Die politische Kraft des Autismus

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    • ich habe mir erlaubt mal diesen Ausschnitt

      Hutter @ Deutschlandfunk wrote:

      Die Betroffenen sind dauernd von einer Reizüberflutung bedroht, weil ihr Gehirn wichtige von unwichtigen Sinneswahrnehmungen nicht gut trennen kann und deshalb zu viele Details beachtet. Sie entwickeln oft schon als Kinder ein großes Vermögen, Wesentliches zu fokussieren.
      und überlege ob hier ein Widerspruch vorliegt und ggf. wie dieser aufzulösen ist ? :roll:
      verläuft und wie verläuft die Differenz zwischen 'wichtig' und 'wesentlich' ?
      verläuft und wie verläuft die Differenz zwischen 'trennen' und 'fokussieren' ?

      The post was edited 1 time, last by Pechblende ().

    • Pechblende wrote:

      überlege ob hier ein Widerspruch vorliegt und ggf. wie dieser aufzulösen ist ?
      Wenn das Gehirn das nicht "automatisch" macht, muss man es erlernen. Etwas das eigentlich unbewusst erfolgt, wird nun bewusst vollzogen. So kann aus einer Schwäche eine Stärke werden.
      "Ich bin nicht verrückt, mein Kopf ist nur anders als eurer." (Diogenes)
    • Koala wrote:

      Pechblende wrote:

      überlege ob hier ein Widerspruch vorliegt und ggf. wie dieser aufzulösen ist ?
      Wenn das Gehirn das nicht "automatisch" macht, muss man es erlernen. Etwas das eigentlich unbewusst erfolgt, wird nun bewusst vollzogen. So kann aus einer Schwäche eine Stärke werden.
      es geht hier um einen rationalen intellektuell zu erfassenden aufzulösenden Widerspruch. wenn dein Gehirn @Koala das als Stärke hat und 'automatisch' „eigentlich unbewusst“ macht, magst du es „bewusst“ explizieren ? denn ich habe es es (noch?) nicht erlernt
    • Weil ein Detail, wichtiger sein kann als das "wesentliche", oder was dafür gehalten wird.
      Ich finde eben manchmal den Fehler im System, sehe aber woanders den Wald vor lauter Bäumen nicht.
      Bei vielen Flohmarkt Schnäppchen bin ich ein Gewinner, beim Suchen eines plötzlich anders verpackten Artikels im Supermarkt ein lächerlicher Versager.
      Greta hat erkannt, daß die Menschen auf der Erde ein Fehler sind, das wusste ich schon vor vierzig Jahren, hat aber damals keinen interessiert
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen
    • Nä, ich finde @Pechblende s Einwurf richtig, denn so, wie es im zitierten Ausschnitt gesagt wurde, ist es doch tatsächlich widersprüchlich.
      Hätte man in dem Deutschlandfunkbeitrag genauer ausdrücken sollen.
      If you're happy and you know it clap your hands.....(three times!)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Ja, es klingt widersprüchlich, aber ich vermute, es ist so zu verstehen, dass in dem einen Fall der wahrnehmungsverarbeitende Teil des Gehirns die Kennzeichnung als "wichtig" oder "unwichtig" übernimmt, im anderen Fall hingegen der kognitive Denkapparat.

      Das passt auf jeden Fall zu meiner Erfahrung. Ich bekomme häufig die Rückmeldung, besonders gut "Probleme auf das Wesentliche reduzieren zu können" / "zu sehen, worauf es wirklich ankommt" o.ä., und habe das bisher nie wirklich mit dem Klischee vereinbaren können, dass Autisten genau das angeblich nicht könnten.
      Vielleicht liegt es genau daran, dass ich seit frühester Kindheit immer "gezwungen" war, meinen Denkapparat in dieser Disziplin zu trainieren, weil andere Teile des Gehirns das eben nicht hinbekommen haben.
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal
    • Hutter wrote:

      Die Betroffenen sind dauernd von einer Reizüberflutung bedroht, weil ihr Gehirn wichtige von unwichtigen Sinneswahrnehmungen nicht gut trennen kann und deshalb zu viele Details beachtet. Sie entwickeln oft schon als Kinder ein großes Vermögen, Wesentliches zu fokussieren.
      Soweit ich es richtig verstehe, gilt der erste Satz nur den Sinneswahrnehmungen und der so genannten Reizfilterschwäche, was alles unterbewusst abläuft. Der zweite gilt bewussten gedanklichen Leistungen.
      Achtung, eigene Sprache!
    • Ich finde den Artikel gut, weil er eine Eigenart des Autimus als positiv beschreibt: die Sturheit, wenn man etwas als richtig erkannt hat.
      Jedes mal, wenn man mir sagt, ich wäre nicht gesellschaftsfähig,
      werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin überaus erleichtert.
    • Pechblende wrote:

      und überlege ob hier ein Widerspruch vorliegt und ggf. wie dieser aufzulösen ist ?
      Darüber bin ich auch gestolpert. Ich finde es falsch formuliert.
      Bestenfalls fokussiert man sich als Autist auf ein für einen selbst wesentliches Thema - aber trotzdem noch mit allen Details, egal wie unwichtig die sind. Hyperfokus.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Eurich Wolkengrob wrote:

