Berufsneufindung

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    • Eine wrote:

      Von mir aus kann ich auch in einer Bibliothek, einem Museum, was auch immer arbeiten, auch das würde mir Freude machen. Hauptsache ich hab irgendwas mit Kulturgeschichte zu tun.
      Vielleicht findet sich eine geeignete Stelle in der Museumspädagogik. Hängt aber sicher sehr vom Museum ab, wie da der Arbeitsalltag aussieht, ich kann mir vorstellen, dass da einige Stellen nicht viel anders als Lehren in der Schule ablaufen. Andererseits werden gerade die Angebote für erwachsene Besucher eher von besonders Interessierten frequentiert, also weniger belastende Störung.
    • Sowas würde mich sehr interessieren...

      Oder auch Kunstgeschichte oder Kulturwissenschaft studieren.
      Da fände ich die Berufsbilder noch eher geeignet für mich.

      Weiß nur nicht wo ich damit im Wilden Westen Arbeit finde. Verbunden mit homeoffice würde sowas gehen :)
    • Anscheinend ist das doch nichts für mich, denn

      Museumspädagogik
      Geht nicht als Fernstudium. Und die beiden Unis sind weit weg.

      Kulturwissenschaft
      Das ist was für Führungskräfte in Unternehmen.
      Als Fernstudium möglich, mit Abschluss als Bachelor aber 13.000 Euro. Zertifikat nur gut 800 Euro, aber ich habe schon mal ein Fernstudium mit Zertifikat abgeschlossen, mit dem ich noch nie was anfangen konnte. Das liegt daran, dass man sich da eher selbstständig macht. Danke, hatte ich schon, 7 Jahre, brauch ich nicht mehr.

      Kunstgeschichte
      Was will man damit nachher anfangen?
      Auch teuer.

      Ich habe ein Diplom für Musikpädagogik, aber damit will und kann ich nichts mehr aufbauen.
      Außerdem ist es gerade für Musiklehrer eine schlechte Zeit. Viele meiner Kollegen wechseln in andere Berufe wegen Corona. Und ich hab nur böse Blasinstrumente.
      Selbst wenn man Privatschüler online unterrichtet, außerhalb der Eifel, reicht das bei weitem nicht für den Lebensunterhalt.
      Das kommt also alles nicht mehr in Frage.
      Das muss ich immer wieder klarstellen, nicht dass immer wieder jemand auf die Idee kommt, mir da Ratschläge zu geben, die ich mehr als satt hab.

      Ich bin verzweifelt. Alle paar Tage oder Wochen denk ich: jaaa ich hab was gefunden, hurraaaa!
      Und dann recherchier ich und überlege und denke realistisch nach, und komme zu dem Ergebnis:
      Achnee doch nicht.

      Das ist so niederschmetternd.

      Seit 3 Jahren suche ich nach Alternativen. Es ist, als ob mein Leben total blockiert ist. Nirgends komm ich weiter, beruflich.
      Ansonsten passiert ja ganz viel - ich bin in den 3 Jahren 2 mal umgezogen (die Hölle für die Nerven!!!), meine Tochter hat 2 mal die Schule gewechselt (die Hölle für ihre Nerven!!!), mächtig heftig Beziehungsarbeit..., ich hab meinen Job gekündigt, begebe mich in Behandlung, habe den Hinweis bekommen, dass ich ein Aspi sein könnte, und ganz viele Menschen haben sich von mir abgewandt.
      Jetzt sitz ich hier, Stand der Dinge:
      Dach überm Kopf, Haus ist fertig, Tochter hat sich etabliert so weit möglich, meine Beziehung ist nach 10 Jahren endlich stabil (weil wir beide gelernt haben), ich bin ohne Job, bekomme Krankengeld, und weiß nicht wie es nach der Reha weitergehen soll. Und ich warte auf die Diagnose seit einem Jahr.
      Sollte es zu einem Wunder kommen und ich werde wieder so fit, dass man mich für fähig hält, in meinem bisherigen Beruf weiter zu arbeiten, werde ich trotzdem eine (dann vom Arbeitsamt gestützte) Umschulung machen, da der Arbeitsmarkt nichts hergibt für meinen bisherigen Beruf. Also wirklich richtig nichts. Und Lehramt Seiteneinstieg fällt raus.
      Es ist aber eher wahrscheinlich, dass eine berufliche Reha nötig ist.
      Und erst recht auf die ASS Diagnose gewartet werden muss um ein realistisches Gutachten zu stellen.
      Doch wie geht's dann weiter?

