Unterschiede der Gesprächsführung von Autisten und neurotypische Menschen

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    • Unterschiede der Gesprächsführung von Autisten und neurotypische Menschen

      Kann mir jemand sagen, wie ihr die Unterschiede der Gesprächsführung von Autisten und neurotypische Menschen beschreiben würdet.

      Mir kommt vor, dass ich viel direkter spreche als andere Menschen.
      Die Gespräche von neurotypische Menschen sind für mich sehr schwer 'zu fassen', da sie teilweise sehr indirekt reden.
      Wo der Smalltalk beginnt und endet weiss ich aber nicht, wobei ich so was auch nicht kann.

      Bei mir fällt immer auf, dass mir jeder sagen will, wie ich was richtig mache, wobei Grundfunktionen nie überprüft wird, ob ich für die Art der Lösung das richtige Stärkeprofil mitbringe, dass wird aber ein anderes Thema sein.

      Freue mich auf eure Meinungen und Erfahrungen.

      :thumbup: :thumbup:
    • Daniel1 wrote:

      Kann mir jemand sagen, wie ihr die Unterschiede der Gesprächsführung von Autisten und neurotypische Menschen beschreiben würdet.
      Ich finde den Grundgedanken dahinter falsch. Es gibt verschiedene Kommunikationstypen, ja, aber es gibt nicht den NT-Typ und den Autisten-Typ. Allenfalls ist vielleicht die Verteilung auf die einzelnen Kommunikationstypen bei NT anders als bei Autisten.
      Meine Freunde kommunizieren genauso wie ich (sonst wäre ich mit denen auch nicht befreundet) und bei keinem von denen seh ich einen ernsthaften Autismusverdacht.
    • Puh, die Frage habe ich mir tatsächlich auch schon öfter gestellt.

      So wie du schon gesagt hast, dass man einfach viel direkter spricht. Und das ist wahrscheinlich auch ganz unbewusst.

      Ich kann dir leider nur von meiner persönlichen Erfahrung erzählen:

      Mir fehlt ganz viel Feingefühl: Was sage ich wann, zu wem, was ist angebracht, was nicht. Es ist dann oft schwierig die richtigen Worte in schweren Situationen zu finden, z.B. einen Trauerfall. Einfach das richtige Maß, dass bei 'normalen Menschen' ganz intuitiv vorhanden ist.

      Und Humor ist immer eine sehr schwierige Sache. Zwischen den Zeilen lesen und Spaß verstehen, da bin ich einfach nicht mit vorne dabei.

      Beim Reden habe ich auch immer in der Welt umhergeschaut und es ist wirklich hart sich anzutrainieren seinem Gegenüber in die Augen zu blicken beim Gespräch. Wahrscheinlich verpasst man dadurch auch viel Nonverbales, was einem anders vielleicht doch eher auffallen würde.

      Und umso größer die Gruppe, umso schwieriger ist es dem ganzen Gespräch zu folgen. Ich unterhalte mich einfach viel lieber mit 3 oder 4 Leuten, aber alles darüber hinaus ist gar nicht mal so einfach zu koordinieren ;)

      Das ist jetzt aber nur ein sehr kleiner Teil und wirklich das, was ich so über die Jahre für mich selber herausgefunden habe. Damit umzugehen ist nochmal eine ganz andere Sache.

      Und das dir jeder sagen will, wie du was richtig machst ist vielleicht auch dein ganz persönlicher Eindruck. Meistens bekommt man nur Hilfe angeboten oder einen guten Ratschlag. Vielleicht ist es dein Charakter, vielleicht auch ein Teil von Asperger. Ich persönlich habe 25 Jahre dafür gebraucht mir bei jeder Hilfestellung immer und immer wieder zu sagen, dass es der andere nur gut meint.
    • Aus meiner Sicht:

      NT häufiger Reagieren (flexibel) auf Gesprächspartner, Gesprächspartner wird positiv besetzt gesehen (hilft mir, mich gut zu fühlen). Positive Gesprächsatmosphäre.

