Einsamkeit

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    • platzhalter wrote:

      Liegt es an fehlenden sozialen Kontakten oder daran, dass man sich zu den sozialen Kontakten nicht zugehörig fühlt?

      Einsamkeitsgefühle habe ich eher selten.
      Mein Innenleben ist an sich recht ausgefüllt, zudem kann ich auch Stille sehr "begrüßen".

      Das Gefühl nirgends wirklich zugehörig zu sein kenne ich jedoch auch.
      Mehr oder weniger Sozialkontakte ändern das nicht, weshalb ich meine Kontakte auch recht reduziert habe.

      Letztlich ist meines Erachtens nach eh jeder Mensch immer wieder auf sich und seine Wahrnehmungsperspektive zurückgeworfen und kann dabei halt mehr oder weniger (lllusion von? ) erfüllender Gemeinschaft erleben.

      Da ich immer wieder hier im Forum lese und schreibe, scheint es für mich wohl auch irgendeine diesbezügliche Funktion zu erfüllen :roll: .

      Gerit wrote:

      Ich lebe (leider) immer nur im Moment.
      Was ist für Dich dabei das "leider" ?

      An sich wird ja gerade dieser Zustand (Leben im "Hier und jetzt" ) eher angestrebt , da es letztlich eh nur den Moment "gibt" :roll: .
    • Ich selbst habe auch nur ein sehr kleines Umfeld, das ich dafür umso mehr schätze. Um ehrlich zu sein fällt es mir auch immer schwerer neue Kontakte aufzubauen und sie über ein oberflächliches Niveau hinausgehend zu pflegen. Aber bei aller gebotenen Selbstkritik - frei nach dem Motto, es gehören immer zwei dazu, wenn etwas zwischen Menschen (nicht mehr) passiert - bin ich mir sicher, dass es nicht nur daran liegt, dass ich mich mit der Pflege neuer Kontakte schwertue. Auch das jeweilige Gegenüber tut sich mitunter mit der Kontaktpflege schwer oder hat z.B. gar kein Interesse an einem intensiveren Kontakt.

      Insbesondere zum Punkt "Gegenüber hat kein Interesse an einem intensiveren Kontakt" habe ich früher oft gedacht, ob es daran liegt, dass ich was falsch gemacht habe. Klar, diese Fälle hat es auch gegeben. Aber ebenso oft hat es eben auch den Fall gegeben, wo ich gar nichts falsch gemacht habe, sondern das Gegenüber hat mich zwar auch sympathisch gefunden (in beide Richtungen meine ich platonische Sympathie, also kein Interesse an einer Beziehung), hat aber selbst bereits ein Umfeld und die Kontaktpflege mit diesem Umfeld nimmt bereits so viel Kapazität des Gegenübers ein, dass dieses sich nicht in der Lage sieht, eine weitere Freundschaft aufzubauen.

      Und dann gibt es natürlich Leute, die gar nicht mehr möchten, als einen oberflächlichen Kontakt. Damit kann ich aber als dauerhaftem Kontakt nichts anfangen, es sei denn, es ist ein "Hallo" und "Tschüss" mit den Nachbarn oder ein fachliches Gespräch mit den Kollegen.

      Das vorausgeschickt kann ich für mich sagen, dass ich mich als Kind nie einsam gefühlt habe, sondern eher durch die Anwesenheit anderer Menschen (mit Ausnahme meines engsten Umfelds) gestört gefühlt habe. Als Jugendlicher habe ich versucht weitere Freundschaften aufzubauen, was aber aus den eingangs geschilderten Gründen mit einer Ausnahme gescheitert ist. Aber diese Ausnahme ist bis heute einer meiner engsten Freunde.

      Und so habe ich seit 20-30 Jahren nahezu unverändert den gleichen kleinen Freundeskreis, der sich berufsbedingt zwar in Deutschland verstreut hat, zu dem der Kontakt aber nie abgerissen ist. Dafür habe ich aber an meinem aktuellen Wohnort, wo ich seit neun Jahren lebe, bis heute keine Freundschaften aufbauen können. Ich habe versucht Kontakte aufzubauen, aber das hat nie geklappt.

