Wurdet ihr seit Kindheit auf neurotypisches Verhalten getrimmt, oder durftet ihr selber euer Charakter mit emotionaler Unterstützung entwickeln?

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    • Wurdet ihr seit Kindheit auf neurotypisches Verhalten getrimmt, oder durftet ihr selber euer Charakter mit emotionaler Unterstützung entwickeln?

      Hey,

      Wurdet ihr seit Kindheit auf neurotypische Verhalten getrimmt, oder durftet ihr selber euer Charakter mit emotionaler Unterstützung entwickeln?
      Bei mir hiess es immer, was richtig ist, wobei auf mein Verhalten und nicht auf meine Probleme welche dahinter gesteckt haben geachtet wurde.
      Als Folge, achte ich sehr stark auf Überanpassung, da es aktuell mein einziger Weg ist, unter Menschen klarzukommen.
      Da ich immer hoerte was richtig ist, ich es nie umsetzen konnte durch dieses gelernte Verhalten ständig in der Überforderung bin, sind Selbstwertgefuehl und gefühlte Selbstwirksamkeit sehr schlecht ausgeprägt.
      Dazu weiss ich nicht wirklich wehr ich bin, was ua, Menschen von Selbsthilfegruppen zu mir sagen, da ich schon bisschen auf das 'richtige Verhalten' getrimmt worden bin.

      Es gibt doch auch ein umstrittenes Programm für junge Autisten, womit sie auf neurotypische Verhalten getrimmt werden, kann mir jemand sagen, wie es heisst?
      Der Name fällt mir gerade nicht ein.

      Autisten welche seit kleinster Kindheit auf das 'richtige Verhalten' getrimmt werden, können doch nicht wirklich einein eigenen Charakter entwickeln?
      Wie weit 'zerstören' solche Erziehungsmethoden die Psyche und trimmen den entwickelten Charakter auf Überanpassung?

      Mittlerweile würde ich versuchen, junge Autisten mit viel emotionaler Unterstützung,Akzeptanz und Programme zu unterstützen, welche ihre Handlungsfähigkeiten möglich stark verbessern.
      Dazu mit den Teacch Programm, da Strukturierung und Visualisierung dahintersteckt, welchen den Autisten fördern und eine möglichst grosse Selbstständigkeit erreichen lässt, wenn es so ist, wie ich es einschätzen.
      Akzeptanz, Verständnis und emotionale Unterstuetzung, sind für mich aber mittlerweile die 'Hauptpfeiler' einer guten Erziehung.

      Noch heute werde ich von meinen Eltern schnell angesprochen, wenn ich mich nicht rasiere, oder zunehme.
      Genauso, wenn meine Hosen ungleich aus den Schuhen ragen oder Schnürsenkel offen sind.

      Wenn ich sie Frage, warum sie mich und meine Probleme nicht akzeptieren wie sie sind, meinen sie, was wären sie für 'Rabeneltern', wenn sie mich nicht drauf ansprechen würden.
      Sie sehen es als Asusdruck ihrer Liebe, ich sehe es als Teil ihrer Inakzeptanz mir gegenüber, da es bei mir Druck aufbaut gut genug zu sein.
      Logischer wäre es, wenn sie seit jeher ua. nach Loesungen für meine Konzentrationsprobleme geachtet haetten, da es die Ursachen vom nichtrasieren, offenen Schnürsenkel, ungleichen herausragen von Hosen aus dem Schuh sind.
      Wobei ich in der Kindheit nicht nur bei der Ergo war, sondern auch bei Logoparden etc.

      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:

      The post was edited 1 time, last by Daniel1 ().