      Autist häufiger Kommunikation anhand innerem gedanklichem Konzept, Gesprächspartner durchkreuzt das eigene Konzept, wird deshalb als hinderlich für das Erreichen eigener Ziele angesehen. Sehr angespannte Gesprächsatmosphäre.
    • Daniel1 wrote:

      Wo der Smalltalk beginnt und endet weiss ich aber nicht, wobei ich so was auch nicht kann.
      Stell dir eine Pausensituation vor: Mensch 1 steht am Kaffeeautomat, Mensch 2 kommt dazu und beginnt ein Gespräch über das Wetter oder über die Sonderangebote bei Aldi oder über das Mittagessen in der Kantine. Mensch 1 geht darauf ein. Beide tun das nicht aus echtem Interesse am Thema, sondern weil sie einfach nicht stumm nebeneinander stehen können. Das ist dann Smalltalk, und er endet da, wo das Gespräch plötzlich konkret wird. Beim Thema "Wetter" wäre das, wenn einer plötzlich sagt: "Ich muss bei diesem Mistwetter in der Mittagspause kurz raus. Kannst du mir deinen Schirm leihen?" Das ist dann kein Smalltalk mehr.

      Bei mir ist es so, dass mir in solchen Situationen oft gar nichts einfällt. Das erzeugt dann schon ein gewisses Unwohlsein, aber das macht mir mittlerweile deutlich weniger aus.
      "Wir leben vermutlich zum ersten Mal. Wie soll da alles auf Anhieb klappen?"
      (Jürg Halter, Gemeinsame Sprache. Zürich, Dörlemann 2021)
    • Daniel1 wrote:

      Mir kommt vor, dass ich viel direkter spreche als andere Menschen.
      Die Gespräche von neurotypische Menschen sind für mich sehr schwer 'zu fassen', da sie teilweise sehr indirekt reden.
      Dass ich sehr direkt (vielleicht sogar zu direkt) bin, ist mir auch schon häufiger gesagt worden. Zumindest manchmal kommt es aber auch gut an, dass ich mich traue, Probleme anzusprechen, die sonst keiner benennen will. Wenn andere Leute nur in Andeutungen reden, statt geradeheraus zu fragen, was sie wissen wollen, finde ich das auch immer sehr verwirrend.


      Daniel1 wrote:

      ... Unterschiede der Gesprächsführung von Autisten und neurotypische Menschen beschreiben würdet.
      Aspies kenne ich ja bisher nur durch das Forum hier. Ich habe bisher das Gefühl, dass die Vielfalt und Vielschichtigkeit bei ihnen viel größer ist als bei NTs. Da etwas zu finden, was auf sie alle zutrifft und sie gleichzeitig von allen NTs abhebt, könnte schwierig sein.
    • Hey, herzlichen Dank, solche Erfahrungen kenne ich auch.
      Versuche für mich alles herauszuarbeiten, damit ich durch besseren Überblick, handlungsfähiger werde.
      Ist aber gar nicht so leicht

      Nenalein wrote:

      Puh, die Frage habe ich mir tatsächlich auch schon öfter gestellt.

      So wie du schon gesagt hast, dass man einfach viel direkter spricht. Und das ist wahrscheinlich auch ganz unbewusst.

      Drachenboot wrote:

      Aus meiner Sicht:

      NT häufiger Reagieren (flexibel) auf Gesprächspartner, Gesprächspartner wird positiv besetzt gesehen (hilft mir, mich gut zu fühlen). Positive Gesprächsatmosphäre.

      Autist häufiger Kommunikation anhand innerem gedanklichem Konzept, Gesprächspartner durchkreuzt das eigene Konzept, wird deshalb als hinderlich für das Erreichen eigener Ziele angesehen. Sehr angespannte Gesprächsatmosphäre.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:

      The post was edited 1 time, last by Daniel1 ().

