Was ist für euch eine andere Warnehmung. Was versteht ihr unter Wahrnehmung. ( Für mich ist es ein riesiger Begriff)

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    • Was ist für euch eine andere Warnehmung. Was versteht ihr unter Wahrnehmung. ( Für mich ist es ein riesiger Begriff)

      Hey, mir ist bewusst, dass Autismus als Wahrnehmungsstoerung gilt.

      Hier im Forum, höre ich den Begriff aber in verschiedene Kontexte.

      Bin bei viele Reize überempfindlich, bei Berührung unterempfindlich.

      Dass ich kein Gesamtbild sondern Einzelteile im Kopf habe, was meine Kommunikation anders macht, gehört ja auch Warnehmung. Dass ich viel wörtlich verstehe, was nicht wörtlich gemeint ist, gehört ja auch zum Begriff Wahrnehmung.
      Dass ich Unordnung im Kopf habe, kein Überblick im Aussen habe, auf Strukturierungshilfen angewiesen bin gehört sicherlich auch zur Wahrnehmung.

      Der Begriff Wahrnehmung, habe ich hier aber schon in sehr verschiedene Kontexten gehört.

      Deswegen die Frage.
      Was versteht ihr unter Wahrnehmung, was unter Wahrnehmungsstoerung .
      Den Begriff Wahrnehmung empfinde ich sehr vielseitig, wobei ich mir bewusst bin, dass mir nicht alle Bereiche/Kontexte bekannt sind.

      Herzlichen Dank.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:
      .

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    • Daniel1 wrote:

      Was versteht ihr unter Wahrnehmung, was unter Wahrnehmungsstoerung .Den Begriff Wahrnehmung empfinde ich sehr vielseitig, wobei ich mir bewusst bin, dass mir nicht alle Bereiche/Kontexte bekannt sind.
      Naiv würde ich das Wort "Wahrnehmung" erstmal optisch/akustisch deuten. Optisch fällt meine Wahrnehmung oft in den "Kubistenmodus" (denk Picasso "Demoiselles d’Avignon", oder denk Duchamp, "Akt, eine Treppe herabsteigend"). Analytisch. Bewegungen und Gesichter werden in ihre Bestandteile zerlegt, die mich dann direkt "anspringen". Akustisch hab ich meist einen Soundtrack passend zu meiner aktuellen Stimmung am Laufen. Manchmal gibt mir das in meinem Kopf laufende Lied sogar einen Hinweis darauf, wie meine aktuelle Stimmung ist.
    • Daniel1 wrote:

      Was versteht ihr unter Wahrnehmung, was unter Wahrnehmungsstoerung .
      Alles was an Reizen aufgenommen und verarbeitet wird und dann bei mir ankommt ist Wahrnehmung.
      Eine Wahrnehmungsstörung liegt vor, wenn meine Art Dinge wahrzunehmen so von der durchschnittlicher Altersgenossen abweicht, dass sie mich im alltäglichen Leben einschränkt.
    • Wahrnehmung kann man ganz einfach erklären. Reize von außen werden aufgenommen und verarbeitet und gedeutet. Dies kann über alle Sinne geschehen. Man spricht in der Pädagogik oft von ganzheitlicher Wahrnehmung. Das heißt, ich sehe nicht nur, dass dort ein Teller frischer Nudeln steht, ich rieche den Geruch, ich kann sie eventuell auch anfassen oder ich merke den Dampf beim drüberlehnen, etc.
      Die Wahrnehmung direkt läuft bei allen gleich, die Frage ist dann, was deine Nerven/Gehirn in der Verarbeitung für dich daraus machen. Wahrnehmung ist außerdem nicht nur zur von dir abhängig, sondern auch von deiner Situation/Umwelt. Die gleiche Wassertemperatur zB kann im Sommer füe dich erfrischend sein, im Winter kann es sich für deine halb erfrorenen Finger total heiß anfühlen. Das kann man auch auf soziale Wahrnehmung ähnlich übernehmen.
      Selbstdiagose...
    • Daniel1 wrote:

      Was versteht ihr unter Wahrnehmung, was unter Wahrnehmungsstoerung .
      Wahrnehmung ist alles, was ich über die Sinne aufnehme: sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken. Wahrnehmungsstörung ist dann, wenn die jeweilige Aufnahme nicht oder nicht richtig funktioniert, bei einem tauben oder hörbehinderten Menschen beispielsweise.

