenbereich tätig). Das habe ich eben erst mal verdrängt, aber dann habe ich angefangen mein Leben zu reflektieren.

      Und ich muss wohl wirklich in einer eigenen Welt leben (RW). Ich habe damals nicht verstanden, warum sich Leute von meinen Worten angegriffen fühlten und dann mieden. Warum mir zwei Psychotherapeuten Bücher zur Gesprächsführung und sozialen Kompetenzen nahelegen, wenn ich doch wegen Depressionen und Mobbing dort bin. Ich habe jetzt Muster darin erkannt, dass mir in sozialen Praktika und Arbeitsverhältnissen (mit viel Menschenaufkommen) das Gleiche über mich geschildert wurde. Ich bemerke nun aktiver, dass mir große soziale Zusammenkünfte oder Gruppen, im Mittelpunkt stehen (etc.) schwer fallen.

      Damals im Studium dachte ich beispielsweise: "Okay, Gruppen und Referate / Präsentationen liegen mir vielleicht jetzt noch nicht. Ist Gewöhnungssache. Kommt mit steigender Berufserfahrung." aber ist eben nicht besser geworden, sondern ich brenne regelrecht aus.

      Man kann meine Situation wohl seit Mitte / Ende letzten Jahres "das große Erwachen" (RW) nennen.

      Da ich jetzt um meine Eigenarten weiß, fällt es mir eben massiver auf, wenn ich anecke. Früher dachte ich dann einfach "Ach, die sind einfach zu doof." oder "Dann sind sie meine Freundschaft / Liebe nicht wert."

      The post was edited 1 time, last by Tristan ().

    • Hallo liebe Leute,

      heute war ich kurz vor dem Shutdown, der sich in körperlichen Beschwerden geäußert hatte.
      Ich musste daheim bleiben. Stolz bin ich nicht drauf, weil ich voraussichtlich nur noch 4 Tage zu arbeiten habe.
      Aber ich konnte nicht mehr.

      Ab morgen werde ich noch mal alle meine Kraft sammeln und in die Arbeit gehen. Einfach irgendwie durchziehen. Eigentlich laufe ich weiterhin nur so nebenher. Ein wenig wie eine Ergänzungskraft. Daher verstehe ich meine Panikgefühle gar nicht mehr wirklich.

      Ich werde nach dieser Beschäftigung wohl eine Umschulung forcieren. Der soziale Arbeitsmarkt in meiner Region ist so "mau" (RW), es ist nichts passendes dabei. So einen Arbeitszustand würde ich nicht noch mal aushalten. Dem bin ich mir sicher.
    • Tristan wrote:

      Hallo liebe Leute,

      heute war ich kurz vor dem Shutdown, der sich in körperlichen Beschwerden geäußert hatte.
      Ich musste daheim bleiben. Stolz bin ich nicht drauf, weil ich voraussichtlich nur noch 4 Tage zu arbeiten habe.
      Aber ich konnte nicht mehr.

      Ab morgen werde ich noch mal alle meine Kraft sammeln und in die Arbeit gehen. Einfach irgendwie durchziehen. Eigentlich laufe ich weiterhin nur so nebenher. Ein wenig wie eine Ergänzungskraft. Daher verstehe ich meine Panikgefühle gar nicht mehr wirklich.

      Ich werde nach dieser Beschäftigung wohl eine Umschulung forcieren. Der soziale Arbeitsmarkt in meiner Region ist so "mau" (RW), es ist nichts passendes dabei. So einen Arbeitszustand würde ich nicht noch mal aushalten. Dem bin ich mir sicher.
      Ich wünsche Dir alles Gute! Achte gut auf Dich, und dass es in erster Linie Dir gut geht und Du Deine Gesundheit nicht für irgendein Bild nach aussen opferst.
    • Hallo @Liselottehonigmotte

      danke dir sehr für deine Worte.

      Gestern war ich auch nicht in der Arbeit und habe viel über mein Arbeiten und Wirken reflektiert.
      Dabei kam ich zum Schluss, dass ich fern ab von dem Kommunikativen ein guter Pädagoge bin. Basierend auf ehem. Klienten und Kollegenaussage oder über die Ziele, die meine Klienten mit mir erreicht habe.
      Ich habe Kompetenzen, nur nicht für diesen besagten Bereich. Beziehungsweise sind meine Kompetenzen dort nicht in diesem Maße gefordert, wie ich es zum Arbeiten und Wirken bräuchte.

      Dort fühle ich mich "klein mit Hut" (RW). Als sei die Person Tristan dort, welche hier und da ein paar pädagogische Inputs tätigt. Das empfinde ich nicht als sonderlich erfüllend und ich denke, dass das mein Problem des Ganzen ist.