    • Daniel1 wrote:

      Versuche für mich alles herauszuarbeiten, damit ich durch besseren Überblick, handlungsfähiger werde.
      Das passt zwar nicht zum Thema, aber die Herangehensweise finde ich auch typisch für Autisten, auch im Gespräch. Man braucht ganz viel Struktur und kann ohne Struktur nicht zurechtkommen. Ich brauche auch viel Struktur.

      Mein neuer Weg sieht es aber vor, zu hinterfragen, vor was und warum ich Angst habe. Im Gesicht ist zu viel Struktur hinderlich, um in einen guten Kontakt zu kommen. Mitmenschen fehlen sich auch gekränkt, wenn die Struktur in deinem Kopf wichtiger ist als sie als Gesprächspartner.
    • Ich sehe das ähnlich wie @Aldana .

      Ich möchte nicht bestreiten, dass es Unterschiede gibt, aber es gibt auch innerhalb der NT-Gruppe (so man sie überhaupt klar von Autisten abgrenzen kann) Inkompatibilitäten.

      Es sind nicht nur Autisten, die mit dem vermeintlichen Mainstream nix anfangen können. Meiner Erfahrung nach funktioniert die Kommunikation mit Künstlern/Musikern zumindest bis zu einem bestimmten Grad sehr gut. Die sind auch irgendwie alle verrückt (unzulässige Pauschalisierung), aber auf eine andere Art und Offenheit/Ehrlichkeit/Direktheit wird durchaus wertgeschätzt. Ob die problemfrei in der Kantine Smalltalk über die neuen Angebote bei Aldi führen können, bezweifle ich und auch, ob sie das überhaupt lernen wollen.

      Die Frage ist da jetzt, ob und wie sehr Du Dich verstellen möchtest, um wen denn überhaupt zu erreichen. Gewisse Dinge sollte man zwar vielleicht lernen, wie etwa den Gesprächspartner nicht pausenlos mit Spezialinteressen vollzuquatschen, obwohl er null Interesse hat. Aber Authentizität kann auch ein Vorteil sein, den Du möglicherweise verspielst wenn Du versuchst, möglichst systematisch heranzugehen.
    • Hall liebe @Dr. L84 , mir geht es erstmal nur drum, die Grundthematiken herauszuarbeiten und zu verstehen.

      Daniel1 wrote:

      Hey, herzlichen Dank, solche Erfahrungen kenne ich auch.
      Versuche für mich alles herauszuarbeiten, damit ich durch besseren Überblick, handlungsfähiger werde.
      Ist aber gar nicht so leicht

      Nenalein wrote:

      Puh, die Frage habe ich mir tatsächlich auch schon öfter gestellt.

      So wie du schon gesagt hast, dass man einfach viel direkter spricht. Und das ist wahrscheinlich auch ganz unbewusst.

      Drachenboot wrote:

      Aus meiner Sicht:

      NT häufiger Reagieren (flexibel) auf Gesprächspartner, Gesprächspartner wird positiv besetzt gesehen (hilft mir, mich gut zu fühlen). Positive Gesprächsatmosphäre.

      Autist häufiger Kommunikation anhand innerem gedanklichem Konzept, Gesprächspartner durchkreuzt das eigene Konzept, wird deshalb als hinderlich für das Erreichen eigener Ziele angesehen. Sehr angespannte Gesprächsatmosphäre.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:

      Dass sind alles Themen die ich auch in der Autismusgruppe und bei mir sehe.
      Dazu brauche ich häufig länger zum Antworten was ich bei anderen Autisten auch sehe.
      :thumbup: :thumbup:
    • Beschäftige dich mal mit den "vier Seiten einer Botschaft" von Schulz von Thun. Wenn du dann als Autist versuchst etwas nur auf der Sachebene zu sagen, meinen andere da immer noch etwas von den anderen Ebenen reindeuten und darauf reagieren zu müssen. Und umgekehrt wenn sie was zu dir sagen, erwarten sie, dass du noch Dinge mit aufgreifst, die sie gar nicht direkt zum Ausdruck gebracht haben, und du diese dennoch mit berücksichtigst beim Handeln.