    • Hallo,

      das finde ich ein sehr interessantes Thema!! Denn ich hatte in meiner Kindheit beides. Eine Mama, die einen bedingungslos akzeptiert, liebt, wie es eigentlich sein sollte und dazu aber einen Vater, der einen täglichen auf einfach alles hinwiest, was man denn so alles falsch macht und wie dumm und unnütz man ist. Das hat mich tatsächlich durcheinander gebracht und ich kam erst damit klar seit ich ca 17/18/19 Jahre alt war.
      Der Ausdruck „auf das richtige Verhalten trimmen“ passt da einfach perfekt!
      Ich habe eigentlich täglich gehört:
      Hör auf zu zappeln, setz dich gerade hin, zieh die Schultern hoch beim Laufen und mach den Rücken gerade, schau mich an wenn ich mit dir rede, hör mit ... auf, sonst entwickelt sich das noch zu einem Tick, sei nicht so albern, werd endlich erwachsen, such dir gefälligst Interessen die deinem Alter/Mädchen entsprechen, such dir endlich Freunde, hör auf deine Jugend zu vergeuden, sprich gefälligst mit den Leuten wenn wir irgendwo zu Besuch sind oder Besuch haben, zieh dich gefälligst wie ein Mädchen an, dein Zimmer sieht aus wie von einem Jungen, legt dir doch mal einen weiblichen Stil zu und eine richtige Frisur, USW.... BlaBlaBla.... das war bestimmt noch nicht alles :frown:
      Selbstdiagose...
    • Liebe @ADD83 .

      Dass klingt schon Richtung ABBA.
      Wie gesagt, bei mir ähnlich, wobei der 'Spagat' schwierig zu sein scheint, das Kind auf das Leben anzupassen, anderseits, die Persönlichkeitsentwicklung mithilfe von Akzeptanz und emotionale Unterstützung zu unterstützen.

      Setze den Wikipedialink nur auf 2. Stelle, da der erste Link die Problematik sehr gut darstellt, vor welcher autistische Eltern stehen.

      zeit.de/zeit-wissen/2013/03/au…-kinder-verhalten/seite-2

      de.m.wikibooks.org/wiki/Applie…nalysis_(ABA):_Einleitung



      Alles Gute.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:

      The post was edited 3 times, last by Daniel1 ().

    • Ich finde auch Situationen verwirrend, in denen das Getrimmte nicht mehr passt. Nachdem ich mich doch dran gewöhnt habe, Menschen bei der Begrüßung einen „kräftigen Händedruck“ zu geben, habe ich jetzt mit Corona ständig das Gefühl etwas falsch zu machen, wenn ich es weglasse. Getrimmt ist eben getrimmt :?
      Selbstdiagose...
    • Stimmt vollkommen und dann kommen immer die 'hilfreichen' Antworten von allen Seiten, tue was dir gut tut.
      Nur, wenn das Leben bisher selbst von Therapeuten und Ârztesicht für einen daraus ausgelagt war, normal zu erscheinen und zu funktionieren, sich in die Gesellschaft zu integrieten wobei Verhalten nicht aber die Ursache vom Verhalten gesehen wurde, muss man erstmal sehen wer man ist und was einen gut tut.

      Bei mir wurde immer viel geschaut, dass ich mich in die Gesellschaft integrieren kann.
      Da ich die Grundlagen nicht mitbringe, ist bei mir der aktuelle Satz aktiv, 'was muss ich tun dass ich geliebt werden.'

      Da seit 2 Jahren die Autismusdiagnose feststeht, versuche ich mit Hilfe und dem Teaccprogramm, Grundlagen zu erwerben.


      :thumbup: :thumbup:
    • Meine Eltern haben von mir immer NTVerhalten verlangt (wir wussten ja nix von meinem Autismus). Ich habe es nie hinbekommen und war immer der Versager.

      Meinen Sohn lasse ich überwiegend so, wie er ist, erzähle ihm aber immer wieder mal, wie sein Verhalten auf andere wirkt und weshalb sie dann unerwünscht reagieren. Und manche Dinge muss er eben auf NT Art zu machen lernen, damit er in ausgewählten Situationen nicht so auffällig ist bzw nicht die unerwünschten Reaktionen erhält.