      Soweit ich es richtig verstehe, gilt der erste Satz nur den Sinneswahrnehmungen und der so genannten Reizfilterschwäche, was alles unterbewusst abläuft. Der zweite gilt bewussten gedanklichen Leistungen.
      So verstehe ich es auch.
      In mancher Hinsicht habe ich diese Möglichkeit auch, aber nur wenn mir auch die Zeit bleibt darüber nachzudenken, was leider in gesprächen und sozialen gegebenheiten nicht immer passiert/möglich ist.
      Man hat mir aber auch schon gesagt das meine Meinung und mein rat und Konfliktsituationen geschätzt wird, weil ich scheinbar dazu in der Lage bin ein Problem eher aus der Sicht der Sache zu betrachten und nicht aus der Sicht der emotionalen menschen die gerade das problem haben.
    • nach meiner Erfahrung (nun auch schon 50) ist das nicht so einfach.
      Klar habe ich manchmal aus der Wahrnehmung von Detailinformationen resultierende Geistesblitze.
      Meine Erfahrung ist aber, dass ich deren Qualität gar nicht selber beurteilen kann.
      Es kann ja auch völlig abseitig und unpraktikabel sein.
      Deswegen suche ich mir immer eine zweite Person, um da eine erste Reaktion auf meine Idee zu bekommen, bevor ich die hinausposaune.

      Man muss ehrlicherweise sagen, dass Greta auch nicht solo unterwegs war. Ich verstehe da nicht so richtig, warum das nicht hervorgehoben wird, dass sowas Teamwork ist.
    • shnoing wrote:

      Man muss ehrlicherweise sagen, dass Greta auch nicht solo unterwegs war. Ich verstehe da nicht so richtig, warum das nicht hervorgehoben wird, dass sowas Teamwork ist.
      Den Punkt finde ich sehr wichtig. Gretas Erfolg liegt ja gerade diese Mischung zugrunde. Einerseits ist sie selbst in ihren Zielen ernsthaft, authentisch und dadurch glaubhaft. Ihr geht es tatsächlich "um die Sache". Andererseits ist sie gerade dabei hochprofessionell inszeniert, kommt schon aus einer im Medienbereich erfahrenen und hervorragend vernetzten Familie und ist Öffentlichkeit seit der frühen Kindheit gewöhnt. Und sie hat ein Charisma, das sie als Symbolfigur geeignet macht. Ohne diese besondere Konstellation würde ihre Stimme überhaupt nicht in der Weise gehört werden. Insgesamt haben es Autisten meinem Eindruck nach sogar eher schwerer als der Durchschnitt, ihre Anliegen medienwirksam zu verbreiten.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Die Betroffenen sind dauernd von einer Reizüberflutung bedroht, weil ihr Gehirn wichtige von unwichtigen Sinneswahrnehmungen nicht gut trennen kann und deshalb zu viele Details beachtet.
      Also das finde ich mal ne gute Formulierung. Sonst schreiben die Leute immer sowas wie: "Autisten können Wichtiges nicht von Unwichtigem unterscheiden", das klingt dann so, als seien Autisten zu blöd dafür, für sich bewerten zu können, dass das eine wichtiger ist als das andere, dass also z. B. das, was der Lehrer vorne sagt, wichtiger bzw. beachtenswerter ist als die Gespräche, die andere Schüler nebenbei miteinander führen. Zumindest, wenn man an guten Noten interessiert ist.

      Fand es früher immer seltsam wenn bei Serien wie z. B. Gilmore Girls der Hintergrund inklusive Hauptsprecher plötzlich nicht mehr zu hören war, sobald sie wieder das Tuscheln angefangen haben, so dass man als Zuschauer nur noch ihr Gespräch hören konnte, das erschien mir unrealistisch, aber für sie ist es wohl wirklich so, dass sie Dinge leicht einfach ausblenden können. Sonst wären schon viele Leute in der Disko verzweifelt und elendig zugrunde gegangen im Rausch der erschlagend vielen Sinnesreize, unfähig noch irgendetwas klar mitzukriegen.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Wihl nicht ganz problemlos aber irgendwie schaffen sie es! Und können sich auch stundenlang im dichten Gedränge und Lärm aufhalten, ohne nen Koller zu kriegen.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.