Wie schnell regeneriert ihr von einer Reizüberflutung heute und früher, welche Hilfen setzt ihr dafür ein?

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    • Wie schnell regeneriert ihr von einer Reizüberflutung heute und früher, welche Hilfen setzt ihr dafür ein?

      Wie schnell regeneriert ihr von einer Reizüberflutung,welche Hilfen setzt ihr dafür ein?

      Früher habe ich mich nach wenigen Tagen von zu viel Reizen erholt, dann waren es Wochen, mittlerweile überkreuzt sich die Überlastung und Erholungszeit, weswegen ich in der Überlastung stecken bleibe.
      Folge, Denkstoerungen, Konzentrationsstörungen, grosse Überlastung mit Reizen, Agressionen.
      .Versuche es mit Pulstackmusiik, autogenes Training und PMR, wenn der Kopf nicht zu stark streikt und Koordination nicht zu anstrengend ist.

      Merkt ihr Unterschiede von den Erholungszeiten welche ihr früher bräuchte und heute braucht?

      :thumbup: :thumbup:
    • Früher hatte ich oft unkontrollierbare Wutausbrüche, dafür wurden mir immer Vorwürfe gemacht. Doch heute weiß ich, dass das pure Überforderung war, und dass man das Meltdown nennt.
      Seit einigen Jahren sind diese Ausbrüche seltener zu richtigen Ausbrüchen geworden, weil ich die eher wahrnahm. Doch ich reagierte immer noch sehr garstig, weil ich immer so tun wollte als könne ich mich anpassen. Meine abweisenden Reaktionen machten mir meine Mitmenschen immer noch zum Vorwurf. Und sagten mir, ich solle doch bitte lernen, eher Bescheid zu sagen, bevor ich ausflippe.
      War ein langer Lernprozess.
      Denn da kommt man aus einem Umfeld, wo es verboten ist, überhaupt einen Mucks zu sagen, und dann, wenn man erwa ist, wird das plötzlich von einem verlangt, dass man "für sich einsteht".
      Ich hatte das nicht gelernt.
      Also versuchte ich es, indem ich zuerst lernte, meine sehr engen Grenzen zu akzeptieren. Fällt mir immer noch nicht leicht.
      Auch, das zu kommunizieren ist nicht leicht, denn ich hab immer große Sorge, dass ich abweisend wirke. Es kommt aber auch aufs Umfeld an. Mein Freund motzt nicht mehr darüber, dass ich so anstrengend bin. Denn ihm ist schon viel geholfen, dass ich weni nicht mehr garstig werde. Hurra, ein Fortschritt! :)
      In meiner Familie ist das aber schwieriger. Da kommt nur "stell dich nicht so an".
      Bei meiner Tochter ist es deswegen oft schwierig, weil die wohl auch ein Aspi ist, jedenfalls nimmt sie immer erst sehr spät wahr, wenn ich eine Grenze erreiche. Manchmal knallt dann eben eine Tür oder ein Glas.