      Wenn jemand aber normal gut sieht oder riecht, ihn aber helles Licht oder bestimmte Gerüche stören, dann funktioniert ja die Wahrnehmung, nur die Verarbeitung der Wahrnehmung ist gestört. Ich mag bestimmte Arten der Berührung nicht und gehe auch bei mir nahe stehenden Menschen schnell in Abwehrhaltung, und umgekehrt bin ich gegenüber Hitze (Auflaufform im Backofen) - leider - oft zu unempflindlich.
      "Wir leben vermutlich zum ersten Mal. Wie soll da alles auf Anhieb klappen?"
      (Jürg Halter, Gemeinsame Sprache. Zürich, Dörlemann 2021)
    • Ich interpretiere viele Begriffe auch sehr weitgehend aber gerade Wahrnehmung habe ich bisher immer als recht simpel empfunden, eben das was du über die fünf Sinne wahrnimmst, andere damit verbundene Dinge würde ich eher als Konsequenz von Wahrnehmung ansehen. Vermutlich könnte man in den Begriff Wahrnehmung auch Dinge wie mit den Reizen verbundene Assoziationen, also eine noch sehr direkte Ebene der Verarbeitung miteinbeziehen, dann ist man aber schon wieder in einem Bereich wo du anderen erklären musst wie du den Begriff verwendest. Sprache ist sowieso nur ein freies Werkzeug auf dessen Verwendung sich alle beteiligten einigen müssen. Kommunikation sehe ich aber als ein recht stark davon getrenntes Thema an das in der "Verkettung" unserer Interaktion mit der Umwelt erst ziemlich spät kommt.

      Was ich wesentlich interessanter finde ist in wie weit die Gesamtproblematik Autismus sich rein aus dem Aufwachsen mit einer anderen Wahrnehmungsintensität und da heraus anderen Assoziationen zu bestimmten Reizen entwickelt. Also die Frage ob jedes Problem Konsequenz der Andersheit in der Wahrnehmung ist (würde zu ja tendieren) oder ob es daneben noch Faktoren gibt die Autisten grundsätzlich von NTs unterscheiden.

      Ich bin grundsätzlich der Meinung dass so gut wie nichts wirklich fertig angeboren ist sondern höchstens Tendenzen der Interpretation gegeben sind die bei vielen zu einem ähnliches Ergebnis führen. Das kann man als Haarspalterei empfinden, macht für meine Weltsicht aber einen wesentlichen Unterschied. Die Lebenswirklichkeit konstruieren wir uns intuitiv daraus wie wir zuerst auf gewisse Reize reagieren und wie sich diese Assoziation dann entwickelt. Im Grunde tun wir das ein Leben lang aber am maßgeblichsten eben in der sehr frühen Kindheit, ganz am Anfang können wir die Welt nicht einmal von uns selbst differenzieren. Klingt jetzt vermutlich etwas esoterisch aber ich glaube wir bauen zunächst aus intuitiver Wahrnehmung uns selbst, unseren inneren Kern und dann aus uns selbst heraus unsere Welt. Dabei ist natürlich auch immer ein kaum zu kontrollierenden Element von Zufall neben angeborenen Tendenzen ausschlaggebend, weil was wir aus Reizen ableiten glaube ich etwas ketteneffektartig vom genauen äußeren und inneren Verlauf der ersten Kontakte mit diesen Reizen abhängt. Ich habe sowieso ein recht solipsistisches Weltbild aber was ich gerade versucht habe zu vermitteln ist eigentlich auch eine Grundlage warum ich Erfahrung, egal wie ähnlich sie in der Beschreibung ist nie als hundertprozentig übertragbar sehe und wir uns anderen Menschen immer nur mit hypothetischen Modellen nähern, diese aber niemals auf einer Subjektebene wirklich erkennen können. Für mich gibt es eine fundamentale Grenze kognitiver Empathie. Deswegen finde ich die Aussage so dumm Autisten würden "in ihrer eigenen Welt leben", jeder lebt grundsätzlich in seiner eigenen Welt, das Profil dass wir uns aus Wahrnehmung und intuitiver und bewusster Interpretation dieser aufbauen ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck und die objektive Welt quasi nur der kleinste gemeinsame Nenner (wodurch ich damit intersubjektiven Konsens nicht abwerten will, bei vielen Dingen muss man einfach davon ausgehen dass wir sie funktional ähnlich genug wahrnehmen). Ganz simpel und konkret gesagt könnte man schon wenn du auf einen bestimmten Grünton emotional und geistig im ersten Moment anders reagierst als eine andere Person sagen dass ihr nicht die selbe Sache wahrnehmt, folglich "in verschieden Welten lebt".