      Da ist man schon so alt, und merkt: Hm, das was ich bisher alles gemacht hatte war für mich nicht das Richtige. So sehr nicht das Richtige, dass es mich krank gemacht hat. Bin ich überhaupt zu irgendwas noch fähig?

      Es ist ganz schwer, nicht in Selbstmitleid abzusaufen in dieser Hinsicht. Es ist keine generelle "Undankbarkeit", denn, wie oben beschrieben, weiß ich sehr zu schätzen, was ich anderweitig bisher erreicht habe und was für ein Glück ich hatte - allein schon die Tatsache, dass mein Freund mich so unterstützt und dass er überhaupt wieder (fast) ganz normal lebt nach seiner schweren Krankheit.
      Und aus meiner Tochter ist auch ein starker (halt oft sturer) Charakter geworden, und die wird auch älter und trotz Aspi-Zügen immer selbstständiger - immerhin kann ich mal 2 Stunden alleine spazieren gehen. Das war die letzten Jahre ohne Extrabetreuung für sie nicht möglich. Also es läuft.

      Ich bin nur verZWEIFELt, weil ich voller Zweifel bin, Zweifel an mir selbst, meinen Fähigkeiten. Überall JEDEN Tag an jeder Ecke erfahre ich nur Hindernisse.
      Und wenn einfach nur die doofe Einkaufskarre im Edeka zu groß für mich ist. Oder wenn mich Staubsaugen so fertig macht, dass ich danach nix mehr anderes tun kann. Oder dass mir die blöden FFP Masken viel zu groß für mein sehr kleines Gesicht sind, sodass die Brille deswegen immer auf die Stirn rutscht.
      Alltag ist für mich in vielen Dingen unüberwindlich!
      Und das doofe ist: man sieht es mir nicht an.
      Ich sehe ganz normal aus, nur halt bisschen klein.
      Ich kann ganz normal sprechen - wenn ich mir ganz viel Mühe gebe.

      Und diese Menschen, die sich von mir abgewandt haben... Die hatten immer gesagt: wow, du hast doch alles super im Griff, und schaffst das alles alleine, was beschwerst du dich denn!?
      Die hatten keine Ahnung haben können.

      Vielleicht sollte ich Schauspieler werden. Kann ich wohl am besten. :sarcasm: :cry:
    • Eine wrote:

      Museumspädagogik
      Geht nicht als Fernstudium. Und die beiden Unis sind weit weg.
      Abgesehen davon ist es soweit ich weiß auch alles andere als einfach, da reinzukommen. Der Konkurrenzdruck ist im Bereich Museumsarbeit sehr groß. Da ist auch viel "Vorarbeit" über Praktika, Honorartätigkeiten etc. nötig. An die Honorartätigkeiten kommst man wohl allerdings ganz gut heran, wenn man überhaupt inhaltlich etwas zu bieten hat, was in dem Kontext interessant sein könnte. Musik zu anderen Zeiten wäre beispielsweise sicher ein spannendes Thema.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • @Eine Kulturwissenschaft kann man z.B. in Koblenz studieren. Das Studium an der Uni KO ist seit einem Jahr quasi vollständig Fernstudium, coronabedingt. Vielleicht ist das eine Möglichkeit?