      Beispielsweise fragte ich Frau Z, ob ich an der Fortbildung XY teilnehmen muss / soll, es sei nicht nötig dass ich Veranstaltung XY beiwohne, später erfuhr ich dann jemand anders verlangt jedoch von mir, dass ich es tue, als ich das dann Frau Z kund tat kam die empörte Reaktion sie habe mir doch schon mitgeteilt es sei völlig unmöglich, dass ich dort teilnehme, ich dürfe es nicht und ich solle nicht zweimal mit dem selben Anliegen kommen sondern es akzeptieren....

      Und dadurch, dass es halt so gesehen wird als würde eine "Botschaft" immer alle vier Seiten beinhalten, wird auch das Weglassen von etwas als Botschaft betrachtet. Beispiel: Ich sage etwas auf rein sachliche Art zu X. Daraufhin meint X ich habe ja gar keine Höflichkeitsfloskeln eingebaut und folgert daraus eine Art verbale Ohrfeige auf zwischenmenschlicher Ebene. Und reagiert entsprechend sauer und unwirsch.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

      The post was edited 1 time, last by Lex ().

    • Ich weiß zwar nicht, ob das typisch autistisch ist, aber meine Schwierigkeiten sehen so aus:
      - aus einer Rolle heraus kann ich ganz gut kommunizieren, z.B. weiß ich, was im Beruf von mir erwartet wird. Wenn es dagegen spontan um etwas Persönliches geht mit Menschen, die ich nicht näher kenne, weiß ich oft nicht was ich sagen soll und komme dann wohl eher „hölzern“ rüber (Rw)
      - Smalltalk , ein Graus! Mich interessiert es nicht, ich weiß oft nicht, was ich antworten soll und versuche daher das Gespräch auf anderes zu lenken, konkreter zu werden, um es zu vermeiden.
      - Zwischen den Zeilen lesen: ich bekomme in einem Gespräch oft sehr gut mit, wenn Dissonanzen auftauchen, also wenn z.B. verbale und körperliche Sprache nicht übereinstimmen. Ich weiß dann aber nicht, warum das so ist, was mir das Gegenüber tatsächlich sagen will, das kann ich nicht „herauslesen“. Erst nach längerem Nachdenken fällt mir dann zuhause eine Erklärung ein.
      - Meine Körpersprache und Mimik scheint für andere (Fremde) irritierend zu sein, im Zweifel werden meine Worte nicht ernst genommen. Beispiel Arztbesuch: ich gehe erst hin, wenn ich alles mir bekannte ausprobiert habe und es mir ziemlich schlecht geht oder es einfach nicht besser wird. Der Arzt scheint mir das aber nicht zu glauben, wenn ich ihm das sage. Irgendwie scheint „mehr Drama“ erforderlich zu sein, aber das kann ich nicht schauspielern, da komme ich mir wie eine Lügnerin vor.
      -Ich kann inzwischen wunderbare Vorträge über Sachthemen halten, sogar spontan auf (sachliche) Zwischenfragen reagieren, aber frag mich nicht nach etwas Persönlichem, da bin ich hilflos.
      - Ich kann mit den meisten Menschen gut im Zweiergespräch kommunizieren, wobei man sagen muss, dass ich den anderen meist reden lasse und als gute Zuhörerin bekannt bin. Mich hat lange gewundert, dass ich so mit so vielen unterschiedlichen Menschen gut auskomme, so viele verschiedene Standpunkte nachvollziehen kann ohne etwas zu faken. Es gibt bestimmt so einige, die mich gerade deshalb mögen. Ich glaube jetzt, dass ich viel „spiegele“. Da das in Gruppen kaum möglich ist, bin ich da sehr zurückhaltend, eben auch wieder die gute Zuhörerin aber komplett ohne etwas dazu zu sagen.
      - dieses „Spiegeln“ scheint mir auch der Grund zu sein, dass ich mich,ganz untypisch, in nahezu jeden Standpunkt hineindenken kann. Für mich gibt es eher zu viele Möglichkeiten einer Erklärung. Dadurch versage ich z.B. bei der Textinterpretation (nicht der fachlichen) gnadenlos. Mir gelingt es genau das Gegenteil dessen zu sehen, was alle anderen hineininterpretieren. Wenn ich dann ihren Standpunkt sehe, verstehe ich den auch, aber er scheint mir nicht richtiger als meiner. Zum Glück hatte ich im English-Leistungskurs einen Lehrer, der viel Wert auf eine korrekte Begründung legte. Dadurch bin ich immer mit einem blauen Auge (RW, meist Ausreichend als Note) davongekommen.