      Irgendwann habe ich mir dann gesagt: Okay, dann ist das halt so.

      Macht mir das zu schaffen? Teilweise schon. Ich fände es schon super, einen Freund direkt hier im Ort zu haben, mit dem ich gemeinsam einen Film anschauen, an der Konsole zocken oder einfach nur über alles mögliche quatschen könnte. Aber ich habe das für mich irgendwann akzeptiert. Am Anfang hat sich das für mich wie Resignation angefühlt, aber langfristig ist es tatsächlich Akzeptanz geworden.

      Und seitdem ich für mich diese Akzeptanz gefunden habe, baue ich langsam aber stetig doch tatsächlich neue Kontakte auf, die sich Stück für Stück von der oberflächlichen Ebene zu einem persönlicheren Kontakt hin entwickeln. Das eine betrifft Mitpatienten aus meiner Reha, das andere einen Kollegen.

      Von daher ein ernstgemeinter Tipp meinerseits - auch wenn ich zu diesem Thema sicher keine erfolgreichen Ratgeber schreiben könnte :fun: : Versuche Dich selbst so zu akzeptieren wie Du bist und versuche dann im nächsten Schritt nach und nach festzustellen, welche Dinge Du gerne tust und genieße diese Dinge. Wenn Du das beides für Dich getan hast (man könnte auch sagen, wenn Du Dir das beides gegönnt hast, denn man gönnt sich da wirklich etwas Schönes :) ), dann drücke ich Dir die Daumen, dass Du Dich weniger einsam fühlst, weil Du sozusagen - klingt vielleicht doof, geht mir aber jedenfalls so - Dich hast :) . Mir ist es von dieser Position ausgehend dann tatsächlich gelungen nach und nach Anschluss zu finden, weil ich weniger Angst davor gehabt habe, dass ein Kontakt scheitert und ich dann wieder einsam bin.
      Diagnose ADHS: 1996 ; Diagnose ASS/HFA: 02/2020
    • @ifi:

      Ich hätte gerne ein „emotionales „ Gedächtnis, weil ich glaube, dass es hilft, um längerfristige Liebesbeziehungen zu führen. Ich freue mich an einem Tag über die Anwesenheit eines anderen, am nächsten Tag schaue ich ihn an und fühle gar nichts.

      In der Praxis ist es finde ich unmöglich, „jeden Tag sich für einen Partner neu zu entscheiden“, und gleichzeitig eine Familie zu führen.

      Wie ist das bei dir? Hast Du dauerhafte Gefühle oder ändern die sich ständig?
    • Gerit wrote:

      Deswegen darfst Du die junge Bäckerin mit den rot verweinten Augen nicht fragen, warum sie traurig ist, eine offensichtlich betrunkene Frau in der U-Bahn nicht mit nach Hause nehmen und versorgen, einen orientierungslos durch Ikea irrenden alten Mann nicht mit seinem Auto nach Hause bringen, Dich nicht mit einem jungen Punk hinsetzen und ihm zuhören,usw. ( Ich habe das alles gemacht, weil mir war’s wurscht, was die anderen von mir denken)
      :)
    • Gerit wrote:

      Hast Du dauerhafte Gefühle oder ändern die sich ständig?
      Das klar zu benennen fällt mir eher schwer merke ich gerade.
      Ich kann das, was mir gerade dazu einfällt versuchen in Worte zu fassen :roll: .

      :roll: es gibt Menschen, denen ich mich aus meiner Perspektive recht stabil innerlich verbunden fühle. Da sind stabile Empfindungen, die ein Gefühl der Verbundenheit in mir entstehen lassen, die unabhängig von der äusseren Form des Kontakts vorhanden sind.

      Ich kann auch im realen Kontakt zu einer Person grundsätzlich positive Gefühle entwickeln,
      doch können Emotionen wie Wut , Angst etc. diese mehr oder weniger lang doch vorübergehend "überlagern" bzw. durchziehen.
    • Ihr habt mich tatsächlich zu einer klaren Erkenntnis gebracht.