      Ansonsten stelle ich dir eine ketzerische Frage, die du nicht unbedingt hier und schon gar nicht mir beantworten musst, sondern die du dir vielleicht selbst stellen solltest:
      Ist (zumindest bis auf Weiteres) das Nicht-Arbeiten (Berufsunfähigkeit) möglicherweise die für dich gesündere Option? Zumindest in der Form, dass du das für dich akzeptierst und das Gedankenkarussell verlassen kannst. Sicher werden Amt und Krankenkasse und Rentenkasse dir diverse Maßnahmen auferlegen, um dich in irgendeinen Job zu bringen. Vielleicht kannst du dir überlegen, das einfach hinzunehmen, es dir neutral anzuschauen, und wann immer es dir aber nicht gut geht, sofort zum Arzt und krank schreiben lassen. Das Ganze mit dem Ziel, dass DU maximal (vor dem Hintergrund, dass du Familie hast, natürlich dadurch ggf. etwas eingeschränkt) auf deine gesundheitlichen (psychischen wie körperlichen) Bedürfnisse Rücksicht nimmst und zurück zu innerer Ruhe und Kraft und Gesundheit gelangen kannst. Es braucht für das eigene Selbst nicht zwingend einen erfüllenden Beruf, Erfüllendes kannst du ganz unabhängig von beruflicher Eingebundenheit und Verpflichtung finden - wenn du dafür nur irgendwann wieder genug Kraft hast. Eine berufliche Neuorientierung hingegen kostet extrem viel Kraft. Ich bin diesen Weg gegangen (damals noch ohne Wissen um AS), und es wurde alles noch viel schlimmer.
      Wenn du erst wieder ganz ohne ständiges Kopfzerbrechen zu Kräften kommen kannst, wirst du ohne Druck viel besser wissen, SPÜREN, wo dein Platz ist. Vielleicht ist das dann eine neue Ausbildung, ein Studium, oder auch eine Selbstständigkeit. Oder vielleicht auch eine dauerhafte Berentung und Ehrenamt, Hobby, Selbstversorger... Egal was: Ein Leben mit Anstrengungen in einem eben für dich gut leistbaren Umfang und mit einer für dich geeigneten Struktur. Wer weiß, wie das dann aussieht. Aus meiner zugegebenermaßen beschränkten subjektiven Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es sehr viel Zeit brauchen kann.

      Ich wünsche dir alles Gute :)
    • @Eine

      Hast Du Dir schon mal überlegt einen Job im Bereich der schreiben Kulturvermittlung zu suchen?
      Du könntest beispielsweise als freie Kulturjournalistin (Bereich Musik, Kunst, Literatur etc.) arbeiten oder versuchen bei einem Verlag unterzukommen, der Schul- und andere Lehrbücher konzipiert und herausbringt.
      So könntest Du Dich weiterhin mit Fachthemen beschäftigen und anderen etwas beibringen ohne in direkten Kontakt zu treten.
    • @Grubber
      Hm. Ich bin froh, dass Du das so deutlich ansprichst. Du sprichst aus, was ich insgeheim befürchte. Danke, dass Du das so einfühlsam formulierst. Hatte Tränen in den Augen. Weil mich das stark berührt hat.
      Da Du das selbst erlebt hast wovon Du sprichst, weißt Du ja gut wie sich das anfühlt.
      Ich habe diese Aspekte bisher nicht gewagt zu denken. Weil... Da gibt es so viele Weils:

      Bisher war ich großartig darin, die Fassade zu wahren.
      In meiner Familie gilt: alle außer Handwerker sind faul. Alle, die keinen 8-Stundentag haben, sind faul. Alle, die warum auch immer nicht arbeiten, obwohl sie offensichtlich doch gesund sind, sind faul. Das steckt mir wohl noch in den Zellen.
      Mein Freund prägt mich auch sehr. Er hat immer tief bereut, dass er seine beiden Studiengänge abgebrochen hat. Er hätte so gern einen akademischen Beruf. Und er findet es so überaus wichtig, dass ich dabei bleibe. Natürlich projiziert er da viel auf mich! Darüber bin ich mir bewusst. Und er ist sich das auch. Und doch findet er genug Gründe, warum ich in der Richtung bleiben sollte, er hält mich für überaus intelligent - was ich nicht tue. Ich habe immer verinnerlicht, dass ich ziemlich dumm sein muss, weil ich ja nicht klar komme in der Welt. Und das was ich kann - was soll die Berufsschubladenwelt damit anfangen!?