      Wenn seine Kkeidung komisch sitzt oder so, weise ich ihn nur kurz drauf hin mit der Info, dass NTs das komisch finden würden, lasse ihn dann aber machen wie er möchte. Er soll sich nur bewusst sein, was ist, damit er das später steuern kann, wenn er möchte.
      mitten im Burnout - aber alles wird gut :nerved:
    • Auf alle Fälle war es bei mir auch so, ich zitiere :

      Guck mich an wenn ich mit dir rede,
      Mach nicht so einen Buckel
      Spiel nicht mit dem Essen
      Schlürf nicht so
      Laufe vernünftig

      Sie wusste scheinbar nichts von Autismus, später sagte sie ich hätte keine soziale Intelligenz, sie ahnte oder wusste also etwas.
      Leider ist sie vorletztes Jahr gestorben, sie hatte Alzheimer
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen
    • molle66 wrote:

      Guck mich an wenn ich mit dir rede,
      Mach nicht so einen Buckel
      Spiel nicht mit dem Essen
      Schlürf nicht so
      Laufe vernünftig
      Wurde Dir erklärt, warum Du all das (nicht) machen sollst?
      Das sind alles Dinge, die man einem Kind durchaus beibringen sollte.
      Du solltest Deiner Mutter dafür dankbar sein.
    • zaph wrote:

      molle66 wrote:

      Guck mich an wenn ich mit dir rede,
      Mach nicht so einen Buckel
      Spiel nicht mit dem Essen
      Schlürf nicht so
      Laufe vernünftig
      Wurde Dir erklärt, warum Du all das (nicht) machen sollst?Das sind alles Dinge, die man einem Kind durchaus beibringen sollte.
      Du solltest Deiner Mutter dafür dankbar sein.
      sie hätte es erklären sollen. Dann hätte es Sinn gemacht. So kommt nur Kritik rüber und das Kind ändert das Verhalten nicht.
      mitten im Burnout - aber alles wird gut :nerved:
    • Nö, zum Glück nicht! Meine Mutter hat mir da viele Freiheiten gelassen! Vielleicht habe ich auch deshalb noch nie mit schwerwiegenden Depressionen zu kämpfen gehabt, höchstens mit vielen Durchhängern, die maximal nach einer Woche wieder verschwanden.

      Ich weiß auch nicht.
    • Chch wrote:

      zaph wrote:

      molle66 wrote:

      Guck mich an wenn ich mit dir rede,
      Mach nicht so einen Buckel
      Spiel nicht mit dem Essen
      Schlürf nicht so
      Laufe vernünftig
      Wurde Dir erklärt, warum Du all das (nicht) machen sollst?Das sind alles Dinge, die man einem Kind durchaus beibringen sollte.Du solltest Deiner Mutter dafür dankbar sein.
      sie hätte es erklären sollen. Dann hätte es Sinn gemacht. So kommt nur Kritik rüber und das Kind ändert das Verhalten nicht.
      Wenn das Kind zu sehr auf Kompatibilität mit der Aussenwelt getrimmt wird, sehe ich die Gefahr, dass es an Belastbarkeit und Funktionalität verliert.
      So wie ich @Silas_2001 , verstehe kommen auch Depressionen dazu, wenn ein Kind auf was getrimmt wird, was es nicht ausführen kann.
      Sehe ich genauso.
      Selbstwertgefuehl, Selbstwirksamkeit, Selbstbewusstsein bleiben auch 'am Boden' wenn auf permanente Anpassung und nicht auf besseren Umgang mit der Ursache und Problemen, sowie der Stärkung der Stärken gearbeitet wird.