      Im vielen Situationen hatte ich auch schon früher einen Shutdown. Ich weiß erst seit kurzem, was das ist. Aber ich kenne das gut.Tagelanger Rückzug. Ende 2019 kam es bei mir sogar für viele Monate zu einem Rückzug. Da traute sich keiner mehr, mich zu kontaktieren. Ich war wie ausgewechselt. Vor paar Tagen rief erstmals seitdem ein alter Freund an und traute sich mal Hallo zu sagen. Da wurde mir erst bewusst, wie abweisend ich damals war. Ich hatte mich auch aus social media komplett zurück gezogen.
      Das hilft mir auch momentan wieder. Es geht echt nicht anders.
      Immer wenn ich innerlich überfordert bin, werde ich unerreichbar. Und ich muss aufpassen, dass ich dann überhaupt noch was esse. Für das Nötigste funktioniere ich irgendwie weiter, aber bin unendlich müde.
      Vor einem Jahr konnte ich das noch gar nicht einordnen. Es passierte so viel Mist, damals hatte ich noch einen Job, inklusive Mobbing, und dann wurde auch noch mein Auto zu Schrott gefahren. Mein Freund half mir wo er konnte. Ich schrieb ihm eine Vollmacht, dass er für mich die Termine beim Rechtsanwalt wahrnehmen konnte... Doch das war so zäh, der Rechtsanwalt war kompetent und freundlich, aber eben Tage lang nie telefonisch erreichbar, und ich hatte keine Ahnung wie das mit Leihwagen geht und ich musste ein neues eigenes Auto kaufen... das war alles zusammen so zermürbend. Eines Abends fand mein Freund mich halb liegend, halb hängend auf dem Sofa und ich war nicht mehr ansprechbar. Ich konnte hören, aber nichts äußern, so sehr ich mich auch anstrengte. Er machte mir einen Tee und saß lange bei mir, geduldig... Erst am nächsten Tag konnte ich mich wieder mitteilen.
      In den Monaten darauf hatte ich dann insgesamt 3 Kreislauf- und Nervenzusammenbrüche. Daraus hab ich dann gelernt.

      Erfahrung ist ja das was man bräuchte, bevor man sie macht.
      Im Nachhinein erkenne ich: wow, so viel Mistkacke hab ich mir zugemutet??
      Jedenfalls gehe ich jetzt anders mit mir um. Aber jetzt kann ich es mir auch erlauben.
      Wenn ich es mir einfach früher erlaubt hätte? Dann wäre ich jetzt nicht da wo ich bin, mit allen Vor- und Nachteilen.
      Es musste wohl so sein, damit ich mich überhaupt mal kennen lerne.

      Aber wie ich in Zukunft damit umgehen soll, weiß ich auch nicht. Denn jetzt weiß ich ja, wie wenig belastbar ich bin. Was kann ich mir dann beruflich noch zumuten??
      Diese Unsicherheit macht mir Angst.

      Ich wende Autogenes Training an, Grundstufe und oft auch die Aufbaustufe. Zum Einschlafen sowieso. Aber oft auch schon direkt nach dem Aufwachen. Weil ich da schon latent in Panik bin.

      Meditation mach ich nicht mehr. Bei fortgeschrittenen Depressionen nicht so ratsam.

      Dafür hilft es mir sehr, spazieren zu gehen (wo möglichst wenige Leute sind), oder im Garten Kleinigkeiten zu machen (hier was säen, da was buddeln oder schnippeln) oder Duft-Qi-Gong zu praktizieren.
      Wenn ich etwas mehr Energie hab, kann ich noch malen, Geige üben, oder Kekse backen.
      Ich lese auch sehr viel, eigentlich den ganzen Tag über, das sortiert mein Hirn.
    • Die Erholungszeiten haben sich nicht groß geändert aber wie schnell ich eine Reizüberflutung bekomme schon. Ich habe das Gefühl mir tun bestimmte Geräusche immer mehr weh in den Ohren und ich fühle mich oft schon überlastet wenn ich draußen unterwegs war obwohl nicht viel los war das war früher nicht so schlimm.
    • Herzlichen Dank.
      Autogenes Training und PMR versuche ich ja auch.

      Tunnelblick und dass Geräusche mich ab einem Zustand sehr belasten, weh tun, ich dann komplett emotional überlastet bin, mit Follge von Tinitus kenne ich sehr gut.

      Da diese Folgen und Regenerationsmethoden welche besser als meine eigenen funktionieren für mich wichtig sind, schreibe ich es hier.