      1. Ich kann keine Freunde halten.
      Mein Mann sehe ich als meinen Mann und nicht als einen Freund, bzw behandle ihn deswegen anders.
      Das wird der einzige Grund sein, warum es schon 17 Jahre hält.
      Wäre er für mich ein Freund, hätte ich ihn bereits vergrault bzw hätte ihn nicht halten können.

      2. Ich hab keine Ahnung worüber ich mich dauerhaft unterhalten soll, wenn es sich um kein SI handelt, weil ich mein ganzes Leben drumherum aufgebaut habe.
      Selbstdiagose...
    • Gerit wrote:

      @Melanie84:

      Ich bin gerade ganz begeistert von dem, was @Anakin_1 geschrieben hat. Was sagst Du dazu ? Ich feier den gerade total, :d ich habe ihn jetzt schon viermal gelesen und finde ihn immer noch total weise..
      Bin absolut deiner Meinung!!!!
      Es werden hier im Forum viel zu oft weise Dinge gesagt, die komplett untergehen....
      Aber ich werde da in Zukunft mehr darauf achten :)
    • platzhalter wrote:

      Bei mir waren es teilweise keine Kleinigkeiten als NO-GOs. Ich habe teilweise gesagt, dass ich mich nicht wie Müll behandeln lassen. Ich würde das aber rückwirkend gesehen aber auch nichts zurück nehmen. Ich habe halt nen "schlechtes Gefühl" was ich wie in einigen Situationen so sage. Da bin ich lieber ehrlich und direkt. Eine Beziehung ist ja auch ganz oder gar nicht. Wenn man sich nicht aufeinander einlassen kann, dann geht es nicht und macht im Endeffekt mehr Probleme. Aber gerade da jemand zu finden ist halt, wie beschrieben, schwer.
      Ja, das hatte ich leider auch schon. Es gab Menschen, die mich ausgenutzt haben und es war keine wirkliche Freundschaft - der Kontakt hielt z.B. deshalb weil es die Schulzeit war und man sich jeden Tag gesehen hat. Ich habe dann auch den ein oder anderen Leuten abschreiben lassen bei Hausaufgaben. Außerhalb der Schulzeit hat da in den letzten Schuljahren fast niemand was mit mir unternommen. Viele wussten nicht mal wer ich wirklich bin und kannten mich auch nicht wirklich.


      Shenya wrote:

      So gut wie alle am Arbeitsplatz. Die Freundschaft ist vielleicht nicht ganz so eng, wie man es bei "wirklich guten Freunden" erwarten würde (?). Ich habe z.B. eine Freundin, die ich durchschnittlich alle zwei Monate sehe, außerdem verabreden wir uns seit drei Jahren immer an Silvester. Vorher war ich jedes Silvester allein.
      Was bei mir gescheitert ist am Arbeitsplatz Freundschaften zu finden. Die Kontakte werden ja dort willkürlich gewürftelt - ich muss mit den Leuten auskommen weil man halt zusammen arbeitet. Tiefere Verbundenheit zu jemanden zu finden ist echt schwer. Sie lernen mich ja gleich aus einer ganz anderen Sicht kennen - dieses, dass ich sehr zurückhaltend bin und lange brauche um lockerer zu werden bzw. eventuell sogar ewig in dieser Schublade stecken bleibe und nicht mehr rauskomme. Vereinzelt gab es Ansätze bei Leuten bei denen ich dachte, dass es was wird aber diese Leute blieben nicht lange in der Firma und dann verlief der Kontakt quasi im Sand. In der Schulzeit ist es ähnlich gewesen. Siehe auch meinen Text über der markierten Zeile hier. Da verlief es leider auch im Sand als die Schulzeit vorbei war. Vereine oder jemanden draußen einfach so kennenlernen hat auch nie funktioniert. Wodurch ich meine bisherigen 3 langjährigen Freunde kennengelernt habe:

      - eine Person durch einen Schüleraustausch (Die Person war nicht in meiner Klasse sondern in einer anderen Klasse).
      - vor vielen Jahren in einem Chat. Die Person war erst einmal nur eine lose Chatbekanntschaft und es gab viele Leute aus Chats mit denen die Bindung deutlich enger war und die ich dann auch ein paar Mal gesehen habe. Bei dieser Person entwickelte es sich aber erst nach Jahren so richtig und auch was reale Treffen anging kam auch erst nach Jahren.
      - die dritte Person kannte ich über 2 Kursteilnehmer bei einem Vorbereitungskurs für die Ausbildung. Ich habe eine Freundin von denen in Social Media Plattformen geaddet und dort in den Kommentaren hat einer immer ziemlich munter bei dieser Person kommentiert und irgendwann entstand dann da ein Kontakt, der mit der Zeit (nach über einem Jahr) ziemlich intensiv wurde und bis heute angehalten hat

      (Bei allen 3 Personen war es wirklich ein extremer Zufall wenn man bedenkt, dass andere Kontakte drum herum auf den ersten Blick intensiver waren und sich diese 3 Kontakte erst nach einer Zeit entwickelt haben).


      Melanie84 wrote:


      Ich persönlich verstehe unter Einsamkeit etwas, das unabhängig von der Anwesenheit anderer Menschen ist bzw durch oberflächliche Kontakte eher zunimmt.
      Und jetzt meine Frage: ist das nicht ein grundlegendes Symptom des Autismus?
      Ein oberflächlicher Kontakt macht mich nicht weniger einsam - für mich verschwindet die Einsamkeit erst dann wirklich wenn es ein ernsthafter Kontakt ist. Ich habe auch keine Lust auf oberflächliche Kontakte. Das bringt mir nichts.
    • Wenn ich alle Beiträge so hintereinander lese, fällt mir wieder auf, dass es Autisten durchaus wie Borderlinern geht.
      Es wird oft in absoluten Kategorien gedacht, und das macht es manchmal schwerer als es sein müsste. Das ist nicht als Kritik gemeint, nur als Feststellung (geht mir ja oft auch so). Dabei sind die guten Dinge, die einem passieren oft zufällig und bräuchten Flexibilität, um sie anzunehmen. Manchmal regt mich das ziemlich auf, wenn ich gerade nicht genug Mut oder Kapazität habe, damit umzugehen und eine Gelegenheit verstreichen lasse.
      Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

      In solchen Situationen fühle ich meistens ziemlich einsam und unfähig :nerved:
    • ifi wrote:

      es gibt Menschen, denen ich mich aus meiner Perspektive recht stabil innerlich verbunden fühle. Da sind stabile Empfindungen, die ein Gefühl der Verbundenheit in mir entstehen lassen, die unabhängig von der äusseren Form des Kontakts vorhanden sind.
      Da hört sich gut an, ich denke das könnte man die "Haltung" zu etwas nennen, so wie @ADD83 ja auch geschrieben hat:

      ADD83 wrote:

      Mein Mann sehe ich als meinen Mann und nicht als einen Freund, bzw behandle ihn deswegen anders.
      Vielleicht ist das die Möglichkeit, Stabilität in Beziehungen zu bringen. Eine Haltung zu dem Menschen einzunehmen. Das ist mein Mann. Punkt.

      Das ist dann unabhängig von den Gefühlen, die da so kommen und gehen .
    • Gerit wrote:


      ADD83 wrote:

      Mein Mann sehe ich als meinen Mann und nicht als einen Freund, bzw behandle ihn deswegen anders.
      Vielleicht ist das die Möglichkeit, Stabilität in Beziehungen zu bringen. Eine Haltung zu dem Menschen einzunehmen. Das ist mein Mann. Punkt.
      Das ist dann unabhängig von den Gefühlen, die da so kommen und gehen .
      Ich wüsste nicht wie ich anders durch die „guten und schlechten(!) Zeiten“ kommen sollte. Klar könnte ich lauter Kleinigkeiten anders haben wollen, alles auf Perfektion, aber dann wäre es nicht dasselbe. Aber irgendwie krieg ich das bei anderen Menschen nicht hin. :m(: Bzw andersherum, andere bekommen das bei mir nicht hin! :roll:
      Selbstdiagose...