Am Anfang war 'nur' der Autismus

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    • Am Anfang war 'nur' der Autismus

      Hey, wenn ich mittlerweile 'nur' den Autismus hätte, wäre ich mit den Informationen die ich mitlerweile erworben habe, 'gut dabei' bilde ich mir zumindestens ein.

      Meine Verhaltensweisen und Denkmuster, welche ich mir durch die vielen Verletzungen und Ohnmachtssituationen zugefügt habe, sehr ich gerade als groessere Herausforderung.

      Solange ich die jetzigen Verhaltensmuster und Denkweisen an den Tag legen, ist es im zwischenmenschlichen Umfeld schwierig.
      Die Therapeuten sagen immer, soll raus unter Leute.
      Bräuchte aber was viel engmaschigeres, da meine Denkweisen und mein Verhalten ua. durch Ängste, Agressionen und so so vermurgst sind, dass es nicht mehr ausreicht einfach unter Menschen zu gehn.

      Probleme mit dem Lesen von Gesichter, Kommunikation, Interaktion habe ich ja trotzdem.

      In Kliniken wird ja davon ausgegangen, dass man alles kann, wenn man die Angst überwindet.
      Wenn das in Psychiatrie tätige autoritäre Personal mit Pädagogik, sich anschauen würde, welche soziale Kompetenzen ausgebildet sind und welche nicht, wäre es ja 'noch' ok, sie verlangen aber blanken Gehorsam, ohne zu berücksichtigen, dass Gehorsam und Überanpassung die einzigste Überlebensstrategie sind, welche ich habe.
      Dadurch drücken sie mich in ein Muster rein, wo ich rauskommen möchte.
      Würde Sinn machen die Person an sich in Kliniken zu stärken und nicht nur zu befehlen was nach dem eigenen Staerkeprofil als einfach empfunden wird, damit neue Kompetenzen aufgebaut werden können, was meines Wissens Richtung Pädagogik geht.

      Vielleicht wäre dieses riesige Thema auch eins, welches euch auch betrifft.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:
    • Daniel1 wrote:

      Die Therapeuten sagen immer, soll raus unter Leute.
      Ich finde auch das sich das "man soll mehr unter Menschen gehen" etwas flapsig daher kommt, man muss bedenken das man als Autist nicht einfach in ein Getümmel geschmissen werden kann und nach einer Weile wird es dann schon klappen.
      Das klingt sehr blauäugig (RW).
      In meinem Fall hat sowas auch nie geholfen, es ist schon sehr wichtig das das Umfeld meine Problematik einordnen und verstehen kann, und zugleich muss auch Rücksicht bzw Geduld vorhanden sein damit (falls es zu Missverständnissen kommt) die Leute auch damit klarkommen und mich nicht wie "jeden anderen" behandeln.
      Die anderen Menschen können scheinbar mit patzigen Aussagen oder plötzlicher Abwehr umgehen, ich kann es aber nicht weil ich nichtmal weis warum diese passiert und weil sich für mich diese Reaktionen scheinbar viel schlimmer anfühlen oder ich sie intensiver wahrnehme als ein NT das tut.
      Vielleicht nehmen mich solche Reaktionen oft auch Tage lang mit.

      Das Problem was du zusätzlich beschreibst, das man durch den AS wohl noch andere Störungen und Krankheitsbilder ausbildet, eben weil man oft diese Probleme hat und ertragen muss, kann ich gut verstehen. Ich versuche mich dagegen zu wehren, bin irgendwie nach wie vor oft blauäugig andere gegenüber wie ein Kind und bin darum vielleicht deswegen in der WfbM so gut mit den anderen dort, die sind überwiegend auch so (wenn auch nicht alle) aber das hilft mir.
      In der Nichtbehinderten-welt war das immer ein problem, wenn ich nicht von anderen missverstanden oder gemobbt und belächelt wurde, hat man mich manchmal sogar beschimpft.
      Das ich das nicht mehr will und für mich als Psyche auch nicht mehr brauchen kann, habe ich mich davon distaziert.
    • Daniel1 wrote:

      Wenn das in Psychiatrie tätige autoritäre Personal mit Pädagogik, sich anschauen würde, welche soziale Kompetenzen ausgebildet sind und welche nicht, wäre es ja 'noch' ok, sie verlangen aber blanken Gehorsam, ohne zu berücksichtigen, dass Gehorsam und Überanpassung die einzigste Überlebensstrategie sind, welche ich habe.
      Dadurch drücken sie mich in ein Muster rein, wo ich rauskommen möchte.
      Ich habe auch mal mehrere Monate in einer Psychiatrie verbracht, das aber garnicht als so schlimm dort erlebt.
      Man hat mich dort auch nicht mit Ängsten konfrontiert sondern ich sollte einfach irgendwelche vorgegebenen Therapien mitmachen was ich auch tat und es war okay wenn ich das ein oder andere nicht so gut konnte, es wurde halt protokoliert und ausgewertet und dann überlegt woran das liegen könnte.
    • Daniel1 wrote:

      Hey, wenn ich mittlerweile 'nur' den Autismus hätte, wäre ich mit den Informationen die ich mitlerweile erworben habe, 'gut dabei' bilde ich mir zumindestens ein.