      Ich erkenne mich aber auch in Vielem wieder, was bereits gesagt wurde.
    • Gestern hatte ich zoom Konferenz mit 20 Leuten, sehr zähe Atmosphäre, langweiliges Thema, gegen 19 Uhr nach einem anstrengenden Arbeitstag. Ich war aus beruflichen Gründen dabei, weil ich von einem Geschäftspartner eingeladen wurde. Ich wollte nur Zuhörer bleiben, der Moderator hat mich dann aber spontan um meine Meinung gefragt, als ich so im Halbschlaf und mit Anstrengung, meine Augen halbwegs geöffnet zu halten, vor mich dahintümpelte. Herrlich so eine Situation für einen Aspergerkandidaten.

      Jedenfalls hab ich irgendwie ein paar Sätze herausbekommen, in meiner Position hat man aber sicherlich ein starkes Statement von mir erwartet. Meine Wirkung auf die anderen konnte ich nicht wirklich einschätzen, das geht von "halbwegs passabler Eindruck" bis "desaströse Vorstellung". Nachdem man schnell mal das Übelste annimmt, quäle ich mich nun so dahin. Das wird wieder einige Tage dauern, bis ich dieses Thema aus meinen Kopf bekomme und mit gewohntem halbwegs gutem Selbstbild meiner Arbeit nachgehen kann.

      Die diversen Kommunikationssituationen belasten meine Lebensqualität und mein Selbstvertrauen in einem überdurchschnittlichen Ausmaß, mein schlimmes Endszenario liegt darin, dass ich durch meine Kommunikationsdefizite einen guten Kunden verliere und meine Firma den Bach runtergeht. Einen Beweis für einen Kundenverlust gibt es noch nicht, wird auch wohl nicht so sein, stattdessen schätzen die Kunden die Verlässlichkeit, Direktheit usw. Trotzdem lassen sich meine quälenden Gedanken möglicherweise einerseits auf Existenzängste und andererseits auf Angst vor peinlichen Vorstellungen zurückführen.

      Meine Partnerin erdet mich manchmal und meint, dass die anderen viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind und gar nicht so sehr darauf schauen, was die anderen für einen Eindruck machen.

      Wenn jemand Strategien für vergleichbare Situationen entwickelt hat, bitte darum, ich wäre dankbar.