      Vor einem Jahr bekam ich im Job (Musikschule) extrem viele Probleme. Es gab in jedem Unterrichtsort andere Regeln. Eine Schule verhielt sich wie ein Hochsicherheitstrakt und machte uns alle bekloppt weil die neuen elektronischen Schlüssel nicht korrekt programmiert wurden. Und da hatte ich Schwierigkeiten mit der Nebeneingangstür und schimpfte vor mich hin. Die Putzfrei blaffte mich plötzlich an, dachte ich hätte über sie geschimpft, war aber nicht so, und sie sagte, ich soll abschließen, Chef hat gesagt. Aber in dem Nebengebäude waren noch Menschen! Kann ich doch nicht einschließen, sagte ich ihr. Sie verstand mich sprachlich schon nicht. Aber nachher schimpfte sie bei meinem Chef über mich. Und der sah sich darin bestätigt, dass ich arrogant bin und mich über seine Weisungen hinwegsetze.
      Das machte mich fertig, weil ich nichts mehr verstand. Ich rief meinen Therapeuten an. Der sah seinen Vorschlag bestätigt, dass ich mal in eine psychologische Reha sollte.
      Ok, er meint es gut, aber ehrlich: wieso ich!? Wieso nicht mein Chef und die Putzfrau!?
      Deshalb war ich drauf und dran zu kündigen.
      Mein Freund aber sagte: das kannste nicht machen, selbst kündigen ist immer sch*.
      Also ertrug ich den Mist weiter und suchte nach Fernstudium, akademisch natürlich.
      Ich war drauf und dran mich einzuschreiben, doch dann...
      ... Wurde mir während meiner Unterrichtszeit mein parkendes Auto zu Schrott gefahren auf dem Park einer Schule. Die Polizei war da, der LKW Fahrer hatte sich geme, da hatte ich noch Glück. Mein Schrotthaufen musste ja ersetzt werden. Denn ich brauchte den für alle Dienstfahrten mehrmals täglich. Nix Dienstwagen. Da stand ich nun, vor dem Blechhaufen, es goss in Strömen, und ich lachte ubd heulte gleichzeitig, weil ich so balla war vor Schock. Die Polizisten mussten für mich Telefonate tätigen, weil ich das nicht mehr konnte, ich war nur noch am Zittern. Später rief ich meinen Chef an und erzählte was passiert war. Da sagte der nur: Ja das ist Pech, aber guck, dass du zu der nächsten Schule kommst, oder du musst die Stunden nachholen, denn für ein kaputtes Auto gibt's keinen Urlaub.
      Da fragte ich mich, wer den Schaden hat, ich, oder mein Chef!?
      Das war dauernd so ein Stress mit dem und anderen. Wie hab ich das ausgehalten da so lange!?

      Doch jedes Mal, wenn ich nur an egal welche Berufstätigkeit denke, zerberste ich fast vor innerliche Anspannung und Druck. Alles andere driftet dann in den Hintergrund. Sobald ich irgendwas versuche anzuleiern, Dreh ich durch. Dann geht gar nix mehr. Die banalsten Dinge sind dann zu viel, also was man so banal nennt, Haushalt und so. Und dann kommt noch meine Tochter dazu...
      Gestern hab ich vor lauter Angst, Anspannung und Hilflosigkeit ein Glas zerdeppert und die Finger voller Schnitte. Ich stand neben mir und fragte mich: hey Was isn da los!?
      Mein Freund kam mir helfen sobald er konnte, er war geduldig, verständnisvoll, hat das mit meiner to geklärt und alle Scherben aufgekehrt, meine Schnittwunden begutachtet - viele aber harmlose Wunden. Und doch hat er seine eigene Sichtweise und vergleicht meine Situation mit seiner damals - seine Wut und Unberrschtheit habe ihn seine Karriere gekostet.
      Ich verstehe was er meint. Er sieht meine (seltenen, aber heftigen) Ausbrüche. Und doch kann man das mit ihm nicht vergleichen. Meine Ausbrüche kommen erst dann wenn das Schiff schon am Sinken ist, und eben deswegen weil das Schiff am sinken ist.

      Weiß nicht wie ihr das seht.