      In der geschützten Einrichtung wo ich ausserhalb des Lickdowns ehrenamtlich helfe, will jemand, dass ich ihn dauernd bei Gespräche in die Augen sehe, was für mich komplett kraftzerrend ist.
      Wenn wir Pause machen, will er dass ich mich mit ihm unterhalte, wo ich ihm auch in die Augen sehen soll.
      Wenn ich Pause mache, mir alles zu viel ist, schaue ich aber lieber fokussiert aufs Smartphone, blende alles ausserhalb aus, was mich entspannt.
      Für ihn ist aber Pause, wenn er sich mit Kollegen unterhält, weshalb er mein Verhalten schwierig finde.
      Er sagt immer, früher gab es mehr miteinander als heute.
      Obwohl ich ihm gefühlsmäßig schon 100 Mal gesagt habe, dass ich ein Autist bin, unterbricht er mich immer, wenn ich mich mit Smartphone in der Pause entspanne.
      Stattdessen soll ich ihm in die Augen schauen und mit ihm reden.
      Manchmal Frage ich mich ob neurotypische Menschen Probleme mit der Emphatie haben oder Autisten.
      Die Autisten welche ich kenne sind zum Grossteil viel toleranter als neurotypische Menschen welche ich kenne.

      :thumbup: :thumbup:

      The post was edited 1 time, last by Daniel1 ().

    • ADD83 wrote:

      Hallo,

      das finde ich ein sehr interessantes Thema!! Denn ich hatte in meiner Kindheit beides. Eine Mama, die einen bedingungslos akzeptiert, liebt, wie es eigentlich sein sollte und dazu aber einen Vater, der einen täglichen auf einfach alles hinwiest, was man denn so alles falsch macht und wie dumm und unnütz man ist. Das hat mich tatsächlich durcheinander gebracht und ich kam erst damit klar seit ich ca 17/18/19 Jahre alt war.
      Der Ausdruck „auf das richtige Verhalten trimmen“ passt da einfach perfekt!
      Ich habe eigentlich täglich gehört:
      Hör auf zu zappeln, setz dich gerade hin, zieh die Schultern hoch beim Laufen und mach den Rücken gerade, schau mich an wenn ich mit dir rede, hör mit ... auf, sonst entwickelt sich das noch zu einem Tick, sei nicht so albern, werd endlich erwachsen, such dir gefälligst Interessen die deinem Alter/Mädchen entsprechen, such dir endlich Freunde, hör auf deine Jugend zu vergeuden, sprich gefälligst mit den Leuten wenn wir irgendwo zu Besuch sind oder Besuch haben, zieh dich gefälligst wie ein Mädchen an, dein Zimmer sieht aus wie von einem Jungen, legt dir doch mal einen weiblichen Stil zu und eine richtige Frisur, USW.... BlaBlaBla.... das war bestimmt noch nicht alles :frown:
      Wenn ich das lese,steigt bei mir der Blutdruck! :x Was für ein Schwachsinn dir erzählt wurde! Nichts gegen deinen Vater, aber diese Forderungen, die er dir gestellt hat sind sowas von 0815! Dennoch wollen die meisten Menschen etwas besonderes sein, ich verstehe es nicht! :shake:
    • Daniel1 wrote:

      Wenn das Kind zu sehr auf Kompatibilität mit der Aussenwelt getrimmt wird, sehe ich die Gefahr, dass es an Belastbarkeit und Funktionalität verliert.
      Und was findest Du besser?
      Alles einfach machen lassen (Zappeln, schlürfen,...)?
      Dann soll sich aber auch keiner beschweren, wenn später andere nicht mit einem zappelnden und schlürfenden Erwachsenen gemeinsam ins Restaurant wollen.

      Ich kann das gerade nicht ganz nachvollziehen:
      Auf der einen Seite soll den Kindern größtmögliche Freiheit gelassen werden, andererseits wird aber kritisiert, wenn im späteren Leben keiner was mit denen zu tun haben will, weil sie nicht wissen (weil nie gelernt), wie man sich zu benehmen hat.
    • Daniel1 wrote:

      Bei mir hiess es immer, was richtig ist, wobei auf mein Verhalten und nicht auf meine Probleme welche dahinter gesteckt haben geachtet wurde.
      So in der Art wurde ich auch erzogen, allerdings haben meine Eltern dabei nicht so extrem reagiert, sie machten mich zwar auf manche Dinge aufmerksam aber es war kein großer Druck dahinter, also ich wurde sehr selten gezwungen und in manchen Situationen wurde es auch erklärt, auch wenn ich den Sinn hinter der Sache selbst nicht immer verstanden habe.