      LG
    • @Tom70 So wie ich Dich verstanden habe geht es Dir darum, dass Dich Situationen in denen Du vermeintlich nicht optimal reagiert hast im Nachhinein quälen, weil es keine eindeutige „Auflösung“ der Situation gibt und Du nicht weisst in wie weit diese Interaktion jetzt Deinen „Stand“ beim Gegenüber beeinflusst ?
      Ich kenne das auch, nicht nur in beruflichen Situationen. Was mir da manchmal raushilft ist, wenn ich dann über meine Meinung über Leute nachdenke, und worauf die basiert. Nicht auf einigen verunglückten Kommunikationen sondern auf der „Langzeitbeziehung“, der Summe der Interaktionen mit oder der Leistungen der Person. Dabei fällt mir in meinem Umfeld zu fast jeder Person auch so ein „Kommunikationsunfall“ von deren Seite ein, aber der ist mir in meiner „Bewertung“ nicht so wichtig. Das finde ich beruhigend, und dann hoffe ich einfach dass es bei den anderen genauso funktioniert. Und die, die sich tatsächlich ihre Unumstössliche Meinung über mich bilden aufgrund nur eines Fehltrittes oder einer Unperfektheit (oder auch ein paar mehr Unperfekteiten), die können mir dann egal sein.
      Diese „Gedankenstrategie“ hilft nicht immer, aber oft löst sich dann der Knoten (Rw) und ich kann die Situation abhaken.
    • @Tom70:
      Du hast ja viel zu tun und wahrscheinlich keine Zeit für eine zeitaufreibende Vorbereitung,
      aber wenn ich ein Meeting habe, gehe ich vorher alles durch, was ich anbringen will und schreibe mir einen Zettel in Stichpunkten. Da kann ich in Momenten der Verwirrung auch mal draufschauen und einfach ein Thema davon anschneiden.
      Da kommt auch drauf, wie die Leute heißen, weil ich gerne einen Namensblackout habe, und das finde ich immer superpeinlich.

      Wenn Zeit ist, vergegenwärtige ich mir nicht nur, was ich von den anderen will, sondern auch, was die jeweiligen Teilnehmer von mir haben wollen und lege mir ggfs. bereits dafür Sätze zurecht. Auch den Charakter der Menschen zu studieren, ist hilfreich. Ich schreibe auch gerne Protokoll, das gibt mir das Recht, jede blöde Frage zu stellen, die ich will, zB. "Meinen Sie damit, ...? ""Soll das ins Protokoll?""Verstehe ich das richtig ?" und auch mal zur Tagesordnung zu rufen, wenn es mir zu langweilig wird oder zu weit vom Thema abschweift, irgendwelche Schwafler sind immer dabei :"Zu welchem Tagespunkt gehört das jetzt ?" "Können wir mal in der Tagesordnung weiter machen ?" bzw. so ein Meeting auch beenden: "Wenn es jetzt zu den Punkten in der Liste nichts mehr gibt, können wir ja Schluß machen".. im sozialen Bereich driften Meetings immer weit ab vom eigentlichen Kernthema und dauern doppelt so lange wie nötig.

      Eine andere sinnvolle Frage ist auch: wer ist der Obermacker, wie ist die Hierarchie, wo stehe ich da ? Logisch.

      Und Kleider machen natürlich Leute, aber das ist bei Euch sicher sowieso anders als im sozialen Bereich.

      Ansonsten finde ich, daß Deine Partnerin vollkommen recht hat.
      Und: auch viele NTs fühlen sich unsicher in Meetings. Eine Kollegin von mir hat mir mal gesagt, sie stellt sich die, vor denen sie Angst hat (Oben drüber sitzt auch im sozialen Bereich immer ein Kerl und macht die Ansagen :frown: ), am Klo vor. :d
    • @AnnShin

      Das was du schreibst könnte auch von mir sein...

      Beispiel:

      Ich bin Kassierer in einem Verein mit ca. 100 Mitgliedern. Coronabedingt kann sich der Vorstand nicht treffen, um Aktionen vorzubereiten und umzusetzen. Es wird eine Alternative zu der klassischen Vorstandssitzunng gesucht. Sämtliche Ideen (Standpunkte) werden zerredet und verworfen.

      Ich spreche seit 8 Monaten mit den 5 Vorstandsmitgliedern, ob wir uns per Telefonkonferenz oder Laufzettel-Email eine Vorstandssitzung abhalten können. Antwort war entweder "keine Zeit" oder "machen wir später". Dann habe ich einen regelrecht "verhaftet" (das wird JETZT gemacht) und die aufgelaufenen Punkte abgearbeitet und den anderen schriftlich ein Protokoll mit einer Aufforderung zur Stellungnahme geschickt.