      Aber es ist schon was wahres dran, dass ich zumindest den Gedanken zulassen muss, dass zumindest bis auf Weiteres die Berufsunfähigkeit die gesündere Option für mich ist.
      Den Druck rausnehmen. Ich war echt davon überzeugt, dass das ja schon täte! Schließlich bin ich seit November krankgeschrieben und werde nie wieder in den alten Mist zurückkehren, und ich hab noch weiterhin Zeit wegen Reha. So viel Zeit!
      Und doch drängt immer irgendwas in mir: ja Mensch, es wird langsam Zeit, dass du mal wieder in die Gänge kommst und endlich weißt was du willst, so geht das doch nicht ewig!
      So stark sind die familiären Prägungen.

      Ich glaub, meine größte Angst ist, "nutzlos und faul" zu sein, im Sinne meiner Familie und anderer Menschen, die so konditioniert sind.

      Und eine Folge davon ist auch die Angst, dass man mir mein Haus wegnimmt wenn ich nicht arbeite.

      Doch immerhin hab ich heute Post bekommen von meiner Berufsunfähigkeitsversicherung - die übernimmt jetzt für maximal 12 Monate meine Kreditzahlungen. Damit wären die monatlichen Kosten gedeckt. Für ein Jahr. In dem Jahr soll ich halt "wieder auf die Beine kommen" und wieder selber zahlen können. Daher kommt der "Zeitdruck".

      @Thajanu
      Schöne Ideen, hatte ich auch schon in Betracht gezogen. Doch genau da, in der Freiberuflichkeit, fühle ich mich extrem unter Druck. Existenzangst. Hab ich alles schon sehr lange durchgemacht. Unter Druck kann ich nicht arbeiten, ich geh dann ein.
    • @Eine

      Deine Sorgen wegen der Freiberuflichkeit kann ich gut nachvollziehen. Es gibt aber auch bestimmt feste Stellen in diesen Bereichen, wo man trotzdem viel von Zuhause arbeiten kann.
      Ein bisschen Druck gibt es vermutlich bei jeder Arbeitsstelle. Man hat ja immer Termine, bis wann man eine Sache ungefähr fertig haben soll.
      Vielleicht wäre es auch sinnvolll therapeutisch noch etwas an diesem Druckempfinden zu arbeiten. Im Endeffekt kannst Du ja mit solchen Ängsten nie wirklich entspannt arbeiten und ein Job soll ja schon auch Freude machen. :)
    • @Eine

      Ja, das ist schade, dass Du da so ungute Erfahrungen gemacht hast. Um so etwas in Zukunft zu vermeiden, wäre es, wenn es Dir wieder besser geht, vielleicht sinnvoll, mal in einem für Dich interessanten Bereich zu hospitieren oder ein längeres Praktikum zu machen. So könntest Du feststellen, ob Du gut zurecht kommst, bevor Du eine längere und womöglich teure weitere Ausbildung anfängst.
    • Eine wrote:

      Schöne Ideen, hatte ich auch schon in Betracht gezogen. Doch genau da, in der Freiberuflichkeit, fühle ich mich extrem unter Druck. Existenzangst. Hab ich alles schon sehr lange durchgemacht. Unter Druck kann ich nicht arbeiten, ich geh dann ein.
      Ja, das ist ein riesiges Problem. Um wirklich nachhaltig freiberuflich erfolgreich zu sein, braucht man nicht nur viel Selbstdisziplin und ein gutes Selbstmanagement, sondern auch die Fähigkeiten, sich selbst zu motivieren, unter Druck und Unsicherheit zu arbeiten, wie die eigene Leistung gut in Szene zu setzen und Werbung für sich zu machen. Da sind zumeist auch sozial-kommunikative Stärken sehr wichtig. Festanstellungen sind im kulturellen Bereich allerdings echt selten.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Noch eine Idee: Das was du alles kannst, sind ja alles lauter Dinge, die total sinnvoll und notwendig sind für junge Menschen. Die aber an Staatsschulen maximal als Gimmick gelten, weil Mathe und Deutsch wichtiger sind. Was ist denn, wenn du dich mal in der offenen Ganztagsschule als Mittagsbetreuung an beispielsweise Waldorfschulen oder Montessori Schulen umsiehst? Da hast du ja dann quasi eine super wichtige pädagogische Funktion, bist eine feste Bezugsperson und kannst offen mit Kindern arbeiten, die in einem Alter sind, in dem sie nicht mehr sabbern etc (hattest ja geschrieben, dass du das nicht magst). Trotzdem fest angestellt und feste Arbeitszeiten.

