Umfrage "Anecken" (nur an diagnostizierte Autisten)

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    • Ich tue mich auch sehr schwer mit der Redewendung "Anecken", mir wäre ein klarer Begriff lieber gewesen.

      HCS wrote:

      Dann nehme ich die Fälle, wo ich kurz danach sage "Idiot, wie konntest Du", wo ich spontan etwas gesagt oder getan habe, weil die (Gesprächs-)Situation dazu einlud, ich aber wenn möglich besser die Klappe gehalten hätte. Kommt leider immer wieder vor, da hilft auch das Alter nur sehr begrenzt.
      Wenn ich solche Fälle nehme, komme ich auf "nie", das habe ich auch angekreuzt.

      Ich bin offenbar zu unspontan zum Anecken. :m(:
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal
    • MonaLisa wrote:

      Ironischerweise kann man auch als Autist erstaunlich wenig Probleme mit Dingen wie Anecken haben; @Sonnenseele liefert hierfür das beste Beispiel, da er mit Sicherheit tatsächlich autistisch ist, aber n. e. A. bei seiner eigenen Umfrage zu den eher Unauffälligen gehört.
      Mein Autismus ist sehr untypisch und nicht repräsentativ. Mit meinem Autismus würde ich daher nie in der Öffentlichkeit auftreten, z.B. bei Veranstaltungen/Tagungen oder in Dokumentarfilmen (mal ganz abgesehen davon, dass ich ohnehin nicht gerne im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehe). Immerhin darf ich an der UK Köln an Studien und sonstigen Angeboten teilnehmen. Das reicht für mich völlig aus. Die Arbeitsgruppe von Prof. Vogeley ist immer sehr dankbar, wenn Probanden freiwillig an Studien teilnehmen. Daher unterstütze ich die Arbeitsgruppe so oft es geht.
    • Ich gebe zu, dass meine Umfrage kaum aussagekräftig ist. Ich bin ein sozial sehr anpassungsfähiger Mensch, daher gehe ich hier im Forum so ziemlich unter. (RW) Viele Autisten scheinen ziemlich stark betroffen zu sein, wenn sie einerseits schreiben, sie spielten eine "Rolle" und könnten nicht "sie selbst" sein, aber andererseits dennoch ziemlich oft bei ihren Mitmenschen anecken. Wie ausgeprägt wäre wohl das Anecken bei ihnen, wenn sie völlig authentisch wären? :roll:
    • Die Wörter authentisch und autistisch sind nicht ohne Grund ähnlich... :d
      Bei mir war es immer eine Gratwanderung, hat aber lange funktioniert.
      Irgendwie ist jetzt der Ofen aus, im April habe ich einen Termin bei meinem Psychiater, vielleicht kann ich mir danach mein Autisten Diplom an die Wand hängen und mich in den wirklich wohlverdienten vorzeitigen Ruhestand begeben.
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen
    • Sonnenseele wrote:

      Wie ausgeprägt wäre wohl das Anecken bei ihnen, wenn sie völlig authentisch wären? :roll:
      In einer sozialen Situation mit "NTs" und ihren Erwartungen und Gruppendynamiken gibt es für mich nur ein einziges "authentisches" Verhalten: Abhauen.

      Geht natürlich nicht immer, aber wenn ich da bleibe, dann kann ich per se nicht mehr "authentisch" sein. Insofern stellt sich die Frage für mich nicht wirklich. :roll:
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal
    • Sonnenseele wrote:

      Viele Autisten scheinen ziemlich stark betroffen zu sein, wenn sie einerseits schreiben, sie spielten eine "Rolle" und könnten nicht "sie selbst" sein, aber andererseits dennoch ziemlich oft bei ihren Mitmenschen anecken.
      Eine Rolle zu spielen, zu maskieren, schließt meiner Meinung nach das Anecken überhaupt nicht aus, denn man kann ja eine Rolle auch schlecht spielen. Wahrscheinlich kriegen Aspies das Rollenspiel nie perfekt hin, sie glauben das wohl nur. Ich meine, dass nicht autistische Menschen sofort bemerken, quasi instinktiv, dass da einer nur so tut, und prompt ist Aspie angeeckt.