      Reaktion war "das könnt Ihr so nicht machen" und "warum habt Ihr mich nicht gefragt"... Immerhin hat der Druck die Leute dazu gebracht, sich diese Woche zu treffen und die Themen abzusprechen.

      Ich weiß nicht, ob ich das Nicht-für-voll-genommen-Gefühl überhaupt zur Sprache bringen soll oder ob ich "einfach nur zufrieden sein soll, daß es endlich geklappt hat".

      Das Verhalten anderer tritt bei mir immer wieder auf. Eine Lösung habe ich mit 48 Jahren immer noch nicht.

      Freundliche Grüße

      infla

      The post was edited 1 time, last by infla ().

    • Kugelfisch wrote:

      @Tom70 Nicht auf einigen verunglückten Kommunikationen sondern auf der „Langzeitbeziehung“, der Summe der Interaktionen mit oder der Leistungen der Person. Dabei fällt mir in meinem Umfeld zu fast jeder Person auch so ein „Kommunikationsunfall“ von deren Seite ein, aber der ist mir in meiner „Bewertung“ nicht so wichtig. Das finde ich beruhigend, und dann hoffe ich einfach dass es bei den anderen genauso funktioniert.
      Diese „Gedankenstrategie“ hilft nicht immer, aber oft löst sich dann der Knoten (Rw) und ich kann die Situation abhaken.
      Danke für den Tipp, das wird sicher etwas hilfreich sein. Blöd nur, wenn man beim ersten Kennenlernen einen "Kommunikationsunfall" hat, da gibts leider noch keine Langzeitbeziehung.
      Im Grunde genommen sind dein Aussagen jedoch recht stimmig.
      LG, Danke
    • Gerit wrote:

      @Tom70:
      aber wenn ich ein Meeting habe, gehe ich vorher alles durch, was ich anbringen will und schreibe mir einen Zettel in Stichpunkten. Da kann ich in Momenten der Verwirrung auch mal draufschauen und einfach ein Thema davon anschneiden.
      Ja das mache ich auch, wenn ich davon ausgehe, dass ich einen Beitrag leisten soll. Am gestrigen Meeting war ich jedoch überrascht, dass meine Person gefragt war, ich wollte eigentlich nur zusehen :x . Normalerweise bin ich ähnlich wie du vorbereitet.
    • @Tom70:

      Ja, das dachte ich mir schon. Wir sind uns in dem Punkt wohl recht ähnlich.


      An psychisch labilen Tagen höre ich mir oft ein Lieblingslied an und singe das innerlich den ganzen Tag vor mich hin, als psychische Stütze, sozusagen. Du bist doch Musiker. Machst Du das auch so? :)
    • Ja, die Musik hilft mir an manchen Tagen sehr, um labile Phasen gut durchzustehen, manchmal bringt dies Klassik, dann wieder Techno oder alte Popsongs. Ich beobachte sehr häufig, dass es Tage gibt, wo man sich besser der Musik hingibt als der Kommunikation, umgekehrt gibt es auch Tage, wo Kommunikation super funktioniert und man jedoch nicht weiß, welche Musik einen an diesem Tag triggern könnte, da alles blechern klingt.
      Bei der gestrigen zoom Konferenz kam mir vor, dass mich beides nicht beglückt hat, oberflächlich betrachtet ein entbehrlicher Tag, obwohl er sicher seine Qualitäten gehabt haben wird, nur ich hab sie nicht gesehen.

      Zur Kommunikation wurde mir gerade folgender Artikel empfohlen, wahrscheinlich hat irgendwer irgendwie mitgetrackt.

      "Gespräche dauern oft zu lange"

      science.orf.at/stories/3205047/