      Aber es klingt wirklich so, als würde es dir gut tun, so viel Abstand zu bekommen, dass du unbefangen an das Thema heran gehen kannst.
    • @Eine Ich habe alles gelesen, was du geschrieben hast, und es geht mir sehr nah, denn es ruft Erinnerungen wach... Ich schaffe es heute nicht mehr, richtig darauf einzugehen, aber ich möchte dich darin bestärken, DEINER Wahrnehmung DEINES Zustandes zu vertrauen. NUR DU bist Expertin für DICH. Zu meiner Familie habe ich den Kontakt abgebrochen, als deutlich wurde, dass sie mir schaden und ich mich nicht genügend abgrenzen konnte. Zunächst temporär. Inzwischen dauerhaft, aber das ist eine andere Geschichte. Mein Partner ist auch sehr leistungsorientiert. Ich hatte große Angst ihn zu verlieren, falls ich dauerhaft nicht mehr leistungsfähig sein sollte. Aber mir ging es irgendwann so schlecht, dass ich darauf keine Rücksicht mehr nehmen konnte. Und dabei durfte ich lernen, dass meine Angst völlig unbegründet war. Er hat viel mit mir gelernt.
      Ich hoffe, ich konnte dir erst mal ein bisschen Mut zusprechen. Du schaffst das. Aus heutiger Sicht, nocg lange nicht am Ende des Weges, kann ich für mich sagen, dass es die Chance meines Lebens war. Ich habe sehr viel lernen müssen, muss es immer noch, habe mich stark verändert - zu MIR SELBST hin, das war und ist oft schmerzhaft, aber es ist wie mit Wehen...: Das ist es wert... :)
    • Ihr habt Recht so. Einfach danke für eure Sichtweisen.
      Mir wird immer deutlicher klar, dass ich seit der Pubertät nur damit beschäftigt war, meinen Sturkopf durchzusetzen. Wahrscheinlich als die totale Rebellion auf meine eingesperrte Kindheit, in der ich nix sagen und entscheiden durfte.
      Also ich wusste ja, dass ich bisschen viel stur bin, wurde mir auch laufend gesagt, aber dass es so weitreichend ist, wow. In jedem Bereich. Ich habe halt versucht zu beweisen, dass ich endlich erwachsen bin und selbst entscheiden kann.
      Und mich dann bis in die heutige Zeit furchtbar geärgert, dass ich... ein Zwerg geblieben bin. Also von wegen großwerden. Hab ich nie geschafft. Allein das war auch oft Grund für Mobbing, oder einfach nicht ernst genommen werden.

      Und jetzt noch ne kurze Story zum Lachen- ich kann selbst drüber lachen:
      Vor einem Jahr etwa, an einem Vormittag in der Schule, es klingelt, Große Pause, ich schicke alle meine Schüler raus. Ich selbst gehe kurz in den Flur mit und dann zurück in den Klassenraum, schließe mich ein. Plötzlich höre ich eine Lehrerin rufen:
      He, du da, komm da raus! Was machst du hier!?
      Sie riss die Tür auf, stand vor mir und fragte, was ich hier zu suchen habe.
      Völlig baff war ich, aber dann verstand ich, denn solche Vorfälle in der Art gab es öfter. Ich reichte ihr die Hand und stellte mich freundlich vor mit Namen, und dass ich seit 7 Jahren an dieser Schule unterrichte.
      Diese Kinnlade hättet ihr sehen sollen.
      Ich war zu diesem Zeitpunkt 36 Jahre alt und muss wohl 20 Jahre jünger ausgesehen haben, sogar von nahem. Upsi. :)
      Ein andermal kam ein Lehrer in meinen Unterricht und fragte meine Schüler und mich: "wo ist eure Lehrerin?" *räusper*

      So, dachte ich mir dann heute, nachdem ich mich etwas besser kapiert hatte. Wenn ich also immer noch aussehe wie ein Kind, dann will ich auch einfach sein wie ein Kind. Setzte mich an den Schreibtisch, klaute mir einen Lolly von meiner Tochter und fing an, in meinem Malbuch Mandalas auszumalen, das ich eigentlich für meine Musikalische Früherziehung gekauft hatte.
      Und dann fing ich an, meine Stifte nach Farben zu ordnen und alles war in Ordnung. Zumindest auf dem Tisch.