      Daniel1 wrote:

      Als Folge, achte ich sehr stark auf Überanpassung, da es aktuell mein einziger Weg ist, unter Menschen klarzukommen.
      Das ist bei mir nicht so extrem.
      Auf manche Anpassungsstrategien achte ich auch, aber ich finde sie auch richtig und sehe darin einen Sinn, auch für mich zum Vorteil, beispielsweise wenn man jemanden grüßt von dem man etwas will (beim Einkaufen etc).
      Da muss man sich überwinden, auch wenn man am liebsten dem nur das Geld in die Hand drücken will und wieder weg will, aber so funktioniert deren System nicht.
      Wenn man das so machen würde, würde den Nichtautisten etwas fehlen, sie fühlen sich dann kaltherzig behandelt und denken vielleicht die andere Person ist nicht nett und mag sie nicht, was bei NT vielleicht tatsächlich so ist, bei Autisten aber nicht unbedingt.


      Daniel1 wrote:

      Dazu weiss ich nicht wirklich wehr ich bin, was ua, Menschen von Selbsthilfegruppen zu mir sagen, da ich schon bisschen auf das 'richtige Verhalten' getrimmt worden bin.
      Vielleicht kannst du herausfinden wie du wirklich bist.
      Im grunde hat jeder Mensch sowas wie ein inneres Gefühl.
      Denk einfach über eine bestimmte Situation nach, wo du ein dir antrainiertes Verhalten anwendest und überlege wie du in der Situation am liebsten handeln würdest, weil das was du am liebsten tun würdest, spiegelt auch deine wahre Natur wieder.


      Daniel1 wrote:

      Es gibt doch auch ein umstrittenes Programm für junge Autisten, womit sie auf neurotypische Verhalten getrimmt werden, kann mir jemand sagen, wie es heisst?
      Der Name fällt mir gerade nicht ein.
      Ich weiß leider auch nicht wie dieses Programm heißt, aber ich kenne es auch von einem anderen Autisten aus dem Autismuszentrum in Essen.
      Dort wurde der junge Mann auch immer wieder an sein "Fehlverhalten" erinnert was sich meist auch eher auf ungepflegtes Aussehen bezog oder auf Verfressenheit oder sowas.
      Ich fand es unangenehm das der Gruppenleiter da wärend der Anwesenheit der anderen Leute da an ihm "herum-mäkelte" und ihn zurechtwies.


      Daniel1 wrote:

      Wie weit 'zerstören' solche Erziehungsmethoden die Psyche und trimmen den entwickelten Charakter auf Überanpassung?
      Wie weit das gehen kann weiß ich nicht, aber wenn ich mir durchlese was du schreibst, scheint das ziemlich stark in die Psyche eines Menschen eingreifen zu können, was ich nicht für gut empfinde.


      Daniel1 wrote:

      Noch heute werde ich von meinen Eltern schnell angesprochen, wenn ich mich nicht rasiere, oder zunehme.
      Genauso, wenn meine Hosen ungleich aus den Schuhen ragen oder Schnürsenkel offen sind.
      Das ist typisches Bemuttern. Ich vermute das sie das immernoch machen, weil du in ihren Augen "behindert" bist.
      Also nicht im Sinne von Einschränkungen haben, sondern die negative Sicht "Der kann nix und braucht uns".
      Für mich ist das kein unterstützen sondern bemuttern.
      Ob sich ein erwachsener Mann rasiert oder nicht finde ich heute nicht zeitgemäß zu beanstanden, manche mögen lieber einen Bart haben, andere mögen es nicht, es gibt heute keinen Kleiderkodex mehr für Bärte, viele laufen heute unrasiert herum, viele junge Männer sogar mit Vollbart.
      Bei dem Zunehmen würde ich mir als Eltern eher sorgen machen wenn es viel ist also sagen wir mal 10kg innerhalb von einem Monat oder so und wenn ich dazu weiß das sich die Person von Fertiggerichten ernährt, das ist nachweislich sehr ungesund.
      Bei den Schnürsenkeln finde ich es schon okay wenn sie einem das sagen weil offene Schnürsenkel das Potenzial für Unfälle haben, und man stolpern kann.
      Ich manche immer Doppelknoten in meine rein weil die auch dazu neigen immer beim Laufen wieder aufzugehen.
      Früher habe ich lieber Schuhe mit Klettverschlüssen getragen aber heute findet man ja kaum noch gescheite Schuhe mit welchen, außer Kinderschuhe aber die sind mir zu klein.


      Daniel1 wrote:

      Wenn ich sie Frage, warum sie mich und meine Probleme nicht akzeptieren wie sie sind, meinen sie, was wären sie für 'Rabeneltern', wenn sie mich nicht drauf ansprechen würden.
      Sie sehen es als Asusdruck ihrer Liebe, ich sehe es als Teil ihrer Inakzeptanz mir gegenüber, da es bei mir Druck aufbaut gut genug zu sein.
      Das liegt daran weil sie in einer anderen Zeit aufgewachsen sind als wir.
      Heute kann ja im Grunde jeder rumlaufen wie man will. In dieser Umgebung wo ich lebe laufen viele sehr schlunzig und abgeranzt herum, drecking wie sonstwas mit kaputten Klamotten, aber früher war das unüblich, man hatte gefälligst akkurat zu sein und gepflegt.
      Da haben die Kinder ja schon was auf die Finger bekommen wenn sie sich beim Spielen dreckig gemacht haben.
      Ich wurde früher auch oft angemotzt wenn ich abends nach dem Spielen mit zerissenen Hosen oder dreckigen Knien nachhause kam.


      Daniel1 wrote:

      da es bei mir Druck aufbaut gut genug zu sein.
      Mich hat das irgendwie nie gekümmert.
      Vielleicht hätte es mir auch Druck gemacht, wenn die Eltern mir versucht hätten durch Schuldgefühle näher zu kommen, so vonwegen "Hast du dich wieder eingesaut, jetzt ist die Mami traurig und muss neue Kleidung kaufen, immer müssen wir unser Geld für deine neuen Hosen aus dem Fenster werfen, das gäbe es nicht wenn du beim Spielen nicht immer auf allen vieren rumrutschen würdest..."
      Aber so haben meine Eltern nie mit mir geredet, sowas in der Art habe ich erst bei der neuen Ehefrau meines vaters erlebt, und damals habe ich das Gefühl gehabt das das scheinheilig ist.
      Ich war damals aber auch bereits 12 und kannte es vorher ja auch nicht. Da merkt man eher das da was anders ist was sich nicht richtig anfühlt.


      Daniel1 wrote:

      Logischer wäre es, wenn sie seit jeher ua. nach Loesungen für meine Konzentrationsprobleme geachtet haetten, da es die Ursachen vom nichtrasieren, offenen Schnürsenkel, ungleichen herausragen von Hosen aus dem Schuh sind.
      Wobei ich in der Kindheit nicht nur bei der Ergo war, sondern auch bei Logoparden etc.
      Als ich den Logoparden las musste ich schmunzeln, das klingt wie eine neue Großkatzen-art die man noch nicht kennt XD
      Ich kenne aber solche Konzentrationsprobleme auch, schreibe manchmal auch seltsame Wörter ohne es zu merken.

      Das mit den optischen Sachen, also rasieren, Hosenbeine und Schnürsenkel liegt denke ich, eher an der Tatsache das dir selbst diese Dinge nicht wichtig sind, du achtest da ganz einfach nicht drauf.
      Ich beobachte das bei einigen Autisten aber auch bei vielen anderen menschen mit Behinderung.
      Mir fallen manche Dinge auch nicht immer an mir auf, aber ich muss sagen, das mir inzwischen äußeres Auftreten sehr wichtig geworden ist, vielleicht bin ich etwas eitel geworden, aber einen gewissen Sinn für schöne und ordentliche Kleidung hatte ich auch damals schon als ich in die Pubertät kam, nur wollte ich halt Dinge tragen die ich mag und nicht die andere für mich akkurat finden. Ich trage ja manchmal auch Pelze in der Öffentlichkeit was andere seltsam finden. Früher als Kind fand ich Men in Black cool und wollte auch einen Anzug tragen, ich mag es wenn meine Haare immer gewaschen und weich sind, finde fettige Haare an mir unangenehm anzufassen und bei anderen optisch auch eklig, und achte bei meinen Sachen auf Sauberkeit. Das ist aber meine eigene Innere Einstellung, das kommt also von mir selbst.
      Es gibt auch Autisten die auf sowas achten, vermutlich weil es ihnen auch ein Gefühl von Ordnung gibt. Es wird im fernsehen immer so dargestellt.
      Bislang habe ich solche Autisten aber im echten Leben noch nicht getroffen.
    • zaph wrote:

      Daniel1 wrote:

      Wenn das Kind zu sehr auf Kompatibilität mit der Aussenwelt getrimmt wird, sehe ich die Gefahr, dass es an Belastbarkeit und Funktionalität verliert.
      Und was findest Du besser?Alles einfach machen lassen (Zappeln, schlürfen,...)?
      Dann soll sich aber auch keiner beschweren, wenn später andere nicht mit einem zappelnden und schlürfenden Erwachsenen gemeinsam ins Restaurant wollen.

      Ich kann das gerade nicht ganz nachvollziehen:
      Auf der einen Seite soll den Kindern größtmögliche Freiheit gelassen werden, andererseits wird aber kritisiert, wenn im späteren Leben keiner was mit denen zu tun haben will, weil sie nicht wissen (weil nie gelernt), wie man sich zu benehmen hat.
      der goldene Mittelweg, lieber Zaph! Daniel hat das Extrem gemeint, was viele Kinder zermürbt. Und Du meinst das andere Extrem, was Kinder in absolute Außenseiterrollen katapultiert.
      mitten im Burnout - aber alles wird gut :nerved:
    • Mein Vater hat sich nicht groß in die Erziehung eingemischt, daher kamen von ihm keine solchen Trimmversuche. Aber das war auch nicht unbedingt gut, weil ich so den Eindruck hatte, dass er gar nicht richtig da ist.
      Meine Mutter dagegen ist selbst ein sehr angepasster Mensch, sie läuft praktisch immer mit dem Gedanken durch die Welt "was könnten die Leuten denken", und das hat sich dann auch in der Erziehung so ausgedrückt. Allerdings hat sie dann auch oft dazu gesagt, was der Grund ist, warum ich etwas anders machen soll, nämlich weil es eben komisch oder negativ auf andere wirkt. Dadurch konnte ich das schon einordnen. Das Selbstvertrauen hat es nicht unbedingt verbessert, weil ich dadurch das Gefühl bekam, ständig was falsch zu machen, und dass jeder andere besser ist als ich, denn für die andern machten wir das ja.
      Auch heute zieht sie mir noch die Jacke zurecht oder dreht meine Kapuze um, wenn sie sich verdreht hat. Aber das macht mir jetzt nichts mehr aus, weil ich weiß, warum sie es macht, und wenn ich allein bin, kann ich es machen, wie ich will. Inzwischen laufe ich manchmal bewusst unangepasst herum, um selbstsicherer zu werden.
      Es waren andere Eigenheiten meiner Mutter, die mir mehr das Leben schwer gemacht haben.
      Alles wird galaktisch gut.