      Andererseits: Muss man sich über das Anecken so viele Gedanken machen? Nicht autistische Menschen finden in ihren Klatsch- und Tratsch-Gesprächen ja nun fast jeden seltsam, der gerade nicht da ist.
      "Wir leben vermutlich zum ersten Mal. Wie soll da alles auf Anhieb klappen?"
      (Jürg Halter, Gemeinsame Sprache. Zürich, Dörlemann 2021)
    • FrankMatz wrote:

      Eine Rolle zu spielen, zu maskieren, schließt meiner Meinung nach das Anecken überhaupt nicht aus, denn man kann ja eine Rolle auch schlecht spielen. Wahrscheinlich kriegen Aspies das Rollenspiel nie perfekt hin, sie glauben das wohl nur. Ich meine, dass nicht autistische Menschen sofort bemerken, quasi instinktiv, dass da einer nur so tut, und prompt ist Aspie angeeckt.
      Wäre es dann nicht besser, überhaupt keine "Rolle zu spielen"?

      FrankMatz wrote:

      Andererseits: Muss man sich über das Anecken so viele Gedanken machen? Nicht autistische Menschen finden in ihren Klatsch- und Tratsch-Gesprächen ja nun fast jeden seltsam, der gerade nicht da ist.
      Nicht jeder Nichtautist macht "Klatsch- und Tratschgespräche".
    • Pechblende wrote:

      Sonnenseele wrote:

      daher gehe ich hier im Forum so ziemlich unter. (RW)
      das nehme ich deutlich anders wahr
      Ich merke gerade, dass ich mich möglicherweise missverständlich ausgedrückt habe. Ich bezog mich nicht auf die Aktivität bzw. Anzahl der Postings, sondern darauf, dass meine Schwierigkeiten eine Lachnummer sind (RW) im Vergleich zu den meisten anderen Autisten, die hier schreiben. Mittlerweile bereue ich es, dass ich mich z.B. gegenüber meinen Arbeitskollegen "geoutet" hatte. Aber es waren immerhin nur sehr wenige.
    • Sonnenseele wrote:

      dass meine Schwierigkeiten eine Lachnummer sind (RW) im Vergleich zu den meisten anderen Autisten, die hier schreiben
      Ich halte solche Vergleiche i. A. nicht für zielführend, möchte dir aber an dieser Stelle rückmelden: Ich denke nicht, dass deine Schwierigkeiten eine "Lachnummer" sind. Weder für sich betrachtet noch im Vergleich zu anderen Usern.
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal

      The post was edited 1 time, last by Abendstern ().

    • Ich ecke ständig mit Menschen an. Mag an meiner interessanten Kombination aus Asperger und Schizoider PS liegen. Schizoide Leute haben kein Interesse an Menschen und verstellen sich sehr gut, um im Alltag mit ihnen zurecht zu kommen. Als Aspie kann ich das aber leider nicht.

      Daher würde ich sagen, ich ecke ständig an. Weil ich zu direkt und ehrlich bin. Leute sind es gewohnt Honig ums Maul geschmiert zu bekommen, dass man schlechte Nachrichten gut verpackt oder sich selbst als etwas besseres darstellt.

      Bei mir geht das gerade heraus. Mit Fakten und Argumenten untermauert, aber die Leute können damit meistens wenig anfangen, weil ich sie nicht hübsch verpacke. Besonders Leute, die mich privat nicht kennen, halten mich daher für seltsam und denken ich bin ständig schlecht gelaunt oder habe zu allem Widerworte zu geben (wenn ich konkret gefragt werde). Deshalb hatte ich lange Zeit (und habe es immer noch) ein arges Selbstwertproblem. In der Schule, vom Arbeitsamt, von Arbeitgebern und bei Vorstellungsgesprächen, etc. Ständig war ich für irgendwas Schuld oder habe nicht so reagiert, wie man es gern hätte.