      :thumbup: :thumbup:
    • Ich sammle auch noch nach Strategien :)
      Man sollte es nicht so machen wie ich heute Abend mal wieder...
      Szene: ich beim Einkaufen. Extra spät am Tag, in der Hoffnung, nicht mehr so viele Leute anzutreffen.
      Hm.
      Die Leute, die aber auch so spät gehen, scheinen das gleiche zu denken und benehmen sich so als seien sie alleine. Ständig steht jemand im Weg und geht nicht rüber. Ich scheine manchmal unsichtbar zu sein :sarcasm:
      Der Lieblingsjoghurt meiner Tochter war auch unsichtbar. Oder gar nicht da.
      Dann verfolgte mich eine Frau mit High Heels. Lautes Getrampel. Da könnte ich die Wände hoch gehen! (RW)
      Aber OK, dann dachte mein Hirn: ich bin doch schließlich Entspannungstrainerin von Beruf, also beruhig dich gefälligst!
      Also gab ich diese Info weiter an meine Hand, zwecks Methode "Progressive Muskel Anspannung".
      Diese Info kam auch bei meiner linken Hand an. Fest zur Faust machen. Dummerweise hat sie dann aber nicht die weitere Info mitbekommen: ent-spannen.
      Dann ging ich irgendwann aus dem Geschäft raus und hatte die linke Hand weh.
      Aber immerhin, ich habe die Faust nicht benutzt für "Aggressive Muskelentspannung" :sarcasm:

      Und auch wenn ich das noch nicht wirklich "in der Hand hab" (RW) - mir bleibt immerhin, das mit Humor zu sehen. :) Meistens.
      Das hilft im Nachhinein um Abstand zu den Vorfällen und der Anspanm zu gewinnen.
    • Wenn ich daran denke: Atemübungen. Tief durch die Nase in den Bauch einatmen, langsam durch den Mund ausatmen. Es hilft auch, wenn sich dabei vorstellt, überschüssige Energie auszuatmen.

      Gut ist auch diese Übung aus de autogenen Training: sich vorstellen, dass man oben und unten an sich eine Klappe öffnet, sich irgendwo mental verankert, und dann von oben nach unten Licht durch seinen Körper fließen lässt. Das entspannt auch. Aber immer daran denken, danach die Klappen wieder zu schließen und den Anker danach wieder einzuholen (die Vorstellung war für mich immer am schwersten. Wie soll ich den Anker einholen, wenn die Klappen schon zu sind?).

      Auch sehr effektiv: sich eine Mauer zwischen sich und seiner Umwelt vorstellen; als Cocon oder als Ei. Auf diese Art werden die äußeren Einflüssen etwas gedämpft.

      Letzten Endes kann man auch eine Entscheidungsfrage stellen: ich habe Stress. Kommt das von mir? In den meisten Fällen empfängt man den Stress von anderen; den kann man damit für kurze Zeit ausblenden.
      Natürlich flirten Autisten. Sie kriegen es nur nicht mit.

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    • Ich habe früher gar nicht gewusst, dass ich unter Reizüberflutung leide und habe mich dann eben nahezu völlig zurückgezogen. Aus der Zeit weiß ich, dass Ruhe mich heilt.
      Heute bin ich mir nicht sicher, ob ich tatsächlich schneller ausgereizt bin oder es einfach schneller mitbekomme. Ich habe mein Leben weitestgehend darauf ausgerichtet meine Ruhe zu haben und die Reize gering zu halten. Beruflich habe ich eine relative Nische gefunden, mit der ich meistens gut zurechtkomme. Aktuell merke ich aufgrund einer neuen, und leider völlig ungeeigneten Teamleiterin, dass meine Kompensationsmechanismen am Ende meiner Arbeitswoche völlig erschöpft sind. Da wo meine Kollegen innerlich „Du kannst mich mal“ sagen, hadere ich damit, dass sie ein totales Chaos verbreitet und die Dinge ständig falsch angeht, so dass es für alle komplizierter wird und niemand mehr weiß, was aktuell Stand der Dinge (RW) ist.

      Was mir hilft: Ruhe, Ruhe, Ruhe
      Natur, Meditation, entspannter Sport (also ohne Leistungsgedanke, ich habe früher Leistungssport gemacht), Schreiben, Malen, manchmal Musik hören, für mich alleine tanzen.
      Was für mich sehr hilfreich war: ich habe mich mit Minimalismus als Lebensstil auseinandergesetzt und konnte dadurch meine Arbeitszeit auf 80% kürzen. Mein Drei-Tage-Wochenende ist Gold wert! Ich werde bei nächster Möglichkeit auch noch weiter runtergehen mit der Arbeitszeit.
      Auch ganz wichtig: Nachrichten auf ein Minimum reduzieren, das reduziert ebenfalls enorm die Belastung, erst Recht unter Corona.
    • Daniel1 wrote:

      Wie schnell regeneriert ihr von einer Reizüberflutung, welche Hilfen setzt ihr dafür ein?


      :thumbup: :thumbup:
      Es ist natürlich entscheidend, um welche Art von Reizüberflutung in welchem Ausmaß es sich handelt. Außerdem ist das Runterkommen von der Tagesverfassung, vom Ausgeschlafensein, von der grundsätzlichen Stimmung sehr abhängig.

      Waldspaziergänge fernab von Menschen und Duschen sind meine bevorzugten Regenerationsstrategien. Oder aber eine Runde mit dem Auto mit lauter Musik zum Agressionsabbau.

      Mein Problem ist eher die Verunsicherung, die des Öfteren durch Kommunikation mit anderen Menschen entsteht, diese belastet mich oft tagelang, da habe ich noch kein richtiges Rezept als Gegenstrategie gefunden
    • Unterschiedlich. Wenn ich zum Beispiel für einige Zeit, ein paar Tage oder so, irgendwo anders bin, zum Beispiel bei Familie, dann brauche ich dann mindestens einen Tag bis ich auf ein normales Level runtergefahren bin. (RW) Dort sind dann viele soziale Reize und wenn ich dann zuhause bin, dann habe ich für diesen Tag kein Gefühl von Zuhause, Ruhe und Rückzug. Das kommt dann erst langsam. Daher ist das bevorstehenden Internatsleben während der Umschulung wohl ein großes Problem. Ich weiß zwar das es notwendig ist und das ich es auch will, aber das Gefühl von zuhause und so wird sich über das Wochenende in der eigenen Wohnung nicht einstellen. Ich denke eher, dass ich mich davon entfremde und daher sensibler bzgl. von Reizen werde. Einen richtigen Rückzugsort habe ich ja dann vom Gefühl her nicht. Keine Ahnung wie ich damit umgehen soll, ich werde erstmal schauen wie es so läuft und was mit mir passiert. Wenn dann mal richtig Krach in der Wohnung war, also über mehrere Tage, dann sitzte ich noch Tage danach, nachdem wieder Ruhe ist, noch mit Kopfhörern in der Wohnung rum. Ich denke auch, das diese Zeit im Alter immer länger wird. Mit 25 war ich da noch wesentlich flexibeler.
      Vielleicht solltest du @Daniel1mal schauen welche Reize dir am größen Probleme bereiten und diese versuchen zu umgehen als später mit autogenem Training gegenzusteuern. Wenn es einmal im Kopf ist, geht es schwer wieder raus. Kenne ich selbst.
    • Tom70 wrote:


      Mein Problem ist eher die Verunsicherung, die des Öfteren durch Kommunikation mit anderen Menschen entsteht, diese belastet mich oft tagelang, da habe ich noch kein richtiges Rezept als Gegenstrategie gefunden
      Tage? Versuchs mit Jahren. Und am Ende stellt man fest, dass man sich umsonst Sorgen gemacht hat.
      Natürlich flirten Autisten. Sie kriegen es nur nicht mit.
    • freebirth_one wrote:

      Tom70 wrote:

      Mein Problem ist eher die Verunsicherung, die des Öfteren durch Kommunikation mit anderen Menschen entsteht, diese belastet mich oft tagelang, da habe ich noch kein richtiges Rezept als Gegenstrategie gefunden
      Tage? Versuchs mit Jahren. Und am Ende stellt man fest, dass man sich umsonst Sorgen gemacht hat.
      Wie wahr das ist. Aller Ärger umsonst. Trotz diesbezüglichem Wissen ist man machtlos. Vielleicht leide ich doch mehr an Zwangsstörungen.