      Und vorher war ich spazieren - Wahnsinn, dass man sich in dieser Kälte noch bewegen kann ohne zu klirren... Durch den Schnee, auf meinem Lieblingsweg, und da fiel mir auf, dass ich schon lange nicht mehr die Jahreszeiten so ausgie erfahren und genießen konnte, weil ich nur noch damit beschäftigt war, mit deren Bedingungen zu kämpfen wegen der vielen Dienstfahrten. Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Zeit, um im Schnee spazieren zu gehen. Da war ich einfach mal froh darüber, so viel Zeit zu haben. Die muss ich ja nicht nur mit Warten verbringen. Auch depressive Menschen können im Schnee spazieren interessant finden. Der Bach klingt dann ganz anders.

      @Thajanu
      Auszeit ist gut, und Praktikum auch gerne.

      @Leonora
      Vor allem das Werbung machen fand ich extrem belastend, ja. Und die Honorar Verhandlungen.

      @Les
      Tatsächlich hatte ich mich im letzten Sommer bei der neuen Montessori Schule beworben, die es seit 2 Jahren gibt, gar nicht so weit weg von mir. Doch sie hatten keinen Bedarf.
      Alle anderen Montessori Schulen sind über eine Stunde entfernt. Das schaff ich dann nicht vom Fahren her. Nach spätestens 40 min Fahrt geht mein Gehirn einfach aus und danach wird gefährlich. Daher hab ich das nicht in Betracht gezogen, da weiter zu suchen. Ich hätte das echt gerne gemacht.

      @Grubber
      Danke, wieder Tränen in den Augen.
      Wenn Du wieder schreiben magst und kannst, schreib mir gerne eine PN, würde mich sehr freuen.
    • Nun warte ich auf Bescheid für die berufliche Reha.
      Habe ja immer noch keine Diagnose.
      Die psychosomatische Reha Klinik drängt geradezu darauf, eine Autismus-Diagnose klar zu stellen, dementsprechend soll die berufliche Reha angepasst werden.
      Im Berufswahltest in der Sozialberatung kam heraus, dass sowas wie Graphicdesignerin Übersetzerin oder Bibliothekarin für mich passend wäre. Oder halt irgendwas mit Archiv.
      Aber erstmal da hin kommen. Also (Fern-)Studium.

      Aber geht das!?
      Und wie finanzieren?
      Es heißt: tja dann musste halt nebenbei jobben gehen.
      Äh ja, wie!? Das würde mich maßlos überfordern. Alleinerziehend, stark psychisch und auch körperlich beeinträchtigt (GdB und Assistenz werden gerade beantragt, wird dauern, bis zu 1 Jahr).

      Oder gibt's da andere Möglichkeiten, Hilfen, etc für Leute wie mich??

      Oder kann ich mir solche Berufswege eher abschminken (RW)?
    • PS
      In medizinischer Reha war ich.
      Weiter Krankengeld, seit fast einem halben Jahr.
      Keine Anstellung mehr, leistungsunfähig für bisherigen Beruf.
      Nach Krankengeld steht mir (laut Aussage der Sozialberaterin der Rehaklinik) ein Jahr lang ALG 2 zu.
    • New

      Ich hänge mich einmal an diesen Thread heran (RW). Mein Werdegang ist fast der selbe wie der der Thread-Stellerin.
      Wollte in die Künstlerbranche, wurde mir aber von meiner Familie verboten. Also wurde mir ein Studium im sozialen Bereich aufgezwungen. Auch, wenn meine Familie das bis heute bestreitet.
      Ein normaler Beruf wurde mir verwehrt, weil diese Berufe kein Ansehen haben und wenig Gehalt einbringen.

