Outing

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    • Meine Frage an euch.

      In wie ferne habt ihr nach Diagnose oder Erkenntnis euer Umfeld eingeweiht, beziehungsweise wie weit ist euer "Outing" gegangen?

      Ich habe hierzu unterschiedliche Informationen über die Sinnhaftigkeit z.B. bei Freunden und Verwandten bei leichteren Formen.

      Welche Erfahrungen habt ihr diesbezüglich gemacht ?
    • Hi Tom,

      mein Umfeld wusste es bislang nicht. Außer meine Tochter, die selbst im autistischen Spektrum ist.

      Ich habe meine Diagnose vor einigen Jahren erhalten und habe alles getan um möglichst neurotypisch zu wirken. Was komplett nach hinten losging, weil ich permanent meine Grenzen missachtet habe. Das hat meine Depression verschlimmert bis hin zu Panikattacken und einer Ptbs.

      Momentan versuche ich da mit offener umzugehen und wieder auf die Beine zu kommen. Und mich selbst nicht mehr zu verleugnen.
    • Hallo Jenna

      Hat die Tochter eine Diagnose erhalten ? Hast du ihr das beigebracht ? Oder lebt sie unwissend damit ?

      Meine eigene Diagnose zu AS wurde mir erst richtig bewusst, als ich durch Internetrecherche auf die mathematische Inselbegabung meines Sohnes gestoßen bin (diese war doch so auffällig, dass dies in Zeitungen publiziert wurde). Ich sehe ihn leider nicht, er wohnt nicht bei mir.

      Ich habe aber auch eine 14- jährige Tochter, welche wohl von mir einige AS Gene übernommen hat. Ich bin nicht sicher, in wie ferne man dies bei ihr ansprechen sollte. Sie leidet doch manchmal sehr und ich würde ihr gerne eine Erklärung hierfür liefern, habe aber auch Bedenken, dass dies eventuell zu mangelnder Anpassungsfähigkeit ihrerseits führen könnte.
    • Tom70 wrote:

      Sie leidet doch manchmal sehr
      Dann würde ich empfehlen ihr in diesem Leid zu helfen. Grade eine Diagnose kann helfen den Spagat zwischen zu viel und zu wenig Anpassung hinzubekommen und man kann in einer passenden Therapie evtl. noch neue Anpassungsstrategien lernen und Hilfe bekommen, um besser in der Gesellschaft zurechtzukommen.
    • Tom70 wrote:

      In wie ferne habt ihr nach Diagnose oder Erkenntnis euer Umfeld eingeweiht, beziehungsweise wie weit ist euer "Outing" gegangen?
      In meinem Privatleben/Freizeit weiß eigentlich fast jeder davon. Wer damit nicht zurechtkommt, hat in diesem Teil meines Lebens nichts verloren. Das hat es deutlich leichter gemacht.

      In der Arbeit halte ich mich da bedeckt. Ich möchte nicht mit den ganzen Vorurteilen konfrontiert werden. Da hatte ich in der Vergangenheit schon schlechte Erfahrungen gemacht im Studium und erkläre jetzt geschickt meine Auffälligkeiten durch eine Entwicklungsstörung, ohne das Wort Autismus zu nennen. Bisher klappt das ganz gut.
    • MangoMambo wrote:

      Tom70 wrote:

      Sie leidet doch manchmal sehr
      Dann würde ich empfehlen ihr in diesem Leid zu helfen. Grade eine Diagnose kann helfen den Spagat zwischen zu viel und zu wenig Anpassung hinzubekommen und man kann in einer passenden Therapie evtl. noch neue Anpassungsstrategien lernen und Hilfe bekommen, um besser in der Gesellschaft zurechtzukommen.
      In anderen Beiträgen habe ich gelesen, dass die Konfrontation mit AS im Teenageralter nicht immer gut ankommt. Ich muss da noch genauer abwägen.
      Ich habe mit ihr aber mal über ihr Anders sein gesprochen. Sie leidet z.B. darunter, viel Zeit für die Strukturierung ihres Tages aufwenden zu müssen, außerdem auch über den Verlust ihrer einzigen gleichaltrigen Bezugsperson/Freundin durch Wegzug. Ich habe dann mal kurz angesprochen, dass ich und ihr Opa (mein Vater) ähnlich ticken wie sie, da sie selbst gemeint hat, mit ihr stimmt etwas nicht und ich ihr das Gefühl geben wollte, dass sie nicht alleine damit da steht. Sie kommt seitdem doch gelegentlich zu mir, um sich über diese Schwierigkeiten auszutauschen, ich denke schon, dass sie sich bei mir diesbezüglich relativ sicher fühlt. Ob hierfür die Konfrontation mit einer Diagnose (du tickst so wie die Greta Thunberg) erforderlich ist, stelle ich jetzt mal in Zweifel, bin eben nicht ganz sicher hierbei.
    • MangoMambo wrote:

      Tom70 wrote:

      In wie ferne habt ihr nach Diagnose oder Erkenntnis euer Umfeld eingeweiht, beziehungsweise wie weit ist euer "Outing" gegangen?
      In meinem Privatleben/Freizeit weiß eigentlich fast jeder davon. Wer damit nicht zurechtkommt, hat in diesem Teil meines Lebens nichts verloren. Das hat es deutlich leichter gemacht.
      Hast du dadurch Freunde oder Freizeitbekanntschaften abgeben müssen ? Wie hat deine Familie/Eltern etc. darauf reagiert ?
    • Tom70 wrote:

      (du tickst so wie die Greta Thunberg)
      also wenn das jemand so formuliert hätte, hätte ich das auch absolut abgelehnt.

      Hätte mir allerdings jemand gesagt es gibt mehr Leute wie mich, ich bin mit meinen Herausforderungen nicht alleine auf der Welt und es gibt für vieles auch Lösungen, wäre ich sehr dankbar gewesen.


      Tom70 wrote:

      Hast du dadurch Freunde oder Freizeitbekanntschaften abgeben müssen ? Wie hat deine Familie/Eltern etc. darauf reagiert ?
      Ja, das waren dann aber keine passenden Freunde. Und meine Mutter war nicht überrascht, sie hatte die Diagnostik eh angestoßen. Mein Vater hat einige Jahre gebraucht um die Diagnose zu akzeptieren.
    • Du könntest ja zurückhaltend formulieren, etwa "ich habe schon überlegt, ob du ein Asperger sein könntest (Greta erwähnen, falls sie sie mag, sonst eher nicht), aber ich kann es natürlich nicht wissen, ich bin ja kein Arzt". Damit ist auch gleich klar, dass ggf. eine ärztliche Diagnose folgen muss, bevor man etwas sicher sagen kann. Autistisches Verhalten kann auch andere Gründe haben. Du könntest ihr anbieten, eine ärztliche Abklärung zu begleiten, falls sie das möchte. Vielleicht will sie zuerst selbst ein bisschen recherchieren, bevor sie etwas entscheidet. Zu überlegen wäre auch, das mit der Mutter vorher zu besprechen, sonst könnte die Mutter sich aufregen, falls sie bisher keinen solchen Verdacht hatte.

      Was das Outen angeht: ich bin mittlerweile auch eher offen. Am Arbeitsplatz weiß es ein Teil der Kollegen, aber nicht alle. Im privaten Bereich wissen es mittlerweile fast alle. Es ist einfacher für mich, eventuelle Auffälligkeiten haben gleich eine Erklärung und ich kann entspannter sein.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Was das Outen angeht: ich bin mittlerweile auch eher offen. Am Arbeitsplatz weiß es ein Teil der Kollegen, aber nicht alle. Im privaten Bereich wissen es mittlerweile fast alle.
      Das finde ich gut, "Verstecken" nützt sowieso nichts oder kostet im Zweifelsfall unendlich viel Kraft.

      Aber woher weißt Du, dass es nicht sämtliche Kollegen im näheren Umfeld wissen? So etwas (mit Tratschpotential) spricht sich doch normalerweise schnell herum.