      Die zwei Tage habe ich "Kraft getankt" (RW) und werde dort als Pädagoge erscheinen. So zu sagen ein "Neustart" für mich als Person und als Pädagoge. Und wenn es nur für die letzten 4 Tage ist.
      Ich werde nicht mehr versuchen, mich in einen Charakter zu pressen, der ich nicht bin. Egal, was an mich an Kritik an meiner Person oder Wirken heran getreten wird. Außer es ist natürlich wirklich was gravierendes in meinem Arbeiten. Selbstverständlich.

      Ich habe ebenfalls reflektiert, dass Personen, die zum Beispiel in "Bürokleidung" erscheinen (z.B. Pädagogen aus Ämtern), dort als "spießig" und "verkopft" betitelt werden.
      Retrospektiv hatte mich das getroffen, da ich auch so ein Pädagoge bin. Für diese Arbeit hatte ich mich (unbewusst?) stark an den Kollegen orientiert und mich ähnlich "casual" gekleidet. Meine Aktentasche gegen meinen alten Schulrucksack getauscht, etc. Dabei hatte ich immer das Gefühl "nackt" zu sein. Und ich weiß, dass das mein Problem ist und nicht die "Schuld" der Kollegen. Bitte nicht missverstehen.

      Ich möchte nicht alles an Kleidung fest machen. Klar "machen Kleider Leute", aber gerade trage ich meine "alte Arbeitskleidung" - nur etwas "casualer" - und ich fühle mich gleich mehr ich selbst in meiner Profession. Mag für den ein oder anderen "albern" klingen, aber so fühle ich mich. Viel Kompetenter, gefestigter.

      Mal sehen, wie es sich in den letzten 4 Tage verhalten wird. Aber ich bin erst einmal etwas zuversichtlicher.
    • New

      Hallo @Surprised

      danke dir für deine Nachfrage. Ehrlich gesagt, waren die letzten 4 Tage noch unbehaglicher als die vorangegangenen Wochen. Die Klienten hatten mein Ausscheiden relativ spät erfahren, was sie der ganzen Einrichtung stark anprangerten. Verübeln kann ich es ihnen nicht. Es war ziemlich emotional, was ich vereinzelt gar nicht erwartet hätte. Nicht mal die Kolleginnen. Da war meine soziale Fassade (nenne ich einmal so) ziemlich gefordert. 5+weinende und tobende Klienten trösten, ihnen Empathie zeigen, man kann ja nicht jedem das Gleiche sagen, in den Arm nehmen, etc. Es war viel, sehr viel.

      Die Kolleginnen fanden daran auch wieder was auszusetzen, weil ich so "aufgesetzt emotional", "steif" und "wortkarg" war. Auch hätte ich das ganze Weinen und Toben der Klienten eher wieder einfangen sollen. Das übernahmen dann die Kolleginnen, damit wieder der Alltag einkehrt. Ich empfand es eben als passend, sich einfach mal auszuweinen, etc. Das hat ja auch was befreiendes. Aber, es ist ja alles nun rum ums Eck. Wenigstens die Klienten werden mich vermissen. Sie wünschen, dass ich sie besuche oder mal einen Brief an sie schreibe. Das ist ja schon mal nett. Die Kolleginnen meinten nach der Arbeit, dass ich ja mal zu Besuch kommen kann, wenn ich in der Nähe sein sollte. Was in dem Fall eigentlich gegen "Nie" läuft, weil die Stelle abgelegen liegt.

      Mein Gruppen-Abschied als solches war eigentlich ähnlicher Natur. Ich sei zu "leise", "emotionslos" und "wortkarg" gewesen. Meine Kolleginnen leiteten viel an und ich lief eigentlich so nebenher. Gut, dass das den Klienten nicht großartig aufgefallen war. Meine Abschlussrede hätten meine Kolleginnen mir mit Augenkontakt andeuten müssen und meine Rede war wohl ziemlich "lasch". Jedenfalls entnahm man das ihren Gesichtsausdrücken. Enttäuschung oder "Fremdschämen" wäre wohl ein "Understatment". Nach der Arbeit, als sich alle Kolleginnen von mir verabschiedeten war dann auch meine Sprache weg, da kam als Abschluss meiner Worte nur ein komischer Laut und dann bin ich weggestürmt. Peinlicher Abgang, aber ich musste einfach weg von dort.

      Derzeit erwarte ich Rückruf von einer anderen Stelle. Ein gemeinsames Kennenlernen steht an. Dafür bereite ich mich schon innerlich vor, damit ich nicht wieder so eine Katastrophe erlebe, wie in der letzten Stelle.

      The post was edited 2 times, last by Tristan ().