      Nach gut 5 Jahren im sozialen Bereich, 3 Berufswechseln und 1,5 Burnouts in dieser Branche bin ich fest am überlegen, ob ich wirklich eine erneute Ausbildung machen soll.
      Damals hatte ich schon ein Beratungsgespräch bei der ARGE, war burnout-bedingt in einer Tagesklinik, bin bis zum MDK der ARGE und habe keine Unterstützung erfahren.
      "Schlusslied" (RW) war jedesmal: Anpassungsstörung. Ich sei für diesen Beruf mit gewissen Einschränkungen geeignet. Diese Einschränkungen klammern aber die soziale Branche komplett aus.
      Jetzt bin ich wieder im Beruf gescheitert und möchte eigentlich nicht mehr in die soziale Branche zurück.

      Nun stellt sich wieder die selbe Frage, worin ich eine Ausbildung machen möchte. Ich interessiere mich für viele Dinge und lerne auch schnell. Das macht es schwer für mich, einen Beruf zu wählen. Das Gehalt muss wegen meiner derzeitigen Lebensunterhaltskosten auch am Ende der Ausbildung ausreichen.

      Dann kommen eben noch die Einschränkungen von den Ärzten.

      Zum Beispiel:

      - Keine stressige Arbeit;
      - Keine Führungsposition;
      - Keine Flexibilität erforderlich;
      - Keine hohe Verantwortung;
      - Kein anstrengendes Klientel;
      - Keine Spontanität;
      - Kein Schicht- oder Nachtdienst;
      - Kein großes Personenaufkommen;
      - Eingeschränkte Teamfähigkeit;
      - Kein Beruf in dem Strukturiertheit erwartet wird;
      - Kein Beruf in denen viel Aktenarbeit gefordert ist;
    • New

      Hallo @Grubber, danke dir für deine Antwort.

      Ich arbeite gerne mit dem Kopf, eher Texte, als Zahlen (Rechnen ist leider nicht meine Kernkompetenz). Mit Materialien arbeite ich auch gerne.
      Mit Menschen arbeite ich zu einem gewissen Maß auch gerne zusammen, wenn man nicht ständig von ihnen umgeben ist. Kollegen ist okay, Klienten / Kunden ist schwierig.

      Ein wenig hab ich überlegt, ob Optiker was für mich wäre. Das Gehalt würde nur nach Abschluss nicht meine Lebensunterhaltskosten decken.
      Wenn ich dann im nächsten Monat arbeitslos bin, werde ich mal eine Bewerbung (Praktikum) an meinen Optiker verschicken.

      Die Sache mit der Ausbildung ist, dass meine Familie und auch meine Partnerin strikt dagegen sind. Ich wäre 30J und da sollte man langsam an die Rente denken.
      Ich finde eben, dass das mit der Rente eh schon schwierig wird und sich das auch nicht bessert, wenn ich in meiner derzeitigen Profession von einer Stelle zur anderen wechsel. Da kommt es ja derzeit schon zu Frustration auf meiner Seite. Einmal, weil ich nicht so arbeiten kann, wie ich gerne würde (Eigenschaften stehen im Wege) und ich brenne relativ schnell aus (Burnout).
    • New

      Wäre es eventuell etwas für dich, Teilhabemanager in der öffentlichen Verwaltung zu werden?

      Als Teilhabemanager bearbeitest du Anträge auf Eingliederungshilfe, d.h. du musst dich ein bisschen in das Rechtsgebiet einarbeiten, was aber kein Problem sein sollte.
      Der Job ist eine Mischung aus Büroarbeit und Gespräche führen, aber man muss nicht direkt mit Behinderten arbeiten (nur Gespräche führen, um den Hilfebedarf zu ermitteln), und das Betriebsklima ist meistens im Bereich der Eingliederungshilfe eher gut.
      Vorausgesetzt wird meistens ein Studium im Bereich Sozialpädagogik, aber es werden auch andere Studiengänge akzeptiert, solange es entweder was mit Verwaltung oder im sozialen Bereich ist.
      Man muss selbstständig arbeiten und Entscheidungen treffen können.
      Alles wird galaktisch gut.