      Der letzte Absatz waren jetzt sehr hypothetische und zugegeben auch etwas persönlich ästhetisierte Gedanken zum Thema Wahrnehmung, du solltest also nichts davon als behauptete Tatsache verstehen aber ich dachte vielleicht wäre die potenzielle Bedeutung von Wahrnehmung im weiteren Sinne interessanter als die grundlegende Definition von "alles was man über die fünf Sinne wahrnimmt". Was ich mich persönlich immer mal frage aber andere aus Respekt nicht fragen würde ist wie sich fundamentale Einschränkungen wie zum Beispiel Blindheit oder Taubheit auf diese Entwicklung auswirken.

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    • Für mich ist Wahrnehmung auch all das was von Aussen auf mich ein dringt und verarbeitet werden will.
      Dafür hat der Körper verschiedene Sinne und das Gehirn.
      Die Sinnesorgane sind überall im Körper verteilt und nehmen äußere Reize unterschiedlich wahr.
      Bei mir ist hier meist eine Überempfindlichkeit vorhanden.
      Unterempfindlich bin ich nur wenn ich mich in etwas sehr vertiefen kann und einen Tunnelblick habe, dann bemerke ich Dinge drumherum nicht, oder ich schaffe es nicht auf sie zu reagieren obwohl ich sie durchaus wahrgenommen habe.
      Mein gehirn ist aber scheinbar mit der Verarbeitung von mehreren Reizen gleichzeitig überfordert.
      Daher der Begriff Wahrnehmungsstörung.
      Also für mich ist Wahrnehmung quasi so:

      1. Reize von außen müssen da sein (Geräusche, Lichter, Bewegung, Schall und Druckwellen, Wärme, Kälte etc)
      2. Sinnesorgane nehmen Reize auf (Nase, Mund, Haut, Augen, Ohren, innere Organe die Druckwellen spüren etc)
      3. das Gehirn verarbeitet Reize (hier kommt es zu Problemen, das Gehirn kann nicht unterscheiden was weniger wichtige Reize sind)

      Hinzu kommt das was du Daniel schon oben selbst beschrieben hast, auch das was andere sagen gehört zur Wahrnehmung.
      Wie verstehe ich den anderen überhaupt und wie drücke ich mich selbst aus damit mich andere verstehen?
      Hier liegt es auch wieder an dem Gehirn wo die Probleme liegen.
      Das Gehirn kann scheinbar nicht so gut oder garnicht gut sich selbst, die anderen Organe die zum Sprechen und für Körpersprache da sind einschätzen und demendsprechend selbst anleiten und steuern. So erscheint mir das jedenfalls bei mir selbst.
      Die fehlende Sicht von außen auf einen selbst ist daran schuld und die wird nunmal im Gehirn gebildet.
      Bei mir ist die so gut war garnicht vorhanden.
      Mit so gut wie, meine ich das wenn ich mich stark konzentriere kann ich es mir irgendwie vorstellen mit meiner Fantasie aber ob das dann realitätsnah ist weiß ich nicht.
      Bei Nichtautisten scheint diese Wahrnehmung für sich selbst besser vorhanden zu sein, die machen das automatisch.