      Shenya wrote:

      Es ist einfacher für mich, eventuelle Auffälligkeiten haben gleich eine Erklärung und ich kann entspannter sein.
      Das kann ich gut nachvollziehen. Das ist auch - neben der eigenen Gewissheit - der Grund, weshalb ich eine offizielle Diagnose anstrebe. Um dann bei Bedarf sagen zu können: So und so ist es.
    • MonaLisa wrote:

      Aber woher weißt Du, dass es nicht sämtliche Kollegen im näheren Umfeld wissen?
      Ich selbst habe es 3 Personen erzählt, einer davon (mein Chef) hat es mit meinem Einverständnis noch drei anderen erzählt (das war die Vorgesetztenriege). Die andern könnten es weitererzählt haben, das habe ich auch billigend in Kauf genommen. Aber ich habe relativ viele Kollegen in dem Arbeitsgebiet, wo ich bin, so um die 30, und in letzter Zeit sind viele Neue gekommen, da weiß ich dank Homeoffice noch nicht einmal, wie sie aussehen.
      Falls es weitererzählt wurde, dann wahrscheinlich nur 3-4 weiteren Leuten, wenn überhaupt. Mitbekommen habe ich nichts. Es würde mich nicht mehr stören, wenn es mehr Leute wüssten. Früher war das anders, aber in letzter Zeit durch die hohe Fluktuation und viele neue Kollegen würde es mir nicht mehr so viel ausmachen.
      Alles wird galaktisch gut.

      The post was edited 1 time, last by Shenya ().

    • Bei mir durfte und darf es jeder wissen. Vom Chef bis zu allen Kollegen, die Verwandtschaft und Bekanntenkreis - alle wissen bescheid. Ich gehe damit sehr offen um, da es mir wichtig ist in der Gesellschaft ein Bewusstsein für die ASS zu schaffen. Auch wenn dies in meinem Rahmen nur ein verschwindend geringer Teil der Gesellschaft sein mag :roll:
      ~ Erst wenn Du einen Anderen so annehmen kannst wie er von Natur aus ist, ist er frei geworden, sich von dort an aufzumachen, derjenige zu werden und zu sein, dessen er befähigt ist ~
    • Für mich ist das auch okay wenn mein Umfeld weiß dass ich Autistin bin. Es macht es manchmal einfacher. Mich beschäftigt manchmal eher wie ich das vermittle. Also wie teile ich das mit, benenne das. Wann, wo. "Ach übrigens, was ich noch sagen wollte: Ich bin Autistin." - Soll ich das so sagen wenn ich z.B. beim vhs-Kochkurs mit jemandem veganes Gulasch koche und wir gerade zusammen Tofu schneiden?
      Und DER Grund schlechthin, der für mich gegen Outing spricht ist, dass ich nicht nachgesagt bekommen will, dass ich mir eine Modediagnose anmaße. Oder dass das bestimmt nicht so sei, dass ich Autismus habe.
      Surprised by the joy of life.
    • Manchmal ist ein Outing geschickt, wenn sich gerade ein Anlass ergibt. Zum Beispiel jemand fragt nach meiner Telefonnummer, und ich sage, dass ich nicht gerne telefoniere und lieber Mails schreiben würde. Dann kann ich dazu sagen, dass ich Asperger habe und deshalb ungern telefoniere. Das nur als Beispiel.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Surprised wrote:

      "Ach übrigens, was ich noch sagen wollte: Ich bin Autistin." - Soll ich das so sagen wenn ich z.B. beim vhs-Kochkurs mit jemandem veganes Gulasch koche und wir gerade zusammen Tofu schneiden?
      Besser nicht, es sei denn, alle Tofustücke müssen exakt gleich groß sein. ;)
      Besser so:

      Shenya wrote:

      Manchmal ist ein Outing geschickt, wenn sich gerade ein Anlass ergibt.

      Ich denke, ein Outing ohne unmittelbaren Anlass macht insbesondere dann Sinn, wenn man z. B. dem Leiter/der Leiterin einer Gruppe, der man selbst angehört, was auch für das Berufsleben gelten kann, vom eigenen Autismus erzählt und damit auf mögliche ungewöhnliche Verhaltensweisen hinweist.
      Innerhalb der Gruppe selbst ist es wahrscheinlich besser, einen konkreten Anlass abzuwarten.
    • Ich habe noch keine Diagnose jedoch einen starken Verdacht betreffend meinen Vater, meinen Sohn und mich und ich frage nach Erfahrungen bezüglich des Outings in der Familie. Ich will da ehrlich gesagt nicht mit dem Thema vorpreschen. Ich habe bisher nur sanfte Andeutungen gemacht.