      Zum Glück habe ich inzwischen nicht nur meine Diagnose, sondern auch eine Betreuung, die mich gut einschätzen kann und ehrlich zu mir ist. Die würde es mir sagen, wenn ich irgendwo"falsch" handele und mein Denken umstellen muss. Sie kennt andere Autisten mit ähnlichen Problemen.

      Ich werde wohl ein Leben lang bei Menschen anecken. Auch weil man mir meinen Autismus nicht direkt ansieht und ich es auch nicht ständig erwähne. Schreckt die Leute zu sehr ab, weil sie an irgendwelche Filmautisten denken. Also bin ich einfach der seltsame Typ bei dem irgendwas nicht stimmt und der mal sein Leben auf die Kette bekommen sollte.
    • Randomaspie wrote:

      Auch weil man mir meinen Autismus nicht direkt ansieht und ich es auch nicht ständig erwähne.
      Aber ist das dann "ehrlich" / "direkt" / "authentisch"?
      Oder ist das nicht erst recht Rollenspiel (du spielst die "NT"-Rolle, obwohl du keiner bist)?
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal
    • Ich spiele keine Rolle. Ich gebe mich natürlich und erwähne es nur nicht.
      Muss mich mein Autismus denn definieren?
      Das wäre mir unangenehm, es bei Arbeitskollegen oder beim Zahnarzt oder bei entfernten Verwandten immer zu erwähnen.

      Wie gesagt, ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es Leute erst Recht abschreckt und sie mich dann komplett als Klischeeautisten abstempeln. Und nichts mit mir zu tun haben wollen. Dann müsste ich jedes mal zu meiner Erwähnung, dass ich Aspie bin, eine ausführliche Rechtfertigung ergänzen, wie genau sich die Behinderung bei mir zeigt und dass ich ja nicht "so einer" (Frühkindlich oder Mathe-Inselbegabt) bin.
    • Sonnenseele wrote:

      Ich merke gerade, dass ich mich möglicherweise missverständlich ausgedrückt habe. Ich bezog mich nicht auf die Aktivität bzw. Anzahl der Postings, sondern darauf, dass meine Schwierigkeiten eine Lachnummer sind (RW) im Vergleich zu den meisten anderen Autisten, die hier schreiben.
      nein darum ging es mir nicht. ich meinte schon die Schwierigkeiten, soweit ich davon gelesen habe, die ich mir schon als gravierend denke. als Zustimmung was @Abendstern schrieb
    • Randomaspie wrote:

      Ich spiele keine Rolle. Ich gebe mich natürlich und erwähne es nur nicht.
      Muss mich mein Autismus denn definieren?
      Nein. Ich will auch nicht mal unbedingt dazu raten, sich zu outen. Ich sage bloß: Sei dir bewusst, dass du, wenn du nichts sagst und dich unauffällig verhältst, automatisch in eine Rolle schlüpfst, nämlich die des "NT"s.
      "Echte NTs" stellen sich ja auch nicht vor und sagen "Hallo, ich bin normal", sie sagen einfach nichts dazu. D. h. wenn du nichts zu deiner neurologischen Beschaffenheit sagst (und dich auch sonst unauffällig verhältst), dann machst du genau das, was ein "NT" machen würde. Ergo, du spielst "NT". (Wenn auch nicht bewusst. Aber du baust die (falsche) Erwartung auf, dass du "NT" bist.)

      Wenn du dich dann später untypisch verhältst und aus der Rolle, die du (nicht bewusst, aber der facto) spielst, herausfällst, dann "eckst" du an.

      Das soll, wie gesagt, kein Plädoyer fürs Outing sein, es soll nur das Prinzip hinter dem "Anecken" erklären (und infragestellen, wie "ehrlich" es ist, nichts zu sagen). Es ist - so folgere ich zumindest - keine ursprünglich autistische Eigenschaft, sondern lediglich Folgesymptom einer bestimmten Art des Kompensierens.

      Und das erklärt auch, warum Autisten, die tiefer in Spektrum sind, das Problem des "Aneckens" nicht unbedingt stärker von sich kennen. Bis hin zum schwerst eingeschränkten Kanner-Autisten, der niemals "aneckt".
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal