mögliche Entstehung einer Psychose bei Autisten (These)

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    • mögliche Entstehung einer Psychose bei Autisten (These)

      Hallo,

      wollte eine private These in den Raum werfen (RW), über die Auslösung/Entstehung von Psychosen ...

      Habe Psychatrieerfahrung, als Patient und habe Psychoedukation im Bereich Psychosen/Schizophrenie genossen. Nehme Neuroleptika, die sich wie ein kleines Schutzschild über die aufnehmende Synapse (Postsynapse - Wiki) im synaptischen Spalt (de.wikipedia.org/wiki/Synaptischer_Spalt) legen soll, um zu verhindern, dass zu viele Reize dort durchdringen.

      Wenn man den Ausführungen von "innerwelt" (finde ihren richtigen Namen nicht ...) folgt:

      innerwelt.wordpress.com/2013/0…erload-melt-und-shutdown/


      erschließt sich für mich, dass sich durch einen Overload ein Meltdown/Shutdown entwickeln kann. Wenn man also stressigen Situationen nicht ausweichen kann, kann diese Abfolge eintreten, es kommt zur Überlastung.
      Ich verbinde damit, wenn wir wieder auf den synaptischen Spalt zurückkommen, dass bei zu viel Reizüberflutung, die Präsynapse zu viel an Botenstoff feuert, dass die nachgeschaltete,
      Postsynapse die Informationen nicht mehr bewältigen kann und zu viel Information aufgenommen wird. Folge, z.B. visuelle, akustische Halluzinationen.

      Ah Mist, schon wieder die Zeit aus den Augen verloren, gleich Oberarztgespräch ... bitte noch nicht hierauf antworten, will noch später weiter ausführen ...
      ... wenn der rote Faden (RW) bis dahin noch da ist :)
      „we must never stop watching the sky with our hands in our pockets“
      (the weakerthans)
    • Zitat aus dem ICD 10:

      ICD 10 F84.5 wrote:

      Diese Störung von unsicherer nosologischer Validität ist durch dieselbe Form qualitativer Abweichungen der wechselseitigen sozialen Interaktionen, wie für den Autismus typisch, charakterisiert, zusammen mit einem eingeschränkten, stereotypen, sich wiederholenden Repertoire von Interessen und Aktivitäten. Die Störung unterscheidet sich vom Autismus in erster Linie durch fehlende allgemeine Entwicklungsverzögerung bzw. den fehlenden Entwicklungsrückstand der Sprache und der kognitiven Entwicklung. Die Störung geht häufig mit einer auffallenden Ungeschicklichkeit einher. Die Abweichungen tendieren stark dazu, bis in die Adoleszenz und das Erwachsenenalter zu persistieren. Gelegentlich treten psychotische Episoden im frühen Erwachsenenleben auf.

      Und ich zitiere hier mal einen anderen User der schon mal zu dem Thema ein Buch zitierte:

      thomas74 wrote:

      Buch: Das Asperger Syndrom im Erwachsenenalter (Prof. Ludger Tebartz von Elst)

      "6.5.3 Die autistischen Stressreaktionen
      Darüber hinaus sind den Autoren viele Patienten mit insgesamt sehr überzeugenden ASS bekannt, die in Krisensituationen vorübergehende klassische paranoid-halluzinatorische Syndrome mit kommentierenden, dialogisierenden und imperativen akustischen Halluzinationen ganz im Sinne klassischer Erstrangsymptome nach Schneider und ICD-10 entwickeln. Die Dauer dieser paranoid-halluzinatorischen Syndrome richtet sich dabei weniger nach ICD-10 Kriterien sondern vielmehr nach der Dauer der Stresssituation und kann auch länger als 4 Wochen, selten aber länger als wenige Monate anhalten. Meist kommt es zu einer vollständigen Remission dieser paranoid-halluzintorischen Symptomatik zurück auf das Ausgangsniveau des bekannten autistischen Anders-Seins. Kognitive oder progrediente dysexekutive Symptome, die den autistischen Basiszustand überschreiten, im Sinne einer Dementia praecox sind nicht erkennbar. Die Autoren würden solche vorübergehenden paranoid-halluzinatorischen Syndrome im Kontext einer klar erkennbaren psychosozialen Belastungssituation bei ASS auch unabhängig von der Dauer als autistische Stressreaktion im Sinne einer akut polymorphen Psychose werten, wobei dieser Bewertung ein engeres Schizophrenie-Konzept zugrunde liegt als das nach ICD-10. Nach letzterem ist eine solche Symptomatik per definitionem als Schizophrenie zu werten, sofern sie länger als 4 Wochen anhält."
      (Habe jetzt doch schon mal geantwortet, bitte entschuldige, hatte das vorhin überlesen. Hoffe es stört nicht zu sehr. Dachte ein paar mehr Infos sind vielleicht hilfreich und stützen deine These.)
    • Wenn man also stressigen Situationen nicht ausweichen kann, kann diese Abfolge eintreten, es kommt zur Überlastung.
      Zumindest aus eigener Erfahrung würde ich das so bestätigen, ja. Natürlich mit Unterscheidung der verschiedenen möglichen Ursachen für eine Psychose. Was da genau im Hirn abläuft, dazu kann ich nichts sagen. Ich weiß nur, dass ich kürzlich nach mehrfach aufeinanderfolgender emotionaler Überlastung (d.h. mehr wie nur normaler Stress) scheinbar an einer erneuten psychotischen Phase vorbei geschrammt war.

      Es kommt vielleicht auch noch mit darauf an, wie gut/schlecht jemand mit solchen Belastungen klarkommt und was man sonst noch an psychischen Vorbelastungen mit sich herum trägt, das die jeweilige Situation mit beeinflusst.
    • @MangoMambo super, bin dir sehr dankbar dafür!!! Muss die Funktionen in diesem Forum besser kennen lernen, dann gibts auch keine doppelten Threads ...

      so, nur kurz noch, habe jetzt noch viel hin und her überlegt, was noch passen könnte. Für mich sind Meltdown und Shutdown und ich meine schon beide erlebt zu haben, zumindest der Meltdown nachaußen hin sichtbar (ähnlich einem Wutanfall), beim Shutdown bin ich mir nicht richtig sicher, da, aus persönlicher Erfahrung und wie der Name schon sagt ein Abschalten stattfindet. Da könnte man auch meinen, dass diejenige Person auch gerade ziemlich depressiv, verzweifelt rüberkommt.
      Der psychotische Schub ist nach innen gerichtet, für andere nicht sichbar, eben im Kopf. Es ist der Stress den man sich selber macht, den ich mir selbst gemacht habe.

      Ganz wichtig, es mag bei jedem anders sein, bei mir gab es schon über längere Zeit hinweg sowas wie einen langanhaltenden Overload (selbstgemacht, Dinge mit mir selbst ausgemacht, innere Konflikte, zu verkopft ...), wenn ihr eigenartige Dinge wahrnehmt, die ihr so nicht von euch kanntet, bei mir ging das wie mit einem Schalter umlegen (und dann ist alles anders) versucht euch durch andere Menschen wieder abzugleichen, mir gelang das nicht, also Klinik (war einsichtig ...), warum auch immer.

      Der Abschluss ist nicht so gut gelungen ... der rote Faden war weg.


      ... aber Schalter umlegen ... kollektive Psychose
      :fun:


      besser kann eine These nicht enden :irony:

      omg, streicht meinen letzten post
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    • Avery wrote:

      emotionaler Überlastung (d.h. mehr wie nur normaler Stress) scheinbar an einer erneuten psychotischen Phase vorbei geschrammt war
      kann ich gut nachvollziehen!

      Avery wrote:

      Es kommt vielleicht auch noch mit darauf an, wie gut/schlecht jemand mit solchen Belastungen klarkommt und was man sonst noch an psychischen Vorbelastungen mit sich herum trägt, das die jeweilige Situation mit beeinflusst.
      ja!
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    • Tux wrote:

      Powerfix wrote:

      Nehme Neuroleptika, die sich wie ein kleines Schutzschild über die aufnehmende Synapse (Postsynapse - Wiki) im synaptischen Spalt (de.wikipedia.org/wiki/Synaptischer_Spalt) legen soll, um zu verhindern, dass zu viele Reize dort durchdringen.
      Welche sollen das sein?
      Ich nehme an du meinst welches Neuroleptikum ich nehme, oder meinst du damit, dass du meine Ausführung anzweifelst? Ist mir jetzt nicht richtig klar.
      Ich antworte auf beide Möglichkeiten ...
      Nehme ein Neuroleptikum mit dem Wirkstoff Aripiprazol, hier der erstbeste Eintrag bei google ... netdoktor.de/medikamente/aripiprazol/
      früher auch als Abilify bekannt, vor den Generika, vor ca. (lass mich nicht lügen) 5 Jahren.


      Meine Ausführungen basieren auf erhaltener Psychoedukation, über Schizophrenie, ist aber auch schon etwas länger her ...
      „we must never stop watching the sky with our hands in our pockets“
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    • Laut Beipackzettel (Aripiprazol Glenmark) findet der Wirkstoff sogar bei Autismus Anwendung.

      Reizbarkeit im Zusammenhang mit autistischer Störung bei Kindern und Jugendlichen (siehe Abschnitt 4.2)
      Aripiprazol zeigte bei der Unterskala „Reizbarkeit“ der „Aberrant Behaviour Checklist“ statistisch eine bessere Wirksamkeit als Placebo.

      glenmark.de/files/user_upload/…0_15_20_30_mg_2016-06.pdf


      Aripiprazol ist in der Schweiz zur Behandlung der Schizophrenie und manischer oder gemischter Episoden bei der bipolaren Störung zugelassen.In anderen Ländern ist das Indikationsspektrum etwas breiter und umfasst zusätzlich unter anderem Depressionen (Zusatzbehandlung), Reizbarkeit bei Autismus und Erregung bei Schizophrenie. Weitere mögliche Einsatzgebiete werden in der Literatur erwähnt.
      pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Aripiprazol
    • Entstehung oder Auslöser?


      Vor drei Jahren habe ich einen Fall erlebt, bei dem durch Alkohol, MPH (Methylphenidat) und Cannabis eine kurz dauernde Psychose ausgelöst wurde - mit anschließender Amnesie. Vielleicht sollte ich hier besser von einer psychotischen Episode oder einem dissoziativen Zustand sprechen.

      Jedenfalls hat ein anderes Forenmitglied von deutlich erhöhtem Potential des Cannabis (wegen spez. Züchtung auf hohen THC-Gehalt) für Psychosen geschrieben. Cannabis sorgt an und für sich bereits für eine Erweiterung des synaptischen Spalts, siehe oben.
      If you're happy and you know it clap your hands.....(three times!)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Capricorn wrote:

      Entstehung oder Auslöser?
      also meine These geht Richtung Entstehung. Durch einen langanhaltenden Overload, über Wochen, wenn das überhaupt möglich ist, der Nahe am Meltdown ist, bei dem der Meltdown aber nicht richtig durchkommt, kann das zum Kollaps des Systems führen.
      Auslöser in so einem Zustand können ganz klar psychotrope Substanzen sein, die das ganze Empfinden verstärken können.

      Avery wrote:

      Laut Beipackzettel (Aripiprazol Glenmark) findet der Wirkstoff sogar bei Autismus Anwendung.
      Aripiprazol als Multitool, soll ja auch den Antrieb leicht steigern, wenn man auf Antidepressiva nicht klar kommt wäre dies ja mal eine Option
      (nein, komme nicht aus der Pharmaindustrie, würde auch gerne drauf verzichten)
      „we must never stop watching the sky with our hands in our pockets“
      (the weakerthans)
    • Ein Overload ist eine Überlastung nur wesentlich stärker. Ein Meltdown kommt einem psychischem Ausnahmezustand gleich, gefolgt von einem Shutdown (psychischen Zusammenbruch), ab dem dann gar nichts mehr geht.

      Auslöser muss nicht zwangsläufig Stress sein.
      Wenn einem alles zu viel ist, es im Leben also total beschissen läuft, man nicht mehr weiter weiss und keinen Therapeuten zur Verfügung hat, dann geht das nicht lange gut.
      Hält es länger an, dann ist ein Meltdown vorprogrammiert.

      Die Intensität und das Eintreteten ist von Person zu Person unterschiedlich. In der Autismustherapie lernt man, woran man einen Meltdown und die Vorstufen erkennen kann.

      Ein Rückzug, also für sich allein sein, mit einer vertrauten Person oder seinem SI (Spezialinteresse) ist dann unumgänglich und kann durchaus länger dauern und ist die letzte Instanz vor dem Meltdown.

      Meltdown und Shutdown sind mit Neuroleptika nicht abzuschwächen und verhindern kein auftreten.

      @MangoMambo:

      Das Kapitel 6 ist somit frei erfunden. Mir kam es beim lesen schon sehr sehr seltsam vor und ist nicht der Stil des Autors. Ich habe das Buch selbst gelesen.

      The post was edited 1 time, last by Tux ().

    • Tux wrote:

      Meltdown und Shutdown sind mit Neuroleptika nicht abzuschwächen und verhindern kein auftreten.
      Ich bin ziemlich sicher, dass man manchen Meltdown mit Neuroleptika verhindern kann. Deshalb bekommen ja auch frühkindliche Autisten mit geistiger Behinderung häufig Neuroleptika, damit sie nicht mehr ausrasten. Aber auch bei Asperger/HFA kann es was bringen. Ich nehme selbst auch was und empfinde es so, dass der Funke, der sonst den Meltdown explodieren lässt, einfach nicht mehr so leicht überspringt.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Du verwechselst hochgradig aggressives Verhalten, dass über einen Zeitraum von min. 6 Monaten gegeben sein muss. Aus diesem Verhalten resultieren selbstschädigende Verhaltensweisen, z.B. Ritzen oder die tatsächliche körperlich schädigende Tätigkeiten an einer anderen Person, die mehrfach vorkommt.

      Das autoaggressive Verhalten ist unabhängig von einem Meltdown und ist diesem nicht gleichzusetzen. Aggressives Verhalten ist kein psychischer Ausnahmezustand, geschweige den ein Shutdown. Das Verhalten kann allerdings durchaus ein Indikator für einen sich anbahnenden Meltdown sein. Dann wiederum handelt es sich nicht um ein dauerhaftes autoaggressives Verhalten und kann nicht mit Neuroleptika behandelt werden.

      Bevor Neuroleptika verabreicht werden, wird nach den Ursachen geforscht, um diese in einer Verhaltenstherapie mit zu behandeln.

      Dies fällt mit unter "herausfordende Verhaltensweisen" von autistischen Menschen.
      Siehe das Fachbuch von Dr. Georg Theunissen.
    • Tux wrote:

      Du verwechselst hochgradig aggressives Verhalten, dass über einen Zeitraum von min. 6 Monaten gegeben sein muss.
      Meinst du mich? Nein, ich verwechsle da nichts. Neuroleptika werden zur Behandlung von Reizüberflutung und damit zur Vorbeugung von Meltdowns verordnet.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Neuroleptika werden zur Behandlung von Reizüberflutung und damit zur Vorbeugung von Meltdowns verordnet.
      Das scheint mir von dem was ich gelesen habe dann aber eher eine offlable Anwendung zu sein.

      Im Beipackzettel von Aripiprazol Glenmark ist nur von "Reizbarkeit im Zusammenhang mit autistischer Störung" die Rede. Auch im Pharmawiki wird als Indikation für Autismus nur "Reizbarkeit bei Autismus" genannt. Die dt. Apothekerzeitung schreibt dazu auch "Verhaltensauffälligkeiten wie Selbstverletzungen, Aggression und Wutanfälle" als Anwendung von Neuroleptika bei Autismus. Auch die Seite neurologen-und-psychiater-im-netz schreibt dazu "Selbst- und Fremdaggressionen sowie Stereotypien und komorbide Zwangshandlungen".

      Da ist nirgendwo die Rede von Reizüberflutung als Indikation von Neuroleptika bei Autismus. Überall ist deckungsgleich von entsprechend aggressivem Verhalten die Rede. Was ja nicht heißt, dass ein Arzt nicht aus eigenem Ermessen Neuroleptika für die Reduzierung von Reizüberflutung verordnen kann. Nur ist ein Neuroleptikum meines Wissens dafür nicht zugelassen und eine offlable Verordnung. Was die Krankenkasse nur auf Antrag übernimmt und ausreichend begründet sein muss.

      Wenn ein Arzt es vielleicht so auslegt, dass eine Reizüberflutung zu erhöhter Reizbarkeit, Aggression, etc. führt, okay. Aber dann müsste trotzdem das entsprechende Verhalten (Aggression, etc.) als Grundlage für die Verordnung vorliegen. Auch zur Vorbeugung müsste das Verhalten schon Mal aufgetreten sein. Ich würde mich natürlich freuen wenn du mir gegenteilige Informationen geben könntest, Reizüberflutung zu mindern könnte vermutlich vielen Betroffenen (auch ohne aggressivem Verhalten) Erleichterung im Alltag bringen.
    • Avery wrote:

      Wenn ein Arzt es vielleicht so auslegt, dass eine Reizüberflutung zu erhöhter Reizbarkeit, Aggression, etc. führt, okay
      Früher wusste man halt nicht, woher die Aggressivität bei Autisten kommt. Es hieß dann "Wutanfälle". Sie hat aber immer Reize und Überforderung zur Ursache, z.B. durch Geräusche oder Veränderungen. Autisten sind nicht einfach so aggressiv.

      Bei Hochfunktionalen ist es eindeutiger, da sie sich äußern können über ihren Zustand.
      Die Uniklinik Freiburg verschreibt immer Risperidon gegen Reizempfindlichkeit, aber auch andere Neuroleptika können helfen.
      Alles wird galaktisch gut.