      Meine Verhaltensweisen und Denkmuster, welche ich mir durch die vielen Verletzungen und Ohnmachtssituationen zugefügt habe, sehr ich gerade als groessere Herausforderung.

      Oh ja. Btdt. War ein echter Spaß, in der Vergangenheit nach den "ursprünglichen" Fehlanpassungen (meistens ein ganz tief sitzendes "ich muss funktionieren" / "ich darf nicht schwach sein") zu graben. Aber das haben sie in der Klinik gut freilegen können. Der Rest ist dann wieder Aufbauarbeit :).

      Daniel1 wrote:

      Die Therapeuten sagen immer, soll raus unter Leute.
      Bräuchte aber was viel engmaschigeres, da meine Denkweisen und mein Verhalten ua. durch Ängste, Agressionen und so so vermurgst sind, dass es nicht mehr ausreicht einfach unter Menschen zu gehn.

      Geh unter Leute. Aber nimm das Klemmbrett mit. Mit dem "anthropologischen" Blick wird das Vehalten der "Leute" plötzlich weniger verwirrend, sondern bloß noch interessant.

      Daniel1 wrote:

      In Kliniken wird ja davon ausgegangen, dass man alles kann, wenn man die Angst überwindet.
      Wenn das in Psychiatrie tätige autoritäre Personal mit Pädagogik, sich anschauen würde, welche soziale Kompetenzen ausgebildet sind und welche nicht, wäre es ja 'noch' ok, sie verlangen aber blanken Gehorsam, ohne zu berücksichtigen, dass Gehorsam und Überanpassung die einzigste Überlebensstrategie sind, welche ich habe.

      Das klingt, als wärst Du in der falschen Klinik.
    • wenn ich mittlerweile 'nur' den Autismus hätte, wäre ich mit dennformationen die ich mitlerweile erworben habe, 'gut dabei' bilde ich mir zumindestens ein.Meine Verhaltensweisen und Denkmuster, welche ich mir durch die vielen Verletzungen und Ohnmachtssituationen zugefügt habe, sehr ich gerade als groessere Herausforderung.
      Genau so geht es mir auch und ich bin derselben Ansicht wie du.

      Mir wurde mal von einer Therapeutin unterstellt, in der 1. Therapiestunde, meine Ängste würden daher kommen weil ich keine Freunde habe. Hätte ich Freunde, würden dadurch meine Ängste im Alltag weg gehen. Sie wusste zwar nicht dass ich Autist bin, aber ich fand die Aussage trotzdem sehr unprofessionell und eher überheblich. Aber gut, Therapeuten sind auch nur Menschen und sind daher (leider) von Fehlverhalten nicht ausgenommen.

      und nicht nur zu befehlen was nach dem eigenen Staerkeprofil als einfach empfunden wird,
      Vielleicht liegt das Problem daran, dass das Personal in den Kliniken sich nicht in Autisten hineinversetzen kann. Wenn da jemand mit psychischen Erkrankungen kommt, aber kein Autist ist, so jemandem kann man vielleicht eher solche "allgemeingültigen" Ratschläge geben. Aber ich denke, dass jemand der kein Autist ist einfach manches von Autisten nie wirklich nachvollziehen/verstehen können wird, egal wie viel sich jemand über das Thema auskennt.

      Aber ich finde es gut, dass du merkst was falsch läuft und, dass du formulieren kannst, was für dich stattdessen besser wäre.

      das man durch den AS wohl noch andere Störungen und Krankheitsbilder ausbildet,
      Oder dass man auch Krankheitsbilder unterstellt bekommt, die bei einem keine eigenständigen Krankheitsbilder sind sondern "autistisches" Verhalten. Wenn aus "Blickkontakg vermeiden+ Einzelgänger sein+ noch irgendwas" einem eine soziale Phobie unterstellt wird. Oder weil man gehemmt wirkt, eine Depression unterstellt wird. Oder eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung, oder eine ängstlich vermeidende Persönlichkeisstörung, usw. Mir kommt das manchmal so vor, als ob manche Ärzte zu jedem Verhalten irgendwelche passenden Störungen suchen. Nur weil man "anders" ist. Ich habe gelesen, eine Persönlichkeitsstörung ist etwas dann, wenn es einen Krankheitswert hat, also wenn der Betroffene darunter leidet und es die Lebensqualität einschränkt.